Lazarettzelt für Covid-19-Patienten in der Lombardei, Italien, Februar 2020 | Bild: Shutterstock

Die Corona-Toten: eine Medienzahl

„Bei uns gilt als Corona-Todesfall jemand, bei dem eine Coronavirus-Infektion nachgewiesen wurde“, so Lothar Wieler, Chef des Robert Koch-Instituts. Damit ist klar: Wer mit dem Virus infiziert ist und stirbt, gilt als „Corona-Toter“ – unabhängig davon, ob das Virus den Tod auch verursacht hat. Wie ist dieser Fakt zu bewerten? Lässt sich überhaupt definitiv sagen, ob jemand am Virus gestorben ist? Wie reagieren die Gesundheitsministerien auf eine Anfrage nach den Corona-Toten? Und: Wie berichten Medien über die Zahl der Todesfälle? Eine Multipolar-Recherche in sechs Bundesländern

MARCUS KLÖCKNER, 13. April 2020, 7 Kommentare

Die Entscheidungen, die die politisch Verantwortlichen seit Wochen in Sachen Coronavirus treffen, könnten kaum weitreichender sein. Alle Bürger mussten innerhalb kürzester Zeit grundlegende Freiheitsrechte aufgeben, von denen viele bisher geglaubt haben, sie seien in diesem Land, zumindest weitestgehend, unantastbar.

Kontaktsperren durchziehen das gesamte Bundesgebiet. Das freie Reisen, die freie Ausübung des Berufs, ja: ein ganz normales Stück Leben, wie es eine Demokratie eigentlich garantiert, ist so stark beschnitten, dass sich ein Spiegel-Redakteur bei einem Spaziergang an eine Diktatur erinnert fühlt – wenn auch nur für einige Sekunden.

Für die Alten, Schwachen, die psychisch Angeschlagenen, genauso wie für die Menschen, die an anderen Erkrankungen leiden, dürfte diese Zeit besonders schwer sein. Hinzu kommen die direkten wirtschaftlichen Folgen, die sich, wie so oft, gerade bei den Ärmeren am härtesten bemerkbar machen – von den Auswirkungen ganz zu schweigen, die sich auf die nationale und globale Wirtschaft durch einen Lockdown ergeben, von dem noch immer völlig unklar ist, wie lange er andauern wird.

Die Einschränkungen, so sagen es Politiker, so tönt es aus den Medien, sind nur zu unserem Besten. Es geht darum, Menschenleben zu retten. Ein Menschenleben – gewiss, der höchste zu schützende Wert überhaupt. Wer wollte da widersprechen, hinterfragen? Wer es wagt, wird von moralischer Schuld geradezu übergossen. Das Virus ist gefährlich. Die Situation ist lebensbedrohend. Die Politik handelt noch zu zurückhaltend. Die ergriffenen Maßnahmen müssen noch verschärft werden.

So in etwa scheint ein großer Teil der Bevölkerung positioniert zu sein. Angst herrscht vor – große Angst, nicht allzu weit von Panik entfernt. Die Krise ist, was die Auswirkungen auf die Gesellschaften rund um den Globus, was die weltumspannende Beschneidung der Freiheitsrechte angeht, einmalig.

So leicht diese Feststellung fällt, so schwierig ist es, wirklich fundiert grundlegende Fragen mit letzter Gewissheit zu beantworten. Die Auseinandersetzung mit dem Coronavirus beginnt bei der Frage, wie genau dieses Virus entstanden ist, wie es zu einer Übertragung auf den Menschen gekommen ist, wie es sich so schnell verbreiten konnte, und zieht sich über elementare Fragen, die das Handeln der Weichensteller in vielen Ländern der Welt umfassen. Warum agieren und reagieren sie, wie sie es tun? Wie belastbar ist die Datenbasis, auf der sie ihre Prognosen erstellen und auf der sie ihre Entscheidungen treffen? Nicht zuletzt stellt sich eine Frage, die, wie angedeutet, im aktuellen Diskurs als geradezu ketzerisch betrachtet wird: Wie gefährlich ist dieses Virus für die Menschen tatsächlich?

Es liegt auf der Hand: Auch wenn bei der Beantwortung nach der Gefährlichkeit zahlreiche Aspekte, wie Infektiosität und mögliche Folgeschäden zu berücksichtigen sind, so ist die Zahl der Menschen, die an dem Virus versterben, von Bedeutung. Es sind allerdings nicht nur die harten medizinischen Fakten, die sich aus der Mortalität ableiten lassen, die wichtig sind. Die Zahl der Corona-Toten muss auch als „Medienzahl“ verstanden werden, die Journalisten jeden Tag verbreiten. Diese Zahl hat einen Einfluss auf die Bürger, die sich kaum überschätzen lässt. An ihr orientiert sich, ob bewusst oder unbewusst, die eigene Einschätzung, für wie gefährlich man das Virus hält.

Wieder gibt es Corona-Tote. Der erste Tote in unserem Landkreis. Nun der Zweite, der Dritte. Bald sind in Deutschland schon über 100 Menschen an dem Virus gestorben. Dann 500, 1.000 und jetzt, Stand 12. April, sind es „schon“ über 2.000 – in Italien gar über 17.000, weltweit über 100.000. Und die Werte steigen weiter an. So dürften viele Bürger die Zahlen wahrnehmen.

