Empfehlungen Oktober 2020

Corona-Transition: Denkschrift zum Verhalten der deutschen Ärzteschaft während der Corona-Krise. Ein Berliner Mediziner wendet sich an seine Kolleginnen und Kollegen – Auszug: „Am 19.10.2020 hatte der Präsident der Bundesärztekammer ein denkwürdiges Interview gegeben, in welchem er unmissverständlich und mit überzeugenden Argumenten davor warnte, der Corona-Pandemie ausschliesslich mit permanenter Panikmache und sich von Tag zu Tag steigernder Verängstigung der Bevölkerung zu begegnen. (…) Statt die längst überfällige Diskussion über die in ihrer Vielstimmigkeit und Absurdität kaum mehr zu überbietenden amtlichen Zwangsmaßnahmen in Kreisen der deutschen Ärzteschaft zuzulassen, wurde Klaus Reinhard von Funktionären der verfassten deutschen Ärzteschaft zu einem entwürdigenden öffentlichen Dementi gezwungen und die Glaubwürdigkeit der deutschen Ärzteschaft dadurch nachhaltig beschädigt. Dies ist der letzte Höhepunkt des beschämenden Verhaltens eines Großteils der deutschen Ärzteschaft während dieser Krise. Hauptaufgabe des Arztes ist es, Wissenschaft und Praxis zusammenzuführen und so eine Therapie des ganzen Menschen, eines Wesens mit Leib und Seele, zu entwerfen. Stattdessen hat es die deutsche Ärzteschaft zugelassen, dass in der gegenwärtigen Situation Physiker, Biologen, Statistiker und durch nichts als ihren grenzenlosen Geltungsdrang qualifizierte Politiker Therapiestrategien entwickeln, die eher einem Krieg gegen die Bevölkerung statt einem Kampf gegen einen Krankheitserreger gleichen.“

Telepolis: Corona-Lockdown: Droht tatsächlich eine akute nationale Gesundheitsnotlage? (Prof. Christof Kuhbandner) – Auszug: „In der Tat ist laut den Tagesreporten des DIVI-Intensivregisters die Anzahl der Intensivpatienten mit Diagnose 'COVID-19' in den letzten Wochen stark gestiegen. Eine offizielle Antwort auf eine Anfrage an das DIVI-Intensivregister zur Diagnostik von 'COVID-19-Intensivpatienten' offenbart aber ein fundamentales diagnostisches Problem. Dort wird bestätigt, dass (1) jeder Intensivpatient - unabhängig von der Symptomatik - mit einem SARS-CoV-2-PCR-Test getestet wird und (2) jeder Intensivpatient - unabhängig von der Symptomatik - mit einem positiven SARS-CoV-2-PCR-Testergebnis als 'COVID-19-Intensivpatient' geführt wird. Letzteres wird auch in einer offiziellen Antwort des RKI auf eine entsprechende Anfrage bestätigt. (…) Es lässt sich kein wirklicher Anstieg in der Anzahl der insgesamt belegten Intensivbetten erkennen. Das einzige, was ansteigt, ist die Anzahl der Intensivpatienten mit positivem SARS-CoV-2-PCR-Testergebnis. (…) Sollte es sich also um echte 'COVID-19'-Fälle handeln, dann müssten in den letzten Wochen gleichzeitig alle anderen Krankheiten auf den Intensivstation bzw. alle stationär behandelten SARI-Fälle mit anderen viralen Ursachen abgenommen haben, und zwar spiegelbildlich zum Anstieg in den 'COVID-19'-Fällen. Das erscheint relativ unwahrscheinlich. (…) Wenn tatsächlich in vielen Laboren schwerpunktmäßig nur auf das E-Gen ohne Bestätigungstest getestet wird, könnte der Anstieg von Personen mit positiven SARS-CoV-2-PCR-Testergebnissen auf den Intensivstationen sowie bei den SARI-Fällen und in der Bevölkerung darauf zurückgehen, dass ein größerer Teil des Anstiegs auf die übliche saisonal bedingte Ausbreitung harmloserer Coronaviren zurückgeht, während die Ausbreitung des neuen Virus SARS-CoV-2 in Wirklichkeit relativ gering ist. (…) Die beschriebenen Befunde legen nahe, dass in Wirklichkeit keine nationale Gesundheitsnotlage droht.“ (Anmerkung Paul Schreyer: Ein sehr wichtiger Artikel, der die aktuell verfügbaren Informationen logisch zusammenführt.)

