Gesundheitsminister Jens Spahn (2.v.r) und Jens Scholz (r), Chef des Uniklinikums Schleswig-Holstein (und Bruder von Finanzminister Olaf Scholz), verfolgen das Intubieren an einer Simulationspuppe (August 2020) | Bild: picture alliance/dpa/dpa-POOL | Christian Charisius

Wie erwartbare Sterbefälle und Krankenhausbelegungen zur COVID-19-Notlage erklärt werden

Höhere Sterbefallzahlen im Vergleich zu den Grippesaisons der Vorjahre sowie die drohende Überlastung des Gesundheitssystems in Deutschland sind auf demografische Veränderungen der Gesellschaft zurückzuführen und nicht auf COVID-19. Dies zeigt ein Vergleich von Sterberaten sowie eine Analyse der Krankenhausbelegungstage.

KARSTEN MONTAG, 24. Mai 2021, 6 Kommentare

In seiner wöchentlichen Berichterstattung vom 21. Mai 2021 meldete das Robert Koch-Institut (RKI) 83.602 Todesfälle aufgrund von COVID-19, davon über 74.000 allein in der Grippesaison 2020/21. Diese Zahlen, die in den Medien ständig wiederholt werden, klingen sehr bedrohlich. Im Kontrast dazu sollen laut RKI in der Grippewelle 2017/18 schätzungsweise 25.000 Menschen an Influenza verstorben sein.

Damit erscheint auf den ersten Blick COVID-19 in Deutschland gut dreimal so gefährlich wie die saisonale Grippe. Doch vergleicht man den wöchentlichen Verlauf sowie die Höhe der Sterberaten während der Grippesaison 2020/21 mit den Vorjahren, erkennt man keine sonderlichen Abweichungen, außer dass der Höhepunkt der Todesfälle 2020/21 um die Jahreswende zu verzeichnen war, während dieser in den vorangegangenen Saisons erst im Frühjahr auftrat.

Abbildung 1: (für größere Anzeige hier klicken) Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Amt der Europäischen Union. Um demografische Veränderungen einzubeziehen, wurden in dieser Darstellung die Sterbefälle der Altersgruppen je Größe der Altersgruppe (Sterberate) pro Woche berechnet und aufaddiert.

Tatsächlich sind in der Grippesaison 2020/21 in Deutschland in der Summe über alle Altersgruppen weniger Menschen im Verhältnis zur Größe ihrer jeweiligen Altersgruppe verstorben als in der Grippesaison 2017/18.

Wo kommen die über 74.000 Corona-Toten in der Grippesaison 2020/21 her?

Betrachtet man die Anzahl der jährlichen Sterbefälle in Deutschland, ist zu erkennen, dass diese seit der Jahrtausendwende mit leichten Schwankungen zunimmt.

Abbildung 2: (für größere Anzeige hier klicken) Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Amt der Europäischen Union

Der Grund für die vermehrten Todesfälle steht jedoch nicht im Zusammenhang mit gefährlicheren Krankheiten oder anderen äußeren Umständen, sondern liegt ganz einfach in der Tatsache begründet, dass unsere Gesellschaft immer älter wird und die Lebenserwartung sich nicht grenzenlos steigern lässt.

Abbildung 3: (für größere Anzeige hier klicken) Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Amt der Europäischen Union

Verbesserte Lebensumstände, eine gesündere Lebensweise und Fortschritte in der Medizin haben insbesondere im 20. Jahrhundert zu einer Steigerung der Lebenserwartung geführt. Seit Anfang der 2010er Jahre steigt die durchschnittliche Lebenserwartung jedoch nicht mehr in dem Maße an wie in den Jahrzehnten zuvor. Gleichzeitig wächst die Gruppe der über 80-jährigen aufgrund geburtenreicher Jahrgänge Ende der 1930er und Anfang der 1940er Jahre derzeit deutlich stärker an als noch vor wenigen Jahren.

