Empfehlungen November 2023

junge Welt: Was kostet der Krieg? – Auszug: „Praktisch gleichzeitig haben Russland und die Ukraine ihre Budgets für das kommende Jahr veröffentlicht. Aus dem vom ukrainischen Präsidenten Wolodimir Selenskij am Dienstag unterzeichneten Dokument geht hervor, dass die Ukraine von erwarteten Staatseinnahmen in Höhe von umgerechnet 44 Milliarden Euro etwa 40 Milliarden für militärische Zwecke ausgeben wird. Die Einnahmen sollen dabei nicht nur aus Steuern und Zöllen kommen, sondern auch aus noch nicht näher benannten Privatisierungen staatlicher Unternehmen – es handelt sich also um erst erwartete und in der Höhe nicht sichere Erlöse. (...) Auch auf der russischen Seite ist der Militärhaushalt für das kommende Jahr auf ein Rekordniveau gestiegen. Die Ausgaben im Haushaltstitel ′Nationale Verteidigung‵ steigen nach dem Plan auf umgerechnet 111 Milliarden Euro, also knapp das Dreifache des ukrainischen Werts. Sie machen damit knapp 30 Prozent des Gesamthaushalts oder sechs Prozent des russischen Sozialprodukts aus. Das sind Werte, die über die in der Endphase der Sowjetunion offiziell erklärten 25 Prozent des Gesamtbudgets hinausgehen. Welche Posten mit militärischem Bezug noch in anderen Kapiteln des Budgets versteckt sind, ist von außen ebenso wie bei der Ukraine nicht zu erkennen. Jedenfalls erklärte Präsident Wladimir Putin bei der Vorlage des Etats, Russland sei seit dem Beginn des Krieges ′stärker geworden‵ und habe ′seine Souveränität als Weltmacht‵ wiedererlangt.“

Neue Zürcher Zeitung: Henry Kissinger mit 100 Jahren verstorben – kein Genie, aber ein grosses Talent – Unter den Praktikern der amerikanischen Aussenpolitik zählte Henry Kissinger zu den dominantesten Figuren. Kein anderer Aussenminister in Washington war je so tief von europäischer Geschichte beeinflusst wie der Flüchtling aus Mittelfranken, der nun im Alter von 100 Jahren verstorben ist. – Auszug: „Walter Isaacson berichtet in seiner Biografie, dass Kissinger 1988 bei einem Treffen von Nobelpreisträgern in Paris an einer Sitzung hinter verschlossenen Türen vom argentinischen Menschenrechtler Adolfo Pérez Esquivel scharf angegriffen wurde. Dieser warf ihm eine einseitig machtzentrierte Politik vor, die zum ′Genozid‵ und zu ′kollektiven Massakern‵ geführt habe. Der Angegriffene entgegnete, als Flüchtling aus Europa, in dessen Familie mehr als ein Dutzend Angehörige durch den Holocaust umgekommen seien, wisse er einiges über die Natur von Völkermorden. Es sei einfach für ′Menschenrechts-Kreuzzügler‵ und Friedensaktivisten, auf einer perfekten Welt zu insistieren. Aber der Politiker, der sich mit der Realität auseinandersetzen müsse, lerne, eher das Bestmögliche anzustreben als das Beste, was man sich vorstellen könne. Jene, die wirkliche Verantwortung für Frieden trügen, könnten sich keinen reinen Idealismus leisten – anders als diejenigen an den Seitenlinien. Sie müssten den Mut haben, mit Mehrdeutigkeiten und Zugeständnissen umzugehen. Keine Seite habe ein Monopol auf die Moral.“

29. November 2023

Achgut: Geheimdienst von „Moderna“: So spioniert Big Pharma uns aus – Auszug: „Die Wühlarbeit von Moderna und seinen Helfershelfern geht offenbar nicht nur weit über die normale PR-Arbeit eines großen Konzerns hinaus, sondern weist auch auf ein regelrechtes Fehlinformations- und Spionage-Netzwerk hin, das in und um den Pharmariesen klammheimlich installiert wurde: ‚Die hier erstmals vorgestellten Moderna-Missinformationsberichte zeigen, wozu das Pharmaunternehmen bereit ist, um die öffentliche Diskussion über sein Spitzenprodukt zu gestalten. Und sogar die Politik zu beeinflussen.‘ (…) Dabei spielt eine von der Arzneimittelindustrie finanzierte NGO namens Public Good Projects eine Schlüsselrolle. Laut UnHerd vorliegenden Dokumenten arbeitet PGP eng mit sozialen Medienplattformen, Regierungsbehörden und Nachrichtenwebsites zusammen, um die ‚Ursachen der Impfzurückhaltung‘ schnell zu identifizieren und ‚Fehlinformationen zu unterbinden‘. (…) Das Überwachungsteam umfasst Modernas globale Geheimdienstabteilung, die von der Amerikanerin Nikki Rutman geleitet wird, die fast 20 Jahre lang als Analystin beim FBI tätig war. Rutman arbeitete während des COVID-19-Einsatzes namens ‚Operation Warp Speed‘ im FBI-Büro in Boston, bei dem das FBI wöchentliche Cybersicherheitsbesprechungen mit dem in Boston ansässigen Unternehmen Moderna abhielt. Sie ist eine von vielen ehemaligen Strafverfolgungsbeamten, die jetzt beim Impfstoffhersteller tätig sind.“

Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung: PEI und BMG: Nichts sehen, nichts hören, nichts sagen – Auszug: „In einer Anfrage nach dem Informationsfreiheitsgesetz (IFG) hatten die Ärztinnen und Ärzte für individuelle Impfentscheidung e. V. (ÄFI) das PEI [Paul-Ehrlich-Institut] aufgefordert, Fragen zu den Sicherheitsprüfungen der mRNA-Impfstoffe Comirnaty (Pfizer/BioNTech) und Spikevax (Moderna) und den sich daraus ergebenden Prüfprotokollen zu beantworten. Hintergrund war die Veröffentlichung von wissenschaftlichen Arbeiten seit dem Frühjahr 2023, in denen Verunreinigungen der genannten COVID-19-Impfstoffe mit DNA-haltigen Fragmenten und Bakterien-Plasmiden nachgewiesen wurden. Im Raum steht seither die Frage, ob die Impfstoffe – entgegen allen Versprechungen zu ihrer Sicherheit – nun doch Krebserkrankungen begünstigen und das menschliche Erbgut verändern können (...) Die Antwort des PEI fällt ernüchternd aus. Nicht nur, dass auf keine der von ÄFI gestellten Fragen eingegangen wurde – Begriffe wie ′Verunreinigung‵, ′Plasmid‵ oder ′Fremdstoff‵ tauchen in dem Antwortschreiben kein einziges Mal auf. (...) Demnach führt das PEI keine eigenen experimentellen Untersuchungen über die OMCL-Richtlinien [OMCL = Official Medicines Control Laboratory] hinaus durch, sondern überprüft nur die Herstellerangaben zum DNA-Gehalt des Impfstoffs. Also eine einfache Papierprüfung, bei der die Testergebnisse des Herstellers mit den festgesetzten Grenzwerten abgeglichen werden.“

Frankfurter Allgemeine: Bundespräsident: Solidarität auch mit einem „Israel, das sich wehrt“ – Auszug: „Die beiden höchsten Vertreter Deutschlands reisen an diesem Sonntag nach Israel. (...) Steinmeier sagte vor seinem Abflug, er fahre ′gerade jetzt‵ nach Israel, um das Land der fortgesetzten Solidarität Deutschlands zu versichern ′nicht nur mit Israel als Opfer des Terrors, sondern auch als Israel, das sich wehrt‵. Steinmeier sprach auch die zunehmende Kritik an Israels Vorgehen im Gazastreifen an. Israel werde ′in den Augen der Welt inzwischen nicht mehr in erster Linie als verwundet und überfallen‵ betrachtet. Vielmehr sei es ein Land, das sich wehre, das um seine Existenz kämpfe und für diese Gegenwehr ′immer mehr auch in der Kritik der Weltöffentlichkeit‵ stehe. Er bekräftigte das Recht Israels, sich nach dem Terrorangriff zu verteidigen. Das Land sei seit seiner Gründung vor 75 Jahren immer bedroht gewesen in einer ′feindlich gesinnten‵ Nachbarschaft. Die Idee und das Versprechen Israels bestehe darin, dass Juden nie wieder wehrlos seien. Auch Deutschland sei diesem Versprechen verpflichtet. Doch stellte der Bundespräsident die Frage, was das ′viel beschworene‵ Existenzrecht konkret bedeute. Niemand könne Israel verwehren, den Terror entschieden zu bekämpfen. ′Dieser Kampf bringt großes Leid jedoch auch unter unbewaffneten Zivilisten‵, sagte Steinmeier. Jede Vorkehrung, Zivilisten aus der Schusslinie zu bekommen, sei notwendig. Hinzu komme die Versorgung mit dem Lebenswichtigsten. ′Das verlangt das humanitäre Völkerrecht, und das erwarten auch wir Deutschen.‵“

ntv: Warum Klimaprojekte von Milliardären gefährlich sind – Auszug: „Ein neues nukleares Zeitalter, gesponsert durch Superreiche, erscheint geradezu bescheiden angesichts von Vorhaben, die unser Klima ′hacken‵ wollen und die Erderwärmung durch Technologien aufhalten oder sogar zurückdrehen wollen. Der vornehmere Ausdruck ist Geo-Engineering. Gemeint sind Ideen wie Solar Radiation Management (SRM). Dabei sollen Aerosole in die obere Atmosphäre gesprüht werden, wahrscheinlich von einer Flotte sehr hoch fliegender Flugzeuge. Die Aerosole – verschiedene Substanzen sind im Gespräch – sollen die Sonne etwas abdunkeln und so die Atmosphäre abkühlen. Zu den Fans dieses Ansatzes gehört George Soros, der seine Pläne, ein solches SRM-Projekt anzustoßen und die Arktis damit wieder ′einzufrieren‵, bei der Münchner Sicherheitskonferenz im Februar 2023 vorstellte. ′Die Botschaft ist klar: Menschliche Beeinflussungen haben ein zuvor stabiles System zerstört und es bedarf des menschlichen Erfindergeistes, sowohl auf lokaler als auch auf internationaler Ebene, um es wieder in Ordnung zu bringen‵, sagte er da. Wissenschaftler sind tief besorgt. In einem offenen Brief forderten Hunderte von ihnen von den Regierungen, den Vereinten Nationen und anderen Akteuren sofortige politische Maßnahmen, um die Normalisierung des solaren Geo-Engineerings als klimapolitische Option zu verhindern. Problematisch ist nicht allein die Tatsache, dass Milliardäre Geld für neue, möglicherweise gefährliche Technologien geben. Problematisch ist, dass sie es inzwischen oft sind, die maßgeblich entscheiden, welche Technologien vorangetrieben werden sollen.“

