Empfehlungen November 2022

Clemens Heni: Der Elefant im Konferenzzimmer: Die Früchte der Lockdown-Politik: massive Übersterblichkeit im Jahr 2022 – Auszug: „Der englische Mediziner und Sozialwissenschaftler Dr. John Campbell beschäftigt sich faktenbasiert mit der Corona-Pandemie. Er schaut sich häufig die offiziellen Zahlen der Infizierten, Hospitalisierten und Toten an und hat lange Zeit vor den Folgen der Lockdownpolitik gewarnt. (…) Was Campbell nun so stutzig macht ist das Schweigen der Medien zu der großen Zahl von Toten in England, die nicht ‚mit‘ oder ‚an‘ Covid-19 starben, sondern aus anderen Gründen. Herzerkrankungen oder Todesfälle von an sich völlig gesunden Menschen, die plötzlich im Alter von 49, 57 oder 35 an einem Herzinfarkt sterben, nahmen in England im Jahr 2022 enorm zu. (…) Professor Amitava Banerjee sieht keinerlei Erkenntnis bei dem nationalen Gesundheitssystem NHS (National Health Service), sie würden das massive Problem der Nicht-Covid-Übersterblichkeit einfach verschweigen oder herunterspielen. Exakt das gleiche passiert ja in Deutschland. (…) Der Vergleichsmaßstab ist viel besser, da in England bzw. UK die fünf Jahre vor der Pandemie, also 2015 bis 2019 als Vergleichsmaßstab herangezogen werden, die deutschen Zahlen nehmen als Vergleichsmaßstab für 2022 die Jahre 2018 bis 2021, was nicht überzeugt, weil da ja bereits die Pandemie-Übersterblichkeitszahlen inkludiert sind. Und fast nur aus Atemwegserkrankungen und die Grippe abzuheben, wie es die von der Tagesschau und ihrem ‚Faktenfinder‘ ausgewählten Experten tun, wird eben durch die sehr genaue Darstellung der Todesursachen aus England widerlegt. (…) Aber an der Evidenz war die deutsche Coronapolitik und Coronaberichterstattung zu keinem Zeitpunkt interessiert.“

Reitschuster: Hat Christian Drosten einen Meineid geleistet? – Auszug: „Besonders brisant ist dabei eine von Drosten verfasste E-Mail, die am 9. Februar 2020 an die Teilnehmer der besagten Telefonkonferenz (…) verschickt wurde. Darin heißt es unter anderem: ‚Kann mir jemand bei einer Frage weiterhelfen: Sind wir nicht zusammengekommen, um eine bestimmte Theorie anzugreifen und, falls wir es können, zu widerlegen? … Arbeiten wir an der Entlarvung unserer eigenen Verschwörungstheorie?‘ (…) Die beiden Virologen Kristian Andersen und Edward Holmes wiesen im Laufe der Telefonkonferenz am 1. Februar 2020 darauf hin, dass SARS-CoV-2 ‚Anzeichen eines künstlichen Ursprungs‘ aufweise. Dieser Hinweis sei mit ‚Spott in der Telefonleitung‘ quittiert worden, wie Jeremy Farrar in seinen Memoiren schreibt. Farrar hatte die Telefonkonferenz auf Bitten von Anthony Fauci initiiert. Weiter ist der Biografie zu entnehmen, dass Fouchier, Koopmans und Drosten ‚aus guten Gründen nicht ertragen konnten‘, dass es sich bei SARS-CoV-2 um das Resultat eines Laborunfalls handeln könnte. (…) Zu den weiteren Teilnehmern dieser Telefonkonferenz gehörte unter anderem auch Francis Collins. Der damalige Direktor der National Institutes of Health äußerte in einer E-Mail, dass Fouchier und Drosten ihre Argumente gegen einen Laborursprung ‚mit mehr Eindringlichkeit als nötig‘ vorgebracht hätten. (…) Prof. Dr. Roland Wiesendanger kommentierte die neuesten Enthüllungen so: ‚Die ganze Welt weiß nun, dass Herr Drosten eine zentrale Rolle bei dieser größten Vertuschungsaktion der jüngsten Menschheitsgeschichte gespielt hat.‘“

Norbert Häring: Chat-Verlauf von AP-Reportern vor Russenraketen-Falschmeldung wirft brisante Fragen auf – Auszug: „Innerhalb von neun Minuten wurde entschieden, unter Missachtung der nach außen von AP betonten Regeln, eine Meldung mit erkennbar extrem hoher Relevanz auf Basis nur einer anonymen Quelle zu senden, die offenbar von sich aus, einen AP-Reporter angerufen hatte. Und die einzige Konsequenz, die die Nachrichtenagentur daraus zieht, ist den Reporter auf der untersten Ebene zu feuern, der lediglich – offenbar korrekt – weitergegeben hat, was eine Geheimdienstquelle ihm gesagt hat. Diejenigen über ihm, die die Entscheidung getroffen haben, die Regeln von AP nicht anzuwenden, bis hinauf zur stellvertretenden Nachrichtenchefin Europa, blieben unbehelligt. (…) ‚Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein US-Geheimdienstler da falsch liegt.‘, schreibt die AP-Redakteurin in Chat und macht damit deutlich, wie wenig in den Redaktionsstuben die alte Binsenweisheit angekommen ist, dass im Krieg die Wahrheit immer das erste Opfer ist, trotz spektakulärer Kriegslügen, wie der irakischen Massenvernichtungswaffen und der Babys, die aus kuwaitischen Brutkästen gerissen worden seien. Sie verlassen sich wahrscheinlich darauf, dass Quellen ihre Glaubwürdigkeit bewahren wollen. Das funktioniert vielleicht bei Unternehmensvorständen ganz leidlich. Doch was schert einen Geheimdienstoffizier schon seine Glaubwürdigkeit. Man ist ja anonym. Ist die Glaubwürdigkeit gegenüber einem Medium verbraucht, platziert er, sie oder ein Kollege die nächste Nachricht einfach über ein anderes Medium.“

