Börsengang von Biontech an der New Yorker Börse im Oktober 2019 | Bild: Nasdaq

Strüngmann, Sahin, Biontech: Wer hat wie viel mit den Corona-Injektionen verdient?

Mit der Massenverabreichung der experimentellen mRNA-Präparate wurden in Deutschland Milliarden verdient – und zahllose Menschen schwer geschädigt. Multipolar hat errechnet, wie hoch die Gewinne deutscher Profiteure bislang waren. Zu ihnen zählen neben den Großaktionären von Biontech auch dessen Zulieferer sowie Städte wie Mainz und Marburg, denen immense Steuerzahlungen zuflossen. Ihrer Verantwortung, die Opfer und ihre Hinterbliebenen nun angemessen zu entschädigen, verweigern sich bislang alle.

KARSTEN MONTAG, 29. September 2023, 6 Kommentare, PDF

Vorab: Die Wertschöpfungskette der Corona-Präparate ist intransparent. So sind die Kosten für Herstellung und zugelieferte Komponenten sowie die Anzahl der ausgelieferten Dosen größtenteils unbekannt. Selbst die von den Abnehmern – also den Regierungen – gezahlten Preise pro Dosis unterliegen der Geheimhaltung. Lediglich aufgrund gesetzlicher Bestimmungen zur Teilnahme am Aktienhandel sind die Hersteller verpflichtet, in ihren Jahresabschlussberichten Auskunft über Umsatz und Gewinn zu geben. Die mangelnde Transparenz erscheint inakzeptabel, wurden Entwicklung und Produktion der Präparate doch mit Steuergeldern gefördert. Nur langsam sickern Informationen über bestellte Impfdosen, Preise und Gewährleistungen der Hersteller an die Öffentlichkeit.

Biontech: 19,6 Milliarden Euro Eigenkapitalzugewinn

Das Mainzer Biotechnologieunternehmen Biontech wurde 2008 mit dem Schwerpunkt der Erforschung von Medikamenten auf mRNA-Basis gegründet. Ende 2019 ging es mit einem Emissionswert von 15 Dollar je Aktie an die Börse und konnte dadurch sein Eigenkapital um 150 Millionen Euro auf knapp eine halbe Milliarde Euro erhöhen. In den ersten neun Monaten des Jahres 2020 hatte das Unternehmen mit Sitz in Mainz noch einen Verlust von 351 Millionen Euro zu verzeichnen. Doch mit dem Verkauf des gemeinsam mit Pfizer entwickelten und vertriebenen Präparates BNT162b2 (Comirnaty) explodierten die Umsätze und Gewinne. Zum Jahresende 2022 hatte sich das Eigenkapital von Biontech dadurch auf 20,1 Milliarden Euro vervierzigfacht.

Abbildung 1: Biontech – Umsätze und Gewinne, Datenquelle: Jahresabschlussbericht 2022 Biontech

Während der Jahresumsatz Ende 2020 bereits bei 482 Millionen und der Gewinn bei 15 Millionen Euro lag, erwirtschaftete das Unternehmen 2021 einen Umsatz von knapp 19 Milliarden und einen Nettogewinn von 10,3 Milliarden Euro. 2022 lag der Umsatz bei annähernd gleichen 17,3 Milliarden, der Gewinn bei 9,4 Milliarden Euro. Umsätze und Gewinne sind fast ausschließlich auf den Verkauf der Corona-Präparate zurückzuführen.

Ende November 2019, vor Ausbruch der Corona-Krise, lag der Kurs der Biontech-Aktie bei 19,50 Euro, das Unternehmen war 4,4 Milliarden Euro wert. Im August 2021 kletterte die Aktie kurzzeitig auf 377 Euro – und der Börsenwert der Firma damit auf 94 Milliarden. Zum Vergleich: Der Wert von Volkswagen, dem weltweit zweitgrößten Automobilhersteller, lag zu diesem Zeitpunkt bei 60 Milliarden. Ende September 2023 ist Biontech bei einem Aktienkurs von 100 Euro noch 24 Milliarden Euro wert.

