Empfehlungen Dezember 2023

German Foreign Policy: Durchhalteparolen aus Berlin – Auszug: „Selenskyjs Besuch in Washington soll helfen, im Streit zwischen der Biden-Administration und insbesondere dem rechten Flügel der Republikaner um weitere milliardenschwere US-Unterstützung für die Ukraine das Ruder herumzureißen. Die Regierung will ein Paket in Höhe von 106 Milliarden US-Dollar durch den Kongress bringen, das neben Mitteln für Israel, Taiwan und die Grenzabschottung vor allem rund 60 Milliarden US-Dollar für Kiew enthält. (…) Über die Gründe, die der Ablehnung weiterer Milliardentransfers an Kiew unter den US-Republikanern zugrunde liegen, hat sich am vergangenen Sonntag US-Senator James David Vance geäußert. (…) Mit Blick auf das komplette Scheitern der ukrainischen Gegenoffensive fragte Vance, was die von Biden geforderten rund 60 Milliarden US-Dollar bewirken können sollten, während es die mehr als 100 bislang gezahlten Milliarden US-Dollar nicht erreicht hätten. Wenn er an die ‚große menschliche Tragödie‘ denke, dass ‚Hunderttausende unschuldige Osteuropäer in diesem Konflikt getötet worden‘ seien, dann komme er zu dem Resultat: ‚Was in unserem und in ihrem Interesse ist, ist es, das Töten zu beenden.‘ (…) Während die Forderung nach Verhandlungen zwischen Kiew und Moskau über einen Waffenstillstand inzwischen spürbar Zulauf gewinnt, da der Krieg für die Ukraine nicht zu gewinnen ist und den Streitkräften die Soldaten auszugehen beginnen (…), lehnt Außenministerin Annalena Baerbock eine solche Perspektive explizit ab und weist jegliches ‚Einfrieren‘ des Krieges ausdrücklich zurück.

Overton Magazin: Kein Herz für palästinensische Kinder bei Springer und ZDF – Auszug: „Samstagabend war wie jedes Jahr wieder einmal 'Ein Herz für Kinder' angesagt. Die Benefiz-Show im öffentlich-rechtlichen ZDF (seit 2001, davor ARD) soll möglichst viel Geld für arme und kranke Kinder einsammeln. Man muss aber wissen, dass der Verein 1978 von Axel Springer und Bild gegründet wurde, weiterhin hauptsächlich von Springer finanziert wird und Bild die Schirmherrschaft ausübt. (…) Die Verbindung zu Springer dürfte eine entscheidende Rolle dafür gespielt haben, dass es in der Show, die sich so sehr für Kinder einsetzen will, kein Herz für palästinensische Kinder gab, die gerade zu Tausenden im Gazastreifen sterben, verletzt, verstümmelt oder traumatisiert werden. Man weiß seit langem, dass Springer nichts über die transatlantischen Beziehungen und Israel kommen lassen will. Dazu gibt es auch die bekannten ′Werte‵, die jeder bei Springer beachten muss – und dem sich offenbar auch das ZDF und jeder der Anwesenden untergeordnet haben. Punkt 2 und 3: ′Wir unterstützen das jüdische Volk und das Existenzrecht des Staates Israel. Wir befürworten das transatlantische Bündnis zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und Europa.‵ Man kann natürlich das jüdische Volk und das Existenzrecht unterstützten, aber gleichwohl Kritik an der israelischen Politik und Regierung, derzeit auch an der Kriegsführung äußern. Aber das wäre bei Springer und ZDF zu weit gegangen. Und jeder der Anwesenden, auch die Politiker Karl Lauterbach (SPD), Christian Lindner (FDP), Markus Söder (CSU), Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD), Ricarda Lang (Grüne), Paul Ziemiak und Carsten Linnemann (CDU), akzeptierten den Maulkorb oder fanden es ganz in Ordnung, die Lage der Kinder im Gazastreifen nicht einmal zu erwähnen.“