Overton Magazin: „Sobald wir die Russen anrufen, werden sie sich am nächsten Tag an den Verhandlungstisch setzen“ – Auszug: „David Arakhamia ist (…) Fraktionsvorsitzender von Selenskijs Partei ′Diener des Volkes‵. Und er bekannte jetzt in einem Interview (…), dass der russische Angriffskrieg kurz nach seinem Beginn im Frühjahr hätte beendet werden können. (...) Es war vor allem Boris Johnson, der Selenskij dazu antrieb, die Friedensverhandlungen abzubrechen und auf Sieg, d.h. auf Rückeroberung aller Gebiete, einschließlich der Krim, zu setzen. (...) ′Russlands Ziel war es, Druck auf uns auszuüben, damit wir die Neutralität akzeptieren‵, zitiert Strana Arakhamia. ′Das war für sie das Wichtigste: Sie waren bereit, den Krieg zu beenden, wenn wir die Neutralität akzeptierten, wie es Finnland einst tat. Und wir würden eine Verpflichtung eingehen, nicht der NATO beizutreten. Das war die Hauptsache.‵ Alles andere wie die ′Entnazifizierung‵ oder der Schutz der russischsprachigen Bevölkerung sei politische Würze oder Blabla gewesen. Auf die Frage, warum die Ukraine das abgelehnte hatte, sagte er, dass dafür erstens eine Verfassungsänderung notwendig gewesen wäre, weil der Nato-Beitritt in die Verfassung aufgenommen worden war. Zudem habe es kein Vertrauen in die Russen gegeben, Vereinbarungen auch einzuhalten. Zu der Zeit sei eben Boris Johnson nach Kiew gekommen, der von Vereinbarungen abgeraten und gesagt habe: ′Lasst uns einfach kämpfen.‵“

Politico: Pfizer is suing Poland over vaccines. This is how we got here (Pfizer verklagt Polen wegen Impfstoffen. So ist es dazu gekommen) – Auszug (übersetzt): „Der US-Pharmariese Pfizer verklagt die polnische Regierung wegen ausbleibender Zahlungen für 60 Millionen Dosen des von ihm und BioNTech entwickelten Impfstoffs COVID-19. Die Klage, die zu einem Zeitpunkt erhoben wird, zu dem sich Polen auf einen Regierungswechsel nach den Wahlen im Oktober vorbereitet, ist der Höhepunkt eines 19-monatigen Streits zwischen Warschau und Pfizer wegen einer Flut von Impfstoffdosen. Die Wurzeln des Streits lassen sich jedoch weiter zurückverfolgen: bis zu dem riesigen Vertrag über 1,1 Milliarden Impfdosen, den die Europäische Kommission 2021 mit Pfizer unterzeichnete und der wegen des angeblichen Austauschs von Textnachrichten zwischen Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Pfizer-Chef Albert Bourla im Vorfeld der Verhandlungen umstritten ist. "Pfizer und BioNTech versuchen, Polen dazu zu bringen, seine Verpflichtungen für COVID-19-Impfstoffbestellungen einzuhalten, die von der polnischen Regierung als Teil ihres im Mai 2021 unterzeichneten Liefervertrags mit der Europäischen Union eingegangen wurden", sagte ein Sprecher von Pfizer gegenüber POLITICO und fügte hinzu, dass sich auch BioNTech dem Verfahren angeschlossen hat. Laut der polnischen Zeitung Gazeta Prawa hat Pfizer den Zivilprozess vor einem Brüsseler Gericht angestrengt, weil die Impfdosen im Rahmen von EU-Verträgen über die gemeinsame Beschaffung nach belgischem Recht erworben wurden.“

The Hill: He saved humanity: The better way to remember JFK (Er hat die Menschheit gerettet: Die bessere Art, sich an JFK zu erinnern) – Auszug (übersetzt): „[Kennedy] reagierte auf ein Gerücht, dass Chruschtschow einen Deal über die Hintertür abschließen wollte. Sein Instinkt sagte ihm, dass dies der einzige Ausweg war, da Bomber und Raketen bereitstanden, um die Welt zu vernichten. Kennedy verdoppelte daraufhin das Risiko, indem er eine zweite ′Forderung‵ Chruschtschows – die eindeutig von seinen Generälen vorangetrieben wurde – ignorierte und nur auf die erste Forderung einging. Es war eine brillante Taktik, die es letztlich beiden Ländern ermöglichte, ihr Gesicht zu wahren. Heute kann kaum jemand verstehen, wie nahe die Welt dem Verlust von Hunderten von Millionen Menschenleben war. Doch anstatt sich schadenfroh zu zeigen, schockierte Kennedy die diplomatische Welt noch mehr, indem er einen bemerkenswerten Olivenzweig anbot. In seiner Rede an der American University am 10. Juni 1963 forderte Kennedy alle Amerikaner auf, innezuhalten und sich vorzustellen, sie seien Russen. Anstatt sie zu verteufeln und zu dämonisieren, versuchte der Präsident, sie zu vermenschlichen: ′Lassen Sie uns unsere Haltung gegenüber der Sowjetunion überdenken ... Unter den vielen Gemeinsamkeiten zwischen den Völkern unserer beiden Länder ist keine stärker als unsere gemeinsame Abscheu vor dem Krieg.‵ Sechzig Jahre nach seinem Tod sollten wir uns an Präsident Kennedy nicht wegen seines Todes erinnern, sondern weil er sich dem selbstmörderischen Druck widersetzte, seinen Instinkten vertraute und ein Risiko einging, um die Menschheit zu retten.“

Frankfurter Allgemeine: Kritik an Lauterbachs Umbauplänen – Gegenwind für den Gesundheitsminister: An den Plänen von Karl Lauterbach für das neue Präventions-Bundesinstitut gibt es scharfe Kritik. Dazu steht die Ständige Impfkommission vor einem Umbruch – die meisten Mitglieder sollen ausgetauscht werden. (Bezahlschranke) – Auszug: „Demnach soll das RKI deutlich schrumpfen und den Bereich der nicht infektiösen Erkrankungen an ein neu zu gründendes Bundesinstitut für Prävention und Aufklärung in der Medizin (BIPAM) abgeben, wie die neue Bundesbehörde heißen soll. Es soll für Infektionskrankheiten zuständig bleiben und diesbezüglich gestärkt werden, das BIPAM soll wiederum die Kommunikation übernehmen. (…) Das sehen viele Experten anders. Am Dienstag veröffentlichte der Paritätische Wohlfahrtsverband einen Offenen Brief, in dem dieser sich mit mehr als 40 Organisationen wie der Deutschen Aidshilfe und dem Deutschen Netzwerk Gesundheitskompetenz an Lauterbach wendet. Sie kritisieren die konzeptionelle Ausrichtung des geplanten BIPAM. (…) Ähnlich sahen es bereits vergangene Woche rund zwanzig Fachgesellschaften wie die Bundesvereinigung Prävention und Gesundheitsförderung oder die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin. (…) Die Verbände vermissen eine übergreifende nationale Public-Health-Strategie der Regierung. (…) Es gebe gravierende Fehler, die behoben werden müssten, um Lebenserwartung und -qualität auf europäisches Niveau zu heben.“

Infosperber: Gideon Levy: „Herr Horror ist sowohl hier wie dort“ – Der Mitherausgeber der israelischen Oppositionszeitung „Haaretz“ spricht Klartext. – Auszug: „In scharfen Worten kritisiert Gideon Levy den britischen Gitarristen und Mitgründer der Rockgruppe Pink Floyd, Roger Waters. Dieser hatte das Ausmass des Terrorangriffs der Hamas vom 7. Oktober in Zweifel gezogen. In einem Offenen Brief an Waters schrieb Levy am 19. November wörtlich: ′Es fand eine Gräueltat statt, wie wir sie in der blutigen Geschichte dieses Konflikts noch nie gesehen haben. Diese Gräueltat hat einen Kontext, nämlich die verbrecherische Blockade und den religiösen Fundamentalismus, der im Schatten der Blockade entstanden ist. Aber kein Kontext der Welt kann eine solche Barbarei rechtfertigen.‵ Der ′Haaretz‵-Mitherausgeber und Journalist Levy besuchte die Orte des Massakers: ′Ich habe alles mit meinen eigenen Augen gesehen. Ich sah die Blutspuren, die verbrannten Häuser, die überall verstreuten Leichen und den Geruch des Todes überall. Es war furchtbar. Kein Mensch und kein Land hat so etwas verdient.‵ Er sei der Letzte, der Israels Verbrechen auch jetzt in Gaza auf die leichte Schulter nehme. Auch dieses müsse bestraft werden.An Roger Waters gerichtet, schrieb Levy: ′Ich würde Dich mitnehmen und Dir die schrecklichen Tatorte im Süden Israels zeigen. Anschliessend würden wir zusammen nach Gaza fahren und uns die schrecklichen Tatorte dort ansehen. Der Horror ist sowohl hier als auch dort. Das muss auch für Dich klar sein.‵“

spiked: How Islamism destroyed the Palestinian movement – Hamas has killed off any prospect of self-determination (Wie der Islamismus die palästinensische Bewegung zerstört hat – Die Hamas hat jede Aussicht auf Selbstbestimmung zunichte gemacht) – Auszug (übersetzt): „(...) Meinungsumfragen deuten darauf hin, dass viele Westler, insbesondere junge Erwachsene, mit der Hamas sympathisieren. (...) Der Grund dieser Sympathie für die Hamas liegt zum Teil darin, dass viel zu viele im Westen zu glauben scheinen, die Hamas kämpfe für die Befreiung Palästinas. Dass sie, kurz gesagt, eine nationale Befreiungsbewegung ist, die in der Tradition der antikolonialen Kämpfe des 20. Jahrhunderts steht. Deshalb haben einige selbsternannte Linke die Hamas sogar als ′Widerstandsbewegung‵ im weltweiten Kampf gegen den westlichen Imperialismus gefeiert. Damit wird das Wesen der islamistischen Überzeugungen der Hamas sowie das Verhältnis des Islamismus zum Nationalismus gründlich missverstanden. Der Nationalismus ist, zumindest in seiner idealen Form, liberal, demokratisch und säkular. Der Islamismus ist das Gegenteil von all dem. (...) Antisemitismus und Antipathie gegenüber dem Nationalstaat sind im islamistischen Denken eng miteinander verbunden. (...) Natürlich gibt es im Nahen Osten immer noch nationalistische Führer wie den Syrer Baschar al-Assad. Aber sie sind in der Regel zurückhaltender und defensiver als in der Mitte des 20. Jahrhunderts. Überall in der Region gedeiht der Islamismus inmitten der langfristigen Niederlage des säkularen Nationalismus. Dies ist äußerst beunruhigend. (...) Diejenigen, die islamistische Gruppen wie die Hamas immer noch mit einer nationalen Befreiungsbewegung verwechseln, werden ein böses Erwachen erleben.“