Haupteigentümer des Unternehmens sind die am bayerischen Tegernsee residierenden Zwillingsbrüder Andreas und Thomas Strüngmann, die sich bereits 2008 mit 150 Millionen Euro an der Gründung von Biontech beteiligt hatten. Den Brüdern gehören laut Jahresabschlussbericht 2022 über die Briefkastenfirma AT Impf GmbH 43,4 Prozent der Aktien. An zweiter Stelle steht Uğur Şahin, Gründer und Geschäftsführer von Biontech. Er hält über die Briefkastenfirma Medine GmbH 17,4 Prozent. Der Rest befindet sich im Streubesitz.

Die Brüder Strüngmann: 12,8 bis 16,2 Milliarden Euro Profit

Die Strüngmanns, Söhne eines Pharmaunternehmers, waren schon vor dem Erfolg von Biontech Milliardäre. Mit dem Verkauf des von ihnen gegründeten Medikamentenherstellers Hexal an Novartis im Jahr 2005 nahmen sie 7,5 Milliarden Dollar ein, die sie wiederum in weitere Unternehmen im Pharmabereich, unter anderem in Biontech, investierten.

Thomas und Andreas Strüngmann bei der Aufnahme in die "Hall of Fame der deutschen Wirtschaft" im Oktober 2021 im Schlosshotel Kronberg, wo sie auch Uğur Şahin begegneten | Bild: Wolfgang von Brauchitsch für Manager Magazin / picture alliance

Die Investition in Biontech vergrößerte ihr Vermögen erheblich. Ende 2019, als die beiden noch 50,3 Prozent der Aktien des Unternehmens hielten, war ihr Anteil 2,2 Milliarden Euro wert. Ende 2022 besaßen sie noch 43,4 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt entsprach dies einem Wert von 15,2 Milliarden Euro.

Abbildung 2: Brüder Strüngmann – Anteil an Biontech, Wert des Anteils, Aktienverkäufe und Dividende, Datenquelle: Jahresabschlussberichte Biontech, Aktienkurs Biontech

Wie aus Abbildung 2 zu ersehen ist, haben die Brüder Teile ihres Aktienpakets in den letzten drei Jahren verkauft und daraus einen Gewinn zwischen 0,9 und 4,2 Milliarden Euro erzielt – je nachdem, zu welchen Preisen sie ihre Anteile verkauft haben. Mitte 2022 hat Biontech außerdem zum ersten Mal eine Dividende von zwei Euro pro Aktie ausgezahlt. Daraus ergab sich ein weiterer Gewinn von 211 Millionen Euro für die beiden Investoren. In Summe lag ihr Profit aufgrund der Corona-Impfkampagne Ende 2022 bei bis zu 16,2 Milliarden Euro. Sie gehören seither zu den zehn reichsten Familien Deutschlands. Das Magazin Forbes listet die Brüder auf Platz 148 der reichsten Menschen der Welt.

Uğur Şahin: 5,0 bis 5,3 Milliarden Euro Profit

Olaf Scholz und Uğur Şahin bei Biontech in Marburg hinter dem Model einer Plasmid-DNA, Ausgangsmaterial für die Herstellung von mRNA-basierten Präparaten, Februar 2023 | Bild: picture alliance/dpa | Sebastian Gollnow

Der Gründer und Geschäftsführer von Biontech Uğur Şahin hielt Ende 2019 18,4 Prozent der Aktien seines Unternehmens. Zum damaligen Aktienkurs entsprach sein Anteil einem Wert von 1,3 Milliarden Euro. Ende 2022 besaß er noch 17,4 Prozent der Aktien, was einem Wert von 6,1 Milliarden Euro entsprach.

Abbildung 3: Uğur Şahin – Anteil an Biontech, Wert des Anteils, Aktienverkäufe und Dividende, Datenquelle: Jahresabschlussberichte Biontech, Aktienkurs Biontech

Durch Aktienverkäufe und Dividende kamen noch einmal bis zu 511 Millionen Euro hinzu. Das Gehalt von Şahin für das Geschäftsjahr 2020/2021 betrug 30,8 Millionen Dollar. In Summe lag sein Profit aufgrund der Corona-Impfkampagne Ende 2022 bei bis zu 5,3 Milliarden Euro. Er wird auf Platz 534 der reichsten Menschen der Welt gelistet.