Das Risiko, an typischen Alterskrankheiten oder akuten Atemwegserkrankungen in Kombination mit diesen Alterskrankheiten zu versterben, ist im Alter deutlich höher als in jüngeren Jahren. Daher kann es passieren, dass bei steigendem Anteil der über 80-jährigen die Anzahl der Sterbefälle anwächst, ohne dass im Verhältnis zur Größe der jeweiligen Altersgruppe mehr Menschen versterben. Dies lässt sich gut anhand des Vergleichs der Grippesaison 2017/18 mit dem Vergleichszeitraum 2020/21 darstellen.

Abbildung 4: Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Amt der Europäischen Union

Deutlich zu erkennen ist die höhere Anzahl der Sterbefälle in der Gruppe der über 80-jährigen in der Grippesaison 2020/21 im Verhältnis zum Vergleichszeitraum 2017/18. In Summe über alle Altersgruppen sind es über 30.000 Todesfälle mehr.

Da jedoch die Gruppe der über 80-jährigen in der Zeit zwischen den Vergleichszeiträumen stark angewachsen ist, kann man die beiden Saisons nur angemessen vergleichen, wenn man die Anzahl der Sterbefälle der Altersgruppen mit der Größe der jeweiligen Altersgruppen ins Verhältnis setzt. Was man dann erhält, sind die Sterberaten je Altersgruppe, und diese zeichnen ein vollkommen anderes Bild.

Abbildung 5: Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Amt der Europäischen Union. Da die offiziellen Bevölkerungszahlen für 2021 noch nicht vorliegen, wurde zur Berechnung der Sterberate in der Saison 2020/21 eine Bevölkerungsprognose des Statistischen Amtes der Europäischen Union verwendet.

Tatsächlich sind die Sterberaten in allen jüngeren Altersgruppen annähernd gleich geblieben und in der Altersgruppe der über 80-jährigen sogar gesunken. Man kann also feststellen, dass die COVID-19-Pandemie in der Grippesaison 2020/21 milder verlaufen ist als die saisonale Grippe 2017/18, obwohl die Anzahl der Sterbefälle höher ausfällt. Die COVID-19-Pandemie in Deutschland ist daher bisher nicht gefährlicher als saisonale Grippewellen, wenn man die demografischen Veränderungen berücksichtigt.

Und noch etwas ist auffällig. Wenn in der Grippesaison 2017/18 gemäß RKI 25.000 Menschen an Influenza verstorben sein sollen und 2020/21 die Anzahl der Sterbefälle mehr als 30.000 über 2017/18 liegt, dann kommt man rein rechnerisch auf eine COVID-19-Opferzahl von über 55.000. Das RKI gibt die Anzahl der krankheitsbedingten Sterbefälle jedoch mit 74.000 an. Entweder hat also das RKI die Zahl der Opfer der saisonalen Grippe 2017/18 zu niedrig eingeschätzt, oder bei der Erfassung der COVID-19-Sterbefälle liegt ein Fehler vor. Dieser ließe sich beispielsweise mit einer hohen Anzahl von falsch positiven PCR-Tests erklären.

In Zukunft ist aufgrund demografischer Veränderungen mit einer deutlichen Steigerung der jährlichen Todesfälle zu rechnen

Aufgrund geburtenstarker Jahrgänge zwischen 1950 und 1970 wird der Anteil der Altersgruppe der über 80-jährigen in den nächsten 30 Jahren noch deutlich weiter anwachsen. Da die Lebenserwartung in den letzten zehn Jahren nur noch langsam angestiegen ist, muss man davon ausgehen, dass diese auch in Zukunft nur moderat zunimmt.

Abbildung 6: (für größere Anzeige hier klicken) Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Amt der Europäischen Union

Selbst wenn man davon ausgeht, dass sich der Trend der letzten zehn Jahre bei der Senkung der Sterberaten in allen Altersgruppen fortsetzt, wird die Anzahl der jährlichen Sterbefälle in Deutschland mit sehr großer Wahrscheinlichkeit weiter deutlich anwachsen. Bereits 2025 werden laut Prognose noch einmal knapp 40.000 Menschen mehr versterben als im Jahr 2020, 2050 werden es voraussichtlich über 200.000 sein.

