Empfehlungen August 2020

Boris Reitschuster: Mitten in der Nacht – Rabiate Polizeigewalt gegen Corona-Demonstranten (Anmerkung Ulrich Teusch: Ein hochinteressanter, mit Videos unterfütterter Bericht über die nächtliche Auflösung des Camps von „Querdenken 711“ durch die Polizei.) – Auszug: "Ich muss ganz offen gestehen, dass ich von dem Vorgehen der Behörden entsetzt war (…). Immer öfter erlebe ich in Berlin, was ich noch vor einigen Jahren für unmöglich gehalten habe: dass Recht und Gesetz von staatlicher Seite taktisch ignoriert werden und dies sehr zynisch verkleidet wird. Später nahm der Abend eine völlig ungewöhnliche Wendung – von einer Minute auf die nächste wurden die Polizisten zum Freund und Helfer, als nur noch rund 50 Demonstranten zurück blieben. Sie nahmen die Helme ab, viele lächelten, ein Beamter verteilte Wasser auch an Demonstranten. Manche von denen hatten feuchte Augen vor Rührung, und auch ich selbst muss sagen, dass ich aus der Emotionalität des Moments heraus sehr gerührt war – diese Szenen waren ausgesprochen bewegend. Die Frage ist – was führte zu der 180-Grad-Wende? Viele Demonstranten glaubten wohl, die Polizisten hätten sich vor Ort spontan entschlossen. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit gehe ich davon aus, dass die Entscheidung zwar auf gehobener, aber nicht höchster Ebene gefällt wurde – vielleicht auch unter dem Eindruck der Bilder, die vom Ort des Geschehens online gingen. Im direkten Gespräch und durch Mimik machten viele Beamten deutlich, dass sie Sympathien für die Demonstranten haben und nicht begeistert sind von den Anweisungen der Polizeiführung.“

Tichys Einblick: Berlins Rot-rot-grüne Regierung wählt den Weg der Eskalation – Auszug: "Merkel gibt den kleinen Lukaschenko mit Luft nach oben, indem sie es sich mit dem Benzinkanister inmitten der von ihr selbst provozierten Auflösungserscheinungen bequem gemacht hat – und nachgießen lässt. (…) Und der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) lässt dazu verbal wirklich alle Masken fallen – quasi das Ende der letzten Ausläufer der Kreidezeit. Ihm ist der Kanister als Brandbeschleuniger nicht genug, er kommt gleich mit dem Tankwagen ums Eck und dreht alle Hähne voll auf – mit dem brennenden Zündholz in der Hand (…). Geisel erwartet außerdem, dass sich jetzt alle 'Demokratinnen und Demokraten' zu bekennen und zu distanzieren haben. Wie widerlich ist das eigentlich auf dem Boden der Verwerfungen des 20. Jahrhunderts stehend, mitten in Berlin, mit faulem Atem den Vorabend des Faschismus hochleben zu lassen? Ist das eigentlich nur a-historisch oder schon willentlich vollkommen entgrenzt? (…) was für ein Bild gibt das ab ausgerechnet in einer Zeit, wo Lukaschenko mit dem Maschinengewehr im Fernsehen auftritt während die Demos gegen seine Politik verboten werden, aber trotzdem passieren? Kann man gegen das Volk regieren und glauben, man könnte dabei die Illusion einer demokratischen Gesellschaft aufrechterhalten? Natürlich nicht. Aber was soll das dann, was gerade in Berlin passiert und den Charakter eines beginnenden Putsches gegen das Volk bekommt, so der Irrsinn nicht von höheren unabhängigen Instanzen gestoppt wird. Wo sind diese verfassungsgemäß unabhängigen Instanzen in diesem Moment?“

Tichys Einblick: Bei Illner: "Hätten wir gewusst, was wir jetzt wissen, hätten wir keinen Lockdown gemacht.“ Das heißt im Klartext: Die Politik hat sich von einer hysterischen Presse und von Professoren, die schon die Schweinegrippe als Weltuntergang verkauft hatten, vor sich hertreiben lassen und womöglich das ganze Land in den Ruin getrieben. – Auszug: "Das planlose ZDF ist zwar immer vorne dabei, wenn es ums Alarm blasen geht, diesmal aber blendeten sie eine Karte mit Infektionen ein, und man glaubt es kaum, alles im grünen Bereich! (nicht politisch gemeint) Da sagte Laumann dann, ja, man habe den Kliniken gesagt, 'alle planbaren Eingriffe verschieben, bitte. Dass dann die Intensivstationen leer bleiben, das hat doch keiner gewusst.' Die Damen, Herren und Diversen der politischen Verantwortungsgemeinschaft hatten also außer reißerischen Berichten aus Italien und China und Rauchmeldern aus dem virologischen Bereich keinerlei Erkenntnis, ließen uns aber trotzdem Zeugen ihrer wunderbaren Tätigkeitsentfaltung werden, die sie pawlowartig zur Aufführung bringen, wenn es nur Aufmerksamkeit verspricht. (...) Malu Dreyer sagt, 'wir haben ganz viel gelernt' in der letzten Zeit. Was sie gelernt hat, sagte sie nicht. (...) Unfassbar! Alleine das reichte für eine Sondersendung, würde das ZDF noch Journalisten beschäftigen. Illner bemerkte die Brisanz des Offenbarungseides nicht mal, oder tat wenigstens so. (...) Auf Illners Frage 'Warum werden Szenarien an die Wand gemalt?' kam Malu dann zurück, nachdem sie den Faden verloren hatte. Damit wir 'gemeinsam und einheitlich', sagte sie. Soll heißen: Der Teufel wird an die Wand gemalt, damit die Leute brav folgsam bleiben und nicht aufbegehren. Selbst den Illner-Mitarbeitern war aufgefallen, dass gerade 213 Personen von 80 Millionen auf der Corona-Intensivstation liegen und sich das Narrativ von der neuen biblischen Plage, die nur Merkel, Spahn und Söder stoppen können, nicht lange halten lässt. (...) Derzeit baden (...) die Kinder den Aktionismus unseres Staatsleitungspersonals aus und sitzen mit Masken stundenlang im Unterricht. Im brandenburgischen Rathenow (...) wurde ein Schulleiter, der seinen Schützlingen die Masken ersparen wollte, entlassen. Den hat Illner natürlich nicht eingeladen."

