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Faktencheck: Gibt es aktuell eine Coronavirus-Pandemie in Deutschland?

Politik und Medien betonen, die Pandemie sei noch keineswegs ausgestanden. Wie aber sind die Zahlen? Jeden Tag sterben mehr als 2.000 Menschen in Deutschland, davon derzeit fünf an oder mit Covid-19. Weniger als ein Prozent aller Krankenhaus-Intensivbetten sind mit Corona-Patienten belegt. Ist es gerechtfertigt, weiterhin von einer „Pandemie“ und einer „epidemischen Lage nationaler Tragweite“ zu sprechen?

PAUL SCHREYER, 4. September 2020, 7 Kommentare

Hinweis: Dieser Beitrag ist auch als Podcast verfügbar.

Definitionen

Zunächst zur Wortbedeutung: Der Rechtsbegriff, der dem aktuellen politischen Ausnahmezustand zugrunde liegt, also die vom Bundestag am 25. März 2020 beschlossene „epidemische Lage nationaler Tragweite“, ist sachlich nicht klar definiert. Eine Ausarbeitung des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags kommt zum Ergebnis, dass die einzige im Infektionsschutzgesetz formulierte Voraussetzung für eine „epidemische Lage“ ein Beschluss der Abgeordneten sei:

„Weitere materielle Voraussetzungen bestehen nach dem Gesetzeswortlaut nicht. Auch der Gesetzesbegründung sind keine konkreten Kriterien zur Definition des Begriffs zu entnehmen. (…) Der Beschluss des Bundestages ist also maßgebend, unabhängig davon, ob tatsächlich eine epidemische Lage angenommen werden kann.“

Mit anderen Worten: Eine epidemische Notlage kann beschlossen werden und solange bestehen bleiben, wie es im Bundestag eine Mehrheit dafür gibt, unabhängig von den epidemiologischen Fakten.

Der Parlamentsbeschluss vom 25. März steht in Zusammenhang mit der vorausgehenden Erklärung des Pandemiefalls durch die Weltgesundheitsorganisation WHO. Am 11. März – weltweit wurden 4.000 Corona-Tote gemeldet und nicht nur in China, sondern auch im stark betroffenen Südkorea ebbten die Ausbrüche den offiziellen Zahlen zufolge bereits deutlich ab – hatte die WHO die Coronakrise überraschend zur weltweiten Pandemie erklärt. Die Gründe für diesen Beschluss blieben vage. Der WHO-Chef sprach von einer starken Zunahme der Fallzahlen (wobei die gleichzeitige Testausweitung nicht berücksichtigt wurde) und betonte, dass international noch zu wenig gegen das Virus unternommen werde. Daher läute man „die Alarmglocke“ und nenne die Krise nun Pandemie.

Ebenso wie die „epidemische Lage nationaler Tragweite“, so ist auch der Begriff „Pandemie“ nicht nach sachlichen, objektiv messbaren Kriterien und Kennziffern definiert. Eine Publikation der WHO selbst räumt ein, dass die Erklärung des Pandemiefalls „von einer Vielzahl willkürlicher Faktoren abhängt“. Eine Pandemie sei kein eindeutig abgrenzbares Ereignis, ihre Ausrufung wäre vielmehr „Gegenstand menschlicher Überlegungen, Debatten und sich ändernder Modelle“.

Die aktuellen Zahlen

Im Juli 2020 starben in Deutschland 168 Menschen an oder mit dem Coronavirus, im August waren es 157. Die tägliche Zahl der Toten beträgt somit ungefähr fünf, Tendenz fallend. Diese Werte werden vom Robert Koch-Institut (RKI) nicht einzeln ausgewiesen. Man muss sie selbst ausrechnen, indem man die Gesamttodeszahlen aus verschiedenen Lageberichten der Behörde heraussucht und voneinander abzieht.

Den fünf täglichen „Corona-Toten“ (in Anführungszeichen gesetzt, da andere vorhandene Grunderkrankungen nicht als Todesursache berücksichtigt werden) im Juli und August stehen durchschnittlich 190 tägliche Tote zum Höhepunkt der Krise im April gegenüber. Die Todeszahlen fielen also seit April um 97 Prozent.