Ja, das klingt dramatisch. Aber: Ohne Bezugszusammenhang sind diese Zahlen so aussagekräftig wie die Aussage: „Im Sommer wird es heiß“. Neben all den zu berücksichtigenden Aspekten, wie etwa der Zahl der Grippetoten in den vergangenen Jahrzehnten (für 2017/2018 hat das Robert Koch-Institut (RKI) 25.000 Grippetote geschätzt), ist ein Gesichtspunkt von zentraler Bedeutung:

Was ist eigentlich ein „Corona-Toter“?

Wer als Mediennutzer nicht weiter über die verbreiteten Zahlen nachdenkt, muss von Folgendem ausgehen: Die Zahl der im Zusammenhang mit dem Virus von den Behörden angegebenen und von den Medien publizierten Todesfällen sagt aus, wie viele Menschen ursächlich an dem Virus gestorben sind.

Doch spätestens seit der Aussage von RKI-Chef Wieler vom 20. März ist klar: es ist komplizierter. Das RKI fasst alle Menschen, die sowohl „an“ als auch „mit“ dem Virus verstorben sind, in der Statistik zusammen. Dies führt, vorsichtig formuliert, zu einer Verzerrung der veröffentlichten Zahlen. Wenn sowohl Menschen, die „an“ als auch „mit“ dem Virus verstorben sind, zusammengefasst in die Gruppe der „Corona-Todesfälle“ gezählt werden, dann muss davon ausgegangen werden, dass die veröffentlichte Zahl zu hoch ist.

Man mag einwenden, dass die tatsächliche Zahl der Todesfälle doch, wie auch vom RKI-Chef in den vergangenen Tagen gesagt, vermutlich höher als die veröffentlichte Zahl ist, da davon auszugehen ist, dass auch Menschen an und mit dem Virus verstorben sind, die, aus welchen Gründen auch immer, nicht als Corona-Tote erkannt und erfasst wurden. Diesen Einwand sollte man sicherlich zur Kenntnis nehmen.

Allerdings würden wir dann von der absoluten, der faktischen Zahl an Corona-Toten sprechen – diese kennen wir nicht. Wir kennen allerdings die vom RKI veröffentlichte Zahl – und um die geht es hier. Sie ist dadurch, dass in ihr sowohl die „an“ als auch die „mit“ dem Virus Verstorbenen zusammengefasst sind, ziemlich problematisch.

Um einen Eindruck zu bekommen, wie die Behörden die Anzahl der Corona-Toten gegenüber der Öffentlichkeit kommunizieren, hat Multipolar bei Gesundheitsministerien und Behörden in sechs Bundesländern angefragt: „Wie viele Personen sind in Ihrem Bundesland bislang an dem Virus verstorben?“ Die Antworten fielen wie folgt aus:

Bayern: „Aktuelle Fallzahlen, darunter auch Todesfälle in Bayern (277, Stand 2.4, 10 Uhr) finden Sie immer auf unserer Homepage unter folgendem Link …“

Baden-Württemberg: [Anmerkung Multipolar] Auf die Anfrage wurde nur ein Link zugeschickt. Dort ist zu lesen: „Darüber hinaus steigt die Zahl der Covid-19-Todesfälle im Land auf 239 an.“

Nordrhein-Westfalen: „[…] vielen Dank für Ihre Anfrage. In der angehängten Tabelle finden Sie die Zahl der bestätigten Todesfälle Stand 02.04.2020 10 Uhr.“

Niedersachsen: „Insgesamt 63 Erkrankte wurden dem NLGA (bis 10 Uhr) als verstorben gemeldet. Über Details kann die zuständige Kommune Auskunft geben.“

Schleswig-Holstein: „[…] im Anhang finden Sie hierzu unsere Medieninformation mit dem heutigen Stand.“

Hamburg: „Hamburg veröffentlicht entsprechende Zahlen in einer täglichen Pressemeldung am frühen Nachmittag. Diese finden Sie hier: Mit Stand gestern [8.4.] sind nach den Angaben des RKI in Hamburg 23 Personen mit einer COVID-19-Infektion verstorben. Laut Angaben des Instituts für Rechtsmedizin konnte bereits bei 29 Personen die COVID-19 Infektion als todesursächlich festgestellt werden.“

Erkenntnis: Wer die Antworten der Gesundheitsministerien aus den Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein betrachtet, muss, trotz teilweise vorsichtiger Formulierung, davon ausgehen, dass die genannte Zahlen angeben, wie viele Menschen ursächlich an dem Virus verstorben sind.

Im Grunde genommen müsste man also als Medienvertreter selbst bereits wissen, dass das RKI die sowohl „an“ als auch die „mit“ dem Virus Verstorbenen zusammen als „Corona-Tote“ zählt. Und man müsste in Betracht ziehen, dass die Zählweise der Bundesländer ebenso erfolgt. Waren sich darüber wirklich alle Journalisten im Klaren, die zu Beginn und im Laufe der Krise bei den Pressestellen angefragt haben, um die Anzahl der Corona-Toten in ihren Medien zu veröffentlichen?

Mittlerweile mag sich das Problem der Zählweise in den Redaktionen herumgesprochen haben (der Spiegel etwa verweist inzwischen auf die Zählweise der Todesfälle), aber war dieser Umstand Medien frühzeitig bekannt? Das darf bezweifelt werden.

