Empfehlungen Juni 2025

Telepolis: Operation Spinnennetz: Gamechanger im Ukraine-Krieg? – Auszug: „Die Ukraine könnte mit der ‚Operation Spinnennetz‘ eine rote Linie überschritten haben, deren Tragweite bisher nicht vollständig absehbar ist. Erstmals in der Geschichte griff ein nicht nuklearer Staat gezielt die strategische Bomberflotte einer Atommacht an – jene Komponente der nuklearen Triade, die seit dem Kalten Krieg als Rückgrat der Abschreckung gilt. (…) Satellitenaufnahmen sollen mindestens acht komplett zerstörte Bomber allein auf dem Luftwaffenstützpunkt Belaja bestätigen – vier Tu-95 und vier Tu-22M3, von denen drei in gehärteten Schutzunterständen standen. Der ukrainische Geheimdienst SBU behauptet hingegen, 34 Prozent von Russlands strategischen Bombern getroffen zu haben, was bis zu 40 zerstörte Maschinen bedeuten würde. (…) Zehn zerstörte Bomber wären ein herber Rückschlag – vierzig eine strategische Katastrophe. Im ersten Fall könnte Moskau den Angriff als bedauerlichen, aber begrenzten Schlag bewerten. Im zweiten Fall stünde die russische Führung vor der Erkenntnis, dass ihre nukleare Triade systematisch demontiert wird – mit allen Konsequenzen für die weitere Kriegsführung. (…) Die Operation wirft schwerwiegende völkerrechtliche Fragen auf. Die Nutzung ziviler Lastkraftwagen zur Tarnung militärischer Drohnen durch ukrainische Streitkräfte könnte gegen fundamentale Prinzipien des humanitären Völkerrechts verstoßen. (…) Die außergewöhnliche Reichweite und Komplexität der Operation ‚Spider Web‘ wirft fundamental die Frage nach amerikanischer Beteiligung auf. (…) Aus Moskauer Sicht können die USA nicht gleichzeitig die Ukraine mit Geheimdienstdaten versorgen und dann glaubhaft bestreiten, von deren Verwendung zu wissen.“

Nachdenkseiten: Exklusivinterview „Ein höchst riskantes Spiel“ – General a. D. Kujat zu den Drohnenangriffen auf strategische Bomber Russlands – Auszug: „Trotz der offensichtlichen Erfolge hat dieser Angriff keine nennenswerten Auswirkungen auf die Lage an der Front oder die Verteidigung der Ukraine gegen russische Luftangriffe, auch wenn der Eindruck erweckt werden soll, dies sei der Fall. (…) Die Angriffe richteten sich gegen die interkontinental-strategische Bomberflotte Russlands. (…) Zwar werden – abhängig von der Zahl der tatsächlich zerstörten Flugzeuge – die Möglichkeiten Russlands, Marschflugkörper gegen die Ukraine einzusetzen, etwas einschränkt, aber dieser Effekt hat keine strategischen Auswirkungen. (…) Ich kenne nicht die Ziele der ukrainischen Führung, aber es liegt nahe, dass man versucht, den Krieg auszuweiten, indem eine scharfe russische Reaktion provoziert wird, die ein Eingreifen des Westens zur Folge hat. Das wäre eine sehr gefährliche Entwicklung. (…) Es handelt sich um Anschläge, nicht um eine militärische Aktion im eigentlichen Sinne. Solche Anschläge sind in jedem Land möglich. Hinzu kommt, dass der New-START-Vertrag zwischen den USA und Russland dazu verpflichtet, strategische Bomber auf bestimmten Flugplätzen so zu positionieren, dass sie für die vereinbarten Inspektionen sichtbar sind. In der Praxis heißt das, in offenen Hangars oder auf dem Rollfeld, nicht verdeckt in geschlossenen Gebäuden. Diese Regelung dient der Überprüfbarkeit, ob der Vertrag eingehalten wird, und ist Teil der gegenseitigen Vertrauensbildung. Die Flugzeuge sind damit jedoch gut zu bekämpfende Ziele.“