Ähnlich sieht die Entwicklung bei der Belegung der Intensivbetten aus. Während Ende April noch 2.280 Patienten in Zusammenhang mit Covid-19 im Krankenhaus intensivmedizinisch versorgt werden mussten, so waren es Ende Juli 265 Patienten und Ende August 246 Patienten – ein Rückgang um 89 Prozent. Aktuell sind lediglich 0,8 Prozent aller Intensivbetten in deutschen Krankenhäusern mit Covid-19-Patienten belegt. Auch diese Prozentwerte werden vom RKI nicht einzeln ausgewiesen, man muss sie selbst ausrechnen.

Die Einschätzung des Robert Koch-Instituts

Seit dem 17. März heißt es in den Lageberichten des RKI unverändert: „Das Robert Koch-Institut schätzt die Gefährdung für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland weiterhin als hoch ein, für Risikogruppen als sehr hoch.“ Es sei nochmals betont: Diese Einschätzung trifft das RKI seit März unverändert. Der zwischenzeitliche Rückgang der Todeszahlen um 97 Prozent und der Rückgang der Patientenzahlen mit intensivmedizinischer Betreuung um 89 Prozent blieben für die Bewertung folgenlos.

In der Öffentlichkeit betonen das RKI und die Regierung in den letzten Wochen „steigende Infektionszahlen“, was aber sachlich in die Irre führt. Steigende Fallzahlen bedeuten nur unter bestimmten Bedingungen eine größere Gefährdung der Bevölkerung – aktuell ist keine dieser Bedingungen erfüllt.

Fragen von Multipolar an das RKI zu den Details der Risikobewertung, den entsprechenden Protokollen der Sitzungen des Krisenstabs sowie den konkreten Kennziffern, die für eine Absenkung der Gefährdungsschwelle nötig sind, blieben trotz mehrfacher, auch telefonischer Nachfragen über Wochen hinweg unbeantwortet. Erklärt wurde seitens der Pressesprecherin der Behörde lediglich pauschal, man sehe „weiterhin eine dynamische Lage“, da international „die Zahlen“ massiv ansteigen würden.

Die Psychologin Daniela Prousa, Autorin einer vor kurzem veröffentlichten Studie zu psychischen Auswirkungen der Maskenpflicht, geht seit einigen Tagen juristisch gegen das RKI vor, um per einstweiliger Anordnung einen öffentlich-rechtlichen Unterlassungsanspruch zu erwirken, der der Behörde untersagt, „bei sinkender bzw. gleichbleibender SARS-CoV-2-Positivenquote wörtlich oder sinngemäß zu behaupten, die Entwicklung sei (sehr) beunruhigend“. Das RKI wies den Unterlassungsanspruch in dieser Woche als unbegründet zurück, änderte aber gleichzeitig am 2. September im Stillen die beanstandete Formulierung im Situationsbericht. Statt von einer „beunruhigenden Entwicklung“, wie bislang regelmäßig in der einleitenden Zusammenfassung der Berichte zu lesen, spricht man nun zurückhaltender von einer Lage, die „weiterhin sorgfältig beobachtet werden“ müsse. Im Antrag heißt es weiter:

„Die Bewertungen des Antragsgegners [RKI] werden aktuell als das Maß aller Dinge angesehen. Die Regierenden (…) sowie die Gerichte orientieren sich in ihren Entscheidungen maßgeblich, um nicht zu sagen, nahezu ausschließlich, an der Bewertung des Antragsgegners. Der Antragsgegner bestimmt so seit Monaten faktisch das Schicksal eines ganzen Landes und seinen ca. 83 Millionen Bürger*innen. (…)

Abgesehen davon, dass es Hoheitsträgern verboten ist, unwahre bzw. die Wahrheit verzerrende Äußerungen zu tätigen, ist es hier aufgrund des nicht überschätzbaren Einflusses der Äußerungen des Antragsgegners auf das gesellschaftliche und politische Klima sowie auf politische und gerichtliche Entscheidungen unbedingt erforderlich, diesen zu einer übertreibungslosen, wahrheitsgemäßen Kommunikation anzuhalten bzw. ihm eine übertriebene, wahrheitswidrige Darstellung der Gefährdungslage zu untersagen. (…)

Das bewusste Angstmachen wider der Evidenz erfüllt nach Ansicht der Antragstellerin, die Diplom-Psychologin ist, die Kriterien von Psychoterror als eine Verbreitung von 'Angst, Schrecken, Verunsicherung (...), um ein politisches oder gesellschaftliches Ziel zu erreichen'.“

Die internationale Dimension

Die beschriebenen Entwicklungen und Einschätzungen der Regierung betreffen nicht nur Deutschland, sondern sind in vielen Ländern zu beobachten. In Frankreich ist die Entwicklung der Zahlen zu Sterberate und Intensivbettenbelegung ähnlich, ebenso die Argumentation der Regierung, die die massive Ausweitung der Maskenpflicht (in Schulen, am Arbeitsplatz sowie in Paris überall im Freien) zuletzt mit „steigenden Fallzahlen“ begründet, ohne zu erwähnen, dass die Anzahl der Tests auch in Frankreich, wie in Deutschland, in den letzten Wochen vervielfacht wurde.