27. Oktober 2020

Mehr Demokratie e.V.: Das Virus und die Demokratie – Auszug: "Deshalb fordert Mehr Demokratie e.V.: 1. Die Parlamente müssen die grundlegenden Entscheidungen treffen (...) Was im Frühjahr dieses Jahres noch plausibel klang, wirkt zunehmend wie eine Missachtung demokratischer Grundprinzipien: Die Bundes-und Länderregierungen treffen Entscheidungen, die den Parlamenten zustehen. (...) 2. Erst Ziele diskutieren, dann Zahlen kontextualisieren (...) Wenn das Ziel ist, eine Überlastung der Intensivstationen zu verhindern, sind symptomlose Infektionen unkritisch. Wenn es das Ziel ist, die Zahl der positiven Testungen auf unter 35/100.000 zu drücken, dann muss darüber eine öffentliche Debatte stattfinden, warum dies eine sinnvolle Vorgabe ist. Wenn das Ziel ist, auf einen funktionierenden und sicheren Impfstoff zu warten und bis dahin die gesamte Gesellschaft im Ausnahmezustand zu halten, erfordert dies eine breite gesellschaftliche Debatte, denn es ist fraglich, wann ein Impfstoff und in welcher Qualität zur Verfügung stehen wird. Dies alles kann und darf nicht in den Hinterzimmern von Ministerpräsidenten und Kanzleramt entschieden werden! (...) Anstatt in der Bevölkerung aufkommende Diskussionen zu maßregeln oder Gerichte und damit Bürger zu kritisieren, die den Rechtsweg beschreiten, sollten sich die Bundes-und Länderregierungen endlich erklären, wie sie die Bürgerinnen und Bürger stärker einbinden wollen, dafür Konzepte vorlegen und umsetzen."

Thieme-Verlag: Die maskierte Gesellschaft (Leserbrief dreier Mediziner in der Fachzeitschrift "Pneumologie") Auszug: "Masken sind im Setting des Gesundheitswesens nur effektiv, wenn sie adäquat verwendet werden, d. h. die angemessene Maske gewählt und der Sitz auf Dichtigkeit geprüft wird. Stoffmasken werden ausdrücklich nicht empfohlen. Masken können kontraproduktiv sein, wenn ihre Verwendung nicht hygienisch korrekt erfolgt; dies schließt die Händedesinfektion vor dem Aufsetzen, die Vermeidung einer Berührung der Außenfläche, die Händedesinfektion vor und nach dem Absetzen sowie die Vermeidung der Berührung von Innen- und Außenflächen voraus. Durchfeuchtete Masken sollen umgehend ausgetauscht werden. (...) Es ist schlicht unmöglich, diese Regeln in der Öffentlichkeit einzuhalten bzw. durchzusetzen. (...) Das Tragen von Masken über einen längeren Zeitraum ist unangenehm. Zusammen mit der eingeschränkten, man muss sagen: versehrten Kommunikation kann dies zu einer dauerhaft veränderten Stimmungslage führen, die wesentliche Verhaltensmuster verändert. Das öffentliche Maskentragen, demnächst womöglich regelmäßig über mehrere Monate, wird den öffentlichen Raum nachhaltig beschädigen. Es wird das Zusammenkommen in Restaurants und Hotels, in öffentlichen Räumen beeinträchtigen und das Kaufverhalten dahingehend verändern, dass noch mehr online eingekauft wird. Dies aber kann Folgen bis hin zum Zusammenbruch des städtischen Raums, wie wir ihn jetzt kennen, bedeuten, einhergehend mit einer beispiellosen Pleitewelle des Einzelhandels und der Gastronomie."