Welt: Als Erstes griff Katar zum Telefon – Wie der Geisel-Deal zustande kam (Bezahlschranke) – Auszug: „Die Ersten, die zum Telefonhörer griffen, waren nach WELT-Informationen die Katarer. Schon am Tag nach dem Terrorangriff (...) kontaktierte Katars Premierminister (…) sowohl Israel als auch die Hamas und die USA, um die Vermittlung seines Landes bei Verhandlungen über eine Freilassung anzubieten. (…) Als Nächstes wurden die USA aktiv. Am 13. Oktober (...) sprach Präsident Joe Biden in einer Videoschalte mit Angehörigen der Geiseln – noch bevor der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu dies getan hatte. (…) Auf Vorschlag Katars wurde nun eine feste Verhandlungsgruppe gebildet (…) Den Kontakt zur Hamas hielten vor allem der katarische Premier Al Thani und Generalmajor Abbas Kamel, der Chef des allgemeinen Geheimdienstes Ägyptens. Den Ägyptern kam bei den Verhandlungen immer wieder eine besondere Rolle zu. (…) Beteiligte der Verhandlungen kritisierten schon früh, dass Israels schwere Bombardements die Kommunikation mit den Hamas-Vertretern am Boden zwischenzeitlich verunmöglicht hätten. Zu Beginn der Krise schien Netanjahu die Freilassung der Geiseln auch nur bedingt zu verfolgen. So erklärte er zunächst, Priorität habe die Vernichtung der Hamas. (…) Bis in die vergangene Woche hinein äußerten Teilnehmende und Beobachter der Gespräche wiederholt den Eindruck, Netanjahu erschwere die Gespräche. Wenn eine Teileinigung vor allem im Gespräch mit Mossad-Chef Barnea und Sicherheitsberater Hanegbi gefunden worden sei, habe der Premier diese wiederholt mit Nachforderungen infrage gestellt.“

Responsible Statecraft: The Ukraine war has been a 'great bargain' for US in the Black Sea (Der Ukraine-Krieg war für die USA ein „gutes Geschäft“ im Schwarzen Meer) - Auszug (übersetzt): „Bei zwei kürzlich durchgeführten Anhörungen im Senat stellten Beamte des Außenministeriums den Krieg als ein Mittel dar, um die Geopolitik der Energie im Schwarzen Meer zu verändern. Solange die Ukrainer weiterkämpfen, so sagten sie, bestehe die Möglichkeit, das Schwarze Meer in einen neuen Markt für die Europäische Union zu verwandeln. Die Beamten stellten sich einen neuen Energiekorridor vor, der Europa mit Öl und Erdgas aus Zentralasien versorgt. (…) Ein Hauptziel, so erklärte [der Beamte des Außenministeriums James] O'Brien, sei die Stärkung der NATO-Präsenz im Schwarzen Meer. Angesichts der Tatsache, dass die NATO im Schwarzen Meer durch Mitgliedsstaaten und Partnerländer präsent ist, sah O'Brien eine Gelegenheit, den Krieg zu nutzen, um die militärische Präsenz der NATO in der gesamten Region zu Lande, im Luftraum und in den Gewässern zu erhöhen. (…) Ein weiteres wichtiges Ziel sei es, so O'Brien, die Ukraine und andere Schwarzmeerländer von Russland abzukoppeln und sie gleichzeitig in die Europäische Union zu integrieren, wo sie sich an deren Handels- und Produktionsregeln halten müssten. Die gesamte Region, so seine Vision, ‚wird zu einem Ort, an dem wir in einer sehr guten Position sind, um zu kontrollieren, was passiert, wenn die Regeln gemacht werden‘, sagte er.“

Berliner Zeitung: Corona-Ausschuss im Potsdamer Landtag: Eiertanz um die Verantwortung – Auszug: „Britta Ernst spricht oft nicht ins Mikrofon. Ohnehin hat man den Eindruck, sie wäre lieber nicht hier, an diesem Ort, wo sie sechs Jahre lang Bildungsministerin war, bis sie im April 2023 überraschend zurücktrat. Eine Potsdamer Anwältin sitzt ihr zur Rechten, sie ist als Zeugenbeistand ausgewiesen. Die beiden Frauen kommunizieren geschickt unauffällig miteinander. Sie vermeiden so, dass ihnen das gleiche Schicksal widerfährt wie dem früheren RKI-Chef Lothar Wieler vor einigen Wochen: Dessen Beistand, Heiko Rottmann-Großner aus dem Bundesgesundheitsministerium, hatte zu offensichtlich eingegriffen, die beiden wurden getrennt, der Ausschuss hatte eine Zeugenbeeinflussung gewittert. (...) Britta Ernst, wenn sie denn mal am Stück spricht, agiert mit viel Übersicht. Sie lässt sich nicht in die Enge treiben, auch wenn sie zwischendurch immer wieder unsicher wirkt. Sie wiederholt, wenn nötig, ständig ähnliche Formulierungen, die im Endeffekt darauf hinauslaufen, dass sie und ihr Ministerium sowie die gesamte Landesregierung die ganze Zeit vor allem das Kindeswohl im Blick gehabt hätten und Schulschließungen verhindern wollten. Die wenigen Male, wo Britta Ernst mehrere Sätze am Stück spricht, stellt sich wiederum der Olaf-Scholz-Effekt ein: Man hat als Zuschauer Mühe, dem Gesagten zu folgen, weil es so einschläfernd wirkt. Da die Kanzlergattin nun schon die dritte führende Politikerin ist, die diesen Effekt bemüht, stellt sich die Frage: Ist das einfach nur Bürokraten-Deutsch oder eine bewusst gewählte Strategie?“

ntv: Energiewirtschaft und Netzagentur rufen zum Gassparen auf – Auszug: „Die Energiewirtschaft und die Bundesnetzagentur haben die Bürger aufgerufen, auch in diesem Winter mit Gas sparsam umzugehen. Zwar seien die Speicher voll, und man brauche keine Gesetze wie vor einem Jahr mehr, sagte die Chefin des Branchenverbandes BDEW, Kerstin Andreae, der ′Neuen Osnabrücker Zeitung‵. ′Trotzdem appellieren wir an die Bevölkerung, möglichst wenig Gas zu verbrauchen.‵ Es gebe Faktoren, die man nicht in der Hand habe, sagte Andreae weiter. Wenn es zwei Monate lang richtig kalt werde, leerten sich die Speicher und müssten wieder befüllt werden. Auch müsse jede Kilowattstunde, die eingespart werde, niemand bezahlen, sagte sie. ′Je geringer der Verbrauch, umso geringer die Kosten, und umso höher die Energiesicherheit.‵ Ähnlich äußerte sich Netzagentur-Chef Klaus Müller. ′Auch in diesem Winter ist es sinnvoll, eine Familienkonferenz einzuberufen und sich zu fragen, ob man jedem wirklich in jedem Raum dieselbe Temperatur braucht oder ob man abstufen kann‵, sagte der Behördenpräsident der Funke-Mediengruppe. (...) Für den Moment zeigte sich Müller optimistisch. ′Wir haben ein Sechstel des Winters schon hinter uns. Und bis jetzt läuft es gut.‵ Der Verband der Speicherbetreiber hatte Anfang November erklärt, trotz gefüllter Gasspeicher sei bei einem sehr kalten Winter eine Notlage nicht auszuschließen. Bei extrem niedrigen Temperaturen wie 2010 könnten die deutschen Speicher demnach Ende Januar leer sein. Erst im März könnten die Speicher in solch einem Szenario wieder befüllt werden.“

The Wall Street Journal: Is the U.S. Ready for War? – Auszug (übersetzt): „Die ukrainischen Truppen setzen sowohl altmodische schwere Artillerie als auch kommerzielle Produkte wie Drohnen mit daran befestigten Granaten ein, die über den Satelliten-Internetdienst Starlink gesteuert werden. Die Hamas-Terroristen setzten Motorräder und Gleitschirme ein. Die israelischen Soldaten setzen hochentwickelte Iron-Dome-Raketenabwehrsysteme und zum Verschließen von Tunneln ′Schwammbomben‵ ein, die wie Dichtungsschaum aus dem Baumarkt funktionieren. Sind die USA für diese Art von Krieg bereit? Um das herauszufinden, traf ich mich mit dem Senator von Arkansas, Tom Cotton (...), der (...) im Ausschuss für Streitkräfte sitzt. (…) ′Verschiedene Kriege erfordern verschiedene Arten von Waffen‵, sagte er. ′Sehen Sie sich nur drei Konflikte oder potenzielle Konflikte an. In der Ukraine gibt es einen schweren mechanisierten Landkrieg, bei der Hamas gibt es intensive Kämpfe in den Städten. Und in Taiwan, wenn es dazu käme, hätten wir es mit einem weitgehend maritimen Konflikt zu tun.‵ (…) Aber kaufen wir auch das Richtige? (…) ′Das [Verteidigungsministerium] muss in dieser Hinsicht bessere Arbeit leisten. Es wird immer noch ein erheblicher Bedarf an traditioneller Gefechtsfeldtechnologie für Panzer und gepanzerte Mannschaftstransporter und Munition, für Jagdgeschwader und neue Tarnkappenbomber bestehen. Die Technologie, auf die es am meisten ankommt, ist eine Technologie, die die Soldaten, die an der Front sind, befähigt und es für sie sicherer macht.‵“

