Empfehlungen Oktober 2023

Telepolis: Säuberungspläne in Israel: „Einzigartige Chance, Gaza komplett zu evakuieren“ – Auszug: „Im Verlauf der Gaza-Bombardements ordnete Israel den Palästinensern, die im Nordteil des Gazastreifens leben, an, sich von dort zu entfernen. Daraufhin flohen rund eine Million Bewohner in den Süden, während die Bombardierung weitergeht und erste israelische Soldaten und Panzer in den Norden vorrückten. (…) Das Misgav Institute for National Security & Zionist Strategy, eine israelische Denkfabrik, veröffentlichte vor Kurzem ein Positionspapier, in dem es heißt, dass dank der brutalen Hamas-Angriffe vom 7. Oktober ‚derzeit eine einzigartige und seltene Gelegenheit besteht, den gesamten Gazastreifen zu evakuieren‘. (…) Nach der israelischen Denkfabrik soll Gaza komplett ethnisch gesäubert werden, während man Ägypten dafür bezahlt (20 bis 30 Milliarden Dollar), die früheren Gaza-Bewohner in leeren Wohnungen nahe Kairo unterzubringen. (…) Der ägyptische Präsident Abdel-Fattah al-Sisi ist vehement gegen jegliche Aufnahme und Zeltlager im Sinai für Gaza-Vertriebene. Zudem würde die Hisbollah im Libanon in Reaktion auf die Säuberung mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit einen Krieg vom Norden aus starten. Realistischer scheint da, dass Israel versuchen wird, den Nordteil Gazas abzukoppeln und keine Rückkehr der Palästinenser dorthin zuzulassen. Der an sich schon extrem dicht besiedelte Gaza-Käfig (de facto ohne gesicherten Ausgang für seine Bewohner) würde dann mehr oder weniger halbiert.“

German Foreign Policy: Einsatz im östlichen Mittelmeer – Auszug: „Bereits jetzt in relativer Nähe zum Kriegsgebiet stationiert ist der Einsatzgruppenversorger Frankfurt am Main. Das Schiff wurde bereits im Juli in die Ägäis verlegt, um sich dort an der NATO-Flüchtlingsabwehr zu beteiligen; Kriegsschiffe aus NATO-Staaten beobachten dort den Seeraum und geben Hinweise auf etwaige Flüchtlingsboote an die griechische und an die türkische Marine weiter. (...) Insgesamt hat die Bundeswehr mittlerweile laut Berichten mehr als 1.000 Soldaten in die Region entsandt. Eine überwiegende Mehrheit von ihnen sei auf Zypern stationiert; dort sei ein Planungs- und Führungsstab für einen etwaigen Evakuierungseinsatz eingerichtet worden, heißt es. Auf Zypern befinden sich unter anderem auch Spezialkräfte der Deutschen Marine (KSM). Beobachtern zufolge landeten dort unlängst mehrere Militärtransporter des Typs A400M; die Tatsache, dass diese unter anderem vom Flughafen Köln-Wahn starteten, hat Vermutungen ausgelöst, es könnten auch Einheiten der Bundespolizeitruppe GSG9 entsandt werden. Dafür spricht zudem, dass in der Bundeswehr hieß, man arbeite auch mit ′Kräften anderer Ressorts‵ zusammen. Angehörige des Kommandos Spezialkräfte (KSK) wurden Berichten zufolge nach Jordanien verlegt. (...) Auf dem britischen Militärstützpunkt Akrotiri sind zuletzt auch A400M-Flugzeuge der Bundeswehr gelandet. Deutsche Militärtransporter trafen bereits Mitte Oktober auch in Tel Aviv ein, wo sie offenkundig militärische Güter an israelische Stellen übergaben. Sie hätten ′Dinge mitgebracht‵, heißt es lediglich, ′über die keine öffentliche Auskunft gegeben wurde‵.“

JewishInsider: Two weeks on, Israel still struggling to identify the dead – „I’ve seen things with my own eyes that no one should ever see“, one volunteer said (Zwei Wochen danach kämpft Israel immer noch darum, die Toten zu identifizieren – „Ich habe Dinge mit meinen eigenen Augen gesehen, die niemand jemals sehen sollte“, sagte eine freiwillige Helferin) – Auszug (übersetzt): „‵Das sind Dinge, die wir seit den Nazis nicht mehr gesehen haben‵, sagte [Col. Rabbi Haim] Weisberg. ′Wir sehen, wie Lastwagen mit ganzen Familien ankommen – Großeltern, Mütter, Väter und Kinder – und wir sammeln immer noch Leichen von den Straßen, Häusern, Spielplätzen und Feldern, wo sie getötet wurden.‵ (…) Weisberg sprach nicht nur von vollständigen Leichen, sondern auch von stark verkohlten Überresten. In einem Fall stellte sich heraus, dass die Überreste so stark verbrannt waren, dass erst eine Computertomographie zeigte, dass es sich in Wirklichkeit um eine Mutter und ein Baby handelte, die in einer tiefen Umarmung aneinander gebunden waren. In einem anderen Fall beschrieb er eine schwangere Frau, deren Bauch aufgeschnitten, der Fötus herausgezogen und geköpft wurde – die Nabelschnur war noch dran. (…) ′Wir sahen Beweise für eine Vergewaltigung‵, erklärte Shari [freiwillige Helferin]. ′Die Becken waren gebrochen, und es braucht wahrscheinlich viel, um ein Becken zu brechen... und das war auch bei Großmüttern bis hin zu kleinen Kindern der Fall. Das ist nicht nur etwas, was wir im Internet gesehen haben, wir haben diese Leichen mit eigenen Augen gesehen.‵“

Neue Zürcher Zeitung: „Ich glaube nicht mehr daran, dass Juden und Araber miteinander leben können“ – die israelische Stadt Lod droht zum nächsten Kriegsschauplatz zu werden (Bezahlschranke) – Auszug: „Von gemischten Städten wie dem nordisraelischen Haifa las man in den Medien immer mal wieder hoffnungsvolle Geschichten über Unternehmen, die von arabischen und jüdischen Israeli gemeinsam geführt wurden. Von Friedensinitiativen, die Palästinenser und Israeli in seltener Freundschaft verbanden. Doch Lod ist anders. Es ist eine Stadt wie eine schwärende Wunde. (…) ′Ich glaube nicht mehr daran, dass Juden und Araber miteinander leben können‵, sagt Akram Tekla, Abgeordneter im Stadtrat von Lod, israelischer Staatsbürger und Palästinenser. (…) Seit den Terrorattacken laufen in der mehrheitlich arabischen Altstadt bewaffnete jüdische Männer in Zivil herum. In Israel befürchten viele, dass in Städten wie Lod, in denen die arabische Bevölkerung zahlreich ist, das nächste Massaker passieren könnte. (…) Bis vor kurzem sei das Zusammenleben zwischen den Religionsgruppen friedlich gewesen, trotz der schwierigen Vergangenheit dieser Stadt. ′Vor 75 Jahren wohnten ausschliesslich Palästinenser in Lod. Die meisten wurden 1948 von den jüdischen Israeli in Richtung Süden vertrieben‵, erklärt Tekla. Danach sei das Zusammenleben, besser gesagt das Nebeneinanderleben, zur Normalität geworden. Doch dann brannten im Mai 2021 die Synagogen. Palästinenser lieferten sich Strassenschlachten mit der Polizei. Sie überfielen jüdische Einrichtungen, drangen in Häuser von Juden ein und schlugen alles kurz und klein. Juden griffen Palästinenser an und demolierten deren Besitz. Aus dem Westjordanland reisten bewaffnete jüdische Extremisten an und zertrümmerten Fenster in arabischen Wohnsiedlungen und warfen Sprengkörper in die Moschee, vor der Tekla jetzt sitzt.“

Neue Zürcher Zeitung: Charlotte Knobloch über die Terroranschläge in Israel: „Ich hätte nie geglaubt, dass der Holocaust noch einmal sichtbar wird“ – Bei der Präsidentin der grössten jüdischen Gemeinde im deutschsprachigen Raum weckt die Gewalt gegen Juden Erinnerungen an die Shoah. Als Mädchen überlebte sie den Völkermord. Jetzt kümmert sie sich um Menschen, die aus Israel nach Deutschland fliehen (Bezahlschranke) – Auszug: „[NZZ:] Ihr Vater hat Sie (...) 1942 in Sicherheit gebracht. Wie sind Sie der Deportation entgangen? [Knobloch:] Die Nazis hatten den jüdischen Gemeinden die Aufgabe übertragen, Listen für Deportationen zusammenzustellen. Der Unglückliche in der Gemeinde, der dafür verantwortlich war, hat im Sommer 1942 meinen Vater informiert, dass für einen sogenannten Alten- und Kindertransport jemand aus unserer Familie auf die Liste müsse. Später habe ich von meinem Vater erfahren, dass meine Grossmutter gesagt hat: Selbstverständlich gehe sie. [NZZ:] Die Grossmutter, die sich nach der Scheidung Ihrer Eltern um Sie gekümmert hat, hat sich deportierten lassen, um Sie zu retten? [Knobloch:] Ja. Wie sie sich von mir verabschiedet hat, das werde ich nie vergessen. Ich habe sie danach nie wieder gesehen. [NZZ:] Sie ist im Ghetto Theresienstadt verhungert. Es fällt Ihnen heute noch sichtlich schwer, darüber zu sprechen. [Knobloch:] Sie hat gemeint, ich verstehe nicht, was geschieht. Aber ich habe es bei der Verabschiedung genau verstanden. Danach war mein Vater in grösster Sorge um mich, er fürchtete, ich sei als Nächstes dran. (…) [NZZ:] Sie sind seit 1985 Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München. Sie waren Vizepräsidentin des Jüdischen Weltkongresses, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Wenn Sie zurückschauen: Was überwiegt, die schönen Momente oder die schlimmen? [Knobloch:] Die schlimmen.“

tagesschau: Scholz will Erdgas aus Nigeria – Auszug: „Bundeskanzler Scholz ist zum dritten Mal in seiner Amtszeit auf Afrika-Reise. Erstes Ziel des Drei-Tage-Trips ist Nigerias Hauptstadt Abuja. Im bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Land des Kontinents geht es vor allem um den Ausbau der Kooperation im Energiebereich. In einem Interview machte der Kanzler klar, dass er sich zusätzlich zu den bestehenden Öl-Importen auch die Einfuhr von Erdgas wünscht. Nigeria verfüge über die größten Gasvorkommen in Afrika, sagte Scholz der nigerianischen Zeitung ′The Punch‵. ′Deutsche Unternehmen haben ein Interesse an Gaslieferungen aus Nigeria und sehen einer Zusammenarbeit mit nigerianischen Gasunternehmen erwartungsvoll entgegen.‵ Deutschland setze außerdem auf gemeinsame Initiativen, um die Produktion von Wasserstoff als Energieträger der Zukunft voranzubringen. Bereits bei der ersten Afrika-Reise des Kanzlers im vergangenen Jahr hatte die Gasversorgung eine prominente Rolle gespielt. Im Senegal hatte Scholz eine deutsche Beteiligung an der Erschließung von Gasfeldern vor der Küste des westafrikanischen Landes angeboten. Von Klimaschützern wurde das scharf kritisiert, weil es sich um einen fossilen Energieträger handelt, der klimaschädliche Gase generiert. Die Bundesregierung argumentiert, dass für die Übergangsphase zu erneuerbaren Energien weiterhin Gas benötigt werde. (...) Die erneute Afrika-Reise des Kanzlers gehört zur Strategie der Bundesregierung, neue Allianzen in der Wirtschafts- und Energiepolitik zu suchen. Sie ist auch Folge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine, die die Abhängigkeiten Deutschlands von einzelnen Ländern offenbart hat.“

Welt: Mit dieser Strategie will Israel den Fallen der Hamas entgehen – Die Terrorgruppe hatte sich lange auf eine große Bodenoffensive in Gaza vorbereitet. Aber nun verhält sich das israelische Militär anders, als es die Hamas erwartet haben dürfte. Die bisherigen Operationen am Boden folgen auch einem politischen Plan (Bezahlschranke). – Auszug: „Was im Gazastreifen tatsächlich vor sich geht, ist schwer einzuschätzen. Bekannt ist, dass israelische Einheiten aus verschiedenen Richtungen angreifen. (...) Durch diese multiplen Operationen weiß die Hamas nicht, wann, wo und in welcher Größenordnung die Bodenoffensive starten könnte. Gleichzeitig verlieren die Terroristen durch diese örtlich begrenzten Aktionen mit viel Feuerkraft und Luftunterstützung ihre befestigten Stellungen, Waffen und Kämpfer. Außerdem kann die IDF bei ihren Inkursionen Informationen sammeln. Neue, bisher unbekannte Ziele werden entdeckt und können bombardiert werden. Besonders interessant sind noch nicht bekannte Tunnelsysteme. Erst kürzlich hat Israel einen Plan von Tunneln unter dem Shifa-Krankenhaus veröffentlicht, in denen sich das Hauptquartier der Terroristen befinden soll. Zudem scheint Israel den Rat seines Verbündeten USA zu befolgen. Laut US-Medien soll die Regierung von Präsident Joe Biden Israel gedrängt haben, eine große Bodenoffensive zu vermeiden und stattdessen ′chirurgische‵ Operationen durchzuführen. So könnten zivile Opfer, aber auch eine Eskalation in der Region vermieden werden. Heißt: Wenn Israel keine große Bodenoffensive in Gaza verkündet, ist es wahrscheinlicher, dass sich auch die vom Iran finanzierte Terrormiliz Hisbollah im Norden zurückhält. Die hatte stets gewarnt, sich im Falle eines großen Krieges auch einzuschalten.“

Welt: Luxusleben statt Nothilfe – das geheime Finanzimperium der Hamas (Bezahlschranke). – Auszug: „Hilfsorganisationen auf der ganzen Welt sammeln Spenden für die Not leidende Bevölkerung [in Gaza]. Dabei besitzt die Hamas, die den Gazastreifen seit 2007 regiert, prall gefüllte Bankkonten. Hunderte Millionen US-Dollar, welche die Chefs der Terrororganisation jedoch nicht für ihre Bevölkerung ausgeben, sondern für Angriffe gegen Israel – und ihren luxuriösen Lebensstil im Ausland. (…) Laut Dokumenten über die Vermögenswerte der Hamas (...) haben die Hamas-Oberen ein Finanzimperium außerhalb des Gazastreifens aufgebaut, dessen Gesamtwert rund 700 Millionen US-Dollar beträgt. Demnach umfasst das geheime Terror-Portfolio zwischen 30 und 40 Firmen, die vor allem im Bausektor und Immobiliengeschäft tätig sind. (…) Während die eigene Bevölkerung in dem abgeriegelten Gebiet unter den Konsequenzen des Hamas-Angriffs auf Israel leidet, Wasser, Benzin und Brot rationiert sind, residieren die Hamas-Bosse wie Ismail Haniyeh, Khaled Maschal, Saleh al-Arouri und andere in Luxushotels im Ausland und verfügen über Bankkonten auf der ganzen Welt. Nach weiteren geheimen Dokumenten (...) hat die Hamas-Führung Zugriff auf Dutzende Konten bei türkischen Banken (…), welche in Euro und US-Dollar geführt werden. Als Korrespondenzbanken, die etwa Überweisungen nach Europa für die türkischen Filialen tätigen, werden unter anderem die Deutsche Zentral-Genossenschaftsbank in Düsseldorf, die Unicredit Bank in München, sowie die Frankfurter Filialen der Deutschen Bank, Commerzbank und Citibank Europe angegeben.“ (Siehe zu diesem Thema auch den am 19.10.23 verlinkten Artikel des Online-Magazins „spiked“.)