24. Oktober 2020

Bundesärztekammer: Erklärung des Präsidenten der Bundesärztekammer Dr. Klaus Reinhardt: „Wirksamkeit der Schutzwirkung von Mund-Nasen-Masken ist wissenschaftlich belegt“ – Auszug: „In der Sendung ‚Markus Lanz‘ hatte ich den wissenschaftlichen Evidenznachweis der Schutzwirkung von Mund-Nasen-Masken in Zweifel gezogen. Dies hat zu erheblichen Irritationen geführt, die ich sehr bedauere. Die aktuelle Evidenz aus vielfältigen Studien spricht für einen Nutzen des Mund-Nasen-Schutzes. Die Studien weisen darauf hin, dass sowohl die Übertragung auf andere als auch die Selbstansteckung durch Alltagsmasken reduziert wird. Aus diesen Daten resultiert die klare Empfehlung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Deshalb unterstütze ich ausdrücklich die gemeinsame Erklärung ‚Alltagsmasken – sinnvoll zum Eigenschutz und zum Schutz von anderen‘ der Präsidentinnen und Präsidenten der Landesärztekammern und Mitgliedern des Vorstands der Bundesärztekammer sowie von Präsidenten und Vorsitzenden medizinischer Fachgesellschaften und Organisationen.“ (Anmerkung Paul Schreyer: Klaus Reinhardt ist umgefallen. Der Druck auf ihn war immens. In der Erklärung ist von „vielfältigen Studien“ die Rede, die einen Nutzen der Maskenpflicht belegen würden. Konkret genannt wird aber keine Studie. Zur fehlenden Evidenz, die Reinhardt bei Markus Lanz noch bemängelt hatte, sei auf den Multipolar-Artikel von Oliver Märtens vom 18.10. verwiesen. An diesen Fakten hat sich nichts geändert, siehe auch der folgende Hinweis.)

T-Online: "Wir sind heute in der Lage, die perfekte Diktatur zu errichten." Der Historiker Yuval Noah Harari erklärt im Interview, warum der Menschheit jetzt die totale Überwachung droht – Auszug: „In 50 Jahren werden sich die Menschen gar nicht so sehr an die Epidemie selbst erinnern. Stattdessen werden sie sagen: Dies war der Moment, an dem die digitale Revolution Wirklichkeit wurde. (…) Die Menschheit verständigt sich jetzt darauf, einen Großteil ihres Lebens online zu verbringen. Das hat Vorteile, birgt aber auch eine Gefahr: Im schlimmsten Fall werden sich die Menschen in 50 Jahren daran erinnern, dass im Jahr 2020 mithilfe der Digitalisierung die allgegenwärtige Überwachung durch den Staat begann. (…) Eine 24-Stunden-Kontrolle ist in unserer zunehmend digitalen Welt überhaupt kein Problem mehr. Ich bin mir nicht sicher, ob dieses Szenario eintreten wird. Aber ich habe die Befürchtung, dass die totale Kontrolle eine Folge der Corona-Krise werden könnte. Viele Dinge, die im Westen noch vor einem Jahr undenkbar waren, sind durch die Pandemie nun auch dort plötzlich akzeptabel geworden.(…) Wir sind heute in der Lage, die perfekte Diktatur zu errichten. Es wäre ein autoritäres Regime, wie es dieser Planet noch nicht gesehen hat. (…) Man braucht keinen Spion mehr auf der Straße, der die Menschen überwacht. Stattdessen gibt es Kameras, Mikrofone oder Sensoren. Die Auswertung der Datenmengen kann eine Künstliche Intelligenz übernehmen, die sogar berechnen kann, wie sich ein Überwachter in Zukunft wahrscheinlich verhalten wird. Zum ersten Mal in der Geschichte ist totale Überwachung möglich. Man kann mehr über die Menschen erfahren, als sie selbst über sich wissen. Das ist die eigentliche Gefahr, die die aktuelle Krise mit sich bringt: Dass die digitale Überwachungstechnologie durch die Gesundheitskrise weltweit legitimiert wird – auch in demokratischen Gesellschaften, die sich zuvor der Überwachung widersetzt haben.“ (Anmerkung Stefan Korinth: T-Online hat die Überschrift des Interviews inzwischen geändert. Das mit der "perfekten Diktatur" in Zusammenhang mit Corona klang wohl nicht so erbaulich.)

