Empfehlungen Juli 2020

Computerwoche: Interview mit Prof. Dr. Dr. Franz-Josef Radermacher (2009): "Eigentumsfragen sind entscheidend, aber auch komplex. Nehmen Sie Bill Gates. Bill Gates wird nicht von anderen gesteuert, er steuert selber. (…) Natürlich hätte Microsoft ein großes Interesse daran, wenn es über eine – sagen wir einmal – oligopolistische Heirat zwischen Wirtschaft und Staat letztlich die Konkurrenz ausschalten könnte. Das ist oft das heimliche Ziel. (...) Es gibt einflussreiche Akteure, die auf eine extrem asymmetrische Gesellschaft hinsteuern und die Umverteilung nach oben (...) vorantreiben. Diese Akteure mögen kein offenes Internet. Das brauchen Sie hingegen, wenn Sie eine reiche Welt für möglichst viele Menschen anstreben. (…) Wenn das aber gar nicht Ihr Ziel ist, haben Sie eine andere Ökonomie im Sinn: klare Trennung von oben und unten, unterschiedliche Rechte auf verschiedenen Ebenen und permanente Kontrolle. (…) Wenn Sie mit einem geringen Prozentsatz der Weltbevölkerung die weltweiten Prozesse kontrollieren wollen, müssen Sie dafür sorgen, dass etwa 80 bis 90 Prozent der Menschen auf diesem Globus vergleichsweise arm bleiben. (…) Darum sprechen wir auch von einer Refeudalisierung. (…) Es gibt aus meiner Sicht drei Möglichkeiten für die Zukunft: die der Brasilianisierung, der ich eine 50-prozentige Chance gebe, die des öko-sozialen Ausgleichs, die Chance liegt bei etwa 35 Prozent, und die des ökologischen Kollaps mit schwer absehbaren Folgen. Wahrscheinlichkeit: etwa 15 Prozent."

Telepolis: MH17-Prozess – Gericht gewährt Verteidigung weitere Zeugenanhörungen und Untersuchungen. Das von der Staatsanwaltschaft vertretene Buk-Szenario bleibt offen, das Gericht fordert erneut Satellitendaten aus den USA, will aber russische Militärs nicht hören. – Auszug: "Abgelehnt wurde die Vernehmung des russischen Generalmajors Igor Konashenkov und anderer Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums. Auffällig ist etwa, was John Helmer herausgearbeitet hat, dass das JIT und die Staatsanwaltschaft nicht erklärt haben, wo, wann und von wem die als Beweismittel vorgelegten Buk-Teile gefunden wurden, die belegen sollen, dass MH17 von einer Buk-Rakete abgeschossen wurde. Auf die Erklärungen des russischen Militärs, dass die auf dem Buk-Teil zu sehende Nummer darauf verweist, dass die Rakete 1986 an das ukrainische Militär geliefert worden sei und niemals nach Russland zurückkam, wurde vom JIT nicht eingegangen. In der Regel werden russische Einwürfe als Desinformation oder Fake behandelt und schon damit ohne Begründung abgewiesen oder totgeschwiegen. (…) Verwunderlich bleibt auch, warum die Verteidigung nicht fordert, dass der Privatermittler Josef Resch seine Informationen über den Abschuss vorlegt, für die immerhin ein Interessent viele Millionen gezahlt hat. Seine Bedingung ist, dass er sie unter Anwesenheit von Medien präsentieren kann. Das sollte in einem öffentlichen Prozess eigentlich kein Problem sein. Und wenn die Staatsanwaltschaft die Wahrheit an den Tag bringen will, warum werden dann Informationen über mögliche Täter nicht einmal geprüft?“