Empfehlungen Januar 2025

27. Januar 2025

Berliner Zeitung: „Bemerkenswertes Umschwenken“: Christian Drosten äußert sich zu Corona-Ursprung – Auszug:„Er halte einen natürlichen Ursprung ‚immer noch für wahrscheinlich, und das nehmen auch fast alle Wissenschaftler an, die mit dem Thema befasst sind. Annehmen heißt aber nicht wissen‘. Ein Beweis fehle für den natürlichen Ursprung genauso wie für die Laborthese. Das Frappierende sei aber, so Drosten, ‚dass der Beweis für den natürlichen Ursprung eigentlich erbracht werden könnte. Chinesische Wissenschaftler haben dafür alle technischen Möglichkeiten.‘ Beim Sars-1-Ausbruch 2002/2003 habe es auch ein paar Jahre gedauert, aber dann seien immer mehr Studien aus China gekommen, ‚die wasserdicht gemacht haben, dass dieses Virus aus Tieren kommt‘. Diese Erwartung habe er auch bei Sars-CoV-2 gehabt, so der Wissenschaftler. Er müsse aber sagen, je mehr Zeit vergehe, desto skeptischer werde er. ‚Verbietet die Staatsräson, dass daran gearbeitet wird? Mag sein. Die andere Erklärung wäre aber, dass da gar kein natürliches Virus war. Die Politik sollte nach all den Jahren deutlicher die Forderung an China stellen, jetzt wirklich zu beweisen, dass es aus der Natur kommt.‘ (...) Tatsächlich werden Drostens Äußerungen in den sozialen Medien bereits kritisch diskutiert. ‚Drostens Positionen mutieren rascher als das Virus‘, schreibt die Welt-Redakteurin Elke Bodderas bei X. Sie thematisiert auch einen offenen Lancet-Brief von 2020, in dem sich Drosten und andere Wissenschaftler so äußerten: ‚(...) Wir verurteilen gemeinsam Verschwörungstheorien, die suggerieren, dass Covid-19 keinen natürlichen Ursprung hat, aufs Schärfste.‘“

taz: Christian Drosten: „Je mehr Zeit vergeht, desto skeptischer werde ich“ (Interview mit Christian Drosten zur Herkunft des Coronavirus) – Auszug: „Es ist eine monströse Vorstellung, dass in einem Labor ein gefährliches Virus entwickelt wird, das dann vielleicht durch Schlamperei entweicht, und am Ende haben wir eine Pandemie. taz: Genau so ein Laborunfall wird immer noch als Auslöser der Coronapandemie diskutiert. (...) Drosten: (...) Im Vergleich wird die Diskussion allerdings in den USA viel schillernder geführt, viel kontroverser. Dort kommen auch Informationen aus Ministerien und Sicherheitsbehörden in die Öffentlichkeit, ohne dass Belege geliefert werden. taz: Liegt es auch an Ihnen, dass in Deutschland weniger hitzig diskutiert wird? Schließlich haben Sie von Anfang an vehement argumentiert, dass ein natürlicher Ursprung wahrscheinlicher ist als ein Laborunfall. Drosten: Die Vehemenz wurde mir vielleicht nachgesagt, aber so war das nie. Ich habe einfach das wiedergegeben, was wir in meinem Wissenschaftsfach wissen. Und ich muss auch darauf hinweisen, dass sich die Datenlage seit 2020 weiterentwickelt hat und meine Bewertung ebenso. (…) taz: In Wuhan gibt es allerdings, und das ist sicher der Ursprung für alle Spekulationen, auch ein Labor, das an Sars-Viren forscht. (…) Als Sie die ersten Nachrichten über ein unbekanntes Virus aus Wuhan gehört haben, kam Ihnen das nicht komisch vor? Ausgerechnet Wuhan. Drosten: Nein. Meine Assoziation war eher: Das trifft sich ja gut, dann ist direkt jemand vor Ort, der sich damit befassen kann. Ich hatte gleich am Anfang die leitende Wissenschaftlerin kontaktiert und hatte den Eindruck, sie weiß selbst noch nicht, was genau passiert (...).“