Merkur: Maskenpflicht an Grundschulen: Eltern gehen auf die Barrikaden – Auszug: „Nach Elternprotesten hat Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) am Dienstagabend die Abschaffung der Maskenpflicht an Grundschulen verordnet. Er wolle die Einschränkungen für die jüngsten Schülerinnen und Schüler „so gering wie möglich“ halten, erklärte Reiter. Nur fünf Prozent der 83 derzeit wegen Coronafällen geschlossenen Klassen seien Grundschulklassen. Grundschüler, so folgert Reiter, „sind keine Infektionstreiber.“ Als erster hatte der Ebersberger Landrat Robert Niedergesäß (CSU) reagiert. Er schließe sich der Argumentation von Dieter Reiter ausdrücklich an, erklärte er noch am Dienstagabend (20. Oktober). Er habe selten so viele kritische Rückmeldungen erlebt, die „in der Sache auch gut begründet sind“, erläuterte der CSU-Politiker. Die Landkreise Unterallgäu und Landsberg folgten am Mittwoch diesem Beispiel. Überall gibt es, zum Teil sehr emotional, Elternprotest gegen den verhassten ‚Maskenzwang‘.“ (Anmerkung Stefan Korinth: Entschlossene Elternproteste zeigen also durchaus Wirkung. Allerdings verschärfen andere bayrische Landkreise zeitgleich die Maskenpflicht. Zur Klarstellung: Hier geht es nicht mehr wie noch vor zwei Monaten um Masken für ältere Schüler auf Schulfluren, sondern inzwischen geht es um die ganztägige Maskenpflicht für Grundschüler! Und das im Unterricht bei halber Klassenstärke und oftmals mit weit geöffneten Fenstern bei Temperaturen unter zehn Grad. Die sich immer schneller drehende Spirale widersinniger Maßnahmen scheint nun immerhin vielen bislang gutgläubigen Eltern die Augen zu öffnen.)

MARCUS J. LUDWIG: Die Wut der Entwürdigten – Auszug: "Die neue Normalität ist da. Selbst wenn wir heute glasklar bewiesen bekämen, dass Covid-19 nicht gefährlicher als die gewohnte Allerwelts-Grippe ist, ließe sich das Rad nicht mehr zurückdrehen. Die Menschen sind von den Panik-Medien auf ein Level hypersanitärer Achtsamkeit gescheucht worden, von dem man sie bis auf Weiteres nicht mehr herunterbekommen wird. Gegen einen nie dagewesenen Verdummungs- und Verängstigungs-Rummel sind über Wochen und Monate unzählige kluge Artikel und Aufsätze erschienen, die kritisch aufgeklärt haben und mit guten Argumenten die Gefährlichkeit des Corona-Virus relativiert, das heißt auf ein realistisches Bedrohlichkeits-Maß herabgestuft haben. Aber Maß und Relation interessieren die meisten nicht mehr. Die Maßstäbe haben sich geändert. Und ich glaube, sie haben sich für immer geändert. (...) Vor den Absolutheitsansprüchen moralistischer Infektionsschutz-Fanatiker kann keine nüchterne Abwägung bestehen. Relativierung ist ihnen kein Mittel reifer Realitätsbewältigung, sondern ein Sakrileg. Sie sehen nicht vereinzelte schwerkranke Alte, die an einem Virus sterben, inmitten von zweieinhalbtausend Menschen, die am selben Tag an den anderen üblichen Ursachen sterben. Sie sehen Massen von unersetzlichen Individuen mit unverrechenbarer Würde, Menschen, die durch unser schuldhaftes Versagen zu Unrecht gestorben sind. Als wären die anderen Zweieinhalbtausend „zu Recht“ gestorben."