Telepolis: "Für mich hat der Krieg in den Köpfen spätestens 2008 und erst recht 2014 begonnen" (Interview mit Antje Vollmer) – Auszug: „Es gibt längst einen drohenden Schatten eines sehr großen anderen Elefanten im Raum. Das ist die kommende Auseinandersetzung mit China. Das einzig Sinnvolle an unserer jetzigen Konfrontation ist doch, dass wir eine ehrliche Bilanz ziehen: Hat uns die Methode der Konfrontation mit dem immer autoritärer werdenden Russland im letzten Jahrzehnt genutzt oder geschadet? Haben uns die einmalig harten Wirtschafts-Sanktionen dem erwünschten Ziel nähergebracht? Und wenn sie uns im Gegenteil eher geschadet haben, sollten wir diese Art der Konfrontation auf die ganze Welt übertragen? Also auch auf die große kommende Auseinandersetzung mit China? Die Frage muss man nüchtern und ohne Selbstbetrug beantworten. (…) Das alles trägt Züge eines heftigen Generationenkonfliktes, das ist klar. Die heute Verantwortlichen wissen wenig von dem damaligen Zusammenschluss der Basisbewegung in Ost und West, von der Idee der Blocküberwindung anhand von Ökologie – und Friedensfrage. (…) Jetzt wird uns ja dauernd gesagt, die Welt habe sich vollkommen verändert. Ich glaube aber eher, unsere Position zur Welt hat sich verändert. Und da spielen die Leitmedien – alle im gleichen Alter wie die Grünen – eine zentrale Rolle. In den Talkshows und Rundfunk-Interviews ist es eine Gruppe, die gar nicht so sehr bekannt ist, aber großen Einfluss hat: eine anwachsende Menge von politischen Thinktanks und sogenannten Militär-Experten, die übrigens immer jünger und immer weiblicher zu werden scheinen. (…) Jetzt hilft nur noch die Weisheit des westfälischen Friedens. Die aber heißt: Wir fangen an, unsere gegenseitigen Sicherheitsbedürfnisse ernst zu nehmen. Wir akzeptieren unsere Unterschiede. Wir regeln mit Verhandlungen, was wir zu regeln vermögen. Den Rest muss eine höhere Macht oder die zukünftige Generation bewältigen. Erst einmal müssen die Waffen schweigen.“

Novo Argumente: Der fremde Stamm. Eine ARD-Doku geht der Frage nach, welche Haltungen zu Russland und dem Ukrainekrieg in Ostdeutschland verbreitet sind. Dabei zeigt das öffentlich-rechtliche Fernsehen einen herablassenden Gestus – Auszug: „Der Umstand, dass Reporterin Jessy Wellmer selbst aus ‚dem Osten‘ stammt, ändert an ihrer quasi-ethnologischen Haltung ihren Landsleuten gegenüber nichts; sie wirkt vielmehr wie eine Konvertitin, die sich, um die Reste ihres alten Glaubens abzuschütteln, besonders ‚westdeutsch‘ gibt. (…) ‚Die Ostdeutschen‘ – dieser pauschalisierte Ausdruck fällt mehrmals in dem Film –, sind der fremde Stamm, über den sich der Forscher mit seinen gediegen-elitären Wissensbeständen hermacht. (…) Die ARD hat damit das zwielichtige Kunststück vollbracht, genau das zu reproduzieren, was man mit dem Film zu überwinden trachtete. Nämlich die angeblichen Gräben zwischen Ost und West. (…) Auch wenn [Sportjournalistin] Wellmer verspricht, nicht bewerten zu wollen, so liegt ihrer ganzen Reise doch ihre Bewertung des Ukraine-Krieges bereits zugrunde. (…) Gegenüber Ostdeutschland reproduziert die Reportage damit (...) eine Haltung, die den ganz selbstverständlichen Ausschluss bestimmter politischer Positionen offenbar für ein Qualitätsmerkmal professioneller Berichterstattung hält. (…) Man kann deshalb nur erstaunt sein, dass sich viele Verantwortliche im öffentlich-rechtlichen Fernsehen so sehr darüber wundern, wie viele Menschen insbesondere im Osten Deutschlands ablehnend reagieren, wenn ein Kamerateam dieser Sender auf sie zusteuert. Denn durch derartige mediale Dar- und Bloßstellungen werden Ohnmachtsgefühle verstärkt, die wie kaum eine zweite Emotion Gift für die Demokratie sind.“

