New York, 11. September 2001 | Bild: picture-alliance / dpa | Doug Kanter

Die Zerstörung des World Trade Centers

Vorbemerkung: Das folgende Gespräch mit dem Physiker Ansgar Schneider zu den technischen Aspekten des Zusammenbruchs der drei Türme des World Trade Centers in New York am 11. September 2001 enthält argumentativen Sprengstoff. Die präzisen baustatischen (und logischen) Details sind auch 20 Jahre nach dem Ereignis brisant. Zugleich erscheint das Beharren auf ehrliche und transparente Wissenschaft, die sich einer ergebnisoffenen Diskussion stellt, heute aktueller und dringlicher denn je. Das von Klaus-Dieter Kolenda im August 2020 geführte Interview, das hier in Auszügen veröffentlicht wird, ist dem kürzlich erschienenen Buch „Generation 9/11“ entnommen.

KLAUS-DIETER KOLENDA, 11. September 2021, 4 Kommentare

Klaus-Dieter Kolenda: Wenn eine international so renommierte Ingenieursvereinigung wie die International Association for Bridge and Structural Engineering (IABSE) einen Physiker auf ihren Jahreskongress nach New York einlädt, um über das größte Strukturversagen in der Geschichte der Architektur – also den Kollaps der Zwillingstürme – zu sprechen, dann gehe ich davon aus, dass die besprochenen Dinge sowohl von wissenschaftlicher als auch von gesellschaftlicher Relevanz sind. Man kann Ihre wissenschaftliche Arbeit im Kongressband nachschlagen und studieren – gut, aber der wissenschaftlich-gesellschaftliche Diskurs wird durch das abgelehnte Visum doch behindert. (Anmerkung: Ansgar Schneider wurde 2019 die Einreise in die USA verweigert.) Sie waren ja im September 2019 zusätzlich noch eingeladen, auf einer öffentlichen Veranstaltung von Rechtsanwälten, dem Lawyer’s Committee for 9/11 Inquiry, in New York zu sprechen, die seit dem Frühjahr 2019 juristische Schritte wegen der ungenügenden Untersuchung der Gebäudeeinstürze verfolgen. Aus meiner Sicht wird die juristische Aufklärung behindert, wenn Leute wie Sie dort nicht sprechen können. Das ist denkwürdig oder meinen Sie nicht?

Ansgar Schneider: Ja, da stimme ich Ihnen zu. Es ist wichtig, mit den Leuten persönlich zu sprechen. Das ist der beste Rahmen für einen ungehemmten Wissensaustausch. Sie können dann Fragen und Unklarheiten möglichst effizient klären. Das Zusammenschließen von Gehirnen ist wichtiger als alles andere. So banal es klingt, aber die gemeinsame Limonade nach der Konferenz ist womöglich der wichtigste Teil einer Konferenz. Ich bedauere, dass es nicht dazu kam, sowohl was die Bauingenieure als auch was die Rechtsanwälte angeht. Andererseits ist Ihre Frage doch von einem utopischen Ideal getragen, was wir in der Realität kaum vorfinden. Vielleicht darf ich hier mal mit etwas Polemik antworten: Wo spielen denn Aufklärung und der wissenschaftlich-gesellschaftliche Diskurs überhaupt eine Rolle? Zumal es beim 11. September um eines der geopolitisch zentralen Themen dieses jungen Jahrhunderts geht. Fragen Sie in solchen Angelegenheiten mal die Dissidenten Snowden, Manning oder Assange! Die wissenschaftlichen und humanistischen Erkenntnisse der Aufklärung sind im global-politischen Rahmen kaum mehr als intellektuelle Almosen für hoffnungslose Optimisten, denn realpolitisch geht es bei dem Wort Aufklärung nicht um Diskurs, sondern um den Kurs eines AWACS-Flugzeugs. (...)

Klaus-Dieter Kolenda: Ihre Arbeit für den IABSE-Kongress – um was geht es da?

Ansgar Schneider: Um das richtig einordnen zu können, muss man den Hintergrund der bisherigen wissenschaftlichen Untersuchungen ein bisschen kennen. Ich versuche, das mal zusammenzufassen: Im Januar 2002 veröffentlichte eine amerikanische Fachzeitschrift, das Journal of Engineering Mechanics, eine Arbeit der Ingenieure Zdenek Bažant und Yong Zhou aus Chicago. Bažant war zu der Zeit in Fachkreisen bekannt und angesehen, Zhou sein junger Assistent. In der Arbeit geben die beiden eine Abschätzung an, die besagt, dass die Zwillingstürme keine Chance hatten, den Einsturz zu überleben, sobald dieser in einem Stockwerk einmal angefangen hat. Die Struktur muss dann ja nicht nur das Gewicht des Oberteils tragen, sondern auch die beschleunigte Masse abbremsen, das bedarf zusätzlicher Kraft. Die bauliche Struktur sei nun mindestens um einen Faktor 8 bis 9 zu schwach gewesen, so das Ergebnis von Bažant.

Diese Aussage zieht drei Fragen nach sich: (A) Wie konnte der Einsturz in einem Stockwerk überhaupt anfangen, (B) wie hat er sich dann fortgesetzt und (C) stimmt der angegebene Zahlenwert von Bažants Abschätzung? Diese drei Fragen sind die zentralen wissenschaftliche Fragen, um die es beim Einsturz der Zwillingstürme geht.

Mit der ersten Frage nach der Einsturzursache hat sich das National Institut for Standards and Technology (NIST) in seinem Bericht über die Zerstörung der Zwillingstürme beschäftigt. Dieser offizielle Untersuchungsbericht wurde 2005 veröffentlicht. Das Wichtigste an diesem Bericht ist aber das, was nicht drinsteht. Denn der Bericht befasst sich lediglich mit dem Zeitraum zwischen Flugzeugeinschlag und Einsturzbeginn, also mit Frage (A), nicht aber mit dem weiteren Verlauf des Einsturzes, also mit Frage (B). (…)

Der offizielle Untersuchungsbericht über das größte Strukturversagen aller Zeiten enthält keine wissenschaftlich begründete Antwort auf die Frage, wie das größte Strukturversagen aller Zeiten abgelaufen sein könnte. Allein dieser Umstand, diese Unterlassung, hätte in den Medien der Skandal des Jahres sein müssen. Was der NIST-Bericht hingegen macht, ist, die Arbeit von Bažant und Zhou zu zitieren und deren Ergebnis als offizielle Einschätzung zu übernehmen. Das heißt, die Frage (C) nach der Richtigkeit dieser Daten ist vom NIST offiziell mit Ja beantwortet worden, während Frage (B) vom NIST einfach ignoriert wird.