20. Oktober 2020

Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin: Erwiderung auf Kritik an Stellungnahme „COVID-19: Wo ist die Evidenz?“ – Auszug: "Hochwertige Evidenz zum Tragen von Mund-Nase-Masken ist sinnvoll, machbar und notwendig. (...) Die Bewertung altersabhängiger IFR für SARS-CoV-2 erfordert die Analyse und Einordnung der Mortalitätsdaten im Kontext anderer Erkrankungen und Todesursachen. (...) In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 660.000 Menschen an einer ambulant erworbenen Pneumonie (ca. 800/100.000 Einwohner), ca. 300.000 von diesen werden stationär behandelt, 40.000 versterben an der Erkrankung (39/100.000 Einwohner). Die Letalität der ambulant erworbenen Pneumonien wird auf etwa 6% geschätzt; für hospitalisierte Patienten beträgt sie 14% mit einer starken Altersabhängigkeit (etwa 5% für <65-Jährige, 17% der ≥65-Jährigen). Ähnliche Daten werden für die Schweiz berichtet. Auf die Notwendigkeit Mortalitätsdaten in den Kontext zu stellen, hat das EbM Netzwerk schon in früheren Veröffentlichungen hingewiesen. (...) Insgesamt gesehen ist die wissenschaftliche Beweislage zur Quarantäne unbefriedigend und sollte Anlass geben, umgehend solide prospektive Studien zu initiieren. (...) Wenn man alle diese Daten zusammen betrachtet, gibt es nur wenige aussagekräftige Untersuchungen zur Spezifität der RT-PCR. (...) Unseres Erachtens ist die systematische Aufarbeitung vorhandener Evidenz und sehr wahrscheinlich weitere Forschung nötig, um die Frage zu klären, ab welcher Viruslast tatsächlich von Infektiosität auszugehen ist und wie sich die in den Laboren ermittelten Werte für die cycle threshold (ct-Wert) standardisieren lassen."

Dennis Schneble: Anwalt Dr. Justus P. Hoffmann zu Quarantäne-Anordnungen – Auszug: Die aktuellen Anordnungen der Quarantäne sind nicht verbindlich. (...) Wenn das Gesundheitsamt oder die Infektionsschutzbehörde, der Landrat oder wer auch immer das gerade ist, Ihnen anordnet, Sie mögen sich in Quarantäne begeben, dann ist diese Anordnung nicht durchsetzbar. Ohne richterlichen Beschluss ist diese Anordnung nicht durchsetzbar (…) Sprich, wenn man dagegen verstößt, kann nicht die Polizei, nicht das Ordnungsamt kommen und einen mit Gewalt in Quarantäne stecken. Denn das wäre dann ein Freiheitsentzug. Und es ist auch nicht bußgeldbewehrt, dagegen zu verstoßen. Durchsetzbar und bußgeldbewehrt wird das Ganze erst, wenn, wie es der Paragraf 30 des Infektionsschutzgesetzes auch ausdrücklich vorsieht, ein gerichtliches Unterbringungsverfahren durchgeführt wurde, indem ein Richter die Akte vom Gesundheitsamt, von der Infektionsschutzbehörde bekommt, sich ein eigenständiges Bild von der Lage schaffen muss, eine eigene Sachverhaltsermittlung durchführen muss. Dazu gehören eben auch die infektionsschutzrechtlichen Rahmenbedingungen und man muss vor allen Dingen angehört werden dazu." (Anmerkung Paul Schreyer: Dennis Schneble, der diesen Text transkribiert hat, kommentiert dazu: "Die Sache mit der Quarantäne ist auch exemplarisch dafür, dass dieser ganze rechtsstaatliche Wahnsinn ohne den viel schlimmeren vorauseilenden Gehorsam überhaupt nicht funktionieren würde. (...) In diesem Land haben vielleicht noch 10 % Angst vorm Todesvirus. 90 % haben Angst vor sozialer Ausgrenzung – und möglichen Strafen. Wir müssen endlich raus aus diesem Teufelskreis.")