Welt: „Die Rechten instrumentalisieren unsere Trauer“ (Interview mit dem in Berlin lebenden Schriftsteller Tomer-Dotan-Dreyfus, einem Vertreter der israelischen Linken; Bezahlschranke) – Auszug: „Viele Menschen, die bisher an eine Lösbarkeit des Konflikts geglaubt haben, haben ihre Meinung geändert. (...) Es gibt eine riesige Wut in Israel gegen die Regierung, nicht nur von der Linken, sondern auch aus Netanyahus eigener Partei. (…) Es gibt ein Momentum in dieser Wut, aber kein positives. Diese mit Trauer verbundene Wut ist nicht mehr gesund. Man redet in Israel jetzt schon über den Bürgerkrieg (…) Die israelische Linke ist sehr friedensorientiert. Es gibt viele pazifistische Linke. Das steht im Gegensatz zu manchen vielleicht etwas aggressiveren Szenen in Europa. (…) Deshalb fühlen wir uns im internationalen Kontext auch gerade so alleine. Wenn die Linken aus anderen Ländern uns gegenüber die Gewalt der Hamas rechtfertigen, sie mit Wörtern wie ′Dekolonialisierung‵ oder ′Befreiungskampf‵ in Verbindung bringen, dann passt das überhaupt nicht mit dem zusammen, wie wir das sehen. (…) Wir haben Leute verloren, die wir kennen und die wir aus unserem politischen Aktivismus kennen. Eine Aktivistin der Menschenrechtsorganisation B’Tselem, ein Aktivist der Bewegung ′Breaking The Silence‵, die aus israelischen Veteranen besteht ... Wir kennen sie alle. Die Kibbuzim sind historisch links, und es wurden Linke angegriffen. (…) Ich glaube, es wäre taktisch besser, jetzt über die Geiseln zu verhandeln und später zu sehen, was wir mit der Hamas machen. (…) Es ist unglaublich, wie allein wir geblieben sind. Ich bin von diesen Reaktionen [in der westlichen Linken, Red.] geschockt. (…) Ich habe nie an eine Zwei-Staaten-Lösung geglaubt. (…) Ich glaube an einen binationalen Staat, der sich als sicherer Hafen für Juden und Palästinenser versteht.“

ZDF: Pistorius sieht Gefahr eines Kriegs in Europa – Auszug: „Der Konflikt in Nahost und Russlands Krieg gegen die Ukraine sollten auch in der deutschen Gesellschaft Konsequenzen haben, fordert Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius. Der SPD-Politiker sagte in der ZDF-Sendung ′Berlin direkt‵: ′Wir müssen uns wieder an den Gedanken gewöhnen, dass die Gefahr eines Krieges in Europa drohen könnte.‵ Deutschland müsse wehrhaft sein, das gelte sowohl für die Bundeswehr als auch für die Gesellschaft: ′Wir müssen kriegstüchtig werden‵, so Pistorius. Zugleich werde Deutschland im Nahost-Konflikt alles dafür tun, dass es zu keiner weiteren Eskalation komme. Vorwürfe, die Bundesregierung sei bei der sogenannten Zeitenwende zu langsam, wies Pistorius zurück. ′Viel mehr Tempo geht gar nicht.‵ Man habe nicht nur ein Sondervermögen für die Bundeswehr in Höhe von 100 Milliarden Euro aufgelegt, sondern auch Strukturen verändert. Wohl aber sei die Bundeswehr lange vernachlässigt worden, sagte Pistorius: ′Das alles lässt sich, was in 30 Jahren verbockt worden ist, sorry wenn ich das so sage, und runtergewirtschaftet worden ist, nicht in 19 Monaten wieder einholen.‵ Deutschland werde aber bereits Ende dieses Jahrzehnts ganz anders dastehen. Zuvor hatte sich Wirtschaftsminister Robert Habeck für mehr Geld für die Bundeswehr ausgesprochen. Der Grünen-Politiker sagte, darüber müsse rechtzeitig debattiert werden – und zwar, bevor das Sondervermögen auslaufe. ′Wenn wir die Zeitenwende ernst nehmen, muss Deutschland für seine Sicherheit mehr tun. Dafür werden wir für die Bundeswehr viel Geld brauchen.‵“

John Helmer: The Existential Trap – The Pentagon has just fallen into it, as Biden tries to avoid Carters’s Hostage Rescue Disaster (Die existenzielle Falle – Das Pentagon ist soeben in die Falle getappt, während Biden versucht, Carters Geiselrettungs-Katastrophe zu vermeiden) – Auszug (übersetzt): „US-Verteidigungsminister Lloyd Austin kündigte an, er habe ‚die Verlegung der USS Dwight D. Eisenhower Flugzeugträger-Kampfgruppe [aus dem östlichen Mittelmeer] in den Verantwortungsbereich des Central Command umgeleitet. (…) Das neue Ziel der Eisenhower wurde noch nicht bekannt gegeben. In den US-Militärmedien wird behauptet, dass es der Persische Golf oder das Rote Meer sein wird (…). Zum ersten Mal hat damit auch das US-Kommando anerkannt, was Präsident Wladimir Putin meinte, als er am 18. Oktober, in Peking erklärte, er habe MiG-31, die mit Kinzhal-Raketen bewaffnet sind, in Reichweite der ‚Eisenhower‘ [dauerhaft in den Luftraum über dem Schwarzen Meer] beordert. (…) Austin wies auch darauf hin, dass das Pentagon schnelle Einsatzkräfte für die Evakuierung von Soldaten und Fliegern auf Stützpunkten in Jordanien, Syrien und Irak vorbereitet, falls diese von Demonstranten überrannt werden. (...) Es handelt sich um Evakuierungseinsätze nach Art des Kabuler Flughafens. (…) Im Persischen Golf wird die Eisenhower jedoch in Schussweite von MiG-31 und Kinzhal-Raketen im Kaspischen Meer sowie von anderen russischen Langstreckenraketen sein. (…) Im Roten Meer wird sich die US-Flotte in Reichweite mehrerer iranischer ballistischer Raketentypen befinden, gegen die die USA bisher noch keine Kampftests durchgeführt haben. (…) ‚Was ihnen an der chinesischen Task Force [im Persischen Golf] Angst macht, ist die Reichweite ihrer Marschflugkörper sowie ihre Fähigkeit, sich mit iranischen und (wie ich annehme) russischen Luftverteidigungsradar- und Zielnetzen zu verbinden. Sie haben alle zusammen Manöver durchgeführt. Jeder amerikanische und verbündete Stützpunkt in der Region steht jetzt unter einem gemeinsamen, sich gegenseitig unterstützenden russischen, iranischen und chinesischen Schirm. Kurz gesagt, eine Falle.‘“

New York Times: An Audio Diary of Despair (Ein Audio-Tagebuch der Verzweiflung) – Auszug (übersetzt): „In einer Reihe von Sprachnachrichten, die über WhatsApp verschickt wurden, beschrieb die 19-jährige Tasneem Ismael Ahel den Krieg, der sich um sie herum in Gaza-Stadt abspielt. (…) ‚Es ist der 14. Oktober. 11 Uhr. Ich habe das Gefühl, schon tot zu sein. Aber ich atme immer noch, atme einfach immer noch. (…) Ich möchte einfach normal leben. (…) Alles wird immer schlimmer.‘ (…) Die Audiobotschaften (…) stecken oft tagelang in der elektronischen Übertragung fest, da Israel aufgrund der Unterbrechung der Stromversorgung in Gaza einen Kommunikations-Blackout verhängt und damit die Stimmen aus der belagerten Enklave zum Schweigen gebracht hat. (…) Mitte Oktober dokumentierte Tasneem, eine 19-jährige Studentin aus Gaza-Stadt, zwei Wochen lang, wie sich ihre Heimatstadt durch die israelische Bombardierung veränderte, und teilte der New York Times tägliche Updates in Form eines Audio-Tagebuchs mit. (…) Der Krieg ist nicht der erste für Tasneem. Oder ihr zweiter. Es ist tatsächlich ihr fünfter. Und sie befürchtet, dass sie dieses Mal sterben wird. Tasneem gehört zu einer Generation, die unter Belagerung geboren wurde. Diese Bedingungen halten sie, ihre Eltern, ihre fünf jüngeren Geschwister und fast zwei Millionen Palästinenser weiterhin auf einem Stück Land gefangen. Sie hat Gaza noch nie verlassen und befürchtet, es auch nicht mehr zu können.“

Tichys Einblick: Auflagen stürzen ab: Steigt der Staat im November in die Tageszeitungen ein? (24.10.) – Auszug: „Die Tageszeitungen verlieren dramatisch an Auflage. Vor diesem Hintergrund will die Ampel ab November Zeitungen staatlich finanzieren. (…) Allein im vergangenen Jahr verloren die 338 der IVW angeschlossenen Zeitungen knapp eine Million Exemplare in der verbreiteten Auflage. Übrig bleiben 12,1 Millionen täglich abgesetzter Exemplare. Die verkauften E-Paper sind in der Zahl enthalten. Deren Absatzzahlen steigen zwar stetig. Doch sie können den Verlust in der gedruckten Zeitung nicht ausgleichen, sodass die verbreitete Auflage insgesamt um 7,5 Prozent innerhalb eines Jahres zurückgegangen ist. Der Verfall der Zeitungen beschleunigt sich. Bis vor etwa fünf Jahren lag der jährliche Rückgang in der Auflage bei 2 Prozent im Jahr. Dann stieg er auf 5 Prozent – nun sind es also schon 7,5 Prozent. Vor zehn Jahren hatten die Zeitungen zusammen noch eine verbreitete Auflage von über 20 Millionen Exemplaren – jetzt sind es nur noch 12,1 Millionen Exemplare. Tageszeitungen sind ein fallendes Messer. Dieses fallende Messer will die Politik nun auffangen. (…) Schon die Große Koalition unter Angela Merkel (CDU) wollte die Verleger mit 220 Millionen Euro bezuschussen. Die Pläne scheiterten daran, dass der damalige Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) keinen Schlüssel gefunden hat, wie der Staat das Geld verteilt. Denn der Schlüssel soll die Behauptung rechtfertigen, es ginge bei den Subventionen um die Erhaltung von Qualität – und er soll politisch unliebsame Medien vom staatlichen Geldregen fernhalten. (…) Nach einem TE vorliegenden Papier aus Habecks Haus sollen die Verlage schon 2025 zusammen 630 Millionen Euro vom Staat erhalten. (…) Andere These: Die Ampel will sich Werbeträger ihrer Politik kaufen und die Union in der Sache nicht außen vorbleiben. Staatstragend klingt das nicht. Aber dafür plausibel.“

Transition News: Über das verborgene Bündnis zwischen Israel und der Hamas – Auszug: „‚In der sichtbaren Dimension ist die Hamas ein Feind, in der verborgenen Dimension ist sie ein Verbündeter.‘ Das erklärte der israelische Generalmajor Gershon Hacohen 2021 gegenüber dem israelischen Magazin Walla News. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu habe die islamisch-fundamentalistische Palästinenserorganisation Hamas zu seinem ‚engsten Partner‘ gemacht. Das Ziel laut dem General: Die Zwei-Staaten-Lösung zu verhindern, die schon bei den Osloer Abkommen ab 1993 vereinbart worden war. Auf die Aussagen des hochrangigen israelischen Offiziers hat das Schweizer Portal Swiss Policy Research (SPR) in einem am Montag veröffentlichten Beitrag aufmerksam gemacht. Darin wird anhand von Aussagen israelischer, palästinensischer und US-amerikanischer Insider die Frage beantwortet, ‚Warum Israel die Hamas geschaffen hat‘. Die Aussagen haben es in sich und bestätigen die Vermutungen, dass die militanten Aktionen der Hamas weniger den Palästinensern nutzen als denen der israelischen Politik. Diese geht dabei nach dem bewährten Prinzip aller Mächtigen und Herrschenden vor: ‚Teile und herrsche‘. Dazu wurde den Aussagen nach die 1987 gegründete Hamas und ihr Vorläufer, die palästinensische Muslim-Bruderschaft, gefördert und finanziert, wohl sogar ausgebildet. Das Ziel: die lange Zeit dominierende PLO mit ihrer säkularen und linksnationalen Orientierung zu schwächen.“

Frankfurter Allgemeine: Israel bereitet sich auf die nächste Kampfphase vor – Die israelische Armee hat in der Nacht zum Donnerstag einen „gezielten Angriff“ mit Panzern im nördlichen Gazastreifen ausgeführt. Dabei hätten die Truppen auch „das Schlachtfeld vorbereitet“. – Auszug: „Zwei Faktoren scheinen den Beginn des massiven Einmarschs (…) zu verzögern. Zum einen das Schicksal der Menschen, die am 7. Oktober in den Gazastreifen entführt worden sind. Laut Armeeangaben handelt es sich noch um 220 Personen, wobei unklar ist, wie viele von ihnen noch am Leben sind. Vier Personen wurden inzwischen freigelassen. Qatar, das als eines von mehreren Ländern als Vermittler fungierte, nährte am Mittwoch die Hoffnungen, dass weitere Entführte freikommen könnten. (...) Inzwischen gibt auch Israel öffentlich zu erkennen, dass es die diplomatischen Bemühungen Qatars gutheißt (...). Der Beginn der Bodenoffensive könnte die Gespräche über die Freilassung der Entführten erschweren. Das weiß auch die Hamas, die daher versucht, die Geiseln in ihrem Sinne als Hebel einzusetzen. Aber auch intern scheint in Israel noch keine Einigkeit über die nächsten Schritte der Offensive gegen die Hamas zu herrschen. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu hielt am Mittwochabend eine Rede an die Nation. Darin bekräftigte er, es gebe zwei Ziele: Zum einen, die militärischen und politischen Strukturen der Hamas zu zerstören und die Organisation ′auszulöschen‵. Zum anderen, die Gefangenen nach Hause zu bringen. Israel bereite dafür eine Bodenoffensive vor, sagte Netanjahu. Er werde jedoch nichts dazu sagen, wann, wie oder in welchem Umfang sie stattfinden werde, ′um das Leben unserer Soldaten besser zu schützen‵.“

