Empfehlungen April 2023

Responsible Statecraft: Time for Biden to come clean on Ukraine – The leaks appear to show that officials’ understanding of the war is at odds with their public statements, raising the specter of Vietnam. (Es ist an der Zeit, dass Biden in Bezug auf die Ukraine reinen Tisch macht – Die Leaks scheinen zu zeigen, dass das Kriegsverständnis der Regierungsvertreter nicht mit ihren öffentlichen Erklärungen übereinstimmt, was das Gespenst von Vietnam aufkommen lässt.) – Auszug (übersetzt): "Die Folgen einer ukrainischen Zermürbung sind potenziell gravierend. Sollte es der Gegenoffensive nicht gelingen, die russische Verteidigung zu durchbrechen, könnte das ukrainische Militär, dem es an ausgebildeten Reserven, Artilleriegranaten und Luftabwehrraketen mangelt, durch neue russische Vorstöße verwundbar werden, die zum ersten Mal in diesem Krieg durch eine umfangreiche Luftkampagne unterstützt werden. Anstatt Putin zu zwingen, um Frieden zu bitten, könnte die Gegenoffensive ukrainische Schwächen aufdecken, die seinen Ambitionen Auftrieb geben. Im Nachhinein könnte Washington die Vereinbarungen, auf die sich ukrainische und russische Unterhändler einige Wochen nach der russischen Invasion geeinigt hatten – eine ukrainische Verpflichtung zur dauerhaften Neutralität, die durch eine multinationale Sicherheitsgarantie gestützt wird –, als eine verpasste Gelegenheit betrachten. Was würde Biden machen, wenn Russlands Zermürbungskrieg die Ukraine in die Knie zu zwingen droht? Das Weiße Haus hat so gut wie nichts getan, um die amerikanische Öffentlichkeit auf eine Kompromisslösung vorzubereiten, geschweige denn auf irgendeine Form des russischen Erfolgs auf dem Schlachtfeld. Da es Biden nicht gelungen ist, im In- und Ausland die Voraussetzungen für Verhandlungen zu schaffen, könnte er vor der unangenehmen Wahl stehen, entweder zuzusehen, wie die Ukraine trotz seines Versprechens, dies zu verhindern, zerbricht, oder das Engagement der USA oder der NATO in einer Weise zu eskalieren, die genau zu der militärischen Konfrontation mit Moskau führen könnte, der er abgeschworen hat.“

tagesschau: Erstes Telefonat zwischen Selenskyj und Xi – Erstmals seit Kriegsbeginn in der Ukraine haben deren Präsident Selenskyj und Chinas Staatschef Xi telefoniert. China versicherte, sich für Frieden einsetzen zu wollen. Dafür solle ein Sondergesandter in die Ukraine reisen. – Auszug: "Zum ersten Mal seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj und Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping miteinander telefoniert. Xi versicherte in dem Gespräch, sein Land werde sich für Verhandlungen und Frieden einsetzen. Doch nach wie vor verurteilt die Volksrepublik die russische Invasion nicht mit klaren Worten. Angaben eines Sprechers des ukrainischen Präsidenten zufolge dauerte das Telefonat rund eine Stunde. Darin habe Xi Selenskyj versichert, dass China den Respekt der Souveränität und territorialen Integrität der Ukraine als Grundlage für die politischen Beziehungen zwischen beiden Ländern betrachte, zitierte das chinesische Staatsfernsehen den Präsidenten der Volksrepublik. Von Krieg in der Ukraine sprach Xi laut chinesischen Staatsmedien allerdings nicht, dafür von ′komplizierten Entwicklungen in der Ukraine-Krise‵. Chinas Staatschef warnte eindringlich vor einer weiteren, gar atomaren Eskalation dieses ′Konflikts‵. ′Es gibt keine Gewinner in einem Atomkrieg‵, warnte Xi. Sämtliche Beteiligten müssten sich ′auf ihre Zukunft und ihr Schicksal und das der ganzen Menschheit konzentrieren‵ und sollten sich daher ruhig verhalten und Zurückhaltung üben. (...) Selenskyj selbst sprach auf Twitter von einem ′langen und bedeutsamen‵ Gespräch mit dem chinesischen Staatschef, das den bilateralen Beziehungen beider Länder hoffentlich einen ′starken Impuls‵ geben werde. Kurz nach dem Telefonat gab er die Ernennung von Pawlo Rjabikin, einem ehemaligen Minister für strategische Industrien, als neuen Botschafter in China bekannt.“

TASS: Kiev unlikely to appreciate calls for peace regardless of China’s efforts — Russia's MFA. – Auszug (übersetzt): "Moskau hat die Bereitschaft Pekings zur Kenntnis genommen, sich um die Einleitung eines Verhandlungsprozesses in der Ukraine-Frage zu bemühen, aber es ist unwahrscheinlich, dass Kiew die Friedensaufrufe zu schätzen weiß, sagte die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, am Mittwoch in einer Erklärung. ′(...) Wir sehen, dass unsere grundsätzlichen Ansätze mit dem Positionspapier übereinstimmen, das das chinesische Außenministerium am 24. Februar veröffentlicht hat‵, sagte sie mit Blick auf ein Telefongespräch zwischen den Präsidenten Xi Jinping (China) und Wolodymyr Selenskyj (Ukraine). ′Bisher hat das Kiewer Regime alle vernünftigen Initiativen abgelehnt, die auf eine politische und diplomatische Lösung der ukrainischen Krise abzielen‵, fügte Sacharowa hinzu. Die Diplomatin wies darauf hin, dass die ukrainischen Behörden und ihre westlichen Geldgeber bereits deutlich gemacht hätten, wie sie Friedensinitiativen auf die lange Bank schieben könnten. ′Sie haben selbst zugegeben, dass sie die Minsker Vereinbarungen nur brauchten, um Zeit zu gewinnen und ihre Offensivfähigkeiten zu verbessern. Im Frühjahr 2022 lehnten sie plötzlich die Friedensvereinbarungen ab, die die Parteien auf Initiative Kiews zu erreichen versuchten. Wolodymyr Selenskyj unterzeichnete sogar ein Gesetz, das jegliche Gespräche mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin verbietet. Daher werden die Marionetten Washingtons wohl kaum für Friedensaufrufe empfänglich sein‵, betonte die Sprecherin des russischen Außenministeriums.“

Welt: "Gewaltige Neuausrichtung“ – Vier Schlüsselstaaten für Europas künftige Außenpolitik – Während Russland die Ukraine verwüstet und China nach Taiwan greift, ringt die EU um die Frage, wie sie ihren globalen Einfluss ausdehnen und die Weltordnung stabilisieren kann. Ein vertrauliches Papier offenbart nun eine neue Strategie, die sich auf vier Schlüsselstaaten konzentriert (Bezahlschranke) – Auszug: "Darin werden verschiedene individuelle Pläne vorgestellt, um vier Schlüsselstaaten, sogenannte ′Prioritätsländer‵, zurückzugewinnen – oder nicht ganz zu verlieren. Vier Länder, die sich derzeit am Rand des vom Westen geführten Bündnisses befinden, das versucht, Russland zu isolieren, die Ukraine zu bewaffnen und China in die Schranken zu weisen: Brasilien, Chile, Nigeria und Kasachstan. (…) Die Strategie, das wird schnell klar, setzt auf Zuckerbrot und nicht auf Peitsche. (…) Das Memo zeigt, dass die EU auch vierzehn Monate nach Beginn des Ukraine-Kriegs noch immer mit der Frage ringt, wie sie ihren Einfluss auf der Welt ausweiten kann. Während die westliche Koalition bei der Verteidigung der Ukraine bemerkenswert geschlossen vorgeht, haben Diplomaten Schwierigkeiten, in Lateinamerika, Afrika und Asien weiter vorzudringen – vor allem angesichts der Milliardensummen, die China in den Regionen in Umlauf bringt. (…) Warum jedoch konzentriert sich die EU ausgerechnet auf diese vier Länder? Sie sind in gleich mehrfacher Hinsicht hochinteressant: Jedes ist ein potenzieller Stützpfeiler der EU in Regionen, in denen westliche Verbündete mit Russland und China um Einfluss und Ressourcen wetteifern. Brasilien und Chile liegen im rohstoffreichen Südamerika, Nigeria ist ein wirtschaftliches Kraftzentrum in Westafrika, Kasachstan verfügt über Öl und Gas in Zentralasien.“