Abbildung 7: (für größere Anzeige hier klicken) Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Amt der Europäischen Union

Um die Gefährlichkeit des Coronavirus und seiner zukünftigen Mutationen richtig einzuschätzen, ist es daher äußerst wichtig, die demografischen Veränderungen unserer Gesellschaft einzubeziehen. Summiert man einfach nur die absoluten Zahlen krankheitsbedingter Sterbefälle auf, entsteht ein dramatisches Szenario, obwohl die relativen Sterberaten in allen Altersgruppen tatsächlich im Mittel stetig zurückgehen.

Das deutsche Gesundheitssystem ist nicht ausgelegt für die Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft

Ausnahmezustand in Krankenhäusern. Klinikpersonal fällt krankheitsbedingt aus. Geplante Operationen werden verschoben. Gesundheitssystem am Rande der Kapazität. Krankenhäuser und Ämter lahmgelegt. – Was klingt wie Schlagzeilen aus der COVID-19-Pandemie im letzten Winter, stammt in Wirklichkeit vom Höhepunkt der Grippewelle im Frühjahr 2018. Die Grippewelle sei mit 25.000 Opfern die tödlichste in 30 Jahren gewesen, meldete das RKI. Kaum zu glauben, dass auch in 2018 im Vergleich zum Durchschnitt der Vorjahre in Deutschland eine Untersterblichkeit zu verzeichnen war, wenn man die demografischen Veränderungen berücksichtigt.

Die Entwicklung der Krankenhausbelegungstage in Deutschland sowie die demografischen Veränderungen geben Aufschluss darüber, warum die deutschen Krankenhäuser in den letzten Jahren selbst bei saisonalen Grippen so schnell an ihre Kapazitätsgrenzen gelangen. Weil sich die durchschnittliche Verweildauer von Patienten im Krankenhaus seit den 1990er Jahren halbiert hat, sind die Krankenhausbelegungstage trotz einer älter werdenden Gesellschaft in Deutschland deutlich zurückgegangen.

Abbildung 8: Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Bundesamt

Da Krankenhäuser einen der größten Kostenfaktoren im Gesundheitssystem darstellen, hatte dies zur Folge, dass Überkapazitäten abgebaut wurden. Krankenhäuser wurden geschlossen und die Anzahl der Betten ging in den letzten drei Jahrzehnten um 20 Prozent zurück.

Abbildung 9: Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Amt der Europäischen Union

Doch was nicht zurückgeht, sind die hauptsächlich nur in den Grippesaisons kurzfristig auftretenden Krankenhausbelegungstage aufgrund akuter Atemwegserkrankungen bei älteren Patienten. Diese steigen sogar in der Altersgruppe der über 80-jährigen deutlich an.

Abbildung 10: (für größere Anzeige hier klicken) Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Bundesamt

Da die Altersgruppen der 70- bis 79-jährigen und der über 80-jährigen den Großteil der Krankenhausbelegungen verursachen und diese Altersgruppen in Zukunft weiter anwachsen werden, ist davon auszugehen, dass auch die Gesamtzahl der Krankenhausbelegungstage aufgrund akuter Atemwegserkrankungen zunehmen wird.

Abbildung 11: (für größere Anzeige hier klicken) Eigene Darstellung, Datenquelle: Statistisches Bundesamt

Man kann deutlich erkennen, dass hier etwas nicht zusammenpasst. Einerseits will man die Kosten im Gesundheitssystem reduzieren und Überkapazitäten abbauen. Andererseits müsste man jedoch für kurzfristige Belastungen aufgrund wiederkehrender akuter Atemwegserkrankungen bereits abgebaute Kapazitäten wieder ausbauen.