Hintergrund: „Dass in Israel eine fünfte Kolonne operierte, bestreitet heute niemand mehr“ (Interview mit dem russischen Militäranalysten Sergej Pereslegin) - Auszug: „Es sieht so aus, als ob Israel in diesem Krieg alle Fehler machen wird, die in der Vorplanungsphase vorhersehbar waren, und dazu noch solche, die schwer vorhersehbar sind. (...) Meiner Meinung nach handelt es sich um einen der am besten vorhersehbaren Konflikte. Er ist von all jenen, die sich mit Prognosen befassen, schon oft analysiert worden. Und es überrascht mich, wenn die Leute von seiner völligen Unerwartetheit sprechen. (...) Israel ist im religiösen Sinne eine jüdische Exklave in einem offensichtlich muslimischen Gebiet. Als Exklave, die auf allen Seiten von einer anderen konfessionellen und nationalen Identität und vor allem von anderen zivilisatorischen Strukturen umgeben ist, ist es ein äußerst instabiles Gebilde. Mit anderen Worten, es muss viel Energie – in Form von militärischer, politischer und finanzieller Hilfe – aufgewendet werden, um die Exklave ständig aufrechtzuerhalten. Natürlich kann der Westen in irgendeiner Form Unterstützung leisten, aber seine Ressourcen sind nicht unendlich. Irgendwann kommt diese Unterstützung einfach nicht mehr rechtzeitig an. Und das ist keineswegs die Schuld Israels. Ich möchte daran erinnern, dass sich die Kreuzfahrerstaaten bei ihrer Gründung in genau der gleichen Situation befanden: eine christliche Exklave auf muslimischem Gebiet. Bei aller unübertroffenen Kampffähigkeit der europäischen Ritterkavallerie, und das war für die damalige Zeit wirklich eine Superwaffe, war es nicht möglich, diese Exklaven lange zu halten.“

Infosperber: Die USA sollen Israel vor sich selber retten – US-amerikanische Experten warnen Israel in der einflussreichen Zeitschrift „Foreign Affairs“ vor einer Strategie der Rache. – Auszug: „Richard Haass, in der Zeit von 9/11 enger Berater des damaligen Aussenministers Colin Powell, warnt vor einer ungebremsten Intervention Israels. Unter dem Titel ′Was Freunde Freunden schulden‵ erläutert er, warum Washington Israel zu einer eingeschränkten Militäraktion anhalten soll. (…) Marc Lynch von der George Washington University bezeichnet eine militärische Invasion des Gazastreifens als ′Katastrophe für Israel‵. Er kritisiert jene, die Israel mit maximalistischen Zielen zum Einmarsch in den Gazastreifen drängen. (…) Auch Audrey Kurth Cronin vom Carnegie Mellon Institute for Strategy and Technology warnt vor einer Strategie, die sich durch Rache leiten lässt. Israels Empörung und der Wunsch nach Rache seien verständlich. Unterdrückung als Mittel zur Bekämpfung von Terrorismus verspreche aber selten Erfolg. (…) Audrey Kurth Cronin, Marc Lynch, Richard Haass und andere Autoren von ′Foreign Affairs‵ sprechen Israel nicht das Recht ab, militärisch auf den Angriff der Hamas zu reagieren. Im Gegenteil: Es müsse es tun, aber nicht so, wie es mit einem Kampf gegen ′menschliche Tiere‵ angekündigt wurde. Israel müsse sich strikt ans Kriegsvölkerrecht halten. Und an die USA gerichtet gibt Audrey Kurth Cronin zu bedenken, dass ihr Eintreten für internationale Normen und das Kriegsrecht zur Verteidigung der Ukraine gegen die brutale russische Invasion sich schwerlich mit der leichtfertigen Missachtung derselben Normen im Gazastreifen vereinbaren lassen.“

Welt: Hans-Georg Maaßen, „Campact“ und der Eindruck einer Fassadendemokratie – Ein Verein will den Einzug des ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten in den Bundestag verhindern – und angeblich die Demokratie retten. Nun zeigt der großartige Dokumentarfilm „Arena 196“, wie diese Einmischung die Demokratie in Wahrheit beschädigt hat. (Besprechung der Doku „Arena 196“, die ab 26.10.23 im Kino zu sehen ist; Bezahlschranke) – Auszug: „′Arena 196‵ ist ein Film, der die Wirklichkeit hinter den Abziehbildern zeigt. Es geht nicht nur um den Alltag des politischen Geschäfts, es geht außerdem um den Osten, die Nachwirkungen der Wendezeit und die Probleme heute. (…) Es ist Aufklärung im allerbesten Sinne: Der Film zeigt, wie gefährlich die Idee einer ′geschützten Demokratie‵ ist, die vernünftige Verfahrensweisen bedenkenlos einem höheren Gut opfert. (...) Bei ′Campact‵ interessiert man sich für Diskurse, doch nicht für die Wirklichkeit vor Ort. Das schürt Ressentiments. Immer wieder sind Stillleben zerstörter und beschmierter Wahlplakate zu sehen, Anzeichen von Unmut und Wut. Der Demos hadert mit seiner Herrschaft und wendet sich gegen sie. Durch ein Eingreifen wie von ′Campact‵ wird der Eindruck einer Fassadendemokratie noch verstärkt, das ist der progressive Beitrag zur Demokratiefeindlichkeit. ′Arena 196‵ verdichtet präzise Beobachtungen zu einem politischen Lehrstück über die Demokratie, das jede Schulklasse gesehen haben sollte. Und Erwachsene sowieso! Es ist auch ein Blick voraus auf die thüringische Landtagswahl im nächsten Jahr, die bereits als eine deutsche Schicksalswahl gilt.“

Berliner Zeitung: Tagesspiegel und andere: Einfluss von Pharmakonzernen auf Berichterstattung? (Bezahlschranke) – Auszug: „Regelmäßig treten Publikationen, die zur DvH [Dieter von Holtzbrinck] Medien-Holding gehören, als Ausrichter gesponserter Veranstaltungen auf. Wie im Februar dieses Jahres, als Tagesspiegel, Die Zeit, Handelsblatt und Wirtschaftswoche die Digitalkonferenz ‚Europe 2023‘ initiierten. (…) [Livestream-Zuschauer] sahen, wie Journalisten der veranstaltenden Medien unter anderem eine Diskussion mit der Deutschland-Chefin des Pharmakonzerns Pfizer zum Thema ‚Wie gelingt die Gesundheitsförderung für alle?‘ moderierten. Pfizer gehörte zu den Sponsoren der Konferenz. Auch die mehrtägige Handelsblatt-Fachkonferenz ‚Pharma 2023‘ im vergangenen März sowie die für November geplante ‚Health 2023‘ listet Sponsoren wie die Arzneimittelhersteller Chiesi und Takeda auf. Die Handelsblatt-Website macht keinen Hehl daraus, was die Partner erwarten können: eine ‚mehrmonatige Logo-Platzierung in unseren Handelsblatt-Kanälen (z.B. Website, Veranstaltungsplattform, E-Mail-Kampagnen, Social-Media-Aktivitäten)‘, ein ‚Experten-Interview im Livestream und über die Tagung hinaus‘ oder einen ‚Beitrag in unserem Handelsblatt Journal‘ – dies sei eine ‚objektive Plattform‘, weshalb die Geldgeber ‚von der Reichweite und Auflagenstärke des Handelsblatts‘ profitieren könnten. (…) Seit Jahren taucht Pfizer immer wieder als Sponsor solcher Medien-Events auf: Wenn es (…) um den Corona-Impfstoff geht oder um Forschung zur Lösung der ‚Weltprobleme‘.“

Frankfurter Allgemeine: Was Wagenknecht mit ihrer künftigen Partei vorhat – Auszug: „Sahra Wagenknecht hat am Montag ihren lange gehegten Plan auf den Weg gebracht, eine eigene Partei zu gründen. Zusammen mit neun Abgeordneten tritt die bekannte Linken-Politikerin aus der Partei aus, will aber mit ihren Mitstreitern in der Fraktion bleiben, bis die neue Partei gegründet ist. (…) Wagenknecht beginnt ihren Auftritt in der Bundespressekonferenz mit einer Attacke auf die Ampel. Die sei die ′wohl schlechteste Regierung‵ in der Geschichte der Bundesrepublik: Sie agiere ′planlos, kurzsichtig und in Teilen inkompetent‵. Dann nennt Wagenknecht die Punkte, die ihr wichtig sind: Sie ist gegen eine ′Außenpolitik des erhoben Zeigefingers‵, die Deutschland isoliere, sie ist weiter für billige Energie aus Russland, sie will ′wegkommen von blindem Ökoaktivismus‵ und soziale Gerechtigkeit soll wieder ganz oben stehen. Ein großer Fehler sei es, dass Deutschland sich von der wichtigen Entspannungspolitik verabschiedet habe und immer mehr auf die militärische Karte setze. Wer aber wie sie für eine Verhandlungslösung im ′Ukraine-Krieg‵ wolle, werde diffamiert als Putin-nah und pro-russisch. Zum aktuellen Nahost-Konflikt sagt Wagenknecht auf Nachfrage: ′Gaza ist ein Freiluftgefängnis seit vielen Jahren.‵ Zu den Gräueltaten der Hamas äußert sie sich nicht. (...) Auffällig ist, dass Wagenknecht das Thema Migration nicht anspricht. Erst auf Nachfrage sagt sie, dass Migration nicht die Lösung gegen Armut sei. Das Asylrecht solle aber nicht in Frage gestellt werden. Auf Nachfrage sagt sie nur, dass die neue Partei ′selbstverständlich nicht gemeinsame Sache mit der AfD machen‵ werde.“

Frankfurter Allgemeine: Der Israel-Hass der „Progressiven“ – Nach dem Hamas-Terror zeigt die offizielle Politik Solidarität mit den Juden. Warum fällt das der „progressiven Zivilgesellschaft“ so schwer? (Bezahlschranke) – Auszug: „Wie könne es sein, dass Leute, die sich als links bezeichnen, die Gräueltaten der Hamas bejubeln?, fragte der Berliner ′Tagesspiegel‵ den deutsch-britischen Fachbuchautor Nicholas Potter. ′Ohne Antisemitismus ist das kaum zu erklären‵, antwortete er. In einem bemerkenswerten Buch, das Potter unter dem Titel ′Judenhass Underground‵ mitherausgegeben hat, sind mehrere Autoren dem ′Antisemitismus in emanzipatorischen Subkulturen und Bewegungen‵ nachgegangen – namentlich im Kulturbetrieb, in ′antirassistischen Gruppen‵, in der ′Queer Community‵, in feministischen Kreisen, in der Club- und Rapszene sowie in der Klimabewegung. Die Ergebnisse sind bestürzend. Natürlich gibt es auch Antisemitismus ′von rechts‵. Zieht man die Kriminalstatistiken zurate, ist er in Deutschland sogar mit Abstand die größte Pein. Aber in den offiziellen Statistiken werden antisemitische Straftaten automatisch dem ′Phänomenbereich rechts‵ zugeordnet, wenn sie nicht aufgeklärt werden können. Erst jetzt will die Bundesinnenministerin diese ′Sonderregel‵ abschaffen. Womöglich ergibt sich dadurch bald ein differenzierteres Bild. Zurzeit jedenfalls, das machen Gespräche klar, fürchten sich Juden mehr vor islamischem und linkem Antisemitismus, zwei Bewegungen, die sich nicht zum ersten Mal in der Geschichte unterhaken.“

philosophie Magazin: Susan Neiman: „Wir dürfen es der Hamas nicht erlauben, die Vernunft zu ermorden.“ – Auszug: „Ich denke, die Ereignisse zeigen gerade vor allem eines: Wenn man sehen möchte, wohin es führt, wenn ein Land ausschließlich nationalistisch agiert – aufgrund erlittenen Unrechts –, dann muss man sich nur den jetzigen Staat Israel anschauen. Die rechten israelischen Regierungen haben deren Gewalt immer mit dem Hinweis auf den Holocaust gerechtfertigt: ′Schaut mal, was die Welt uns angetan hat.‵ Und das bedeutet andererseits, dass diese postkoloniale Argumentation ′Schaut, was die Israelis den Palästinensern angetan haben, die sind die wahren Opfer‵, problematisch ist. Übrigens reagiert der indische Präsident Modi genau so auf Vorwürfe, dass seine Regierung Menschenrechte verletze: ′Wir wurden von Euch kolonisiert, ihr habt uns nichts zu sagen.‵ Es stimmt, dass Israels Regierung den Palästinensern Schreckliches angetan hat. Aber Juden waren auch Opfer, es gab nicht nur den Holocaust, sondern Pogrome in der Ukraine und in Russland, was zur ersten jüdischen Einwanderungswelle ins damalige Palästina geführt hat. Aber es ist das Festhalten an diesem Opferstatus in der Netanjahu-Regierung und die Idee, dass Opfersein einen zu allem berechtigt, die ein großes Problem im Staat Israel sind. (...) Wir müssen aus diesem Opfer-Bewusstsein zu einer Haltung kommen, die universalistisch ist. Und wenn jetzt die Postkolonialisten kommen und sagen, wegen des Leids der Palästinenser ist alles, was die Hamas getan hat, gerechtfertigt, dann ist das einfach genauso falsch. Deshalb finde ich, dass der Universalismus, das Festhalten an der Würde aller Menschen, die einzige Antwort ist.“

Andreas Wehr: Domenico Losurdo: „Die zionistische Idee“ als „koloniale“ Idee: Herzl und Rhodes – Auszug: „In seinem 2011 auf Deutsch erschienenen Buch ‚Die Sprache des Imperiums. Ein historisch-philosophischer Leitfaden‘ beschäftigte sich Domenico Losurdo im Kapitel ‚Antizionismus‘ mit den ideologischen Wurzeln des Zionismus. Er wies an Hand der Schriften und Aufzeichnungen von Theodor Herzl - dem Begründer des Zionismus - nach, dass diese Ideologie zutiefst im kolonialistischen und rassistischen Denken des Westens des 19. Jahrhunderts wurzelt. Der auf der Doktrin des Zionismus aufgebaute und ihm bis heute verpflichtete Staat Israel ist daher nach Losurdo eine ‚koloniale Idee‘. Die Gründung eines weißen Staats auf okkupiertem Land bei gleichzeitiger Ausrottung bzw. Vertreibung der dort ansässigen Bevölkerung gleicht den untergegangenen Siedlerstaaten in Südafrika, Rhodesien - heute Zimbabwe - und Algerien. (…) Bei seiner Propaganda für den Zionismus empfiehlt sich Herzl folgendermaßen den Kanzleien der westlichen Großmächte: ‚Die meisten Juden sind keine Orientalen mehr‘; ‚so möchten wir als Culturträger des Westens in diesen jetzt verseuchten, verwahrlosten Winkel des Orients Reinlichkeit, Ordnung und die geklärten Sitten des Abendlandes bringen‘, in diesen ‚kranken‘ Winkel. (…) Und in diesen Kontext fügt sich die erstrebte Rückkehr der Juden nach Palästina ein: ‚Die zionistische Idee, die eine koloniale ist‘, könne leichter in jenen Ländern verstanden werden, die sich mit Erfolg für die Eroberung überseeischer Territorien eingesetzt haben.“

