Empfehlungen Oktober 2024

Nachdenkseiten: General a. D. Harald Kujat: „Selenskyjs Drohung hätte eine harte Reaktion des Westens erfordert“ (Interview mit dem früheren Bundeswehr-Chef Harald Kujat) – Auszug: „[Frage:] Wie bewerten Sie es, dass Selenskyj entweder eine NATO-Mitgliedschaft fordert oder eigene Atomwaffen? [Kujat:] Selenskyj hat diese Forderung auf dem EU-Gipfel später etwas relativiert. Er hat jedoch bereits am 19. Februar 2022 auf der Münchner Sicherheitskonferenz Andeutungen in diesem Sinne gemacht, indem er ankündigte, dass die Ukraine möglicherweise das Budapester Memorandum von 1994 infrage stellen könnte, falls sie keinen effektiven Schutz vor einer russischen Aggression erhält. (…) Bei allem Verständnis für die verzweifelte Lage der Ukraine ist das eine Drohung, die eine harte Reaktion des Westens erfordert hätte. Sie wirft ein Licht auf die Unberechenbarkeit des ukrainischen Präsidenten und die politischen Beschränkungen, die sich der Westen mit seiner So-lange-wie-nötig-Politik auferlegt hat. (…) Die auch im Westen immer wieder geführte Diskussion über die nuklearen Kapazitäten, über die die Ukraine verfügen könnte, hätte sie nicht darauf verzichtet, ist eine unhaltbare Spekulation. Nach der Auflösung der Sowjetunion befand sich zwar noch eine erhebliche Zahl ihrer Nuklearwaffen auf ukrainischem Territorium, aber die Ukraine hatte keine Verfügungsgewalt über diese Systeme. Die nuklearen Gefechtsköpfe und Trägersysteme blieben unter der operativen Kontrolle Russlands. Russland verfügte nach wie vor über die für den Einsatz erforderlichen Kommandostrukturen, Einsatzverfahren und technischen Mittel wie beispielsweise die PAL-Codes (Permissive Action Links), ohne deren Kenntnis die Waffensysteme deaktiviert und funktionsunfähig bleiben.“

NDR: Maritimes Hauptquartier Rostock: Ist Russlands Kritik legitim? (Interview mit Sebastian Bruns (Universität Kiel), Video, knapp vier Minuten) (Anmerkung Stefan Korinth: Das kurze Interview mit dem Fachmann für maritime Sicherheit ist in vielerlei Hinsicht interessant. Selbstverständlich erklärt er, dass die deutsche Bundesregierung recht hat und der Zwei-plus-Vier-Vertrag hier nicht verletzt wird. Doch zum einen erwähnt der NDR den transatlantischen Hintergrund des Interviewpartners nicht, der u.a. Militär- und verteidigungspolitischer Referent am US-Repräsentantenhaus war und seinen Publikationen zufolge enge Verbindungen zur US-Navy hat. Zum anderen sind seine Argumente, es handele sich nicht um ein Nato-Kommando sondern um eine deutsche Einrichtung, kaum tragfähig. Der NDR selbst hatte das Zentrum vor vier Tagen als „neues taktisches Hauptquartier für die NATO“ mit bis zu 240 Posten für ausländische Offiziere bezeichnet. Auch der Arbeitsauftrag widerspricht offensichtlich der Idee einer rein deutschen Einrichtung, denn das neue Hauptquartier „koordiniert die Aktivitäten aller alliierten Marinen in der Ostsee“, erklärt Bruns selbst. Das sei nötig, denn schließlich bedrohe Russland die „maritime Infrastruktur“ der Ostsee – wie etwa Pipelines. Das neue Zentrum kontrolliere künftig „alles, was sich auf, unter und über Wasser tut“, ergänzt der Moderator. Gutmütige NDR-Zuschauer könnten sich denken: Schade, dass dieses Kommando erst nach der Nordstream-Sprengung eingerichtet wurde.)