tagesschau: Weitere Millionen für die Bahnchefs – Obwohl die Deutsche Bahn ihre Ziele für Pünktlichkeit und Kundenzufriedenheit verfehlte, soll der Vorstand nach Recherchen von NDR, WDR und SZ üppige Boni nachgezahlt bekommen. Bislang geheim gehaltene Dokumente zeigen, wie sich die Summen errechnen. – Auszug: „Demnach sollen rund 1,3 Millionen Euro Boni allein an den Vorstandsvorsitzenden Richard Lutz fließen – davon rund 384.000 Euro, weil sich die Bahn für 2022 besonders zufriedene Mitarbeiter und einen gestiegenen Anteil an weiblichen Führungskräften bescheinigt. Den Unterlagen zufolge haben die Vorstände das unternehmenseigene Ziel in diesem Bereich geringfügig übertroffen. Der Bonus für diesen Bereich wurde aber deutlich erhöht – auf 175 Prozent. Was das finanzielle Ergebnis der Bahn anbelangt, sollen die Konzernchefs sogar den doppelten Bonus bekommen, weil es besser ausgefallen ist als ursprünglich angenommen. Zu diesen Zusatzvergütungen für gemeinsame Ziele kommen noch hohe Summen für jeweils individuelle Ziele der Vorstände. Bahnchef Lutz hatte in seiner Vereinbarung dafür offenbar Kohlendioxideinsparung stehen. Und weil die Bahn hier nach eigener Aussage 2022 zwei Prozentpunkte mehr eingespart hat, als sie wollte, soll Lutz allein dafür einen Bonus von knapp 440.000 Euro bekommen. Der damals für den Fernverkehr zuständige Vorstand Berthold Huber hatte demnach das Ziel, dass mindestens 278 ICE-Züge einsatzbereit sein sollten. Die Tatsache, dass sogar 284 ICE auf den Gleisen waren, wertet die Bahn als Zielerreichung von 133 Prozent. Huber soll allein dafür nun rund 183.000 Euro Boni erhalten.“

Neue Zürcher Zeitung: Das „Selbstbestimmungsgesetz“ dürfte erst der Anfang sein: Schritt für Schritt verschieben die Grünen gesellschaftliche Grenzen (Bezahlschranke) – Auszug: „Transgeschlechtlichkeit (...) soll nicht lediglich gesellschaftlich akzeptiert werden, sondern staatlich festgeschriebene Vorzugsbehandlung geniessen. Anders ist es nicht zu erklären, dass die gesetzlichen Krankenversicherungen nur in den wenigsten Fällen die Kosten für Brillen und nur in manchen Fällen die Ultraschalluntersuchung zur Krebsfrüherkennung beim Frauenarzt übernehmen – aber demnächst die Brustamputation für junge Mädchen bezahlen sollen, die sich im falschen Körper glauben. (...) [Der Queer-Beauftragte der Bundesregierung Sven] Lehmann sprach (...) bei einer nichtöffentlichen Gesprächsrunde Anfang Dezember über ′gender-affirming care‵. (...) Was nach einfühlsamer Pflege klingen soll, bedeutet nichts anderes, als Minderjährige in ihrem Wunsch, das Geschlecht zu wechseln, zu bestärken – statt dieses Ansinnen zunächst einmal infrage zu stellen, da solche Gedanken gerade in der Pubertät nicht ungewöhnlich sind. Haben junge Menschen diesen Weg einmal eingeschlagen, bedeutet das oftmals: Pubertätsblocker, Hormontherapie, geschlechtsangleichende Operationen und einen drastisch veränderten Lebensweg. Es kann bedeuten, mit einer chirurgisch geformten Neo-Vagina oder einem Neo-Penis zu leben, dadurch dauerhaft inkontinent zu sein und niemals Kinder zeugen zu können. Sogenannte ′Detransitioners‵, Menschen, die solch invasive Eingriffe hinter sich haben und sie bereuen, berichten Erschreckendes über ihren medizinisch veränderten Körper. Zurück können sie nicht.“