19. Oktober 2023

Foreign Affairs: What Comes After Hamas? A Plan to Return the Gaza Strip to Palestinians and Keep Israel Safe (Was kommt nach der Hamas? Ein Plan zur Rückgabe des Gazastreifens an die Palästinenser und zur Gewährleistung der Sicherheit Israels) – Auszug (übersetzt): „Die Vereinigten Staaten könnten eine Kontaktgruppe anführen, die sich aus Nachbarstaaten und ausgewählten externen Mächten zusammensetzt, nämlich Israel, Ägypten, Jordanien, Saudi-Arabien, der EU, den Vereinten Nationen und der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die Gruppe würde einen Plan ausarbeiten, um die Kontrolle über den Gazastreifen von Israel auf die UN zu übertragen, sobald die Kampfhandlungen beendet sind. Dies wäre ein enormes Unterfangen für die UNO, deren institutionelle Kapazität bereits durch eine starre und komplizierte Bürokratie belastet ist. Abgesehen von diesen Mängeln wäre der wichtigste Schritt in dieser Phase die Erteilung eines UN-Mandats in Form einer Resolution des Sicherheitsrats, die die Mitgliedstaaten ermächtigt, eine Übergangsverwaltung für den Gazastreifen einzurichten, die zivile Ordnung und die öffentlichen Dienste in Abstimmung mit Israel aufrechtzuerhalten und einen Plan für Wahlen im Westjordanland und im Gazastreifen zu entwickeln. China und Russland (...) könnten eine solche Resolution verhindern. Wenn jedoch sichergestellt wird, dass das Ersuchen um eine Mission beispielsweise von Ägypten kommt und von der Palästinensischen Autonomiebehörde (einem Beobachterstaat bei der UNO) unterstützt wird, könnte es China und Russland leichter fallen, sich bei einer Abstimmung im Sicherheitsrat zu enthalten oder das Vorhaben sogar zu unterstützen.“

Middle East Eye: Why are Israel's claims treated with such scepticism? Israel has blamed attack on Gaza's al-Ahli Arab hospital on Palestinian Islamic Jihad. But it has a history of making false claims (Warum werden die Behauptungen Israels so skeptisch betrachtet? Israel macht den palästinensischen Islamischen Dschihad für den Angriff auf das arabische Krankenhaus al-Ahli in Gaza verantwortlich. Aber es hat in der Vergangenheit immer wieder falsche Behauptungen aufgestellt) – Auszug (übersetzt): „Letztendlich wird es auch weiterhin eine Reihe von widersprüchlichen Berichten darüber geben, was im arabischen Krankenhaus al-Ahli passiert ist. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint eine Untersuchung vor Ort weitgehend unmöglich zu sein, und die im Internet veröffentlichten Aufnahmen und Bilder werden wahrscheinlich weiterhin die Hauptinformationsquelle darstellen. ′Wir sollten nicht naiv sein, was die politische und analytische Voreingenommenheit vieler Akteure in den derzeitigen Online-OSINT-Gemeinschaften [Open Source Intelligence] angeht‵, so Sebregondi [Architekt und Forscher, für die investigative NGO Index tätig]. ′Der Begriff OSINT stammt aus der Welt des Militärs und der Geheimdienste. Solche Online-Gemeinschaften bestehen aus einer großen Anzahl von (ehemaligen) Militärs und Geheimdienstmitarbeitern, die unter dem Deckmantel einer völlig unabhängigen Berichterstattung auch dazu neigen können, Israels anhaltende brutale Militäraktionen in dem zu unterstützen, was von den Mainstream-Medien immer noch als 'Krieg gegen den Terror' dargestellt wird.‵“

Neue Zürcher Zeitung: Nach der Explosion in Gaza tobt ein Informationskrieg: Was wir über die Detonation in dem Spital wissen (Bezahlschranke) – Auszug: „Der Nachrichtensender al-Jazeera zeigte ein Video, auf dem um 18 Uhr 59 erst eine kleine Explosion am Himmel und dann eine grössere Detonation am Boden zu sehen ist. Der Sender wertete dies nicht als Beweis für die israelische These. Die Aufnahme lässt jedoch den Schluss zu, dass eine Rakete über dem Spital explodierte, worauf die Trümmerteile auf das Gelände stürzten. Der Zeitstempel von al-Jazeera stimmt mit dem mutmasslichen Zeitpunkt der Explosion überein. Auch lässt sich der Ort der gezeigten Detonation eindeutig dem Spital zuordnen. Die Streitkräfte und andere offizielle israelische Konten auf der Plattform X veröffentlichten zudem als Beweis ihrer Darstellung noch ein anderes Video, das die Explosion zeigen soll. Später löschten sie dieses jedoch. Laut dem Zeitsignet war es um 19 Uhr 58 aufgenommen worden – also deutlich nach der Explosion in dem Spital. Offenbar soll es einen anderen Raketeneinschlag zeigen. Viele Nutzer warfen den Israeli daraufhin vor, bei ihrer Beweisführung zu lügen. (…) Nach wie vor lässt sich nicht mit abschliessender Sicherheit sagen, was genau die Detonation verursacht hat. Auch die gemeldeten Opferzahlen lassen sich nicht unabhängig bestätigen. Die öffentlich verfügbaren Informationen wecken jedoch Zweifel an der Darstellung der Hamas. Die Reaktionen auf die Explosion zeigen, wie unerbittlich der Informationskrieg tobt. Auch in den sozialen Netzwerken verbreiten israelische und arabische Accounts Falschinformationen oder alte Videos, um ihre Version zu stützen. Auf beiden Seiten scheinen die Meinungen aber bereits gemacht. In der arabischen Welt stachelt die Explosion die Wut auf Israel weiter an.“

spiked: Hamas is the enemy of the Palestinians – This vicious Islamist regime has treated Gazans as mere fodder in its apocalyptic war on Jews (Die Hamas ist der Feind der Palästinenser – Das bösartige islamistische Regime hat die Bewohner des Gazastreifens als bloßes Futter für seinen apokalyptischen Krieg gegen die Juden behandelt) – Auszug (übersetzt): „Es steht außer Frage, dass die Menschen im Gazastreifen in den letzten zwei Jahrzehnten sehr gelitten haben. Aber ihre Unterdrückung und Ausbeutung hat nur den Führern der Hamas genutzt. Sie haben fröhlich die Früchte ihrer Schreckensherrschaft geerntet und sind durch die Kontrolle des Schwarzmarkts im Gazastreifen, die Großzügigkeit ihrer regionalen Geldgeber und zweifellos auch durch einen Teil der Milliarden Dollar, die Gaza an internationaler Hilfe erhält, reich geworden. Der langjährige Hamas-Führer Ismail Haniyeh versprach, von ′Olivenöl und getrockneten Kräutern‵ zu leben, nachdem er die Hamas bei den palästinensischen Wahlen 2006 zum Sieg geführt hatte. Im Jahr 2019 legte er seine Askese ab und verließ den Gazastreifen, um eine, wie die Hamas ankündigte, ′Auslandsreise‵ zu unternehmen. Er ist nie zurückgekehrt. Der Multimilliardär lebt heute im Luxus in Katar. Ebenso wie der ehemalige Vorsitzende der Hamas, Khaled Meshal. Meshal und seine Familie, deren Vermögen auf etwa 2,5 Milliarden Dollar geschätzt wird, besitzen eine Immobilienfirma in Doha, vier Wohntürme und ein 20-stöckiges Einkaufszentrum. Währenddessen lebt die große Mehrheit der Menschen im Gazastreifen in extremer Armut.“

Telepolis: Können China und Russland eine Eskalation in Nahost verhindern helfen? Bei einer Gaza-Invasion droht Chaos für die Region. Welche Rolle könnten Moskau und Beijing spielen, um das zu verhindern? Und warum sollten die USA mit ihnen kooperieren? (Anatol Lieven/ George Beebe) – Auszug: „Die Vereinigten Staaten sehen sich zwei herausragenden Bedrohungen gegenüber, die sich aus dem Angriff der Hamas auf Israel und Israels Reaktion darauf ergeben. Die erste ist die tödliche Bedrohung Israels, die von einer Kombination aus Angriffen der Hamas, der Hisbollah, des Iran (vor allem, wenn sie von Russland unterstützt wird) und einer erneuten Intifada ausgehen würde. Zweitens besteht die Gefahr, dass ein solcher regionaler Flächenbrand die USA und Russland unbeabsichtigt auf gegnerische Seiten in die Kämpfe hineinziehen würde, wobei China Russland helfen würde. Beide mögliche Szenarien zu verhindern, ist sowohl für die eigene Sicherheit der USA als auch für unsere Verpflichtungen gegenüber Israel von entscheidender Bedeutung. Und unsere Fähigkeit, das zu tun – oder zumindest die regionalen Auswirkungen einer solchen Invasion zu minimieren –, hängt in erheblichem Maße von der Unterstützung Chinas und Russlands ab, ihre Partner in der Region in Schach zu halten im Gegenzug zur israelischen Zurückhaltung in Gaza. Der Weg, der die doppelte Gefahr am wahrscheinlichsten macht, wäre eine großangelegte israelische Bodeninvasion in Gaza, auf die die Hamas mit Sicherheit vorbereitet ist und die sie möglicherweise auch provozieren wollte.“

Westminster Declaration: „Ein offener Diskurs ist der Grundpfeiler einer freien Gesellschaft“ – 137 prominente Publizisten, Wissenschaftler, Künstler und Aktivisten haben am 18. Oktober einen internationalen Aufruf gegen Angriffe auf die Meinungsfreiheit veröffentlicht, die „Westminster Declaration“. Die Unterzeichner kommen von rechts, von links und aus der Mitte, unter ihnen Jordan Peterson, Oliver Stone, Niall Ferguson, Edward Snowden. Auszug aus der deutschen Fassung: „Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte (AEMR) wurde 1948 als Reaktion auf die Gräueltaten des Zweiten Weltkriegs verfasst. Artikel 19 der AEMR besagt: ′Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten.‵ (…) Wie in Artikel 19 klargestellt wird, ist die logische Folge des Rechts auf freie Meinungsäußerung das Recht auf Information. In einer Demokratie hat niemand ein Monopol auf das, was als wahr angesehen wird. Vielmehr muss die Wahrheit durch Dialog und Debatte gefunden werden – und wir können die Wahrheit nicht finden, ohne die Möglichkeit des Irrtums zuzulassen. Die Zensur im Namen des ′Schutzes der Demokratie‵ verkehrt das System der Repräsentation, das von unten nach oben verlaufen sollte, in ein System der ideologischen Kontrolle von oben nach unten. (...) Angriffe auf die Meinungsfreiheit waren in der Geschichte der Menschheit stets Vorboten für Angriffe auf alle anderen Freiheitsrechte. Regime, die die Meinungsfreiheit untergraben, haben unweigerlich auch andere demokratische Grundstrukturen geschwächt und beschädigt. Ebenso untergraben die Eliten, die heute auf Zensur drängen, die Demokratie. Was sich jedoch geändert hat, sind das Ausmaß und die technischen Mittel, mit denen Zensur durchgesetzt werden kann.“

Seniora: Scott Ritter: Warum ich nicht mehr auf der Seite Israels stehe und es auch nie wieder tun werde – Auszug: „Wir haben über die Worte von David Ben Gurion, dem ersten Präsidenten Israels, gesprochen, der sagte: ‚Wenn ich ein arabischer Führer wäre, würde ich niemals ein Abkommen mit Israel unterzeichnen. Es ist normal; wir haben ihr Land eingenommen. Es ist wahr, dass Gott es uns versprochen hat, aber wie könnte sie das interessieren? Unser Gott ist nicht der ihre. Es hat Antisemitismus gegeben, die Nazis, Hitler, Auschwitz, aber war das ihre Schuld? Sie sehen nur eines: Wir sind gekommen und haben ihr Land gestohlen. Warum sollten sie das akzeptieren?‘ Ein weiteres Zitat von Ben Gurion unterstreicht diesen Punkt. ‚Lasst uns die Wahrheit unter uns nicht ignorieren ... politisch sind wir die Aggressoren, und sie verteidigen sich‘, sagte er. ‚Das Land gehört ihnen, weil sie es bewohnen, während wir hierherkommen und uns niederlassen wollen, und in ihren Augen wollen wir ihnen ihr Land wegnehmen.‘ (…) Mein [israelischer] Gastgeber teilte mir zwar nicht mit, welcher politischen Richtung er angehörte (und ich fragte auch nicht danach), aber zwei Dinge wurden mir sehr deutlich. Erstens bewunderte er Yitzhak Rabin, einen ehemaligen Soldaten, der zum Politiker wurde. ‚Er lügt, wie alle anderen auch‘, bemerkte er einmal. ‚Aber er lügt im Namen des Friedens. Das kann ich akzeptieren.‘ Und er verachtete Benjamin Netanjahu zutiefst. ‚Er wird Israel zerstören‘, warnte mein Gastgeber. ‚Er kennt nur Hass.‘“

ZDF: So reagiert die Welt auf den Raketeneinschlag – Auszug: „Jordaniens König Abdullah II. sagte ein für heute geplantes Treffen mit US-Präsident Biden und Ägyptens Staatschef al-Sisi ab. (…) Die im Libanon aktive pro-iranische Miliz Hisbollah hat einen ‚Tag des beispiellosen Zorns‘ gegen Israel ausgerufen. (…) Saudi-Arabien verurteilte das ‚abscheuliche Verbrechen‘ aufs Schärfste. Das Land machte Israel für den Angriff verantwortlich, wie aus einer Erklärung des saudischen Außenministeriums hervorging. (…) Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan machte ebenfalls Israel verantwortlich. (…) Auch UN-Generalsekretär António Guterres zeigte sich bestürzt. ‚Ich bin entsetzt über die Tötung Hunderter palästinensischer Zivilisten heute bei einem Angriff auf ein Krankenhaus in Gaza, den ich aufs Schärfste verurteile‘ (…). In Amman versuchten Demonstranten zur israelischen Botschaft zu gelangen (…). Vor dem israelischen Konsulat in der türkischen Millionenmetropole Istanbul versammelten sich am Dienstagabend zahlreiche Demonstranten. Einige schwenkten palästinensische Flaggen und skandierten: ‚Nieder mit Israel!‘. (…) In Tunis protestierten Hunderte nach dem Vorfall vor der Botschaft Frankreichs (…). Auch in Bagdad versammelten sich Augenzeugen zufolge Hunderte im Zentrum der Stadt. (…) In den südlichen Vororten von Beirut strömten Augenzeugen zufolge Hunderte Hisbollah-Anhänger auf die Straßen und forderten, Tel Aviv zu bombardieren. (…) In Teheran rief eine Menge ‚Nieder mit Israel‘ (...). Irans Außenamtssprecher verurteilte den Angriff aufs Schärfste und machte den Erzfeind Israel verantwortlich.“

Frankfurter Allgemeine: Repression in Russland: Hoffnung nur für die Zukunft – Die politische Gefangene Lilija Tschanyschewa kommt wieder vor Gericht. Aus der Haft berichtet sie von großer Unterstützung und Begegnungen mit früheren Gegenspielern (Bezahlschranke). – Auszug: „Tschanyschewa gibt über den Telegram-Kanal ihrer Unterstützer Buchempfehlungen ab und setzt sich für andere Opfer politischer Verfolgung ein. Auch für Rustem Muljukow, der wegen ′Teilnahme an einer extremistischen Gemeinschaft‵ zusammen mit ihr im Juni zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt wurde, aber nicht neben ihr im Angeklagtenkäfig stand. Muljukow müsse, seit ihn Polizisten verprügelt hätten, dreimal die Woche für je vier Stunden zur Dialyse in ein Speziallabor, hob Tschanyschewa auf Telegram hervor. Wenn er jetzt nach der Revision in ein Straflager komme, ′überlebt er das nicht‵. In einem anderen Eintrag beschrieb Tschanyschewa, wie sie im Untersuchungsgefängnis von Ufa ein früheres, zu sechs Jahren Haft verurteiltes Mitglied der Regionalregierung gesehen habe. Der ehemalige Minister habe im Januar 2021 die offizielle Ablehnung einer Demonstration unterzeichnet, die sie als Stabsleiterin beantragt hatte; damals ging es um die Forderung, den sofort nach der Rückkehr aus der Behandlung in Deutschland festgenommenen Nawalnyj freizulassen. Sie hätten einander begrüßt und zugelächelt, schrieb Tschanyschewa über die Begegnung mit dem früheren Gegenspieler. Hätte Letzterer die Demonstration erlaubt, ′wären nicht 10.000, sondern 100.000 Leute gekommen, und die Minister müss­ten jetzt vielleicht nicht im Gefängnis sitzen, weil das Gericht schon objektiv, gerecht und unabhängig wäre‵, schrieb Tschanyschewa.“

