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Politische Angst – damals und heute

Kritiker wie Befürworter der Anti-Corona-Maßnahmen beziehen sich in ihren Kontroversen immer wieder auf die NS-Zeit und werfen sich wechselseitig eine Nähe zu nazistischem oder faschistischem Gedankengut vor. Das ist oft polemisch und unergiebig. In einer Hinsicht könnte sich allerdings der Vergleich zwischen damals und heute als fruchtbar erweisen. Die Erfahrung von „politischer Angst“ verbindet die Zeit des Nationalsozialismus mit dem Jahr 2020. Einige Reflexionen.

ULRICH TEUSCH, 18. Dezember 2020, 10 Kommentare

I.

Sie heiße Jana, sagte sie, komme aus Kassel – und fühle sich wie Sophie Scholl. Diese Aussage, gesprochen auf einer Demo gegen die Anti-Corona-Maßnahmen im November 2020, war für die Vertreter der alternativlosen Politik und ihre medialen Transmissionsriemen ein gefundenes Fressen. Sie echauffierten sich nach Kräften. Und so musste Jana jede Menge Empörung, Spott, Häme, dazu allerlei historische Belehrungen über sich ergehen lassen.

Nachdem sie die Sache gebührend ausgekostet hatten, begaben sich die Kampfhunde wieder zur Ruhe. Rückblickend kann man sagen: Ja, natürlich hat sich Jana erschreckend naiv benommen. Sie hätte wissen, zumindest ahnen können, dass ihr Sophie-Scholl-Vergleich – ausgesprochen in diesem Land, bei dieser Gelegenheit – sie in Teufels Küche bringen würde.

Was allerdings bei der ganzen Aufregung möglicherweise übersehen wurde, ist dies: Könnte Janas Satz vielleicht gar nicht so gemeint gewesen sein, wie die meisten von uns ihn verstanden haben? Darf man ihr wirklich vorwerfen, dass sie sich auf eine Stufe mit Sophie Scholl stellen, also ihren Protest gegen die „Maßnahmen“ zu einem anti-nazistischen Widerstand überhöhen wollte? Darf man ihr ankreiden, dass sie zwei grundverschiedene Dinge verwechselte, nämlich den legitimen Widerspruch in einer Demokratie mit dem tödlichen Widerstand in einer Diktatur?

Ich glaube, das darf man nicht. Ich vermute vielmehr, dass Jana etwas ganz anderes im Sinn hatte. Sie wollte zum Ausdruck bringen, dass sie nunmehr – nach mehrmonatigen Erfahrungen mit einem repressiven Maßnahmenstaat – besser nachempfinden könne, wie es damals Sophie Scholl zumute gewesen sein muss. Jana glaubte jetzt zu verstehen, wie es sich „anfühlt“, unter permanentem Druck, in Unsicherheit und Angst zu leben.

II.

Ich habe mich viel mit den „dunklen Kapiteln“ der deutschen Geschichte beschäftigt. Dabei ging es mir nicht nur um historische Fakten, Zusammenhänge und Erklärungen, sondern immer auch um das emotionale Nachempfinden. Doch so sehr ich mich auch in das hineinzuversetzen suchte, was Zeitzeugen berichteten, was ich in Biografien und Autobiografien oder auch in Romanen fand, letztlich geriet ich immer an unverrückbare Grenzen. Trotz aller Identifikation mit den Opfern, trotz aller Empathie – ich verfüge lediglich über Bücherwissen, ich kenne das alles nur vom Hörensagen, ich bin nicht dabei gewesen.

Ich weiß nicht, wie einem Menschen zumute ist, wenn morgens um vier die Geheimpolizei an seine Haustür klopft. Wie fühlt man sich, wenn man an die Front abkommandiert wird, ein Kampfflugzeug steuert, im Luftschutzbunker kauert oder nichts mehr zu essen hat? Wenn man im Steinbruch Sklavenarbeit verrichtet? Oder wenn man einen gelben Stern trägt? Oder zu einem Sammelpunkt getrieben wird, um anschließend in einen Eisenbahnwaggon Richtung Osten gepfercht zu werden? Anders formuliert: Ich kenne keinen Krieg, keine Diktatur, keine Verfolgung. Oder nochmals anders: Ich habe noch nie politische Angst aushalten müssen.

Das hat sich geändert. In den vergangenen Monaten litt ich oft unter Angstzuständen. Sie hatten unterschiedliche Ursachen, waren von unterschiedlicher Art (wobei die Angst vor dem Virus eine untergeordnete Rolle spielte). Wesentlich ist: Erstmals in meinem Leben bekam ich es mit politisch begründeter Angst zu tun. Sie hat die anderen Ängste manchmal überlagert, in jedem Fall verstärkt.

III.

Bis dato kannte ich auf politischem Feld nur Sorge, Anspannung, Ärger, Empörung. Nie fühlte ich mich unmittelbar und persönlich bedroht. Nun jedoch überwältigten mich die schlagartigen, herrischen politischen Eingriffe in mein Leben. Man nahm mir meine Grundrechte. Selbst auf mein Recht, Rechte zu haben, war kein Verlass mehr. Die politische Angst kroch langsam an mir hoch, zunehmend beherrschte und lähmte sie mich – bis hin zur Arbeitsunfähigkeit.