Neue Zürcher Zeitung: Israel kündigt Kampf bis zum „totalen Sieg“ an – die Sorge um Zivilisten im überfüllten Süden wächst – Auszug: „Nach der Wiederaufnahme der Kämpfe im Gazastreifen haben die USA Israel dringend gemahnt, mehr zum Schutz von Zivilisten zu tun. (…) Der amerikanische Verteidigungsminister Lloyd Austin sagte, seine Erfahrung im Irak habe ihn gelehrt, dass man Kriege in städtischem Gebiet nur gewinnen könne, wenn man Zivilisten schütze. (…) Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu betonte aber erneut, Israel werde kämpfen bis zum ′totalen Sieg‵. (…) Unter den Toten am Samstag waren laut dem palästinensischen Bildungsministerium auch der Rektor der Islamischen Universität in Gaza und seine Familie. Sofyan Taya war Professor für Physik und angewandte Mathematik. Die Universität Stanford zählte ihn zu den weltweit führenden Wissenschaftern. (…) Laut einer umfassenden Recherche des israelischen Magazins ′+972‵ hat Israel die Zielauswahl gegenüber früheren Kriegen extrem ausgeweitet. Wie das Magazin unter Berufung auf Angehörige der israelischen Geheimdienste berichtete, betrachtet das Militär heute Wohnblöcke als legitimes Ziel, wenn dort auch nur ein einziger gewöhnlicher Hamas-Kämpfer wohnt. Bei hohen Hamas-Führern würden Hunderte tote Zivilisten als ′Kollateralschaden‵ hingenommen. Auch andere Recherchen deuten darauf hin, dass Israel mehr zivile Opfer in Kauf zu nehmen bereit ist als andere westliche Armeen.“

ntv: Hofreiter und Weber fürchten Niederlage Kiews – Auszug: „Angesichts des massiven Einbruchs der Ukraine-Hilfen um 87 Prozent auf den niedrigsten Stand seit Januar 2022 hat Grünen-Politiker Anton Hofreiter zur sofortigen Ausweitung der Unterstützung aufgerufen. ′Gemeinsam mit unseren europäischen Partnern müssen wir schnell und umfangreich die Waffensysteme bei der Rüstungsindustrie bestellen, die wir und die Ukraine brauchen, um uns zu verteidigen‵, sagte Hofreiter dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND). ′Die Situation ist ernst‵, sagte Hofreiter. ′Es muss uns Sorgen machen, dass die US-amerikanische Unterstützung der Ukraine früher als erwartet abgenommen hat. Jetzt kommt es umso mehr auf Europa an.‵ (...) Auch der EVP-Fraktions- und Parteivorsitzende Manfred Weber sieht die neusten Zahlen mit Sorge. ′Wenn die Ukraine diesen Krieg verliert, wird es keinen Frieden geben, Putin wird uns weiter attackieren‵, sagte Weber dem RND. Der CSU-Politiker verwies darauf, dass Russland bereits jetzt versuche, Europa zu destabilisieren. ′Die finnische Grenze ist geschlossen, weil Putin Migranten als politische Waffe einsetzt, im Baltikum sehen wir täglich Cyber-Angriffe aus Russland heraus und in der Slowakei haben Fake-News aus Putins Reich die politische Stimmung gedreht.‵ Weber forderte daher die Staats- und Regierungschefs zu weiteren Hilfen auf. ′Der EU-Gipfel nächste Woche muss ein klares Signal der Unterstützung aussenden, wir stehen an der Seite der Ukraine.‵“