Wirtschaftswoche: Kämpft Putin jetzt gegen sein eigenes Volk? In Russland gilt ein neues System der Wehrpflicht: Als Digitalisierung des Lebens getarnt, können Männer künftig deutlich leichter zum Militärdienst eingezogen werden. Das hat Folgen für Gesellschaft und Unternehmen. – Auszug: "Mit Gesichtserkennungs-Kameras sollen in der russischen Hauptstadt Moskau mögliche Rekruten für das Militär geortet werden. Die amtliche Nachrichtenagentur Tass zitierte den Chef der Einberufungsbehörde, Maxim Loktew, am Dienstag mit den Worten, mit Hilfe der Kameras werde der Wohnort der Wehrpflichtigen identifiziert. Damit soll verhindert werden, dass sich Wehrpflichtige dem Dienst entziehen. Zusätzlich unterzeichnete Präsident Wladimir Putin in der vergangenen Woche ein Gesetz, das den russischen Behörden nicht nur mehr Druckmittel und Kontrollmöglichkeiten gegenüber den Wehrpflichtigen gibt, sondern es auch einfacher macht, sie zum Militärdienst einzuziehen. (…) Bisher wurde die Vorladung zum Militärdienst persönlich überreicht und mit einer Unterschrift quittiert. Damit konnten viele Russen der Einberufung entgehen. Entweder sie wohnten nicht an ihrer Meldeanschrift oder gaben vor, nicht zu Hause zu sein. Nun wird dieser Prozess mithilfe eines Online-Serviceportals digitalisiert. (…) Ist der Bescheid da, hat der Wehrpflichtige 20 Tage Zeit, um sich beim Militärkommissariat vorzustellen. Bis dahin darf er das Land nicht verlassen. Die russische Regierung droht außerdem mit wirtschaftlichen Sanktionen: Melden sich die einberufenen Männer nicht, können sie keine Immobilien kaufen, sich nicht selbstständig machen und keinen Kredit mehr aufnehmen.“

Zeitgeschehen im Fokus: "Die unipolare Weltordnung, von den USA dominiert, könnte durch eine multipolare Welt abgelöst werden“ – Interview mit General a. D. Harald Kujat. – Auszug: "(...) je länger der Ukrainekrieg dauert, umso klarer wird sich (...) erweisen, dass es gravierende Interessensunterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und Europa gibt. Schon im Vorfeld des Krieges, als sich Macron und Scholz in Moskau und Kiew darum bemühten, den Krieg zu verhindern, haben ihnen die Vereinigten Staaten die Unterstützung versagt. Nur vordergründig beruht die Geschlossenheit des Westens darauf, die Ukraine im Kampf um ihre Sicherheit, Unabhängigkeit und territoriale Integrität zu unterstützen. Auch wenn die Europäer selbst noch keine Vorstellung davon entwickelt haben, muss am Ende des Krieges eine europäische Sicherheits- und Friedensordnung entstehen, in der alle Staaten des europäischen Kontinents einschließlich der Ukraine und Russlands ihren Platz haben. Dagegen verfolgen die Vereinigten Staaten das Ziel, Russland politisch, wirtschaftlich und militärisch so weit zu schwächen, dass sie sich dem geopolitischen Rivalen zuwenden können, der als einziger ihre Vormachtstellung als Weltmacht gefährden könnte, nämlich China. (…) Der Taiwan Relations Act von 1979 regelt die Beziehungen zwischen den USA und Taiwan, und zwar in der Weise, dass die USA die Unabhängigkeit und die Verteidigungsfähigkeit Taiwans durch Waffenlieferungen und andere Maßnahmen unterstützen. Ein direktes militärisches Engagement zur Verteidigung Taiwans ist damit jedoch nicht verbunden. Bisher haben alle amerikanischen Präsidenten auch eine entsprechende Festlegung vermieden. Im Oktober 2021 hat jedoch Präsident Biden erstmals ausdrücklich erklärt, sollte Taiwan von China angegriffen werden, würden die USA militärischen Beistand leisten. Damit sind von beiden Seiten Weichenstellungen vorgenommen worden, damit ist das Risiko eines militärischen Konflikts erheblich gestiegen. Es ist offenbar die Gefahr einer direkten Verwicklung der Nato und damit Europas, die Macron zu seiner nachdrücklichen Warnung veranlasst hat.“

Junge Welt: »Schmerzlich vermisst«. (Interview mit Julian Assanges Frau Stella) – Auszug: „Nun, sein körperlicher Zustand ist so schlecht, wie man es von jemandem erwarten kann, der vier Jahre in einer drei mal zwei Meter großen Zelle verbringen musste – wo er die Zelle nur verlassen kann, wenn es ihm gesagt wird, zwischen einer und vier Stunden am Tag. Und wenn er dann die Zelle verlässt, heißt das nicht, dass er einfach unterwegs ist. Manchmal wird er aus der Zelle in eine andere Zelle gebracht, wo er auf ein Treffen wartet, und von dort aus wird er in den Sitzungsraum gebracht und so weiter. Er sitzt dann eine Stunde oder anderthalb Stunden in einer Arrestzelle – dort gibt es nichts zu tun, die Zelle ist leer. Das ist die Situation, in der er sich befindet. Sein Gesundheitszustand hat sich verschlechtert, weil er sich nicht richtig bewegen kann, er läuft in seiner Zelle auf und ab. Das ist auch für die geistige Gesundheit sehr anstrengend, wenn man stundenlang am Tag auf und ab geht. Im Oktober 2021 hatte er einen Minischlaganfall, gegen den er Medikamente einnimmt, aber offensichtlich hat Julian seit über einem Jahrzehnt kein normales Leben mehr geführt. In all dieser Zeit war er nicht in der Lage, die Straße entlangzugehen, in einen Park zu gehen oder einen Baum zu berühren. (…) Er ist ein Untersuchungshäftling. (…) Er ist nicht wegen eines Verbrechens verurteilt. Und doch sieht er, wie verurteilte Verbrecher kommen und gehen, ihre Strafe verbüßen und in Freiheit kommen, während er dort bleibt. (…) Ich denke, der beste Weg, um zu verstehen, was Julian angetan wird, ist, diese sehr grundlegenden Dinge wie seine Bewegungsfreiheit zu betrachten. Man muss nicht das englische Recht in- und auswendig kennen, um zu verstehen, was hier gemacht wird. (…) Die Realität ist, dass das Vereinigte Königreich einen Verleger über vier Jahre lang wegen seiner verlegerischen Arbeit inhaftiert hat, das sollte in der Region des Europarats nicht passieren. Und das ist etwas, was Deutschland anprangern sollte – genauso wie es andere Länder innerhalb dieser Gemeinschaft wegen der Inhaftierung von Journalisten anprangert.“

The Cradle: The historic US-Saudi relationship cannot bounce back (Die historischen Beziehungen zwischen den USA und Saudi-Arabien können sich nicht mehr erholen) – Auszug (übersetzt): „Die US-Importe saudischen Öls sind auf einem historischen Tiefstand, die chinesischen Käufe saudischen Öls nehmen weiter zu, und die russisch-saudischen Energieinteressen haben sich vollständig angeglichen. (…) Um seine Ölexportmöglichkeiten zu diversifizieren, begann Saudi-Arabien, sich nach Osten hin China zuzuwenden, dem größten Ölimporteur der Welt. In den letzten zwei Jahrzehnten wurde Saudi-Arabien allmählich zu Chinas wichtigster Ölquelle, wobei die chinesischen Ölimporte aus Saudi-Arabien zwischen 1994 und 2005 um 16,3 Prozent stiegen und 2022 1,75 Millionen Barrel pro Tag (bpd) erreichten. Die Stärkung der wirtschaftlichen und diplomatischen Beziehungen zu Peking ist für Riad, das 70 Prozent seiner Exporteinnahmen aus dem Ölgeschäft bezieht, eine Notwendigkeit geworden. (…) In den letzten Jahren hat sich auch Russland zu einem wichtigen Partner der saudischen Ölindustrie entwickelt. Die Gründung der OPEC+ war eine Reaktion auf den Verfall der Rohölpreise, der unter anderem durch den erheblichen Anstieg der US-Schieferölproduktion seit 2011 verursacht wurde. Russland und Saudi-Arabien sind die größten Erdölexporteure der Welt, und ihre Zusammenarbeit hat sich als entscheidend für die Preiskontrolle erwiesen, da sie die in die Märkte gepumpten Ölmengen koordinieren.“