Hauptsächlich sind hier die jeweiligen Ministerien und Behörden zu kritisieren, die auf klare Anfragen (wie viele Menschen sind „an“ dem Virus gestorben?) Antworten geben, die im Grunde genommen einen falschen Eindruck erwecken. Kritik ist aber auch an Journalisten zu üben, die diese Zahlen schon frühzeitig hätten kritisch hinterfragen müssen, um dann ihren Lesern zu erklären, wie die Zahl der Corona-Toten wirklich zu verstehen ist.

Ein Lichtblick ergibt sich auf der Internetseite des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Dort ist Folgendes zu lesen:

"Als Todesfälle werden Personen gezählt, die mit und an SARS-CoV-2 verstorben sind, sowie Personen, bei denen die Ursache unbekannt ist. Mit SARS-CoV-2 verstorben bedeutet, dass die Person aufgrund anderer Ursachen verstorben ist, aber auch ein positiver Befund auf SARS-CoV-2 vorlag. An SARS-CoV-2 verstorben bedeutet, dass die Person aufgrund der gemeldeten Krankheit verstorben ist. Informationen zur Todesursache bei gemeldeten SARS-CoV-2-Fällen liegen bei etwa 90 % der Fälle vor, von denen wiederum etwa 92 % an COVID-19 und 8 % an einer anderen Ursache verstorben sind."

Das ist soweit vorbildlich, weil hier transparent nicht nur die Zählweise der Corona-Toten verdeutlicht, sondern auch noch durch die Angabe der Prozentzahlen ein Eindruck vermittelt wird, wie hoch die prozentuale Abweichung zwischen „an“ und „mit“ dem Virus Verstorbenen sein könnte.

Problematisch ist allerdings, dass die Pressestelle auf die Anfrage zunächst nur die Zahl der Todesfälle angibt und nicht ausdrücklich auf diese Differenzierung aufmerksam gemacht hat. Zwar war der E-Mail der Link zur Webseite beigefügt, allerdings darf man davon ausgehen, dass nicht unbedingt alle Journalisten im stressigen Redaktionsalltag, wenn sie erst einmal die erfragte Information haben, auch noch entsprechenden Links in E-Mails folgen. Außerdem käme es darauf an zu erfahren, wie genau festgestellt wurde, dass 90 Prozent der angeführten Fälle „an“ dem Virus gestorben sind. Anders gefragt: Wie belastbar ist die angegebene Zahl?

Hamburg ist das einzige Bundesland, das auf unsere Anfrage deutlich gemacht hat, wie viele Personen „an“ und wie viele „mit“ dem Virus verstorben sind.

Nachdem die Pressestellen geantwortet hatten, hakte Multipolar nochmals nach:

"Wie erfolgt bei Ihnen in […] die Erfassung der 'bestätigten Todesfälle'? Anders gefragt: Sind die […] Personen 'an' dem Virus verstorben bzw. ist ursächlich erwiesen, dass das Virus den Tod verursacht hat? Oder sind Sie 'mit' dem Virus verstorben, sprich: Sind sie positiv auf das Coronavirus getestet worden, aber die genaue Ursache des Todes wurde (noch) nicht festgestellt? Wenn es sich bei den […] 'bestätigten Todesfällen' um Verstorbene handelt, die tatsächlich 'an' dem Virus verstorben sind: Welche […] Vorgehensweise wurde veranschlagt, um festzustellen, dass die Personen 'an' dem Virus verstorben sind?"

Bayern antwortet:

„… das LGL berichtet Todesfälle, die mit und an SARS-CoV-2 verstorben sind. Mit SARS-CoV-2 verstorben bedeutet, dass die Person aufgrund anderer Ursachen verstorben ist, aber auch ein positiver Befund auf SARS-CoV-2 vorlag. An SARS-CoV-2 verstorben bedeutet, dass die Person aufgrund der gemeldeten Krankheit verstorben ist. Es ist nach Infektionsschutzgesetz Aufgabe eines Arztes, nicht des LGL, die Todesursache festzustellen. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass eine innere Leichenschau, Autopsien oder andere aerosolproduzierenden Maßnahmen vermieden werden sollten.“

Baden-Württemberg antwortet:

„… rufen Sie gerne dazu morgen einmal bei uns an. Am Telefon ist das leichter zu erklären.“

Im Telefonat mit dem Baden-Württembergischen Gesundheitsministerium zitiert der Sprecher eine Publikation des Landesgesundheitsamts: „Als Covid-19-Todesfälle werden alle Todesfälle von Patienten gezählt, bei denen eine Infektion mit dem Virus nachgewiesen wurde.“ Im Hinblick auf die Frage, wie genau festgestellt wird, ob jemand „an“ dem Virus verstorben ist, bemerkte der Sprecher, dass die Angaben auf dem Leichenschein zählen und verwies auf das Landesgesundheitsamt und die lokalen Behörden.

Auf die Anmerkung, dass die Zahlen, die das Ministerium herausgibt, verzerrend sind und dass Bayern auf seiner Internetseite erklärende Angaben zur Zählweise liefert, hieß es vom Sprecher, dass von Seiten des Ministeriums vielleicht nochmal nachgeschärft werden sollte, um eine Interpretationshilfe für diese Zahlen zu schaffen. Bis heute ist auf der Webseite des Gesundheitsministeriums diese „Interpretationshilfe“ nicht zu finden.