Merck und Evonik: etwa eine Milliarde Euro Profit

Eine wichtige Komponente der mRNA-Präparate sind die aus Nanopartikeln bestehenden Lipid-Hüllen. Diese verhindern, dass die genetischen Informationen zur körpereigenen Produktion von Spike-Proteinen nach der Injektion vom menschlichen Immunsystem sofort vernichtet werden. Der globale Markt der Lipid-Nanopartikel (LNP) wurde für 2021 auf 688 und für 2022 auf 777 Millionen US-Dollar geschätzt. Die beiden deutschen Pharma- und Chemieunternehmen Merck und Evonik haben in Pressemitteilungen erklärt, dass sie ihre Produktion von LNP im Rahmen ihrer Kooperation mit Biontech ausgebaut haben. Ein Hinweis, dass das Geschäft der Produktion von LNP hohe Gewinne abwirft, findet sich in den Investitionen, welche die beiden Unternehmen getätigt haben. So hat Merck Anfang 2022 für 780 Millionen Dollar den LNP-Hersteller Exelead übernommen. Evonik erklärte Mitte 2022, für 200 Millionen Dollar eine Anlage zur Produktion von LNP in den USA zu bauen.

Multipolar hat beide Unternehmen nach den Umsätzen und Gewinnen durch die Lieferung von LNP gefragt. Die Antworten enthalten keine Informationen zu konkreten Gewinnen aus dem Verkauf von Lipid-Nanopartikeln, bestätigen jedoch die Größenordnung der Schätzung. So teilt Evonik mit:

„Generell berichten wir Umsätze und Gewinne nicht detaillierter als auf der Ebene unserer fünf Divisionen. Zusätzlich hatten wir im Dezember 2020 gesagt, dass wir für unsere Drug-Delivery-Technologien und -Services großes Potential für überdurchschnittliches Wachstum bei Impfstoffen sowie Zell- und Gentherapien sehen. Gentherapien, darunter solche mit mRNA-Wirkstoffen und mit Einsatz von Lipidnanopartikeln, eröffnen für das Health-Care-Geschäft von Evonik das Potential, mit Produkten und Lösungen innerhalb der nächsten Jahre einen Umsatz in deutlich dreistelliger Millionenhöhe zu erzielen.“

Die Auskunft von Merck legt nahe, dass die grobe Schätzung des Gewinns der beiden Unternehmen von einer Milliarde Euro 2021 und 2022 aufgrund der Beteiligung an der Massenimpfung sogar zu niedrig sein könnte:

„Mit unseren Produkten und Dienstleistungen konnten wir zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie beitragen. Insgesamt haben wir mehr als 80 Impfstoff-Projekte, die Entwicklung von über 35 Testlösungen sowie von mehr als 50 monoklonalen Antikörpern, Plasmaprodukten und antiviralen Medikamenten unterstützt. Unsere Covid-19-bedingten Umsätze betrugen:

  • Im Geschäftsjahr 2020: rund 400 Millionen Euro (Konzernumsatz 2020: rund 17,5 Milliarden Euro)
  • Im Geschäftsjahr 2021: rund 1,15 Milliarden Euro (Konzernumsatz 2021: rund 19,7 Milliarden Euro)
  • Im Geschäftsjahr 2022: rund 800 Millionen Euro (Konzernumsatz 2022: rund 22,2 Milliarden Euro)
  • Für das Geschäftsjahr 2023 erwarten wir Covid-19-bedingte Umsätze in Höhe von rund 250 Millionen Euro (erwarteter Konzernumsatz 2023: 20,5 Milliarden Euro bis 21,9 Milliarden Euro).

Den Umsatz bzw. Gewinn von einzelnen Produktgruppen unseres Unternehmensbereichs Life Science veröffentlichen wir grundsätzlich nicht.“

Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Gemeinden auf die Gewinne von Biontech: etwa 7,2 Milliarden Euro

Die Steuern auf die außerordentlichen Gewinne von Biontech 2021 und 2022 haben einigen Gemeinden, Bundesländern und dem Bund erhebliche Einnahmen beschert. Zwar unterliegen die Steuereinnahmen dem Steuergeheimnis und sind daher nicht öffentlich zugänglich. Jedoch ist ein Großteil der Faktoren bekannt, aus denen sich die Einnahmen der öffentlichen Körperschaften ermitteln lassen.