Schlussbetrachtung

Aus den hier dargestellten Zusammenhängen zwischen der demografischen Veränderung unserer Gesellschaft und einer daraus resultierenden erwartbaren höheren Belastung des Gesundheitssystems wird deutlich, dass bei einem weiteren Abbau von Kapazitäten im deutschen Gesundheitswesen eine regelmäßige Überlastung droht. Durch die Dramatisierung der Letalität von COVID-19 und der drohenden Überlastung des Gesundheitssystems durch das Coronavirus, welche in Wirklichkeit beide in erster Linie auf die demografischen Veränderungen der Gesellschaft zurückzuführen sind und nicht auf die Krankheit, sowie die Fokussierung auf einen Impfstoff als angeblich einzige Lösung wird eine andere, deutlich effektivere und sicherere Alternative der Krankheitsbekämpfung aus dem Bewusstsein der Menschen ferngehalten: der Erhalt und Ausbau von Kapazitäten im Gesundheitswesen, um den Anforderungen einer älter werdenden Gesellschaft auch in Zukunft gerecht zu werden.

Anmerkung: Angesprochen auf die hier dargelegten Zusammenhänge hat das Bundesministerium für Gesundheit bislang nicht reagiert.

Über den Autor: Karsten Montag, Jahrgang 1968, hat Maschinenbau an der RWTH Aachen, Philosophie, Geschichte und Physik an der Universität in Köln sowie Bildungswissenschaften in Hagen studiert. Er war viele Jahre Mitarbeiter einer gewerkschaftsnahen Unternehmensberatung, zuletzt Abteilungs- und Projektleiter in einer Softwarefirma, die ein Energiedatenmanagement- und Abrechnungssystem für den Energiehandel hergestellt und vertrieben hat.

Datenquellen:

Weitere Artikel zum Thema:

*LEUGNER, 24. Mai 2021, 11:00 UHR

Es ist auch angezeigt darauf hinzuweisen, dass ab einem gewissen Alter, eine intensivmedizinische Behandlung nicht sinnvoll ist.

https://www.deutschlandfunk.de/palliativmediziner-zu-covid-19-behandlungen-sehr-falsche.694.de.html?dram:article_id=474488

Interessant ist auch, dass trotz 40.000 Corona Toten 2020 sich die Anzahl der Pneumonien im Vergleich zum Vorjahr nicht erhöht hat.

https://www.corodok.de/atemwegserkrankungen-offiziell-in-covid-19-umbenannt/

Selbstverständlich wird für dieses Wunder die Maske verantwortlich gemacht, die Influenza vollständig verhindert haben soll. Samuel Eckert hat in seinem neuen Video auf den interessanten Umstand hingewiesen, dass die Anzahl der Sepsen sich im Vergleich zum Vorjahr um die Hälfte reduziert hat.

https://www.youtube.com/watch?v=4HHq2FaiMfw

ARNOLD WEIBLE, 28. Mai 2021, 10:55 UHR

Anders als bei dem Beitrag vom 16. 4. (Warum die Todeszahlen des RKI nicht plausibel sind) hat der Autor die Aussage, dass "2020 nicht mehr Menschen als zu erwarten war gestorben sind" hier nach meinem Empfinden plausibel nachgewiesen.

Die Folgerung, dass Corona zu harmlos sei um die angeordneten Maßnahmen zu rechtfertigen kann man daraus allerdings nicht ableiten. Man stelle sich einmal vor es gäbe eine Baustelle mit einer Gefahrenstelle im ersten Jahr(stellvertretend für Grippe) und zwei Gefahrenstellen im zweiten Jahr (stellvertretend für Grippe und Covid19) die Bauleitung befindet nun, die zweite Gefahrenstelle als so gefährlich, dass sie im zweiten Jahr einen Zaun anbringt (stellvertretend für die Covid19 Maßnahmen), der beide Gefahrenstellen absichert. Nach Abschluss der Bauarbeiten stellt man fest, dass in beiden Jahren insgesamt die gleiche Anzahl an Unfällen geschahen, an der älteren Gefahrenstelle dabei sogar deutlich weniger als an der neuen.

Also ich schließe daraus folgendes: (1) Der Zaun hatte eine unfallsenkende Wirkung wie sich an Gefahrenstelle 1 (Grippe) erkennen ließ. (2) Gefahrenstelle 2 (Covid19) ist wirklich gefährlicher als Gefahrenstelle 1.