Der Freitag: Eine grüne Maske als Protest. – Auszug: "Die gestrigen Verschärfungen wirken willkürlich, doch sie folgen einem System. Es gibt drei Mechanismen, die dem Angstszenario nutzen. (...) Der eine betrifft die Sichtbarkeit der vermeintlichen Gefahr. In einer Pandemie, in der nur sehr wenige Menschen überhaupt erkranken, muss die Bedrohung anders vermittelt werden. Das Mittel zum Zweck ist daher die Schaffung von Bildern, die nicht ohne Grund an Katastrophenfilme erinnern. Die Masken funktionieren genau in diesem Sinn, denn sie verändern das Bild des öffentlichen Leben massiv. Es ist nicht mehr möglich, ein paar Brötchen zu kaufen, ohne mit der vermeintlichen Bedrohung konfrontiert zu werden. (...) Ein zweiter wichtiger Aspekt ist die Omnipräsenz der Gefahr. Die Ausnahmesituation kriecht in jeden Winkel des Alltags und es nicht möglich, sich ihr zu entziehen. (...) Immer mehr alltägliche Entscheidungen sollen mit Blick auf die vermeintliche Gefahrenlage getroffen werden, die in alle Lebensbereiche Einzug erhält. Die Einschätzung der Gefährdung hat sich demnach völlig entkoppelt von tatsächlichen Erkrankungen, sondern findet nur noch in fiktiven Angstszenarien statt. (...) Der dritte Mechanismus ist die Schuldverschiebung. Sie baut auf dem fiktiven Bedrohungsszenario auf. Denn so wird jeder, der sich nicht an die wissenschaftlich sehr fragwürdigen Regeln hält, zum vermeintlichen Gefährder, der anderen schadet. Die 'Maskenmuffel' oder 'Maskenfalschträger' tragen demnach Schuld, wenn die Infektionszahlen ansteigen. Und sie sind zusätzlich verantwortlich – so erklärt es die Bundeskanzlerin – wenn die Regierung deshalb die Maßnahmen verschärfen muss. Angegriffen wird also nicht mehr die Politik, die diese Verordnungen erlassen hat, sondern die vermeintlich uneinsichtigen, egoistischen Menschen, die sich dem 'neuen gesellschaftlichen Konsens' verweigern. Das ist eine Verschiebung der Verantwortung, die ungeheuer effektiv ist. Und ein erschreckend wirksames Mittel, um die gesellschaftliche Spaltung zu befeuern."

Robert Koch-Institut: Die Pandemie in Deutschland in den nächsten Monaten (Strategiepapier) – Auszug: "Auch wenn die Impfung ein wichtiger Teil der Pandemie­bekämpfung ist, wird diese allein – insbesondere in der ersten Phase der sicher limitierten Verfügbar­keit – nicht ausreichen und muss weiterhin einhergehen mit verantwortlichem Verhalten und gewissen Modifikationen des Miteinander-Seins, insbesondere im Sinne der weiteren Einhaltung der AHA+A+L-Regeln (Abstandhalten – Hygiene­regeln beachten – Alltags­masken tragen, Corona-Warn-App nutzen und Lüften) sowie der Verlegung von Freizeit­aktivitäten möglichst nach draußen, so dass geschlossene Räume mit schlechter Belüftung und Gedränge mit vielen Menschen an einem Ort vermieden werden. (…) Es muss ein Bewusstsein für Risiko­verhalten geschaffen werden, so dass der Einzelne in die Lage versetzt werden kann, sein Verhalten entsprechend anzupassen. (…) Es wird eine bundesweite Impfkampagne vorbereitet, selbst wenn nicht sofort ein wirksamer und sicherer Impfstoff zur Verfügung steht. (…) Die Einführung der Impfung muss möglichst frühzeitig unter Einbindung relevanter Akteure kommunikativ begleitet werden, um Desinformation und Mythenbildung zu verhindern und eine informierte Impfentscheidung der Menschen zu ermöglichen." (Anmerkung Paul Schreyer: Impfung hin oder her – die Maske soll also Teil der "neuen Normalität" bleiben. Dazu wächst sich die Regulierungswut weiter aus (statt AHA-Regeln geltern nun AHA+A+L-Regeln). Vor allem aber: Die Impfung soll offenbar mit aller Gewalt durchgedrückt werden ("kommunikativ begleitet"). Man muss es sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: "Es wird eine Impfkampagne vorbereitet, selbst wenn nicht sofort ein wirksamer und sicherer Impfstoff zur Verfügung steht.")