Worum geht es tatsächlich?

Dass die Regierungen ihre Bürger über die Gefährlichkeit der aktuellen Situation anlügen, ist offenkundig. Doch warum geschieht das? Welche politischen Motive gibt es für die sachlich unbegründete Aufrechterhaltung des länderübergreifenden „Gesundheitsnotstands“?

Die grundlegende Zielrichtung der Corona-Maßnahmen scheint eindeutig: Es ist eine Zentralisierung von Machtausübung zu beobachten, eine Stärkung der Exekutive, eine engere Verzahnung mit Konzerninteressen sowie ein bis in privateste Gesundheitsdaten hineinreichender Ausbau der Überwachung und Durchleuchtung der Bürger. Die Grundrichtung der Entwicklung ist antidemokratisch. Dient die Pandemie also nur als Türöffner?

Tatsächlich werden entsprechende Gedanken in höher gestellten Kreisen schon seit längerem diskutiert. So hatte etwa Jacques Attali, ein Vordenker der französischen Eliten, langjähriger Berater des französischen Präsidenten François Mitterand und Entdecker von Emmanuel Macron, im Mai 2009, zu Beginn der medialen Aufregung um die Schweinegrippe, öffentlich philosophiert:

„Die Geschichte lehrt uns, dass sich die Menschheit nur dann signifikant weiterentwickelt, wenn sie wirklich Angst hat (…) Die beginnende Pandemie könnte eine dieser strukturierenden Ängste auslösen. (…) Eine größere Pandemie wird dann [wenn sie schwerwiegend ist; P.S.], besser als jeder humanitäre oder ökologische Diskurs, das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Altruismus wecken (…)

Und selbst wenn diese Krise, wie wir natürlich hoffen müssen, nicht sehr ernst ist, dürfen wir nicht vergessen, wie wir es bei der Wirtschaftskrise getan haben, aus ihr zu lernen, damit vor der nächsten, unvermeidlichen Krise Präventions- und Kontrollmechanismen sowie logistische Prozesse für die gerechte Verteilung von Medikamenten und Impfstoffen eingerichtet werden können. Zu diesem Zweck müssen wir eine globale Politik, eine globale Lagerung und damit eine globale Besteuerung einführen. Dann werden wir viel schneller, als es allein aus wirtschaftlichen Gründen möglich gewesen wäre, die Grundlagen für eine echte Weltregierung schaffen können.“

Das politische Potenzial von Pandemien machte auch eine im Frühjahr 2010 veröffentlichte Studie der Rockefeller Foundation deutlich. Unter dem Schock der weltweiten Finanzkrise wurden darin vier denkbare globale Zukunftsszenarien vorgestellt, von denen eines, das mit dem Stichwort „Lock Step“ („Gleichschritt“) bezeichnet war, die Vision einer autoritären Welt voller staatlicher Überwachung und Zwang schilderte, die sich aus Sicht der Autoren nach einer großen Influenza-Pandemie und der daraus folgenden Wirtschaftskrise rund um den Globus durchsetzen könnte.

Das Modell gleicht der Gegenwart von 2020 in erstaunlich vielen Punkten. Ausdrücklich wurde darin beschrieben, wie China im Verlauf der fiktiven Pandemie mit seinen besonders autoritären Schutzmaßnahmen zum Vorbild in der Welt würde. Auch eine Maskenpflicht in vielen Ländern erwähnten die Autoren und merkten an: „Selbst nachdem die Pandemie abgeklungen war, blieb die autoritärere Kontrolle und Überwachung der Bürger bestehen und verstärkte sich sogar noch.“

Mit den vorgestellten Szenarien wollten die Herausgeber nach eigener Aussage „eine neue strategische Debatte unter Entscheidungsträgern auslösen“. Für den Handelsblatt-Journalisten Norbert Häring zeigt das Papier, „dass wichtige Akteure seit mindestens zehn Jahren über die politischen und gesellschaftlichen Möglichkeiten und Herausforderungen nachdenken, die durch Angst auslösende Pandemien entstehen“.