Charles Eisenstein: The Next Five Years (Die nächsten fünf Jahre) – Auszug (übersetzt): „Wir stehen vor einer Zeit der Turbulenzen, nicht nur in äußeren Angelegenheiten, sondern auch in unserer Art, Sinn und Bedeutung zu finden. Wir befinden uns inmitten einer beschleunigten Auflösung unserer kollektiven Geschichten und Vereinbarungen. Die Bollwerke der alten Realität zerbröckeln. Ihre Garnisonen (z. B. die Mainstream-Medien) schauen nervös über ihre Schultern. Diejenigen, die uns erzählen wollen, was der kommende soziale, wirtschaftliche und politische Umbruch bedeutet, haben ihre Glaubwürdigkeit und ihr Vertrauen verloren. In den nächsten fünf Jahren werden sich alle möglichen neuen Geschichten, neuen Bedeutungen und neuen Identitäten als Ersatz für die alte Ordnung anbieten. Nur wenige von ihnen werden gesund sein, aber alle werden zumindest ein Körnchen Wahrheit enthalten. Wie können wir in diesem Strudel die Vernunft bewahren?“ (Anmerkung: In dem im Beitrag verlinkten Vortrag von Eisenstein geht der US-amerikanische Kulturphilosoph, Autor und Theoretiker der Occupy-Bewegung darauf ein, dass die Zukunft prinzipiell unvorhersehbar ist. Auszug aus dem Vortrag (übersetzt): „Es ist keine objektive Tatsache, (…) was wir in 20 oder 50 Jahren tun werden. Werden wir in einer totalitären, technofaschistischen, umweltzerstörerischen Betonwelt leben oder auf einem Hippie-Planeten? Werden wir in einer Welt leben, die so schön ist, dass man schon bei einem flüchtigen Blick darauf weinen muss? Wie wird sie aussehen? Diese Frage kann man auf zwei Arten beantworten. Einerseits kann man sie als Aufforderung zu einer Vorhersage verstehen. Auf der anderen Seite kann man sie als Aufforderung verstehen, eine Entscheidung zu treffen. Welche Welt wird es sein? Es liegt an uns. Und das bedeutet nicht, dass wir wissen müssen, wie wir von hier nach dort kommen. Der erste Schritt ist jedoch zu wissen, dass es möglich ist, dass es einen Weg von hier nach dort gibt.“)

Consortium News: Defense Review Binds Australia to US War Agenda (Verteidigungsbericht bindet Australien an US-Kriegsagenda) – Auszug (übersetzt): „Der ‚Verteidigungs‘-Bericht konzentriert sich nicht auf die Verteidigung der Küsten des australischen Kontinents, sondern verweist stattdessen immer wieder auf die Notwendigkeit, die ‚regelbasierte Ordnung‘ in Australiens ‚Region‘ - dem so genannten ‚Indopazifik‘ - zu schützen, zu der auch China gehört. Es handelt sich größtenteils um 110 Seiten geistiger Verrenkungen, die erklären, warum die ‚Verteidigung‘ der australischen Nation so aussehen muss, als würde man sich auf einen Kampf mit einer Tausende von Kilometern entfernten asiatischen Nation vorbereiten. (…) ‚Unser Bündnis mit den Vereinigten Staaten wird für Australiens Sicherheit und Strategie weiterhin von zentraler Bedeutung sein‘, heißt es in dem Bericht. ‚Die Vereinigten Staaten werden in den kommenden Jahrzehnten noch wichtiger werden. Das Verteidigungsministerium sollte eine stärkere wissenschaftliche, technologische und industrielle Zusammenarbeit im Bündnis anstreben sowie eine verstärkte Rotation der Streitkräfte der Vereinigten Staaten in Australien, auch mit U-Booten.‘ Die überdeutliche Präsenz der Vereinigten Staaten in einem Dokument, in dem es angeblich um australische Sicherheitsinteressen geht, wäre verwirrend, wenn man nicht wüsste, dass Australien seit Generationen als militärischer und geheimdienstlicher Aktivposten der USA dient, dessen Interessen den Interessen Washingtons so weit untergeordnet sind, dass die Australier nicht einmal wissen dürfen, ob die USA Atomwaffen in ihr Land bringen.“

Washington Post: Tucker Carlson is out at Fox News after Dominion lawsuit disclosures (Tucker Carlson ist nach Enthüllungen beim Dominion-Prozess bei Fox News raus) – Auszug (übersetzt): „Fox News hat am Montag Tucker Carlson gefeuert (…) Seine Entlassung erfolgte weniger als eine Woche, nachdem Fox zu einer Verleumdungsklage von Dominion Voting Systems, die den Sender wegen der Ausstrahlung falscher Behauptungen über eine Verschwörung zur Manipulation der Präsidentschaftswahlen 2020 verklagt hatten, eine Einigung erzielt hatte. (…) [Carlsons] private Nachrichten gehörten zu den Tausenden von internen Mitteilungen, die während des Prozesses öffentlich gemacht wurden und die Fox in Angst und Verlegenheit brachten und die rechtliche Gefährdung des Unternehmens erhöhten. (…) Carlsons Äußerungen über Fox-Kollegen, die teilweise im Dominion-Fall aufgedeckt wurden, spielten bei seinem Weggang eine Rolle (…) ‚Verstehen die [Fox-]Führungskräfte, wie viel Glaubwürdigkeit und Vertrauen wir bei unserem Publikum verloren haben?‘ schrieb Carlson in einer Nachricht an einen Kollegen einen Tag nachdem Fox, wie auch andere Medien, Joe Biden zum Wahlsieger erklärt hatte. (…) Die Entscheidung, Carlson fallen zu lassen, wurde am Freitagabend von Lachlan Murdoch, CEO von Fox Corp., und Suzanne Scott, CEO von Fox News, getroffen (…) Der Moderator selbst, der am Freitag zum letzten Mal in seiner nächtlichen Sendung auftrat, erfuhr erst am Montagmorgen durch einen Anruf von seiner Entlassung. (…) Carlson wurde keine Gelegenheit gegeben, sich von seinem Publikum zu verabschieden. (…) Im Jahr 2022 erreichte ‚Tucker Carlson Tonight‘ im Durchschnitt 3,3 Millionen Zuschauer und hatte die höchste Einschaltquote aller Nachrichtensendungen in der begehrten Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen.“ (Anmerkung Paul Schreyer: Tucker Carlson hatte sich in den vergangenen Jahren von einem kritischen Journalisten mehr und mehr zu einer unabhängigen politischen Kraft entwickelt. Durch seine große Popularität beim Publikum musste er wenig Rücksichten auf Vorgaben der Senderleitung oder anderen politischen Druck nehmen – das dürfte ein wesentlicher Grund für seine Kündigung sein. Die Entscheidung der Senderleitung, ihm keine Gelegenheit zu geben, seine Kündigung in einer letzten Sendung zu kommentieren, spricht Bände. Man hat offenbar Angst vor seiner Popularität.)

BR: CO2-Zertifikate verteuern auch Strom – nicht nur Öl und Gas – Auszug: "Aufs Jahr gesehen wird zurzeit nur etwa die Hälfte des Stroms in Deutschland mit emissionsfreien Erneuerbaren Energien wie Wind und Sonne produziert, für die keine teuren CO2-Zertifikate gebraucht werden. Doch gerade in der Heizperiode im Winter, wenn die Wärmepumpen laufen und auch sonst mehr Strom verbraucht wird, fällt die Photovoltaik mit ihrem Sonnenstrom weitgehend aus. Der Anteil von Kohle und Gas steigt dann deutlich und damit auch die benötigten Emissionszertifikate. Der CO2-Anteil bei der deutschen Stromproduktion ist im Schnitt etwa doppelt so hoch wie bei der Verbrennung von Erdgas. Auch wenn Wärmepumpen effizienter sind als Gasheizungen beim Verbrauch, werden auch für sie in den nächsten Jahren ähnlich viele Zertifikate gebraucht – wegen des hohen Anteils fossiler Energie bei der Stromerzeugung. Verbessern kann sich diese Situation für die Besitzer von Wärmepumpen nur dann, wenn der Ausbau der erneuerbaren Energien aus Wind, Sonne oder Biomasse schneller steigt als der Stromverbrauch. Aktuell lässt sich der zunehmende Verbrauch mit Wärmepumpen und E-Autos kurzfristig nur mit mehr fossilen Energieträgern auffangen. Mehr als ein Dutzend neuer Gaskraftwerke wurden dafür bundesweit genehmigt. Einige alte Kohlekraftwerke lassen sich schnell wieder in Betrieb nehmen. Diese haben den großen Vorteil, dass sie rund um die Uhr laufen, auch in der Nacht, wenn kein Solarstrom anfällt, und damit ähnlich wie die früheren Atomkraftwerke ′grundlastfähig‵ sind.“