Marcus J. Ludwig: Die Schuld der Schafe – Oder: Wie können wir jemals wieder Menschen sterben lassen? (Anmerkung Ulrich Teusch: Würden alle Mitbürger diesen herausragenden Text lesen, wäre die Rückkehr zur alten Normalität vermutlich nur eine Frage von wenigen Tagen.) – Auszug: "Was ich für mich persönlich möchte und was ich bezüglich des Gemeinwohls für vernünftig halte, spielt auf zwei verschiedenen Bühnen. Hier kommt unvermeidlich ein tragisches Element ins Spiel, weil der Konflikt zwischen Privatem und Politischem selten verlustfrei aufzulösen ist. Der Staat ist nicht der Hausarzt des Bürgers. Der Staat muss ertragen können, dass Menschen sterben. Der Staat kann nicht um jeden Preis jedes einzelne Leben jedes seiner Bürger retten. Er darf es nicht. Menschen, die das dennoch verlangen, sind unpolitische, moralistische Extremisten. Sie sind offenbar in der Mehrheit, und sie versuchen gerade, die sogenannte neue Normalität zu etablieren. Die Minderheit, die noch bei Verstand ist, hat gegenwärtig wohl eine der wichtigsten Aufgaben in der (sorry, man kann es nicht kleiner sagen) Menschheitsgeschichte: sich gegen allen Mehrheits- und Mediendruck zu weigern, den gegenwärtigen Zustand jemals als Normalität anzuerkennen. (…) Wie wird es weitergehen? Ich fürchte: katastrophal. Aus der Entscheidung, die Infektionskrankheit Covid-19 so zu handhaben, wie wir es tun, folgt das Eingeständnis, dass wir in früheren Zeiten offenbar immer falsch gehandelt haben, grausam, mindestens leichtfertig. (…) Alle Verantwortungsträger, die 2013, 2015, 2017, 2018 einfach nur zugesehen haben, wie die Influenzawellen durch Deutschland fluteten und jedes Mal 20-25000 Menschen dahinrafften, müssten – ginge es mit rechten Dingen (also mit den derzeit geltenden Maßstäben) zu – nachträglich zur Rechenschaft gezogen werden. Sie haben vermeidbare Opfer nicht vermieden, sondern unerhörter- und fahrlässigerweise der Natur ihren Lauf gelassen.“

GlobKult: Zweite Welle – Auszug: "Niemand kann wissen, ob die Berliner Demonstranten die Mehrheitsgesellschaft abbilden. (…) Festgehalten zu werden verdient jedoch die Wahrnehmung, dass die überwältigende Mehrheit der Demonstranten nach Alter, Geschlecht, bekundeter Meinung und – aggressionsfreiem – Verhalten zum Spektrum der 'ganz normalen Leute‘ gerechnet werden durfte: einer Spezies also, von der man demnach ohne großes Risiko behaupten darf, sie sei müde der Diskrepanz zwischen politisch-medialer Panikmache und den allmählich in die Köpfe einsickernden Informationen über das Virus samt Test- und Auswertungspraxen, entsprechend missvergnügt über die offensichtliche Irrationalität der getroffenen Maßnahmen und die damit einhergehenden Einbußen an Lebensqualität und ökonomischer Prosperität. Es sind dies Leute, die von Angstschürern für dumm verkauft werden und nicht länger für dumm verkauft werden wollen. Wer das neue Buch des Mikrobiologen Bhakdi in den Händen dieser Leute gesehen hat, der ahnt, dass hier eine neue Volksbibel umläuft, deren Leser darauf bestehen werden, in einer naturwissenschaftlich informierten und faktenbasiert entscheidenden Republik zu leben und nicht in einem angstflatternden Hühnerstall, in dem Vokabeln wie 'Covidioten‘ und 'Coronaleugner‘ den Ton vorgeben und, allen Aufklärungsseiten im Netz zum Trotz, aufgewirbelter Schmutz an die Stelle von Argumenten getreten ist. (…) Es fällt nicht schwer, der Republik einen unruhigen Herbst vorauszusagen.“