Die Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund (AfD) und Sven Schulze (CDU) beim Wahlduell des MDR am 26. August, im Vordergrund ein Monitor mit den Umfrageergebnissen kurz vor der Wahl | Bild: picture alliance/dpa / Klaus-Dietmar Gabbert

Undemokratisch? Zum Umgang mit der AfD

Bedroht die AfD die Demokratie? Große Medien sind sich sicher und warnen vor einer Machtbeteiligung der Partei. Ein Kommentar.

PAUL SCHREYER, 15. September 2026, 11 Kommentare, PDF

„Dieses Wahlergebnis ist eine Katastrophe für unsere Demokratie“ – so die Ex-Vize-Chefredakteurin des Spiegel, Melanie Amann, vor wenigen Tagen bei Markus Lanz. Der Satz trifft den Tenor des versammelten deutschen Medienmainstreams. Für diesen ist der beispiellose AfD-Erfolg in Sachsen-Anhalt ein Schock. Aber ist er auch eine „Katastrophe für die Demokratie“?

Hans-Jürgen Papier, viele Jahre Präsident des Bundesverfassungsgerichts, beschwichtigt. „Die Demokratie als solche“ sei „nicht in Gefahr“. Schließlich drohe „kein Staatsstreich, auch kein Zerfall unserer Ordnung“. Der ehemals höchste deutsche Richter warnt, solche „alarmistischen Szenarien“ würden ihrerseits das „Vertrauen in die rechtsstaatliche Demokratie mindern“.

Auch wesentliche Fakten rund um die jüngste Landtagswahl lassen an der Einschätzung einer „Katastrophe für die Demokratie“ zweifeln. So stieg die Wahlbeteiligung gegenüber der letzten Abstimmung 2021 in Sachsen-Anhalt um 18 Prozentpunkte und war mit 78 Prozent so hoch wie nie zuvor in diesem Bundesland – zudem hoch wie selten bei irgendeiner deutschen Landtagswahl der vergangenen Jahrzehnte. Eine Viertelmillion Bürger, die beim letzten Mal noch entmutigt oder desinteressiert zuhause geblieben waren, gingen jetzt zur Wahl und setzten ihr Kreuz zum allergrößten Teil bei der AfD. Deren Aufschwung ist somit, ganz objektiv betrachtet, Teil einer starken demokratischen Belebung. Dazu wurde die Partei in 38 von 41 Wahlkreisen auch bei den Erststimmen stärkste Kraft. Ihre Landtagsfraktion wird sich deswegen – auch dies ungewöhnlich – fast ausschließlich aus siegreichen Direktkandidaten zusammensetzen. Direkt gewählt statt Parteilistengemauschel – mehr Demokratie ist in Deutschland eigentlich kaum denkbar.

Aber ist die AfD nicht „gesichert rechtsextremistisch“? Richtet sie sich nicht „gegen essentielle Prinzipien der freiheitlichen demokratischen Grundordnung“? Ein erstes Problem bei diesen Zuschreibungen: Sie erfolgten – seinerzeit, 2023 – nicht von politisch neutraler Seite aus, sondern vom Landesamt für Verfassungsschutz, einer weisungsgebundenen Behörde der Landesregierung, welche von Politikern der CDU geführt wurde. Für diese ist die AfD schon seit Jahren die härteste und gefährlichste politische Konkurrenz – ein Interessenkonflikt, der von denjenigen Medien, die sich auf das amtliche Siegel „gesichert rechtsextremistisch“ berufen, ausgeblendet wird.

Abschaffung der Demokratie?