Die Unternehmensbesteuerung setzt sich zusammen aus der Körperschaftsteuer von 15 Prozent sowie der Gewerbesteuer, die sich aus der Steuermesszahl, die bundesweit einheitlich bei 3,5 Prozent liegt, sowie aus dem Gewerbesteuerhebesatz, der kommunal festgelegt wird, ergibt. Aus den Jahresabschlussberichten von Biontech sind zudem die jeweiligen weltweiten Gewinne vor Steuern bekannt. Es fehlt lediglich die Information, wie hoch die Gewinne vor Steuern je Standort des Unternehmens waren. Zur Schätzung dieser Gewinne wurde die Anzahl der beschäftigen Mitarbeiter je Standort zugrunde gelegt. Näheres zur Vorgehensweise ist im Anhang erklärt. Nachfolgend werden die jeweiligen Nutznießer der Steuereinnahmen sowie deren geschätzte Höhe dargestellt.

Bundesrepublik Deutschland: etwa 1,9 Milliarden Euro

Der Bund erhält die Hälfte der Einnahmen aus der von Biontech gezahlten Körperschaftsteuer. Die andere Hälfte erhalten die Bundesländer, in denen die Steuer erhoben wird. Insgesamt dürften die Steuereinnahmen von Bund, Ländern und Kommunen aufgrund des Verkaufs der Corona-Präparate noch höher liegen, da auch deutsche Zulieferunternehmen wie Merck und Evonik daran beteiligt waren. Aufgrund der groben Schätzung der Gewinne dieser Unternehmen hinsichtlich des Verkaufs von Lipid-Nanopartikeln ist eine seriöse Ermittlung ihrer Steuerzahlungen im Kontext der Impfkampagne jedoch nicht möglich. Ihre Profite dürften bei weitem nicht so hoch liegen wie die des Mainzer Unternehmens.

Die Steuerzahlungen von Biontech und anderen Profiteuren an den Bund stellen jedoch nur eine Minderung von dessen Ausgaben für den Erwerb der Präparate dar. Bis Dezember 2021 hat der damalige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn 557 Millionen Impfdosen bestellt. Sein Nachfolger Karl Lauterbach orderte weitere 115 Millionen Dosen. Die Gesamtkosten für die Bestellungen betragen laut eines Berichts der Tagesschau 13,1 Milliarden Euro. Geliefert wurden laut Bundesgesundheitsministerium bis zum 8. April 2023 224,1 Millionen Dosen verschiedener Hersteller. Anhand der Preise für die Impfstoffdosen lassen sich so Kosten von knapp 4,6 Milliarden Euro für die bis April 2023 gelieferten Bestellungen ermitteln.

Nebenbei: Verabreicht wurden bis April 2023 in Deutschland lediglich circa 192 Millionen Impfdosen. 2023 wurden laut Impfmonitoring des RKI bis Mitte September zudem nur rund 663.000 Injektionen vorgenommen. Sollte sich dieser Trend bis Ende des Jahres fortsetzten, werden 2023 lediglich circa eine Million Dosen in Deutschland verabreicht. Was mit den 489 Millionen zu viel bestellten Dosen, deren Haltbarkeit auf sechs bis 18 Monate begrenzt ist, geschehen soll, ist offen.

Der Bundestagsabgeordnete Thomas Dietz berichtete am 15. September, dass das Gesundheitsministerium auf seine Anfrage hin geantwortet hatte, „dass bis zum 31. August 2023 in Summe 114 Millionen COVID-19 Impfstoffdosen aus zentraler Bevorratung der Bundesregierung das Verfallsdatum überschritten haben und inzwischen vernichtet wurden. Weiterhin hat die Bundesregierung bisher 128 Millionen Impfdosen gespendet und ausgeliefert (…).“

Rheinland-Pfalz, Hessen, Berlin, Bayern und Sachsen-Anhalt: etwa 1,9 Milliarden Euro

Wie bereits erwähnt, behalten die Bundesländer die Hälfte der in ihrem Land erhobenen Körperschaftsteuer. Aufgrund der Größe der Standorte von Biontech in Mainz und Idar-Oberstein sowie in Marburg haben die Länder Rheinland-Pfalz und Hessen besonders davon profitiert.