Rubikon: Spaltpilz Twitter (Michael Meyen) – Auszug: „Reichweite und Aufmerksamkeit bekommen nur Tweets, die klar sagen, wo ihr Absender steht. Das liebe ich, das hasse ich. (...) Twitter sieht jedes Thema und jede Person durch die Brille der Moral. Es geht immer um mich, um die Gruppe, zu der ich gehören will, oder um die, die ich aus vollem Herzen ablehne. (…) In atemberaubend kurzer Zeit hat es die Plattform geschafft, die Welt nach ihrem Bilde zu formen. Möglich war dies, weil Twitter kein Massenphänomen ist. Hier treffen sich die, die tatsächlich etwas mitzuteilen haben, mit denen, die berufsmäßig auf der Jagd nach Neuigkeiten sind. Twitter ist der Kanal von Parteien, Behörden und Unternehmen, von Politikern, Wissenschaftlern und vor allem von Journalisten. (…) Wer heute Journalist werden möchte, lernt spätestens im Volontariat, dass nichts über eine gepflegte Marke auf Twitter geht. (…) Twitter ist die Wurzel für eine Politik und für einen Journalismus, die sich vor allem an ‚Sprache und Symbolik‘ aufhängen und an irgendwelchen Zugehörigkeiten. Abgeordnetenbüros und Redaktionen füttern sich dabei gegenseitig. Die einen liefern pointierte Kommentare, und die anderen müssen nicht mehr ewig umher telefonieren, um endlich ein Statement zu haben. Die 280-Zeichen-Grenze ist für beide Seiten perfekt. (…) Parallel sind alle Themen von der großen Bühne verschwunden, die auf Twitter keine Chance hätten. Das heißt: alles, was die vier Prozent nicht interessiert, und alles, was sich nicht dafür eignet, die ‚eigene Moral-Marke öffentlich zu schärfen’.“

Oskar Lafontaine: Gedanken zum Krieg (Auszug aus seinem neuen Buch) – „Bereits in der Schule lernten wir, wie wir zum Krieg eingestellt sein sollten. Da hieß es mit den Worten des Dichters Horaz: ‚Dulce et decorum est pro patria mori.‘ – ‚Süß und ehrenvoll ist es, für das Vaterland zu sterben.‘ Wir sollten darüber einen Aufsatz schreiben. Als ich aufgefordert war, dazu Stellung zu nehmen, erinnerte ich mich an die Geschichte meiner Familie: Mein Onkel, dessen Vornamen mir meine Eltern gaben, ist 1941 200 Kilometer vor Moskau gefallen; mein Vater ist im April 1945, kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges, von einem US-Soldaten erschossen worden, als er auf dem Weg zu seiner Familie war. Bei dieser Familiengeschichte war es mir schon als Schüler nicht möglich, diese These des Horaz anzunehmen, dass es süß und ehrenvoll sei für das Vaterland zu sterben. (…) Bei dem Nachdenken über den Krieg stellt sich früher oder später die Systemfrage (…) Ich selbst beantworte die Frage so, dass wir in der Welt mehr und mehr Systeme des Oligarchen-Kapitalismus haben, also Staaten, in denen eine Minderheit große Vermögen anhäuft und die Politik in zunehmendem Maße prägt. Dieser Oligarchen-Kapitalismus führt notwendigerweise zum Krieg. (…) Ich bin dafür, dass wir Kriegsverbrecher vor den Internationalen Strafgerichtshof bringen – aber dann bitte alle! Alle, die in der Politik für völkerrechtswidrige Kriege Verantwortung tragen! Sonst werden wir auf dieser Welt keinen Frieden finden.“

Frankfurter Allgemeine: Ukraine und der Westen: Kein Dissens soll sichtbar werden – Auszug: „Laut einer Recherche der polnischen Zeitung ‚Gazeta Wyborcza‘ war der polnischen Regierung schon sehr früh am Dienstagabend bekannt, dass es eine Rakete der ukrainischen Luftabwehr war, die in Przewodów eingeschlagen ist. Eine entsprechende Information habe sie von einem über Polen fliegenden AWACS-Radarflugzeug erhalten, das den Vorgang registriert habe. Unter Berufung auf Teilnehmer der Sitzung des polnischen Sicherheitskabinetts am Dienstagabend schreibt die Zeitung, in der Runde habe Konsternation geherrscht, man habe nicht gewusst, wie man das der Öffentlichkeit kommunizieren solle. So habe man beschlossen, auf das Weiße Haus zu warten. Doch der amerikanische Präsident Joe Biden, der auf Bali zum G-20-Gipfel war, habe zu dieser Zeit noch geschlafen. Biden war es dann, der – während in Europa Nacht war – auf Bali mitteilte, die Flugbahn der Rakete zeige, dass sie nicht von den Russen abgeschossen worden sei. (…) Laut eines Berichts des amerikanischen Senders CNN hat Joe Bidens Sicherheitsberater Jake Sullivan noch am Dienstagabend den ukrainischen Präsidenten Selenskyj angerufen, nachdem dieser in seiner abendlichen Videoansprache davon gesprochen hatte, russische Raketen hätten Polen angegriffen – das sei eine Eskalation, auf die es eine entschiedene Antwort geben müsse. Sullivan soll Selenskyj zu einer vorsichtigeren Rhetorik aufgefordert haben. (…) Was tatsächlich geschehen ist, beschreibt die polnische Zeitung unter Berufung auf Quellen in der polnischen Regierung so: Eine der etwa hundert Lenkraketen, die Russland am Dienstag auf die Ukraine abgefeuert hatte, hat das Kohlekraftwerk Dobrotwirska bei Lemberg in der Westukraine zum Ziel gehabt. Um sie abzufangen, hat demnach eine ukrainische Militäreinheit bei Lemberg zwei oder drei Luftabwehrraketen des Typs S-300 aus sowjetischer Zeit abgefeuert. Eine davon hat die russische Rakete in einem Gebiet zwischen Lemberg und der polnischen Grenze getroffen, eine andere hat ihr Ziel verfehlt. Statt sich danach selbst zu zerstören, sei sie – so die Zeitung – in Przewodów niedergegangen.“