Cicero: BSW setzt Bedingungen für Koalitionsverhandlungen: Zunehmender Wille zur Eskalation – Auszug: „Katja Wolf strebt in Erfurt ein Regierungsamt an, um die Dinge für Thüringen voranzubringen. Sahra Wagenknecht hingegen wird alles dafür tun, um die Christdemokraten vor sich her und Friedrich Merz in die Enge zu treiben. (…) Denn es ist weiterhin unklar, in welcher Form und an welcher Stelle die sogenannte Friedensklausel in einen möglichen Koalitionsvertrag Eingang finden soll, auf der das BSW besteht. (…) Noch vor wenigen Tagen ließ sich Wolf in einem Interview für Zeit Online mit den Worten zitieren, eine entsprechende Präambel sei ‚wichtig‘ – aber es gehe nicht ohne Kompromisse: 'Es ist wie eine saure Zitrone, in die jeder von uns beißen muss und ungefähr denselben Schmerz empfindet.‘ (…) ‚Die komplette Ablehnung von Waffenlieferungen würden CDU und SPD nicht mittragen können.‘ Letztere Einsicht dürfte wiederum im nicht allzu fernen Berlin, wo sich die BSW-Zentrale in einer Wohnung im Bezirk Mitte eingerichtet hat, für Alarmstimmung gesorgt haben. Denn schon am Wochenende meldete sich Sahra Wagenknecht selbst zu Wort und nahm Wolfs Zitronen-Metapher auf: Es gehe nicht darum, ‚ob wir Schmerzen empfinden, sondern ob wir unsere Wähler enttäuschen‘. Dies werde man auf keinen Fall tun. (…) Sie möchte die SPD und mehr noch die CDU unbedingt dazu bringen, ihre eigene antiamerikanische Agenda zu übernehmen, und somit einen Keil in die etablierte Parteienlandschaft treiben.“ (Anmerkung Paul Schreyer: Ein bemerkenswertes Framing des Cicero-Chefredakteurs Alexander Marguier: Die Forderung nach Frieden und einem Stopp von Waffenlieferungen sei „antiamerikanisch“. Muss man schlussfolgern, dass er Krieg und Gewalt für „amerikanisch“ hält?)

Overton Magazin: „Als Arzt läuft es mir kalt den Rücken hinunter“ – Auszug: „Die FDP will die Organspende liberalisieren. Nicht mehr der Hirntod soll Maßgabe für eine Entnahme sein, sondern der Herz-Kreislauf-Stillstand. Wie ist das medizinisch zu bewerten? (…) Dr. Bernd Hontschik: ‚In Deutschland ist die Zahl derer, die ihre Organe für eine Transplantation zur Verfügung stellen, seit vielen Jahren deutlich niedriger als die Zahl derer, die – schwerkrank – auf ein Organ warten, das transplantiert werden kann. Und nun wird ja nicht offen und ehrlich argumentiert: Wenn man tot ist, kann man keine Organe mehr entnehmen. Tot ist tot. Tote Organe sind unbrauchbar, eben tot. Also muss man sozusagen Vorstufen des Todes erfinden. Der Hirntod war eine erste solche Erfindung. Und weil die Feststellung des Hirntodes so wahnsinnig kompliziert und aufwändig ist, wird jetzt eine weitere Vorstufe des Todes hinzugezogen, das ist der Herz-Kreislauf-Stillstand. Hier geht es also nicht um Medizin oder um Wissenschaft, sondern nur um Organbeschaffung. Als Arzt läuft es mir kalt den Rücken hinunter. Für mich als Notfallmediziner ist der Herz-Kreislauf-Stillstand eine Herausforderung. Herzmassage, Beatmung, Defibrillation, alles wird bis zur Erschöpfung eingesetzt, um Herz und Kreislauf wieder in Gang zu bringen. Und das gelingt sehr sehr oft! Wann stelle ich meine Bemühungen ein? Anders: Wer entscheidet, ob die Bemühungen eingestellt werden? Vielleicht ein bisschen früher, um Transplantationen möglich zu machen?“