Abbildung 4: Geschätzte Einnahmen der Bundesländer in 2021 und 2022 aufgrund der von Biontech gezahlten Körperschaftsteuer, Datenquelle: Jahresabschlussberichte Biontech

Rheinland-Pfalz hat 2021 und 2022 jeweils geschätzte 754 Millionen beziehungsweise 661 Millionen Euro Körperschaftsteuer von Biontech erhalten, Hessen 200 Millionen beziehungsweise 139 Millionen Euro.

Mainz, Idar-Oberstein und Marburg: etwa 3,4 Milliarden Euro

Aufgrund der Standorte, die Biontech in Mainz, Idar-Oberstein und Marburg unterhält, sind den drei Gemeinden 2021 und 2022 enorme Einnahmen über die Gewerbesteuer zugeflossen, wobei ein Großteil auf die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz entfällt. Sie zählen damit zu den größten deutschen Gewinnern des weltweiten Geschäfts mit Corona-Präparaten.

Abbildung 5: Geschätzte Einnahmen der Gemeinden 2021 und 2022 aufgrund der von Biontech gezahlten Gewerbesteuer, Datenquellen: Jahresabschlussberichte Biontech, Gewerbesteuerhebesätze der Gemeinden

Nachdem die Städte Mainz, Marburg und Idar-Oberstein 2021 aufgrund der Zahlung der Gewerbesteuer von Biontech zusätzliche Einnahmen von schätzungsweise 1,3 Milliarden, 373 Millionen beziehungsweise 250 Millionen Euro verbuchen konnten, haben alle drei Gemeinden ihren jeweiligen Gewerbesteuerhebesatz deutlich gesenkt: Marburg von 400 auf 357, Idar-Oberstein von 420 auf 310 und Mainz sogar von 440 auf 310 Prozentpunkte.

Aufgrund der Senkung des Hebesatzes hat Mainz 2022 auf schätzungsweise 344 Millionen Euro an Steuereinnahmen von Biontech verzichtet, Idar-Oberstein auf 49 Millionen und Marburg auf 28 Millionen Euro. Insgesamt musste das Unternehmen 2022 deshalb geschätzte 420 Millionen Euro weniger Gewerbesteuern zahlen.

Auf eine Anfrage von Multipolar an Günter Beck, Bürgermeister und Finanzdezernent der Stadt Mainz, ob es im Vorfeld der Absenkung des Gewerbesteuerhebesatzes Gespräche mit Biontech gegeben hat, und wie hoch die Steuerentlastung für Mainzer Unternehmen durch die Senkung 2022 tatsächlich ausfiel, antwortete dieser:

„Die Senkung des Gewerbesteuerhebesatzes von 440 % auf 310 % führte im Jahr 2022 in Summe zu einer Entlastung aller gewerbesteuerzahlenden Betriebe in Mainz in Höhe von insgesamt 379.722.229 Euro. Nähere Auskünfte, dürfen wir Ihnen aufgrund des Steuergeheimnisses nicht erteilen.“

Der von Beck angegebene Betrag der Steuerentlastung aller Unternehmen in Mainz bestätigt die Größenordnung der in diesem Beitrag vorgenommenen Schätzung der Steuereinnahmen. Demnach wurden die übrigen Unternehmen in Mainz 2022 in Summe um schätzungsweise 36 Millionen Euro entlastet. Dieses Manko dürfte durch die Gewerbesteuerzahlung von Biontech an die Stadt in Höhe von schätzungsweise 819 Millionen Euro 2022 wieder wett gemacht worden sein.

Der Mainzer Bürgermeister Günter Beck im Dezember 2022 auf einer Grünen-Parteiversammlung unter dem Motto „Solidarität in der Krise“ | Bild: picture alliance/dpa | Hannes P Albert

Allerdings müssen die Gemeinden einen Teil ihrer außerordentlichen Steuereinnahmen aufgrund von Umlagen an den Bund und an ihr jeweiliges Bundesland abgeben. Auch die Länder müssen wiederum einen Teil ihrer hohen Einnahmen aus der Körperschaftsteuer über den Länderfinanzausgleich an andere Bundesländer abgeben.

Wie die Gewerbe- und Körperschaftsteuereinnahmen aufgrund der enormen Gewinne von Biontech das Finanzgefüge in Deutschland 2021 verändert haben, wird in einem Beitrag der Zeitschrift Wirtschaftsdienst näher beschrieben.