Merkur: Israel und Palästina im deutschen Herbst – Auszug: „Im Krieg (…) nähren sich die gegenläufigen Mythen aneinander und erschweren, gerade weil sie so zwingend erscheinen, das Umdenken, eine Neudeutung, ohne die es keinen Frieden geben kann. (…) In einer atemberaubenden dialektischen Volte ist aus einem Anlass zur deutschen Selbstaufklärung eine Verstrickung in den israelischen Mythos geworden. (…) Man hat es (…) nicht mit einer Symmetrie aus Meinung und Gegenmeinung zu tun, sondern mit einem ideologischen Gefälle, an dessen oberen Ende die eine Seite ihr Wissen pausenlos herabrollen lässt, während die andere ihr alternatives Wissen gegen einen Steinschlag aus Vorwürfen hinaufwuchten muss. (…) Wie jede ideologische Hegemonie wird auch diese von denjenigen, die sie ausüben, gar nicht bemerkt. Man findet die eigene, einseitige Sicht auf die Dinge einfach normal. Und nicht nur das, man hält sie auch für moralisch wertvoll. (…) Seit dem 7. Oktober (…) erleben wir einen Exzess nicht nur der Einseitigkeit, sondern auch der Selbstgerechtigkeit. (…) Mit beiden Seiten zu fühlen erfordert im Krieg eine fast übermenschliche Kraft. Wer sie aufbringt, verdient Bewunderung. Doch fordern kann man sie nicht. Und wenn man menschliche Solidarität mit den Opfern eines Verbrechens erwarten kann – die politische Solidarität mit einem Staat im Kriegszustand zu fordern, läuft auf Nötigung hinaus. (…) Ein Gespräch auf Augenhöhe (…) sei praktisch nicht möglich, wenn die normale Haltung der Umwelt nicht in der Bereitschaft zum Zuhören, sondern der Forderung von Bekenntnissen besteht.“

Frankfurter Allgemeine: Am Ende nennt Biden Xi wieder einen Diktator (Bezahlschranke) – Auszug: „Biden sagte, er freue sich, mitteilen zu können, dass beide Seiten nach vielen Jahren des Stillstandes Fortschritte in der Drogenbekämpfung erzielt hätten. (…) Daneben habe man vereinbart, den Kommunikationskanal zwischen den Streitkräften beider Länder wiederherzustellen. (…) Zentraler Streitpunkt bleibt Taiwan, über das man ebenso geredet habe wie über das aggressive Auftreten Pekings im Südchinesischen Meer. Ein ranghoher Vertreter der Biden-Regierung sagte nach dem Gipfel, Xi habe deutlich gemacht, die Taiwan-Frage sei die potentiell gefährlichste in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen. Xi habe gesagt, er präferiere eine friedliche Wiedervereinigung. (…) Andere globale Themen, wie die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten, wurden angesprochen. Keine Rolle spielten offenbar die Klimakrise und Handelsfragen (…) Er [Biden] sucht den direkten Austausch mit Xi (...). Nach dem Gipfel hob Biden daher hervor, wie wichtig es sei, dass beide Präsidenten vereinbart hätten, zum Telefonhörer zu greifen, wenn einer ein Anliegen habe. (…) Xi stellte (...) klar, welche Bedeutung er dem chinesisch-amerikanischen Verhältnis beimisst: Es seien die wichtigsten bilateralen Beziehungen in der Welt. (...) Das Verhältnis der beiden Länder sei in den vergangenen fünfzig Jahren nie glattgelaufen (...). Doch trotz mancher Wendungen sei es immer vorwärtsgegangen. Für zwei so große Länder sei es keine Option, sich ′den Rücken zuzukehren‵. (…) Am Ende der Pressekonferenz wurde Biden allerdings gefragt, ob er Xi immer noch, wie kürzlich, einen Diktator nennen würde. Biden antwortete prompt: Xi sei es nun einmal.“

Frankfurter Allgemeine: Angriff auf Leiter der Oberhausener Filmtage – Lars Henrik Gass, Leiter der Oberhausener Kurzfilmtage, hat zu einer Demonstration gegen die Hamas aufgerufen. Jetzt fordern Filmschaffende seine Absetzung. – Auszug: „[Gass] signierte mit seinem Namen, allerdings auf dem offiziellen Account der Kurzfilmtage. Diese finden jährlich im Mai statt, und haben unter Gass, der sie seit 1997 leitet, ihr internationales Renommee behauptet und sogar ausgebaut. Nun aber ist er mit weltweitem Widerspruch konfrontiert. Denn gegen eine Formulierung in seinem Aufruf, gegen die Hoffnung, die ′Neuköllner Hamasfreunde und Judenhasser‵ numerisch und wohl auch im deutschen Meinungsbild zu überbieten, wurde eine ′message‵ in englischer Sprache formuliert, die Stand Mittwoch von rund 1900 Menschen, vorwiegend Filmschaffenden aus aller Welt unterzeichnet wurde. (…) Gass reagierte auf der Webseite der Kurzfilmtage, in der er einräumte, dass sein Aufruf ′spontan‵ erfolgt, und von ′Trauer, Empathie, Erschrecken und Zorn‵ bestimmt war. ′Wir hoffen auf eine Fortsetzung des Dialogs.‵ In einem Interview mit der Tageszeitung ′Die Welt‵ sprach Gass am Dienstag von einem ′unsichtbaren Gegner‵, der zugleich ′die eigene Kundschaft‵ sei – weil ja die 1900 Unterzeichnenden im wesentlichen Filmemacherinnen und Filmemacher sind, die an den Kurzfilmtagen teilgenommen haben oder mit ihren Werken dafür in Frage kommen. Gass fand für die ′message‵, die de facto zu einem Boykott des Festivals aufruft, Worte wie ′Volkstribunale‵ und ′Affektökonomie‵, und sprach von einer ′Identitätspolitik des Globalen Südens‵.“

Welt: Der „Putin-Versteher“ und das Geld aus Russland – Der Journalist Hubert Seipel soll aus dem Umfeld von Wladimir Putin Zahlungen für wohlgefällige Bücher über den Herrscher im Kreml erhalten haben. (Bezahlschranke) – Auszug: „Die Vorwürfe gegen Seipel (...) lauten zusammengefasst so: Seipel habe im Jahr 2018 einen ′Sponsorenvertrag‵ unterschrieben, möglicherweise einen ähnlichen Vertrag bereits 2013. ′Der Autor schreibt ein Buch über das politische Umfeld in der Russischen Föderation, das im Jahr 2019 veröffentlicht werden soll‵, sei in diesem Vertrag vereinbart worden. Verpflichtungen gegenüber dem Sponsor gebe es keine, auch nicht, was den Inhalt angehe. Nachweisbar ist laut ′Spiegel‵ eine Zahlung von insgesamt 600.000 Euro. Die Zahlungen liefen über eine Briefkastenfirma mit dem Namen De Vere Worldwide Corporation mit Sitz auf den Britischen Jungferninseln in der Karibik. (…) Zugerechnet wurde De Vere Worldwide in der fraglichen Zeit zum Unternehmensgeflecht des russischen Oligarchen Alexej Mordaschow, der wegen seiner Nähe zu Putin von der EU seit Februar 2022 sanktioniert wird. (…) Als der Reporter 2014 als Gast in der ARD-Talksendung von Günther Jauch nach seiner journalistischen Unabhängigkeit befragt wurde, sagte er ironisch: ′Natürlich hat Putin mich instrumentalisiert, der hat mir eine Million in die Schweiz überwiesen.‵ Soweit von der Wahrheit ist das im Rückblick offenbar nicht entfernt. (…) Der ′Fall Seipel‵ hat das Zeug, ähnlich wie der Fall um den ehemaligen ′Spiegel‵-Reporter Claas Relotius, der zahlreiche Artikel erfunden hatte, das ohnehin angeknackste Vertrauen in unabhängigen Journalismus weiter zu erschüttern.“

Welt: Wie die Öffentlich-Rechtlichen jahrelang Kreml-Propaganda verbreiteten – Auszug: „Zwischen Dezember 2013, also kurz vor dem ersten Krieg Russlands gegen die Ukraine, und der russischen Invasion von 2022 gehörte Seipel zu den Top Ten der Gäste in Russland-Talkshows im öffentlich-rechtlichen Fernsehen laut einer Auswertung von Länder-Analysen, einem Zusammenschluss von Osteuropa-Forschungsstellen in Deutschland. Angeführt wurde die Liste vom prorussischen Lobbyisten Alexander Rahr auf Platz eins und Dmitri Tultschinski auf Platz zwei, Büroleiter der staatlichen russischen Nachrichtenagentur ′Ria Nowosti‵ in Deutschland. Auf Platz drei landete der russlandfreundliche Ex-General Harald Kujat, und Kreml-Propagandistin Gabriele Krone-Schmalz reihte sich wie Seipel ebenfalls unter die Top Ten ein. Was ein bezeichnendes Licht wirft auf die langjährige Tendenz der Öffentlich-Rechtlichen, als Megafon russlandapologetischer Botschaften zu agieren.“ (Anmerkung Ulrich Teusch: Der Fall Seipel wirft sicherlich einige ernste Fragen auf. Er rechtfertigt aber nicht den Rundumschlag des „Welt“-Redakteurs Clemens Wergin. Die von Wergin genannten Personen waren zwar in vielen Russland- bzw. Putin-Talks vertreten, befanden sich aber dort stets deutlich in der Minderheit. Die Diskussionen wurden regelmäßig von den Russland-Kritikern dominiert. Es kann keine Rede davon sein, dass die Öffentlich-Rechtlichen jahrelang „als Megafon russlandapologetischer Botschaften“ agiert hätten.)

Brave New Europe: Michael von der Schulenburg, Hajo Funke, Harald Kujat – Frieden für Ukraine – Auszug: „Dies ist eine detaillierte Rekonstruktion der ukrainisch-russischen Friedensverhandlungen im März 2022 (…). Anfang März 2022 kontaktierte Präsident Zelensky nicht nur Naftali Bennett, sondern auch den deutschen Altbundeskanzler Gerhard Schröder und bat ihn, seine engen persönlichen Verbindungen zu Putin zu nutzen, um zwischen Ukraine und Russland zu vermitteln, um Wege zu finden, wie dieser Krieg schnell beendet werden konnte. (…) ‚Noch am 27. März 2022 hatte Selenskyj den Mut gezeigt, die Ergebnisse der ukrainisch-russischen Friedensverhandlungen vor russischen Journalisten in aller Öffentlichkeit zu verteidigen – und dass obwohl die NATO bereits an 24. März 2022 auf einem Sondergipfel beschlossen hatte, diese Friedensverhandlungen nicht zu unterstützen.‘ (…) Am 28. März erklärte Putin, als ein Zeichen des guten Willens die Bereitschaft, Truppen aus dem Raum Charkow und dem Raum Kiew abzuziehen (…). Am 29. März 2022 telefonierten Scholz, Biden, Draghi, Macron und Johnson erneut zur Lage in der Ukraine. Zu diesem Zeitpunkt hatte sich offenbar die Haltung wichtiger westlicher Bündnispartner verhärtet. Sie formulierten im Gegensatz zum Vorgehen von Bennett und Erdogan Vorbedingungen für Verhandlungen (…). Am 9. April 2022 traf Boris Johnson unangemeldet in Kiew ein und erklärte dem ukrainischen Präsidenten, dass der Westen nicht bereit sei, den Krieg zu beenden. Laut britischem Guardian vom 28. April hatte Premier Johnson den ukrainischen Präsidenten Selenskyj ‚angewiesen’, ‚keine Zugeständnisse an Putin zu machen’. (…) Nach seinem Kiew-Besuch am 25. April 2022 erklärte US-Verteidigungsminister Lloyd Austin, die USA wollten die Gelegenheit nutzen, um Russland im Zuge des Ukrainekriegs auf Dauer militärisch und wirtschaftlich zu schwächen.“ (Anmerkung: Der Beitrag enthält auch das Istanbuler Kommuniqué, auf das sich ukrainische und russische Unterhändler am 29. März geeinigt hatten.)