Frankfurter Allgemeine: STIKO-Empfehlung: Corona-Impfung nur für Kleinkinder mit Vorerkrankungen – Auszug: „Die Corona-Impfstoffe (…) haben erst vor wenigen Wochen die europaweite Zulassung für Säuglinge und Kleinkinder erhalten. (…) Beide Mittel [Biontech und Moderna] basieren auf den ursprünglichen Impfstoffen gegen den Wildtyp des Virus und nicht auf den bereits an die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 angepassten Präparaten, die seit September für Erwachsene als Auffrischimpfung verfügbar sind. (…) ‚Wir haben Vertrauen in diese Impfstoffe, aber die Datenlage ist begrenzt‘, sagt Kinderarzt und STIKO-Mitglied Martin Terhardt. (…) ‚Wir wissen über das Risiko noch nicht schrecklich viel.‘ Deswegen habe sich die Impfkommission entschlossen, die Impfung zunächst nur für Risikogruppen zu empfehlen – die Möglichkeit, die Empfehlung später auf alle Kinder auszuweiten, besteht weiterhin. Auch bei fehlender Empfehlung sei es Eltern aber möglich, ihr gesundes Kleinkind gegen Corona impfen zu lassen. ‚Für Ärzte gibt es keinen juristischen Grund, es nicht zu machen‘, sagt Terhardt. Dafür sei die europäische Zulassung der Impfstoffe maßgeblich. (…) ‚Die Impfquoten bei Kindern haben wir uns anders vorgestellt und gewünscht‘, sagt Terhardt. Nach Angaben des Robert-Koch-Instituts sind 22,4 Prozent der Kinder im Alter von fünf bis elf Jahren mindestens einmal gegen Corona geimpft, knapp 20 Prozent haben mindestens zwei Impfungen erhalten.“

Berliner Zeitung: Eine Antwort auf: „War dies möglich, so ist alles möglich“ – Zeigt der deutsche Staat „Züge eines korrupten Parteienkartellstaats“? Eine Replik des Chefredakteurs der Berliner Zeitung [auf einen Text von Michael Andrick, den Multipolar am 15.11. verlinkt hatte] – Auszug: „Während Andrick in der Pandemie all diese Sorgen entwickelte, trieb mich die Todesangst um. (…) Eine Krise, in der die Faktenlage dünn war, in der die Regierung spekulieren, mutmaßen, manchmal vom Schlimmsten ausgehen musste. (…) Die Pandemie hat gezeigt, dass es besondere Krisen gibt, in denen Politiker einfach keine allgemein richtigen Entscheidungen treffen und die Rechte jedes Einzelnen verteidigen können. (…) Für den Schutz meiner Familie danke ich der Bundesregierung.“ (Anmerkung Stefan Korinth: In seiner Replik erklärt der Chefredakteur, dass die Mehrzahl der repressiven und zerstörerischen Corona-Maßnahmen der Regierung gerechtfertigt waren, nur weil er Angst hatte bzw. sich erfolgreich Angst machen ließ. Diese Haltung, die man als „krass egoistisch“ bezeichnen kann, beschreibt er mit dem Begriff „solidarisch“. Dreist ist der Beitrag vor allem, weil der ehemalige Zeit-Redakteur durchgängig so argumentiert, als wäre er auf dem Kenntnisstand vom März 2020 hängen geblieben. Ein Journalist, der die vergangenen zweieinhalb Jahre nicht im Koma gelegen hat, kann im November 2022 aber nicht mehr ernsthaft so tun, als hätte es all die Diskriminierungen, Ausgrenzungen, statistischen Manipulationen, falschen Politikerbehauptungen, medizinisch-wissenschaftlichen Versäumnisse und Hasskampagnen gegen Kritiker nicht gegeben. In Folge der Maßnahmen starben zahlreiche Alte den Tod durch Einsamkeit, Jugendliche den Tod durch Suizid und mRNA-Behandelte den Tod durch Impfschäden. Man kann heute nicht so tun, als hätte es Jagden auf Spaziergänger, maskenlose Rodler oder Kindergeburtstage nie gegeben. Als hätten die Verantwortlichen der Maßnahmen damit nicht Menschen zur Berufsaufgabe, zur Auswanderung und zu experimentellen Gentherapien genötigt. Als hätte es keine Demonstrationsverbote, Hausdurchsuchungen und Ausgangssperren gegeben. Zur Antwort auf die scheinheilige Frage: „Wie konnte es nur so weit kommen?“ sei dem Chefredakteur das aktuelle Buch von Marcus Klöckner und Jens Wernicke empfohlen. Zur Aufarbeitung gehört ein Mindestmaß an Ehrlichkeit.)

Rubikon: Nackte Wahrheit – Auszug: „Beim Zappen durch das Fernsehprogramm, landete ich bei der ARD: Dort gaben sie „Des Kaisers neue Kleider“. Vor etwa zehn Jahren haben die Öffentlich-Rechtlichen allerlei Märchen neu aufgelegt. (…) Jedenfalls landete ich in der Schlussszene, Matthias Brandt als Kaiser lief in Unterhosen über den Schlossvorplatz. Ein Junge schreit, dass der Souverän nackt sei. (...) Der Kaiser stellt seine Bediensteten zur Rede, beschimpft sie als „Speichellecker“ und „Ja-Sager“. Dann lacht auch er. Mit ihm das versammelte Volk, der ganze Vorplatz — vermutlich das gesamte Kaiserreich. (…) Bei Hans Christian Andersen endet die Geschichte [jedoch] ein wenig anders: Der Kaiser lacht nämlich nicht. Ganz und gar nicht sogar. Bei Andersen zeigt zuletzt das ganze Volk auf den kaiserlichen Nudisten. „Das ergriff den Kaiser“, so endet sein Märchen, „denn es schien ihm, sie hätten recht; aber er dachte bei sich: Nun muss ich die Prozession aushalten. Und die Kammerherren gingen noch straffer und trugen die Schleppe, die gar nicht da war.“ (…) Es sagt viel über den Bildungsauftrag der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten aus, dass sie die komplette Aussagekraft eines solchen Märchens aufheben und ad absurdum führen, indem sie daraus eine finale Lachnummer machen. (…) Das Drehbuch dieser modifizierten Geschichte will aussagen: Monarchen sind einsichtig, sie können Fehler einräumen und hören auf ihr Volk. Schön wäre es ja. Heute wissen wir besser denn je, dass Andersen das Wesen der Macht realistisch erfasst hat. Und „das Erste“ erwies sich – schon im Jahr 2010 – als Märchenerzähler. Als Sendeanstalt, die das Wesen der Macht aufhübscht.“

