Manova:
Die Frau rauslassen – Auszug: „Wenn wir uns nicht im Kreis drehen wollen, braucht es die männliche und die weibliche Energie zusammen. (…) Was machen wir mit den Enthüllungen, der Empörung, der Wut? Wofür nutzen wir die dadurch ausgelösten Gefühle? Lassen wir sie ansteigen, bis irgendwann das Fass voll ist und wir vor Genugtuung oder Fatalismus platzen, oder nehmen wir die Enthüllungen als Impuls, etwas Neues zu wagen, sozusagen einen neuen Tanz, bei dem beide Partner abwechselnd die Führung übernehmen? (…) Werden die Männer nicht nur ein lapidares 'Na, dann macht doch' hinwerfen, sondern die Frauen dabei unterstützen, zum Ausdruck zu kommen?“
Unherd:
The lost lessons of lockdown (Die verpassten Lehren des Lockdowns, Interview mit Sunetra Gupta, Professorin für Theoretische Epidemiologie an der Universität Oxford zum britischen Untersuchungsbericht) – Auszug (übersetzt): „Ich glaube nicht, dass Modellrechnungen derartige Fakten [wie die Reduktion von Todesfällen] nachweisen können. (…) Man kann (…) [Modellrechnungen] nicht wie eine Art Kristallkugel verwenden, um genau zu sagen, wie viele Leben gerettet worden wären oder was passiert wäre, wenn man früher oder später einen Lockdown verhängt hätte. (…) [D]as Einzige, worüber wir uns sicher waren und wofür wir leider mittlerweile auch viele Belege haben, ist, dass Lockdowns enormen Schaden anrichten würden. (…) Was wir nicht wussten und, wie ich höflich formuliert habe, auch weiterhin nicht wissen, war, ob diese Maßnahmen tatsächlich einen Einfluss auf die Ausbreitung der Epidemie haben würden. Ob wir sie kontrollieren könnten und was überhaupt der Zweck einer Eindämmung wäre. Denn die Ausbreitung einer Krankheit und der Aufbau von Immunität in der Bevölkerung, ist eine der wichtigsten Möglichkeiten, um mit der Krankheit zurechtzukommen. Wir haben das getan, worüber wir uns am wenigsten sicher waren, und das ignoriert, worüber wir uns am sichersten waren. Diese Diskussionen kann ich in diesem Dokument nicht erkennen.“ (Video 35 Minuten)
NachDenkSeiten:
Schulstreiks gegen Wehrpflicht: Kommen jetzt die „Fridays for Frieden“? – Auszug: „Am 5. Dezember rufen bundesweit Schüler und Jugendbündnisse zu Schulstreiks und Kundgebungen gegen die Wiedereinführung der Wehrpflicht auf. (…) In zahlreichen Orten – unter vielen anderen in Berlin, Bochum, Dortmund, Bielefeld, Essen, Göttingen, Hannover, Kassel, Köln, Münster, München, Potsdam und Trier – laufen demnach bereits konkrete Vorbereitungen für Schulstreiks. (…) Infos zu den Aktionen am 5. Dezember finden sich laut den Berichten auf der Internetseite ‚Schulstreik gegen Wehrpflicht‘ (…) Es wird (…) interessant sein, zu beobachten, wie sich die Unterstützer der Klimastreiks (…) nun gegenüber den Schulstreiks gegen Militarisierung positionieren werden“.