In dieser Krise griff ich, ohne mir über die Gründe bewusst gewesen zu sein, zu Büchern, die ich zu einem früheren Zeitpunkt schon einmal gelesen hatte. Diese Texte hatten etwas gemeinsam: Sie alle beschreiben das Leben unter totalitären Bedingungen, sie zeigen, wie eine unheimliche, angsteinflößende Bedrohung stetig wächst und näher kommt. Was auch immer der Einzelne tut, um ihr zu entgehen, ob er sich anpasst oder widersetzt – die Dinge nehmen unerbittlich ihren Lauf, und am Ende stehen Flucht oder Tod.

Ich las noch einmal Bernard von Brentanos leider weithin vergessenen, beklemmenden Roman „Prozeß ohne Richter“, im Schweizer Exil entstanden und 1937 in Amsterdam erschienen, sodann Lion Feuchtwangers „Die Geschwister Oppermann“, die autobiografischen Aufzeichnungen des Historikers Felix Gilbert „Lehrjahre im alten Europa“, um nur einige zu nennen. Und ich las zwei neue Bücher von Norman Ohler und Sabine Friedrich über den antinazistischen Widerstand der Netzwerke um den Regierungsrat Arvid Harnack und den Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen, dem deutschen Zweig der „Roten Kapelle“.

Während der Lektüre erging es mir, wie es Jana möglicherweise ergangen ist, als sie sich mit Sophie Scholl beschäftigte. Anders als bei früheren Lektüren der genannten oder ähnlicher Bücher konnte ich diesmal die Sorgen und Ängste der Protagonisten nicht nur verstandesmäßig begreifen, sondern mich erstmals in ihre Lage einfühlen. Warum gelang mir das, obwohl ich doch nach wie vor nicht in einer Diktatur lebte und niemand mich verfolgte, ja nicht einmal behelligte (so ich denn bereit war, Ruhe zu halten beziehungsweise präventiv geduckt umherzulaufen)?

Meine Antwort: Weil schon überwunden Geglaubtes wiederkehrt, weil wir nicht länger in einer Zeit der Aufklärung, sondern der Verdunkelung leben, auch in einem „Age of Anxiety“, einem Zeitalter der Angst (W.H. Auden). Seit Monaten fühle ich mich fremd im eigenen Land. Ich registriere Veränderungen, die mir gegen meinen Willen aufgezwungen werden, gegen die ich machtlos bin. Ich spüre, dass etwas Schweres, Bedrohliches, Unberechenbares in der Luft liegt, bilde mir sogar ein, dass ich es riechen und schmecken kann. Meine vertraute Lebenswelt ist in Auflösung begriffen. Ich halte Ausschau nach Fluchtwegen in bessere Welten, suche nach Subkulturen, in die ich abtauchen könnte. Und die politische Angst ist meine ständige Begleiterin.

IV.

Es ist schon ein paar Monate her: Ich betrat eine Arztpraxis und trug meine Alltagsmaske ein wenig nachlässig, sodass die Nase hervorlugte. Die Sprechstundenhilfe an der Rezeption fixierte mich mit stechendem Blick und forderte mich auf, das umgehend in Ordnung zu bringen. Ich tat wie geheißen, doch sie war nicht zufrieden mit dem Ergebnis und verlangte mehrmals Nachbesserung. Es kam zu einem kleinen Wortwechsel, der mit meinem Rauswurf endete. Bevor ich ging, bemerkte ich noch: „Sie hätten 33 bestimmt auch mitgemacht!“ Worauf sie erwiderte: „Na, 33 war ja wohl etwas anderes!“

Tatsächlich? Was wollte die Dame mir damit sagen? Hätte sie, weil ja „33“ so ganz anders war, etwa nicht mitgemacht? Hätte sie aufbegehrt? Und wie kam sie überhaupt auf den Gedanken, dass „33“ so grundstürzend anders gewesen sei?

Es ist dies ein erstaunliches Phänomen, ich erlebe es immer wieder: Wenn man Menschen mit „33“ konfrontiert, dann assoziieren sie in aller Regel nicht die realen Verhältnisse dieses besonderen Jahres, sondern das, wofür die zwölf Jahre Nationalsozialismus in ihrer Gesamtheit stehen: Gleichschaltung, Führerprinzip, Gewalt, Terror, Krieg, Gaskammern, Zerstörung, Vernichtung.

All das war jedoch 1933, kurz nach der „Machtergreifung“, allenfalls zu mutmaßen oder bloß rudimentär entwickelt. Es war keineswegs so, dass die Weimarer Republik am Stichtag 30. Januar 1933 endete und postwendend die Nazi-Diktatur begann. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler war zwar ein eminent wichtiges Ereignis, aber sie war nicht die Scheidelinie zwischen Demokratie und Diktatur.

