Empfehlungen April 2025

Cicero: Trump wird „Chimerica“ nicht zerstören können – Auszug: „Im Zuge der Industrialisierung wuchs China zur zweitgrößten Wirtschaftsmacht der Welt, während die USA einfachere Güter im Tausch gegen Staatsanleihen importieren konnten. Das half den amerikanischen Konsumenten und erlaubte den Unternehmen, ihre Ressourcen auf die Entwicklung von Spitzentechnologie zu konzentrieren. Doch es gab auch Verlierer aus dieser Symbiose. Jobs in den älteren Industriezweigen wanderten aus den USA ab. Und nur wenige dadurch freigesetzte Industriearbeiter schafften den Aufstieg in die Wissensökonomie. (…) Obwohl Donald Trump aus einer reichen New Yorker Familie stammt und anders als sein Vizepräsident mit den Globalisierungsverlierern nichts gemein hat, hat er diese von anderen Politikern lange vernachlässigte (und von Hillary Clinton ‚erbärmlich‘ genannte) Gruppe als Wählerpotenzial entdeckt und für sich erschlossen. Sein Ziel ist es, mit einer aggressiven Zollpolitik die verlorenen Jobs in der Industrie zurückzuholen. (…) Mit der Rückabwicklung von ‚Chimerica‘ und dem Versuch einer ‚De-Globalisierung‘ stößt Trump jedoch an seine Grenzen. Die Finanzialisierung der US-Wirtschaft ist zu weit entwickelt, und die USA sind als Spinne im Netz des globalen Finanzsystems zu tief verankert, als dass Trumps Programm der Reindustrialisierung ohne große Verwerfungen verwirklicht werden könnte. Angesichts der industriellen Verflechtung und der Gläubiger-Schuldner-Beziehung zwischen China und den USA ist auch eine abrupte Beendigung der chinesisch-amerikanischen Symbiose kaum möglich.“