German Foreign Policy: Die Folgen eines Krieges gegen China – Auszug: "Die Frage, welche Folgen ein Krieg gegen China für Deutschland hätte, stellt sich ebenso konkret wie für Australien. Die Bundeswehr ist dazu übergegangen, sich regelmäßig an Kriegsübungen in der Asien-Pazifik-Region zu beteiligen, insbesondere in Australien; die Manöver richten sich durchweg gegen China (...). Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell hat am Wochenende gefordert, die Marinen der EU-Staaten sollten in Zukunft ′in der Taiwan-Straße patrouillieren‵, also die Volksrepublik noch energischer provozieren als schon bisher. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius hat vor einigen Wochen offen gelassen, ob Berlin im kommenden Jahr Kriegsschiffe in die Meerenge zwischen dem chinesischen Festland und Taiwan entsenden wird. Worum es dabei geht, ist bekannt: Chinas Botschafter in Deutschland, Wu Ken, hat im Januar bekräftigt, ′in der Taiwan-Frage‵ gebe es ′chinesische rote Linien‵. Deren Überschreiten führt unter Umständen direkt in einen großen Krieg. Außenministerin Annalena Baerbock hat in der vergangenen Woche auf die Frage der Bundestagsabgeordneten Sevim Dağdelen (Die Linke), ob die Ministerin mit ihren Äußerungen zu Taiwan eine etwaige ′deutsche Beteiligung an einem Krieg gegen China‵ habe ankündigen wollen, ausweichend geantwortet und ein klares ′Nein‵ vermieden. Eine ernsthafte Debatte, mit welchen Verlusten die Bundeswehr oder auch die deutsche Zivilbevölkerung bei einem Krieg des Westens gegen China konkret zu rechnen haben, findet dabei noch nicht statt.“

tagesschau: "Wir werden durchhalten" – Bei einem Treffen in Ramstein haben Vertreter von mehr als 50 Staaten weitere Militärhilfe für die Ukraine abgestimmt. So sollen "Leopard"-Panzer künftig in Polen repariert werden. Doch es herrscht nicht nur Einigkeit. – Auszug: "‵Ukraine is still standing strong‵ – ′Die Ukraine bleibt standhaft‵, so drückt es US-Verteidigungsminister Lloyd Austin aus. Und so soll es aus Sicht der Verbündeten auch bleiben. Austins Angaben zufolge hat die Ukraine-Kontaktgruppe bislang Hilfen in Höhe von 55 Milliarden Dollar zugesagt, 35 davon hätten die USA selbst beigesteuert. Insgesamt sei das eine Steigerung um das Zehnfache seit dem ersten Treffen. (...) Der russische Krieg gegen die Ukraine sei inzwischen auch zu einem ′Krieg der Logistik‵ geworden, sagt NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, der dieses Wort zwar selbst ein ′bisschen langweilig‵ findet. Dennoch kennzeichne es am besten, um was es jetzt geht: die Durchhaltefähigkeit der Ukraine zu stärken. Mit Wartung, mit Munition, mit Reparaturen. (...) Die neue Instandsetzungs-Drehscheibe in Polen soll bereits Ende Mai ihre Arbeit aufnehmen. Die Kosten von bis zu 200 Millionen Euro pro Jahr will man sich brüderlich teilen, wie Verteidigungsminister Boris Pistorius erläutert. Darauf habe man sich bei einer Sitzung geeinigt, die der Minister als ′Panzer-Lunch‵ bezeichnet – also einem Treffen jener Nationen, die die Ukraine mit Kampfpanzern westlicher Bauart unterstützen. Die wichtigste Botschaft von all diesen Anstrengungen ist eine, die gerade in Moskau vernommen werden soll: ′Putin kann nicht auf Zeit spielen. Wir werden durchhalten.‵ In diese Worte fasst es Pistorius. (...) Der ukrainische Verteidigungsminister spricht zum Schluss von der starken Symbolik des Treffens, von einem Jahr Unterstützung durch die Kontaktgruppe. Er sei wirklich zufrieden mit den Ergebnissen, sagt Resnikow. Dann zitiert er noch Winston Churchill: ′Gebt uns die Werkzeuge und wir erledigen den Job.‵“

Telepolis: Eskalation im Sudan: Anzeichen eines neuen Stellvertreterkrieges – Plötzlicher Ausbruch von Kämpfen überraschte Beobachter. Konflikt auch Folge eines Putsches 2021. Diese zwei Großmächte könnten hinter dem Konflikt stehen. – Auszug: "Russland bemüht sich schon seit Jahren darum, eine Militärbasis am Roten Meer zu errichten. Dort sollen auch 300 Soldaten stationiert werden. Noch im Februar ist der russische Außenminister Sergei Lawrow in Khartum gewesen und hat von den sudanesischen Militärs eine Zusage für das Vorhaben erhalten. Zudem bestehen enge Verbindungen zwischen Daglo und Unternehmen des russischen Milliardärs Jewgeni Prigoschin, der auch die private Sicherheitsfirma Wagner betreibt. Über Firmen namens Meroe Gold und M-Invest verdient Prigoschin kräftig an dem schwunghaften Handel mit dem gelben Metall. Die Unternehmen sind natürlich schon seit Längerem mit Sanktionen der USA und der EU belegt. Überdies wird Daglo vorgeworfen, tonnenweise Gold illegal aus dem Land zu schaffen, um Exportzölle zu umgehen und seine Kriegskasse zu füllen. Gold ist das wichtigste Exportgut des bitterarmen nordostafrikanischen Landes. 2021 machte das Edelmetall mit Erlösen von 2,85 Milliarden US-Dollar über die Hälfte der Exporteinnahmen des Sudan aus. Doch sowohl die Präsenz von Wagner-Söldnern im Sudan als auch ihre Beteiligung am Goldbergbau werden dementiert und sind bisher nicht belegt. Dass Wagner-Truppen in den Nachbarländern Libyen und der Zentralafrikanischen Republik stationiert sind, scheint für den Konflikt im Sudan zumindest derzeit keine Rolle zu spielen. Natürlich müssen den USA sowohl eine russische Militäreinrichtung an der Küste des strategisch wichtigen Roten Meeres als auch Goldgeschäfte russischer Unternehmen in Afrika ein Dorn im Auge sein. Denn eigentlich hat Washington in Khartum eine ausbaufähige Position erreicht – und zwar bereits bevor Ex-Präsident Umar al-Bashir der Macht enthoben wurde. So ließ sich ein sudanesischer General 2017 mit dem Hinweis zitieren, dass das Büro des US-Geheimdienstes CIA das größte in der Region sei. 2021 gelang es den USA sogar, Khartum zur Unterzeichnung der Abraham Accords zu bewegen und so eine Annäherung zwischen dem arabisch dominierten Sudan und Israel zu erreichen. In die Kämpfe am oberen Nil mischen sich allerdings noch eine ganze Reihe weiterer Akteure ein."

Tagesschau: Wohnungsbau: Bauwirtschaft warnt vor Kipppunkt – Auszug: „Vertreter der Bauwirtschaft warnen vor einer Krise im Wohnungsbau. Wenn die Politik nicht gegensteuere, drohe Gefahr für die Gesellschaft - und eine Abwärtsspirale bei der Bautätigkeit insgesamt. Kaum ein Ziel der Ampelregierung ist in so weite Ferne gerückt wie das, jedes Jahr 400.000 neue Wohnungen zu bauen. Im vergangenen Jahr dürfte die Zahl gerade noch bei 280.000 gelegen haben, für dieses Jahr schätzen Branchenvertreter mit einem weiteren Rückgang auf 240.000 bis 250.000. (…) Zugleich steht dem Rückgang beim Neubau eine höhere Nachfrage gegenüber. Gerade durch den Zuzug von mehr als einer Million Flüchtlingen im vergangenen Jahr sei der Bedarf an bezahlbarem Wohnraum so hoch wie noch nie, sagt Robert Feiger, Chef der Industriegewerkschaft BAU. Feiger warnt: ‚Der Mangel an bezahlbarem Wohnraum entwickelt sich zu einer Gefahr für die Gesellschaft.‘ (…) Vor diesem Hintergrund schlägt Christian Staub vom Zentralverband des Deutschen Baugewerbes Alarm: Man brauche dringend eine ‚Erhöhung der Förderkulisse‘. Allein für den Sozialen Wohnungsbau sollte der Bund weitere 50 Milliarden Euro in die Hand nehmen. Das Bündnis aus Wirtschaftsverbänden, Gewerkschaft und Mieterbund könnte sich dafür ein neues Sondervermögen vorstellen. Was allerdings bei Bauministerin Klara Geywitz (SPD) auf Bedenken stößt: ‚Sondervermögen klingt nach einem Batzen Geld - in Wirklichkeit ist es aber ein Batzen Schulden'. Und die Möglichkeiten zur Verschuldung seien begrenzt - ‚bei allem Verständnis für die Forderung‘.“ (Anmerkung Paul Schreyer: Bei den 100 Milliarden Sondervermögen für die Rüstung machte die Regierung keine solchen Bedenken geltend. Wohnungen sind offenbar weniger wichtig als Waffen.)