Overton-Magazin: Selenskijs irrealer, teils verrückter „Siegesplan“ – Auszug: „Erstens fordert Selenskij eine Einladung zum Beitritt der Ukraine in die Nato noch vor dem Kriegsende, also vor einem möglichen Amtsantritt von Trump. (…) Zweitens soll die Verteidigung der Ukraine ‚irreversibel‘ verstärkt werden. Dazu werden bestimmte Waffen benötigt, die wahrscheinlich im geheimen Anhang aufgelistet werden. Zudem müsse die Ukraine weitere Vorstöße auf russisches Territorium machen und das ‚russische Offensivpotential in den besetzten Gebieten zerstören‘. Die Unterstützerstaaten sollen (...) die Beschränkungen für weitreichende Waffensysteme aufheben und diese zusammen mit Satellitenbildern und Aufklärungsdaten in Echtzeit liefern. (…) Drittens fordert er ein mysteriöses ‚umfassendes nicht-nukleares strategisches Abwehrpaket‘ in der Ukraine, um das Land vor jeder militärischen Drohung zu schützen und Russland zur Beendigung des Kriegs zu zwingen (...). Viertens bietet die Ukraine seinen strategischen Partnern ein Abkommen für den gemeinsamen Schutz der kritischen Ressourcen und gemeinsame Investitionen und die Nutzung des wirtschaftlichen Potentials des Landes an. Angepriesen werden natürliche Ressourcen und Bodenschätze wie Uran, Titan oder Lithium, die Billionen wert seien. (…) Und Fünftens – hier wird es besonders abstrus – sollen nach dem Krieg in Europa stationierte amerikanische Truppen durch ukrainische ersetzt werden, ‚die wirkliche Erfahrung in moderner Kriegsführung, den Umgang mit westlichen Waffen und die Kooperation mit Nato-Truppen erworben haben‘. (...) Selenskij (…) [hat] wohl Sorge, was die Ukraine mit den Zehntausenden schwer bewaffneten und auf Krieg getrimmten Kämpfer der Freiwilligenverbände machen soll, um sie klein zu halten.“

Science Files: Statt Beruf: Parlament als Statusbeschaffungsmaßnahme – ScienceFiles-Analyse der Grünen/B90-Bundestagsfraktion – Auszug: „Die meisten der Abgeordneten sind nie aus der Hochschulblase, in der sie sozialisiert wurden, herausgekommen. Die Wege, die die meisten der 121 Abgeordneten, die für die Grünen in der 20. Legislaturperiode im Bundestag sind (oder waren) in den Bundestag genommen haben, sind reine Parteikarrieren (…). Die uns interessierenden Variablen dokumentieren geradezu gnadenlos, warum die Grünen keine Ahnung davon haben, wie Normalbürger in Deutschland leben, wie es sich anfühlt, zur Arbeit zu gehen, einer körperlichen Arbeit nachzugehen, Arbeitszeiten einzuhalten, eine sinnvolle Tätigkeit zu erledigen. Nahezu alle Grünen haben in ihrem Leben noch nie etwas mit ihren Händen getan, mit Ausnahme von fünf Ärzten, einem Polizisten und einem Verfahrensmechaniker. (…) 74,4% der Bundestagsabgeordneten (90 von 121) von Grünen/B90 haben KEINERLEI Berufserfahrung, in ihrem Leben zu keinem Zeitpunkt in einem Beruf gearbeitet. 81,2% (99 von 121) der Bundestagsabgeordneten von Grünen/B90 hatten bislang keinerlei Kontakt mit dem Ersten Arbeitsmarkt, haben sich vielmehr über institutionelle Karrieren, die von der Hochschule in die Partei oder von der Hochschule über ein kurzes Gastspiel als Aktivist direkt in die Partei und den Bundestag geführt hat, verdingt. (…) Diese Leute, die bar elementarer Bestandteile der Lebenserfahrung sind, wollen im Bundestag über Wohl und Wehe der Bundesbürger entscheiden. (…) 107 von 121 Abgeordneten der Bundestagsfraktion von Grünen/B90 haben ein Studium begonnen und abgeschlossen. Sieben der verbleibenden Abgeordneten verfügen über keinerlei Ausbildungs- oder Berufsabschluss, ein Abgeordneter hat eine Berufsausbildung [in Worten: EINER] beim Rest ist nicht nachvollziehbar, ob sie über einen Abschluss verfügen. Die Bundestagsfraktion der Grünen/B90 ist in weiten Teilen ein Karrierebeschaffungsprojekt für an der Hochschule gescheiterte Sozialwissenschaftler.“