Durch Hitlers „Machtergreifung“ wurde die Weimarer Reichsverfassung nicht außer Kraft gesetzt, Deutschland erfreute sich fürs erste weiterhin einer bunten Parteienlandschaft und eines pluralistischen Mediensystems. Auch die Frage, ob es wohl doch noch zu einem Aufbäumen der Arbeiterbewegung kommen würde, stand nach wie vor im Raum. Und immer wieder konnte man ermutigende Zeichen des Protests oder des Widerstands bemerken. Selbst der „Tag des Boykotts“ gegen jüdische Geschäfte, Ärzte und Rechtsanwälte am 1. April 1933 verlief nicht so erfolgreich, wie sich die Nazis das gewünscht hatten.

Viele NS-kritische Journalisten blieben seinerzeit erstaunlich gelassen. Sie schrieben, dass Hitler nun – als Chef einer Koalitionsregierung – beweisen müsse, was er kann; angesichts der riesigen Problemlast erwarteten nicht wenige seine baldige Entzauberung, seine Reduktion auf Normalmaß und die Disziplinierung seiner „Bewegung“. Die Annahme, dass er sich nicht lange werde halten können, war weitverbreitet. Am 1. Februar 1933 schrieb zum Beispiel die liberale „Frankfurter Zeitung“:

„Es ist eine hoffnungslose Verkennung unserer Nation, zu glauben, man könne ihr ein diktatorisches Regime aufzwingen. Die Vielfältigkeit des deutschen Volkes verlangt die Demokratie (…) Daß die wahre deutsche Volksgemeinschaft demokratisch ist, bezweifeln wir heute so wenig wie je.“

Ende Februar brannte der Reichstag, unmittelbar danach kam die Notverordnung „zum Schutz von Volk und Staat“, mit der die Grundrechte außer Kraft gesetzt wurden; es setzte eine Welle der Repression gegen Kommunisten und Sozialdemokraten ein. Am 5. März fanden die letzten Reichstagswahlen statt. Obwohl alle Zeichen auf Sturm standen, ließ sich die „Frankfurter Zeitung“ nicht irre machen. Am 6. März schrieb sie:

„Die Regierung hat die Majorität, aber diese Majorität ist nicht gleichbedeutend mit dem gesamten Volk (…) Die Regierung darf innerhalb der Legislaturperiode von vier Jahren die Dinge verantwortlich leiten. Zu dieser Verantwortung gehört der Respekt vor der Opposition.“

Die sogenannte Machtergreifung war in Wahrheit eine Machterschleichung, mit der zu Beginn des Jahres 1933 (als Deutschland übrigens von einer schweren Grippeepidemie heimgesucht wurde und es vielerorts schulfrei gab) niemand ernsthaft gerechnet hatte. Viele Nazigegner gaben sich Illusionen hin oder frönten einem Wunschdenken. Hatte denn die NSDAP bei den Reichstagswahlen im November 1932 nicht erstmals herbe Verluste hinnehmen müssen? Vielen schien es, als habe die Partei ihren Zenit überschritten und befände sich auf dem absteigenden Ast.

Stellt man in Rechnung, dass der Machtübernahme der NSDAP eine dreijährige Agonie der Weimarer Republik vorausgegangen war, in der mit Präsidialkabinetten und Notverordnungen regiert wurde, und dass im Sommer 1932 die preußische Regierung durch einen Staatsstreich aus dem Amt gefegt worden war, dann muss man realistischerweise sagen: Die Etablierung der NS-Diktatur kam nicht mit einem Schlag, sie war kein punktuelles Ereignis, sondern ein Prozess, der sich über etwa vier Jahre hinzog. Die Deutschen sind langsam in die Diktatur hineingewachsen. Irgendwann, irgendwo wurde der point of no return überschritten. Danach ging alles mit atemberaubender, die Widerstandskräfte lähmender Geschwindigkeit.

Ich behaupte nicht, dass wir heute in einer gleichartigen Situation seien oder dass sich die Geschichte wiederhole. Aber wir sollten den Ernst der Lage begreifen. Wenn wir eine Lehre aus unserer Geschichte ziehen können, dann lautet sie: Seid wachsam und wehret den Anfängen!

V.

Die Kontroversen um die Gefährlichkeit des Virus und die Angemessenheit der „Maßnahmen“ haben die Gesellschaft polarisiert. Beziehungen zwischen Menschen, selbst langjährige, scheinbar stabile Freundschaften, wurden zerstört oder harten Belastungsproben ausgesetzt. Ich habe diese Zuspitzung von Anfang an für fatal gehalten. Doch in letzter Zeit beobachte ich, dass ich mich selbst an ihr beteilige und immer unduldsamer werde.

Im Frühjahr 2020 sagte Jens Spahn: „Wir werden in ein paar Monaten einander wahrscheinlich viel verzeihen müssen.“ Eine erstaunliche Aussage! Was mich betrifft: Ich habe nichts gesagt oder getan, was Herr Spahn mir verzeihen müsste. Umgekehrt sieht die Sache anders aus. Meine Familie ist im Frühjahr 2020 um Haaresbreite an einer Katastrophe vorbeigeschlittert. Dieses familiäre Desaster war nicht allein den Anti-Corona-Maßnahmen geschuldet, wohl aber haben diese Maßnahmen uns (beinahe) den Rest gegeben.