Redaktionsnetzwerk Deutschland: Sondergipfel in Riad fordert internationale Friedenskonferenz – Auszug: „Beim Sondergipfel arabischer und islamischer Staaten wird scharfe Kritik an Israel laut. (…) Zugleich wurden internationale Ermittlungen zu ‚Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit‘, die Israel begangen habe, gefordert. Alle Länder sollten zudem den Export von Waffen und Munition an die ‚Besatzungsbehörden‘ – damit ist Israel gemeint – einstellen. Es wurde eine ‚Doppelmoral bei der Anwendung des Völkerrechts‘ angeprangert. Gleichzeitig wurde in der Erklärung die Notwendigkeit betont, ‚alle Gefangenen, Inhaftierten und Zivilisten‘ freizulassen (…). Jeder Versuch einer ‚Zwangsumsiedlung‘ von Palästinensern aus dem Gazastreifen, dem Westjordanland oder Jerusalem werde abgelehnt, hieß es weiter. Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi sagte zum Auftakt des Gipfels, alles, was auf ‚die Zwangsumsiedlung von Palästinensern‘ zu Orten ‚außerhalb ihres Landes‘ abziele, müsse gestoppt werden. Aus Sorge vor einer Massenflucht lehnen insbesondere Ägypten und auch Jordanien die Aufnahme von Flüchtlingen aus dem Gazastreifen ab. Das hat auch mit der Befürchtung zu tun, dass daraus am Ende eine dauerhafte Vertreibung werden könnte. (…) Unter den geladenen Gästen war auch der iranische Präsident Ebrahim Raisi. Ein Novum, denn es war sein erster Besuch im Königreich seit der Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen dem Iran und Saudi-Arabien.“

Telepolis: Finanzkapital auf dem Acker: Ein Trend seit der Finanzkrise – Auszug: „Beteiligungsgesellschaften und Unternehmensnetzwerke kaufen Land im großen Stil auf. Hinter diesen Gesellschaften stehen Immobilien- und Handelskonzerne (wie die Zech-Gruppe, die Lindhorst-Gruppe oder die Deutsche Agrar-Holding DAH), aber auch Unternehmen der Lebensmittelindustrie (zum Beispiel die Südzucker AG) oder der Versicherungskonzern Münchener Rück. (…) Landwirtschaftlich genutzter Boden bringt zwar vergleichsweise geringe Renditen, aber gilt als krisensichere Geldanlage, denn fallende Preise sind nahezu ausgeschlossen. (…) Der Zustrom von Kapital bei gleichzeitiger Verknappung (und in der Zukunft erwarteter Verknappung) lässt die Preise immer weiter steigen. Seit dem Jahr 2005 hat sich der durchschnittliche Kaufpreis für landwirtschaftliche Flächen in Deutschland ungefähr verdreifacht und liegt jetzt bei 31.911 Euro pro Hektar. (…) Höhere Kaufpreise führen im nächsten Schritt zu höheren Pachtpreisen. Zwischen 2007 und 2020 stiegen die Pachtkosten pro Hektar von durchschnittlich 183 Euro auf 329 Euro. Für die Erzeuger ist diese Entwicklung noch problematischer als die Kaufpreise, denn sie pachten durchschnittlich etwa 60 Prozent ihrer Flächen. (…) Anders gesagt, die Rentenzahlungen an die Grundeigentümer senken die Einkünfte der Erzeuger, von denen viele ohnehin kaum Gewinne erwirtschaften. Die Bauern sind eingeklemmt zwischen der vorgelagerten Industrie (Agrarchemikalien, Landmaschinen, Saatgut), den nachgelagerten Abnehmern (Lebensmittelindustrie und Handel) und den Grundeigentümern. Bei ihnen landet der kleinste Teil des Profits.“

Börsenblatt: Umstrittenes Buch „Angst, Politik, Zivilcourage“ vom Markt genommen – Auszug: „Das Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik (GEP) hat angekündigt, das Buch ′Angst, Politik, Zivilcourage‵ aus dem Handel zu nehmen. Dies geschehe nach einer eingehenden Prüfung, die erhebliche Bedenken gegen den Inhalt des Buches ergeben habe. Das GEP, das sich nach eigenen Angaben für eine demokratische, gerechte, nachhaltige und friedliche Gesellschaft einsetzt, sieht mit der Publikation eine rote Linie überschritten. Die Problematik des Buches, das in der Evangelischen Verlagsanstalt in Leipzig (EVA) erschienen ist, wurde kürzlich von Prof. Kristin Merle und Hans-Ulrich Probst in der evangelischen Zeitschrift ′Zeitzeichen‵ aufgezeigt. Sie weisen darauf hin, dass wesentliche Passagen des Buches demokratiefeindliche, geschichtsrevisionistische, verschwörungsideologische und antisemitische Narrative stützen.“ (Anmerkung Ulrich Teusch: Das nun zurückgezogene Buch war im Juli 2023 erschienen und hatte eine beachtliche, überwiegend wohlwollende Resonanz gefunden; schon nach relativ kurzer Zeit war eine zweite Auflage im Handel. Als Herausgeber fungierten Dr. Thomas A. Seidel, geschäftsführender Vorstand der Internationalen Martin Luther Stiftung und Träger des „Verdienstkreuzes am Bande der Bundesrepublik Deutschland“, sowie der Publizist Dr. Sebastian Kleinschmidt, langjähriger Chefredakteur der führenden deutschen Kulturzeitschrift „Sinn und Form“. Wir hatten „Angst, Politik, Zivilcourage“ in unsere Multipolar-Buchempfehlungen aufgenommen. Ich selbst bin in dem Buch mit einem Beitrag über György Konráds liberal-demokratisches, einer Stärkung der Zivilgesellschaft verpflichtetes Konzept „Antipolitik“ vertreten. Die offenkundig begriffsstutzigen „Zeitzeichen“-Rezensenten werfen mir absurderweise vor, ich nähme in meinem Text „eine grundsätzlich ablehnende Haltung dem Handeln gegenwärtiger Demokratien gegenüber ein“ und hätte „offensichtlich den Wunsch zur Mitgestaltung und Partizipation am demokratischen Prozess aufgegeben“. Nichts dergleichen habe ich geschrieben.)

German Foreign Policy: „Kriegstüchtigkeit“ als Handlungsmaxime – Auszug: „Die Bundeswehr sei ein ′Kerninstrument‵ der deutschen Sicherheitspolitik, heißt es in den neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien. Statt auf Diplomatie setzt die Bundesregierung demnach auf ′umfassende militärische Vorbereitung bereits im Frieden‵. (...) Maßstab sei ′die Bereitschaft zum Kampf mit dem Anspruch auf Erfolg im hochintensiven Gefecht‵. Dazu will Berlin die Infrastruktur der Bundeswehr ′beschleunigt‵ modernisieren und ′ausbauen‵, ′Produktions- und Lagerkapazitäten bei Beschaffung von Waffensystemen, Ausrüstung, Verpflegung, Munition und Betriebsstoffen‵ steigern sowie eine ′starke nationale und europäische Rüstungsindustrie‵ aufbauen. Die ′zentrale Herausforderung‵ sieht das Verteidigungsministerium darin, ausreichend Soldaten zu finden. Um die gewünschte Steigerung der militärischen Schlagkraft erreichen zu können, kündigt das Ministerium eine dauerhafte Erhöhung des Wehretats auf ′mindestens‵ (!) zwei Prozent der nationalen Wirtschaftsleistung an. (...) Mit den neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien legt Berlin seinen sicherheitspolitischen ′Fokus‵ ausdrücklich ′auf die Sicherheit vor der Russischen Föderation‵. (…) Zur ′Auseinandersetzung‵ mit Russland heißt es im Grundsatzdokument der deutschen Sicherheitspolitik: ′Wir wollen … nicht nur gewinnen, sondern wir müssen‵. Dem Sieg über Russland seien ′alle weiteren Aufträge und Aufgaben … nachgeordnet‵.“

Handelsblatt: Experten ziehen ihre Lehren aus der Ukraine – Auszug: „In Nato-Staaten wurden Berechnungen angestellt, wie viele Verletzte zu versorgen sind, wenn eine Division aus etwa 20.000 Soldaten im hochintensiven Gefecht gegen einen gleichwertigen Gegner kämpft. Deutschland hat der Nato für das Jahr einen solchen, gefechtsbereiten Großverband als ′Division 2025‵ zugesagt. Beim Einsatz an vorderster Front ist mit mehreren hundert Verwundeten am Tag zu rechnen, womöglich auch mit bis zu 1000 Soldaten, die versorgt werden müssen – und auch in die Heimat zurückgeholt werden müssen. (...) Dabei setzen die Überlegungen Deutschlands bisher darauf, Patiententransporte zu zwei Dritteln auf der Straße und zu einem Drittel auf dem Luftweg realisieren zu können. Züge spielen keine Rolle. In der Ukraine aber werden knapp zwei Drittel der Verwundeten über die Schiene und ein Drittel auf der Straße zur sicheren Behandlung gebracht. Der Luftweg ist die absolute und gefährliche Ausnahme, weil die Ukraine keine Luftüberlegenheit hat. Es lasse sich heute schon feststellen, dass in der Bundeswehr ′Großraumtransportmittel für hohe Patientenaufkommen fehlen und zur Bewältigung der zu erwartenden Patientenzahlen deutlich mehr an Transportkapazität benötigt wird‵, ist eine Erkenntnis. Gefordert werden etwa Krankenkraftomnibusse. Und: ′In der Konsequenz kommt auf größerer Strecke der schienengebundenen Verlegung mit Lazarettzügen besondere Bedeutung zu.‵“