„Wir werden viel mehr Überwachung akzeptieren“

Es scheint, als ob ein ähnliches Programm zur Zeit international umgesetzt wird. Der Chefplaner des „Lock Step“-Szenarios von 2010 lässt aktuell verlauten:

„Wir werden nach und nach sehr viel mehr Überwachung akzeptieren. Und am Ende wird es uns nicht stören, weil es – für die meisten Menschen in den meisten Situationen – mehr nützt als schadet.“

Das passt zu Beobachtungen aus China, die ZDF-Korrespondent Ulf Röller im April bei Markus Lanz berichtete. Auf die Frage von Lanz, was die „Rückkehr zur Normalität“ dort bedeute, schilderte er:

„Was mir am meisten Angst gemacht hat, und das ist vielleicht auch ein Thema, was die deutschen Zuschauer sehr interessiert, ist, mit welcher Lichtgeschwindigkeit der Überwachungsstaat sichtbar geworden ist. Für jede Bewegung, die man machen will, muss man eine App herunterladen. (…) Man nutzt die Gesundheitsangst der Leute, um diese massive Überwachung stattfinden zu lassen. (…) Die meisten Chinesen, mit denen wir gesprochen haben, finden das super. Die Angst, die sie vor einer neuen Infektionswelle haben, ist so groß, die wird auch staatlich gelenkt, dass sie da keine Einschränkung ihrer Freiheit sehen, sondern etwas Positives, das sie schützt.“

Erst kürzlich erklärte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, die Corona-Krise sei „eine große Chance, weil der Widerstand gegen Veränderungen in der Krise geringer“ werde. „Wir können die Wirtschafts- und Finanzunion, die wir politisch bisher nicht zustande gebracht haben, jetzt hinbekommen“, so Schäuble.

Wenn Regierungen und Eliten in diesem Zusammenhang kein Interesse an einer Aufhebung des „Gesundheitsnotstands“ haben, so leuchtet das unmittelbar ein.

Weitere Artikel zum Thema:

BERNHARD MÜNSTERMANN, 4. September 2020, 14:30 UHR

Die seit Monaten schon zur Beurteilung einer vorgeblichen Pandemiegefahr maßgeblichen Fakten bleiben seit dem Frühjahr schon seitens des regierenden Regimes unwidersprochen. Es wird in den politischen Eliten dreist diffamiert und mit dümmlicher Arroganz die stets gleiche Panikmache betrieben. Die Regierenden stützen sich dabei auf die komplizenhaft Öl ins Feuer gießenden Mainstreammedien. Unter anderen war Paul Schreyers geduldige und sorgfältige Recherche in diesen Monaten eine Quelle verlässlicher Machart, die jedem Interessierten ohne spezielles Fachwissen die zur Beurteilung nötigen Fakten sorgfältig aufbereitet an die Hand gaben. Den sorglos dreisten Umgang der Machthaber mit Fakten kennen wir schon im Fall 9/11. The Big Lie, The Permanent Lie ist gesellschaftlich spaltend und zerstört so die unentbehrlichen Strukturen für den inneren Frieden unserer Zivilgesellschaft. Karl Jaspers nannte die Unwahrheit das eigentliche Böse, als man ihm 1958 den Friedenspreis des deutschen Buchhandels verlieh und Hannah Arendt die bemerkenswerte Laudatio hielt.

Versöhnen statt spalten war das Motto von Johannes Rau. Man nannte den bibelfesten Johannes Rau auch Bruder Johannes. Genosse Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue setzt heute mehr auf spalten als auf versöhnen. Dafür war seine Ansprache nach der Demonstration am 29.8.2020 nur ein weiteres Beispiel. Auch er rückte die Ereignisse vor dem Reichstag in den Vordergrund und ließ unerwähnt, dass deren Triebkräfte und Akteure vorsichtig ausgedrückt noch nicht feststehen. Auch sprach er pauschal von Reichsflaggen als habe er keine Ahnung davon, was die schwarz-weiß-rote Fahne historisch in Deutschland bedeutet, das seit 1945 keinen Friedensvertrag und keine volle Souveränität hat. Mit Nationalsozialismus hat das Symbol in schwarz-weiß-rot nichts zu tun. Ich frage mich also bei Steinmeier: Freund wie bist du hereingekommen? Wir wollen niemanden von unseren Politikern wie die revolutionäre Hefe von Paris an den Baum oder an die nächste Laterne hängen. Wir wollen keine Jakobiner sein. Dass sie sich aber öffentlich, vor einem Untersuchungsausschuss oder deutschen Gericht dafür verantworten müssen, das wäre sehr wohl wünschenswert und für die Rückkehr zu halbwegs glaubwürdiger Spielart von Demokratie auch erforderlich.