Im Frühherbst konnten wir endlich Licht am Ende des Tunnels erkennen. Doch nun, im Winter und mit dem neuerlichen Lockdown, droht sich zumindest diese Geschichte zu wiederholen. Was unser Leben in den vergangenen Wochen strukturiert und stabilisiert hatte, löst sich von heute auf morgen in Luft auf: keine Planungssicherheit mehr, kein Präsenzunterricht in den Schulen, Therapiegruppen dürfen sich nicht mehr treffen, ebenso wenig Sportgruppen, soziale Beziehungen (insbesondere der Kinder) werden weithin eingefroren etc. Und die politische Angst, die ich halbwegs unter Kontrolle gebracht hatte, kehrt mit Macht zurück.

Was um alles in der Welt sollte ich also Herrn Spahn verzeihen? Und was seiner Chefin? Die Dame mit den hängenden Mundwinkeln und dem Tunnelblick – sie scheint sich mehr denn je in einem Vernichtungskrieg gegen das Virus zu wähnen. Es sieht aus, als wolle sie mit ihren Durchhalteparolen dem britischen Kriegspremier Winston Churchill nacheifern. Mit dessen rhetorischen Fähigkeiten kann sie es zwar nicht ansatzweise aufnehmen, aber zumindest äußerlich sieht sie ihm immer ähnlicher.

Ich habe nie daran geglaubt, dass das Private politisch sei; wohl aber schlägt das Politische mitunter brachial ins Private, ins Persönliche durch. Wenn das geschieht, gibt es nichts mehr zu verzeihen. Im Gegenteil, man sollte das Politische persönlich nehmen.

VI.

In seinem Artikel „Merkel und ihren apokalyptischen Reitern geht der Gaul durch“ schrieb Robert von Loewenstern:

„Entgegen landläufiger Meinung leben wir nicht in einer Demokratie, sondern in einem demokratischen Rechtsstaat. ‚Rechtsstaat‘ ist aus gutem Grund das Hauptwort, ‚demokratisch‘ nur das Wiewort. Staatskundliche Merkregel: Demokratie ist, wenn zwei Wölfe und ein Schaf darüber abstimmen, was es zum Abendessen gibt. Rechtsstaat ist, wenn das Schaf das Abendessen überlebt.“

Eine zutreffende, anschauliche, einprägsame Definition. Wir erleben in der Tat weniger eine Krise der Demokratie als eine Krise der Verfassung, des Rechtsstaats, der Rechtssicherheit, der Rechtsprechung.

Was sich in diesem Land (und in ähnlicher Form in anderen Ländern) seit zehn Monaten abspielt, mutet an wie eine nicht enden wollende „Stunde der Exekutive“. Es agiert eine in der Verfassung nicht vorgesehene, sich selbst ermächtigende Runde aus Kanzler und Ministerpräsidenten – nicht viel mehr als ein Dutzend Leute. Und diese Leute können ziemlich ungestört tun und lassen, was sie wollen. An ihrem Gebaren ist zu erkennen: Es geht ihnen ganz offenkundig weniger um Viruskontrolle als um Menschenkontrolle. Ihrer Selbstermächtigung korrespondiert die Selbstentmachtung der Parlamente, allen voran des Bundestages. Dritter im Bunde ist die Judikative, die – von wenigen Ausnahmen abgesehen – eine klägliche Vorstellung bietet.

Was treibt die Akteure an? Ist es ein perfider Masterplan? Ist es die pure Panik? Ist es der aufrichtige Wille, der Menschheit Gutes zu tun? Ist es Dilettantismus, Überforderung, Unfähigkeit, Politik- und Staatsversagen großen Stils? Sicher ist: Wenn das alles einmal endet (wenn es denn jemals endet), wird es wenige Gewinner und viele Verlierer geben. Aber selbst die Gewinner werden sich in einer anderen, weithin zerstörten Welt wiederfinden.

Schon jetzt ist ja ein merkwürdiges Schauspiel zu beobachten: Diejenigen, die nicht müde werden, uns mit irgendwelchen sinnfreien Maßnahmen zu traktieren, nehmen für sich keine Sonderrechte in Anspruch, sondern unterwerfen sich ebenfalls den von ihnen erdachten Regeln. Die Großkopferte aus dem Kanzleramt läuft vermutlich öfter mit Maske herum als Sie und ich. Und auch sie darf nicht mehr ins Konzert oder in die Oper, nicht mehr zu großen Fußballmatches oder gar in die Umkleidekabine der Nationalelf; ihr nobles Lieblingsrestaurant hat geschlossen, die entspannte Shoppingtour durch Designerläden fällt flach. Sie darf regieren, aber muss ansonsten auf alles verzichten, was das Leben lebenswert macht.

Selbst die Davos-Milliardäre werden sich nicht ewig in einer Parallelgesellschaft mit gated communities, Luxusyachten und Privatjets abschotten können. Sie leben auch auf dieser Welt. Und irgendwann werden sie mit den Folgen ihres Tuns konfrontiert werden, also dem, was die von ihnen entfesselten Destruktivkräfte im globalen Maßstab angerichtet haben. Kein „Great Reset“ und kein anderer, vergleichbar wahnwitziger Plan wird sie retten. Aber bis sie das begriffen haben, werden noch viele Opfer zu erbringen sein. Wir gehen Zeiten großer politischer Angst und großen politischen Schreckens entgegen.