Klaus-Dieter Kolenda: Also Bažant und Zhou liefern eine Abschätzung und die Behörde, die den Einsturz untersuchen sollte, segnet diese als korrekt ab und damit ist der Einsturz erklärt ...

Ansgar Schneider: So tut es das NIST, nur ist das aus mehreren Gründen inhaltlich falsch. Aber ich bin mit meinem Überblick noch nicht ganz fertig: Bažant brachte nach dem NIST-Bericht mit anderen Co-Autoren 2007 und 2008 noch weitere Arbeiten heraus, die das ganze Problem mathematisch etwas eleganter fassen und das anfängliche Resultat mit empirischen Daten der Abwärtsbewegung des Einsturzes untermauern.

Klaus-Dieter Kolenda: Wie geht das?

Ansgar Schneider: Die zugrunde liegende physikalische Idee ist leicht beschrieben: Aus der Bewegung des herunterkommenden Gebäudeteils kann man die Widerstandskraft berechnen, mit welcher der noch stehende Gebäudeunterteil den Oberteil während des Einsturzes abbremst. Wird die Einsturzbewegung schneller, ist der Widerstand klein, wird der Einsturz langsamer, ist der Widerstand groß. Das hat Bažant für die ersten drei Sekunden des einstürzenden Nordturmes gemacht und damit festgestellt, dass der Widerstand in der Tat sehr klein war, so wie er das erwartet hat: Der Turm habe also einstürzen müssen.

Klaus-Dieter Kolenda: Das ist nun also der endgültige Beweis!?

Ansgar Schneider: So stellt Bažant es dar, aber das stimmt hinten und vorne nicht. Es gibt drei wesentliche Dinge, die man richtigstellen muss: Etwas Technisches, etwas Grundsätzliches und etwas Empirisches. Das Empirische ist der wesentliche Punkt meiner Arbeit für den Kongress der IABSE. Aber ich fange mal mit dem Grundsätzlichen an, weil es aus erkenntnistheoretischer Sicht sehr wichtig ist: Der von Bažant in der Arbeit aus 2008 gemessene Widerstand des Gebäudes beim Einsturz ist der Widerstand, der real beim Einsturz vorhanden war. Diesen Widerstand mit dem prinzipiell möglichen Widerstand des Gebäudes gleichzusetzen, setzt die Annahme voraus, dass der Einsturz gravitationsbedingt war. Ohne diese Annahme kann ich aus dem gemessenen Widerstand nicht folgern, dass dies tatsächlich der prinzipiell mögliche Widerstand war, weil ich nicht weiß, was im Inneren des Gebäudes passiert. Anders gesagt: Man beobachtet nur die resultierende Gesamtkraft, aber man weiß nicht, wie diese Kraft entsteht. Ist die beobachtete Widerstandskraft die mögliche Maximalkraft oder ist es eine reduzierte Kraft, weil jemand absichtlich nachgeholfen hat? Und das ist ja die Frage, um die es letztendlich geht: Einsturz durch Gravitation oder menschliches Handeln?

Klaus-Dieter Kolenda: Kann man sagen, Bažants Aussage ist ein Zirkelschluss? Er nimmt einen gravitationsbedingten Einsturz an, um dann aus seinem Messergebnis zu schließen, dass ein gravitationsbedingter Einsturz stattfinden musste?

Ansgar Schneider: So ist es! Und jetzt kommt das Empirische, also das Hauptresultat meiner Arbeit für den IABSE-Kongress: Wenn man den Einsturz des Nordturmes auch in der Zeit nach den ersten drei Sekunden weiter vermisst, dann stellt man fest, dass der Einsturz in dem Zeitintervall zwischen 4,5 und 7,7 Sekunden ganz massiv abgebremst wurde. Das heißt, dass der Widerstand hier ganz groß war. Und wenn man aus den Bewegungsdaten ausrechnet, wie groß der Widerstand war, dann findet man einen Wert, der so groß ist, dass der Einsturz hätte stoppen müssen.

Klaus-Dieter Kolenda: Das kann doch nicht sein. Wir wissen schließlich alle, dass der Einsturz nicht gestoppt wurde!

Ansgar Schneider: Doch das kann sein! Denn ich sage nicht, dass der Widerstand ab diesem Zeitpunkt gleichbleibend groß war. Der Einsturz hätte gestoppt, wenn er auf diesem Niveau geblieben wäre. Aber nach meinen weiteren Messergebnissen ist er darauffolgend – in dem Zeitraum zwischen 7,8 und 9,3 Sekunden – wieder so klein wie am Anfang. Für die Zeit danach habe ich keine Daten, weil die Bildauswertung für diesen späteren Zeitraum erheblich aufwendiger ist. Also das heißt, dass das Gebäude prinzipiell stabil genug war, um dem Einsturz standzuhalten! Doch das heißt, die real aufgetretene Widerstandskraft war kleiner als das, was möglich war. Irgendetwas hat die Struktur geschwächt.

Klaus-Dieter Kolenda: Auf diese Aussage darf ich gleich noch einmal zurückkommen ... Sind das Ihre grundsätzlichen und empirischen Einwände bezüglich der Aussagen von Bažant?