Nordrhein-Westfalen antwortet:

„Das Landeszentrum Gesundheit Nordrhein-Westfalen folgt dem Vorgehen des Robert Koch-Instituts: Als 'bestätigte Todesfälle' werden alle Fälle gewertet, die nachweislich mit SARS-CoV-2 infiziert waren und bei denen in der Meldung angegeben ist, dass die erkrankte Person verstorben ist ('mit dem Virus verstorben'). Gezählt werden also auch die Fälle, bei denen nach Einschätzung des Arztes/der Ärztin die SARS-CoV-2-Infektion zwar zum Tode beigetragen hat, aber auch noch andere Faktoren eine Rolle spielten. Die Angaben in der Meldung sollten gemäß den Vorgaben des RKI auf den Angaben in der Todesbescheinigung basieren. Die Feststellung der Todesursache ist auch nach sorgfältig durchgeführter Leichenschau häufig schwierig und die Todesursache bleibt oft unklar. Obduktionen werden nicht bei allen Verstorbenen durchgeführt.“

Niedersachsen antwortet:

„Die täglich vom Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung veröffentlichten Zahlen zum Infektionsgeschehen basieren auf der Meldung des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes (NLGA) vom selben Tag, 14:00 Uhr. Das NLGA führt diese Statistik laufend. Sie basiert auf den Angaben, die dem NLGA täglich von den Gesundheitsämtern der Landkreise, kreisfreien Städte und der Region Hannover gemeldet worden sind (Zahl der labortechnisch bestätigten Erkrankten bis 13:00 Uhr, der Todesfälle bis 10:00 Uhr). Diejenigen Personen, die als an Covid-19 verstorben geführt werden, gehörten zuvor zur Gruppe der labortechnisch bestätigten Erkrankten. Weitere Angaben zur Zählweise können Sie der Pressemitteilung entnehmen, die wir Ihnen gestern zur Verfügung gestellt hatten."

Schleswig-Holstein antwortet:

„Sind sie positiv auf das Coronavirus getestet worden – dies wird nach dem Infektionsschutzgesetz erfasst.“

Anmerkung: Da die Antwort sehr kurzgefasst und nicht ausreichend war, hat Multipolar nochmal nachgefragt. Daraufhin teilte die Pressestelle mit:

„Erfasst wird nur nach dem Infektionsschutzgesetz, ob die Verstorbenen eine Covid19 Infektion hatten und das ist das, was wir gemeldet bekommen und kommunizieren. Ob sie ursächlich daran verstorben sind, können im Einzelfall die Ärztinnen und Ärzte oder die Rechtsmedizin durch eine Obduktion klären, wenn das für erforderlich gehalten wird.“

Erkenntnis: Erst bei der zweiten (bzw. dritten) Anfrage kommunizieren die Pressestellen mehr oder weniger deutlich, wie die Zahl der Verstorbenen zu verstehen ist. Ohne erklärende Angaben zu den mitgeteilten Zahlen sind Missverständnisse zu erwarten. Die Gefahr einer realitätsverzerrenden Berichterstattung ist gegeben. Nordrhein-Westfalen liefert die erhellende Aussage, wonach „die Feststellung der Todesursache auch nach sorgfältig durchgeführter Leichenschau häufig schwierig und die Todesursache (…) oft unklar“ bleibe. Eine Ausnahme bildet Hamburg. Wie schon angesprochen: Hamburg zählt die Corona-Toten anders als das Robert Koch-Institut. Auf der Internetseite der Hansestadt heißt es:

„Zum Hintergrund der Zählweise der Todesfälle: Das Robert Koch-Institut veröffentlicht auf seiner Website täglich im Vergleich die von den Bundesländern gemeldeten Fallzahlen der COVID-19-Erkrankten sowie Todesfälle. Das RKI listet alle Todesfälle mit dem Nachweis einer Coronavirus-Infektion auf. In Hamburg werden alle Todesfälle mit Corona-Infektion durch das Institut für Rechtsmedizin begutachtet. Dadurch wird medizinisch differenziert nachgewiesen, welche nicht nur mit, sondern ursächlich durch eine COVID-19-Erkrankung gestorben sind.“

Auf Anfrage teilt die Stadt Hamburg mit:

„Hamburg hat sich dafür entschieden, die Untersuchung zur Todesursache durchzuführen, weil dies genauer ist als die Daten vom RKI.“

Wie lässt sich die genaue Todesursache feststellen?

„Die Antwort ist kurz: gar nicht.“ Das sagt die Leiterin des Geschäftsbereichs der Rechtsmedizin Saarbrücken, Daniela Bellmann. Einen Nachweis darüber, ob eine Person mit dem Coronavirus infiziert sei, könne man zwar über einen entsprechenden Test führen, aber das sage erst einmal noch nichts über die Todesursache aus. Bei Obduktionen, so die Fachärztin für Rechtsmedizin, stünden oft Plausibilitätsüberlegungen im Vordergrund. „Wenn bei einem Toten eine Lungenentzündung festgestellt wird und ein mikrobiologischer Test positiv für Corona ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass er an Corona gestorben ist, wenn dazu noch eine andere Krankheit fehlt.“ Das sei anders bei „konkurrierenden Ursachen“, wie beispielsweise bei einer Person, die einen frischen Herzinfarkt habe.