Diskussion

10 Kommentare
GABRIEL MÜLLER-HUELSS, 19. Dezember 2020, 00:50 UHR

Erschreckend – wenn auch nicht ganz überraschend – lesen sich diese Zeilen. Der Gedanke an die Zeit der scheiternden Weimarer Republik und die darauf folgenden düsteren Jahre schwirrt auch mir seit geraumer Zeit durch den Kopf; und das nicht erst seit dem Frühjahr 2020.

Das tausendjährige Reich der Nazis währte bekanntlich ganze zwölf Jahre, kostete allerdings über sechzig Millionen Menschen das Leben und richtete für die Überlebenden irrwitzige Schäden an. Schon jetzt tötet das beinahe weltweite Corona-Regime unzählige Menschen, wenn auch bisher noch nicht hauptsächlich durch Waffen. Ewig währen wird auch diese Herrschaft nicht. Die Opferzahlen werden die des Zweiten Weltkriegs allerdings wohl weit übersteigen.

Wie paralysiert unser Parlament die Verhandlungen zu TTIP und CETA hingenommen hat, ist mit dem aktuellen Geschehen um Covid19 durchaus ein Stück weit vergleichbar, bedeutet es eben auch den Ausverkauf der Gesellschaft. Chrystia Freeland, Kennerin der Welt der Superreichen, Verhandlungsführerin Kanadas zu CETA und heute Ministerin, beschrieb in ihrem im Jahr 2013 erschienenen Buch "Die Superreichen – Aufstieg und Herrschaft einer neuen globalen Geldelite" im Schlusskapitel den Niedergang des Stadtstaates Venedig, dessen von ihr beschriebene Gründe stark an die Konsequenzen aus diesen Abkommen erinnern. Dennoch zog sie das durch.

Einer Angela Merkel wird es möglicherweise egal sein, aber es fragt sich, wie sich all diese Leute im Bundestag ihr eigenes Leben und das ihrer Kinder und Kindeskinder in der Zukunft vorstellen. Das unsere scheint ihnen dabei eher unerheblich zu sein.

Einen ganz guten Eindruck, wie sich Superreiche das wohl vorstellen bietet Douglas Rushkoff in folgendem Bericht:

https://www.rubikon.news/artikel/der-krieg-der-reichen

Alles in allem keine erquickliche Zeit. Ich kann dem Autor die aufkommende Verzweiflung sehr gut nachempfinden!

ANDREAS ADLER, 19. Dezember 2020, 16:20 UHR

Vielen Dank, Herr Teusch, für Ihre stark persönlich gefärbten Reflexionen. Drei Anmerkungen:

I. Vergleich mit Drittem Reich: Zur Einfühlung in die Zeit der Machtergreifung 1933 möchte ich ich die Lektüre von Haffners "Geschichte eines Deutschen" ans Herz legen. Deutlich wird hier mit unmittelbarer Anschaulichkeit, wie das NS-Regime allein durch perfide als "offenes Geheimnis" kommunizierte politische Morde, etwa an Sozialdemokraten und Gewerkschaftlern, eine effektive Einschüchterung der Bevölkerung durch Terror praktizierte. Ganz soweit sind wir, trotz einer Handvoll "merkwürdiger Todesfälle" im Umfeld des Corona-Complex', offensichtlich dann doch nicht. Aber warum darauf warten? Vollkommen richtig: Wehret den Anfängen!

II. Furcht und Verantwortung: Bei mir ist es weniger die unmittelbare Angst, die mich befällt angesichts des Irrsinnstanzes ums Goldene Kalb Corona (dieses kaum ein medizinisches, vielmehr ein psychologisches Phänomen); sondern eher Zorn und Verachtung. Letztere durchaus Substrate der Angst – andere Liga, gleiches Stadion. Ein Gemeinplatz, und dennoch wahrhaftig: Man erkenne seine Angst und werde dadurch frei, Verantwortung für sein Schicksal zu übernehmen. Ähnlich beschreibt dies Ernst Jünger in "Der Waldgang": "Wie verhält sich der Mensch angesichts und innerhalb der Katastrophe? Auf alle Fälle ist es nützlich, die Katastrophe ins Auge zu fassen und auch die Art, auf die man in sie verwickelt werden kann. Das ist ein geistiges Exerzitium. Wenn wir es recht angreifen, wird die Furcht verringert werden, und darin liegt der erste, bedeutende Schritt zur Sicherheit. Die Wirkung ist nicht nur persönlich heilsam, sondern auch verhütend, denn in dem gleichen Maße, in dem sich in den Einzelnen die Furcht vermindert, nimmt die Wahrscheinlichkeit der Katastrophe ab."