Neue Zürcher Zeitung: Das Narrativ der Dekolonialisierung ist gefährlich und falsch – es beschreibt weder die Gründung Israels noch die Tragödie der Palästinenser richtig (Simon Sebag Montefiore; Bezahlschranke) – Auszug: „Israel hat viele harte und schlimme Dinge getan. Die Regierung Netanyahu, die schlechteste in der Geschichte Israels, ist ebenso unfähig wie unmoralisch und fördert einen maximalistischen Ultranationalismus, der sowohl inakzeptabel als auch unklug ist. Jeder hat das Recht, gegen die Politik und die Handlungen Israels zu protestieren, aber nicht, Terrorsekten, die Tötung von Zivilisten und die Verbreitung eines bedrohlichen Antisemitismus zu fördern. Die Palästinenser haben berechtigte Beschwerden und haben viel brutale Ungerechtigkeit ertragen müssen. Die Palästinensische Autonomiebehörde, die 40 Prozent des Westjordanlandes beherrscht, ist marode, korrupt, unfähig und allgemein verachtet – und ihre Führer sind ebenso miserabel wie die Israels. Die Hamas ist eine teuflische Mördersekte, die sich unter der Zivilbevölkerung versteckt, die sie auf dem Altar des Widerstands opfert – wie gemässigte arabische Stimmen in den letzten Tagen offen erklärt haben, und zwar viel schärfer als die Apologeten der Hamas im Westen. (…) So nimmt der Krieg einen tragischen Verlauf. Während ich diese Zeilen schreibe, sterben durch die Bombardierung des Gazastreifens jeden Tag palästinensische Kinder, und das ist unerträglich. Während Israel immer noch seine Verluste betrauert und seine Kinder begräbt, beklagen wir die Tötung israelischer Zivilisten ebenso wie die Tötung palästinensischer Zivilisten. Wir lehnen die Hamas ab, die böse und unfähig ist, zu regieren, aber wir verwechseln die Hamas nicht mit dem palästinensischen Volk, dessen Verluste wir ebenso beklagen wie den Tod aller Unschuldigen.“

ZDF: Bericht vermutet Koordinator aus Ukraine – Auszug: „Im Zusammenhang mit dem Angriff auf die Nord-Stream-Pipelines im September 2022 rückt ein mutmaßlicher neuer Drahtzieher in den Fokus: Wie ′Der Spiegel‵ und die ′Washington Post‵ berichten, soll der Ukrainer Roman Tscherwynsky unter Berufung auf Sicherheitskreise ein ′Koordinator‵ der Angriffe gewesen sein, der für die Logistik des Sabotagekommandos zuständig gewesen sein soll. Der 48-jährige Tscherwynsky soll über viele Jahre Spezialeinheiten der ukrainischen Geheimdienste angehört haben - er selbst bestreitet die Vorwürfe. Auf Anfrage beider Medien soll er über seinen Anwalt mitgeteilt haben, dass Hinweise auf seine Beteiligung ′russische Propaganda‵ seien. (...) Der CDU-Politiker und Geheimdienst-Experte Roderich Kiesewetter reagierte zurückhaltend auf die aktuelle Recherche. ′Nach wie vor gehen wir und der Generalbundesanwalt von der Möglichkeit einer russischen False-Flag-Operation aus, die die Ukraine diskreditieren soll‵, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums (PKGr) für die Nachrichtendienste gegenüber ZDFheute. In dieser Woche soll im Bundestag ein Unions-Antrag zur möglichen Lieferung von Taurus-Marschflugkörpern an die Ukraine beraten werden. Berichte wie der von ′Spiegel‵ und ′Washington Post‵ würden nun suggerieren, ′man könne der Ukraine nicht vertrauen‵. ′Dabei ist der angebliche Koordinator seit Monaten in ukrainischer Haft und die ukrainische Regierung tut alles, um mitzuhelfen bei der Aufklärung.‵“

Club der klaren Worte: 9/11 – Der Anfang vom Ende der Wissenschaft? (Video-Interview mit Prof. Dr. Maximilian Ruppert, der kurz vor 9/11 am Lehrstuhl für Baustatik der Universität der Bundeswehr München promovierte; Ruppert spricht über die Sprengung der Twin Towers und sein jahrelanges Schweigen dazu) – Auszug: „Man muss sich diesen Mut leisten können. Ich konnte mir den Mut damals nicht leisten, aufzubegehren. Ich habe ihn mir nicht geleistet. Ich habe mich auch jahrelang geschämt deshalb. Ich hätte eigentlich aufbegehren müssen. Ich war damals [im Jahr 2001] 28 Jahre, habe meine Promotion abgegeben, hatte vor, eine Familie zu gründen. (…) Es gibt eine Motivation, warum ich heute darüber rede. (…) Wann sprechen wir vom Ende der Wissenschaft? Wenn ich die Beobachtung, die ich selbst mache, und mir Zeit lasse, diese zu verinnerlichen – das ist das griechische „empiría“ –, wenn ich die verlasse und komplett ersetze durch die Erzählungen anderer. Dann ist für mich die Wissenschaft am Ende. Und zumindest an dem Tag, am 11. September 2001, hat diese Erzählung mit meinen Beobachtungen und den Beobachtungen aller Kollegen nicht im Geringsten übereingestimmt. Und als dann meine Kollegen angefangen haben zu sagen, ja, es könnte ja doch so sein, da bin ich ausgestiegen. Die anderen, die das nicht mitgemacht haben, die haben den Lehrstuhl auch verlassen, sind in die Industrie, haben sich abgelenkt, Kohle gemacht und haben das Thema nie wieder angesprochen.“

Asia Times (2020): Old pipeline holds vast new promise for Israel. (Alte Pipeline birgt großes neues Versprechen für Israel. Eine unscheinbare alte Pipeline, die das Rote Meer mit dem Mittelmeer verbindet, erhöht die geostrategische Bedeutung Israels) – Auszug (übersetzt): „Das Abkommen mit den Vereinigten Arabischen Emirate ‚öffnet eine Menge Türen und Möglichkeiten‘, sagte CEO Izik Levi am 4. September gegenüber Foreign Policy. Dem Transport von Öl aus dem Persischen Golf durch die Pipeline und zu den westeuropäischen Märkten stehe nun nichts mehr im Wege, erklärte er. Die Wiederverwendung der Ashkelon-Eilat-Pipeline (EAPC) sowie der produktiven israelischen Gasfelder im Mittelmeer könnte dem Gebiet möglicherweise wieder zu der zentralen Rolle verhelfen, die es vor dem Zweiten Weltkrieg auf den globalen Energiemärkten spielte. (…) Die Initiative zur erneuten Umwidmung der Pipeline – diesmal für den Transport von Öl aus dem Persischen Golf nach Europa – wird von allen Verbündeten der antitürkischen Koalition unterstützt. Schließlich würde die Verwirklichung dieser Idee die Bedeutung der Kirkuk-Ceyhan-Pipeline einschränken und damit die Rolle der Türkei auf den globalen Energiemärkten minimieren. (…) EAPC-Chef Levi erklärte gegenüber Foreign Policy, sein Ziel sei es, dass die israelische Pipeline 12 bis 17 % des Ölhandels, der derzeit durch den Suez fließt, übernimmt – eine Aussicht, die Kairo wahrscheinlich verärgern wird.“

The Cradle: Axis of Resources: Gaza war spells disaster for Europe’s energy security (Achse der Ressourcen: Gaza-Krieg ist eine Katastrophe für die Energiesicherheit Europas) – Auszug (übersetzt): „Israels Krieg gegen den Gazastreifen könnte sich zu einem regionalen Konflikt in Westasien ausweiten, der wichtigsten Öl- und Gasquelle Europas seit dem Wegfall der russischen Lieferungen. Jeder regionale Flächenbrand wird die Energiepreise in die Höhe treiben, insbesondere wenn der Konflikt auf die Wasserwege des Persischen Golfs übergreift. (…) Die Straße von Hormuz zwischen Oman und Iran ist als wichtigster Energiekorridor der Welt von immenser Bedeutung: Mehr als ein Fünftel der weltweiten Ölversorgung und ein Drittel der gesamten LNG-Lieferungen werden durch sie transportiert. (…) Eine Sperrung durch den Iran oder seine Verbündeten [könnte] die Öl- und Gasversorgung Europas erheblich beeinträchtigen. (…) Ein weiteres mögliches Szenario ist die Schließung der Straße von Bab al-Mandab, der strategischen Passage über den Jemen, die als Dreh- und Angelpunkt der Seehandelsroute fungiert, die das Mittelmeer und den Indischen Ozean über das Rote Meer und den Suezkanal verbindet. (…) Eine Sperrung der Straße von Bab al-Mandab könnte Tanker aus dem Persischen Golf zwingen, die Südspitze Afrikas zu umfahren, was zu längeren Transitzeiten und höheren Transportkosten führen würde. Europa stünde dann vor der Qual der Wahl: Entweder es akzeptiert exorbitante Preise für einen kontinuierlichen Öl- und Gasstrom, der die Wirtschaft schwer belastet, oder es überdenkt seine Haltung gegenüber russischem Gas, was international als demütigender Rückzieher gewertet werden würde.“

Hintergrund: Medien: Israel – Palästina: Worüber wir nichts hören (sollen) – Auszug: „Wie wir schon so oft gesehen haben, waren die israelischen Häuser [in den am 7. Oktober von der Hamas angegriffenen Kibbuzen] sowohl innen als auch außen von automatischem Feuer durchlöchert. Teile der Betonmauern wiesen Löcher auf oder waren ganz eingestürzt. Und Teile der Gebäude, die noch standen, waren stark verkohlt. (…) Schon ein flüchtiger Blick auf die Trümmer in den verschiedenen Kibbuz-Gemeinden, die an diesem Tag angegriffen wurden, sollte jedem guten Reporter Fragen in den Kopf rufen. Waren militante Palästinenser tatsächlich in der Lage, mit den leichten Waffen, die sie bei sich trugen, Sachschäden in diesem Ausmaß anzurichten? (…) Tuval Escapa, der Sicherheitskoordinator des Kibbuz Be’eri, [sagte] gegenüber der israelischen Zeitung Haaretz (...), israelische Militärkommandanten hätten den ‚Beschuss von Häusern auf ihre Bewohner angeordnet, um die Terroristen zusammen mit den Geiseln zu eliminieren’. Dies entspricht der Aussage von Yasmin Porat, die in Be’eri Schutz (…) suchte. Sie sagte gegenüber dem israelischen Rundfunk, dass die israelischen Spezialeinheiten bei ihrer Ankunft alle Geiseln eliminierten: ‚Sie haben alle eliminiert, auch die Geiseln, denn es gab sehr, sehr heftiges Kreuzfeuer.‘ (…) Die westlichen Medien [waren] nicht bereit, auch nur eine einzige Frage zu den Ereignissen des 7. Oktobers zu stellen. Sie haben jeden Schrecken an diesem Tag enthusiastisch der Hamas zugeschrieben. (…) Bei der Verbreitung des Narrativs von den ‚Hamas als Wilden‘ haben sie offensichtliche Fiktionen verbreitet, wie etwa die Geschichte, dass ‚die Hamas vierzig Babys geköpft hat‘. Diese Fake News wurde sogar kurz von US-Präsident Joe Biden aufgegriffen, bevor sie von seinen Mitarbeitern stillschweigend zurückgenommen wurde.“