German Foreign Policy: Vor der humanitären Katastrophe – Auszug: „Der Gazastreifen steht vor einer humanitären Katastrophe. Laut offiziellen Angaben sind durch israelische Luftangriffe in den vergangenen acht Tagen mindestens 2.670 Menschen zu Tode gekommen; über 9.600 wurden verletzt. Damit übersteigt die Opferzahl schon jetzt diejenige der 51 Tage währenden israelischen Bombardements des Jahres 2014. (...) Mehr als die Hälfte der 2,3 Millionen Einwohner ist auf der Flucht, seit Israel die Bevölkerung im Norden des Gebiets aufgefordert hat, umgehend ihre Wohnungen zu verlassen. Berichten zufolge werden sogar Fluchtrouten bombardiert. Hinzu kommt: Die Gefahr, dass der Krieg auf weitere Staaten übergreift und völlig außer Kontrolle gerät, ist unverändert immens. Bereits in der vergangenen Woche kam es mehrmals zu Gefechten zwischen den israelischen Streitkräften sowie der libanesischen Hizbollah. Laut Berichten arabischer Diplomaten droht die Hizbollah offen damit, auf eine israelische Bodenoffensive im Gazastreifen mit der Eröffnung einer zweiten Front im Norden Israels zu reagieren. Israelische Experten gehen davon aus, das gewaltige Hisbollah-Raketenarsenal – die Rede ist von vielleicht 150.000 Stück – werde die israelische Raketenabwehr, den Iron Dome, völlig überfordern; dann könnten hunderte teils recht treffgenaue Raketen Israels Großstädte erreichen, darunter Tel Aviv. Israels Verteidigungsminister Yoav Gallant droht, seine Streitkräfte würden in diesem Fall im Gegenzug ′den Libanon in die Steinzeit‵ bomben.“

Tablet: How Hamas Fooled the Experts – Why so many misread the Palestinian terror group’s openly stated intentions and motives (Wie die Hamas die Experten täuschte – Warum so viele die offen erklärten Absichten und Motive der palästinensischen Terrorgruppe falsch verstanden haben; Armin Rosen) – Auszug (übersetzt): „In den letzten 20 Jahren wurde die Hamas von den besten Köpfen in Washington und Jerusalem als pragmatischer politischer Akteur behandelt, dessen Führer damit zufrieden waren, in derselben Welt zu leben wie der Rest von uns. Ihre Charta, die erstmals 1988 verabschiedet wurde, enthielt eine Reihe blutiger millenarischer Ziele. Doch trotz des offenen Wahnsinns und der weltumspannenden Ambitionen ihrer öffentlichen Äußerungen blieb die Hamas ein halbwegs legitimer Akteur, der nur als ein unauffälliger Faden im reichen Teppich des Nahen Ostens von leicht bedrohlichen, waffenschwingenden politischen Träumern behandelt wurde. Selbst für die hartgesottensten israelischen Sicherheitsbeamten war sie ein Ableger der Muslimbruderschaft, dessen extreme Rhetorik und bedauerlicherweise unerschütterliche Gewohnheit, jüdische Zivilisten zu ermorden, im Rahmen der normativen Politik der ′Widerstandsbewegungen‵ verstanden werden konnte. Ihr Verhalten konnte daher durch eine geeignete Kombination aus Zuckerbrot und Peitsche moduliert und kontrolliert werden. Diese Ansicht ist nach diesem Wochenende unhaltbar, aber ich verstehe, warum sie so lange bestand. Ich habe selbst einmal Versionen davon vertreten.“

tagesschau: Auch der Süden Gazas ist nicht sicher – Auszug: „Immer wieder blockiert die Terrororganisation Hamas Straßen in den Süden des Gazastreifens, um die Flucht dorthin zu erschweren, sagt das israelische Militär. Die Hamas betont, die Menschen würden nicht fliehen wollen. Ein Mitarbeiter der ARD, der in Gaza-Stadt lebt, ist in den Süden gelangt. Mohammad Abu Saif berichtet von chaotischen Zuständen, die er dort so nicht erwartet hat: ′Die Menschen rennen durch die Straßen, jeder versucht eine Unterkunft zu finden. Ich habe laute Explosionen gehört und Beschuss.‵ Bei einem Angriff seien 20 Menschen gestorben. ′Es ist seltsam, dass die israelische Armee die Leute auffordert, in den Süden zu kommen, und dann greifen sie hier an‵, sagt er. Er hat mehr als vier Kriege in Gaza erlebt. ′Dieses Mal ist es anders. Früher hat die israelische Armee die Leute gewarnt, bevor sie angegriffen hat. Jetzt gibt es keine Warnung mehr.‵ Das Ausmaß der Zerstörung sei überall riesig, sagt er. Währenddessen beschließt Ameera Harouda zunächst in ihrer Wohnung in Gaza-Stadt zu bleiben. Sie übersetzt für die ARD, organisiert Interviews. Die kleine Frau ist hart im Nehmen, so schnell bringt sie nichts aus der Ruhe. Doch auf dem Weg zum Shifa Krankenhaus – das größte in Gaza – verliert sie die Fassung. ′Wir waren auf dem Weg zu dem Teil, wo die Toten gelagert werden. Es sind so viele Leichen hier. Sie stammen aus den Ruinen der Häuser, die zerbombt wurden. Einige davon sind Babys.‵ Während sie erzählt, muss sie weinen. ′Sie haben die Häuser ohne Vorwarnung angegriffen.‵“

The Free Press: America Made Mistakes After 9/11. Here’s How Israel Can Avoid Them (Amerika hat nach 9/11 Fehler gemacht – wie Israel sie vermeiden kann; der Artikel erschien zuerst in „The Atlantic“) – Auszug (übersetzt): „Nach 9/11 sagten die Israelis den Amerikanern im Wesentlichen: ′Jetzt wisst ihr Bescheid.‵ Tatsächlich wussten die meisten von uns fast nichts und mussten jahrelang durch schmerzhafte Erfahrungen lernen. Wenn die Amerikaner den Israelis jetzt etwas Nützliches zu sagen haben, dann wäre es: Lasst es. Lasst eure berechtigte Wut nicht die Vernunft ersetzen. Lasst Eurer Wut freien Lauf, aber denkt kühl – die Vermeidung von Opfern unter der Zivilbevölkerung ist in Eurem eigenen Interesse. Stürmt nicht in den Gazastreifen, ohne einen Plan für die Zeit danach zu haben. Bildet Euch nicht ein, dass überwältigende militärische Gewalt ein immens komplexes historisches und politisches Problem lösen kann. Ignoriert nicht weiterhin palästinensische Klagen im Westjordanland und schürt Sie nicht, selbst wenn sie von Menschen kommen, die den Tod von Israelis gefeiert haben. Vergiftet nicht Eure nationale Einheit, wie es Bush bei uns getan hat, indem Ihr die Krise für parteipolitische Vorteile nutzt; Israels neue Einheitsregierung ist ein gutes Zeichen. Verspielt nicht den Moment der weltweiten Legitimität, geht nicht davon aus, dass die Unterstützung der Welt einen Tag länger anhält, wenn Nachrichten über den massenhaften Tod von Zivilisten in Gaza auftauchen, glaubt nicht, dass ihr Verlust keine Rolle spielen würde.“

The Free Press: How Israel Got Ambushed – The country’s world-famous defenses failed on four levels. The worst was underestimating the enemy (Wie Israel in den Hinterhalt geriet – Die weltberühmte Verteidigung des Landes versagte auf vier Ebenen. Das Schlimmste war, den Feind zu unterschätzen) – Auszug (übersetzt): „Die Tatsache, dass die Hamas dies geheim halten konnte, ist wohl Israels größtes Versagen. (…) Ein Grund dafür ist, dass Israel seit seinem einseitigen Rückzug aus der Region im Jahr 2005 keine physische Präsenz und keine menschlichen Agenten mehr in Gaza hat. Der größte Teil der Überwachung erfolgt heute durch signalerfassende Aufklärung. Daher hat es die Hamas wahrscheinlich vermieden, elektronische Geräte zu benutzen, um ihre Angriffspläne zu übermitteln. (…) Dies zeugt von einer beeindruckenden operativen Disziplin der Hamas und wird Israel dazu zwingen, seinen Geheimdienstapparat nach Beendigung des Krieges umzustrukturieren. (…) Der Zusammenbruch der physischen Verteidigung Israels war der zweite große Fehlschlag. (…) Die Hamas hat bewiesen, dass diese Verteidigungsmaßnahmen durchdringbar und nicht viel mehr als ein lästiges Hindernis sind. (…) Dass die Terroristen den Zaun durchbrechen konnten, scheint auf eine Mischung aus Glück und ausgeklügelter Taktik zurückzuführen zu sein. (…) Und als die Hamas Drohnen einsetzte, um Bomben auf israelische Kommunikationstürme zu werfen, verloren die IDF [Israel Defense Forces] ihre Befehlskette. Dies führte zu einer Verzögerung bei der Entsendung von IDF-Truppen, Israels drittem Verteidigungsversagen. (...) Aber der größte Fehler Israels ist vielleicht, dass es seine Stärke überschätzt – und seinen Feind unterschätzt hat.“

ZDF: Barak: Kein Frieden, wenn wir nicht gewinnen – Der frühere israelische Premierminister Ehud Barak spricht nach dem Terrorangriff der Hamas über Israels Trauer und die Notwendigkeit der bevorstehenden Bodenoffensive – Auszug: „[Barak:] (...) Es ist wahr, wir sind dem internationalen Recht verpflichtet, aber jeder [Palästinenser], der weiß, dass es in der Nähe seines Wohnsitzes oder seines Arbeitsplatzes jetzt oder in den letzten zwei Jahren irgendwelche Aktivitäten der Hamas gab: Dieser Ort ist jetzt ein Ziel, und es ist besser, diesen Ort zu verlassen, um zu vermeiden, dass... [ZDF:] Aber Herr Barak, wir reden über 1,1 Millionen Menschen. Wir reden auch über alte, über Menschen, die sich gar nicht fortbewegen können, die krank sind. [Barak:] Diejenigen, die sich nicht selbst bewegen können, sollten von den UN oder einer anderen NGO an einen sicheren Ort gebracht werden. Aber im Grunde sind es 1,3 Millionen Menschen. Wir haben gehört, dass in den ersten 36 Stunden etwa eine halbe Million Menschen umgezogen ist. Sie haben wahrscheinlich noch 24 Stunden Zeit, um sich zu bewegen. Und diejenigen, die sich nicht bewegen, riskieren ihr Leben, das ist klar. Und es ist schmerzhaft, aber das ist die Realität. Es ist ein Krieg gegen eine barbarische Organisation wie Al Kaida oder den Islamischen Staat, die es zu bekämpfen gilt. [ZDF:] Und danach werden wir dann Frieden bekommen? [Barak:] Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, um über Frieden zu sprechen. (…) Im Moment steht er nicht zur Debatte. Wir müssen zuerst den Krieg gewinnen.“

Human Rights Watch: Israel: White Phosphorus Used in Gaza, Lebanon (Israel: Weißer Phosphor in Gaza und Libanon eingesetzt) – Auszug (übersetzt): „Israels Einsatz von weißem Phosphor bei Militäroperationen im Gazastreifen und im Libanon setzt Zivilisten dem Risiko schwerer und langfristiger Verletzungen aus (…). Weißer Phosphor (...) hat eine erhebliche Brandwirkung, die zu schweren Verbrennungen von Menschen und zum Inbrandsetzen von Gebäuden, Feldern und anderen zivilen Gegenständen in der Nähe führen kann. Der Einsatz von weißem Phosphor im Gazastreifen, einem der am dichtesten besiedelten Gebiete der Welt, vergrößert die Gefahr für die Zivilbevölkerung und verstößt gegen das Verbot des humanitären Völkerrechts, Zivilisten unnötig in Gefahr zu bringen. (…) Weißer Phosphor entzündet sich, wenn er mit Luftsauerstoff in Berührung kommt, und brennt weiter, bis ihm der Sauerstoff entzogen wird oder er verbraucht ist. (…) Bei Kontakt kann weißer Phosphor Menschen thermisch und chemisch bis auf die Knochen verbrennen, da er in Fett und damit im menschlichen Fleisch gut löslich ist. (...) Bereits versorgte Wunden können sich wieder entzünden, wenn die Verbände entfernt werden und die Wunden erneut Sauerstoff ausgesetzt werden. Selbst relativ leichte Verbrennungen sind oft tödlich. (…) Angriffe mit Brandwaffen aus der Luft auf zivile Gebiete sind nach Protokoll III des Übereinkommens über konventionelle Waffen (CCW) verboten. (…) Palästina ist dem Protokoll III am 5. Januar 2015 und der Libanon am 5. April 2017 beigetreten, während Israel das Protokoll nicht ratifiziert hat.“

JUDID: Staatsanwälte: Sorgen um Unabhängigkeit (13.3.) – Auszug: „Zwei Drittel der Richter und Staatsanwälte in Deutschland halten das Rechtssystem in Deutschland nicht für so gefestigt, dass es nicht zum Opfer gezielter politischer Beeinflussung werden könnte. (…) Für die bundesweite Erhebung wurden 803 Richter und Staatsanwälte befragt. Sie sprechen sich dafür aus, die Autonomie der Justiz in Personal- und Haushaltsfragen zu erweitern. Zwei Drittel der Befragten halten es für notwendig, die Unabhängigkeit der Justiz durch ein Modell der Selbstverwaltung zu stärken. 85 Prozent fordern zudem, die gesetzliche Weisungsbefugnis der Justizminister gegenüber der Staatsanwaltschaft für konkrete Einzelfälle abzuschaffen, um einen politischen Einfluss auf die Strafverfolgung auszuschließen. Der Deutsche Richterbund (DRB) fordert die Regierungskoalition aus SPD, Grünen und FDP zu Reformen auf.“ (Anmerkung Paul Schreyer: Die Regierung soll beschließen, keinen Einfluss mehr auf die Justiz zu nehmen. Das wird sie – ohne erheblichen öffentlichen Druck – kaum tun. Die „Weisungsbefugnis“ (Paragraf 146 Gerichtsverfassungsgesetz: „Die Beamten der Staatsanwaltschaft haben den dienstlichen Anweisungen ihres Vorgesetzten nachzukommen“), mit der Justizminister in Deutschland im Verborgenen Anklagen gegen missliebige Personen beauftragen oder auch missliebige Verfahren stoppen können, ist wortgleich seit 1877 deutsches Recht, ein Relikt aus der Kaiserzeit – und mit einer demokratischen Gewaltenteilung unvereinbar.)