Thomas Roth, Direktor des Mainzer Instituts für Pathologie, sagt gegenüber Multipolar, dass der Tod eines Menschen oft auch ein „mutifaktorieller Prozess“ sei. Wenn jemand Vorerkrankungen gehabt hätte, dann sei es schwer zu sagen, zu wie viel Prozent Covid und zu wie viel Prozent die andere Erkrankung zum Tode geführt habe. „Oft hat man es mit Mischbildern zu tun“, so Roth. Der Mediziner geht zwar davon aus, dass bei den meisten in Deutschland „an“ oder „mit“ dem Virus Verstorbenen die Todesursache korrekt erfasst werde, aber er verweist auch auf das generelle Problem fehlender Autopsien und spricht von einem „seit Jahren andauernden Missstand“, auf den Pathologen hinweisen würden. „Die Leichenschau, die normale Ärzte machen, läuft, vorsichtig ausgedrückt, suboptimal“, so Roth. Der Facharzt für Pathologie hält es für sinnvoll, darüber zu diskutieren, die Corona-Toten systematisch zu obduzieren:

„Es ist generell das Problem, dass die ganzen Zahlen, die genannt werden, überhaupt nicht valide sind. Das ist ein offenes Geheimnis.“

Saskia Lemm, Pressesprecherin des Universitätsklinikums Hamburg, äußert sich auf die Anfrage, wie die Feststellung der Todesursache erfolge, mit den Worten:

„Bei Verstorbenen wird, wie bei Lebenden auch, ein Abstrich aus dem Rachen gemacht. Außerdem entnehmen die Rechtsmediziner einen zusätzlichen Abstrich aus dem Lungengewebe. Diese Proben werden im Labor untersucht. Ist der Befund positiv, folgen virologische und organische Untersuchungen, die Aufschluss über die Todesursache geben.“

Was heißt das?

Bei näherer Überlegung ist es sinnvoll, die Zahl der Corona-Toten medizinisch, medienwissenschaftlich und soziologisch einzuordnen. Aus medizinischer Sicht wird deutlich, dass es ein grundsätzliches Problem gibt, wenn es um die Feststellung geht, ob das Coronavirus ursächlich für einen Tod verantwortlich ist und wenn ja, zu welchem Prozentanteil dies der Fall ist.

Der eindeutigen, hundertprozentig korrekten Erfassung stehen individuelle Entscheidungen entgegen (unterschiedliche Zählweise der Toten beim Robert Koch-Institut und in Hamburg, nicht angeordnete und durchgeführte Autopsien, zu wenige Autopsien), aber auch grundsätzliche medizinische Hürden (Grenzen der Pathologie, Stichwort: Plausibilitätsüberlegungen). Allgemein scheinen grundsätzliche Zweifel, ob die auf den Todesscheinen angegebene Todesursache immer korrekt ist, angebracht. Wie dies im Zusammenhang mit den Angaben zu den „Covid-19-Verstorbenen“ aussieht, lässt sich an dieser Stelle nicht sagen. Anzunehmen ist jedoch: Je stärker die Möglichkeiten einer genaueren Untersuchung bis hin zur Einbindung der Pathologie genutzt werden, umso wahrscheinlicher dürfte die Verlässlichkeit eines Befundes sein.

„Alle, die wir bisher untersucht haben, hatten Krebs, eine chronische Lungenerkrankung, waren starke Raucher oder schwer fettleibig, litten an Diabetes oder hatten eine Herz-Kreislauf-Erkrankung.“

Das sagt der Rechtsmediziner Klaus Püschel gegenüber der Hamburger Morgenpost in einem am 3. April veröffentlichten Interview. Der Chef der Hamburger Rechtsmedizin wählt eine distanzierende, vorsichtige Sprache:

„Wir versuchen zu verstehen, woran die sogenannten [Hervorhebung Multipolar] Corona-Toten tatsächlich gestorben sind.“

Stand 12. April, sind laut Stadt Hamburg 47 Personen an dem Virus ursächlich gestorben, das RKI führt zum gleichen Zeitpunkt jedoch 56 Fälle an – also knapp 20 Prozent mehr.

Trotz der Tatsache, dass die Anzahl der Verstorbenen natürlich etwas über die Gefährlichkeit des Virus aussagt, spielt für manche Forscher und Mediziner diese Zahl, wie immer mal wieder in den Medien zu vernehmen, eine eher untergeordnete Rolle. Thomas Bajanowski, Direktor des rechtsmedizinischen Instituts in Essen, sagt gegenüber Multipolar, die Zahl der Verstorbenen sei zwar „nicht unwichtig“, aber „sie ist nicht unser vordringliches Problem.“ Wichtiger sei es, „eine größere Anzahl an Tests zu haben, um zu wissen, wie groß die Durchseuchung in der Bevölkerung ist.“

Drehen an der Angstschraube

An die medizinische Einordnung schließt sich die medienwissenschaftliche und soziologische an. Auch wenn die Anzahl der Corona-Toten sicherlich nur ein, je nach Perspektive, mehr oder weniger gewichtiger Aspekt ist, den es genauer zu betrachten gilt, kann diese Zahl als ein Baustein verstanden werden, der eine ziemliche Belastung aushalten muss. Wie bereits oben angesprochen, ist diese Zahl nicht nur voller medizinwissenschaftlicher Bedeutungsinhalte, sie entfaltet auch eine ganz eigene Wirkung auf der gesellschaftlichen Ebene. Neben der Zahl der Erkrankten, dient sie vielen Bürger als ein Indikator, der es erlaubt, die Gefahr, die von dem Virus ausgeht, einzuschätzen.