Öffentliche Förderung der Corona-Präparate

Laut einer Pressemitteilung der kENUP Foundation wurde die Entwicklung, Zulassung und Produktion der Corona-Präparate weltweit bis Anfang 2021 mit öffentlichen Geldern in Höhe von 88,3 Milliarden Dollar finanziert, der Großteil davon in Form von vorab vertraglich festgelegten Kauf- und Lieferzusagen, so genannten „Advance Purchase Agreements“ (APA). 32 Prozent der Fördermittel stammten von der US-Regierung, 24 Prozent von der EU und 13 Prozent von den Regierungen Japans und Südkoreas.

Auch die deutsche Bundesregierung hat dazu beigetragen. In einer Pressemitteilung vom 15. September 2020 erklärte sie, dass Biontech 375 Millionen Euro erhalte, sowie das deutsche biopharmazeutische Unternehmen CureVac mit rechtlichem Sitz in den Niederlanden 230 Millionen Euro Fördergelder für die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs. CureVac hat sein mRNA-Corona-Präparat bis heute nicht zur Zulassung gebracht.

Über eine Vereinbarung mit der EU-Kommission hat sich die damalige Bundesregierung zudem an vertraglich festgelegten Kauf- und Lieferzusagen mit den Herstellern beteiligt. Die Kommission hat daraufhin zwischen August 2020 und November 2021 acht APAs über insgesamt 2,2 Milliarden zu liefernde Dosen mit verschiedenen Herstellern abgeschlossen sowie 2,5 Milliarden Euro an Anzahlungen geleistet. Der tatsächliche Gesamtwert der Bestellungen lag deutlich höher.

Entschädigung der Geschädigten

In Deutschland sind etwa 200 Zivilklagen wegen Schäden durch die experimentellen Corona-Präparate anhängig. Die ersten werden aktuell verhandelt. Doch ob die Hersteller selbst bei einem vom Gericht bestätigten Impfschaden zur Verantwortung gezogen werden, ist zweifelhaft. Denn der damalige Gesundheitsminister Spahn hat im Mai 2020 in einer Rechtsverordnung, der sogenannten MedBVSV, ohne Beteiligung des Bundestags Sonderprivilegien für die Hersteller erlassen. So sind sie abweichend zum Arzneimittelgesetz nur haftbar, wenn sie grob fahrlässig oder vorsätzlich gehandelt haben.

Multipolar hat bei Biontech angefragt, inwieweit sich das Unternehmen und dessen Gründer moralisch und rechtlich verpflichtet sehen, die Opfer von Schäden, die durch die massenhafte Verbreichung ihres Produkts entstanden sind, zu unterstützen und zu entschädigen. Biontech hat auf diese Anfrage nicht reagiert.

Anhang

Ermittlung der Körperschaft- und Gewerbesteuereinnahmen aufgrund der Gewinne von Biontech

Zur Ermittlung der Aufteilung der von Biontech in Deutschland gezahlten Körperschaft- und Gewerbesteuer auf den Bund, die Länder und die Gemeinden wurde die Zahl der Mitarbeiter an den Standorten des Unternehmens zugrunde gelegt. Letztere Information kann man den Jahresabschlussberichten entnehmen.

Abbildung 6: Ermittlung der Körperschaft- und Gewerbesteuer Biontech (größere Darstellung), Datenquellen: Jahresabschlussberichte Biontech, Gewerbesteuerhebesätze der Gemeinden

Bei dieser Ermittlung handelt es sich um eine Schätzung, da die tatsächlichen Gewinne vor Steuern je Standort nicht bekannt sind. Die auf diesem Wege ermittelten Steuereinnahmen stimmen jedoch in ihrer Größenordnung mit den von der Zeitschrift Wirtschaftsdienst für das Jahr 2021 jeweils geschätzten Einnahmen auf Basis von Gesamtsteuereinnahmen und Medienberichten überein.

Über den Autor: Karsten Montag, Jahrgang 1968, hat Maschinenbau an der RWTH Aachen, Philosophie, Geschichte und Physik an der Universität in Köln sowie Bildungswissenschaften in Hagen studiert. Er war viele Jahre Mitarbeiter einer gewerkschaftsnahen Unternehmensberatung, zuletzt Abteilungs- und Projektleiter in einer Softwarefirma, die ein Energiedatenmanagement- und Abrechnungssystem für den Energiehandel hergestellt und vertrieben hat. Seine 2021 bei Multipolar veröffentlichten Recherchen zu den Abrechnungsdaten der Krankenkassen mit Blick auf COVID-19 wurden von verschiedenen Medien aufgegriffen – und erschienen 2022 auch im International Journal of Epidemiology.