Novo Argumente: Hysterie wegen eines Gesprächs – Auszug: „Die hysterischen Reaktionen auf das Gespräch zwischen Elon Musk und Alice Weidel sprechen für einen zensorischen Geist. (…) Robert Habeck – der nach längerer Abstinenz zu Wahlkampfzwecken gerade wieder auf X zurückgekehrt ist – forderte seinerseits von Musk ‚die Offenlegung der Algorithmen‘, da diese der AfD einen ‚geldwerten Vorteil‘ im Wahlkampf verschaffen könnten. (…) Die Unterstellung Habecks (...) ist angesichts dieser Realität geradezu unverschämt. Seit Jahren stehen die öffentlich-rechtlichen Medien, die jährlich mit neun Milliarden Euro an Gebührengeldern finanziert werden, in der Kritik. Die Aufmerksamkeit, die die AfD dort erhält, steht in keinem Verhältnis zu ihrem tatsächlichen Stimmenanteil bei Wahlen. So waren allein in den Talkshows von ARD und ZDF im vergangenen Jahr die Vertreter von CDU und Grünen stärker vertreten als es ihrem Anteil im Bundestag entspricht. Bei der AfD hingegen war das Verhältnis 2,6 Prozent (Talkshowauftritte) zu 10,4 Prozent (Stimmenanteil im Bundestag). Bei den Interviews in den Nachrichtensendern dürfte diese Diskrepanz noch deutlicher ausfallen. (...) Die Berichterstattung spiegelt die Vorlieben der Journalisten wider. Im Jahr 2020 erregte eine Umfrage unter ARD-Volontären Aufsehen. Von den Nachwuchsjournalisten gaben 92 Prozent an, bei einer anstehenden Wahl entweder die Grünen (57 Prozent), die Linke (23 Prozent) oder die SPD (12 Prozent) zu wählen. Wie wenig sich daran geändert hat, zeigt eine Langzeitstudie der TU Dortmund, deren Ergebnisse im Herbst letzten Jahres veröffentlicht wurden. Danach gaben 41 Prozent aller Journalisten an, den Grünen nahe zu stehen, während die AfD nicht einmal aufgeführt wurde. (...) Die Rufe nach einer stärkeren Kontrolle von Elon Musks X werden immer lauter. Dahinter steckt die Angst vor den Wählern, deren Möglichkeiten, sich umfassend zu informieren, immer weiter eingeschränkt werden sollen.“

Jim Haslam (2. Januar): 7 questions to Christian Drosten: From a concerned but anonymous scientist (Sieben Fragen an Christian Drosten von einem besorgten, aber anonymen Wissenschaftler) – Auszug (übersetzt): „Die Ursprünge von SARS-CoV-2 können folglich ohne MERS, MERS GoF [Gain of Function] (…) und insbesondere ohne die Rolle Deutschlands nicht gänzlich verstanden werden: Denn unter deutscher Führung (mit Christian Drosten als maßgeblich beteiligtem Wissenschaftler und Koordinator) beschäftigte sich ein internationales MERS Forschungskonsortium (RAPID, Risk Assessment in Pre-pandemic Respiratory Infectious Diseases) zwischen 2017 und 2022 mit MERS Gain-of-Function-Forschung und der Untersuchung pandemischer Potentiale: (…) Die Forschung des RAPID (MERS) Konsortiums wurde eigens in Zusammenarbeit mit Partnern in Saudi Arabien (…) durchgeführt. (…) Drosten sollten daher z.B. folgende Fragen gestellt werden: (…) Welche Art von MERS GoF-Experimenten wurden unter Ihrer wissenschaftlichen Leitung wann, wo, von wem durchgeführt (…)? (…) Beinhaltete Ihre Arbeit (…) vor März 2020 Dual-Use-Forschung (…) und/oder Gain-of-Function Forschung zu SARSr-CoV oder MERS CoV? (…) Wussten Sie während Ihrer internationalen Kollaboration unter dem RAPID Konsortium und/oder während Sie eine Forschungsposition in der Special Infectious Agents Unit in Dschidda in Saudi Arabien innehatten, über die gefährlich niedrigen Biosicherheits- und Dual-use-Standards und über die mangelnde Aufsicht in Saudi Arabiens Virologie-Laboren Bescheid?“

Nachdenkseiten: Warum befindet sich die westliche Demokratie in der Krise? – Auszug: „Niemand ist weltweit so unzufrieden mit seiner Regierung wie die Menschen in den westlichen Demokratien. In keinem einzigen größeren westlichen Land kommt der jeweilige aktuelle Regierungschef auf positive Zustimmungswerte. (…) Das Schlusslicht bildet der putschende Südkoreaner Yoon Suk-Yeol mit 15 Prozent Zustimmung, aber auch Petr Fiala (Tschechien), Emmanuel Macron (Frankreich) und unser Olaf Scholz können mit 17 Prozent, 18 Prozent und 19 Prozent nur Zustimmungswerte vorweisen, die man eigentlich nur als katastrophal bezeichnen kann. (…) Bei einer funktionierenden Demokratie sollte man ja eigentlich davon ausgehen, dass die Regierung mehr Anhänger als Gegner hat. (…) Unsere real existierenden westlich-liberalen Demokratien zeigen jedoch, dass heutzutage das genaue Gegenteil die Regel und nicht die Ausnahme ist. Sei es der scheidende US-Präsident Biden, die in dieser Woche zurückgetretenen Regierungschefs Trudeau (Kanada) und Nehammer (Österreich) oder die noch vergleichsweise frischen Premiers Starmer (Großbritannien) und Ishiba (Japan) – keiner kommt auf deutlich mehr als ein Drittel Zustimmung. (…) Sicher, Demokratie lebt vom Widerspruch und es ist per se nicht problematisch, dass in einigen Ländern zu einigen Zeiten die Regierungen eher unbeliebt sind. Wenn allerdings in allen Ländern zu allen Zeiten die Regierungen unbeliebt sind, ist dies eine Legitimationskrise des Systems.“