Overton-Magazin: Corona und Medien: „Wir wollten die Politik der Bundesregierung unterstützen“ – Auszug: „Eine kontroverse und gut besuchte Diskussionsveranstaltung im Tübinger Club Voltaire zeigt, dass die angepassten, regierungstreuen Journalisten in die Defensive geraten sind und die öffentliche Aufarbeitung der Corona-Zeit dringend notwendig ist. (…) [Teilnehmerin des Podiums war u.a.] Sandra Müller, Leiterin des SWR-Studios in Tübingen. Im Herbst 2021 schmiss der Sender den SWR-Redakteur Ole Skambraks raus, nachdem der in einem Offenen Brief (‚Ich kann nicht mehr‘) den einseitigen Umgang des SWR mit Corona kritisierte. Ein anderer SWR-Mitarbeiter zeigte sich entsetzt, wie falsch und tendenziös in seinem Sender über die Corona-Demonstrationen berichtet wurde und wurde ebenfalls freigestellt. (…) Die SWR-Frau Müller bleibt unbelehrbar: ‚Es ist nicht so sehr fehlendes Vertrauen in Medien als eine veränderte Erwartungshaltung des Publikums. Wenn sich die nicht ändert, haben wir alle als Medienschaffende verloren. Das führt nur zur Verbabbelung der Welt‘, sagt sie. Das ist deutlich. Nach Ansicht der Redakteurin des öffentlich-rechtlichen Mediums liegt es am Publikum, nicht an den Medien. (…) Wer meint, er habe nichts falsch gemacht, muss die Fehler woanders suchen. Die SWR-Kollegin Müller kann gar nicht mehr anders, als so zu denken. Deshalb kann sie auch mit dem Ruf nach Aufarbeitung nichts anfangen. Wer nichts falsch gemacht hat, muss auch nichts aufarbeiten.“

Tagesschau: Opiumproduktion in Afghanistan bricht drastisch ein – Auszug: „Im April 2022 haben die Taliban den Anbau von Schlafmohn in Afghanistan verboten. Seitdem ist die Produktion laut UN-Angaben um 95 Prozent eingebrochen – mit verheerenden Folgen für die Bevölkerung auf dem Land. (…) Das Einkommen der Bauern aus dem Opiumverkauf sei von geschätzten 1,36 Milliarden US-Dollar im Jahr 2022 auf 110 Millionen US-Dollar im Jahr 2023 gesunken. Landwirte im wirtschaftlich stark angeschlagenen Afghanistan mussten laut UN-Bericht nach dem Verbot auf den Anbau anderer, deutlich weniger lukrativer Pflanzen ausweichen. (…) Afghaninnen und Afghanen benötigten dringend humanitäre Unterstützung, um ihre grundlegendsten Bedürfnisse zu stillen und den Schock durch die Einkommensverluste abzufedern, so [UNODC-Exekutivdirektorin Ghada] Waly. Auch in anderen Bereichen der afghanischen Landwirtschaft seien starke Einbußen zu verzeichnen. Eine seit drei Jahren anhaltende Dürre wirke sich etwa auch auf den Anbau von Baumwolle und Weizen aus (...). Der Abschwung und die Einstellung finanzieller Hilfen aus dem Ausland nach der Taliban-Machtübernahme treiben Menschen in Armut, Hunger und Sucht.“ (Anmerkung Stefan Korinth: Die Tagesschau auf Kafkas Spuren: Abgesehen davon, dass die eigentlichen Probleme Dürre und westliche Sanktionen nur am Rande erwähnt werden, ist es geradezu absurd, wie UN und Tagesschau die Bekämpfung des Drogenanbaus als etwas Negatives darstellen. Die umfangreiche Drogenproduktion, die die US-Besatzer in den 20 Jahren zuvor erlaubt haben, wäre demnach eine humanitäre Leistung gewesen. Dass sich die Ernährungssituation durch den nun verstärkten Weizenanbau deutlich gebessert hat, wird mit keinem Wort erwähnt. Ebenfalls stark zu bezweifeln ist, dass die jährlichen Milliardeneinnahmen durch den früheren Opiumverkauf an afghanische Bauern geflossen sind, wie der Artikel behauptet.)

6. November 2023

Berliner Zeitung: Ukraine-Krieg: Selenskyj knüpft Friedensgespräche mit Russland an diese Bedingung – Auszug: „Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Bereitschaft für Friedensverhandlungen oder Gespräche über Waffenruhen mit Russland an eine eindeutige Bedingung geknüpft. Demnach ist er ′nicht bereit‵ zu Gesprächen mit Wladimir Putin, solange die russischen Truppen nicht aus seinem Land abziehen. Die USA wüssten, ′dass ich nicht bereit bin, mit den Terroristen zu sprechen, denn ihr Wort ist nichts‵, sagte Selenskyj am Sonntag dem US-Sender NBC. ′Sie müssen unser Territorium verlassen, erst dann kann die Welt die Diplomatie einschalten.‵ Erst an diesem Wochenende sickerte durch, dass Beamte aus den USA und der EU damit begonnen hätten, mit der ukrainischen Regierung in aller Stille über mögliche Friedensverhandlungen mit Russland zu sprechen. Darüber berichtete NBC unter Berufung auf zwei US-Regierungsquellen, die mit den Gesprächen vertraut sind. Dem Bericht zufolge ging es bei den ′sensiblen‵ Gesprächen, die letzten Monat während einer Sitzung der ′Ukraine Defense Contact Group‵ stattfanden, um ′sehr grobe Umrisse dessen, was die Ukraine möglicherweise aufgeben müsste, um eine Einigung mit Russland zu erzielen‵. Zum Stand des Krieges in der Ukraine sagte Selenskyj, sein Land sei in einer ′schwierigen Situation‵. Es sei ′kein Geheimnis, dass wir an der Frontlinie keine Luftabwehr haben‵. Deshalb kontrolliere Russland den Luftraum. ′Wenn sie den gesamten Luftraum kontrollieren, können wir nicht schnell vorankommen, solange wir keine Luftabwehr haben.‵“

German Foreign Policy: „Nicht die Zeit, über Frieden zu reden“ – Auszug: „Die Zahl der Todesopfer im Gazastreifen erreichte am Sonntagabend laut Angaben der dortigen Gesundheitsbehörden 9.730. (...) Zwar ist nicht klar, wieviele Milizionäre sich unter den Opfern in Gaza befinden. Doch wurden dort mehrheitlich Kinder und Jugendliche (rund 4.800) oder Frauen (etwa 2.550) getötet. Während israelische Regierungsstellen die Angaben der Gesundheitsbehörden als übertrieben abtun, weisen kritische Stimmen auch in Israel darauf hin, dass sie sich in der Vergangenheit gewöhnlich als zuverlässig erwiesen haben. (...) Die rücksichtslose Kriegführung stößt im Ausland in steigendem Maß auf scharfe Kritik. Mehrere Staaten haben mittlerweile aus Protest gegen die hohe Zahl an zivilen Todesopfern ihre Botschafter aus Israel zurückgerufen, darunter etwa Chile, Kolumbien und Honduras, Jordanien und Bahrain. (...) Dass sich Israel mit seiner Kriegführung immer stärker isoliert, zeigte bereits das Votum der UN-Generalversammlung vom 27. Oktober. Lediglich 14 Staaten lehnten die Resolution mit ihrer Forderung nach einem Waffenstillstand im Gazastreifen ab: neben den USA, Israel und vier EU-Mitgliedern lediglich zwei Staaten Lateinamerikas und sechs Pazifikstaaten, die in ihrer aktuellen Politik von den Vereinigten Staaten abhängig sind. Unter den 45 Staaten, die sich enthielten, befanden sich nur 15 aus dem Globalen Süden. Dieser geht ganz überwiegend zu Israel auf Distanz.“

Neue Zürcher Zeitung: Manche werden für immer verschollen bleiben: die makabre Suche der Forensiker nach den Vermissten des Hamas-Terrors – Auszug: „Die Suchtrupps förderten auch in den letzten Tagen immer wieder menschliche Überreste zutage, manchmal sind es verkohlte oder abgetrennte Gliedmassen. Doch ein Arm ist noch kein Beweis dafür, dass die Person, zu der er gehört, auch wirklich tot ist. Dass man von Shani Louk diesen Teil des Schädels gefunden habe, sagen die Forensiker, lasse darauf schliessen, dass sie schon tot gewesen sei, als die Terroristen sie auf den Pick-up geladen hätten und mit ihrem geschändeten Körper wie mit einer Trophäe durch Gaza gefahren seien. Die Forensiker, die auf der Shura-Militärbasis nahe Ramla in einem provisorisch eingerichteten Zentrum arbeiten, hatten bis zum 7. Oktober ganz andere Fälle zu lösen: In der Mehrheit ging es dabei um Tatorte und um Spurensicherung. Jetzt ist ihr Untersuchungsmaterial oft nur noch ein Haufen Asche, der keine DNA hergibt – es sei denn, man findet darin einen Zahn. Genau danach sucht Ilana Engel vom forensischen Dental-Institut, denn damit ist die Identifizierung der Toten möglich. Es bricht ihr jedes Mal das Herz, wenn ein besonders kleiner Leichensack zu ihr gebracht wird. ′Die kleinen Säcke liegen auf grossen Bahren, und ich weiss eigentlich schon, was darin liegt, aber ich muss trotzdem hineinsehen, um beurteilen zu können, ob wir damit arbeiten können‵, erzählt sie anlässlich einer Pressetour in Ramla. Babys haben keine Zähne. Darum müssen andere Methoden für die Identifizierung gesucht werden, wenn der Körper verkohlt ist.“