Welt: Der abgeblasene New-York-Trip Lauterbachs und der 43.383-Euro-Schaden (Bezahlschranke) – Auszug: „Auf einen möglicherweise schlampig geführten Kalender geht ein Schaden zurück, den Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verursacht hat. Exakt 43.383,90 Euro Ausfallkosten musste das Bundesgesundheitsministerium (BMG) unter anderem an ein Hotel in New York überweisen, nachdem der Minister seine Reisepläne kurzfristig geändert hatte. Das geht aus einem Schriftsatz des BMG auf eine Anfrage des gesundheitspolitischen Sprechers der CDU, Tino Sorge, hervor. Die Kosten addieren sich aus 38.655 Dollar für Übernachtungen von Lauterbach und Begleitung plus ′Bearbeitungs- und Umbuchungsgebühren‵ von 7537 Euro. Grund der Reise nach New York war laut BMG das ′High level meeting on pandemic prevention, preparedness and response‵ der UN-Vollversammlung am 20. September 2023. (…) Nachdem es sich Lauterbach mit seinen USA-Plänen anders überlegt hatte, stellten sich die Übernachtungen im New Yorker Intercontinental (859 Dollar pro Tag und Person) als nicht stornierungsfähig heraus. Grund für Lauterbachs plötzliche Kehrtwende, so teilt das BMG auf WELT-Anfrage mit, sei seine Unabkömmlichkeit in Berlin gewesen (…). Lauterbach hatte vor, seine Reise zur UN mit 14 Begleitpersonen anzutreten, wie die Hotelrechnung belegt, die WELT vorliegt. (…) Tatsächlich klafft seit dem abgeblasene[n] New-York-Trip des Ministers ein Loch im Etat des BMG, das offenbar dazu führte, dass in der Folge Dienstreisen abgelehnt werden mussten.“

Welt: Der Tag, an dem das Grauen über Israel kam (Bezahlschranke) – Auszug: „Der Kibbuz Beeri wurde 1946 von jüdischen Einwanderern gegründet, darunter deutsche Holocaust-Überlebende. Er war eine weitgehend säkulare, linksgerichtete Gemeinschaft (…). Ein Sanitäter, der eines der Häuser betrat, berichtete mehreren Medien: ′Ich sah zwei Mädchen dort liegen, eines auf einem Bett, eines auf dem Boden, in ihrem eigenen Schlafzimmer. Und das Mädchen – ein 14- bis 15-jähriger Teenager – liegt auf dem Boden auf dem Bauch, ihre Hose ist heruntergezogen und sie ist halb nackt, ihre Beine sind gespreizt, weit geöffnet, und auf ihrem Rücken befinden sich Spermareste. Jemand hat sie gleich nach der brutalen Vergewaltigung hingerichtet.‵ (…) Am Vorabend des 7. Oktober hatte das Psytrance-Festival ′Supernova Sukkot Gathering‵ in der Negev-Wüste in der Nähe des Kibbuz Re’im begonnen (…) ′An den Ort, an dem wir uns versteckten, brachten sie alle Frauen. Sogar Köpfe von Frauen‵, berichtete eine Überlebende. ′Ich erinnere mich an eine Situation, in der jemand auf ein Mädchen gesprungen ist und sie vergewaltigte, und sie anschließend von einem zum anderen gereicht wurde. Das Mädchen, das sie vergewaltigten, war noch am Leben, stand auf ihren Füßen und blutete aus dem Rücken. Ich erinnere mich, wie der Terrorist an ihren Haaren zog, die Frau war nicht gekleidet, er schnitt ihr die Brüste ab, warf ihre Brüste auf den Boden und [sie] spielten damit, und sie zogen sie weiter. Ich erinnere mich, dass jemand in sie eingedrungen ist, dann schoss er ihr in den Kopf.“