Wie begründet nun die Behörde ihre Bewertung der Partei? Die AfD, so heißt es, strebe „die Abschaffung der parlamentarischen Demokratie in ihrer derzeitigen Form an“. Stimmt das? Im Wahlprogramm für Sachsen-Anhalt finden sich dafür keine Belege. Im Gegenteil ist dort zu lesen:

„Wir treten dafür ein, den Bürgern unseres Landes mehr Möglichkeiten direkter Mitbestimmung zu geben. Die politische Klasse der Altparteien hat das Instrument der Volksabstimmungen bewusst unattraktiv gemacht, indem sie hohe Hürden und kurze Fristen gesetzt und es auf die kommunale Ebene beschränkt hat. Wir werden diese Hürden absenken, Fristen verlängern, auch digitale Unterschriftensammlungen ermöglichen und die Quoren insbesondere für Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheide auf Landesebene absenken. Nicht nur bei Entscheidungen, die unmittelbar das Leben der Menschen betreffen – sei es eine Schulschließung, ein Bauprojekt oder ein Infrastrukturvorhaben –, sondern auch bei Richtungsentscheidungen der Landespolitik muss das Volk als Souverän das letzte Wort haben, denn Demokratie bedeutet Herrschaft des Volkes.“

Mehr direkte Demokratie also, als Ergänzung und Korrektiv zur Arbeit der gewählten Abgeordneten – das ist kaum als „Abschaffung der parlamentarischen Demokratie“ zu bezeichnen.

In jüngerer Zeit hat die AfD zudem massiv demokratiepolitisches Profil gewonnen. In der Corona-Zeit war sie die einzige Oppositionspartei, die dem Aussetzen demokratischer Freiheitsrechte, das alle übrigen Parteien ab 2020 weitgehend oder allenfalls mit verhaltener Kritik abnickten, mit scharfem Widerspruch begegnete und die seither die parlamentarische Aufarbeitung jener Zeit energisch vorantreibt.

Laut Verfassungsschutz will die AfD jedoch „das demokratische Prinzip der Bundesrepublik Deutschland sowie seine Institutionen und deren Vertreter verächtlich machen, um das Vertrauen der Bevölkerung in diese fundamental erodieren zu lassen“. Parteivertreter setzten „die Bundesrepublik Deutschland immer wieder mit autokratischen oder gar totalitären Regimen gleich“, was sich „gegen das Demokratieprinzip nach Artikel 20 Absatz 1 Grundgesetz“ richte. Dort steht indes lediglich: „Die Bundesrepublik Deutschland ist ein demokratischer und sozialer Bundesstaat.“ Der zitierte Grundgesetz-Artikel verpflichtet die Bundesregierung also zur Demokratie. Er steht dort, um die Staatsform der Demokratie für Deutschland festzuschreiben. Das heißt: Wenn eine Partei kritisiert, es fehle derzeit an Demokratie, dann lässt sich daraus nicht ein Verstoß dieser Partei „gegen das Demokratieprinzip des Grundgesetzes“ ableiten, sondern allenfalls ein Verstoß der Regierung dagegen (sofern der Vorwurf der oppositionellen Partei denn stimmt).

Dass wiederum eine oppositionelle Partei die Regierung scharf kritisiert und bestrebt ist, das Vertrauen der Bevölkerung in die gewählten Amtsträger infrage zu stellen, dürfte als normale Oppositionsarbeit in einer Demokratie gelten, auch als selbstverständlicher Teil eines jeden Wahlkampfes. Wiederum: Keine Gefahr für die Demokratie, sondern vielmehr für die Regierung. Die beiden Worte werden in der Debatte regelmäßig vertauscht. Die herrschenden Regierungsparteien werden als „die Demokratie“ begriffen. Auch die in diesem Beitrag dargestellten Cover großer Zeitungen und Magazine der jüngsten Zeit legen genau diese Verknüpfung nahe: die abgewählte Regierung als bedrängter, besudelter, weinender Bundesadler, als Inkarnation von Staat und Ordnung.

Die im politischen Betrieb verbreitete Formulierung von den „demokratischen Parteien“, die der AfD gegenüberstünden, geht in die gleiche Richtung. Man identifiziert sich mit Staat und Demokratie, sieht sich selbst als „anständig“. Doch was genau soll das eigentlich sein, eine „demokratische Partei“? Der AfD hält man entgegen, sie dürfe sich nicht schon deshalb so nennen, weil sie in Parlamente gewählt werde. Parteichef Tino Chrupalla bezeichnete dieses Argument bei Lanz kürzlich als „Quatsch“. In der Tat stellen sich Fragen. Wie sonst will man eigentlich demokratische von undemokratischen Kräften unterscheiden, als durch die Tatsache, dass erstere sich einer freien, fairen und geheimen Wahl stellen und deren Ergebnis akzeptieren, letztere aber auf Zwang, Drohung und Gewalt setzen?