Ansgar Schneider: Fast. Über all diesen modellspezifischen Punkten steht noch die Frage, inwieweit das Einsturzmodell selbst gerechtfertigt ist. In dem Modell ist ein zentraler Punkt, dass der Oberteil des Gebäudes, etwa die oberen 50 Meter, den restlichen Teil des Gebäudes, also die unteren gut 360 Meter, zerschlägt. Es gibt aber nur für etwa die ersten drei, vier Sekunden des Einsturzes überhaupt empirische Daten für die Existenz des Oberteils. Aus den Videoaufzeichnungen kann man nicht schließen, dass es den Oberteil danach noch gibt. Im Gegenteil, wenn man die Phänomenologie der Einstürze beschreibt, dann sieht es für mich eher so aus, als ob der Oberteil zerstört ist, bevor er unten Schaden anrichten kann. Man sieht nur Gebäudematerial, das im hohen Bogen wegfliegt, vom stoßenden Oberteil keine Spur. Diese phänomenologischen Daten sind von großer Wichtigkeit.

Klaus-Dieter Kolenda: Und was meinen Sie mit den technischen Einwänden, die Sie noch vorzubringen haben?

Ansgar Schneider: Das sind so ein paar Fehler innerhalb des Modells, die sich aufsummieren: Bažant verwendet in der ersten Arbeit mit Zhou zum Beispiel falsche numerische Werte für die Masse des Turms und für die Geschwindigkeit, mit der der Gebäudeoberteil nach unten geht – er nimmt beide zu groß an. Diese Fehler sind schon länger bekannt und auch in der Fachliteratur beschrieben worden. Es gibt aber auch noch theoretische Fehler, dass nämlich die Abschätzung von Bažant nur den Einsturz eines weiteren Stockwerkes berücksichtigt, nicht aber die dann folgenden. Wenn man das aber tut, bekommt man weitere Abschätzungen, die weniger dramatisch sind.

Klaus-Dieter Kolenda: Moment, das verstehe ich nicht. Was soll das heißen? Je mehr Stockwerke einstürzen, desto weniger dramatisch wird die Situation?

Ansgar Schneider: Ja, das ist bis zu einem gewissen Grad so. In dem einfachen Ein- sturzmodell von Bažant können Sie nach jedem eingestürzten Stockwerk eine Bilanz ziehen: Welche Kraft der Stützen hätte gereicht, um den Einsturz abzufangen. Es gibt da zwei gegenläufige Effekte: Auf der einen Seite wird der Oberteil ja immer schwerer, wenn er herunterfällt, weil er durch die zusätzlich zerstörten Stockwerke an Masse gewinnt, das heißt, man bräuchte eine immer größere Kraft, um ihn aufzuhalten. Aber auf der anderen Seite wird der Einsturz durch die Masse der noch ruhenden unteren Stockwerke auch abgebremst. Je nachdem, welchen Geschwindigkeitswert man für den herunterfallenden Block über dem ersten Stockwerk annimmt, stellt man fest, dass nicht das nächste darunterliegende, einstürzende Stockwerk der kritische Punkt ist, sondern das dritte oder vierte; bei den zu großen Geschwindigkeitswerten, die Bažant benutzt hat, sogar erst das fünfte. Das reduziert die nötige Kraft, die den Einsturz stoppen könnte, aber in Bažants Überlegungen kommt das nicht vor. Es fehlt einfach.

Dann sind da auch physikalisch fehlerhafte Annahmen in dem weiterentwickelten mathematischen Einsturzmodell, das Bažant benutzt hat, um die empirischen Daten der ersten drei Sekunden auszuwerten, aber ich will das jetzt nicht zu kompliziert machen, weil das keine signifikanten numerischen Unterschiede macht. Diejenigen, die es genau wissen wollen, können das an anderer Stelle nachlesen.

Klaus-Dieter Kolenda: Ihre Aussage war gerade, „irgendetwas“ habe die Struktur des Nordturmes geschwächt. Kann das nicht alles Mögliche sein? Das ist doch kein Beweis für eine „absichtliche Zerstörung“ der Gebäude, wie Sie immer sagen.

Ansgar Schneider: Gut, das ist ein wichtiger Punkt. Meine Arbeit zeigt zunächst einmal, dass das offiziell vorgebrachte Argument – also das Gebäude sei a priori zu schwach gewesen, um den Einsturz aufzuhalten – falsch ist. Ich sage, das Gebäude war a priori stabil genug. Jetzt kommt Ihre Frage. Was hat die Struktur geschwächt? Das kann ich mit den bisher genannten Daten nur indirekt beantworten. Aber die Geschichte ist ja nicht mit meiner Arbeit zu Ende oder, besser gesagt, sie hat nicht mit meiner Arbeit angefangen!

Man muss sich an dieser Stelle einmal klarmachen, wie ein naturwissenschaftlicher Beweis überhaupt funktioniert. Der geht so: Es gibt einen Satz von empirischen Daten. Dazu gibt es mögliche Hypothesen, um diese Daten zu erklären. Im Folgenden versucht man durch zusätzliche Messungen und Experimente, aus allen möglichen Hypothesen eine einzige herauszukristallisieren, die man beim besten Willen nicht schafft zu widerlegen. Das ist alles.

Mein Schlüssel fällt immer nach unten, aber was beweist das? Nicht besonders viel, das könnte ja Zufall sein und morgen ist es anders. Aber man stellt mit der Zeit fest, dass nicht nur mein Schlüssel davon betroffen ist, sondern auch Kugelschreiber, Teetassen, Mobiltelefone, 1-Cent-Stücke, Regentropfen und Äpfel, die zufällig mal auf Newtons Kopf landen. Worauf ich hinauswill, ist, dass man zur Beurteilung eines naturwissenschaftlichen Sachverhaltes erst einmal alle empirischen Daten zusammenfassen muss, um ihn bewerten zu können. Das haben wir bisher noch gar nicht gemacht.

Klaus-Dieter Kolenda: Was kommt Ihnen denn da in den Sinn?