III. Das Ende und die Vergebung: Der wildgewordene Leviathan wird mit seinem Zerstörungswerk nicht durchkommen. Und wir dürfen danach ohnehin an allen, sogar an einer Merkel und einem Lauterbachwielerdrosten und an der unübersehbaren Mitläuferschar, echte Vergebung üben, allein um des eigenen Seelenheils willen. Mein nächster persönlicher "Waldgang", als freier Mensch auch in leviathanischen Ketten, wird zu Silvester in Berlin sein; wollen doch mal sehn, wo das Erdenvolk mittlerweile steht...

Peace & mit freundlichen Grüßen

LEITNER, 19. Dezember 2020, 20:50 UHR

Schöner Artikel.

Wer sich heute aufs Grundgesetz beruft, ist verdächtig. Warum müsste er sich denn aufs Grundgesetz berufen, wenn er nicht gegen die öffentliche Ordnung wäre? Wer das Grundgesetz hochhält, wird als Feind "der freiheitlich demokratischen Grundordnung" entlarvt.

Jana nimmt sich an Sophie Scholl ein Vorbild. Das macht sie zur "verrückten" Staatsfeindin?! Ich dachte immer, Sophie Scholl nachzueifern, sei Teil der "staatsbürgerlichen Erziehung"? Ich mochte Sophie Scholl nie besonders – da wäre ich doch eher als rechtsradikal zu beschimpfen.

Richtig treffend finde ich den Verweis auf 1933, nämlich auf die in Verwirrung geratene Demokratie, die sich im Laufe von ein paar Jahren selbst abschafft. Dabei geht es eben nicht – wie es Ulrich Teusch unter IV auf den Punkt bringt – um gleiche politische Positionen, sondern um eine (Panik-)Stimmung der politischen Auseinandersetzung. Wenn wir "Nachgeborenen" nicht richtig verstanden haben, wie das alles bis 1938/39 so kommen konnte, dann kann man die psycho-sozialen Kräfte jetzt erahnen. Aber wer heute aus der Geschichte lernen will, der ist natürlich auch verdächtig. So was macht man einfach nicht!

JAN HESSE, 19. Dezember 2020, 23:25 UHR

Ich bin immer wieder erfreut (ja auch in der aktuellen düsteren Zeit), welch differenzierte und journalistisch hochwertige (so weit ich es beurteilen kann) Artikel Multipolar herausgibt (wie auch dieser hier).

Auch die Liste mit den aktuellen interessantesten Beiträgen aus den Medien ist wirklich nützlich (und ich sehe mittlerweile, dass auch die Leitmedien hin und wieder noch etwas Brauchbares veröffentlichen).

Ich wünsche dem Multipolar-Team sowie allen Abonnenten gesunde und frohe Weihnachten.

RÜDIGER HAUFF, 20. Dezember 2020, 12:30 UHR

Lieber Ulrich Teusch,

nachdem mich in den letzten Wochen und Monaten die Befürchtung beschlichen hatte, Sie könnten sich schleichend von Multipolar zurück ziehen, weil Sie fast nicht mehr durch eigene Beiträge in Erscheinung getreten waren, überkam mich heute beim (verspäteten) Besuch von Multipolar ein Glücksgefühl beim Anblick Ihrer sechs Reflexionen zum Thema "Politische Angst - damals und heute".

Das Glücksgefühl wandelte sich jedoch zunehmend in Bestürzung, kulminierend in Reflexion V, in der Sie eine drohende Katastrophe in Ihrem familiären Umfeld andeuten. Da Sie ganz persönlich der Auslöser für meine Unterstützung von Multipolar sind (Stefan Korinth und Paul Schreyer kamen danach bestätigend hinzu), empfinde ich schmerzliches Mitgefühl mit Ihnen und Ihrer Familie.

Ihre sechs Reflexionen gehören nun zu jenen Dokumenten, die ich mir "archiviere", um sie in meinem zunehmend zerrissenen sozialen Umfeld bei kontroversen Gesprächen zur Verdeutlichung meiner Sicht auf das Pandemie-Geschehen zu verwenden. Ich danke Ihnen für Ihre tief greifenden und persönlichen Gedanken.

Rüdiger Hauff

ULRICH TEUSCH, 20. Dezember 2020, 16:25 UHR

Lieber Rüdiger Hauff,

ganz herzlichen Dank für Ihre Worte, die mich sehr berührt haben. Was die von mir angedeuteten privaten Probleme angeht: Ich glaube, es gibt viele, sehr viele Menschen, die in den vergangenen Monaten Ähnliches oder Schlimmeres durchgemacht haben. Das ist bedrückend. Aber ich hoffe, dass immer mehr Betroffene den Mut finden werden, mit ihren Sorgen und Nöten offen(er) umzugehen. Auf individueller Ebene könnte das eine große Hilfe sein, auf gesellschaftlicher Ebene sogar eine befreiende Wirkung entfalten.

PATRICK GRETE, 21. Dezember 2020, 00:45 UHR

Lieber Herr Teusch,

vielen Dank für diesen Artikel. Ich empfinde die meisten Artikel großer Medien als recht polarisierend, und dieser Artikel von Ihnen ist es nicht. Vorsichtig versuchen Sie, einer gefühlten Lage Ausdruck zu verleihen, und das ist wichtig und gut (auch wenn ich an einem Aufhänger weiter unten deutlich anderer Meinung bin).