Nicht nur den Behörden, auch den Medien kommt bei der Verbreitung dieser Zahl eine große Verantwortung zu. Mit ihr lässt sich die Angst innerhalb der Bevölkerung geradezu nach oben schrauben. Je größer die Anzahl der Corona-Toten ist, je schneller sie anwächst, umso wahrscheinlicher ist es, dass auch die Angst anwächst. Etwas verkürzt dargestellt: Wer von einer täglich anwachsenden Zahl an Toten auf allen Medienkanälen erfährt, der wird zum Hamsterkäufer und am Ende fehlt in den Geschäften das Toilettenpapier.

Wer bei Google „Corona-Tote“ eingibt, findet derzeit über 5 Millionen Ergebnisse. Eine einfache Suche auf den Internetseiten großer Medien führt bei diesem oder einem ähnlichen Begriff („Todesfälle“ etc.) nahezu immer zu einem Ergebnis. Es gibt kaum einen Artikel zum Thema, in dem nicht auch die Zahl der „Corona-Toten“ angeführt wird. Ob im Fernsehen, Radio, in den Print- und Onlinemedien: Diese Zahl ist allgegenwärtig – und das seit Wochen.

Allein schon die Taktfrequenz, in der sie veröffentlicht wird, signalisiert, dass es hier um eine Information geht, der sich besser keiner entziehen sollte. Die Implikation ist eindeutig: Hier geht es um Leben und Tod. Die Zahl verweist unaufhörlich darauf, dass jeder, der an seinem Leben hängt oder das Leben seiner Lieben schützen möchte, gut daran tut, das Virus ernst zu nehmen.

Bei der Verbreitung einer Zahl, die für die Psyche des Einzelnen, aber auch für die „Psyche der Gesellschaft“ von immenser Bedeutung ist, sollte eigentlich davon auszugehen sein, dass sie so genau wie überhaupt nur möglich erfasst und wiedergegeben wird. Insbesondere auch im Hinblick auf die weiteren Auswirkungen auf unsere Gesellschaft, die sich aus einer fast schon kollektiven Traumatisierung ergeben, wäre die frühzeitige Perspektivierung der Zahl notwendig gewesen.

Das RKI erklärt zwar auf seiner Webseite, wie dort die Corona-Toten gezählt werden („an“, „mit“ dem Virus verstorben), allerdings muss man danach suchen, um diese Information zu finden, außerdem taucht die Differenzierung nicht in der Statistik auf.

Mit wenigen Klicks gelangt man auf eine Seite des RKI, die unter der Überschrift „Covid-19: Fallzahlen in Deutschland und weltweit“ eine Tabelle aufführt. Dort steht: „Todesfälle“ und dann finden sich die Zahlen. Scrollt man etwas nach unten, finden sich weitere Angaben unter der Überschrift: „Hinweise zur Erfassung und Veröffentlichung von COVID-19-Fallzahlen“. Doch auch dort erklärt das RKI nicht, wie sich die gezählten Todesfälle zusammensetzen.

Man muss nach den „Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus SARS-CoV-2“ suchen, um dann unter „Wie funktioniert der Meldeweg, was ist alles meldepflichtig und welche Informationen zu den Erkrankten werden ans RKI übermittelt?“ fündig zu werden. Nach einem weiteren Klick ist zu lesen:

„In den Meldedaten erfasst werden auch alle Todesfälle, die mit einer COVID-19-Erkrankung in Verbindung stehen: Sowohl Menschen, die direkt an der Erkrankung gestorben sind („gestorben an“), als auch Patienten mit Grundkrankheiten, die mit COVID-19 infiziert waren und bei denen sich nicht klar nachweisen lässt, was letzten Endes die Todesursache war („gestorben mit“).“

Einmal abgesehen davon, dass es eigenartig anmutet, wenn das RKI davon spricht, dass sich „nicht klar nachweisen lässt“, was tatsächlich die Todesursache war, zugleich aber noch bis vor kurzem vom Institut empfohlen wurde, keine Obduktionen durchzuführen: Transparenz sieht anders aus.

Medien berichten ohne Einordnung

Und so geht es in der Berichterstattung der Medien weiter. Wie angesprochen, gibt es mittlerweile zwar Medien, die die Problematik der Zählweise zum Thema machen, allerdings wurden zuvor wochenlang die Zahlen weitestgehend ohne die notwendige Hinterfragung und Einordnung veröffentlicht. Und, noch schlimmer: Auch jetzt, wo die Problematik verzerrter Zahlen sichtbarer geworden ist, führen viele Medien noch immer die Zahl der Corona-Toten ohne weitere Erklärung an. Um nur ein paar Beispiele aufzuzeigen:

Deutschlandfunk: Covid-19RKI: Corona-Tote in Deutschland derzeit im Durchschnitt 82 Jahre alt.

Süddeutsche Zeitung: Kontrollen an Ostern: 50 Corona-Tote in Rheinland-Pfalz

General Anzeiger: Covid-19: Mehr als 2000 Corona-Tote in Deutschland

n-tv: So viele wie nie: in Deutschland 166 Corona-Tote an einem Tag gemeldet

Frankenpost: Landkreis Tirschenreuth: Acht weitere Corona-Tote – Acht weitere Menschen sind an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben.