5. Dezember 2023

Berliner Zeitung: LNG: Bundesregierung weiß plötzlich nicht, wie klimaschädlich die Importe sind – Auszug: „Das Wirtschaftsministerium unter der Leitung von Robert Habeck (Grüne) lässt in Deutschland mehrere LNG-Importterminals bauen, schließlich müssen die weggefallenen Pipeline-Gaslieferungen aus Russland irgendwie kompensiert werden. Aber zu welchem Preis? Und was, wenn das aus den USA importierte LNG, also Flüssigerdgas, klimaschädlicher ist als das Verfeuern von Kohle? Zu diesem Schluss ist kürzlich eine neue Studie des amerikanischen Methan-Forschers Robert W. Howarth von der Cornell University gekommen, über die auch die Berliner Zeitung berichtete. Die absoluten Treibhausgasemissionen von amerikanischem LNG seien mindestens um 24 Prozent und im schlimmsten Fall um 274 Prozent höher als die von Kohle, heißt es in der Analyse. Schuld sind demnach Methanleckagen bei den verschiedenen Etappen von Fracking über die Reinigung, Verflüssigung und schließlich den Transport über die Weltmeere. (…) ‚Der Bundesregierung liegen keine solchen Schätzungen oder Berechnungen vor‘, heißt es in der Antwort [auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Christian Leye], die von Staatssekretär Philipp Nimmermann aus dem Wirtschaftsministerium unterzeichnet wurde. Bezüglich der Erfassung von Emissionen verweist das Ministerium auf das nationale Treibhausgasinventar. ‚Vorgelagerte Emissionen, die z.B. auf dem Weg nach Deutschland anfallen, werden hiervon nicht erfasst‘, heißt es.“

Frankfurter Rundschau: Corona-Impfung: Risiko von Herzmuskelentzündung höher als bisher angenommen – Auszug: „Der mRNA-Impfstoff des US-Herstellers Moderna wird seit Freitag (05.11.2021) in Island überhaupt nicht mehr eingesetzt, gab die Gesundheitsdirektion des Landes auf ihrer Website Covid.is bekannt. In Schweden und Finnland soll der Corona-Impfstoff vorerst nicht mehr an unter 30-jährige Menschen verabreicht werden, in Norwegen und Dänemark nicht mehr an unter 18-jährige männliche Jugendliche. In Großbritannien, Hongkong und Norwegen gibt es laut einem Bericht der ‚New York Times‘ zudem Überlegungen, auch den mRNA-Impfstoff von Biontech/Pfizer bei Jugendlichen nur eingeschränkt zu verabreichen – konkret: nur eine Einzeldosis und keine Zweifachimpfung zu geben. (…) So unterschiedlich diese Schritte im Detail sind, so gibt es doch einen gemeinsamen Hintergrund: Das Risiko einer Myokarditis, einer Herzmuskelentzündung, nach einer mRNA-Impfung gegen Corona scheint insbesondere bei männlichen Jugendlichen und jungen Männern höher als bislang gedacht – auch wenn diese Komplikation weiterhin ein seltenes Ereignis bleibt.“ (Anmerkung: Bereits Anfang 2022 gab es Hinweise, dass die Corona-Impfungen aufgrund des Risikos einer Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündung jungen Menschen mehr schaden als nutzen. Die STIKO empfiehlt trotzdem weiterhin generell die Impfung mit den COVID-19-mRNA-Präparaten von Pfizer/Biontech und Moderna ab einem Alter von 18 Jahren sowie ab sechs Monaten bei relevanten Grundkrankheiten.)

Seymour Hersh: General to General (Von General zu General) – Auszug (übersetzt): „In der Ukraine wird derzeit von Militärführern über einen möglichen Frieden verhandelt (…) Ein amerikanischer Beamter, der schon früh an den Gesprächen zwischen den Generälen [Gerassimow (Russland) und Saluschni (Ukraine)] beteiligt war, sagte mir: ‚Dies wurde von Saluschni sorgfältig orchestriert. Die Botschaft lautete: Der Krieg ist vorbei und wir wollen raus. Ihn fortzusetzen würde die nächste Generation der Bürger der Ukraine zerstören.‘ (…) Die Botschaft, die an Selenskyj gesendet wurde, lautet also, dass wir mit oder ohne Sie Gespräche mit den Russen führen werden, und zwar von Militär zu Militär. (…) Der jetzt für Selenskyj auf dem Tisch liegende Deal, sagte der Beamte, biete die Möglichkeit einer russischen Unterstützung dafür, dass die Ukraine endlich der NATO beitreten dürfe. (…) ‚Das Weiße Haus ist völlig gegen das vorgeschlagene Abkommen‘, sagte der Beamte. ‚Aber es wird passieren. Putin hat nicht widersprochen.‘ Man gehe davon aus, dass Putin ‚einen Deal machen will‘. (…) Ein zweiter Amerikaner, dessen Informationen aus dem Ausland stammen, bestätigte, dass Russland möglicherweise bereit sei, ‚der Ukraine den Beitritt zur NATO zu gestatten‘, fügte jedoch einen wichtigen Vorbehalt hinzu. Im Rahmen des vorgeschlagenen Abkommens müsste sich die NATO verpflichten, ‚keine NATO-Truppen auf ukrainischem Boden zu stationieren‘. Das Abkommen würde es der NATO auch nicht erlauben, Angriffswaffen in der Ukraine zu stationieren, defensive Waffensysteme wären jedoch zulässig.“