*LEUGNER, 28. Mai 2021, 14:30 UHR

Es gibt neben Schweden noch viele andere Länder ohne Maßnahmen und mit weniger Intensivbetten pro Einwohner. Dort ist es nicht zu einem Kollaps des Gesundheitssystems gekommen und auch nicht zu mehr Sterbefällen. Ihre Schlussfolgerung ist falsch.

ARNOLD WEIBLE, 30. Mai 2021, 16:30 UHR

Werter @*Leugner, ich habe lediglich 1 und 1 zusammengezählt. Wenn das logische Ergebnis Ihren Erwartungen nicht entspricht, müssen Sie mir entweder nachweisen, dass die Ausgangsannahmen falsch sind oder Ihre eigene Meinung korrigieren. Also schauen wir einmal auf die Ausgangsannahmen:

(1) Die Anzahl der Menschen, die 2020 an den Atemwegserkrankungen Grippe und Covid19 verstorben sind war 2020 in der gleichen Größenordnung wie in den Vorjahren.
(2) 2020 gab es Maßnahmen, die die Verbreitung von Covid19 hemmen sollten und die in gleicher Weise gegen die übliche Grippe wirken.
(3) Die Anzahl der Grippeerkrankungen und somit auch der Todesfälle durch Grippe, war 2020 nach Einführung der Maßnahmen gegen Corona sehr viel geringer als im Durchschnitt der Vorjahre.

Sämtliche Annahmen beziehen sich nur auf Deutschland.

Punkt 1 wurde hier von Herrn Montag in aufwändiger Recherche dargelegt.
Punkt 2 ist die Ursache weshalb wir hier diskutieren.
Punkt 3 kann man der Statistik entnehmen z.B. hier:

https://www.mdr.de/wissen/grippewelle-influenza-winter-fieber-husten-arztbesuch-sachsen-anhalt-thueringen-100.html

Es gibt zudem noch eine Betrachtung zur Zuverlässigkeit dieser Statistik hier:

https://correctiv.org/faktencheck/2020/08/18/irrefuehrende-grafik-zu-influenza-und-coronavirus-sterbefaellen/

Zu Schweden: Dass es auch dort nicht zu einem Zusammenbruch des Gesundheitssystems kam, tangiert meine Folgerung in keiner Weise. Im übertragenen Sinn bedeuten die schwedischen Anticoronamaßnahmen, dass der Zaun auf der Baustelle niedriger war; mehr nicht. Die Kritik an den deutschen Anticoronamaßnahmen bezieht sich auf die Frage, ob diese überzogen waren bzw. sind und eventuell ob es nicht wirksamere Mittel gegeben hätte. Aber all das ist eine ganz andere Fragestellung, über die ich hier nichts ausgesagt habe.

Nebenbei bemerkt: Nach den Angaben der WHO starben in Schweden bis 29.5.21 1404 Menschen / 1 Mill. Einwohner an Covid 19
in Deutschland 1063 Menschen.
https://www.arcgis.com/apps/dashboards/ead3c6475654481ca51c248d52ab9c61

  • Eigene Rechnung
*LEUGNER, 31. Mai 2021, 20:00 UHR

Lieber Herr Weible, es gibt von Ioannidis eine umfangreiche Studie, die besagt, dass die Maßnahmen weltweit keinen Einfluss auf die Coronatoten haben. Länder mit sehr strikten Maßnahmen können eine sehr hohe Todesstatistik aufweisen wie Länder ohne Maßnahmen. Zudem basieren die Corona-Todeszahlen hauptsächlich nur auf einer Auswertung von PCR-Tests. Ein Arzt kann aufgrund der klinischen Symptome die Ursache einer Pneumonie nicht von einer Influenza oder Corona oder einer anderen Ursache unterscheiden. Geschweige denn die üblichen Erkältungskrankheiten. Jedes Land zählt aufgrund der nicht normierten PCR-Tests die Coronatoten anders. Manchmal ist überhaupt kein positives Resultat erforderlich und der Arzt vermerkt auf dem Totenschein die Ursache Covid, obwohl der Verstorbene eine lange Liste an Vorerkrankungen mit sich trug.