Auch verstehe ich, wenn bei der Menge an Maßnahmen in diesem Jahr die gefühlte Sicherheit bei vielen Menschen verschwand. Grundrechte als Abwehrrechte des Bürgers gegen den Staat schienen uns gewiss, und die immer schon vorhandenen Möglichkeiten der Eingrenzung (bis auf Art. 1 ist kein Grundrecht absolut) konnten leicht verdrängt werden. Die Eingriffe selbst in den privaten Raum hinein sind zwar vom Grundgesetz her eingeräumt, aber es war eben nicht in unserem Bewusstsein, dass sie in so großem Umfang eingesetzt werden könnten. Auch mich hat erschreckt, wie kritiklos dies in medial dargestellten Debatten hingenommen wurde. Die Entscheidung der Regierung, die körperliche Unversehrtheit – ausgedrückt durch Maßnahmen gegen einen noch unbekannten Virus und der dazugehörigen Krankheit Covid19 – über alle anderen Grundrechte zu stellen, ist und bleibt eine politische Entscheidung, über die man diskutieren kann bzw. können müsste. Hier zeigten sich massive Defizite. Als kritischer Zeitgeist sollte man dafür ein aus unserer Geschichte begründetes feines Sensorium haben.

Jedoch ist es wichtig, zwischen Befürchtung und aktueller Lage zu unterscheiden. Ja, auch in diesem Jahr wurden Einschränkungen zuerst als kurzzeitig kommuniziert. Konkrete Kennzahlen änderten sich (zuerst die absoluten Testzahlen, dann der R-Wert, dann die Verdopplungszeit u.s.w.) und die daraus abgeleitete Risikobewertung blieb intransparent (wogegen Multipolar ja inzwischen klagt). Hinterfragt oder gar kritisch diskutiert wurde das nur von wenigen. So weit, so richtig.

Aber steht denn zu befürchten, dass die Lage genutzt wird, um dauerhaft die Grundrechte einzuschränken? Steht zu befürchten, dass sich nun Pandemie an Pandemie reiht, um so den Rechtststaat und die Demokratie in deutscher Couleur abzuschaffen, so wie damals die Weimarer Verfassung Stück für Stück faktisch aufgelöst wurde? Bei allem Verständnis für die in Ihrem Artikel gut und feinfühlig herausgearbeiteten Gefühle und Befürchtungen: die darüber hinausgehende Feststellung, dass wir etwa in einer Corona-Diktatur leben, halte ich für unzutreffend. Sie bleiben bei der Darstellung ihres Gefühls; andere sind schon längst bei der Feststellung angekommen. Insbesondere Vergleiche mit der Nazizeit sind, insbesondere, da sie so starke Gefühle auslösen, eher kontraproduktiv und führen zu keiner brauchbaren Diskussion.

Daher muss ich Ihnen auch in aller Deutlichkeit in der Deutung des Vorgangs um Jana widersprechen. Ich halte Ihre Deutung, dass sie vielleicht auch nur diesem Gefühl Ausdruck verleihen wollte, für völlig unzutreffend. Denn Sie hat ja nicht nur gesagt, dass sie sich wie Sophie Scholl fühle. Sie begründete ja dieses Gefühl mit ganz faktischen Dingen, nämlich, dass sie sich im „aktiven Widerstand“ befinde, da sie seit Monaten auf Demos gehe, Reden halte und neuerdings Veranstaltungen anmelde. Auch sei sie genauso alt wie Sophie Scholl, als letztere ermordet wurde. Aus diesen Aussagen abzuleiten, dass Sie lediglich ein Gefühl ausdrücken wollte und nicht die damalige Situation mit der realen Situation in Deutschland 2020 vergleicht, finde ich abwegig.

Aus diesen Worten kann ich auch nicht ableiten, dass sie die Machtergreifung 1933 mit heute vergleicht, sondern sie spricht vom aktiven Widerstand und von der Zeit, kurz bevor Sophie Scholl ermordet wurde (also Februar 1942). Also von einer Zeit, wo es neben Gefühlen schon einen realen Krieg und KZ gab. Auch liest sie das ja von einem Redemanuskript ab, und daher ist das nicht eine spontane Gefühlsäußerung, wie etwa der von ihnen beschriebene Vorgang beim Arzt, sondern offenbar ihre Ansicht, als sie die Rede erdachte und aufschrieb. Diese Ansicht von Jana zu kritisieren und sich darüber zu empören, finde ich verständlich. Ihre Deutung, dass es ihr hier nur um ein Gefühl ging und sie – wie Sie in diesem Artikel – über Ihre Gefühle reflektiert und diese gar differenziert ausdrückt (um zu einer Debatte beizutragen), kann ich nicht nachvollziehen.