Achgut: Die Sehnsucht nach Professor Brinkmann. Vor ein paar Wochen kam es zu einem öffentlichen Streit zwischen Professor Christian Drosten und dem Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin. Anhand der Art und Weise, wie diese Auseinandersetzung geführt wurde, kann man gut erkennen, wen man in einer Pandemie besser mit der Suche nach einem guten Schutz bei gleichzeitig niedrigem Schaden betrauen sollte. (Auszug: "Über Jahre können so längst als falsch erkannte Therapien dennoch patriarchalisch durchgesetzt werden. Die Rechnung bezahlen die Patienten mit ihrem Leben und zwar tausendfach. (...) Genau aus diesem Grund hat man angefangen, die medizinische Lehrmeinung nicht mehr in den Händen von Platzhirschen zu belassen, sondern auf objektive Belege für den Therapienutzen zu drängen. Kurz: Man forderte die Abkehr von der Eminenz-basierten hin zur Evidenz-basierten Medizin (EBM), die seit den 1980ern die Medizin positiv beeinflusst. Das Kernanliegen der EBM besteht darin, den Nutzen und den Schaden einer medizinischen Maßnahme möglichst objektiv zu bewerten, um eine gute Entscheidung zu ermöglichen. (...) Um diesen Beitrag zu schreiben, hörte ich mir tatsächlich erstmalig eine Folge des mit Preisen überschütteten Podcasts mit Christian Drosten an. Mit dem festen Vorsatz, die Stunde durchzuhalten. Es gelang mir nicht. An dieser Stelle möchte ich einfach nur mein Entsetzen über die Art und Weise äußern, mit der er gegensätzlichen Positionen begegnet. Von Informationen, die dem Hörer eine nachprüfbare Einordnung der Lage ermöglicht, und von einem respektvollen, wissenschaftlichen Streit um die beste Lösung, ist dieser Podcast Lichtjahre entfernt. Es ist mir ein Rätsel, wie man dies als Maßstab guter Information ansehen kann. Hier spricht eine Eminenz, die keine Kritik an der eigenen Meinung duldet. (...) Seine Warnungen im Rahmen der Schweinegrippe waren so falsch wie sie falsch sein können, genauso wie seine Dauerwarnung vor zweiten Wellen. Er ist einer der Verantwortlichen dafür, dass 2009 ein ungeprüfter, wie unnützer Impfstoff verabreicht wurde, der sehr viele Patienten krank machte. Zu diesen persönlichen Fehlleistungen habe ich nie nur eine Erklärung geschweige denn Entschuldigung von seiner Seite gehört.")

2. Oktober 2020

Telepolis: Corona und die sozial-ökonomische Krise (Auszug: "Die Creditreform meldet nun, dass zirka 15,5 Millionen Haushalte in Deutschland in einer schwierigen finanziellen Lage sind, das sind 37 Prozent der deutschen Haushalte! Vor allem Gering- und Normalverdiener leiden unter den Corona-Einschränkungen, die wieder einmal "am Ende der Nahrungskette" stehen und die größte Last tragen müssen. Stundungen von Krediten sind erforderlich, Konsumausgaben müssen weiter heruntergefahren werden. Fast 13 Prozent haben seit Mai bis August ihren Arbeitsplatz verloren, 42 Prozent sind in Kurzarbeit, 14 Prozent können ihre selbständige Tätigkeit nicht mehr ausführen, um 629.000 ist die Arbeitslosigkeit von Ende 2019 bis Ende August im Westen gestiegen (das sind 34 Prozent), so schnell wie nie zuvor, im Osten um 60.000 (15 Prozent). Etwa fünf Millionen Kurzarbeiter gibt es derzeit, die bis zu 40 Prozent weniger Nettogehalt bekommen. (...) Elisabeth Noelle-Neumann, die Gründerin des Instituts für Demoskopie in Allensbach, hat in den 1960er Jahren die Theorie der Schweigespirale entwickelt. Deren Aussage ist, dass es immer eine schweigende Mehrheit gibt, die sich nicht traut, ihre Meinung zu sagen, wenn sie meint, sie sei in der Minderheit. Das kann bedeuten, dass zum Beispiel die Corona-Maßnahmen öffentlich von Bürgern befürwortet werden, insgeheim lehnen sie diese aber ab. Sobald die scheinbare Minderheit erkennt, dass sie gar keine Minderheit ist, kann das zu plötzlichen Verwerfungen führen, Missachtung der Corona-Beschränkungen, Demonstrationen und anderes mehr.")