BLACKMAIL, 4. September 2020, 18:30 UHR

Die Positivenquote bewegt sich seit Mitte Mai (KW 20) um den Wert 0,96% und liegt in KW 35 bei 0,74%. Frau Dr. Karina Reiss sagt, die Spezifität der PCR-Tests liege bei 0,5% bis 2%. Die Firma Roche sagt, dass ihre Tests eine Spezifität von 100% haben (das es als gar keine falsch Positiven gibt). Diese Information wäre sehr wichtig, um beurteilen zu können, ob seit Mai statistisch gesehen überhaupt echt Positive gefunden wurden. Da ich gerade einen Blogbeitrag dazu schreibe, würde mich interessieren, ob Sie, Herr Schreyer, dazu halbwegs verlässliche Informationen haben.

PAUL SCHREYER, 4. September 2020, 20:20 UHR

Ich kann dazu nur auf unsere eigenen Artikel verweisen, die Sie wohl kennen werden:

https://multipolar-magazin.de/artikel/das-schweigen-der-viren
https://multipolar-magazin.de/artikel/warum-die-pandemie-nicht-endet

BERNHARD MÜNSTERMANN, 6. September 2020, 12:05 UHR

Ich reibe mir die Augen, dass neuerdings ein Schwenk in den Mainstreammedien zu bemerken ist. BILD machte wenige Tage vor dem 29.8.2020 auf mit einem Artikel, der sich vehement gegen das Demonstrationsverbot des Berliner Senats richtete. Gestern war bei multipolar ein Beitrag von RTL verlinkt, in dem Frau Dr. Spelsberg, die Ex-Gattin von Herrn Lauterbach, vernünftige Töne hören lässt. Aber nicht nur der Boulevard deutet Kursänderung an. Auch die NZZ und vereinzelt auch im öffentlich-rechtlichen Rundfunk werden jetzt die Argumente der "Coronaleugner" publiziert. Das wirft, so sehr das auch erst einmal zu begrüßen ist, die Frage nach den Motiven aus deren Sicht auf. Dass sie vom Saulus zum Paulus gewandelt wären, wenn sie diesen Schwenk vollziehen, das erscheint mir nicht die plausibelste Erklärung zu sein. Der Unmut gegen die uns verordneten Corona Maßnahmen ist anwachsend und quer durch die Gesellschaft weiter vermehrungsfähig verwurzelt. Da möchte man lieber nicht zu spät auf die Gewinnerseite wechseln.

Es fällt auf, dass sich zahlreiche Atlantiker, einschlägige GRÜNE, CDU-Leute in öffentlichen Ämtern und Kandidaten und unter ihnen Hopeful Friedrich Merz aus Brilon gegen die Fertigstellung von Northstream 2 positionieren, wenigstens einen zeitweisen Baustopp für die bereits sehr weitgehend fertiggestellte Gaspipeline fordern. Immer werden die auch in diesem Falle wieder völlig unbewiesenen Behauptungen eines russischen Giftanschlags auf Herrn Nawalny zur Begründung herangezogen, als müsste das nicht mehr überprüfbar nachgewiesen werden. Jetzt die Regierung Merkel zu destabilisieren und bloßzustellen kann ganz andere Motive haben, als im Zusammenhang mit den Corona-Maßnahmen aus der Perspektive der Zivilgesellschaft wünschenswert wären. Regime Change in der westlichen Wertegemeinschaft auf diese Art ist nicht undenkbar, nicht einmal beim Sturz von Helmut Kohl oder Willy Brandt abwegig. Das werden die Historiker durch das Studium der Quellen genauer unter die Lupe nehmen. Jedenfalls ist die Teilung Europas nach Auskunft von Willy Wimmer in einer Konferenz in Bratislava Ende April 2000 bereits als Vorhaben vorgestellt und angekündigt worden. Eine neue Gaspipeline mit russischem Erdgas nach Deutschland war in diesem Plan nicht enthalten. Und "multipolar" war auch vor gut 20 Jahren noch nicht in der Einladung nach Bratislava zu lesen.