Nordkurier: Untersuchungsausschuss zu Corona – Frau von Olaf Scholz muss aussagen – Auszug: „In Potsdam geht der Corona-Untersuchungsausschuss in die nächste Runde. Am Freitag muss nun auch Britta Ernst, Ehefrau von Bundeskanzler Olaf Scholz aussagen. Der Ausschuss will klären, ob das Handeln, die Maßnahmen und die Verbote der brandenburgischen Landesregierung in der Corona-Zeit ab September 2020 angemessen waren. Ernst war bis 2023 Ministerin für Bildung, Jugend und Sport des Landes Brandenburg. Sie hatte in ihrer Amtszeit gefordert, Kinder und Jugendliche schon ab 12 Jahren zu impfen - entgegen der damals gültigen Empfehlung der Ständigen Impfkomission (Stiko). (…) Neben Britta Ernst soll am Freitag auch Dr. Brigitte Keller-Stanislawski vernommen werden – zum zweiten Mal. Keller-Stanislawski ist ehemalige Leiterin der Abteilung Sicherheit von biomedizinischen Arzneimitteln und Diagnostika des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI). Nach ihren Worten wurde das PEI von der Vielzahl der Impfnebenwirkungen überrascht worden und sei mit der Erhebung überfordert gewesen. (…) Unterdessen hat sich auch die Good Governance Gewerkschaft des früheren Abgeordneten Marcel Luthe eingeschaltet. Der Grund: Die Protokolle der Ausschusssitzungen sind geheim. Luthe hatte sich daher an den Ausschussvorsitzenden Danny Eichelbaum gewendet und eine Veröffentlichung der Wortlautprotokolle gefordert. Das wurde vom Ausschussvorsitzenden abgelehnt. Zudem sei auch eine persönliche Einsicht der Protokolle in den Räumen des Landtages nur dann möglich, wenn hierfür ein ‚berechtigtes Interesse‘ glaubhaft gemacht werden könnte.“

Welt: Warum es im Verfahren gegen Michael Ballweg zur überraschenden Wende kam – Auszug: „Nach neun Monaten U-Haft und einem Jahr Ermittlungen lässt das Landgericht Stuttgart die Anklage gegen ‚Querdenken‘-Kopf Michael Ballweg im Hauptvorwurf des 9450-fachen Betrugs nicht zu. Die Richter werfen der Staatsanwaltschaft schlampige Arbeit vor. (…) Die Staatsanwaltschaft warf in der Anklage Ballweg vor, seine Spender getäuscht zu haben, indem er ihre Gelder nicht nur für ‚Querdenken‘, sondern auch für private Zwecke verwendet habe. Zum Beweis führten die Ermittler Überweisungen der Spendengelder durch Ballweg an andere Konten von ihm auf. Damit hätten sie, so nun das Landgericht Stuttgart, aber verkannt, was ‚Querdenken‘ eigentlich sei – nämlich eben keine ‚Organisation‘ im juristischen Sinne mit eigenem Vermögen, sondern eine auf Ballweg ausgerichtete ‚Protestbewegung‘. Dementsprechend habe Ballweg auch keine Pflicht getroffen, ‚Querdenken‘-Gelder von seinem Privatvermögen getrennt zu halten. (…) Nur hinsichtlich der Steuerhinterziehung hat das Gericht das Hauptverfahren eröffnet, da vieles dafür spreche, dass Ballweg seine Steuererklärungen für das Jahr 2020 nicht pünktlich abgegeben habe. Allerdings müsse im Laufe des Verfahrens noch geklärt werden, inwieweit ihn seine Inhaftierung daran gehindert habe. Als logische Konsequenz hat das Landgericht Ballwegs Vermögen wieder ‚entfroren‘ und auch den Haftbefehl gegen ihn, den das Oberlandesgericht Stuttgart bereits im April außer Vollzug gesetzt hat, weswegen er die JVA nach neunmonatiger Haft verlassen durfte, aufgehoben. (…) Ralf Dalla Fini, der Pflichtverteidiger von Ballweg, erklärt gegenüber WELT (…) ‚Im Ergebnis saß ein unschuldiger Mensch neun Monate lang in Haft, seine gesamte Existenz wurde vernichtet, seine Unternehmen wurden zerstört.‘“ (Bezahlschranke)

Brian McGlinchey: Israel Fostered The Rise Of Hamas, Even After It Turned To Terror – Deliberately undermining the peace process by eliminating acceptable counterparties (Israel förderte den Aufstieg der Hamas, auch nachdem sie sich dem Terror zuwandte – Vorsätzliche Untergrabung des Friedensprozesses durch Ausschaltung akzeptabler Gegenparteien) – Auszug (übersetzt): „Nach den terroristischen und militärischen Angriffen der palästinensischen Gruppe Hamas auf Israel am Samstag erklärte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu: ′Die Kräfte der Zivilisation müssen Israel dabei unterstützen, die Hamas zu besiegen ... Wenn Israel gegen die Hamas kämpft, kämpft es nicht nur für sein eigenes Volk, sondern für jedes Land, das sich gegen die Barbarei stellt.‵ Diese Ansichten unterscheiden sich deutlich von denen, die Netanjahu 2019 privat geäußert hat. ′Jeder, der die Gründung eines palästinensischen Staates vereiteln will, muss die Hamas unterstützen und ihr Geld überweisen‵, sagte Netanjahu vor Abgeordneten der Likud-Partei. Dies würde dazu beitragen, die im Westjordanland ansässige Palästinensische Autonomiebehörde (PA) daran zu hindern, den Gazastreifen zu regieren und den Palästinensern eine relativ gemäßigte, einheitliche Stimme am Verhandlungstisch zu geben. ′Dies ist Teil unserer Strategie – die Palästinenser in Gaza von den Palästinensern im Westjordanland zu isolieren.‵ Die rücksichtslose Ausbeutung der Hamas durch Israel ist so alt wie die Gruppe selbst. Schon Jahrzehnte vor Netanjahus Offenheit hinter verschlossenen Türen hat die israelische Regierung der Hamas mit direkter und indirekter finanzieller Unterstützung zu ihrer ersten Prominenz verholfen.“

NachDenkSeiten: Gaza-Kommentare aus der US-Politik – Zwischen Morgenthau und ruandischem Hass-Radio – Auszug: „Während man sich in Deutschland – zu Recht – über arabischstämmige Migranten in Neukölln empört, die die Verbrechen der Hamas auf den Straßen bejubeln, verschließt man die Augen vor den Völkermordphantasien, die in den letzten Tagen von einflussreichen Politikern aus den USA kamen. Dort bezeichnet man die Palästinenser als ‚Wilde', die man ‚ausrotten', ihnen 'ein Ende machen' und ganz Gaza 'dem Erdboden gleichmachen' sollte. (…) diese Zitate stammen (…) von aktuellen und ehemaligen Präsidentschaftskandidaten – allesamt übrigens Republikaner. (…) Diese Statements haben den Sound der offenen Hetze, mit der der ruandische Radiosender Libre des Mille Collines 1993 und 1994 das Feld für den Völkermord an den Tutsi ebnete. Wie sollte man die Äußerungen der drei Spitzenpolitiker, die nur die Spitze des Eisbergs sind, anders bewerten als Aufrufe zum Völkermord und zu Kriegsverbrechen? (…) Auch deutsche Politiker dürfen hierzulande offen zu Kriegsverbrechen aufrufen, ohne dass sie dafür Widerspruch kassieren. So durfte beispielsweise der SPD-Falke Michael Roth im ARD-Morgenmagazin fordern, Israel müsse jetzt die 'Infrastruktur der Hamas komplett vernichten‘. (…) Das Zerstören von Infrastruktur, das Abstellen von Strom und Wasser und eine Blockade von Lebensmittellieferungen haben jedoch nichts mit Verteidigung zu tun, sondern sind reine Vergeltungsmaßnahmen. Auch die sind laut Völker- und Kriegsrecht klar verboten, stellen demnach Kriegsverbrechen dar. Michael Roth ist übrigens Vorsitzender des Auswärtigen Ausschusses des Bundestages (…)."

Responsible Statecraft: The end of the Netanyahu doctrine – Did his plan to preserve Hamas in Gaza as a tool for keeping the strip separate from the West Bank and the Palestinian Authority weak finally backfire? (Das Ende der Netanjahu-Doktrin – Ist Netanjahus Plan, die Hamas im Gazastreifen zu halten, um den Streifen vom Westjordanland zu trennen und die Palästinensische Autonomiebehörde zu schwächen, endgültig gescheitert?) – Auszug (übersetzt): „Dieser mörderische und unmenschliche Angriff der Hamas kam genau zu dem Zeitpunkt, als es so aussah, als würde der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu sein Meisterstück vollenden: Frieden mit der arabischen Welt unter völliger Missachtung der Palästinenser. (…) Seit seiner ersten Wahl zum Premierminister 1996 hat Netanjahu versucht, Verhandlungen mit der palästinensischen Führung zu vermeiden und sie stattdessen zu umgehen und beiseite zu schieben. (…) Die mit Bahrain und den Vereinigten Arabischen Emiraten sowie später auch mit dem Sudan und Marokko unterzeichneten Abraham-Abkommen haben diese Überzeugung eindeutig bestätigt. (…) Netanjahu hat weder die Politik der Trennung zwischen dem Gazastreifen und dem Westjordanland erfunden noch die Nutzung der Hamas als Instrument zur Schwächung der Palästinensischen Befreiungsorganisation und ihrer nationalen Bestrebungen zur Gründung eines palästinensischen Staates. Der ′Rückzugsplan‵ des damaligen Ministerpräsidenten Ariel Sharon aus dem Gazastreifen im Jahr 2005 basierte auf dieser Logik. (…) Netanjahu machte sich diese Denkweise nicht nur zu eigen, sondern fügte ihr auch die Aufrechterhaltung der Hamas-Herrschaft im Gazastreifen als Instrument zur Stärkung der Trennung zwischen dem Streifen und dem Westjordanland hinzu.“

Welt: „Wie könnte Israel nach diesem Massaker die Gründung eines palästinensischen Staates akzeptieren?“ (Interview mit dem französischen Philosophen Alain Finkielkraut; Bezahlschranke) – Auszug: „Die Hamas hat immer mit offenen Karten gespielt. Ihre Charta ist explizit: ′Palästina, das sich von Jordanien im Osten bis zum Mittelmeer im Westen erstreckt, ist ein islamisches arabisches Land. Es ist ein heiliges und gesegnetes Land, das einen besonderen Platz im Herzen jedes Arabers und Muslims hat.‵ Dem Prinzip ′Land gegen Frieden‵ stellt die Hamas die Rückeroberung aller von den Zionisten besetzten Gebiete durch den Heiligen Krieg entgegen. Von dieser Linie ist sie nie abgewichen. Nach der Ermordung von Jitzchak Rabin führte eine Serie von Selbstmordattentaten zur Wahl von Benjamin Netanjahu. Nach dem Rückzug aus Gaza stürzte die Hamas die Palästinensische Autonomiebehörde und führte, anstatt den Bewohnern der Enklave ein menschenwürdiges Leben zu ermöglichen, einen überzogenen Krieg gegen Israel. Die Hamas hat das Wohlergehen der Bewohner von Gaza dem Dschihad geopfert. Das Lager jener, die für Frieden sind, hat sich davon nie wieder erholt. (…) Es ist nicht die Verzweiflung, die junge Palästinenser in die Radikalität treibt, wie einige Leitartikler noch immer unbeirrt behaupten, sondern die dem Islamismus innewohnende Stärke. Es geht der Hamas und dem Iran auch darum, die Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Israel zu verhindern, die Abraham-Abkommen zwischen Israel und arabischen Staaten zu torpedieren und ganz allgemein die muslimischen Führer, die versucht sind, den Weg der Mäßigung einzuschlagen, gegenüber ihren Völkern zu verprellen.“

Brownstone Institute: Origin of COVID-19: The Biggest Cover Up in Medical History (Ursprung von COVID-19: Die größte Vertuschung in der Medizingeschichte) (Peter Gøtzsche) – Auszug (übersetzt): „Neu veröffentlichte E-Mails und Nachrichten enthüllen, dass US-Spitzenwissenschaftler den Kongress während einer Anhörung im Juli 2023 belogen haben und auch ausführlich über ihre Anfang 2020 geäußerten Bedenken gelogen haben, dass die Pandemie sehr wohl auf ein Laborleck eines Virus zurückzuführen sein könnte, das mit finanzieller Unterstützung durch die US-amerikanischen National Institutes of Health (NIH) entwickelt wurde. (…) Die Vertuschung war so bewusst, dass Schlüsselpersonen, darunter Andersen, versuchten, sich der öffentlichen Kontrolle zu entziehen, indem sie keine E-Mails nutzten. Ein Top-Berater von Fauci prahlte damit, Anfragen nach dem Informationsfreiheitsgesetz durch die Nutzung von Gmail zu entgehen und Faucis Rolle zu verbergen; 'Tony möchte seine Fingerabdrücke nicht in Geschichten zum Ursprung haben … Keine Sorge … Ich werde alles löschen, was ich nicht in der New York Times sehen möchte.‘ (…) Die Rolle von Anthony Fauci war erbärmlich. Er besuchte das CIA-Hauptquartier, um die Überprüfung der Ursprünge von COVID-19 zu ‚beeinflussen', berichtete der Aufsichtsausschuss des Repräsentantenhauses. Sieben CIA-Analysten mit erheblicher wissenschaftlicher Expertise im Zusammenhang mit COVID-19 erhielten Leistungsprämien, nachdem sie einen Bericht geändert hatten, um Bedenken hinsichtlich eines möglichen Laborursprungs des Virus herunterzuspielen. Die CIA hat Fauci absichtlich nicht in das Gebäude hinein- und hinausgewiesen, um jegliche Aufzeichnungen über seinen Aufenthalt dort zu verbergen.’“

Telepolis: US-Historiker: Ära in Nahost endet, nachdem Gaza-Käfig explodierte – Auszug: „Israel hat die Luftangriffe über dem dicht besiedelten Gazastreifen fortgesetzt. Dabei wurden Berichten zufolge Dutzende Menschen im größten Flüchtlingslager der Enklave getötet, die Kinderabteilung eines großen Krankenhauses getroffen, die wichtigste Universität und Wohngebäude des besetzten Gebiets bombardiert. (…) Der israelische Verteidigungsminister erklärte, dass ‚kein Strom, keine Lebensmittel, kein Wasser und kein Treibstoff‘ in den seit Langem blockierten Gazastreifen gelassen würden. Die Anordnung einer totalen Blockade wird von Rechtsexperten als Kriegsverbrechen betrachtet. Die Hamas droht, jedes Mal eine zivile Geisel hinzurichten, wenn ein Luftangriff die Bewohner des Gazastreifens ‚ohne Vorwarnung in ihren Häusern‘ treffe. Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hat Rache geschworen und spricht von einer ‚fürchterlichen‘ Reaktion. 300.000 Reservisten wurden mobilisiert. Gleichzeitig haben die USA angekündigt, Waffen und Kriegsschiffe als Unterstützung für Israel bereitzustellen. Die EU hat wie Washington klargestellt, dass Israel das Recht habe, ‚sich selbst zu verteidigen‘, was als Blankoscheck für israelische Angriffe auf Gaza betrachtet wird. (…) Joaw Gallant, der israelische Verteidigungsminister, der ankündigte, dass er den Gazastreifen von Treibstoff, Lebensmitteln, Wasser und Strom abschneiden werde, nannte die Gaza-Bewohner ‚menschliche Tiere‘.“