Die Rheinpfalz: Auch Journalisten haben in der Pandemie Fehler gemacht – Auszug: „Heute ist klar: Auch wir Journalisten machen Fehler – etwa in Form von zu pauschal positiven Bewertungen freiheitsbeschneidender Maßnahmen. (…) Manche Journalisten vermitteln bei der Kommentierung von Ausgangssperren, 2G oder Besuchsverboten den Eindruck, die eine Wahrheit zu kennen. Ich gehöre dazu und mache damit einen Fehler, durch den sich Andersdenkende stigmatisiert fühlen können. Einen Fehler, für den ich hiermit um Verzeihung bitten möchte. Die zu eindeutige Bewertung einer uneindeutigen Situation folgt keiner staatlichen Vorgabe. Sie ist Ergebnis einer Abwägung zwischen Freiheit und Gesundheitsschutz. Dem einen gebe ich nur zu pauschal den Vorrang vor der anderen – heute weiß ich das. (…) Was ‚Lügenpresse‘-Rufer beim Schimpfen auf Medien oft verwechseln, sind ‚Ausgewogenheit‘ und ‚falsche Balance‘. Die Folge: Sie fordern die Aufnahme fragwürdiger Personen in den Diskurs, negieren aber deren Agenda und fehlende Expertise. Es ist auch heute noch richtig, den Meinungskorridor weit zu lassen, aber auf tatsächliche Experten zu setzen. Was aber auch richtig ist, ist die Feststellung, dass einige Maßnahmen überzogen, die Schäden für allein Sterbende, für stigmatisierte Arbeitnehmer, für einsame Kinder zu groß waren. Gut, dass die Pandemie aufgearbeitet wird. Gut, dass Menschen Fehler zugeben. Mal sehen, wer noch um Verzeihung bittet – und wer nicht.“ (Anmerkung Paul Schreyer: Eine seltene Selbstkritik. Zugleich kommt diese Entschuldigung auffallend glatt und gefällig daher. Unklar bleibt, was genau diesen Journalisten denn eigentlich zum Umdenken bewogen hat. Dass „auch heute noch richtig“ sei, auf „tatsächliche Experten“ zu setzen, ohne dabei näher zu erklären, was mit einer solchen Zuschreibung denn gemeint sein soll, lässt fragen, ob die eingeräumten Fehler wirklich verstanden wurden – oder ob hier vielleicht einfach nur dem nächsten, gerade aktuellen Trend (diesmal „Aufarbeitung“) gefolgt wird.)