Historische Parallelen

Eine Verfassungsfeindlichkeit der AfD damit zu belegen, dass die Partei die bestehende Ordnung kritisiere und deren „Institutionen und Vertreter verächtlich“ mache „um das Vertrauen der Bevölkerung in diese erodieren zu lassen“ – das erinnert an die Argumentation des kaisertreuen Staats- und Justizapparates Ende des 19. Jahrhunderts in dessen Kampf gegen die damals aufstrebende SPD. Seinerzeit waren es die Sozialdemokraten, die das etablierte Machtgefüge aufmischten. Mit Bismarcks berüchtigten Sozialistengesetzen von 1878 ließen sich politisch kritische Texte wegen „sozialistischer Bestrebungen“ verbieten, sofern sie auf einen „Umsturz der bestehenden Staats- oder Gesellschaftsordnung“ abzielten und die angebliche „Eintracht der Bevölkerungsklassen“ gefährdeten. Die aufrührerische Oppostion stört den gesellschaftlichen Frieden – so klingt es auch heute wieder.

Ich selbst kritisiere die AfD seit Jahren, ausführlich etwa in meinem 2018 erschienenen Buch „Die Angst der Eliten“. Ich sehe auch eine historische Parallele, allerdings nicht zur NSDAP, wie oft genannt, sondern zur weithin vergessenen DNVP, der Deutschnationalen Volkspartei, die in der Weimarer Republik mit Unterstützung aus Industriekreisen aufgebaut wurde, um den Volkszorn in jener Krisenzeit aufzufangen und in unternehmer- und kapitalfreundliche Bahnen zu lenken. Die DNVP verstand sich damals als wirtschaftsliberal und nationalkonservativ, sie hatte zugleich auch völkische Elemente. Die AfD ist in ähnlicher Mischung und Intention gerade keine neue SPD, sondern eher eine „Opposition von oben“, gelenkt im Sinne von Managern und Millionären. Die erste Million kam 2014 vom langjährigen Cheflobbyisten der deutschen Industrie und Ex-Berater der Bank of America, Hans-Olaf Henkel. Alice Weidel wiederum arbeitete vor ihrer Parteikarriere für die Investmentbank Goldman Sachs sowie im Vorstandsbüro von Allianz Global Investors, einem der weltgrößten Vermögensverwalter.

Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung schrieb kurz nach Gründung der AfD: „Auftreten, Programm und Kommunikation kommen eher einer Marketing-Kampagne als einer politischen Bewegung gleich.“ Die Themen Islam und Migranten sollen Wählerstimmen und breite Akzeptanz an der Basis bringen, die eigentliche Agenda hinter solchen Aufreger-Themen aber ist eine andere.

Der wachsende Zuspruch für rechtskonservative Politiker in vielen Ländern ist dennoch nicht nur gutem Marketing geschuldet. Er gründet vor allem im Charakter „liberaler“ Politik, deren Erfolge in den letzten Jahren vor allem in Freihandelsabkommen, Privatisierungen, Bankenrettungen, Sozialabbau und Kriegen bestehen. Selbst in konservativen Elitenkreisen (nachzulesen etwa in einem Bericht der Münchner Sicherheitskonferenz) wird offen eingeräumt, dass „diese Art der Globalisierung“ zwar „den Eliten nützt“, viele aus der Mittelschicht aber „berechtigterweise glauben“, das System sei „manipuliert“. An der Spitze der Gesellschaft fehle es an der „notwendigen Selbstreflektion“. Ergänzen ließe sich: Es liegt in der Natur der Sache, dass sich für eine egoistische und zerstörerische Politik, die einer winzig kleinen Elite nützt, nicht dauerhaft demokratische Mehrheiten erzeugen lassen.