BR: Russland als Bedrohung Europas? „Die Gefahr ist real“ [Interview mit Politikwissenschaftlerin Liana Fix] – Auszug: „[BR24:] Hatten die Beobachter recht, die gesagt haben: Russland kann nicht besiegt werden? [Liana Fix:] Wir haben gesehen, wie erfolgreich die Ukraine auch im letzten Jahr in den Gegenoffensiven gegen Russland war. Das russische Militär ist weiterhin in einem schlechten Zustand. Es hat natürlich gewisse andere Vorteile, nämlich dass Russland seine Wirtschaft zum großen Teil auf eine Kriegswirtschaft umgestellt hat, dass Russland sein Budget für Militärausgaben massiv erhöht hat auf fast 30 Prozent. Das heißt, wir sehen von russischer Seite, dass sie sich auf einen langen Krieg vorbereiten. Die Frage nach den Ressourcen kann die Ukraine nicht allein lösen, da braucht sie die Unterstützung vom Westen. Russland kann militärisch besiegt werden, aber der Optimismus, den es gab, (…) der kippt jetzt in einen sehr starken Pessimismus (...). Dieser Pessimismus ist ebenfalls nicht gerechtfertigt. [BR24:] Die offizielle Position des Westens: Die Ukraine legt ihre Kriegsziele selbst fest. Allerdings kann der Westen durch seine Waffenlieferungen direkten Einfluss nehmen. Wie realistisch sind die Kriegsziele der Ukraine dann zu erreichen? [Fix:] Mit der Aussage, dass die Ukraine selbst die Entscheidung fällt, geht es vor allem darum, (…) zu zeigen, dass das hier kein Proxy-Krieg ist, indem die Ukraine ein Instrument des Westens ist, sondern dass es hier wirklich um die Ukraine selbst geht. Aber natürlich hat der Westen massiven Einfluss.“

Frankfurter Allgemeine: Israel weitet Bodenoffensive auf gesamten Gazastreifen aus – Nach dem Einsatz im Norden kämpft das israelische Militär nun im gesamten Gazastreifen mit Bodentruppen. US-Politiker mahnen Israel, Zivilisten besser vor Angriffen zu schützen. – Auszug: „Augenzeugen hatten der Deutschen Presse-Agentur am Sonntag berichtet, israelische Bodentruppen seien in ein Gebiet östlich der Stadt Chan Junis im Süden des Gazastreifens vorgerückt. Das Militär führte eigenen Angaben zufolge seit dem Ende der mehrtägigen Feuerpause am Freitag im Süden massive Luftangriffe durch. (...) Der Sprecher des UN-Kinderhilfswerks Unicef, James Elder, kritisierte die israelischen Angriffe während eines Besuchs im Süden des Gazastreifens scharf. Dort finde ein ′Blutbad‵ statt, das ′unmoralisch‵ sei und das mit ′mit Sicherheit als illegal verstanden werden wird‵, sagte Elder dem Nachrichtensender Al Jazeera. Wer das hinnehme, mache sich selbst schuldig. ′Schweigen ist Mittäterschaft‵, sagte der sichtlich erschütterte Elder. Während seines Besuchs habe er überall Kinder mit schweren Verbrennungen, mit Verletzungen durch Granatsplitter, Gehirnverletzungen und mit Knochenbrüchen gesehen. Die jüngsten Angaben über sogenannten ′sicheren Zonen‵ für die Bevölkerung in Gaza bezeichnete Elder als ′Falschdarstellung‵. Die Menschen würden dabei zu ′winzigen Flecken Land bewegt‵, dort gebe es nur Sand, kein Wasser, keine Sanitäranlagen und keinen Schutz vor dem Wetter.“