Ansgar Schneider: Oh, eine Menge. Die Phänomenologie der Einstürze, die forensischen Resultate, die monatelang andauernden Brände, die nicht zu löschen waren, und ganz wichtig dazu: die Zeugenaussagen der Einsatzkräfte. Das Wichtigste davon ist die elementare Phänomenologie der Einstürze, also das Studium der Videoaufzeichnungen. Ich versuche diesen Dingen in meinen Vorträgen entsprechend viel Raum zu geben. Ich habe das Prinzip vorhin schon mal angedeutet, als es um die Frage ging, ob es empirische Daten gibt, die erkennen lassen, dass der Oberteil des Gebäudes den Unterteil zerschlägt. Um die Phänomenologie zu fassen, muss man sich zunächst mit ganz unscheinbaren Fragen beschäftigen: Wie, auf welche Art und Weise werden die Gebäude zerstört? Wie sieht das aus? Sieht es so aus, als ob der Turm explodiert oder als ob er durch Gravitation nach unten sackt? Nun, der Einsturz der Zwillingstürme sieht so aus, als ob die Gebäude in einem von oben nach unten verlaufenden Prozess von innen heraus zerrissen werden und sich dabei einfach in Pulver verwandeln. Das ist eine rein qualitative Beschreibung der visuellen Eindrücke. Wie kann man das erklären?

Man kann nun versuchen, diese ersten Eindrücke quantitativ zu fassen: Fallen die tonnenschweren Stahlelemente der Zwillingstürme alle nach unten? – Man beobachtet: Nein, das tun nicht alle. Manche „fallen“ mit horizontaler Geschwindigkeit von weit über 100 km/h zur Seite. Sind das nun Einzelfälle, die man vielleicht mit einem Aufprall des herunterfallenden Materials und Wegschleudern erklären könnte? – Nein, das ist eine außerordentlich erhebliche Anzahl und es gibt da welche, die kommen zu einer Zeit weit oben aus der Staubwolke hervorgetreten, wo alles, was von oben kommt, schon vorbeigeflogen ist. Die Gravitation wirkt auch in New York City nach unten, das sollte man im Hinterkopf behalten.

Oder: Was sind das für fokussierte Materialauswürfe, die teilweise über 100 Meter unterhalb der Einsturzfront aus den Zwillingstürmen austreten? In welchem Zusammenhang treten solche Phänomene bei Gebäuden auf? – Nun, man kennt das Phänomen tatsächlich aus der Abrissindustrie, von Sprengungen. Das nennt man dort Knallfrösche, die auftreten, wenn Sprengladungen von einer Seite her stark verdämmt sind und die Druckwelle die Außenwand durchschlägt.

Warum fließt ein gelb glühendes Metall – augenscheinlich flüssiger Stahl, nicht, wie das NIST spekuliert, Aluminium, das bei Tageslicht silbrig-weiß und nicht gelb glühend ist – aus dem 80. Stock des Südturms, kurz bevor er zusammenbricht? Warum berichten die Einsatzkräfte von flüssigem Stahl in den Trümmern? Und so weiter ...

Es gibt da eine große Menge an Details, die alle wichtig für das Gesamtbild sind. Um diese Dinge sorgfältig zu beurteilen, muss man die Einstürze aus vielen Kameraperspektiven studieren, in Zeitlupe vergleichen und die Daten sammeln. Das ist mühsame Kleinarbeit. All diese Beobachtungen lassen sich erklären, wenn man menschliches Handeln annimmt, das zu diesen Dingen geführt hat. Sagen wir mal vorsichtig, dass das eine mögliche Hypothese ist. Die alles entscheidende Frage ist: Gibt es noch andere Hypothesen, die einen ähnlichen Erklärungswert haben? Nun, bisher hat noch niemand eine andere Antwort dazu gefunden. Es gibt im Moment also nur diese einzige Erklärung.

Klaus-Dieter Kolenda: Inwieweit kann man diese qualitativen Beobachtungen denn noch weiter quantifizieren? Gibt es da wissenschaftliche Ergebnisse außer den Geschwindigkeiten der seitlich wegfliegenden Trümmer?

Ansgar Schneider: Ja. Zum Beispiel kam es den Beobachtern der Ereignisse allerhöchst merkwürdig vor, wie stark das Innenleben der Gebäude pulverisiert wurde. Insbesondere der ganze Leichtbeton der Stockwerksböden, der ganz Lower Manhattan mit einer mehrere Zentimeter dicken Staubschicht überzog. Um diesbezügliche Bedenken zu zerstreuen, hat der erwähnte Bažant im Rahmen seiner Untersuchungen dazu Berechnungen angestellt. Nach dieser Rechnung sind für die Pulverisierung des Betons weniger als 10 Prozent der potentiellen Energie, die beim Einsturz der Gebäude frei wurde, nötig. Diese Größenordnung kann man akzeptieren. Das Ergebnis war also als Entwarnung zu verstehen, alles noch im grünen Bereich, aber die Geschichte geht noch weiter.
Denn in die Berechnung gehen zwei unabhängige physikalische Größen ein: Das eine ist die Körnung des Pulvers, das man vor Ort findet, also die Feinheit des WTC-Staubs. Bažants Annahmen zur Körnung des Pulvers sind vertretbar. Es gibt andere Schätzungen, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen.

Die zweite physikalische Größe ist der sogenannte Arbeitsindex eines Materials. Diese Größe gibt an, wie viel Energie man braucht, um eine Tonne des jeweiligen Materials von einem großen Brocken auf ein Pulver mit Partikel- größe von 0,1 Millimeter zu zerkleinern. Der Arbeitsindex ist eine Größe, die im Bergbau eine Rolle spielt. Dort will man wissen, wie viel Energie es kostet, eine Menge Quarz- oder Kalkgestein zu zerkleinern. Man interessiert sich im Bergbau allerdings nicht für Beton. Deswegen war der Arbeitsindex für Leichtbeton im Jahr 2008, als Bažant seine Berechnungen vorlegte, gar nicht bekannt. Bažants Aussage, wie viel Energie es benötigt, um Leichtbeton zu pulverisieren, beruht ausschließlich auf theoretischen Überlegungen.