Le Monde diplomatique (Januar 2024):
Wie imperialistisch ist Putins Russland? – Auszug: „Nach 1991 begann sich der Begriff durchzusetzen, unter anderem dank der viel beachteten Publikationen des Historikers Timothy Snyder (...) und der Journalistin Anne Applebaum. In der historischen Forschung vollzog sich eine Neubewertung der sowjetischen Ära durch das Prisma des Begriffs ‚Imperium‘. (…). Aus dieser politischen Sichtweise, (…), entsprang die Idee einer Eindämmungspolitik gegenüber Moskau, also der Ausweitung der Nato nach Osten, wiewohl Russland seit Auflösung der Sowjetunion bereits dramatisch geschwächt war. (…) In den 1990er Jahren herrschte in Moskau eher die Vorstellung, Russland und die Ukraine könnten eine neue Art von Bündnis nach dem Vorbild der russisch-belarussischen ‚Union‘ von 1997 eingehen. (…) Die Vorstellung (…), der Krieg gegen die Ukraine sei nur Auftakt zur Eroberung von Vilnius, Tallin oder Warschau, entbehrt jeder Logik. (…) Ziel ist vielmehr, das ‚nationale Herz‘ neu zu definieren (…). In diesem Sinne könnte man die derzeitige Phase des Konflikts als postimperial bezeichnen – oder noch präziser als nationalistischen Konflikt, der an die Konfrontation zwischen Serbien und Kroatien erinnert.“
Netzpolitik:
Novelle des Polizeigesetzes: Sachsen will anlasslos mit Drohnen in fahrende Autos filmen – Auszug: „Die sächsische Polizei soll Menschen, die beim Autofahren ihr Handy bedienen, mit Drohnen jagen. (…) Die Polizei soll in Zukunft auch Verhaltensscanner, Palantir-Datenanalyse, Live-Gesichtserkennung, Gesichter-Suchmaschinen und Staatstrojaner nutzen dürfen. (…) Als Minderheitsregierung braucht die schwarz-rote Koalition zur Verabschiedung des Entwurfs die Stimmen aus der Opposition, von BSW, Grünen, Linken oder auch der AfD. Ministerpräsident Michael Kretschmer, CDU, schließt eine Zusammenarbeit mit der Partei nicht aus.“
Al Jazeera:
Opinion: A corruption scandal may well end the war in Ukraine (Kommentar: Ein Korruptionsskandal könnte den Krieg in der Ukraine beenden) – Auszug (übersetzt): „Am 10. November enthüllten die ukrainischen Anti-Korruptions-Behörden, dass enge Vertraute des ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenski mutmaßlich in einen Plan involviert waren, 100 Millionen Dollar aus dem Energiesektor der Ukraine zu unterschlagen. Selenskis Geschäftspartner Tymur Mindich sowie zwei Minister wurden im Rahmen der Ermittlung genannt, die von dem nationalen Anti-Korruptions-Büro der Ukraine (NABU) geleitet werden, eine Agentur, die von westlichen Regierungen unterstützt wird. (…) Die Art und Weise, wie bei der Ermittlung Fakten enthüllt und Verdächtige identifiziert wurden – langsam, theatralisch, strategisch – hat den Beigeschmack einer politischen Kampagne, die darauf abzielt, unter dem Deckmantel der Korruptionsbekämpfung politische Ziele zu erreichen. Der Skandal verursachte einen schweren Schlag für Selenskis internationale Reputation und für die ukrainische Sache generell. Der ukrainische Präsident geht daraus als ‚lahme Ente‘ hervor, die alles tun wird, was ihr gesagt wird von wem auch immer, der die Fäden zieht, was die Administration der USA unter Donald Trump sein könnte.“
BSW (14.11.):
22 Prominente fordern Neuauszählung der Bundestagswahl ‒ Auszug: „Wird bei einem derart knappen Ergebnis eine Überprüfung verweigert oder auf die lange Bank geschoben, leidet das Vertrauen in die Demokratie. Wir fordern daher den Wahlprüfungsausschuss des Bundestages auf, ohne weiteren Zeitverzug den Weg für eine Neuauszählung freizumachen. Unterzeichner: Dr. Franziska Augstein, Journalistin, (...) Prof. Dr. Christoph Degenhart, em. o. Prof. für Staats- und Verwaltungsrecht, Richter am Sächsischen Verfassungsgerichtshof a.D., (...) Prof. Dr. Reinhard Merkel, Rechtsphilosoph, (...) Günter Verheugen, Vizepräsident der Europäischen Kommission a.D.“
Berliner Zeitung:
Ukraine-Verhandlungen in Genf: „Die Europäer sind Zaungast und zahlen“ (Interview mit Erich Vad) ‒ Auszug: „[Vad:] Der amerikanische Plan ist im Vergleich zu den Initiativen, die es aus Brasilien, China, Südafrika, dem Vatikan und anderen Staaten gab, sehr viel konkreter. Ich finde es deswegen auch fehl am Platz, jetzt von der europäischen Seite nur zu kritisieren und hysterisch von Kapitulation zu reden, ohne endlich eigene konstruktive Vorschläge zu machen. Europa hatte fast dreieinhalb Jahre Zeit dazu, und gekommen ist nichts. (...) Natürlich profitieren die Amerikaner [vom Wiederaufbau der Ukraine] massiv. Das kann man kritisieren. Trump ist bekannt dafür, dass er nichts umsonst macht. (…) Die militärische Lage ist sehr kritisch für die Ukraine. Den Russen sind an mehreren Frontabschnitten Durchbrüche und Geländegewinne gelungen. Die für die Wintermonate wichtige Energieinfrastruktur der Ukraine ist durch die russischen Luftangriffe stark getroffen worden. (…) Der eindimensionale europäische Weg der Waffenlieferungen ohne einen einzigen Versuch des diplomatischen Interessenausgleichs ist vollkommen gescheitert. Deshalb sind die Europäer auch bei der Erarbeitung des Friedensplans und in den laufenden Verhandlungen mit Russland vollkommen außen vor. Am Ende bekommt Russland das, was es will ‒ und übrigens bereits so gut wie hat. Die USA wollen aus diesem Krieg in Europa raus und verdienen mit dem Plan sehr viel Geld mit Blick auf das Wiederaufbauprogramm und bilaterale Investitionsprojekte mit den Russen. Die Europäer zahlen und sind Zaungast.“
Axios:
Scoop: Trump plan asks Ukraine to cede additional territory for security guarantee (Scoop: Trump-Plan fordert Ukraine auf, zusätzliches Territorium für Sicherheitsgarantie abzutreten) – Auszug (übersetzt): „Der 28-Punkte-Plan von Trump sieht vor, dass Russland die vollständige faktische Kontrolle über Luhansk und Donezk (zusammen als Donbass bezeichnet) erhält, obwohl die Ukraine laut der neuesten Analyse des Institute for the Study of War immer noch etwa 14,5 % des dortigen Territoriums kontrolliert. (…) Laut einem US-Beamten vertritt das Weiße Haus die Ansicht, dass die Ukraine das Gebiet ohnehin verlieren würde, wenn der Krieg andauert, und ‚daher liegt es im Interesse der Ukraine, jetzt eine Einigung zu erzielen‘. (…) ‚Wir werden nun abwarten. Der Ball liegt jetzt bei Selenskyj‘, sagte der US-Beamte. Er fügte hinzu, Selenskyj könne nach Washington kommen, um den neuen US-Plan zu besprechen, wenn er wolle.“
Anti-Spiegel:
Ukraine: Warum der Korruptionsskandal die Geldflüsse aus Europa nicht beeinträchtigen wird – Auszug: „Nachdem der Skandal um Selenskys Umfeld bereits ausgebrochen war, erklärte Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius, dass Deutschland (...) weitere 150 Millionen Euro für den Kauf amerikanischer Waffen für die Ukraine bereitstellen werde. Nur einen Tag zuvor hatten Dänemark, Estland, Finnland, Island, Lettland, Litauen, Norwegen und Schweden beschlossen, der Ukraine im Rahmen desselben Programms 500 Millionen Euro zur Verfügung zu stellen. Die europäischen Staats- und Regierungschefs und ihre Medien tun so, als würden sie die Ereignisse in der Ukraine nicht bemerken.“
Berliner Zeitung:
Corona-Impfstoff und Übersterblichkeit: Warum hält die britische Regierung Daten zurück? – Auszug: „Die britische Gesundheitsbehörde UKHSA befürchtet Angst oder Ärger, sollten Daten zur Übersterblichkeit veröffentlicht werden. Was steckt dahinter? (...) Ben Kingsley, Rechtsdirektor von UsForThem, erklärte gegenüber The Telegraph, dass der Umgang der Behörde mit dem Fall ‚eine Verzweiflung‘ offenbare, ‚dass diese Daten unter keinen Umständen ans Licht kommen sollten‘. ‚Es ist pervers, dass die UKHSA argumentiert, die Daten nicht zu veröffentlichen, weil die Öffentlichkeit beunruhigt oder verärgert sein könnte, wenn Muster oder Korrelationen identifiziert werden‘, so Kingsley. (…) Ein Sprecher der UKHSA erklärte hingegen, der Schutz der Patientengeheimnisse habe höchste Priorität. ‚Die Veröffentlichung dieser Daten könnte das Risiko mit sich bringen, dass Einzelpersonen identifiziert werden, was zu erheblichem Stress führen würde‘.“