PATRICK GRETE, 7. September 2020, 19:05 UHR

Vielen Dank für diesen guten Artikel! Wodurch er jedoch angreifbar wird, ist durch die Spekulation am Ende, die man recht leicht als Verschwörung der Elite zur Abschaffung oder massiven Beschneidung der Demokratie in Deutschland lesen kann. Ich verstehe, dass eine Spekulation erlaubt sein muss, aber mit diesen Absätzen kann ganz leicht ein Framing hin zur Verschwörungsplattform Multipolar gesetzt werden. Das wäre schade (aber passiert vielleicht auch ohnehin).

Ansonsten ist wahrscheinlich ein hohes Maß an Angst am Werk: Ja, eigentlich ist die Lage ganz gut, aber wenn wir alles wieder normalisieren, dann kann es wieder losgehen. Davor besteht große Angst und da noch kein Impfstoff da ist, müsste man dann wieder in den Lockdown gehen. Da will keiner Schuld sein. Ich kann so eine Position nachvollziehen (auch wenn ich sie nicht teile), aber sie müsste eben diskutiert werden. Es ist eine politische Entscheidung, wie vorgegangen wird. Die Faktenlage ist relativ offensichtlich, auch wenn die Berichte des RKI recht gefärbt von der politischen Entscheidungslage zu sein scheinen. Aber scheinbar will man nicht diskutieren. Das ist schade in einer Demokratie.

ACHIMS, 15. September 2020, 12:30 UHR

Ich frage mich, wie lange halten Politik und Medien das Spiel noch durch? Nachdem ich mir Anfang April auf Multipolar den Artikel „Coronavirus: Regierung ignoriert grundlegende Daten“ gelesen hatte, bin ich davon ausgegangen dass es lediglich ein paar Tage (vielleicht Wochen) dauern würde, bis die Medien die Quote der positiv Getesteten berücksichtigen und nicht nur mit den Absolutzahlen „arbeiten“ würden. Schließlich waren/sind diese Daten öffentlich zugänglich, so dass daran kein Weg vorbeiführen konnte. Wie sehr man sich doch irren kann! 5 Monate später hat sich da immer noch nichts getan. Ein Beispiel ist die heute-Sendung vom 22.08.2020:

https://www.youtube.com/watch?v=xaawKAH5o9A (ab Minute 5:45)

Frau Gerster weist in dieser heute-Sendung darauf hin, dass mit 2034 Neuinfektionen es sich um den höchsten Stand seit Ende April (KW 18) handelt. Anschließend sieht man eine Kurve mit einem beeindruckenden Anstieg am Ende der den Beginn einer 2 Welle andeutet. Schaue ich mir die Wochen-Zahlen des RKI an sehe ich das sich die Anzahl der Tests glatt verdreifacht hat. Dies scheint für die heute-Redaktion aber irrelevant zu sein. Auch dass die Anzahl der positiv Getesteten quasi im Grundrauschen der Falschpositiven untergeht, findet keine Erwähnung. Man hat ja eh nie groß unterschieden zwischen positiv Getesteten, Infizierten und Erkrankten. Es ist unfassbar!!!

Ich muß doch davon ausgehen, dass es zumindest eine Person in der Redaktion gibt, die die Lageberichte des RKI studiert und somit klar erkennt, dass die präsentierten Zahlen und Graphen nicht aufklären sondern irreführend sind. Aber selbst wenn es diese Person in der Redaktion nicht gibt, ist es doch sehr wahrscheinlich dass der eine oder andere Mitarbeiter im Freundes-, Verwandten- und Bekanntenkreis auf die „anderen“ RKI-Daten hingewiesen wird. Dies bespricht man dann doch innerhalb der Redaktion und präsentiert von nun an Graphen und Zahlen mit mehr Aussagekraft.

Abgesehen davon werden die Redaktionen ja auch einen Blick auf die alternativen Medien im Netz werfen. Um es kurz zu machen: Man kann ausschließen, das die heute-Redaktion die „anderen“ RKI-Daten nicht kennt und völlig unbedarft ihre Graphen präsentiert.