Dann kam der Schock im Jahr 2012, als die kanadischen Bauingenieure Robert Korol und Ken Sivakumaran den Arbeitsindex für Leichtbeton experimentell bestimmt haben. Dieser ist etwa um das 15-Fache größer als der Wert, der in Bažants Rechnung verwendet wurde. Man sieht hier also ein großes Problem in der Energiebilanz: Hat „irgendetwas“ mehr Energie zur Zerstörung der Türme zu Verfügung gestellt, als an potenzieller Energie durch die Türme vorhanden war? Wenn ja, was war das?

Klaus-Dieter Kolenda: In Ihrem Buch lese ich dazu, dass 2003 im WTC-Staub eine Ent- deckung gemacht wurde: Die untersuchten Staubproben bestanden zu über 5 Prozent aus mikroskopisch kleinen Eisenkügelchen. Und 2009 fand eine internationale Forschergruppe um den dänischen Chemiker Niels Harrit und die amerikanischen Physiker Steven Jones und Jeffrey Farrer eine moderne Form von Sprengstoff. Wie hängen diese Dinge zusammen?

Ansgar Schneider: Es gibt eine ganze Reihe von Hochtemperaturrückständen im Staub des WTC. Die Eisenkügelchen, die Sie da ansprechen, sind ein Beispiel. Sie entstehen, wenn flüssige Eisentröpfchen in der Luft abkühlen. Eisen wird erst bei über 1500 °C flüssig. Es kann also nicht das Feuer in den Zwillingstürmen gewesen sein, das das bewirkt hat. Dies hat laut NIST maximal, und auch nur kurzzeitig, an der 1000-Grad-Marke gekratzt. Man hat auch nicht nur Eisenkügelchen gefunden, sondern der United States Geological Survey hat auch solche aus Molybdän gefunden. Molybdän ist ein Metall mit einem Schmelzpunkt von über 2 600 °C.

Man sollte sich also fragen: Was war denn da so heiß und was hat gerade diese sehr speziellen Hochtemperaturprodukte hervorgebracht? Eine mögliche Antwort kommt aus der Thermitchemie. Klassisches Thermit ist etwas, das jeder Chemiestudent kennt. Es ist ein Pulver aus Eisenoxid und Aluminium, das, wenn es reagiert, elementares Eisen und Aluminiumoxid entstehen lässt. Der gebundene Sauerstoff läuft also vom Eisen zum Aluminium über. Das Wichtige: Es wird dabei sehr, sehr viel Hitze produziert. Deswegen ist das Eisen nach der Reaktion flüssig und hinterlässt nach dem Abkühlen dann solche Eisenkügelchen.

Thermit wird schon seit über hundert Jahren in vielen pyrotechnischen Anwendungen benutzt: zum Verschweißen von Stahlelementen, aber auch zum Durchtrennen und Zerstören von solchen, und auch in Brandbomben ist es beliebt. Thermit ist dementsprechend gut erforscht und besitzt viele technische Anwendungen. Dabei ist man nicht an die beiden Metalle Eisen und Aluminium gebunden, sondern man kann verschiedene Kombinationen von Metalloxiden mit einem Metall verwenden, um solche exothermen – das heißt: hitzeproduzierenden – Reaktionen zu bekommen. Eisenoxid und Aluminium war das historisch erste bekannte Paar. Mit Molybdänoxid und Aluminium geht so was auch. Das heißt, auch die Metallkügelchen im Staub sind solche, die man als Reaktionsprodukt einer Thermitreaktion bekommt.

Das ist die Vorgeschichte. Die Arbeit von Harrit, Jones und Farrer hat nun die naheliegende Vermutung belegt, dass diese Kügelchen tatsächlich von einer Thermitreaktion kommen, denn sie haben in Staubproben, die am 11. September eingesammelt wurden, eine moderne Version von Thermit, sogenanntem Nano-Thermit, gefunden, dessen Rückstände im Staub in Form von winzig kleinen rot-grauen Plättchen vorhanden sind. Das gefundene Material reagiert, wenn man es erhitzt, bei etwa 430 °C stark exotherm, setzt also viel Hitze frei, und produziert dabei mikroskopisch kleine Eisenkügelchen, also das, was man im Staub findet.

Klaus-Dieter Kolenda: Auch die Molybdänkügelchen?

Ansgar Schneider: Nein, das haben Harrit, Jones und Farrer in ihren Proben nicht gefunden. Sie hatten Proben von fünf verschiedenen Stellen, es ist da nicht zu erwarten, dass man mit dieser kleinen Stichprobenzahl gleich ein vollständiges analytisches Bild von hunderttausend Tonnen Staub bekommt. Um jetzt den Bogen zurück zu dem „Irgendetwas“ zu finden, was die Struktur geschwächt hat. Ist es möglich, dass zur Zerstörung des Turmes das gefundene Nano-Thermit einen Beitrag geleistet hat? Was das alles kann, weiß natürlich niemand außer denen, die das Zeug produziert und in großen Mengen zur Verfügung haben. Aber das Vorkommen dieses Stoffes im Staub ist etwas, das dort nicht sein sollte. Es sollte kein Nano-Thermit oder irgendein vergleichbares Material im Staub des WTC vorhanden sein. (...)

Klaus-Dieter Kolenda: Es gab ja im Jahr 2019 neben Ihrer Arbeit noch zwei andere neue wissenschaftliche Arbeiten, die sich mit dem WTC befasst haben: mit der Zerstörung des dritten Wolkenkratzers, WTC 7, der am späten Nachmittag des 11. Septembers einstürzte, ohne dass ein Flugzeug reingeflogen war. Vielleicht können Sie die bisherige Debatte über WTC 7 einmal kurz zusammenfassen und dann erläutern, was diese neuen Arbeiten berichten.