tagesschau: „Dieses elende Fegefeuer bringt kein Ergebnis“ – Der Westen liefere der Ukraine zu wenig Waffen, während Russland es immer wieder schaffe, sich an wechselnde Gegebenheiten auf dem Schlachtfeld anzupassen, warnt Oberst Reisner vom österreichischen Heer. Er fordert eine harte Entscheidung von Europa. – Auszug: „[ARD:] Ist die Ukraine dabei den Krieg zu verlieren? [Reisner]: Die Ukraine ist dann dabei, den Krieg zu verlieren, wenn der Westen der Ukraine nicht die notwendige Unterstützung zukommen lässt. Das ist ein Abnutzungskrieg – und der wird vor allem über Ressourcen entschieden, nicht über die Moral. Die Ukraine muss nachhaltig aufgestellt werden. Allerdings tritt in den europäischen Hauptstädten eine gewisse Katerstimmung ein. Man hat gedacht, dass die Waffenlieferungen ausreichen. Aber das ist nicht der Fall. [ARD:] Aber der Westen hat in der Vergangenheit viel geliefert, liefert und unterstützt weiter. Ist überhaupt noch mehr Unterstützung möglich? [Reisner:] Mit der bestehenden Rüstungsproduktion wird man nicht in der Lage sein, das zu liefern, was man wirklich braucht. Da braucht es mehr Anstrengung. Und ich möchte hier nicht das Wort Kriegswirtschaft verwenden, aber es braucht tiefergehende Anstrengungen. Neutral betrachtet ist die Situation ernst. Das muss der Westen verstehen. Ist er bereit, die Ukraine zu unterstützen? Dann muss er mehr tun. Ist er dazu nicht bereit, dann muss er das kommunizieren. Dieses elende Fegefeuer aktuell bringt nur mehr Tote, aber kein Ergebnis.“

Welt: Joschka Fischer fordert stärkere Abschreckung Russlands – auch mit Atomwaffen – Auszug: „Der frühere Bundesaußenminister Joseph ′Joschka‵ Fischer hat Europa zu Aufrüstung mit Atomwaffen aufgefordert. ′Die EU braucht eine eigene atomare Abschreckung‵, sagte Fischer im Interview mit ′Zeit Online‵. ′Die Welt hat sich verändert, Putin arbeitet auch mit nuklearer Erpressung.‵ Fischers Partei, die Grünen, ist seit ihrer Gründung eng verbunden mit dem Widerstand gegen atomare Aufrüstung. Der 75-Jährige sagte: ′Ich hoffe, dass Amerika und Europa verbunden bleiben. Aber was wird sein, wenn Donald Trump wieder gewählt wird? Auch mit Blick auf dieses Szenario muss sich Europa die Frage ernsthaft stellen.‵ Die Arsenale Frankreichs und Großbritanniens seien ′als Antwort auf die veränderte Lage‵ nicht ausreichend. Fischer forderte von der Bundesregierung Investitionen für eine Aufrüstung mit konventionellen Waffen. ′Wir müssen unsere Abschreckungsfähigkeit wiederherstellen‵, sagte er. ′Solange wir einen Nachbarn Russland haben, der der imperialen Ideologie Putins folgt, können wir nicht darauf verzichten, dieses Russland abzuschrecken. Nur werden wir das nicht mit Schuldenbremse und ausgeglichenen Haushalten erreichen können.‵ Der Grüne sprach sich für fortgesetzte Hilfe für die Ukraine aus: ′Die Ukraine ist für Europa und Deutschland von entscheidender Bedeutung. Die Putinsche Ideologie lautet: Die Macht entscheidet, nicht das Recht. Wenn sich dieses Denken durchsetzt, dann können Sie Europa vergessen. Insofern geht es um verflucht viel.‵“