Indian Punchline: Russia aligns with Iran, war clouds scatter (Russland verbündet sich mit dem Iran, die Kriegswolken zerstreuen sich) – Auszug (übersetzt): „Ein entscheidender Faktor, der Israel/die USA dazu gezwungen hat, einen Angriff auf den Iran aufzuschieben, ist die unmissverständliche Warnung Teherans, dass jeder Angriff auf seine Infrastruktur durch Israel mit einer noch härteren Reaktion beantwortet werde. (…) Was die Israelis jedoch abschreckt und die Amerikaner besorgt, ist etwas anderes – Russlands immer länger werdende Schatten auf dem westasiatischen Teppich. Amerikanische Militäranalysten haben berichtet, dass in den letzten Wochen bestimmte hochmoderne russische Waffensysteme an den Iran geliefert wurden (...). Offenbar hat Moskau auch auf die iranische Anfrage nach Satellitendaten für den Raketenangriff am 1. Oktober auf Ziele in Israel reagiert. (…) Die russische Beteiligung an der Konfrontation zwischen dem Iran und Israel könnte das Blatt wenden. (…) Natürlich halten sich auch die Iraner bedeckt. Sowohl Moskau als auch Teheran kündigten an, dass ihre Präsidenten am 11. Oktober Aschgabat besuchen würden, um an einer Zeremonie zum 300. Geburtstag des turkmenischen Dichters und Denkers Magtymguly Pyragy teilzunehmen. (…) Es ist durchaus denkbar, dass Moskau und Teheran angesichts der zunehmenden regionalen Spannungen die formelle Unterzeichnung des russisch-iranischen Verteidigungspakts, die ursprünglich in Kasan stattfinden sollte, vorgezogen haben.“ (Anmerkung: Der Autor hat 30 Jahre lang im diplomatischen Dienst Indiens gearbeitet und war dabei u.a. im Iran und in Russland eingesetzt.)

Le Monde diplomatique: Der Fall Nord Stream. Wer hat die Pipelines in der Ostsee gesprengt? – Auszug: „Erik Andersson unternahm seine Expedition zunächst, um Hershs Thesen zu belegen. Allerdings ergab seine Untersuchung der Tatorte, dass es pro Pipeline nur einen Sprengsatz gegeben hatte, und nicht zwei, wie Hersh ursprünglich behauptet hatte. Inzwischen hält Andersson die ‚Andromeda‘-Theorie für durchaus plausibel, will aber zugleich nicht ausschließen, dass Hersh trotz Fehlern im Detail grundsätzlich recht behalten könnte. Zum Beispiel konnte Andersson anhand einer ausführlichen Auswertung der ‚Open Source Intelligence‘-Daten (Osint), die Schiffs- und Flugverkehrsbewegungen dokumentieren, den Beleg erbringen, dass die Positionen von US-Kriegsschiffen und Flugzeugen mit Hershs Darstellung vereinbar sind. Damit widerlegte er frühere Osint-Analysen, die zum gegenteiligen Schluss gekommen waren. (…) Der renommierte Investigativjournalist Jeremy Scahill, Mitbegründer von The Intercept, hat dagegen zwei Möglichkeiten ins Spiel gebracht, die eine Verbindung zwischen der Hersh-Version und der Fahrt der ‚Andromeda‘ herstellen könnten. Die erste Möglichkeit besteht darin, dass Hershs Quelle Kenntnis von einem früheren Plan hatte, der aber später verworfen und durch eine andere Operation ersetzt wurde – was auch Andersson für möglich hält. Die zweite Möglichkeit besteht darin, dass die ‚Andromeda‘-Fahrt tatsächlich Teil eines komplexen Ablenkungsmanövers war.“

Berliner Zeitung: Nächste Klatsche für VW, BMW und Co.: China droht mit Zöllen auf EU-Verbrenner – Auszug: „Das chinesische Handelsministerium teilte am Dienstag mit, dass Peking eine Erhöhung der Einfuhrzölle auf Benzinautos mit großen Motoren erwägt. Kurz zuvor hatte das Ministerium bereits bekannt gegeben, dass Importeure von EU-Brandy ab dem 11. Oktober eine Kaution von bis zu 39 Prozent hinterlegen müssen. Die Ankündigungen der chinesischen Regierung stellen eine neue Stufe im Konflikt mit der EU dar, der immer mehr zu eskalieren droht. Kurz nach der Bekanntgabe stürzten die Aktien mehrerer europäischer Auto- und Getränkehersteller ein, darunter auch BMW (-3 Prozent) und Mercedes-Benz (-2 Prozent). Die EU reagierte empört auf die Drohung aus Peking und kündigte an, dass man die chinesischen Maßnahmen vor der Welthandelsorganisation (WTO) anfechten werde. (...) BMW-Chef Oliver Zipse betonte, dass zusätzliche Zölle global tätigen deutschen Unternehmen schaden und ‚einen Handelskonflikt heraufbeschwören könnten, der am Ende nur Verlierer kennt‘. BMW verkauft wie Mercedes-Benz jährlich Hunderttausende Fahrzeuge in China, bei Volkswagen waren es im vergangenen Jahr sogar 3,2 Millionen, also fast dreimal so viele wie im heimischen Markt (1,1 Millionen). (...) Trotz der Ablehnung aus Deutschland hat die EU am 4. Oktober mit einer klaren Mehrheit für die Einführung von Strafzöllen in Höhe von bis zu 36,3 Prozent gegen chinesische Elektroautos gestimmt. Der Vorwurf aus Europa: Peking subventioniert E-Autos chinesischer Hersteller in Milliardenhöhe und verzerrt dadurch den Markt in der EU.“