Die AfD und andere Rechtskonservative überall auf der Welt reiten nun schon seit Jahren erfolgreich auf einer antiliberalen Welle, wollen zugleich aber kaum etwas Grundsätzliches an der ungerechten und destruktiven „liberalen“ Wirtschaftsordnung ändern, sondern lediglich deren Lenkung wieder auf die nationale Ebene verschieben. Auch dieser Widerspruch wird selten thematisiert.

Zusammenarbeit mit der AfD?

Was folgt nun aus all dem für den Umgang der anderen Parteien mit der AfD? Kaum jemand dürfte bestreiten, dass mittelfristig die CDU natürlicher Koalitionspartner der AfD ist. Die Positionen der beiden Parteien liegen nahe beieinander. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder preschte nach der Magdeburger Wahl schon einmal vor und erklärte, das Konzept der Brandmauer sei „gescheitert“. Eine AfD-CDU-Koalition ist absehbar, erst in einzelnen Bundesländern, dann bundesweit. Danach könnte sich der Höhenflug der Partei spürbar dämpfen, denn die Niederungen der Regierungsarbeit und parlamentarischen Kompromissfindung schleifen jedes Wahlprogramm und jede scharfe Rhetorik naturgemäß ab. Daher müssten eigentlich auch – aus einer strategischen Perspektive – alle anderen Parteien ein Interesse daran haben, dass die AfD möglichst bald in Regierungsverantwortung genommen wird, und sich der Oppositionshöhenflug eben nicht noch jahrelang so fortsetzt wie bisher, mit dem absehbaren Ergebnis einer Alleinregierung der AfD.

Wie auch immer man zur AfD steht: Eine Machtbeteiligung dieser Partei scheint kaum noch aufzuhalten, sie liegt „in der Luft“, in der Stimmung der Bevölkerung, gegen die wahrscheinlich keine Schlagzeilen mehr erfolgreich werden anschreiben können. Eine offene Frage bleibt, in welcher Form diese Machtbeteiligung erfolgen wird – und mit welcher Möglichkeit der Mitsprache anderer Parteien.

Aber vielleicht ist die mittelfristig zu erwartende absolute Mehrheit der AfD tatsächlich auch heimlicher Wunsch manch eines Vertreters der anderen Parteien – dann könnte man das erprobte Feindbild beibehalten und bräuchte keinen riskanten Dialog mit der Gegenseite zu suchen, wie ihn das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt jetzt eigentlich fordert. Ob solche Feindbildpflege und kommende AfD-Alleinregierung dann wirklich zum Besten des Landes sind, steht gleichwohl auf einem anderen Blatt.

Titelbild: Die Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund (AfD) und Sven Schulze (CDU) beim Wahlduell des MDR am 26. August, im Vordergrund ein Monitor mit den Umfrageergebnissen kurz vor der Wahl | Bild: picture alliance/dpa / Klaus-Dietmar Gabbert

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Diskussion

11 Kommentare
DIETER R., 15. September 2026, 22:00 UHR

Herr Schreyer, Glückwunsch zu diesem Beitrag. Da ist Ihnen ja wieder ein Meisterstück gelungen! Sehr gut gefallen hat mir Ihre Auseinandersetzung mit der scheinheiligen Brandmauerpolitik und der Zuordnung "gesichert rechtsextrem" der derzeitigen Bundes- und Landesregierung in Sachsen-Anhalt. Den Vergleich der AfD mit der DNVP und nicht der NSDAP finde ich ebenfalls gelungen, der ist mir neu.

Ich gehe allerdings nicht zu 100% mit Ihrer Aussage mit, das die AfD der CDU am nächsten steht und dass diese daher der beste Koalitionspartner ist. Warum nicht?

(1) Die AfD fordert die Wiederaufnahme des Energiehandels mit Rußland (Gas und Öl).
(2) Die AfD will eine Aufarbeitung der Coronapolitik.
(3) Die AfD will eine Veränderung der Medienlandschaft (weg von den Propaganda- oder Mainstreammedien, die sowieso alle nur das Gleiche faseln und "betreutes Denken" mit Einordnen, langweiligen und falschen Narrativen usw. praktizieren).
(4) Die AfD will wieder deutsch-nationale Politik im Gegensatz zur supranationalen US-hörigen Vasallenpolitik der CDU.