Ansgar Schneider: Um über WTC 7 angemessen zu sprechen, sollte man sich zunächst kurz ins Gedächtnis rufen, was das für ein riesiges Gebäude war. Wir schauen hier [in Frankfurt am Main] gerade auf den EZB-Neubau, der eine Höhe von 185 Metern hat. WTC 7 war 186 Meter hoch, plus noch das Penthouse auf dem Dach. Ein Stahlskelettbau, errichtet in den Achtzigern. Die Nordseite des Gebäudes war 100 Meter breit, das ist monströs. Die Zwillingstürme hatten bloß eine Breite von 64 Metern. Es gibt hier in der Bankenmetropole Frankfurt am Main zwar eine Handvoll Gebäude, die höher sind, aber sonst in ganz Deutschland nicht ein einziges. WTC 7 war wahrhaftig ein Riese.

Um 17:20 Uhr klappt jetzt zuerst der östliche Teil des Penthouses weg, dann ist das Gebäude für etwa sieben Sekunden noch stabil, dann sackt der Rest des Penthouses ab und einen Wimpernschlag später geht das gesamte Gebäude uniform, völlig gerade nach unten. Die benachbarten Gebäude werden nur minimal durch den Einsturz in Mitleidenschaft gezogen. Das besonders Markante daran: Das Gebäude befindet sich über zwei Sekunden im freien Fall, das heißt, nur die Gravitationskraft wirkt auf das Gebäude. Das ist sagenhaft, denn das Gebäude hat 82 tragende Stützen, die der Gravitationskraft entgegenwirken. Diese sind schrecklich stabil gebaut, so stabil, dass sie die Gravitationskraft eines ganzen Wolkenkratzers tragen können. Deswegen ist das Gebäude normalerweise in Ruhe, weil die Kraft der Stützen genau so groß ist wie die Gravitationskraft, ein Kräftegleichgewicht. Diese gewaltige stützende Kraft ist nun plötzlich nicht mehr da. Und das im gesamten Gebäudequerschnitt. Das muss man sich deutlich machen: Wie kann es sein, dass die Stützen am östlichen Ende des Gebäudes zeitgleich mit den Stützen am westlichen Ende des Gebäudes versagen? Die Stützen stehen 100 Meter weit auseinander.

Klaus-Dieter Kolenda: Aber dieser Einsturz wurde 2008 vom NIST untersucht. Die Trümmer des einstürzenden Nordturmes haben das Haus beschädigt und es in Brand gesetzt. Die Feuer seien dann der Einsturzgrund gewesen, sagt die staatliche Behörde. Ist das richtig?

Ansgar Schneider: Das sagt das NIST, aber die Untersuchung, die dazu gemacht wurde, ist an zentralen Stellen falsch bis betrügerisch. Die Behauptung, dass das Gebäude durch Feuer eingestürzt sei, ist mit den vorgelegten Computersimulationen nicht im Geringsten zu rechtfertigen. Das Computermodell stellt den Kollaps nicht korrekt dar und es basiert auf falschen Annahmen über die Feuer in den Gebäuden. Es gibt darin so viele Fehler, dass man ganze Bücher damit füllen kann.

Klaus-Dieter Kolenda: Und die beiden neuen Arbeiten beleuchten einige dieser Fehler neu?

Ansgar Schneider: Genau. Die eine Arbeit ist von Tim Schall, der im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit an der Hochschule für Technik in Stuttgart ein Modell erstellte, das den vom NIST behaupteten Einsturzbeginn nachstellt. Das NIST sagt, an der Stütze mit Nummer 79 sei in der Decke des 12. Stockwerkes beziehungsweise dem Boden des 13. Stockwerkes der Träger mit der Nummer A2001 von seinem Auflager gerutscht, weil er von anderen Trägern aufgrund der Wärmeausdehnung durch die Feuer zur Seite gedrückt worden sei. Diese Feuereinwirkung ist die von NIST vermutete Einsturzursache, denn dann sei der Träger A2001 mitsamt Fußboden nach unten gefallen, habe die Verbindungen von Stütze 79 zu den Trägern in den Stockwerken darunter losgeschlagen, so dass die Stütze seitlich ausknicken konnte. Diese eine versagende Stütze habe dann im Kollaps des gesamten Gebäudes geendet.

Schall hat das Szenario des ersten abrutschenden Trägers nachgestellt. Dazu hat er anhand der Baupläne die Konstruktion im Rechner simuliert und dann die Temperaturangaben des NIST übernommen, um zu sehen, welche Effekte dabei auftreten. Sein Resultat widerspricht der Aussage des NIST, dass der Träger von seinem Auflager abrutschen würde. Er stellt zwar fest, dass die Schraubverbindung unter den angenommenen Belastungen nicht standhält, aber der Träger bleibt an den Seitenplatten an der Stütze hängen und kann nicht von seinem Auflager abrutschen. Das NIST hat die Überstände der Seitenplatten in seinen Simulationen nicht korrekt berücksichtigt.

Klaus-Dieter Kolenda: Ist es dann richtig zu sagen, dass die hypothetische Kettenreaktion, die das NIST vorschlägt, schon am ersten Schritt scheitert?

Ansgar Schneider: Das kann man so sagen. Man darf aber hinzufügen, dass Schall die Temperaturdaten der Träger aus den Feuersimulationen des NIST übernommen hat. Er kommt den Aussagen des NIST damit maximal entgegen, denn dieser nullte Schritt der hypothetischen Kettenreaktion ist schon nicht zu rechtfertigen.

Klaus-Dieter Kolenda: Und sagt die zweite neue Untersuchung auch etwas zu diesem Problemkreis?

Ansgar Schneider: Das ist eine langjährige Studie der Universität Alaska von drei Bauingenieuren, Leroy Hulsey, Zhili Quan und Feng Xiao. Die Erkenntnis, dass die Seitenplatte ein Abrutschen des Trägers A2001 von seinem Auflager verhindert, ist auch hier in gleicher Weise gefunden worden. Die Studie ist auch der Frage nachgegangen, was passiert, wenn man die Überstände der Seitenplatte verkürzt. Das Ergebnis ist: nichts. Denn der Träger bleibt auf dem Auflager liegen. Er fällt nicht herunter.