FAZ: USA kündigen neue Militärhilfe für Ukraine an – Auszug: "Die US-Regierung hat neue militärische Hilfe für die Ukraine in Höhe von 325 Millionen US-Dollar (knapp 297 Millionen Euro) angekündigt. In dem Paket enthalten seien vor allem Munition für Waffensysteme wie die Mehrfachraketenwerfer vom Typ HIMARS und Artilleriegeschosse, sagte die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Karine Jean-Pierre, am Mittwoch (Ortszeit). Die neue Hilfe kommt dem Weißen Haus zufolge aus Beständen des US-Militärs. ′Diese neue Sicherheitshilfe wird die Ukraine in die Lage versetzen, sich angesichts des brutalen, nicht provozierten und ungerechtfertigten Krieges Russlands weiterhin tapfer zu verteidigen‵, sagte US-Außenminister Antony Blinken. (...) Die Ukraine bereitet nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj neue Truppen für den Fronteinsatz vor. Konkret handelt es sich dabei um Grenztruppen, die er am Mittwoch in Wolhynien im Dreiländereck der Ukraine mit Belarus und Polen besucht hatte. Schon jetzt sind Grenztruppen der Ukraine an den Fronten im Einsatz, unter anderem in der schwer umkämpften Stadt Bachmut in der Ostukraine. ′Zusammen mit allen unseren Verteidigungs- und Sicherheitskräften kämpfen die Grenzsoldaten an der Front, auch in den schwierigsten Gebieten‵, sagte Selenskyj in seiner abendlichen Videoansprache. ′Wir bereiten auch neue Einheiten – Grenzschutzeinheiten – darauf vor, sich unseren aktiven Operationen anzuschließen, sich der Bewegung anzuschließen, die wir nach und nach entwickeln.‵“

Telepolis: Inside Ukraine: Wie geht es Land und Menschen, Herr Lieven? Interview mit dem Ex-Kriegsreporter und Eurasien-Experten Anatol Lieven, der von einer Ukraine-Reise zurückgekehrt ist. Er berichtet über russische Raketen und die Ansichten der Ukrainer. Eindrücke im Vorfeld der erwarteten Gegenoffensive, – Auszug: "Ich habe mit mehreren Journalisten und Analysten gesprochen, die unter vier Augen sagten, dass es ihrer Meinung nach am Ende einen territorialen Kompromiss geben müsse – aber alle bestanden darauf, dass sie diese Aussage nicht offiziell machen. Mehrere sagten mir, dass jeder, der dieses Argument in der Öffentlichkeit vorbringt, sehr ernste Risiken eingeht – den Verlust seines Arbeitsplatzes, wenn er Journalist ist, das Ende seiner politischen Karriere, wenn er in der Politik tätig ist, und sehr wahrscheinlich auch einen Besuch der ukrainischen Sicherheitsdienste. Hinsichtlich der öffentlichen Stimmung, die durch die russische Invasion und ihre schrecklichen Folgen erzeugt wurde, aber auch in gewissem Maße durch den ukrainischen Staat, der sich im Krieg befindet, und einer gewissen staatlichen Unterdrückung, gibt es meiner Meinung nach erhebliche Unterschiede zwischen dem, was eine signifikante Minderheit der Ukrainer privat sagt, und der öffentlichen Debatte bzw. dem Fehlen einer solchen in der Ukraine. Natürlich ist dieser Versuch, einen patriotischen Konsens zu schaffen, in Kriegszeiten ganz normal, aber er wird der ukrainischen Regierung ernste Probleme bereiten, wenn sie am Ende doch einer Art Kompromissfrieden zustimmen muss. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass in und um Kiew – verständlicherweise – viel hasserfüllte Sprache auf das russische Volk und die russische Kultur im Allgemeinen gerichtet ist. In Saporischschja richtet sich der Hass gegen die russische Regierung und die Streitkräfte – insbesondere natürlich gegen die Luftwaffe. Da aber viele Menschen dort zum Teil selbst Russen sind und Verwandte in Russland haben, gibt es diese Art von quasi-rassistischem Sprechen über gewöhnliche Russen viel weniger.“

18. April 2023

Berliner Zeitung: Europa von LNG überschwemmt: Und plötzlich braucht niemand US-Fracking-Gas – Auszug: „So wenig wie seit Ende März dieses Jahres hatte eine Megawattstunde Erdgas oder LNG (Liquid Natural Gas) zuletzt im August 2021 gekostet. Der Hintergrund der Entwicklung: Sowohl Europa als auch Asien verzeichnen ein Überangebot an LNG, was die Gaspreise nach unten drückt. (…) Der niedrige Gaspreis und die vorzeitig gut gefüllten Gasspeicher mindern die ‚vertraglichen Ambitionen‘ der US-Energiekonzerne, schrieb das Analyseunternehmen S&P; Global dazu. Noch vor fünf Monaten kassierten diese mit teuren LNG-Absätzen vor allem an deutsche Importeure sagenhafte Profite. Vor allem die US-Konzerne füllten auch die Lücke, die durch den Wegfall des russischen Pipeline-Gases entstanden war. (…) Das Überangebot entsteht auf dem Weltmarkt unter anderem deswegen, weil die britischen Gasexporte in die EU stark ansteigen, da es dem Land an großen Speichern mangelt. Um das überflüssige Erdgas loszuwerden, lassen sich die Exporteure auch auf niedrigere Preise ein. Darüber hinaus verzeichnete China inmitten einer langsamen Erholung nach der Aufhebung der Pandemiebeschränkungen Rekord-Reexporte von LNG, also von Flüssigerdgas, das früher in das Land importiert wurde. Japan, normalerweise ein großer LNG-Käufer, verkauft nun selbst die überflüssigen Gasmengen, um ein Überangebot im Inland abzuwehren. (…) Der Gaspreis in Europa sei zwar von den Höchstständen des letzten Jahres abgestürzt, liege aber immer noch deutlich über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, was eine Veränderung der Überangebotslage nicht wirklich ausschließt. Wenn sich der Gasverbrauch wieder erhöht, steigt entsprechend auch der Gaspreis.“

The Grayzone: Enslavement of African migrants ‘big business’ in Libya thanks to EU funding (UN: Versklavung afrikanischer Migranten in Libyen dank EU-Finanzierung ein ‚großes Geschäft‘) – Auszug (übersetzt): „Eine Untersuchung der Vereinten Nationen kam zu dem Schluss, dass die von der Europäischen Union an staatliche Stellen in Libyen gezahlten Gelder Verbrechen gegen die Menschlichkeit ermöglicht haben, die von Zwangsarbeit über sexuelle Sklaverei bis hin zu Folter reichen. (…) Der UN-Ermittler, Professor Beyani, machte für die derzeitige Krise in Libyen einen ‚Kampf um die Macht‘ verantwortlich und spielte damit auf das Machtvakuum an, das der Westen mit seinem Regimewechsel-Krieg in Libyen geschaffen hat, ohne jedoch direkt darauf Bezug zu nehmen. (…) Der UN-Bericht schätzt, dass sich während des Untersuchungszeitraums mehr als 670.000 Migranten in Libyen aufgehalten haben. Das Fehlen einer starken, stabilen Zentralregierung in Tripolis hat dazu geführt, dass sich eine ganze Industrie entwickeln konnte, deren Geschäftsmodell die Ausbeutung von Migranten ist. ‚Die Inhaftierung und der Handel mit Migranten ist ein großes Geschäft in Libyen. (…) Während der Internationale Strafgerichtshof den russischen Präsidenten Wladimir Putin wegen Anschuldigungen angeklagt hat, die von Forschern des US-Außenministeriums ausgeheckt wurden, wurde der neue UN-Bericht über Libyen von den US-amerikanischen und europäischen Medien weitgehend als Fußnote behandelt, obwohl der Westen die Hauptverantwortung für den anhaltenden Albtraum des Landes trägt.“

Antiwar: Mainstream Media Turn Coats on "National Security" Leaks – Auszug (übersetzt): "In der Theorie ist es die Aufgabe des Journalismus, die Öffentlichkeit zu informieren. In der Praxis ist der ′Mainstream‵-Journalismus zumindest in den letzten Jahrzehnten weitgehend zum Stenographenpool der Regierung geworden, der zuverlässig jede offizielle Behauptung als Tatsache wiedergibt und nur selten gezielte Fragen zu einem Thema stellt, das wichtiger ist als die Frage, welcher Politiker mit welchem Pornostar Sex hatte. Wenn es eine Ausnahme gibt, bemühen sich die Journalisten wenigstens um den ′Schutz ihrer Quellen‵. Jemand, der der New York Times oder der Washington Post Informationen zuspielt, kann vernünftigerweise davon ausgehen, dass diese Publikationen sich selbst auf richterliche Anordnung hin weigern werden, ihn zu outen. Da Teixeira es aber (angeblich) versäumt hat, die ganz besonders wichtigen Leute bei der Times oder der Post zu konsultieren (und ihnen die von ihnen so geliebten ′Scoops‵ zu liefern), und stattdessen (angeblich) seine Informationen mit einigen Gamer-Freunden geteilt hat, um sich selbst cool aussehen zu lassen, haben die Mainstream-Medien die Seiten gewechselt. Anstatt den Inhalt der undichten Stelle zu untersuchen, untersuchten sie den Informanten, um dem FBI die Arbeit zu ersparen. Anstatt die Öffentlichkeit zu informieren, verfolgten sie mit Begeisterung jemanden, der ihre Arbeit für sie erledigte. Das ist natürlich nicht das erste Mal. Sie haben auch Assange und Snowden den Wölfen zum Fraß vorgeworfen ... aber erst, nachdem sie den ganzen Saft aus ihren ′Scoops‵ gepresst hatten.“