11. November 2022

Cicero: Deutschlands Bild von China – Das Ende der Realpolitik (Ole Döring) – Auszug: „Statt stiller Diplomatie bestaunen wir die lautstarke Abschaffung der Realpolitik im Namen exklusiver Werte-Postulate. Können wir, ja wollen wir es uns leisten, China als starken und wichtigen Partner zu verprellen? (…) [In China] ist man verärgert über das Versagen der russischen Führung, den eigenen Zuständigkeitsbereich in Ordnung zu bringen, um Kraft für die übergeordneten Ziele zu haben. Die werden im historischen Zusammenhang verstanden und erfordern einen entsprechend langen Atem. (…) Einen Krieg außerhalb seiner unmittelbaren territorialen Grenzgebiete hat China niemals geführt. Seine Monroe-Doktrin ist Jahrtausende älter und subtiler als die uns geläufige. China verteidigt seine Interessen auch am Hindukusch, aber konsequent mit diplomatischem und wirtschaftlichem Vorgehen. Bomben, Auftragsmorde und Putsche zerstören Vertrauen, Infrastruktur und die wertschöpfende Resilienz jeder Gesellschaft, sie vernichten Ressourcen anstatt deren Einsatz klug für die Wertschöpfung zu steuern. China ist kulturell sehr gut darauf eingestellt, insbesondere international tolerant zu sein. (…) Deutschland erscheint zur Zeit, aus China betrachtet, auch dem Deutschen als ein fremder Planet, einst von einer hochstehenden Zivilisation bevölkert und plötzlich von allen guten Geistern verlassen, mit verfallenden Infrastrukturen und geistig verödend. Alles Gute für den Neuanfang!“

Overton-Magazin: Soziologie der Weltfremdheit? (Rezension zu Caroline Amlinger/Oliver Nachtwey: „Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus“) – Auszug: „Wer ein Buch lesen möchte, dessen Autoren – bei milder Auslegung – fast drei Jahre unter einem Stein geschlafen haben, der möge bitte zugreifen. Denn die zwei Soziologen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey machen es sich in ihrem Wälzer zur Aufgabe, jegliche Kritik daran, was von staatlicher, medialer und lobbyistischer Seite mit unseren Gesellschaften, ja, mit der Welt seit 2020 passiert ist, als völliges Phantasma, als reine Wahnvorstellung abzutun. Ihre Prämisse scheint von Anfang an zu sein: Alles ist gut so gelaufen, wie es gelaufen ist. (…) Phänomene, die man in den letzten Jahren ganz einfach beobachten konnte, werden erst gar nicht thematisiert, schon gar nicht untersucht und erst recht nicht kritisch betrachtet. (…) [Das Buch ist] ein Sammelsurium verkleideter Stehsätze und Kampfbegriffe, die bereits zu Beginn der Pandemie in Dauerschleife skandiert, soziologisch von Amlinger und Nachtwey aber offenbar überhaupt nicht reflektiert wurden. (…) Auch Aspekte, die kritische Menschen ganz einfach skeptisch machen müssen, werden von Amlinger und Nachtwey ignoriert. Dies bedeutet, dass überhaupt nicht überprüft wird, ob der Grund für Protest gerechtfertigt ist. (…) Was die Autoren von ‚Gekränkte Freiheit‘ offenkundig nicht verstehen, und das ist angesichts der Tatsache, dass sie Soziologen sind, umso frappierender, dass nun in Deutschland (und auch in Österreich) Prozesse endgültig ihre Klimax erreicht haben, die etwa in Frankreich schon seit vielen Jahren diskutiert werden: die Entfremdung der Menschen, vielfach vor allem benachteiligter Personengruppen, von den ‚linken‘ Parteien, der Verlust einer politischen Heimat und die potenzielle Vereinnahmung dieses Unmutes vonseiten rechter oder rechtspopulistischen Parteien. (…) Was in ihrem Buch in fulminant karnevalsker Umkehr betrieben wird, ist jedoch, dass man versucht, den autoritären Typus, wie man ihn bei Adorno nachlesen kann, ad acta zu legen, um einen neuen, paradoxen Typus des Autoritären zu entwickeln. Verschleiert wird damit, dass der ‚alte‘ autoritäre Charakter perfekt auf Intellektuelle wie Nachtwey und Amlinger passt, die sich als solidarische Regelbefolger und wissenschaftstreue Vernunftwesen gerieren, stets nur das Gute wollen und die Pflicht zum Gehorsam herbeischreiben. (…) Die Corona-Krise war jedenfalls ein Lackmustest, ob man das erlernte akademische Wissen, die entsprechenden soziologischen Analysen und Theorien auch im entscheidenden Moment anwenden kann. Bei allem braven Herunterrattern der Soziologie-Klassiker: Amlinger und Nachtwey haben diesen Test nicht bestanden.“