TASS:
Russia has no plans to attack NATO, but prepared for any developments – MFA (Außenministerium: Russland plant keinen Angriff auf die NATO, ist aber auf alle Entwicklungen vorbereitet) – Auszug (übersetzt): „Laut der Diplomatin scheinen die Äußerungen von Vertretern der NATO-Mitgliedstaaten zu diesem Thema Teil einer orchestrierten Kampagne zu sein, die darauf abzielt, die eigene Bevölkerung (…) an den Gedanken zu gewöhnen, dass ein Konflikt mit Russland unvermeidlich sei. (…) ‚Wenn NATO-Strategen verrückt genug sind, einen Angriff auf Russland zu beschließen, sollten sie sich darüber im Klaren sein, dass wir mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln reagieren werden – etwas, das die russische Führung wiederholt angekündigt hat‘, schloss die Diplomatin.“
NachDenkSeiten:
„Ethisch nicht mehr zu rechtfertigen“ – Die schärfste Kritik der atomaren Abschreckung lieferte (im Sommer 2019) – die katholische Kirche! – Auszug: „Unaufhebbar widersprüchlich ist die Abschreckungsstrategie, weil sie erstens als Strategie der ‚massiven Vergeltung‘, um glaubwürdig zu sein, genau das minutiös planen und vorbereiten muss, was sie angeblich verhindern will: Die alles vernichtende atomare Apokalypse. Sie ist es zweitens, wenn sie als Strategie der ‚flexible response‘ auf der Illusion basiert, den Ablauf eines atomaren Konflikts steuern, gar begrenzen und gewinnen zu können. ‚Damit aber‘, so die Autoren, ‚hebt sich die Strategie der atomaren Abschreckung selber auf. Denn womit ließe sich eine Atommacht, die einen atomaren Schlagabtausch siegreich beenden könnte, von einem Atomwaffenangriff abschrecken?‘“
Frankfurter Neue Presse:
Corona-Pandemie: Gesprächsrunde kritisiert Versagen auf allen Ebenen – Auszug: „‚Warum sind wir so miteinander umgegangen?‘, lautete die Frage der 170. ‚Bad Nauheimer Gespräche‘, einem Diskussionsformat mit Gesundheitsfokus, das verschiedene Ärzteorganisationen zusammen organisieren. Drei Redner näherten sich der Frage aus drei Blickwinkeln: Stefan Vogt, selbstständiger IT-Techniker, Impfskeptiker und Autor eines Buches, das ebenfalls ‚Warum sind wir so miteinander umgegangen?‘ heißt, sprach über die gesellschaftlichen Fehler während der Corona-Pandemie. Investigativreporterin Elke Bodderas analysierte das Versagen der Medien. Und René Gottschalk, Infektiologe und ehemaliger Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, erläuterte medizinische Entgleisungen dieser Zeit. (…) Bodderas versucht sich an einer Erklärung für das, was sie den ‚Sündenfall des Journalismus‘ nennt: sich, statt kritisch nachzufragen, zum Sprachrohr der Bundesregierung zu machen. (…) Die Publikumsreaktionen sind zustimmend, viele sind noch immer wütend. (…) ‚Ich wollte zu einem versöhnlichen Schluss kommen‘, sagt Moderatorin Ursel Heudorf. ‚Aber ich merke, wir sind zu früh für Versöhnung.‘ Stefan Vogt nickt. ‚Es wird eine Aufklärung geben. Aber dazu braucht es Außensicht und die wird erst die nächste Generation haben.‘“
Frankfurter Allgemeine:
Opfer des Verfassungsschutzes: Der Staatsfeind, der keiner war – Auszug: „16 Monate lang erhielt ein Professor in Hessen Lehrverbot, weil ihn der Verfassungsschutz dem ‚Rechtsextremismus‘ zuordnete. (…) Er erlebte verhörartige Situationen, auch seine Frau musste aussagen. Seine Kontobewegungen wurden abgefragt, was er durch einen Zufall erfuhr. (…) Der Verwaltungsgerichtshof hatte das Urteil der unteren Instanz aufgehoben und dem Professor in fast allen Punkten recht gegeben. (…). Auch wenn das Land Hessen die Verfahrenskosten tragen muste, bleibt der Professor auf Anwaltskosten von mehr als 50.000 Euro sitzen. (…) Der Professor erlebte dies als ‚kafkaeske Situation‘, weil zwei Behörden, der Verfassungsschutz und die Hochschule, ‚einen abstrakten Vorwurf konstruierten und die Verantwortung auf die jeweils andere schoben‘. (…) ‚Sie haben einen riesigen Aufwand betrieben‘, sagt der Professor und fragt sich, nicht zuletzt als Wirtschaftswissenschaftler, was diese maß- und nutzlose Überwachung den Steuerzahler gekostet habe.“ (Bezahlschranke)