medico international: Haftbefehl gegen Putin – Es trifft nicht den Falschen. Wolfgang Kaleck spricht im Interview darüber, warum es keine "Gleichheit im Unrecht" geben darf, westliche Doppelstandards aber trotzdem das Völkerstrafrecht untergraben. – Auszug: "Wir haben die Entscheidung des Internationalen Strafgerichtshof und auch die neue Liebe vormaliger Skeptiker für die internationale Strafjustiz. Wir sollten ihnen sagen: Schön, dass ihr jetzt entdeckt, dass es ein Verbrechen ist, Zivilist:innen zu ermorden und Bomben auf zivile Ziele abzuwerfen. Schön, dass ihr entdeckt habt, dass es eine internationale Strafjustiz gibt, die das zu ermitteln und zu verfolgen hat. Noch schöner wär's, wenn ihr das nicht nur am Beispiel von Russland durchexerzieren würdet, sondern bei allen Kriegen. Und da fallen mir noch ein paar mehr ein, zum Beispiel der verheerende Krieg im Jemen, wo Hunderttausende verreckt sind. Unter anderem, weil dort die vom Westen an Saudi-Arabien gelieferten Waffen den Krieg dauerhaft befeuern, weswegen wir beim Internationalen Strafgerichtshof vor mittlerweile vier Jahren eine Strafanzeige gegen die Waffenexporteure eingereicht haben – wegen Beihilfe zu Kriegsverbrechen. (…) Es gibt ja nicht nur jene Gewalt, die jetzt im Ukraine-Krieg erlebt wird, also der völkerrechtswidrige Angriff, Vergewaltigungen, Bombenabwürfe auf zivile Ziele, das Massakrieren von Zivilist:innen. Das alles dürfen wir weder mit anderen Verbrechen relativieren, noch im herzlosen Jargon der Internationalen Beziehungen verhandeln. Wir sollten auch mal einen Moment innehalten und uns die Bilder vor Augen führen. Empathie mit denen haben, denen das zugestoßen ist. Andererseits muss man – ohne das gleichzusetzen – auch andere Formen von Gewalt ansprechen. Das machen seit Dekaden wichtige Personen aus dem Globalen Süden, die zu Recht darauf hinweisen, dass auch die internationalen Wirtschafts- und Handelsbeziehungen, das ganze Welthandelssystem eine Form von struktureller Gewalt ist, der viele Menschen zum Opfer fallen.“

The American Conservative: The Most Important Line in the China-France Joint Statement – Europe’s prime players are embracing the multipolar paradigm; are they leaving the U.S. Behind? (Die wichtigste Zeile in der gemeinsamen Erklärung Chinas und Frankreichs – Europas wichtigste Akteure machen sich das multipolare Paradigma zu eigen; lassen sie die USA hinter sich?) – Auszug (übersetzt): "(...) die wichtigste Zeile ist vielleicht ein kurzer Satz mit neunzehn Wörtern, der am Anfang des Dokuments steht. In einem Abschnitt über die ′Förderung der globalen Sicherheit und Stabilität‵ erklären China und Frankreich, dass sie ′das multilaterale internationale System unter der Schirmherrschaft der Vereinten Nationen in einer multipolaren Welt stärken wollen‵. Multipolarität ist die Weltvision und die Sprache, die häufig in den gemeinsamen Erklärungen von China und Russland auftaucht. Nun hat Frankreich ein Dokument unterzeichnet, das gemeinsam mit China eine multipolare Welt als Alternative zu der von den USA angestrebten unipolaren Welt anbietet. (…) Diese potenziell bahnbrechende Aussage deutet auf eine grundlegende Kluft zwischen Frankreich und den USA hin. (…) In einem Interview an Bord seines Flugzeugs (...) sagte Macron, Europa müsse ′strategische Autonomie‵ erlangen und eine ′dritte Supermacht‵ werden. Er sprach sich für ein Europa aus, das kein Juniorpartner in einer von den USA geführten unipolaren Welt ist, sondern für ein Europa, das ′der dritte Pol sein kann‵. Nach Ansicht des Präsidenten des Europäischen Rates, Charles Michel, könnten ′einige‵ europäische Staats- und Regierungschefs ′wie Emmanuel Macron denken‵. (…) die Divergenz der Interessen und Strategien, die die USA und ihr Streben nach einer unipolaren Welt am unmittelbarsten betreffen könnte, ist Macrons Beharren darauf, dass Europa ′nicht von der Extraterritorialität des Dollars abhängen darf‵.“

UnHerd: Does Europe need to split? The East-West divide is back with a vengeance – Auszug (übersetzt): "Emmanuel Macrons Forderung, Europa solle seine Abhängigkeit von den Vereinigten Staaten verringern und seine eigene ′strategische Autonomie‵ entwickeln, löste einen transatlantischen Wutanfall aus. Das atlantische Establishment, sowohl in den USA als auch in Europa, reagierte in typisch unbeherrschter Weise – und übersah dabei etwas Entscheidendes: Macrons Worte sagten weniger über den Zustand der europäisch-amerikanischen Beziehungen aus als über die innereuropäischen Beziehungen. Ganz einfach: Das ′Europa‵, von dem Macron spricht, existiert nicht mehr, wenn es überhaupt jemals existiert hat. Auf dem Papier ist fast der gesamte Kontinent unter einer supranationalen Flagge vereint – der der Europäischen Union. Doch diese ist zerrissener denn je. Zusätzlich zu den wirtschaftlichen und kulturellen Gräben, die den Block schon immer geplagt haben, hat der Krieg in der Ukraine dazu geführt, dass entlang der Grenzen des Eisernen Vorhangs eine massive Verwerfungslinie wieder aufgetaucht ist. Der Ost-West-Gegensatz ist mit voller Wucht zurückgekehrt. Dies wurde durch die Reaktion auf Macrons Äußerungen unterstrichen. Einerseits deutete Charles Michel, der belgische Präsident des Europäischen Rates, an, dass die Position des französischen Präsidenten die Ansichten mehrerer westeuropäischer Staats- und Regierungschefs, auch in Deutschland, widerspiegelt. Andererseits sprach der polnische Premierminister Mateusz Morawiecki für die meisten mittel- und osteuropäischen Länder, als er erklärte: ′Das Bündnis mit den Vereinigten Staaten ist die absolute Grundlage unserer Sicherheit... Anstatt eine strategische Autonomie gegenüber den USA aufzubauen, schlage ich eine strategische Partnerschaft mit den USA vor.‵ Dies ist keine taktische oder gar strategische Meinungsverschiedenheit; es handelt sich um zwei existenziell gegensätzliche Visionen.“

Guardian: ‘They’re starting to die’: fears Ukraine’s drone supremacy may soon be over („Sie beginnen zu sterben“: Befürchtung, dass die Vorherrschaft der Ukraine bei Drohnen bald vorbei sein könnte) – Auszug (übersetzt): „Doch die Sorge der Ukraine besteht laut drei Drohnen-Operatoren, die über den Winter in der Stadt [Bachmut] stationiert waren, darin, dass die Russen kurz davor stehen, die beliebtesten Modelle des chinesischen Herstellers DJI zu neutralisieren. ‚Sie sind geschickt und stellen diese speziellen Störsysteme her‘, sagte Jaroslaw, 31. ‚Ich glaube also, dass DJI in drei, vier Monaten nicht mehr zu gebrauchen sein wird‘, so der Drohnenspezialist. (…) Die ukrainischen Drohnen-Operatoren berichten jedoch, dass die DJI-Geräte allmählich an Effektivität verlieren, da die russischen Techniken der elektronischen Kriegsführung ihre Reichweite verringern. (...) ‚In Mykolaiv mussten wir 15 Kilometer abdecken, in Bachmut nur 500 Meter – und selbst diese 500 Meter waren mit zwei Drohnen nur schwer zu bewältigen‘, sagte Jaroslaw und fügte hinzu, dass es an der Südfront im Herbst möglich war, 6 Kilometer über die Frontlinie hinauszugehen, in Bakhmut aber ‚höchstens 1 Kilometer, manchmal war es nicht möglich, die Grenze zu überschreiten‘. (…) ‚Ehrlich gesagt fangen die Mavics [DJI Mavic 3-Quadcopter] für mich schon jetzt an zu sterben. Im Dezember konnten wir 3 Kilometer weit fliegen, wir haben also nicht vom Nullpunkt [der Frontlinie] aus gearbeitet. Jetzt sagen die Jungs, dass sie nicht weiter als 500 Meter fliegen können‘.“