Weitere Artikel zum Thema:

MICHAEL KARI, 30. September 2023, 17:55 UHR

Erst einmal der Hinweis: Es war keine experimentale mRNA-Injektion, denn es ist seit 2013 bekannt, dass die meisten tierischen Probanden starben oder unfruchtbar wurden und was diese heute absahnenden Delinquenten dabei verdienten, ist irrelevant, da es eh nur Schuldscheine sind und von jetzt auf nachher nichts mehr Wert sein können.

MICH LAUST DER AFFE, 1. Oktober 2023, 10:05 UHR

Sehr geehrter Herr Kari,

„was diese heute absahnenden Delinquenten dabei verdienten, ist irrelevant, da es eh nur Schuldscheine sind und von jetzt auf nachher nichts mehr Wert sein können.“

Die absahnenden Delinquenten haben sicher mit einem erklecklichen Anteil – in der Größenordnung von Milliarden, die man mit anständiger Arbeit im Leben nicht verdienen kann – schon längst reale Güter erworben. Sie müssen sich um den Wertverfall dieser Schuldscheine keine Sorgen mehr machen. Die besitzen jetzt andere. Von daher wäre eine juristische Aufarbeitung dieser in der Geschichte beispiellosen Verbrechen und die Verurteilung der Täter dringend anzugehen.

„In der Geschichte beispiellos“, wenn man bestimmte Zeiten ausblendet, die heute gerne als finstere Epochen bezeichnet werden, während derer offenbar die menschliche Urteilskraft aufgrund von Massenhysterie massiv gestört war und die in dieser Form heutzutage nach gängiger Meinung nicht mehr vorstellbar sind, da wir ja so aufgeklärt sind.

WERNER, 1. Oktober 2023, 11:45 UHR

Muß "Mich Laust Der Affe" voll zustimmen, was da abgelaufen ist und durch Politik und Big Money ab-und durchgezogen wurde, war schlicht und einfach kriminell und muß (auch juristisch) aufgearbeitet werden.
Vgl. https://www.100aerzte.com/kongress/d-f-der-film-short/

MICHAEL KARI, 1. Oktober 2023, 19:15 UHR

@MICH LAUST DER AFFE: Was den Machtzuwachs mittels ergaunerter Schuldscheine betrifft, haben sie recht. Es deutet aber auch unmissverständlich auf die prinzipielle strukturelle Instabilität des Systems hin. Sprich: Alles Schall und Rauch oder kurz: Theater!

MICH LAUST DER AFFE, 1. Oktober 2023, 22:25 UHR

Na klar – zugunsten der 0,1 % und zum Nachteil der 99,9 %. So wie wir das gewohnt sind.

WERNER, 30. September 2023, 21:55 UHR

Zunächst vielen Dank für diesen äußerst informativen und aufschlussreichen Artikel. Das Massenexperiment, anstatt herkömmliche Protein- bzw. Virusbestandteile bzw. abgetötete oder attenuierte Viren als Impfstoff zu benutzen, mit modifizierter (!) mRNA den Menschen gentechnisch zu verändern und zum Fremdproteinproduzenten zu machen, ist gescheitert, wird allerdings von den Aufsichtsbehörden verschleiert in krimineller Missachtung ihrer Mitteilungspflichten.
Vgl. hierzu z.B. https://drbine.substack.com/p/ugurs-grenzdebile-schwachsinnsideen-56a

Big Money hat bisher den Stop dieser hochgiftigen Spike-Protein-Gen-Therapie, die sich fälschlicherweise Impfung nennt, verhindert. Die Übersterblichkeit 2021 und 2022 und die Impfopfer, Post-Vac-Syndrom (die großteils als Long-Covid-Syndrom verharmlost werden) sprechen Bände. Nur durch breite Aufklärung ist dieser Wahnsinn ( möglicherweise) zu stoppen.
Vgl. auch https://www.achgut.com/artikel/die_grosse_mrna_abrechnung_eines_weltklasse_kardiologen

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