Nachdenkseiten: Die USA haben den Gaskrieg gegen Russland gewonnen – Auszug: „Nachdem die USA ihre LNG-Lieferungen nach Europa sukzessive durch politische Maßnahmen (z.B. Boykott russischer Importe durch Polen und das Baltikum) ausbauen konnten, konzentrierte man sich vor allem auf das größte Stück der europäischen Torte, auf Deutschland. Nur so kann man die fortwährende Einflussnahme auf die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 verstehen. Deutschland mit seinem Gasbedarf von rund 100 Milliarden Kubikmeter Gas ist für die US-Energiekonzerne als Absatzmarkt von zentraler Bedeutung. (…) Erst die Sprengung der Nord Stream Pipelines hat letztlich den Weg geebnet, die EU und insbesondere Deutschland langfristig als Kunden für die amerikanischen Erdgas-Überschüsse zu gewinnen und den Gaspreis auch langfristig auf einem profitablen Niveau zu halten. Dass der US-Regierung die damit verbundene Abhängigkeit ihrer europäischen ‚Partner‘ sehr gut ins globalstrategische Konzept passt, ist ein weiterer Faktor, der ins Bild passt. (…) Die EU und mit ihr Deutschland ist auf dem besten Weg von der Abhängigkeit russischen Gases in die Abhängigkeit US-amerikanischen LNGs zu schlittern. (…) Deutschland zahlte für das russische Gas in der Zeit vor der Energiekrise rund 11,9 Milliarden Euro pro Jahr. Setzt man für diese Menge den von der EU genannten langfristigen Importpreis für US-LNG an, kommt man auf 30 Milliarden Euro – also fast auf das Dreifache. Setzt man den real in diesem Sommer nach Angaben des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gezahlten Importpreis an, kommt man sogar auf 54 Milliarden Euro – also fast das Fünffache.“

Telepolis: Hauptdarsteller: Neonazi. "Nichts für schwache Nerven": Der Film "Rhino" vom ukrainischen Regisseur und "Bürgerrechtler" Oleg Sentsov zeigt ein innerlich brutales, gewaltverliebtes Land und hat einen mehr als "problematischen" Hauptdarsteller – Auszug: „Für die Hauptrolle hat sich Sentsov einen Laien gewünscht: Serhii Filimonov, der Hauptdarsteller des Films, der neu ins Kino kam, ist ein rechtsextremer Influencer und kämpft derzeit im häufig als faschistisch bezeichneten Asow-Regiment. (…) Das erste postsowjetischen Jahrzehnt der 1990er-Jahre wird von Oleg Sentsov roh und ungeschönt gezeigt. Der Regisseur schildert die ukrainische Gesellschaft dieser Epoche als eine extrem gewalttätige. Das Land wird als von Mafia-Banden und Oligarchen geprägt gezeichnet. Es dominieren archaische Gewalt und ‚alttestamentarische‘ Ehrbegriffe – Menschen werden hier mit den Füßen am Boden festgenagelt, Finger und Zehen abgeschnitten, eine Frau vor ihrem Mann vergewaltigt, ein Kleinkind vor den Eltern bedroht. Die Menge der Toten in diesem Film ist nicht zu zählen. (…) Es liegt mehr als ein Hauch von Fetischisierung der Gewaltakte in der Schilderung ihrer banalen Anhäufung, eine klammheimliche Parteinahme mit dem Exzess. Insofern ist die Haltung der Macher zu ihrem Gegenstand zumindest uneindeutig. (…) Auch ohne den gegenwärtigen Krieg in der Ukraine wäre dieser Film ins deutsche Kino gekommen, denn er ist – im Gegensatz zu deutschen Gangsterfilmen – vom Medienboard Berlin-Brandenburg gefördert worden, gemeinsam mit dem ukrainischen ‚Ministerium für Kultur und Informationspolitik‘ und dem polnischen Filminstitut. Diese Förderentscheidung verwundert allein schon angesichts des Hauptdarstellers Serhii Filimonov. Ein öffentliches Gremium, das sich zu ‚Film gegen rechts‘ bekennt, finanziert den Auftritt eines rechtsradikalen Online-Influencers, der seit Jahren in der rechtsextremen Szene aktiv ist.“

Welt: Krisenprotest: Mehr als 100.000 Demonstranten in jeder Woche – „stabiler Kern extremistischer Kräfte“ – Auszug: „Mehr als 4400 Demonstrationen mit Bezug zur Corona-Politik, zum Ukraine-Krieg oder zur Klima- und Energiekrise fanden seit Anfang September in Deutschland statt. Das geht aus Zahlen der Versammlungsbehörden hervor, die WELT AM SONNTAG exklusiv ausgewertet hat. (…) Die Auswertung zeigt nun erstmals: Seit Mitte September gingen pro Woche mehr als 100.000 Menschen auf die Straße. (…) Umgerechnet auf ihre Einwohnerzahl, demonstrierten in jedem ostdeutschen Land mehr Menschen als in den westlichen. (…) Aus den Zahlen geht auch hervor, dass es bislang nicht gelungen ist, den Protest an einem Ort zu zentralisieren. Denn während die Gesamtzahl aller Demonstranten abnimmt, steigt die Anzahl der Versammlungen kontinuierlich: Waren es Anfang September noch rund 400 Demonstrationen, zählten die Behörden Mitte Oktober bereits mehr als 700.“ (Anmerkung Paul Schreyer: Der Unterschied zwischen Ost und West ist immens. Aus der Aufstellung geht hervor, dass Anfang Oktober pro eine Million Einwohner in Thüringen 75.000 Menschen demonstrierten (Platz 1) in Mecklenburg-Vorpommern 57.000 (Platz 2), in Niedersachsen aber nur 3.000, in Hessen 4.000 und in Baden-Württemberg 5.000. Dass der (aus dem Westen stammende) sächsische Innenminister Armin Schuster hier vor allem „extremistische Kräfte“ in den Mittelpunkt stellt (und die WELT das in der Überschrift platziert), soll die Proteste als Ganzes offenbar delegitimieren.)