Telepolis: EU-Diplomaten sehen in Ukraine-Krieg "keinen Wendepunkt" – EU-Dokument bewertet ukrainischen Verteidigungskampf verhalten. Analyse deckt sich mit US-Geheimakten. Brüssel behält sich Ende der Militärhilfe vor – Auszug: "So werden die ukrainischen Streitkräfte aufgefordert, Verstöße gegen internationale Menschenrechtsnormen und das humanitäre Völkerrecht durch Einheiten, die EU-Waffen erhalten, ′aktiv zu überwachen, zu verfolgen und strafrechtlich zu ahnden‵. Auch würden keine Güter ′über die notwendigen operativen Kapazitäten der ukrainischen Streitkräfte hinaus‵ geliefert. (...) Schließlich bestehen die EU-Experten darauf, dass Militärgerät ′ohne vorherige Genehmigung durch den Hohen Vertreter weder an ukrainische Einrichtungen außerhalb der Streitkräfte weitergegeben noch in ein Drittland wiederausgeführt‵ wird. In diesem Zusammenhang fordern die EU-Diplomaten Kiew auf, ein bereits unterzeichnetes Abkommen zur Unterbindung des Waffenhandels zu ratifizieren. Bei ′schwerwiegenden Anschuldigungen‵ oder ′bestätigten Verstößen gegen das Völkerrecht‵ behält sich die EU vor, die Lieferung von Munition und Rüstungsgütern ′in Teilen oder vollständig auszusetzen und/oder zu beenden‵. Diese Option hält sich Brüssel dem internen Konzeptpapier zufolge auch offen, ′wenn die politische und sicherheitspolitische Lage es nicht mehr zulässt, die Unterstützungsmaßnahme unter Sicherstellung ausreichender Garantien durchzuführen, oder die Fortsetzung der Unterstützungsmaßnahme nicht mehr den Zielen der Union dient oder nicht länger in ihrem Interesse liegt‵.“

Telepolis: Große Erwartungen: Deutsche Außenministerin soll nach Macron-Besuch in China "Schaden" begrenzen – Auszug: "(...) transatlantische Kreise in Deutschland und Europa verbinden mit ihr [Baerbock] die Hoffnung, dass sie in Peking repariert, was der französische Präsident Emmanuel Macron vermeintlich beschädigt hat. (…) Gemeint ist damit die ′transatlantische Einheit‵, die Macron untergraben haben soll. Wenn unter dieser Einheit zu verstehen ist, dass die Regierung in Washington Linie und Takt vorgibt, während Europa hinterhertrottet, dann dürfte dieses Urteil über Macron gerechtfertigt sein. Ein Europa, das selbstbewusst seine Interessen vertritt, stört diese Einheit dagegen nur. (…) Das Entkoppeln der westlichen Wirtschaften von China ist ein weiterer Punkt, bei dem Washington den Takt vorgibt. (...) Unter dem nächsten Präsidenten könnte die Situation weiter eskalieren. Der Republikaner Ron DeSantis, der im Frühjahr seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten erklären könnte, macht laut Handelsblatt bereits Druck, die Entkopplung der Volkswirtschaften ernsthafter zu betreiben. Sollte DeSantis gewählt werden, würde sich die Frage stellen, ob die Europäer auch dann – entgegen ihren eigenen wirtschaftlichen Interessen – dieser Linie folgen würden. Bislang ist diese Frage eher rhetorischer Natur, denn der Handel zwischen den USA und China blüht weiterhin. Mehr als 690 Milliarden US-Dollar hat das Handelsvolumen zwischen beiden Rivalen im vergangenen Jahr ausgemacht – ein neuer Rekord, wie das Handelsblatt anmerkt. Trotz aller Steine, die dem gemeinsamen Handel in den Weg gelegt werden, floriert er. Die Unternehmen hätten offenbar Wege gefunden, trotz alledem weiter zusammenzuarbeiten. Die große Mehrheit der US-Unternehmen hat auch keine Pläne, ihre Geschäfte in andere asiatische Länder zu verlagern. Ganz im Gegenteil: sie bauen sie sogar noch aus; der chinesische Markt ist zu verlockend.“

Telepolis: Deutschland stellt Nutzung von Atomkraft ein – und macht doch weiter. – Auszug: "So richtig vorbei ist das Atomzeitalter für Deutschland mit der jetzigen Reaktor-Stilllegung allerdings noch lange nicht. Da wären zum Beispiel noch die teils altersschwachen Atommeiler in einigen der Nachbarländer. In der Schweiz zum Beispiel, in Belgien, Frankreich oder den Niederlanden. In Polen wird immer wieder mal davon gesprochen, neue AKW zu bauen. Aber besonders realistisch scheint das nicht zu sein, und die gegebenenfalls direkt betroffene Bevölkerung an der Ostseeküste ist wenig begeistert. Auch laufen in Deutschland noch verschiedene kleine Forschungsreaktoren, von denen der prominenteste in Garching bei München steht und mit hochangereichertem Uran betrieben wird. Etwas, was die Nato-Staaten dem Iran gerne verbieten würden, denn mit dem Material lassen sich auch Bomben bauen. Aber über derlei wird hierzulande nur ungern gesprochen. Schon gar nicht in Zeiten, in denen man sich auf neue Kriege vorbereitet und die sogenannte atomare Teilhabe übt, also den Zugriff des deutschen Militärs auf Atombomben. Und schließlich wird in Deutschland weiter Brennstoff für Atomkraftwerke hergestellt. Im niedersächsischen Lingen werden aus angereichertem Uran Brennelemente für Druck- und Siedewasserreaktoren gefertigt. Das Uran stammt aus Russland und wird im benachbarten Gronau angereichert, das unmittelbar an der niederländischen Grenze im äußersten Nordwesten Nordrhein-Westfalens liegt. Abnehmer der Brennelement sind bisher vor allem Frankreich und Belgien. Die Betreibergesellschaft gehört der französischen Farmatom, die gerade mit der russischen Rosatom ein Joint Venture gründet, um künftig in Lingen gemeinsam Brennelemente für osteuropäische AKW herzustellen. Atomkraft ist offensichtlich etwas anderes als russisches Erdgas. Und schließlich ist da noch die Sache mit dem Atommüll (…).“

The National Interest: America’s Oldest Ally: Having the Croissant and Eating it Too – It has long been national interest, rather than high-minded idealism, that has driven French foreign policy – including its reliance on American military might (Amerikas ältester Verbündeter: Das Croissant haben und es auch essen. – Die französische Außenpolitik - und damit auch die Abhängigkeit von der amerikanischen Militärmacht – wird seit langem von nationalen Interessen und nicht von hochtrabendem Idealismus bestimmt.) – Auszug (übersetzt): "Wenn überhaupt, dann hat der Krieg nur die Abhängigkeit Europas von der amerikanischen Militär- und Wirtschaftsmacht bei der Eindämmung von Aggressionen und der Aufrechterhaltung der Stabilität in Europa verdeutlicht. Das hat Amerikas Führungsrolle in der NATO gestärkt. Und da die Vereinigten Staaten Russland als Europas größten Erdgaslieferanten abgelöst haben, fiel es den Franzosen und Europäern schwer, die Entscheidung der Regierung Biden anzufechten, Subventionen für Elektrofahrzeuge und andere Arten der US-amerikanischen Produktion bereitzustellen. Ein weiteres Beispiel dafür, wie das veränderte geostrategische und geoökonomische Gleichgewicht die Position Frankreichs geschwächt hat, ist die amerikanische Entscheidung, ein technologisches Kooperationsabkommen mit Großbritannien und Australien anzustreben – ein Schritt, der einen französischen U-Boot-Vertrag mit den Australiern zunichte machte. Paris beschwerte sich und rief seinen Botschafter aus Washington zurück, aber es gab nicht viel, was die Franzosen tun konnten, um diese Entscheidung rückgängig zu machen.“

Foreign Policy: It’s Time to Bring Back the Polish-Lithuanian Union. A political construct created nearly 700 years ago offers solutions for Europe today. (Es ist an der Zeit, die Polnisch-Litauische Union wiederzubeleben. Ein politisches Konstrukt, das vor fast 700 Jahren geschaffen wurde, bietet Lösungen für das heutige Europa.) – Auszug (übersetzt): „Eine militarisierte ukrainische Nation, verbittert über die EU wegen ihrer Untätigkeit und vielleicht verärgert über ein unbefriedigendes Ende des Krieges mit Russland, könnte leicht zu einer Belastung für den Westen werden. Stellen Sie sich stattdessen vor, dass Polen und die Ukraine nach dem Ende des Krieges einen gemeinsamen föderalen oder konföderalen Staat bilden, ihre Außen- und Verteidigungspolitik zusammenlegen und die Ukraine fast sofort in die EU und die NATO aufnehmen. Die polnisch-ukrainische Union würde das zweitgrößte Land in der EU und wohl auch ihre größte Militärmacht werden und ein mehr als angemessenes Gegengewicht zum deutsch-französischen Tandem bilden – etwas, das der EU nach dem Brexit schmerzlich fehlt. Für die Vereinigten Staaten und Westeuropa wäre die Union eine dauerhafte Möglichkeit, die Ostflanke Europas vor einer russischen Aggression zu schützen. (…) Hier kommt die Führungsrolle der USA ins Spiel. Angesichts der Investitionen, die bereits in den Erfolg der Ukraine auf dem Schlachtfeld geflossen sind und die die westeuropäischen Beiträge bei weitem übersteigen, haben die Amerikaner ein großes Interesse daran, die Ukraine zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. (…) Die Zukunft der Ukraine ist zu wichtig, als dass sie in den Händen von Brüssel, Paris und Berlin liegen sollte.“ (Anmerkung Stefan Korinth: Dieser Traum aus der Washingtoner Think-Tank-Szene, der sicher auch von polnischen, ukrainischen und baltischen Elitefraktionen geteilt wird, wäre ein Rezept für die endgültige Umfunktionierung Deutschlands und Frankreichs zu US-Vasallen und eine Zeitbombe für den Dritten Weltkrieg.)