Worker‵s Liberty: Zionism, anti-semitism and the left (Zionismus, Antisemitismus und die Linke) – Interview mit Moishe Postone (1942-2018), Professor für Geschichte an der University of Chicago; das Interview wurde 2010 veröffentlicht – Auszug (übersetzt): „Die Art und Weise, wie sich der Antisemitismus vom Rassismus unterscheidet und unterscheiden sollte, hat mit der Art von Machtvorstellung zu tun, die den Juden, dem Zionismus und Israel zugeschrieben wird und die den Kern des Antisemitismus bildet. Die Juden werden als eine immens mächtige, abstrakte, nicht greifbare globale Form der Macht angesehen, die die Welt beherrscht. Diese Vorstellung liegt anderen Formen des Rassismus nicht zugrunde. Der Antisemitismus ist eine primitive Kritik an der Welt, an der kapitalistischen Modernität. Ich halte ihn für die Linke gerade deshalb für besonders gefährlich, weil der Antisemitismus eine pseudo-emanzipatorische Dimension hat, die andere Formen des Rassismus selten haben. (...) Zwischen 1967 und 2000 hatte die Linke in Israel immer argumentiert, dass die Palästinenser Selbstbestimmung wollten und dass die Vorstellung der Rechten, sie wollten Israel auslöschen, ein Hirngespinst sei. Leider hat sich im Jahr 2000 gezeigt, dass dieses Hirngespinst kein Hirngespinst ist, was die Rechte in ihren Versuchen, die Entstehung eines palästinensischen Staates zu verhindern, unermesslich gestärkt hat. Die israelische Rechte und die palästinensische Rechte verstärken sich gegenseitig, und die Linke im Westen unterstützt das, was ich als palästinensische Rechte betrachte, die Ultranationalisten und die Islamisten.“

die tageszeitung: „Eine Regierung von Fanatikern“ – Deutschlands lasche Haltung helfe aktuell nicht weiter, sagt der Historiker Moshe Zimmermann. Er fordert vom Westen auch Kritik am Kabinett Netanjahu. – Auszug: „(...) dieses Pogrom ist präzedenzlos in der Geschichte Israels sowie in der Geschichte der Juden der vergangenen achtzig Jahre. (…) Bevor wir mit der Regierung abrechnen, müssen wir noch einmal betonen: Die aktuelle Krise ist entstanden, weil Juden ermordet wurden. Erst dann können wir fragen: Wie hätte man das verhindern und wie hätte man nach der Tragödie besser reagieren können? Da hat die Regierung in vielerlei Hinsicht versagt. (…) Die Linke in Israel ist sich im Klaren darüber, dass mit der Hamas nichts anzufangen ist, mit einer Organisation, die sich zum Ziel gesetzt hat, uns zu zerstören. Ob man gegen sie so vorgehen sollte wie im Moment das israelische Militär, ist eine Frage, über die man in Israel diskutiert. Aber die Hamas ist kein Partner für irgendeine Regelung. (…) Man muss eine Regelung finden, man muss den Friedensprozess neu starten. Allerdings ist derzeit keine Seite dazu bereit. (…) Der Versuch, Frieden zu erreichen, wurde nicht ernsthaft unternommen. Das ist nicht nur Schuld der israelischen und palästinensischen Führung, es ist die Schuld der internationalen Gemeinschaft, auch der deutschen Regierung und der jetzigen deutschen Opposition. (…) Der Versuch, neutral zu sein, ist eine Haltung, die mir moralisch suspekt ist. Ich spreche von diesem Sowohl-als-auch, Mitleid haben mit beiden Seiten. (…) In der deutschen – und auch der internationalen – Berichterstattung wird versucht, das Leid der israelischen Opfer des Pogroms durch die Zahlen und das enorme Leid auf der anderen Seite zu relativieren. Der Tenor der Diskussion ist nicht nach meinem Geschmack. Man muss kausal denken und zwischen Ursache und Folge unterscheiden.“

Neue Zürcher Zeitung: Die SPD steht an einem historischen Tiefpunkt – nur ein Kurswechsel kann der Partei noch helfen – Erfolgreiche Reformen wider die Parteiidentität hatten in der Geschichte von politischen Parteien immer wieder Erfolg. Eine wichtige Frage stellt derzeit etwa der Umgang mit der AfD dar (Bezahlschranke). – Auszug: „′Only Nixon goes to China‵ – diese Metapher aus dem Jahr 1972 bezieht sich darauf, dass nur der konservative und antikommunistische republikanische Präsident Richard Nixon einen Paradigmenwechsel gegenüber dem kommunistischen China habe herbeiführen können. Er stand wahrlich nicht im Verdacht, Sympathisant von China zu sein. (…) Im Vorfeld der Landtagswahlen im September 2024 müsste der sozialdemokratische Ministerpräsident von Brandenburg, Dietmar Woidke, der kürzlich als erster bekannter Sozialdemokrat für ein Umsteuern in der Asylpolitik votierte und gegen Bargeldzahlungen an Migranten Stellung bezog, einen überraschenden Kurswechsel einleiten. SPD und AfD sind in diesem Bundesland klar die beiden stärksten Parteien. Die AfD sollte im Interesse des Landes zur Tolerierung der Sozialdemokratie aufgefordert werden, wenn diese wieder, wie bisher immer, zur stärksten Kraft avanciert. (…) Die wahrscheinlichen Folgen der unorthodoxen SPD-Initiative wären zunächst für die AfD ein Nachlassen von deren Stigmatisierung und, damit einhergehend, eine Mässigung. Denn die Partei verspricht sich von einer Tolerierung mehr Regierungsbeteiligung. Eine Entzauberung der AfD kann nur durch Einbindung erfolgen. Die gegenwärtig von den Parteien praktizierten Ausgrenzungsmechanismen führen mit der Alle-gegen-einen-Strategie nicht zu einer Schwächung der Partei, sondern zu ihrer Stärke, wie hinlänglich erwiesen. Der praktizierte Antifaschismus mündet in eine Antifaschismusfalle.“ (Anmerkung Ulrich Teusch: Die deutsche Strategiedebatte rechts von der Mitte scheint von der Schweiz befeuert zu werden. Die NZZ bietet dem Politikwissenschaftler Eckhard Jesse ein Forum, um seine unkonventionellen Überlegungen zu einem SPD/AfD-Schulterschluss vorzutragen. Parallel dazu erschien in der NZZ ein umfangreicher Text von Hans-Georg Maaßen zur „Bewegung“ im bürgerlich-konservativen Lager – siehe die folgende Empfehlung. Wenn das so weitergeht, ist die „Brandmauer“ bald so löchrig wie ein Schweizer Käse.)

Tablet: An Open Letter to Hamas’ Defenders – We have so much to chat about – as soon as the war we never wanted is over (Ein offener Brief an die Verteidiger der Hamas – Wir haben so viel zu besprechen – sobald der Krieg, den wir nie wollten, vorbei ist) – Auszug: „Wir weinen um die Not des palästinensischen Volkes und um die Ignoranz und Naivität so vieler, die glauben, dass irgendjemand außer der Hamas für ihr gegenwärtiges Leid verantwortlich ist. Eines Tages, wenn dieser Krieg, den wir nicht gewollt haben, vorbei ist, würde ich gerne über die Radikalisierung der Unterdrückten diskutieren. Und über das Schüren von Extremismus und israelische Intellektuelle, die seit Jahrzehnten vor genau diesem Szenario warnen. Wenn dieser Krieg, den wir nicht wollten, vorbei ist, können wir bei einem Kaffee über den Iran und Saudi-Arabien und Katar sprechen. Und Jordanien und Ägypten und Jemen. Wir können über den Aufbau einer Terrorinfrastruktur unter einem Krankenhaus sprechen, über das Konzept des ′Märtyrertums‵, über Propaganda. Wir können über verpasste Chancen sprechen. Wir können über die fehlgeleiteten/gestohlenen Milliarden an Hilfsgeldern der Hamas sprechen. Wir können über Mittel und Ziele sprechen und darüber, welcher Zweck welche Mittel rechtfertigt. Wir können darüber sprechen, wie man eine Bevölkerung, die sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt hat, als Opfer eines Völkermords bezeichnen kann. Wir können über Kriegsverbrechen, Moral und Gut und Böse reden, wenn dieser Krieg, den wir nie wollten, vorbei ist. Vorausgesetzt, Sie haben bis dahin nicht schon das nächste Ziel im Visier. In der Zwischenzeit sind unsere Herzen gebrochen und unsere Hoffnungen auf Frieden wieder einmal zunichte gemacht worden, aber wir haben ein gutes Gedächtnis und einen starken Lebenswillen.“

tagesschau: „Sie wollen dieses Bild der Zerstörung“ – Auszug: „Das israelische Militär kann nach eigener Darstellung noch nicht sagen, wie viele Zivilisten bei seinen Angriffen im Flüchtlingslager Dschabalia getötet wurden. Die im Gazastreifen herrschende militant-islamistische Hamas verschanze sich dort absichtlich hinter ziviler Infrastruktur, sagte Armeesprecher Daniel Hagari vor Journalisten. ′Sie wollen dieses Bild der Zerstörung.‵ Hagari sprach von einem Dilemma für die Armee. Einerseits wisse sie, dass sich in der Gegend noch immer Zivilisten aufhielten – obwohl das Gebiet aufgrund der Präsenz der Hamas als ′rote Zone‵ ausgewiesen sei. Zugleich sei die Aktivität der Hamas in dem Flüchtlingslager für die israelische Armee eine Bedrohung, auf die sie reagieren müsse. Die Kämpfe im Gazastreifen richteten sich aber nicht gegen die dortige Zivilbevölkerung, betonte Hagari. Er appellierte deshalb erneut an die Menschen in Dschabalia und anderen Gebieten im Norden des Küstengebiets, sich in den Süden zu begeben. Die Armee schaffe dafür weiterhin ′sichere Korridore‵. (...) UN-Generalsekretär António Guterres ließ über seinen Sprecher Stéphane Dujarric ausrichten, er sei ′entsetzt‵ über die eskalierende Gewalt (...). UN-Nothilfekoordinator Martin Griffiths sprach mit Blick auf den Angriff auf Dschabalia von der jüngsten ′Grausamkeit‵, welche die Bevölkerung des Gazastreifens treffe. Das Menschenrechtsbüro der UN schloss nicht aus, dass der Luftangriff auf Dschabalia ein Kriegsverbrechen darstellen könnte.“