Die Studie ist aber insgesamt wesentlich umfangreicher, denn es wurde nicht nur versucht, das vom NIST behauptete, lokale erste Versagen von Träger A2001 zu verstehen, sondern es wurde auch ein globales Einsturzmodell erstellt, um den gesamten Zusammenbruch zu verstehen und um die weiteren Zwischenschritte in der Kettenreaktion, die das NIST behauptet, nachvollziehen zu können. Das NIST sagt, nach Versagen von Stütze 79 sollen die Stützen 80 und 81 versagt haben, was dann dazu geführt habe, dass die Stützen im Kern nacheinander versagt haben, also 76, 77 und 78 zuerst, dann die weiter westlich stehenden, ohne dass das in Deformationen der Außenwand sichtbar geworden sei: Also in der Computersimulation werden Deformationen sichtbar, nur nicht in der Realität.

Klaus-Dieter Kolenda: Wir reden über die sieben Sekunden zwischen dem Absacken des östlichen Teils des Penthouses und dem Rest des Penthouses?

Ansgar Schneider: Ja. Das östliche Penthouse lag über den Stützen 79, 80 und 81. Jetzt sind Hulsey, Quan und Xiao hergegangen und haben das Versagen dieser drei Stützen in verschiedenen Szenarien simuliert.

Klaus-Dieter Kolenda: Und was ist passiert?

Ansgar Schneider: Nichts. Selbst nach Entfernen von Stützen 79, 80, und 81 haben die Stützen 76, 77 und 78 nicht versagt. Das ist auch nicht überraschend, denn Gebäude werden mit redundanten Strukturen versehen, damit lokale Schäden nicht zu globalem Einsturz führen. Also haben Hulsey, Quan und Xiao das Versagen der sechs Stützen 76 bis 81 im Kern angenommen. Nachdem nun diese sechs Stützen erledigt wurden, kam es endlich zum lang ersehnten Einsturz. Allerdings nicht wie in der Realität: Der Einsturz erfolgt nicht nach unten, sondern zur Seite. Die anderen Stützen im Kern bleiben zunächst stehen und die äußeren Stützen im Südosten, also 27 bis 30 und 21 bis 25, versagen zuerst, dann wird das Gebäude in diese Richtung herumgerissen. Als Nächstes haben sie das Versagen aller Stützen im Kern von 58 bis 81 angenommen. Auch in diesem Fall stürzte das Gebäude nicht nach unten, sondern diesmal nach Südwesten. Denn an dieser Ecke waren in verschiedenen Stockwerken einzelne Stützen durch den Trümmereinschlag des Nordturmes zerstört, deswegen versagte die verbliebene Struktur in dieser Ecke zuerst.

Klaus-Dieter Kolenda: Und haben sie es auch geschafft, das Gebäude so abstürzen zu lassen wie in der Realität?

Ansgar Schneider: Ja, das geht selbstverständlich! Sie mussten nur alle Stützen im Kern, dann 1,3 Sekunden später alle äußeren Stützen auf acht Stockwerken gleichzeitig entfernen. Dann war keine Struktur mehr da, die der Gravitation entgegenwirkte, und das Gebäude konnte wie in der Realität in den freien Fall übergehen. Das ist natürlich keine Überraschung.

Man sollte hier der Vollständigkeit halber noch bemerken, dass die reale Zerstörung noch etwas mehr zu bieten hat als die beschriebene Simulation, denn in dieser tritt ein Phänomen des realen Einsturzes nicht auf, und zwar der Knick in der Nordseite. Die Nordseite des Gebäudes bekommt beim realen Einsturz des Penthouses einen Knick, was in den Kameraperspektiven von unten so aussieht, als würde die Dachlinie in der Mitte nach unten knicken. Das lässt sich anschaulich nachvollziehen, wenn die Ursache dieses Knickes das zusätzliche Gewicht ist, das nach Zerstören der Kernstützen auf den Außenwänden lastet. Die beobachtete Deformation ist eine Bewegung in der Horizontalen, weil die Außenstützen das Gewicht ablenken; so wie man mit dem Stuhl nach hinten umfallen kann, aber nicht nach unten. Dieser Knick tritt nun in der Simulation der Zerstörung nicht auf. Es ist vermutlich so, dass man, um den Knick zu erzeugen, die Struktur noch etwas stärker beziehungsweise gezielter schwächen muss. Was die Feineinstellungen angeht, gibt es also noch Klärungsbedarf.

Klaus-Dieter Kolenda: Was ist denn dann die letztendliche Schlussfolgerung von Hulsey, Quan und Xiao?

Ansgar Schneider: Feuer hat WTC 7 nicht zum Einsturz gebracht.

Klaus-Dieter Kolenda: Was dann?

Ansgar Schneider: Nun, es gibt genau eine wissenschaftliche Antwort auf diese Frage: absichtliches menschliches Handeln.

Ansgar Schneider, Klaus-Dieter Kolenda: „Generation 9/11 – Die verhinderte Aufklärung des 11. Septembers im Zeitalter der Desinformation“, Verlag fifty-fifty, 224 Seiten, 18 Euro

Anmerkung: Dem Originaltext sind zahlreiche Fußnoten mit teils komplexen Literaturangaben beigefügt, die hier aus Vereinfachungsgründen entfallen. Sie sind im Buch nachzulesen.

Über die Gesprächspartner:

Prof. Dr. med. Klaus-Dieter Kolenda, Jahrgang 1941, ist Facharzt für Innere Medizin und für Physikalische und Rehabilitative Medizin und war mehr als 20 Jahre lang Chefarzt einer Rehabilitationsklinik. Er ist als medizinischer Sachverständiger bei Sozialgerichten in Schleswig-Holstein tätig und hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel und mehrere Fachbücher zur Prävention chronischer Krankheiten verfasst.

Dr. rer. nat. Ansgar Schneider, studierte Physik und schloss sein Studium mit einer Diplomarbeit im Bereich der Quantenfeldtheorie – der Vereinigung von Relativitätstheorie und Quantenmechanik – ab. In seiner Promotion in Mathematik befasste er sich mit einem Thema im Grenzgebiet von Analysis, Algebra, Topologie und Stringtheorie. Seine anschließenden Tätigkeiten in Lehre und Forschung führten ihn an verschiedene Universitäten und außeruniversitäre Forschungseinrichtungen im In- und Ausland. In seinem 2018 erschienen Buch „Stigmatisierung statt Aufklärung“ beleuchtet er die wissenschaftlichen Grundlagen der Zerstörung des World Trade Centers.