Berliner Zeitung: Renaissance des Russland-Handels mit Nord Stream? Warum die USA Deutschland misstrauen – Auszug: „In einem Beitrag für das außenpolitische Journal Foreign Policy (FP) führen der frühere amerikanische Botschafter in der Ukraine, John E. Herbst, und Benjamin L. Schmitt – Senior Fellow am Kleinman Center for Energy Policy der University of Pennsylvania – aus, wie Deutschland langfristig von Russland getrennt werden sollte. (…) Die Autoren führen aus, wie die Bereitschaft zur militärischen Unterstützung der Ukraine in Berlin schwindet. (…) Die Energiekrise, die maßgeblich für die Rezession in Deutschland ist, treibe auch die Sicherheitserwägungen in der Bundesregierung voran. ‚Deutschland hat es geschafft, die russischen Gaslieferungen in erstaunlich kurzer Zeit zu ersetzen, aber es wäre naiv zu glauben, dass es keinen starken Druck deutscher Konzerne und aus dem gesamten politischen Spektrum geben wird, die Handelsbeziehungen mit Russland wiederherzustellen, sobald ein Waffenstillstand zwischen Moskau und Kiew verkündet wird‘, schreiben Herbst und Schmitt. (…) ‚Glücklicherweise können die Vereinigten Staaten dazu beitragen, dass dies nicht passiert‘, schreiben die Autoren. 2019 hatte der US-Kongress Sanktionen gegen das deutsch-russische Pipelineprojekt Nord Stream 2 verabschiedet. Doch das Gesetz über die Sanktionen wird Ende 2024 außer Kraft treten. Es sollte für den Kongress ‚ein Kinderspiel‘ sein, eine Verlängerung der Sanktionen auf den Weg zu bringen, heißt es in dem Artikel.“

7. Oktober 2024

CVCE: Regierungserklärung von [DDR-Ministerpräsident] Otto Grotewohl am 12. Oktober 1949 – Auszug: „Unmittelbar nach der Beendigung des zweiten Weltkrieges gingen die führenden englisch-amerikanischen Kreise mit der Aufstellung der Trumandoktrin und des Marshallplans dazu über, eine dem Potsdamer Abkommen feindliche Politik durchzuführen. Sie verweigerten hartnäckig dem deutschen Volke den versprochenen Friedensvertrag, sie verhinderten die Bildung zentraler deutscher Verwaltungsorgane und zerrissen durch eine Kette von Vertragsbrüchen die im Potsdamer Abkommen gewährleistete Einheit Deutschlands. (…) Diese systematisch betriebene Spaltungspolitik versuchten sie mit der Bonner Verfassung zu maskieren, die nur eine Ausführungsbestimmung des Besatzungsstatuts ist. (…) Bei einer solchen Politik konnten sich die imperialistischen Mächte nicht auf die demokratischen und fortschrittlichen Kräfte des deutschen Volkes stützen, die ein einheitliches, demokratisches und friedliebendes Deutschland wollen. Darum verhinderten sie die Durchführung der Entmilitarisierung und der Demokratisierung Westdeutschlands, sie verhinderten die Vernichtung der großen kapitalistischen Monopole und brachten dieselben Kräfte wieder an die Macht, die in Deutschland die faschistische Herrschaft errichtet und den Hitlerkrieg inspiriert hatten. In den Westzonen Deutschlands wurden die Grundlagen des deutschen Imperialismus wiedererrichtet. Westdeutschland ist ein Tummelplatz ausländischer und deutscher Imperialisten und Militaristen. Diese Elemente sind es, die heute im Bonner Separatstaat wiederum eine reaktionäre Herrschaft errichtet haben und darangehen, das deutsche Volk ein drittes Mal auf den verhängnisvollen Weg der kapitalistischen Wirtschaftskrisen und imperialistischen Kriegsabenteuer zu führen.“