THOMAS MATTHÄUS, 23. Dezember 2020, 10:10 UHR

Lieber Herr Teusch,

vielen Dank für diesen persönlichen Artikel. Der bekannte britische (Kriegs)journalist Robert Fisk hat sinngemäß gesagt, dass Journalisten stets die Wahrheit berichten sollen und dabei immer an der Seite der Opfer stehen müssen. Aufrichtiger Journalismus, so wie er hier bei multipolar betrieben wird, steht also an der Seite von Jana, die, wie wir auch, ein Opfer dieser unverhältnismäßigen Politik und Medienpanik und deren Folgen ist. Ob der Vergleich Janas ihrer selbst mit Sophie Scholl dann „politisch korrekt“ ist, wird zweitrangig bzw. noch unwichtiger.

Der Artikel macht mich traurig und nachdenklich. Traurig, weil er mir bewusst macht, dass ich im März dieses Jahres anfing, mich von der Naivität zu verabschieden, in einer funktionierenden Demokratie zu leben. Ich selbst habe Einschüchterung, Diskriminierung, Zensur, Gewalt gegen friedliche Bürger und Denunziation in einem Ausmaß erlebt, welches ich nie erwartet hatte. Meine Trauer begleitet den Abschiedsprozess von alten Wahrheiten.

Nachdenklich bin ich, weil mich der Artikel dazu motiviert, über einen Umgang mit der aktuellen Situation zu reflektieren, der außerhalb dieses Spiels zwischen Licht und Schatten liegt. Sie und das Team von multipolar haben meine Hochachtung für die Haltung, die Ihre Arbeit grundiert und das Magazin zu meiner ersten Nachrichtenquelle gemacht hat. Sie leuchten auf eine Weise in den Schatten, die diese Gesellschaft bitter benötigt. Wo jedoch liegt die Grenze, nach der die Beschäftigung mit den Schattenseiten des Lebens die Gesundheit angreift? Wie finde ich eine Haltung, die mich dieses ( Virus)spiel aus der Vogelperspektive betrachten lässt? Ich habe gemerkt, dass die Beschäftigung mit all den Nachrichten hier und in diversen Telegram-Gruppen mich immer wieder zu dieser Frage führt.

Die alten Konstruktivisten um Paul Watzlawick (Buchempfehlung: „Anleitung zum Unglücklichsein“) haben gesagt, dass wir uns unsere Wirklichkeit selbst erschaffen. Ein Sprichwort sagt: „Wie wir in den Wald hineinrufen, so schallt es heraus.“ Bezogen auf mein Licht- und Schatten-Thema hier möchte ich sagen: Verbinden wir uns mit lichtvollen Menschen, achten wir gut darauf, an welchen Stellen wir kämpfen, resignieren oder flüchten. Denken wir an leuchtende Vorbilder wie Nelson Mandela, der buchstäblich jahrelang im Schatten saß, ehe er als Versöhner wieder ins (Rampen)licht zurückkehrte.

Lieber Herr Teusch, der persönliche Ton und auch Inhalt Ihres Artikels hat mich inspiriert, diese sehr persönlichen Zeilen zu schreiben. Ich wünsche Ihnen und Herrn Korinth und Herrn Schreyer Mut und Gelassenheit für diese schwierigen Tage.

Herzliche Grüße.

MARIE, 26. Dezember 2020, 08:00 UHR
BERTRAM BURIAN, 1. Januar 2021, 23:30 UHR

Alles gut, was Herr Teusch schreibt. Wenngleich ein wenig der Blick auf die Zahlen der sogenannten Pandemie fehlt. Aber gut , das war nicht die Aufgabe des Artikels, und er ist ausgezeichnet geschrieben und gibt ein gutes Gefühl für die Bedrohung, die vorhanden ist. Aber in einem Punkt muss ich vehement widersprechend: Das Virus trifft keineswegs alle gleich. Von mir aus bezüglich der Maske, aber was ist die Maske im Vergleich zu dem, worum es geht? Nein, dieses Virus – und ich meine die Maßnahmen – ist ein ausgesprochenes Klassen-Virus. Während Politiker, Beamte und Reiche, die genügend Geld auf der Seite haben, ihr Leben ganz normal weiterführen können, die einen vielleicht mit ein bisschen mehr Stress und die anderen mit ein bisschen mehr Erholung, ist dieses Maßnahmen-Virus für andere eine Sterbe-Erklärung.

Es können einem solche Betrachtungsfehler nur passieren, wenn man nicht in Gedanken bei jenen ist, die ohne jegliche Sicherheit prekär arbeiten und nichts mehr zum Leben haben, oder bei jenen, die dem Selbstmord nahe sind aus Verzweiflung oder ihn schon ausgeführt haben, oder bei jenen, die aus Angst krank werden und dann keine Unterstützung in den Spitälern finden, weil man dort vehement Betten frei gemacht hat und gekürzt hat. Das ist vielleicht der wichtigste Punkt der ganzen Corona Krise, dass sie die Widersprüche, die es im Kapitalismus vorher schon gegeben hat, noch einmal potenziert. Das kann man auf keinen Fall aus dem Auge verlieren!

Vielen Dank für die wunderbare Arbeit, die Multipolar leistet. Meine Kritik soll keinesfalls abwertendend sein gegenüber der großartigen Leistung, die euer Magazin erbringt !

Mit herzlichen Grüßen, Bertram Burian

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