Spiegel: Zum Umgang mit Widersprüchen: Der Krieg und die Traumwelt des Absoluten (Thomas Fischer) – Auszug: „Bekanntermaßen leben wir mit zahllosen Widersprüchen. (…) Es gibt aber eine Grenze der Integrierbarkeit von solch brutalen Widersprüchen. Sie ist erreicht, wenn die Begründungen, welche dafür geliefert werden, offenkundig unvereinbar sind, weil sie auf Figuren der Absolutheit setzen. Denn was absolut, also ohne Ausnahme und Relativierung gilt und besteht, kann nicht zugleich gegensätzliche Ergebnisse tragen: Wenn ‚unsere Werte‘ bedeuten, dass ‚das höchste Gut‘ Leben, Wohlergehen und Glück von Kindern sei, kann es schlechterdings nicht sein, dass die Schwächung eines diktatorischen Regimes den Tod von 500.000 Kindern ‚wert‘ ist. Wenn weltweit ‚Frauenrechte unverhandelbar‘ sind (Nouripour, Parteitag Grüne), können nicht massenhafte Gewalttaten gegen Frauen in Saudi-Arabien dem Jemen aufgrund von Vereinbarungen über ‚Rüstungskooperation‘ unterstützt und dies damit ‚begründet‘ werden, dass ‚Lisa‘ sonst ein paar Millionen Kita-Förderungsetat an Strack-Zimmermann abtreten müsse. Wenn Kriegsdienstverweigerung ein Menschenrecht ist, kann nicht Zwangsrekrutierung in Russland ein Verbrechen, Zwangsrekrutierung in der Ukraine belanglos und erlaubt sein. Und wenn die gezielte Zerstörung von ziviler Infrastruktur im Krieg ohne Ausnahme ein Verbrechen ist, das zur dauerhaften Ächtung der Täter und Befehlshaber und zu ihrer strafrechtlichen Verfolgung führen muss, können nicht zugleich massenhafte Verbrechen dieser Art begangen und toleriert werden, wenn sie im eigenen wirtschaftlichen oder politischen Interesse geschehen. (…) Wenn man die Absolutheitsjünger darauf hinweist, reagieren sie äußerst ungehalten, um nicht zu sagen: aggressiv bis hasserfüllt. (…) Im Alltag, im zivilen Leben, hat das Absolute keine Chance. Es entpuppt sich in aller Regel als Fanatismus, Sektiererei, ideologisches Geschwätz. ‚Unverhandelbarkeit‘, ernst genommen, ist Aufforderung zur oder Anwendung von Gewalt. (…) Man kann das Recht nicht mittels staatlichen Befehls auf die Seite des Absoluten, der Gewalt und des Kriegs ziehen, ohne es substanziell zu zerstören.“

4. November 2022

Anti-Spiegel: Putin im O-Ton über die Idee des gemeinsamen Raums von Lissabon bis Wladiwostok – Auszug: „Ist es möglich, einen gemeinsamen – humanitären, wirtschaftlichen und regionalen – Raum zu schaffen, um die Sicherheit aller zu gewährleisten, die auf diesem riesigen Megakontinent von Lissabon bis Wladiwostok leben? Natürlich. Die Hoffnung stirbt zuletzt. (…) Im Großen und Ganzen kann man sich das vorstellen. Ich denke, das wird so oder so geschehen. (…) Ich möchte (…) sagen, dass es sehr wichtig ist, dass dieser europäische Teil [Eurasiens] seine juristische Subjektivität wiedererlangen kann. Wie soll man mit diesem oder jenem Partner sprechen, wenn er nichts entscheidet und jedes Mal in Washington anrufen und fragen muss, was er tun kann und was nicht. (…) Natürlich verteidigt Europa seine Interessen, vor allem im wirtschaftlichen Bereich, aber nicht allzu sehr. Jetzt haben sie die Gaspipelines gesprengt. Das sind ja nicht unsere, es sind gesamteuropäische. An Nord Stream 1 sind fünf europäische Unternehmen beteiligt. Na und? Alle schweigen, als ob das so sein müsste. (…) Helmut Kohl hat mir einmal gesagt, die USA werden ihr eigenes Ding machen, auch in Lateinamerika, und Asien wird sich auf seine Weise mächtig entwickeln. Wenn die europäische Zivilisation ein Weltzentrum bleiben will, dann natürlich nur mit Russland. Das war die Position von Helmut Kohl. Die heutige Führung der Bundesrepublik scheint eine andere Auffassung zu vertreten. Aber das ist die Entscheidung der europäischen Länder.“