Dann gibt es noch die umfangreiche Zensur im Internet und das Canceling kritischer Stimmen, sowie der DIVI-Skandal mit dem Krankenhausfinanzierungsgesetz, wo Krankenhäuser mit extra Prämien belohnt werden, die eine besonders hohe Auslastung in den Intensivstationen vorzuweisen haben.

Desweiteren sieht man gerade in den Sommermonaten zum zweiten Mal einen drastischen Rückgang der Erkrankungen und Todesfällen, neben all den „Mutanten“, die angeblich zirkulieren und trotz „Lockerungen“. Wie ist das zu erklären?

Wie schon erwähnt, Schwedens Maßnahmen waren mehr kosmetischer Natur. Bis auf die Absage an Großveranstaltungen von mehr als 50 Teilnehmern, lief das Leben seinen normalen Gang. Ohne Sperrstunde, Maskenpflicht oder Schließung des Einzelhandels, sowie der Schulen. Gerade diese Maßnahmen waren laut Regierung essentiell, um eine Verbreitung zu verhindern. Stichwort „Reduzierung der Kontakte“. Und es gab keine Übersterblichkeit im Vergleich zu den vergangenen Jahren. Der Vergleich mit den Coronatoten führt in die Irre aufgrund der oben erläuterten Problematik.

Laut Ihrer Aussage waren die Maßnahmen in Deutschland also punktgenau justiert, um die zu erwartende Sterblichkeit im Jahr 2020 nicht zu überschreiten? Es tut mir Leid, aber bei all dem Missmanagement unserer Regierung in den vergangen Jahren und bei der aktuell vorliegenden Indizien, muss man schon beide Augen kräftig zudrücken, um nicht ins Zweifeln zu kommen.

ARNOLD WEIBLE, 1. Juni 2021, 16:35 UHR

Lieber@*Leugner, ich empfehle Ihnen das Buch „Schnelles Denken, Langsames Denken“ von Daniel Kahnemann. Demnach haben wir zwei Arten zu Denken. Das schnelle Denken lernt aus der Erfahrung, kann sehr viel mehr verarbeiten als das langsame Denken und geht mühelos. Dieses Denken kennt keine Zweifel und keine Logik, es erkennt Wahr und Unwahr daher nicht an der Logik, sondern an der Häufigkeit einer Aussage.

Das langsame Denken ist hingegen mühsam, wir können es nur punktuell einsetzen, womit es in den meisten Situationen außen vor bleibt. Es verleiht uns allerdings die Fähigkeit uns in jeder fremden Umgebung zurechtzufinden. Dieses Denken ist logisch und lässt uns abwägen und zaudern.

Mein Eindruck ist, dass Sie sich in dieser Debatte auf das schnelle Denken eingelassen haben. Angesichts dessen, dass sie noch nie geführt wurde, erforderte sie jedoch das langsame Denken. Bitte widerstehen Sie dem Reflex, das von sich zu weisen. Suchen Sie stattdessen für sich nach logischen Argumenten die mich widerlegen und lassen sie sich dafür unbedingt Zeit.

Nun zum Grund weshalb ich zu diesem Eindruck gelangte. Ich stellte oben eine einfache logische Schlussfolgerung auf. Nun widersprachen Sie mir, aber wiederholt nicht indem Sie meine Logik oder deren Ausgangspunkte aufgriffen, sondern indem Sie ganz andere Aspekte einbrachten, die für sich gesehen sicher bedenkenswert sind, jedoch eine andere Facette des Themas darstellen. Ließen sie sich vom langsamen Denken leiten, wären Sie zu dem Schluss gelangt, dass meine Aussage in sich schlüssig ist oder Sie hätten mir einen Fehlschluss logisch nachgewiesen. Stattdessen war Ihre Reaktion ablehnend, da die Aussage nicht mit Ihren Erwartungen übereinstimmte und nachdem Sie keinen logischen Fehler sahen suchten Sie andere Aspekte, die der Aussage widersprechen könnten. Das ist typisch für schnelles Denken.

Die Gefahr, die besteht ist, dass man sich auf eine feste Meinung versteifen kann, denn man kennt ja keine Zweifel.

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