1. Dezember 2023

Amerika21: In Chile wird an Henry Kissingers Mitwirkung am Putsch 1973 erinnert – Auszug: „Der Tod des ehemaligen US-Außenministers Henry Kissinger hat gestern zahlreiche Reaktionen in Chile ausgelöst. (…) Die Tageszeitung Diario Universidad de Chile erinnert daran, dass Kissinger an der Errichtung mehrerer Diktaturen in Lateinamerika beteiligt war, wie die in Chile (1973 – 1990) und in Argentinien (1976 – 1983), ebenso an der Operation Condor. Als ‚Plan Condor‘ oder ‚Operation Condor‘ wird die Zusammenarbeit verschiedener südamerikanischer Geheimdienste und der USA in den 1970er und 1980er Jahren bezeichnet. (…) im Zeitraum von 1970 bis 1990 [tauschten] Chile, Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay, Bolivien und später auch Ecuador und Peru Geheimdienst-Informationen über linke Aktivisten und andere Oppositionelle aus. Diese Zusammenarbeit hatte zum Ziel, jedwede politische Opposition zu erfassen und Gegner der Diktaturen zu eliminieren. Speziell von der CIA ausgebildete Geheimdienstagenten und Soldaten durften sich auf dem Territorium der anderen Staaten frei bewegen, um politische Gegner, die ins Exil gegangen waren, zu entführen, verschwinden zu lassen und zu ermorden. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden bei dieser Operation 50.000 Menschen ermordet, 350.000 sind verschwunden und 400.000 wurden inhaftiert. Die USA spielten die führende Rolle im Plan Condor, wie ein im Jahr 2017 veröffentlichter CIA-Bericht erneut bestätigte.“

Transition News: Frankreich: Regierung nimmt „Verschwörungstheoretiker“ und Alternativmedizin ins Visier – Auszug: „Ein Gesetzentwurf zur ‚verstärkten Bekämpfung von sektiererischen Abwegen‘ führt neue Straftatbestände ein. (…) Ein von der Zeitung L’Express veröffentlichter Beitrag fasst die fünf Artikel der Gesetzesvorlage zusammen und stellt fest: ‚Artikel 4 schafft ebenfalls ein neues Vergehen, das mit einem Jahr Gefängnis und 15.000 Euro Bußgeld bestraft werden kann, wenn ‹zur Aufgabe oder Unterlassung von Behandlungen oder zur Annahme von Praktiken aufgerufen wird, die die Zielperson offensichtlich einem ernsten oder unmittelbaren Gesundheitsrisiko aussetzen›. Dies ist eine Antwort auf die vielen Fälle, in denen Verschwörungstheoretiker und alternative Therapeuten zum Beispiel vorschlagen, die Krebsbehandlung abzubrechen.‘ Der Gesetzesentwurf geht aber noch weiter: Falls die ‚Verleitung‘ Erfolg hat, also der Patient entsprechend handelt, verdreifachen sich die Strafen – drei Jahre Haft und 45.000 Euro Geldstrafe. Zur Beurteilung der Tatbestände zählt gemäß der Vorlage, ob etwas ‚nach dem Stand der medizinischen Kenntnisse offensichtlich‘ ist.“ (Anmerkung Paul Schreyer: Ein Zirkelschluss – denn ob etwas „offensichtlich“ erscheint, hängt maßgeblich davon ab, wie breit der erlaubte Meinungskorridor ist. Die schulmedizinische Krebsbehandlung ist in jedem Fall ein Milliardengeschäft – und die beteiligten Pharmakonzerne scheuen die Konkurrenz zu ihren oft wenig wirksamen und teils schädigenden Verfahren. Im Gesetzentwurf heißt es wörtlich, man wolle „den Kampf gegen sektiererische Abweichungen verstärken“. Das fügt sich in aktuelle Trends ein, in der Wissenschaft Dogmen zu errichten sowie die Souveränität des Individuums zu begrenzen. Beides demontiert wesentliche Errungenschaften der europäischen Zivilisation.)