Transition News: Warum es die DDR gegeben hat – Eine Erinnerung – Auszug: „Die Deutsche Demokratische Republik, kurz DDR, wurde am 7. Oktober 1949 gegründet. Was vor 74 Jahren begann, endete 1990 nach knapp 41 Jahren. Heute wird sie von den einen als ‚zweite deutsche Diktatur‘ oder als ‚Unrechtsstaat‘ dargestellt. (…) Jene, die das tun, haben ihre Existenz von Beginn an bekämpft. (…) Auf der anderen Seite sind jene zu finden, die den zweiten deutschen Staat zum Teil verklären. (…) Die Spitze der führenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) fühlte sich ehrlich dem Antifaschismus und dem Frieden verpflichtet. (…) Ohne den Kapitalismus mit seinem rücksichtslosen Profitstreben, das Elend und Krieg hervorbringt, hätte es keine sozialistische und kommunistische Bewegung gegeben. Ohne Elend und Krieg hätte es den Wunsch nicht gegeben, eine alternative Gesellschaftsordnung aufzubauen und zu gestalten. Ohne das schlimmste Verbrechen des Kapitalismus, den Faschismus, hätte es keinen Antifaschismus gegeben. (…) Ohne den Antikommunismus der führenden westlichen Politiker hätte es keine Teilung Deutschlands gegeben – und damit keine DDR. Sie wollten lieber das halbe Deutschland ganz als das ganze Deutschland halb. Ohne ihre Ablehnung aller sowjetischen Vorschläge zu einer Regelung für Deutschland als Ganzes, aber eben neutral und entmilitarisiert, hätte es keine Berlin-Blockade samt Luftbrücke gegeben, keine Gründung von BRD und DDR 1949 und auch keine Berliner Mauer seit 1961.“

9. Oktober 2023

Cicero: Spikeopathie und Übersterblichkeit: Ein unheimlicher Verdacht – Das Spike-Protein des Corona-Virus ist nicht nur für die Zerstörung von Lungengewebe verantwortlich, es kann vielfältige andere schwere Erkrankungen auslösen oder begünstigen. Das gilt für das Infektions-Spike, noch mehr aber für das Impf-Spike. Eine wissenschaftliche Autorengruppe ist besorgt. – Auszug: „Jedoch hängt der Grad der Gesundheitsgefahr davon ab, wieviel Spike-Protein gebildet wird und wie lange dessen Bildung vor sich geht. Und genau hier liegt ein wichtiger Unterschied zwischen einer Corona-Infektion und der COVID-Impfung. Wir gehen davon aus, dass die Spikes, die der eigene Körper nach Erhalt der Impfstoffe bildet, aus verschiedenen Gründen deutlich gefährlicher sind als jene, die das SARS-CoV-2-Virus in uns hineinbringt. Denn die durch die Impfung induzierte Eiweißbildung greift tief in das ′Betriebssystem‵ unserer Zellen hinein. Man schleust ein gentechnisches Produkt, das in der Natur so nicht vorkommt, in die Zellen und zwingt sie, ein giftiges Eiweiß mit einer höheren Intensität herzustellen als es für die Bildung zelleigener Eiweiße normal ist. Die Toxizität dieses Eiweiß aber ist gefährlich, weil die Bildung des Spike-Proteins infolge der Impfung nicht nur an der Injektionsstelle im Muskel geschieht, sondern in lebenswichtige Organe und viele Gewebe unseres Körpers vordringt. Erschwerend kommt hinzu, dass dieser Prozess sich unseren natürlichen Abwehrmechanismen entzieht. Das Virus-Spike dagegen muss, bevor es überhaupt ins Körperinnere vordringen kann, viele Verteidigungs-Wälle unseres Immunsystems überwinden.“

Framkfurter Allgemeine: Amerika rechnet mit der Covid-Politik ab – Amerikas Covid-Politik steht auf dem Prüfstand: Vor Gericht, in der Politik und in der Wissenschaft. Wie sinnvoll war die Stilllegung des öffentlichen Lebens? Zahlreiche Studien geben Aufschluss (Bezahlschranke) – Auszug: „Unter dem Gesichtspunkt der öffentlichen Gesundheit ist die Frage hochrelevant, ob die Regierungsanordnungen zur Stilllegung des öffentlichen Lebens halfen, Covid-Tode zu verhindern. Zugleich ist sie aber eindimensional. Die Maßnahmen produzierten immense Kosten und kosteten ebenfalls Leben. Die Ökonomen Casey Mulligan und Rob Arnott legten voriges Jahr eine Studie vor, in der sie die Übersterblichkeit für die Jahre 2020 und 2021 in den USA untersuchten. (...) Mulligan interessierte sich für die Übersterblichkeit jenseits der Covid-Fälle und extrahierte aus den offiziellen Statistiken, dass 2020 und 2021 jeweils nahezu 100.000 Menschen in Amerika in die Kategorie ′Übersterblichkeit, aber nicht von Covid‵ fielen. Todesfälle durch Drogenüberdosen, durch Autounfälle, durch Gewalt oder infolge von Alkoholmissbrauch lagen der Studie zufolge alle deutlich über den Trendlinien. Es starben mehr Menschen an Krankheiten, die mit Diabetes und Fettleibigkeit assoziiert werden. Es wurden auch deutlich mehr Todesfälle wegen Bluthochdruck und Herzkrankheiten verzeichnet. Es brachten sich auch mehr junge Menschen um als gewöhnlich, meldete das National Institute for Mental Health im Mai dieses Jahres. Eine Kausalität ist damit nicht begründet, aber es fällt einem wenig anderes ein. Die Rechnung wird noch länger: Absatzrekorde bei Alkohol und Zigaretten lassen vermuten, dass eine Krankheitswelle auf das Gesundheitssystem zukommt. Zahlreiche Krankenhäuser registrierten, dass Leute seltener zur Krebsvorsorge gekommen waren.“

Frankfurter Allgemeine: Jetzt hat es die Ampel AfD-blau auf weiß – Auszug: „Die SPD liegt in beiden Ländern am Boden, in Hessen nicht trotz, sondern wegen Bundesinnenministerin Nancy Faeser. Die FDP rettet sich mit letzter Kraft zumindest in den Wiesbadener Landtag. Und die Grünen verfehlen ihre Wahlziele deutlich. Die AfD dagegen ist in den beiden westdeutschen Flächenländern bärenstark. Sie gewinnt, und das ist neu, nicht mehr nur von der Union und der FDP Stimmen, sondern von allen Parteien. Und sie wird nicht mehr nur aus Protest, sondern auch aus Überzeugung gewählt. Für einige Bürger wird es zunehmend zur Gewöhnung, AfD zu wählen. Die Ampelregierung hat offensichtlich das Vertrauen großteils verspielt. Das kann den SPD-Kanzler nicht kaltlassen. (…) Die Verantwortung des Bundeskanzlers ist dabei: Er muss sich die Migration als Thema endlich zu eigen machen und klar kommunizieren, was der Plan ist. Er hat das Thema zu lange einer durch den Wahlkampf stolpernden Nancy Faeser überlassen. (…) Die Wahlen in Hessen und Bayern waren der letzte Warnschuss, bevor es den demokratischen Parteien und der freiheitlichen Gesellschaft so richtig wehtun wird. Die Europawahl im nächsten Jahr dient sich als Protestwahl hervorragend an. Und dann kommen die Wahlen in Sachsen, Thüringen und Brandenburg. Die abzusehenden Ergebnisse dort dürften das Gefühl der etablierten Parteien verstärken, mit dem Rücken zur Wand zu stehen. Gerade jetzt ist also der Moment, in dem sie es noch selbst in der Hand haben.“

Middle East Eye: Israel-Palestine war: How Gaza turned the tables on its gaolers (Israelisch-palästinensischer Krieg: Wie Gaza den Spieß umdrehte; David Hearst) – Auszug: „Dies ist die Explosion, vor der ich und andere schon seit einiger Zeit gewarnt haben. Ich habe gesagt, dass es eine Reaktion geben würde, wenn Israel nicht umkehren und ernsthafte Verhandlungen über eine gerechte Lösung dieser Krise aufnehmen würde, die den Palästinensern die gleichen Rechte wie den Juden einräumt. Nun ist sie eingetreten. Wenn alles vorbei ist, wird die Landschaft nicht mehr dieselbe sein. Während drei Großfamilien in Gaza durch direkte Treffer israelischer Präzisionsbomben auf ihre Häuser ausgelöscht wurden, erklärte Rishi Sunak, der Premierminister des Landes, das mehr Verantwortung für diesen Konflikt trägt als jedes andere, dass Großbritannien eindeutig an der Seite Israels stehe, und ließ die Downing Street mit einem Davidstern erleuchten. Sein Innenminister erklärte unterdessen, dass jeder, der auf der Straße in Solidarität mit Palästina demonstriere, verhaftet werde. Das Vereinigte Königreich hat somit jede künftige Rolle aufgegeben, die es bei der Beendigung dieses schrecklichen Konflikts spielen könnte. Die Verantwortung für das, was am Wochenende geschah, liegt bei all jenen, die sich der Illusion hingaben, dass aufeinanderfolgende Generationen von israelischen Führern mit allem durchkommen würden, was sie wollten. Die Verantwortung liegt bei all jenen, einschließlich der meisten arabischen Diktatoren, die aufgehört haben, die Palästinenser als Menschen zu betrachten. Sie alle werden in den kommenden Wochen und Monaten eine schmerzhafte Lektion lernen.“

Responsible Statecraft: Why Hamas attacked and what happens next (Warum die Hamas angegriffen hat und wie es weitergeht) – Auszug (übersetzt): „Um zu verstehen, warum das Kalkül der Hamas dieses Mal zugunsten eines Angriffs ausschlug, bedarf es mehrerer Erklärungen. (…) Das Gelände der Al-Aqsa-Moschee, die von den Juden als Tempelberg bezeichnet wird, ist zunehmend zu einem wunden Punkt geworden, da frühere Vereinbarungen, die das jüdische Gebet an diesem Ort einschränken, gebrochen wurden und es Anfang dieses Jahres zu einer israelischen Razzia gegen palästinensische Gläubige in der Moschee kam. Auch die israelische Gewalt gegen Palästinenser im Westjordanland hat zugenommen, sowohl durch die israelische Armee als auch durch Siedler im Westjordanland. Viele dieser Aspekte einer verschärften israelisch-palästinensischen Konfrontation fielen mit der Amtszeit der derzeitigen rechtsextremen israelischen Regierung zusammen, die im vergangenen Dezember begann. Ein konkreterer Auslöser könnten die amerikanisch-israelisch-saudischen Verhandlungen sein, die auf eine vollständige diplomatische Normalisierung der israelisch-saudischen diplomatischen Beziehungen abzielen – Verhandlungen, die in einigen Augen kurz davor zu stehen scheinen, Früchte zu tragen. Aus allgemeiner palästinensischer Sicht wäre jede solche dreiseitige diplomatische Übereinkunft ein Rückschritt für die palästinensische Selbstbestimmung, da Israel das Ziel verfolgt, solche Früchte zu ernten, ohne mit den Palästinensern Frieden zu schließen.“

Welt: Der Versuch, einen Keil zwischen Israel und Saudi-Arabien zu treiben – Vor dem Krieg der Hamas gegen Israel war die Annäherung zwischen Saudi-Arabien und Jerusalem schon weit gediehen. Die USA vermuten nun, dass die Islamisten in Gaza dies mit ihrer Eskalation stoppen wollen. Doch Riad wird den jüdischen Staat nicht fallen lassen – aus mehreren Gründen (Bezahlschranke). – Auszug: „Doch bei näherem Hinsehen kommen Zweifel an dieser Theorie. Sicher erleichtert der nun begonnene Krieg es den Saudis nicht, Israel anzuerkennen. Aber er verändert die Ausgangslage noch nicht grundsätzlich. Schließlich hat Israel in den vergangenen Jahren immer wieder massive Luftschläge und auch Bodenoperationen in Gaza durchgeführt – was aber die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain und Marokko nicht davon abgehalten hat, Israel 2020 in den sogenannten Abraham-Verträgen anzuerkennen. Und es war kein hinreichendes Argument gegen die Friedensverhandlungen der Saudis mit Jerusalem. Eine neue Eskalationsrunde mit der Hamas ändert nichts an der Interessenlage der Beteiligten. Die Golfaraber erlangen durch die Annäherung an Israel einen potenten militärischen Verbündeten, einen attraktiven Technologie- und Handelspartner. (…) Wenn sich aus dem Krieg rund um Gaza ein regionaler Konflikt entwickelt, könnten sich die Frontlinien verschieben. Doch ansonsten dürfte der neue Konflikt die Annäherung zwischen Israel und Saudi-Arabien durchaus verzögern aber nicht zunichtemachen.“

Evangelischer Pressedienst: Heribert Prantl: Demokratie mit allen Mitteln verteidigen – Auszug: „Als eine Ursache für die wachsende Attraktivität der AfD bis hin in bürgerliche Kreise nannte Prantl den Umgang des Staates auch mit Kritikern in der Corona-Krise. Prantl lastete hier auch den Kirchen an, es sich ‚zu leicht‘ gemacht zu haben. So habe man etwa zugelassen, dass Sterbenskranke in den Heimen isoliert worden seien. Die hannoversche Regionalbischöfin Petra Bahr pflichtete ihm teilweise bei, nannte aber vor allem Kinder und Jugendliche als Opfer der Corona-Krise. Das von Prantl geforderte Parteienverbot beurteilte sie skeptisch. Zwar sei die AfD ‚hochgefährlich‘, doch müsse man eher nach den Gründen suchen, warum auch in bürgerlichen Kreisen das Ressentiment gegen die aktuelle Politik wachse: ‚Die Hürden für ein Parteienverbot sind vom Bundesverfassungsgericht sehr hoch gesetzt.‘ Prantl hielt den Eröffnungsvortrag des Diskussionsabends, der sich mit der wachsenden Polarisierung in der Gesellschaft auseinandersetzen wollte. Der Münchener Publizist führte auch die Migrationsbewegungen ins Feld, auf die die Politik nur mit Abwehrreflexen reagiere anstatt über die Ursachen zu informieren. (...) Petra Bahr warb dafür, differenzierter auf das Extremismus-Problem zuzugehen. Dazu zähle auch, dass Ängste in der Bevölkerung ernst genommen werden müssten, etwa die Angst von Frauen vor aggressiven Männergruppen an Hauptbahnhöfen. ‚Wir müssen intensiver fragen, was sind die Gründe für die wachsenden Ressentiments.‘ Sie glaube, dass die Corona-Krise dafür die Grundlage gelegt habe und die darauffolgenden Krisen wie der Ukraine-Krieg und die Inflation das allgemeine Unbehagen noch verstärkt hätten.“