Cicero:
Der Bundespräsident hat ein Demokratieproblem – Auszug: „‚Nie in der Geschichte unseres wiedervereinten Landes waren Demokratie und Freiheit so angegriffen‘, sagte [Bundespräsident Frank-Walter] Steinmeier in einer Rede im Schloss Bellevue. Und zwar ‚durch rechtsextreme Kräfte, die unsere Demokratie angreifen und an Zustimmung in der Bevölkerung gewinnen‘. (…) Ohne die AfD namentlich zu erwähnen, machte Steinmeier deutlich, dass es keine politische Zusammenarbeit mit ihr geben dürfe. (...) Und er rief dazu auf, ein mögliches Parteiverbot und die Fragen, die dafür juristisch erst einmal beantwortet werden müssten, gar nicht erst abzuwarten. (…) Die zentrale Aufgabe des Bundespräsidenten ist die Repräsentation Deutschlands (...) nach innen und außen. Seine Rolle ist überparteilich und integrativ. (…) Ein Bundespräsident, der das Amt im Sinne des Grundgesetzes ausfüllt, wäre einer, der (...) befriedend auf den demokratischen Diskurs einwirkt (...) – und keiner, der polarisiert gegen die größte Oppositionspartei im Land.“ (Bezahlschranke)
ZDF:
Erreicht das BSW eine Neuauszählung der Bundestagswahl? – Auszug: „‚Wagenknecht kritisiert jedoch, dass der [Wahlprüfungsausschuss des Bundestages] sehr, sehr selten tagt‘ und sich ‚spät konstituiert‘ habe. (...) Diese Vorwürfe weist der SPD-Politiker Johannes Fechner, selbst Mitglied im Wahlprüfungsausschuss, im ZDF zurück. (...) Es gehe auch nicht um Parteipolitik, sondern um die ‚ganz sachliche Prüfung‘, ob Wahlfehler vorlägen. (...) Was die Dauer des Verfahrens anbelange, zeigt er sich aber kritisch und räumt ein, dass die Prüfung ‚in der Tat sehr lange‘ dauere. (...) SPD-Politiker Fechner zeigt sich zuversichtlich, dass der Wahlprüfungsausschuss nun zügig sein Ergebnis vorlegen wird: ‚Ich hoffe, wir können nächste Woche, spätestens aber noch in diesem Jahr, zu einem Abschluss kommen.‘“
Berliner Zeitung:
Nach kritischer Frage an EU-Kommission: Journalist wird gefeuert – Auszug: „Nachdem die Kommission mehrfach betont hatte, Russland müsse für den Wiederaufbau der von Moskau zerstörten Infrastruktur in der Ukraine aufkommen, wollte [Gabriele] Nunziati wissen: ‚Wenn Russland für den Wiederaufbau der Ukraine zahlen muss, muss dann Israel für den Wiederaufbau des Gazastreifens zahlen?‘ (…) Zwei Wochen später, am 27. Oktober, erhielt Nunziati laut eigenen Angaben eine Mitteilung seiner Agentur, dass die Zusammenarbeit beendet werde. (…) Die Agenzia Nova begründete den Schritt damit, die Frage sei ‚fachlich falsch‘ gewesen. (…) ‚Schlimmer noch: Das Video zu seiner Frage wurde von russisch-nationalistischen Telegram-Kanälen und Medien mit Verbindungen zum politischen Islam und einer antieuropäischen Agenda aufgegriffen und weiterverbreitet. Dies brachte die Agentur in Verlegenheit, da sie als primäre Quelle größten Wert auf ihre Unabhängigkeit und die Objektivität ihrer Berichterstattung legt.‘ (…) Ein Journalist von Agenzia Nova, der anonym bleiben wollte, bezeichnete Nunziatis Fall als ‚Spitze des Eisbergs‘ einer wachsenden Selbstzensur im italienischen Journalismus, insbesondere beim Thema Israel.“
NDR:
Social Media: Wie der NDR trügerische Fake News aufspürt – Auszug: „Der NDR [hat sich] entschieden, nach dem Vorbild großer Medienhäuser wie der BBC oder der ‚Washington Post‘ ein Team zu gründen, das Fakten checkt und Dokumente, Fotos, Videos und Audios verifiziert. (...) ‚Wir prüfen nicht die eigenen Produkte, denn das ist ja journalistischer Standard, dass die Fakten in unseren Berichten stimmen‘, so [Teamleiter Sven] Lohmann. ‚Wir beschäftigen uns mit Fake News, die auf Social Media kursieren, wenn sie eine gewisse Relevanz, einen gewissen Verbreitungsgrad erreichen und die politische Meinungsbildung beeinflussen.‘“
Norbert Häring:
Venezuelas „Friedens“-Nobelpreisträgerin Machado will USA mit Ölreserven eine Intervention schmackhaft machen – Auszug: „Maria Machado sagte am 31. Oktober in der Mishal Husain Show des Nachrichtenkanals Bloomberg, US-Eskalation sei der einzige Weg, Venezuela zu befreien, und stellte den USA als Ertrag eines ‚unkonventionellen Regime-Change‘ Zugriff auf die großen Bodenschätze des Landes in Aussicht: ‚Wir haben in Venezuela die größten nachgewiesenen Ölreserven der Welt, das achtgrößte Erdgas-Reservoir, riesiges Potenzial in Elektrizität, Gold, wichtigen Mineralien und so weiter. Diese können nur freigesetzt werden mit einer Regierung, die Ordnung in dieses Chaos bringt, die die Märkte öffnet, die Rechtsstaatlichkeit einführt, die aufgeschlossen gegenüber internationalen Investitionen ist.‘“
Club der klaren Worte:
Die Fratzen der Gegenwart – Auszug: „Ich schreibe diese Zeilen knapp 24 Stunden nach jenem grotesken Schauspiel, das sich Jahr für Jahr in deutschen Vorgärten, Einkaufsstraßen und Wohnzimmern wiederholt – Halloween. Ein Fest, das mit jener beunruhigenden Selbstverständlichkeit in unser Land eingesickert ist. Was, frage ich, haben wir mit einem alten keltischen Brauch zu tun, der die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten verwischt? Der von irischen Auswanderern nach Amerika getragen und dort zu einer Marketingmaschine pervertiert wurde, bevor er – verpackt in Hollywood-Serien und Plastikgrusel aus Fernost – auf der Überholspur an unserem Erntedankfest vorbeiraste? (…) Übrig bleibt ein aggressiver Zirkus aus Blut, Kunstlatex und Überreiz. Der Tod wird zur Kulisse, das Gruseln zur Pose, und die Kinder – einst mit Laternen beim Sankt-Martins-Umzug unterwegs – schleppen heute Plastikkürbisse voller Zuckergift durch die Straßen. Die letzte Verbindung zu Sinn und Symbolik ist gekappt. Es ist, als habe die Gesellschaft beschlossen, das eigene kulturelle Gedächtnis auszulöschen – freiwillig, fröhlich und bunt illuminiert. Man empört sich lautstark über transatlantische Abhängigkeiten, über kulturelle Kolonialisierung, und doch schaukelt dieselbe Klientel ihre blutverschmierten Kinder im Lastenrad von Haustür zu Haustür. Wer über geistige Selbstbestimmung spricht, während er zugleich die Marketingzombies der amerikanischen Unterhaltungsindustrie füttert, der gleicht einem Diätberater im Schnellrestaurant.“
Berliner Zeitung:
In eigener Sache. Philippe Debionne: Wir werden den Weg, den die Berliner Zeitung eingeschlagen hat, mit erhobenem Haupt und furchtlos weitergehen – Auszug: „Der neue Chefredakteur der Berliner Zeitung dankt in seiner Antrittskolumne seinem Vorgänger Tomasz Kurianowicz und verspricht: Wir lassen die Mächtigen nicht aus der Verantwortung. (…) Als Vater einer Ost-West-Familie habe ich in diesem Zusammenhang gelernt, dass der Westen dem Osten zuhören sollte. Das Zauberwort: Selbstreflexion. (…) Wenn aber bestehende Machtstrukturen klug und zugleich bissig infrage gestellt werden, gefällt das naturgemäß nicht jedem. Die Folge: Man wird angegriffen, verleumdet, diffamiert. Als Institution, als Journalist, als Privatmensch. (…) Ich sehe mit großer Besorgnis, dass ein großer Teil der deutschen Medienlandschaft den Grundsatz der gedanklichen Unabhängigkeit und die Aufgabe, staatliche Institutionen zu kritisieren, wo immer es nötig ist, und damit die vierte Gewalt zu sein, offenbar nicht nur vergessen hat, sondern gezielt und mit großem Eifer zu Grabe tragen will. Das ist für unsere Gesellschaft brandgefährlich.“
28. November 2025