Radio Zwickau: Fünf weitere Corona-Tote im Erzgebirge

Passauer Neue Presse: Inzwischen gibt es elf Corona-Tote im Landkreis Traunstein

Auch auf Videotextseiten werden diese Zahlen ohne nähere Einordnung vermeldet:

SWR Text 6. April: Mainz/Coronavirus: Über 3.900 Infizierte und 33 Tote
SWR Text 7. April: Mainz/Coronavirus: Über 4.000 Infizierte, 43 Todesfälle
SWR Text 8. April: Mainz/Coronavirus: Über 4.200 Infizierte, 50 Todesfälle

Im jeweiligen Text unter der Überschrift heißt es: „Insgesamt 50 Menschen starben bislang.“ Diese Überschriften und Beiträgen ließen sich massenweise fortführen. Auch wenn in Artikeln teilweise vorsichtige oder Raum für Interpretationen vorkommende Formulierungen zu finden sind („[…] sind nach einer Infektion mit dem Corona-Virus gestorben“, „[...] sind zwei weitere Menschen verstorben, die positiv auf den Coronavirus getestet waren“) kann angenommen werden, dass viele Mediennutzer davon ausgehen, bei der Zahl handele es sich um die tatsächlich an dem Virus Verstorbenen.

Um es deutlich zu machen: Es geht hier nicht um Erbsenzählerei. Wir erleben die schwerste Krise seit der Gründung der Republik. Von Beginn dieser Krise an wäre es notwendig gewesen, dass Medien die Bürger aufklären, wie die Todesfälle gezählt werden und wo die Probleme liegen, wenn es darum geht, zu bestimmen, ob ein Mensch tatsächlich „an“ dem Virus gestorben ist oder nicht.

Doch Medien haben die Zahlen des RKI übernommen und die dringend notwendige Differenzierung unterlassen. Es spielt dabei auch keine Rolle, dass hier und da, beispielsweise in einer Talkshow, notwendige Unterscheidungen vorgenommen wurden (von Experten, nicht von Journalisten). Das Problem ist die schiere Flut an kleinen, unverdächtigen Artikeln, an Meldungen, die einem als Mediennutzer die verzerrten Zahlen förmlich in den Kopf drücken.

Eine Medienzahl macht Politik

Die Zahl der Corona-Toten ist, so viel steht fest, zu einer Medienzahl geworden. Nicht unterschätzt werden dürfen die Auswirkungen aus dieser Art der Berichterstattung auch auf die Politik. Die Berichterstattung kann natürlich politische Entscheidungen beeinflussen. Treiben bei dieser „Medien-Epidemie“ die Medien durch ihre angsteinflößende Berichterstattung die Politik vor sich her? Und: Wie sieht Realität unter den Bedingungen einer Berichterstattung aus, die wochenlang kaum um Differenzierung bemüht war?

Sichtbar wird: Bürger reagieren mit Angst und fast panisch auf die von Medien erzeugte „Realität“. Medien, getreu ihrer Funktionslogik, berichten immer weiter und erzeugen immer wieder neue scheinbare Höhepunkte der „Krise“ (500, 1.000, 2.000 Tote); Politiker, nicht unberührt von der Medienrealität, wissen um die Notwendigkeit einer entsprechenden Synchronizität mit den „Wahrheiten“ der Medien, sie handeln entsprechend, verschärfen unter der Expertise von Forschern, die ihrerseits wiederum Teil des Medienzirkus werden, die politischen Maßnahmen immer weiter, während Medien durch eine immer stärker auf Schlagzeilen fixierte Berichterstattung die Abwärtsspirale des Schreckens weiter schmieren. Die Bürger sind irgendwann völlig verwirrt, fordern weitere, noch härtere Maßnahmen und Politiker kommen an den Punkt, an dem sie gar „irritiert“ sind über die Forderungen der Bürger.

Wie werden wohl Bürger unter diesen Bedingungen in Zukunft über den Anspruch und die Nutzung ihre Freiheitsrechte denken? Wie werden sie zukünftig mit Maßnahmen der Kontrolle und Überwachung umgehen? Die Verunsicherung, die Angst, ist zumindest bei einem Teil der Bevölkerung spürbar. Angst macht Menschen lenkbar, das ist kein Geheimnis.

Für ein Land, das als eine der stabilsten Demokratien auf dem Planeten betrachtet wird, sind das keine guten Entwicklungen.

Über den Autor: Marcus Klöckner, studierte Soziologie, Medienwissenschaften und Amerikanistik. Er ist Journalist und Autor. Zuletzt erschien sein Buch: „Sabotierte Wirklichkeit – Wenn Journalismus zur Glaubenslehre wird“. Als Mitherausgeber initiierte er 2019 eine Neuausgabe des Klassikers der herrschaftskritischen Soziologie „Die Machtelite“ von C. Wright Mills.

HANS MARKUS GEHRING, 14. April 2020, 07:55 UHR

Lieber Herr Klöckner,
vielen Dank für Ihre Recherche zur Validität von Opferzahlen. In diesem Zusammenhang möchte ich auf einen lesenswerten Artikel des Schweizers Prof. Dr. med. Dr. h.c. Paul Robert Vogt in der "Mittelländischen Zeitung" hinweisen. Darin stellt er weitergehende Überlegungen zu Beschaffenheit, Ursachen und möglichen Entwicklungen der Krise an, die für ihn durchaus pandemische Züge aufweist.
Mit freundlichen Grüßen,
Hans Gehring

ALBRECHT SCHMIEDEL, 14. April 2020, 13:00 UHR

Hier sei der Link zu dem Artikel nachgereicht: https://www.mittellaendische.ch/2020/04/08/covid-19-eine-zwischenbilanz-oder-eine-analyse-der-moral-der-medizinischen-fakten-sowie-der-aktuellen-und-zuk%C3%BCnftigen-politischen-entscheidungen/

Die Autoren auf Multipolar wären meiner Meinung nach gut beraten, sich mit diesem Artikel intensiv auseinanderzusetzen. Das würde auch beinhalten, sich mit dem chinesischen Umgang mit der Coronakrise zu befassen. Die bisherigen Artikel zum Thema meiden China wie der Teufel das Weihwasser. Warum, zum Teufel, hat China seine Wirtschaft heruntergefahren, wenn nicht um einer realen Gefahr zu begegnen?