Valdai Club: Rede von Wladimir Putin (5.10.) – Auszug (übersetzt): „Die Vereinigten Staaten und ihre Satelliten haben einen stetigen Kurs in Richtung Hegemonie (…) eingeschlagen. Uns war von Anfang an klar, dass Versuche, ein Monopol zu errichten, zum Scheitern verurteilt waren. Die Welt ist zu kompliziert und vielfältig, um einem System unterworfen zu werden (…). Die Geschichte des Westens ist im Wesentlichen die Chronik einer endlosen Expansion. Der westliche Einfluss auf die Welt ist ein riesiges militärisches und finanzielles Pyramidensystem, das ständig mehr ‚Treibstoff‘ benötigt, um sich selbst zu ernähren, mit natürlichen, technologischen und menschlichen Ressourcen, die anderen gehören. Deshalb kann und wird der Westen einfach nicht aufhören. Unsere Argumente, Begründungen, Aufrufe zum gesunden Menschenverstand oder Vorschläge wurden einfach ignoriert. (…) Ich denke, das Problem waren ihre geopolitischen Interessen und ihre Arroganz gegenüber anderen. Ihre Selbstverherrlichung war und ist das Problem. (…) Die Ukraine-Krise ist kein Territorialkonflikt. Russland ist flächenmäßig das größte Land der Welt, und wir haben kein Interesse daran, weitere Gebiete zu erobern. (…) Das Thema ist viel umfassender und grundlegender und dreht sich um die Prinzipien, die der neuen internationalen Ordnung zugrunde liegen. Dauerhafter Frieden wird nur dann möglich sein, wenn sich jeder sicher fühlt, versteht, dass seine Meinung respektiert wird und dass es ein Gleichgewicht in der Welt gibt, in dem niemand einseitig andere zwingen kann, so zu leben oder sich zu verhalten, wie es einem Hegemon gefällt.“

Jacobin: Das Recht auf Asyl wird wegreformiert – Die Rechtsstaats-Rhetorik in Deutschland und der EU wird immer unglaubwürdiger: Die Abschottungspolitik hindert jetzt schon Geflüchtete daran, ihre Rechte überhaupt in Anspruch zu nehmen. Und neuere Reformvorschläge drohen, sie ganz aufzuheben. (Interview mit Matthias Lehnert, Rechtsanwalt für Aufenthaltsrecht und Mitglied des Vorstands des Republikanischen Anwältinnen- und Anwältevereins) – Auszug: „[Frage:] Erwarten Sie durch die geplante Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS) eine Verbesserung für die Situation Schutzsuchender? [Lehnert:] Nein, das Gegenteil ist der Fall. Der Entwurf der Reform des GEAS stellt eine massive Schlechterstellung des Rechts der Schutzsuchenden dar. Zentral geht es darum, eine Vielzahl von Asylverfahren in Grenzverfahren umzuwandeln und an die Außengrenze auszulagern. Dadurch werden die Rechte von Schutzsuchenden stark eingeschränkt, weil es dort faktisch kaum Zugang zu Rechtsschutz gibt. Diese Auslagerung unter regelmäßig unhaltbaren Bedingungen ist nichts Neues, wir erinnern uns noch an den Brand im griechischen Lager Moria, wodurch die Missstände dort sehr prominent wurden. Wir haben jetzt schon an den Grenzen eine Vielzahl an Konstellationen, in denen Menschen kaum Zugang zu Recht haben, zu Anwältinnen und Anwälten, zu Beratungsstrukturen, zu medizinischer Versorgung. Statt diese unrechtmäßigen Zustände zu bekämpfen, will Europa diese in ein Gesetz gießen. Auch die verstärkte Nutzung der Drittstaatenregelung, also die Ablehnung von Asylanträgen von Menschen, die aus sogenannten sicheren Drittstaaten kommen, würde zu einer extremen Einschränkung des Rechtes auf Schutz führen.“

Neue Zürcher Zeitung: Alice Weidel, die Anschlagsdrohung und die angebliche „Nazi-Partei“ AfD: Deutschlands Politiker müssen abrüsten – Auszug: „Eine Überraschung wäre es nicht, wenn irgendwer unter dem Eindruck der angeblich drohenden zweiten Machtergreifung der Nazis bereit gewesen wäre, zur gewaltsamen Tat zu schreiten. Wer will schon zuschauen, wenn er oder sie davon überzeugt ist, die Wiedererrichtung einer völkischen Diktatur, die kriegerische Unterjochung weiter Teile Europas und ein zweiter Holocaust stünden kurz bevor? (…) Es ist richtig, vor der AfD zu warnen. Aber es ist falsch, aus Sorge um die politischen Verhältnisse die Bereitschaft zum Differenzieren aufzugeben. AfD gleich Nazi: Diese Losung ist so masslos wie geschichtsblind, stellt sie doch eine Bagatellisierung des Nationalsozialismus dar, die sich verbieten sollte. (…) Die AfD ist natürlich nicht nur Opfer, sondern Antreiber der politischen Verrohung. So wie ihre Vertreter als ′Nazis‵ markiert und damit mindestens zum rhetorischen Abschuss freigegeben werden, so brachial gehen sie selbst vor, wenn sie über ′Volksverderber‵ oder ′Linksgrünversiffte‵ herziehen. Am liebsten attackiert die AfD die Grünen, die ihrerseits über einen massiven Anstieg an Übergriffen klagen. (…) Beide Hass-Fraktionen schaden der politischen Kultur, die vermeintlich aufrechten Demokraten genauso wie die Grünen-Fresser. Beide sehen im Anderen keinen Gegner mehr, mit dem man sich noch auseinandersetzen müsste, sondern einen Feind. Diese Entwicklung führt nicht direkt nach Weimar, aber besorgniserregend ist sie schon.“

Welt: „Die Mieten werden deutlich steigen, sehr deutlich“ – Weil der Neubau quasi zum Erliegen gekommen ist, konzentriert sich am Wohnungsmarkt alles auf bestehende Mietwohnungen. Dort steigen schon die Preise, doch das ist erst der Anfang. Experten fürchten, dass sich Teile der Bevölkerung bald keine Bleibe mehr leisten können (Bezahlschranke) – Auszug: „Der erfahrene Hamburger Projektentwickler Dieter Becken sieht (...) ein Desaster auf den Wohnungsmarkt zukommen. Im Gespräch mit WELT sagte Becken: ′Wir befinden uns in einer Immobilien-Rezession, wie wir sie seit 45 Jahren nicht hatten. Die Zinsen sind sprunghaft von 0,8 auf fast fünf Prozent gestiegen, ebenso haben sich die Baupreise extrem erhöht, die Inflation ist hoch, und auch Grundstücke sind knapp und teuer. In dieser Kombination und in dieser kurzen Zeit ist das einzigartig.‵ Projektentwickler könnten zurzeit ′schlicht nicht mehr wirtschaftlich Wohnungen bauen‵. Die Folgen würden aktuell zunächst die Bauleute und Entwickler zu spüren bekommen – bald aber auch die Mieter: ′Wir steuern auf einen Notstand beim bezahlbaren Wohnraum zu. Ich sehe enorme gesellschaftspolitische Risiken, weil Teile der Bevölkerung einfach kein Dach mehr über dem Kopf finden‵, so der 72-jährige Bauunternehmer (...). Seine Prognose: ′Die Mieten werden deutlich steigen, sehr deutlich. Im Neubau werden 20 bis 30 Euro Kaltmiete pro Quadratmeter zum Normalfall werden. Auch im Bestand wird sich die zunehmende Knappheit in höheren Mieten niederschlagen.‵“

Neue Zürcher Zeitung: „Staatsfeinde“, „Schweinehunde“, „Bekloppte“ – vor zwei Jahren überboten sich Qualitätsmedien mit Tiraden gegen Massnahmenkritiker und Impfskeptiker (Bezahlschranke) – Auszug: „Das Verdienst, diese Offenbarungseide dokumentiert und analysiert zu haben, kommt bezeichnenderweise Journalisten zu, die der Querdenker-Szene zuzuordnen sind. Entsprechend ist das (...) Buch von Marcus Klöckner und Jens Wernicke [′Möge die gesamte Republik mit dem Finger auf sie zeigen‵, Rubikon-Verlag 2022] von verschwörungstheoretischem Raunen und Begriffen wie ′Pandemieterror‵ durchzogen. Und obwohl die Autoren mehrfach betonen, sie wollten Corona-Massnahmen keineswegs mit Faschismus und Hitlerbarbarei vergleichen, tun sie genau das auf gefühlt jeder zweiten Seite. Das wird ein Grund dafür sein, dass das Buch in den Medien bisher wenig Resonanz gefunden hat, obwohl es auf der ′Spiegel‵-Bestsellerliste war. Das sollte für die Medien jedoch keine Ausrede sein, sich nicht mit den eigenen Fehlleistungen zu beschäftigen. Die Aussagen, die Klöckner und Wernicke in ihrem Buch zitieren, sind nachprüfbar. Wenn die Autoren schreiben, zu viele Journalisten hätten zu wenig hinterfragt, Angst geschürt, journalistische Regeln ignoriert und auf mitunter brutale Weise Stimmung gegen Ungeimpfte gemacht, mag man ihnen kaum widersprechen. Mit ihrem bisherigen Verhalten dürften die Journalisten das schwindende Vertrauen in die Medien eher beschleunigen als aufhalten. Denn die meisten machen weiter, als wäre nichts geschehen.“

Welt: „Der aktuelle Amoklauf der Konservativen ist viel schädlicher als der bei den Linken“ (Interview mit dem Historiker Christopher Clark; Bezahlschranke) – Auszug: „[Clark:] Wir erleben heute eine totale Verflüssigung der Politik. Die großen Parteiformationen, die die Gesellschaften im späten 19. und vor allem im 20. Jahrhundert diszipliniert haben (…), sind alle große politische Sammelbecken gewesen, die Identitäten befestigt haben. (...) Heute haben Parteien viel Vertrauen verspielt, was einen nicht wundert, wenn man sich zum Beispiel die Conservative Party in Großbritannien anschaut, ein einziger Bürgerkrieg von einer Partei! Noch schlimmer ist es in den Vereinigten Staaten. Was aus den Republikanern geworden ist, ist eine Tragödie. Hinzu tritt die Verflüssigung der Medienlandschaft, die Öffentlichkeit verflüssigt sich, weg von den strukturierenden Media Outlets der großen Zeitungen und Fernsehkanäle, hin zu Social Media. [WELT:] Was heißt das für den Konservatismus heute? [Clark:] Ein pluralistisches System braucht konservative Menschen, um stabil zu sein. Und deswegen ist der aktuelle Amoklauf der Konservativen aus meiner Sicht viel schädlicher als der Amoklauf bei den Linken. Die Linken können sich das leisten, sozusagen. Aber wenn Konservative, die von ihrem Selbstverständnis aus gesehen staatstragend sind, nicht mehr so handeln, wenn sie Wahlen und andere staatliche Institutionen nicht mehr anerkennen und wenn sie sich auf Verschwörungserzählungen und andere Experimente einlassen, wie es in den Vereinigten Staaten besonders fortgeschritten ist, dann kann man nur jeden Konservativen inständig anflehen, bitte wieder konservativ zu werden.“

Tagesschau: Nobelpreis für Grundlagenforschung zu Covid-Impfstoffen – Auszug: „Die Ungarin Katalin Karikó und der US-Amerikaner Drew Weissman erhalten den Nobelpreis für Medizin. Die Forschenden hätten entscheidende Grundlagen zur Entwicklung von Corona-Impfstoffen geliefert, so die Jury in Stockholm. (…) Die Corona-Impfstoffe des Mainzer Unternehmens Biontech und des US-Konzerns Moderna waren die ersten zwei mRNA-Produkte, die auf den Markt kamen. Das Nobelkomitee betonte in seiner Begründung die ‚Flexibilität und Geschwindigkeit‘, mit der mRNA-Impfstoffe entwickelt werden könnten. Das ebne den Weg für die Nutzung der neuen Plattform auch für Impfstoffe gegen andere Infektionskrankheiten. (…) An der Technik bastelten Forscher jedoch schon vor mehr als 30 Jahren. (…) Der entscheidende Durchbruch gelang den beiden [Karikó und Weissman], als sie einen Baustein der mRNA austauschten und die mRNA daraufhin nicht mehr in der Zelle abgebaut wurde. Die Versuchsmäuse produzierten das gewünschte Protein. Trotz weiterer Tiefschläge setzte Karikó ihren Weg fort und traf 2013 Ugur Sahin, der mit seiner Frau Özlem Türeci BioNTech gegründet hatte. Er habe ihr noch am selben Tag einen Job angeboten, sagte Karikó der ‚New York Times‘. Nach jahrelanger Zusammenarbeit hat sie das Unternehmen verlassen und ist seit Anfang Oktober 2022 nur noch dessen Beraterin. Mit der mRNA sei eine neue Substanzklasse für die Medizin verfügbar, sagte der Präsident des für Impfstoffe und Biomedizin zuständigen Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), Klaus Cichutek. (…) Als mögliche künftige Einsatzgebiete für mRNA sieht Cichutek unter anderem weitere präventive Impfstoffe wie etwa gegen Grippe, sowie Therapien gegen Krebs und Rheuma.“

ZDF: „Das wird die Ukraine zu Recht beunruhigen“ – Auszug: „Robert Fico und seine linkspopulistische Partei Smer haben die vorgezogene Parlamentswahl in der Slowakei gewonnen. Im Wahlkampf hatte sich Fico dafür eingesetzt, die Waffenlieferungen an die Ukraine zu beenden. Die Möglichkeit, die Hilfe des Westens könne tatsächlich bröckeln, nennt Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) ‚besorgniserregend’. (...) Eine Gefahr für die Unterstützung der Ukraine sieht Strack-Zimmermann auch in gezielten Desinformationskampagnen, die von Moskau gesteuert sein könnten. (...) Das sei auch für anstehende Wahlen in Deutschland – etwa die Europawahlen im Juni 2024 oder die Bundestagswahl 2025 – eine Herausforderung. Deshalb sei es besonders wichtig, ‚Politik zu erklären‘. Zu erklären, dass ‚unser persönliches Wohlergehen nicht vor der Haustür endet, sondern dass es eben weitreichende Folgen hat, wenn Putin mit diesem Angriff Erfolg hat‘. Natürlich sei es verständlich, dass es Menschen gebe, die eigene Sorgen hätten und von diesem Krieg nichts mehr hören wollten. Tatsache ist aber, dass in der Ukraine nach wie vor gemordet, vergewaltigt, verschleppt wird. Dieses Land kämpft, und es kämpft letztlich auch für unsere Freiheit in Frieden.“ (Anmerkung Stefan Korinth: Den Trugschluss, man müsse unpopuläre Politik nur besser „erklären“, dann werde diese populärer, wiederholen Regierungspolitiker schon seit Jahrzehnten. Kaum jemand hat so oft Gelegenheit, sich öffentlich zu erklären wie Strack-Zimmermann und trotzdem lehnen immer mehr Menschen die von ihr beworbene Politik und deren schädliche Folgen ab. Vielleicht sollte die FDP-Politikerin statt ihre immer gleichen Parolen zu wiederholen, besser der Bevölkerung zuhören?)