Seit all den Monaten wird uns von Frau Gerster und Ihren Kollegen, ohne das sie dabei rot werden, dieser Unsinn vorgesetzt. Das ist nicht nur Lückenpresse, sondern auch Lügenpresse. Man kann es aber auch schlicht als Propaganda bezeichnen. Glauben diese Journalisten wirklich, als Teil der vierten Gewalt noch eine wichtige Aufgabe in der Demokratie zu erfüllen ?

Die Macher der heute-Sendung sollten vielleicht mal auf der Seite „sogehtmedien“ (https://www.br.de/sogehtmedien/ard-und-zdf/nutzen-heute/index.html) des BR schauen. Hier soll Medienkompetenz vermittelt werden und sie richtet sich vor allem an Schüler und Lehrer. Dort heißt es unter anderem: 'ARD und ZDF haben einen besonderen Auftrag: Sie informieren die Bevölkerung so umfassend und vielfältig, dass sich jeder selbst seine Meinung zum Beispiel zu politischen Fragen bilden kann.'

Da frage ich mich doch, warum erfüllen zum Thema Corona Frau Gerster und Co. seit über 5 Monaten diesen Auftrag nicht? Wurde Ihnen ein Maulkorb verpasst oder sind sie Überzeugungstäter (Ich möchte ihnen nicht unterstellen das sie dumm sind)? Haben Sie Sorge, dass wir das Virus nicht ernst genug nehmen und meinen, Demokratie hin oder her, sie müssen da ein wenig nachhelfen? Sie tun das also nur zu unserem Besten? Vielleicht glauben sie ja das Strategiepapier des BMI „Wie wir COVID-19 unter Kontrolle bekommen“ (https://www.bmi.bund.de/SharedDocs/downloads/DE/veroeffentlichungen/2020/corona/szenarienpapier-covid-19.pdf;jsessionid=570A3970FE04D4E65007EBFB8D53F6CA.2_cid373?__blob=publicationFile&v=4 ) unterstützen zu müssen? Zu dieser Strategie gehört es, der Bevölkerung Angst zu machen. Statt das zu kritisieren, arbeiten sie da vielleicht der Regierung (abgesprochen oder nicht ) zu?

Nochmal: Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Medien ist es, uns umfassend zu informieren, damit wir uns eine eigene Meinung bilden können. Zu ihren Aufgaben gehört es nicht, uns Angst zu machen damit wir so reagieren, wie sie es gerne hätten. Das tun sie aber mit diesem Zahlenkokolores!

Oft habe ich in letzter Zeit in meinem Umfeld zu hören bekommen, dass die Infektionen doch wieder kräftig ansteigen und dass da wohl doch eine zweite Welle anrollt. Selbst wenn ich auf die stark verzerrte und falsche Berichterstattung hinweise, bleibt bei vielen die Sorge vor dem Virus, während die Folgen des Lockdowns in den Hintergrund treten. Es gibt viele alte Menschen, die immer noch völlig zurückgezogen leben. Die Angst haben, unter Leute zu gehen, Restaurants zu besuchen etc. Es gibt viele Menschen, denen die Zeit davon läuft. Statt die Zeit, die sie noch haben, zu nutzen, hängen sie einsam in ihren Wohnungen ab. Und das vielleicht nur, weil sie Angst vor einer 2. Welle haben, deren Beginn auf keinem seriösen Graphen zu erkennen ist.

In Krankenhäusern git es immer noch sehr restriktive Maßnahmen wegen Corona. Habe es selber erlebt: Die Besuchszeit war/ist beschränkt auf 1 Person für 2 Stunden pro Tag. Menschen, die gegebenenfalls Angst haben, verzweifelt sind und Zuspruch und Unterstützung von Freunden und Familie bräuchten, bleiben 22 Stunden am Tage alleine (das macht mich ohnmächtig und wütend). Ein in der Regel ausgelastetes oder oftmals überlastetes Krankenhauspersonal kann das wohl kaum ausgleichen.

Mein Vertrauen in die Medien (das gilt für die öffentlich-rechtlichen wie auch für die Printmedien ) ist schon seit langem erschüttert. Die Corona-Krise bzw. deren Berichterstattung gab dem jetzt den Rest. Ich glaube da geht es vielen wie mir.

NORBERT PIECHOTTA, 15. September 2020, 14:55 UHR

Wieder einmal erstklassiger Journalismus. Merci. – In Ergänzung: Für die Masken-Jünger – falls sie etwas wissen und dann denken wollen ... Covidioten wissen das schon lange :-) https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/html/10.1055/a-1174-6591

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