Berliner Zeitung: Emmanuel Macron sucht "größere Rolle“ Chinas für Frieden in Ukraine – Trotz des Krieges in der Ukraine steht China an der Seite Russlands. Können Macron und von der Leyen in Peking auf Xi Jinping einwirken, seinen Einfluss zu nutzen? – Auszug: "In der Diskussion über den Ukraine-Konflikt wolle er versuchen, ′China hinsichtlich einer gemeinsamen Verantwortung für Frieden und Stabilität einzubinden‵, sagte Macron in einer Rede am Vorabend in der US-Botschaft. Er verwies auf die engen Beziehungen zwischen China und Russland. China habe die Einhaltung der UN-Charta bekräftigt, wozu auch territoriale Integrität und Souveränität einzelner Länder gehörten. ′Diese zu verteidigen, bedeutet, auch zusammen voranzugehen und zu versuchen, einen Pfad zum Frieden zu finden.‵ Macron verwies auch auf das im Februar vorgelegte chinesische Positionspapier zum Ukraine-Konflikt: ′Stimmen wir damit in Gänze überein? Nein, aber es ist interessant‵, sagte Macron. ′Es zeigt seine Bereitschaft, sich darauf einzulassen, den Konflikt zu lösen.‵ (…) Macron sprach sich gegen eine Abkopplung von China aus. Sicher gebe es eine Rivalität mit der Europäischen Union, aber beide Seiten müssten in wichtigen internationalen Fragen zusammenarbeiten. Ähnlich äußerte sich EU-Kommissionspräsidentin von der Leyen: ′Ich glaube, es ist weder umsetzbar noch im Interesse Europas, sich von China abzukoppeln. Unsere Beziehungen sind nicht entweder schwarz oder weiß – und auch unsere Antwort kann es nicht sein. Deshalb müssen wir uns auf die Risikominderung anstatt Entkopplung konzentrieren.‵“

BR: "Symbolträchtig": Letzte Corona-Regeln in Deutschland enden – Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen, 3G, 2G, Test- und Maskenpflichten: Mehr als drei Jahre lang galten in Deutschland stetig wechselnde Corona-Maßnahmen – teils ein Regel-Wirrwarr. Pünktlich zu Ostern enden nun die letzten staatlichen Vorgaben. – Auszug: "Ja, Deutschland verabschiedet sich später als manch anderes europäisches Land von seinen letzten Maßnahmen. Dennoch: All jene, die noch vor wenigen Monaten spekuliert hatten, die Politik werde in Deutschland nie mehr eine ′völlige Freiheit‵ wie vor Corona zulassen, werden eines Besseren belehrt. Der Karsamstag 2023 geht einher mit der Rückkehr zur kompletten Normalität. ′Die massiven Eingriffe in die Grundrechte waren die Ausnahme in der Pandemie‵, sagte Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) der ′Welt am Sonntag‵: ′Freiheit ist nun wieder die Regel.‵ Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek (CSU) betonte auf BR24-Anfrage: ′Zum ersten Mal seit mehr als drei Jahren gelten dann keinerlei allgemein verpflichtende Schutzmaßnahmen mehr, weder nach Landesrecht noch nach Bundesrecht. Ein symbolträchtiger Schritt gerade zu Ostern.‵ Es seien herausfordernde drei Jahre gewesen. ′Aber wir haben sie gemeistert – auf diesen Kraftakt der Solidarität können wir alle stolz sein.‵ (...) Minister Holetschek sieht der Freistaat auf einem guten Weg. ′Wir ziehen auch unsere Lehren aus den drei Pandemie-Jahren und haben schon jetzt vieles umgesetzt. Wir haben ein effizientes Monitoring aufgebaut, das uns auch bei künftigen Infektionsgeschehen helfen kann‵, erläutert der CSU-Politiker. Es seien Hygiene- und Schutzkonzepte für vulnerable Gruppen entwickelt worden, auf die bei Bedarf schnell wieder zurückgriffen werden könne. Bayern habe ein Pandemiezentrallager eingerichtet und viel gelernt über Beschaffung und Bevorratung von Medizinprodukten und Schutzausrüstung. ′Ich sehe uns gut gerüstet, falls eine neue Pandemie kommen sollte.‵“

Overton Magazin: Wie die Ukraine die Krim von der Besatzung befreien oder säubern will – Auszug: „Die Ausführungen betreffen nicht die Eroberung der Krim, sondern die Vorstellung, wie die ukrainischen Reconquista nach Erfolg mit der Bevölkerung verfahren soll, die nicht in die Ukraine abgewandert, sondern auf der Krim verblieben ist. Beeindruckend ist schon die humanitäre Einstellung, dass die prorussischen Krimbewohner als ‚Moskauer Müll‘ bezeichnet werden, die entsprechend entsorgt werden müssen. So soll jeder, was zur Freude über die ‚Befreier‘ beitragen wird, davon abgehalten werden, ‚auch nur in die Richtung Moskaus zu blicken oder den Mund aufzumachen, ohne sorgfältig nachzudenken, wenn er sich zu irgendetwas äußert, das mit der Ukraine zu tun hat‘. Nach dem Anspruch der Ukraine, dass die Krim zu ihr gehöre, ist dies eine Bedrohung der ukrainischen Bevölkerung der Krim, sofern sie den ‚Befreiern‘ nicht gehorcht und sich diesen unterwirft. (…) Man muss sich fragen, ob die westlichen Unterstützerstaaten der Ukraine nicht zur Kenntnis nehmen wollen, was die ukrainische Führung ausbrütet. Das Programm des NSDC würde, sollte die Ukraine tatsächlich die Krim zurückerobern können, die Grundlage dafür bilden, dass die Krim Unruhe- und Kriegsgebiet bleiben würde. Es würde sich die Position von Kiew 2014 wiederholen, nicht mit den revoltierenden ukrainischen Bürgern des Anti-Maidan zu verhandeln und ihnen eine gewisse Autonomie zuzugestehen, wie das in den Minsker Abkommen vorgesehen war, sondern sie als Terroristen oder jetzt Kollaborateure zu bekämpfen, einzusperren und auszurotten. Das ‚Programm‘ fördert keine Verständigung, sondern die Eskalation.“

CounterPunch: War Crimes, Theirs and Ours (Kriegsverbrechen, ihre und unsere) – Auszug (übersetzt): "Washingtons eindeutig illegaler Irak-Krieg verstieß nicht gegen eine amorphe ′regelbasierte Ordnung‵. Er verstieß gegen seit langem etablierte und spezifische Grundsätze des Völkerrechts. Die Verstöße des Krieges gegen das geltende Völkerrecht waren weithin bekannt und wurden diskutiert, aber von offiziellen Stellen und den Mainstream-Medien weitgehend ignoriert, und die Rechenschaftspflicht der USA für Kriegsverbrechen stand nie zur Debatte. Kein US-Beamter wurde für seine Verbrechen zur Rechenschaft gezogen, keine US-Reparationen für die massiven Zerstörungen, die der Krieg im Irak und bei den Irakern angerichtet hat, wurden angeboten, und es wurde keine Entschuldigung ausgesprochen. Bei diesem Vergleich handelt es sich nicht um einen ′What-about-ism‵, der darauf abzielt, Russland zu schützen. Es besteht kaum ein Zweifel daran, dass Russland in der Ukraine Kriegsverbrechen begangen hat, und für diese Verbrechen sollte Rechenschaft abgelegt werden. Es ist auch zweifellos wahr, dass autoritäre und aggressive Führer auf der ganzen Welt die Straffreiheit, die George W. Bush, Dick Cheney, Donald Rumsfeld und andere, die für die US-Kriegsverbrechen im Irak verantwortlich waren, genossen haben, als grünes Licht für ihre eigenen Verbrechen nutzten. Wären die US-Kriegsverbrecher ernsthaft zur Rechenschaft gezogen worden, hätten wahrscheinlich einige der anderen militaristischen Machthaber in der Welt, vielleicht auch Wladimir Putin, von einigen ihrer illegalen Aktionen Abstand genommen.“