BERNHARD MÜNSTERMANN, 14. April 2020, 11:15 UHR

Nach kurzem Anlesen des von Herrn Markus Gehring anempfohlenen Artikels in Die Mittelländische kommt mir Prof. Dr. Michael Butter in den Sinn. Ein Amerikanist an der Universität Tübingen, dessen eigentliche wissenschaftliche Leidenschaft offenbar jedoch der Terrorismologie, einer recht jungen akademischen Disziplin, ausweislich seiner vielen einschlägigen Medienauftritte gilt. Die Angelsachsen kennen das schöne Wort Payroll. Wobei die geldwerte Leistung durchaus auch im fürsorglichem Rückenwind der unsichtbaren Hände bestehen kann, das Lehramt einer universitären Professur zu bekleiden. Sich zu sehr an dem Lorbeerkranz akademisch schmückender Titel zu orientieren ist seit jeher allein nicht das Patentrezept. Und wenn ich dann Argumente und Tenor dieses Artikels sehe, bin ich wieder ganz überzeugt, dass selbst nachzudenken sinnvoll bleibt. Bedenken Sie doch bitte, dass unsere Bundeskanzlerin Frau Dr. Merkel als Doctorix rer. nat. im Fach Physik und ehemalige Teilnehmerin der Olympiade in Mathematik 100 – 100 = 0 und den freien Fall eines Stahlskelettbaus in Manhattan nicht in Verbindung zu bringen weiß.

SONJA, 20. April 2020, 23:10 UHR

Eine minutiöse Recherche, die, wie auch andere Multipolar-Artikel, klar offenbart, dass die schwerwiegendsten Grundrechtseinschränkungen seit Bestehen dieser Republik auf nicht belastbaren Zahlen beruhen – und, noch skandalöser (soweit möglich): Es ist von Seiten der Verantwortlichen offensichtlich noch nicht einmal erwünscht, klare und aussagekräftige Daten zu bekommen und zu vermitteln.

Wer angesichts solch haarsträubender Fakten auf "weitergehende Überlegungen zu Beschaffenheit, Ursachen und möglichen Entwicklungen der Krise" oder den "chinesischen Umgang mit der Coronakrise" verweist, setzt sich dem Verdacht aus, vom Skandal hier vor Ort einfach nur auf recht plumpe Weise ablenken zu wollen.

MARKUS H., 6. Oktober 2020, 09:50 UHR

Hallo Herr Klöckner, danke für diesen Artikel ... evtl. werden Sie ja benachrichtigt, wenn auch nach dieser langen Zeit ein Kommentar geschrieben wird, denn ich hätte eine Bitte, denn Ihr Recherche-Geschick ist vermutlich besser als das meine ... Da meine Aussage "so werden Corona-Tote gezählt: [dann die Fakten]" grundsätzlich als "Blödsinn" abgestempelt wird, benötige ich – sozusagen als "Wecker" für meine "interessierten jedoch noch schlafenden Bekannten" (alle anderen musste ich leider schon aufgeben) noch den dritten Beleg (insbesondere, weil 1. bereits so lange her ist und weggewischt wird mit den Worten "ja, das war damals im März"), den ich einfach nicht mehr finde. 1 und 2 habe ich:

1.) 20.03.2020: Aussage von Prof. Wieler, auf die sich auch dieser Artikel und viele andere beziehen (wie hier z.B. https://swprs.org/rki-relativiert-corona-todesfaelle/)
2.) 05.08.2020: Videotext-Ausschnitt Österreich "neue internationale Zählweise: in den letzten 28 Tagen positiv getestet --> in der Todesstatistik (https://www.rubikon.news/artikel/die-schein-coronatoten)

Und jetzt die Aussage, die mir fehlt, aber die ich definitiv gesehen habe – evtl. in einem Video von Samuel Eckert oder Bodo Schiffmann, es war entweder auf der RKI-HP oder eine Antwort auf eine Bürgeranfrage (auf Corona_Fakten nicht gefunden) ich hab' mir schon einen Wolf gesucht ...

3.) und zwar die Aussage in der das RKI WEITERHIN (es geht um ein Schriftstück zwischen Juli und September 2020!) (ergänzend zu der Auskunft in den FAQs: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste_Fallzahlen_Meldungen.html#FAQId13972158), dass sie "der Einfachheit halber und weil es in der Statistik sowieso untergehen würde" () "alle, die jemals positiv auf COVID-19 getestet wurden und gestorben sind, als COVID-19-Toten zählen würden". (sprich, man würde in Deutschland so ähnlich verfahren wie in England: https://www.cebm.net/covid-19/why-no-one-can-ever-recover-from-covid-19-in-england-a-statistical-anomaly/)

PAUL SCHREYER, 6. Oktober 2020, 12:10 UHR
MARKUS H., 6. Oktober 2020, 14:45 UHR

Das ist genau der Beitrag, den ich meinte ... mir war gar nicht bewusst, dass der auch schon aus dem April ist ... so schnell ist dieses Jahr vergangen. Vielen herzlichen Dank, Herr Schreyer!

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