Leipziger Volkszeitung: Corona-Untersuchungsausschuss in Sachsen: Absage um Absage für das BSW – Auszug: „Um einen Untersuchungsausschuss einzusetzen, benötigt die 15-köpfige BSW-Fraktion allerdings weitere Stimmen. Ein Fünftel des Landtags – also 24 Abgeordnete – sind notwendig. Unklar, woher die kommen sollen. (…) Zur besonderen Ironie gehört, dass es in dieser Legislatur sowieso zu einem Corona-Untersuchungsausschuss kommen wird. Unabhängig vom BSW. Die AfD-Landtagsfraktion hat den Ausschuss vor Monaten für den neuen Landtag angekündigt und wird ihn diese Woche beantragen. Sie verfügt aus eigener Stärke über die notwendigen Stimmen. Diesen Umstand nutzt sie, um Druck auf das BSW auszuüben. In den Fraktionsreihen freut man sich, dass dieses Kalkül anscheinend aufgeht. (…) Frage also wieder an Sabine Zimmermann vom BSW: Was hält sie von einer möglichen Kooperation mit der AfD? Diese Option würde es dem BSW gestatten, den Ausschuss als gemeinsamen Erfolg zu verbuchen. ‚Da wird es keine Gespräche geben. Wir werden nicht aktiv mit der AfD zusammenarbeiten', sagt Zimmermann. Sie spekuliert stattdessen darauf, dass andere Fraktionen ein Einsehen hätten. (…) Die Parlamentarische Geschäftsführerin der SPD-Fraktion, Laura Stellbrink, reagiert kühl auf derlei Sätze: Für die SPD sei klar, ‚dass wir einen solchen Antrag nicht unterstützen werden‘. Man halte das für ‚nicht gewinnbringend‘. Die Grünen wollen von einem Untersuchungsausschuss ebenso wenig etwas wissen (…) Auch die Linken-Fraktionsvorsitzende Susanne Schaper schließt eine Unterstützung für den BSW-Antrag aus. (…) Fast im Minutentakt holt sich das BSW am Montag öffentliche Absagen ab. (…) Warum also hat sich das BSW in diese Lage manövriert? (…) Einen Hinweis darauf liefert Zimmermann: Man bringe den Antrag für den Untersuchungsausschuss ein, 'weil das ein wichtiger Punkt ist, wo wir ein Wahlversprechen einlösen'. Im Wahlkampf und danach hatte die BSW-Spitze den Ausschuss zur roten Linie für eventuelle Koalitionsverhandlungen erklärt. Am Freitag schaltete sich sogar BSW-Bundeschefin Sahra Wagenknecht ein – und verlangte, daran festzuhalten. Wagenknecht machte auf diese Weise ihren sächsischen Parteifreunden ziemlich deutlich, wo sie die Parteilinie verortet. Diese versuchen nun, das Beste aus der Lage zu machen. Sabine Zimmermann hält sich aktuell alles offen – auch Koalitionsfragen. ‚Es sind Kennenlerngespräche. Das hat noch gar nichts mit Sondierungen zu tun. Wir wissen nicht, wie das alles ausgeht.‘“