Weitere Artikel zum Thema:

CHRISTIAN-MILZ@GMX.NET, 11. September 2021, 08:15 UHR

Kaum bekannt, aber empirisch leider überaus aufdringlich präsent ist die Tatsache, dass menschliche Psyche und Geist mehr oder weniger durch das Unbewusste beeinflusst oder gar gesteuert werden (Eisberg Modell) und wir uns weniger als "aufgeklärte" Individuen, sondern eher analog zu einer Herde verhalten, d.h uns nicht an empirischen äußeren Reizen, sondern an den Vorgaben einer Leitfigur orientieren. Thomas S. Kuhn hat nachgewiesen, dass das in etwa auch für die Wissenschaft (Paradigmen) gilt, die Herde heißt dann eben wissenschaftliche Community. Kontroverse Daten werden einfach nicht zur Kenntnis genommen.

Das gilt wie gesagt für uns alle. Wie eine Herde laufen wir Kants Aufklärungsbegriff hinterher, obwohl der philosophisch schon zeitgenössisch eine deutsche Sondermeinung und nicht repräsentativ für die (europ.) Aufklärung darstellte. Die viel brauchbarere Position Schillers wird nicht rezipiert, auch Kondylis' Zurechtrücken der Aufklärung als komplexe Strömung kontroverser Polaritäten kennt keiner. Man könnte das Fortsetzen mit Daten zu Nahtoderfahrungen und Reinkarnationsphänomenen ...

Letztendlich hat dieses Herdenverhalten durchaus einen biologischen Sinn, es stellt nämlich Einheit her und man müsste die Bedingungen formulieren, die dieses biologische Gesetz unter den Einfluss von höheren seelischen und geistigen Feldern stellen und es dadurch aufheben. Auch das ist zugänglich, aber anspruchsvoll und hat sich noch nicht einmal in der intellektuellen Elite herumgesprochen.

HELENE BELLIS, 11. September 2021, 13:45 UHR

"Das gilt wie gesagt für uns alle."

Wenn das tatsächlich für uns alle gilt – wie ist es dann möglich, daß manche von »uns« dann aber eben doch kritisch bzw. ungläubig sind, was offizielle Daten oder (die Vorgaben von) Leitfiguren angeht?

BERNHARD MÜNSTERMANN, 11. September 2021, 14:35 UHR

Am 20. Jahrestag dieses Ereignisse ist es im Licht des aktuellen Narrativs vom Corona-Killervirus wichtig, das Spotlight noch einmal auf die 2 Dekaden zurückliegenden Ereignisse zu richten. Im Artikel wird die Examensarbeit von Tim Schall an der Technischen Hochschule Stuttgart erwähnt, die im Netz vollständig hochgeladen zu finden ist. An der Konzeption dieser Examensarbeit fiel mir auf, dass auch manche Bauingenieure durchaus einen Sinn für diplomatische Vorgehensweise haben. Denn neben dem Examenskandidaten, dem seine Prüfer sicher den Start als junger Bauingenieur im Beruf nicht erschweren wollten, sind eben auch die beiden akademischen Prüfer selbst lobend zu erwähnen. Denn die haben ein solches Thema für eine Examensarbeit angenommen und mit dem Kandidaten vermutlich eine kluge Vorgehensweise im Vorfeld besprochen. Es ist für mich ein schönes Beispiel dafür, wie man die Spielräume im Bildungsbereich doch nutzen und ausschöpfen kann, so man es denn überhaupt will. Es ist schon beklagenswert, dass bei so wenigen Hochschullehrern an den Technischen Hochschulen dafür die Zivilcourage und ihre gesellschaftliche Verantwortung zur Klärung der in ihr Fach fallenden Fragen zu sehen ist. Die Parallelen zum aktuellen Verhalten der Mediziner sind nicht zu übersehen. Die Mutigen auch unter ihnen sind gemessen an der Gesamtzahl von Ärzten und Hochschullehrern im Fachbereich Medizin auch hier wieder die Wenigen. Die Wenigen, auf die es desto mehr ankommt.

LEO HOHENSEE, 14. September 2021, 19:35 UHR

Nach dem besagten 11.9. habe ich mir auf Youtube dutzende Filme von Sprengungen großer Gebäude angesehen. Es gibt „gelungene“ Beispiele dafür, dass Gebäude bei „geplanter“ Gewaltanwendung so richtig in sich zusammensacken. Es gibt aber genauso viele Beispiele dafür, dass irgendwelche Gebäudeteile kippen – also ihr Standvermögen nicht senkrecht nach unten verlieren sondern in einer Kippbewegung einstürzen. Bei den zwei Türmen von 400 Metern Höhe und einem 100 Meter breiten und mit Penthouse über 200 Meter hohen Gebäude sehen wir ein geradezu perfektes "In Sich Zusammen-Sacken". Die Trümmer landen nahezu im eigenen Grundriss. Ein solches Ergebnis würde einen Sprengmeister adeln. Einmal anders gedacht, wenn es sich tatsächlich um das Ergebnis von Sprengungen handelt, dann wäre ein tausendfacher Mord begangen und in Kauf genommen worden. Mal abgesehen von der Fachkompetenz und der Ausführungsorganisation müsste man fragen, wer ist zu so etwas imstande? Warum wird nicht höchstrichterlich eine eingehende Untersuchung angeordnet? Fürchten Richter möglicherweise so zu enden wie J.F.K. // Wenn es Machtstrukturen im Hintergrund gibt, die solche Skrupellosigkeit besitzen, dann dürfte für diese die Organisation auch sonst jeder nur denkbaren menschlichen Sauerei so etwas sein, wie das Bewegen der Schachfiguren auf dem Spielbrett.

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