The National Interest: How Russia Sees U.S. Sanctions – (Wie Russland die US-Sanktionen sieht) – Auszug (übersetzt): „Es ist der makroökonomische Kurs der westlichen Nationen und vor allem der Vereinigten Staaten, der zur eigentlichen Ursache der meisten aktuellen Probleme geworden ist. (…) Übrigens schenken nur wenige der Tatsache Beachtung, dass die Vereinigten Staaten mit ihren destruktiven Aktionen nicht nur den Entwicklungsländern, sondern auch ihren eigenen Verbündeten, einschließlich denen in Europa, Schaden zufügen. Nachdem Washington die europäischen Hauptstädte dazu veranlasst hat, Sanktionen gegen Russland zu verhängen und ihnen damit die Möglichkeit gegeben hat, den aktiven und vor allem für beide Seiten vorteilhaften Wirtschaftsdialog mit Moskau, der im Laufe der Jahre aufgebaut wurde, kategorisch abzulehnen, hat es seinen alten Traum verwirklicht. Dieser Traum besteht darin, seine Partner in Übersee der Möglichkeit zu berauben, mit den Vereinigten Staaten zu konkurrieren. (…) Vor diesem Hintergrund gewinnt die Entdollarisierung der Weltwirtschaftsbeziehungen immer mehr an Dynamik. Die Bildung neuer internationaler Zahlungssysteme ist ein unvermeidlicher Prozess. (…) Dies schließt natürlich nicht aus, dass es wichtig ist, mit westlichen Kollegen und Wirtschaftsorganisationen zusammenzuarbeiten, die auf Washington und seine Verbündeten ausgerichtet sind, wie z.B. die Bretton-Woods-Institutionen. Wir gehen jedoch davon aus, dass ein solches Gespräch auf gegenseitigem Respekt und der Bereitschaft zu Kompromissen und einem echten Interessenausgleich beruhen sollte.“ (Anmerkung: Autor des Textes ist Anatoli Antonow, seit 2017 russischer Botschafter in den USA.)

T-Online: Russland-Experten entsetzt über Vortrag von Krone-Schmalz. Russlandnah, Kremlpropaganda, Putin-Versteherin: Die Vorwürfe gegen Gabriele Krone-Schmalz wiegen schwer. Dennoch durfte sie in Reutlingen reden – Auszug: „Ein Vortrag der Volkshochschule (VHS) Reutlingen sorgt im Internet für reichlich Furore. Mehr als 770.000 Aufrufe hat das zugehörige Video in zwölf Tagen zu verzeichnen. (…) Ulrich Bausch, Geschäftsführer der VHS Reutlingen, sagt: ‚Es gab, wie ich finde, sehr unqualifizierte Versuche, Druck auf die Volkshochschule Reutlingen auszuüben, diese Veranstaltung abzusetzen.‘ Dem habe er demonstrativ nicht nachgegeben: ‚Ich lasse mir doch nicht von irgendeiner Kampagne vorschreiben, was in der Demokratie gesagt werden darf oder was nicht. Das grenzt an Rufmord‘. (...) Franziska Davies machen solche Aussagen wütend: ‚Es liegt in der Verantwortung von Volkshochschulen, dass man keine Meinungen zu Expertisen erhebt, so wie das hier geschehen ist‘, sagt sie zu t-online. Die VHS habe hier als Gatekeeper ebenso versagt wie viele Talkshows, die Krone-Schmalz in der Vergangenheit bereits eine Bühne boten. Sie würde mit ihr deshalb auch nie ein Podium teilen, ‚weil man sie damit als ernst zu nehmende Position legitimieren würde’.“ (Anmerkung Stefan Korinth: Wieder Attacken voller Kampfbegriffe, aber ohne Argumente gegen eine Frau in der Minderheitenposition. Wieder Attacken, die Rede- und Auftrittsverbote fordern. Und wie auch schon bei der Kampagne gegen Ulrike Guerot erneut die merkwürdige Erklärung, man spreche nicht mit der Kritisierten, da man deren Position sonst legitimiere. Den sehenswerten Vortrag von Gabriele Krone-Schmalz hatte Multipolar übrigens in den Empfehlungen vom 20. Oktober 2022 verlinkt.)

B.Z.: Bundesregierung will Bibeltext an der Schlosskuppel verhüllen – Auszug: „An der Kuppel vom Berliner Stadtschloss sind Zitate aus der Bibel zu sehen. Sie befinden sich umlaufend am Tambour, in goldener Schrift auf blauem Grund. Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Claudia Roth (Grüne), will die Bibelworte dort verschwinden lassen und mit anderen Texten überschreiben. (…) Die Bibelzitate wurden von König Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) ausgewählt und im Jahr 2020 an der Kuppel rekonstruiert. Wörtlich heißt es dort: 'Es ist in keinem andern Heil, (…) denn in dem Namen Jesu, zur Ehre Gottes des Vaters. Dass in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind.‘ (…) Stimmt es, dass die Zitate den 'Herrschaftsanspruch des Christentums' dokumentieren? Nein, so sind sie ursprünglich nicht gemeint. Sie stammen aus dem Brief des Paulus an die Philipper (Phil 2,6-11). Er rief dazu auf, nur vor Christus zu knien und nicht vor dem römischen Kaiser. Der katholische Erzbischof von Berlin, Heiner Koch, sagte im Gespräch mit der B.Z., die Bibelworte seien auch heute noch so zu verstehen, nämlich 'dass die Menschen sich nur vor Gott verbeugen und keiner irdischen Macht diese Ehre erweisen sollen'. Daraus spreche eine große Freiheit. Es ist schon merkwürdig, wie die Bundesregierung unter der Führung von Claudia Roth gegen Worte zu Felde zieht, die seit 2000 Jahren in der Heiligen Schrift stehen und die sie offenbar gar nicht verstanden hat.“