Oder unterstellen Sie der AfD dort ebenfalls massive Propaganda, bzw. Wahlversprechen zu machen, die sie nicht einhalten wird? Ich sehe nicht, wie das mit CDU-Politik zusammengehen soll? Es wird ja so viel spekuliert und gerade weil die AfD noch nicht an der Macht war, ist diese ja auch schwer einzuschätzen ...

In meiner Wahrnehmung gibt es in der AfD auch verschiedene Flügel; ich weiß nicht, ob das mit Ost- und Westflügel am besten zu umschreiben ist (ich folge trotzdem dieser Einordnung mangels besseren Wissens). So gibt es z.B. unterschiedliche Aussagen zur Nato. Chrupalla hat ja nach den Hersh-Recherchen bei der Nord-Stream-Sprengung sinngemäß gesagt: "Wenn es sich bewahrheitet, das die USA und NATO-Verbündete an der Sprengung deutscher Energieinfrastruktur beteiligt waren, müssen wir über den Verbleib Deutschlands in der NATO nachdenken."

Lucassen, der ehemalige verteidigungspolitische Sprecher, steht voll hinter der Nato, wie Weidel höchstwahrscheinlich auch. Interessanterweise hat sich der Ostflügel gegen eine Wehrpflicht unter der jetzigen Bundesregierung ausgesprochen, weil diese keine deutschen Interessen mehr vertrete. Und schlußendlich hat der Ostflügel in einer Kampfabstimmung den oben erwähnten Lucassen zu Fall gebracht. Kurzum, es gibt offensichtlich nicht DIE AfD und die große Nähe zur CDU sehe ich in wesentlichen Punkten auch nicht. Abschließen möchte ich mit folgendem Zitat:

"Ich kann nicht garantieren, das es besser wird, wenn es anders wird, aber ich weiß, das es anders werden muß, wenn es besser werden soll."

KARL REITTER, 16. September 2026, 10:35 UHR

Wir leben in keiner Demokratie. Die repräsentative Demokratie ist ein hölzernes Eisen. Das politische System nennt sich Parlamentarismus und hat den Zweck, politische Herrschaft zu legitimieren. Sicher, besser Parlamentarismus als offene Diktatur. Aber bitte nicht von Demokratie sprechen. Sagen wir, was ist.

SIGRID PETERSEN, 16. September 2026, 12:20 UHR

„Dieses Wahlergebnis ist eine Katastrophe für unsere Demokratie“

Diesem Satz stimme ich 100%ig zu.

Allerdings aus dem gegensätzlichen Grund als von Amann geäußert. Denn in der Riege aller Opponenten der AfD beschleunigt sich der Demokratieabbau massiv. Hier seien allein die lt. Verfassungsrechtlern verfassungswidrigen Ausschlüsse von AfD-Politikern bei den Kommunalwahlen genannt. Aus Angst vor Machtverlust wird sich das vermutlich jetzt noch steigern. Und ob die paar Stimmen in der CDU, die die Brandmauer für obsolet halten, sich durchsetzen werden, halte ich angesichts der Medien- und Diffamierungskampagnen gegen die AfD etc. für auch noch nicht absehbar. AfD-Verbot? Angedachter Bundeszwang für eine Noch-Nicht Regierung? Man wird (weiterhin) zu allen möglichen nicht-demokratischen Mitteln greifen.

Ich muss sagen, ich finde die Aussagen, die AfD sei „eine Opposition von oben“, gelenkt von Managern und Millionen“, begründet durch die eine Million (Darlehen(!)) von Hans-Olaf Henkel und Alice Weidels Anstellungen zu Beginn ihres Berufslebens bei Goldman Sachs (ein Jahr) und bei Allianz Global Investors (zwei Jahre), etwas dünn. Die CDU/CSU, die SPD und die Grünen erhalten keine „Millionen“ aus der Wirtschaft? Und es käme letztlich darauf an, mit welchen Erkenntnissen Weidel diese Anstellung(en) beendet hat. Man frage sich, warum sie sich für die Selbstständigkeit entschieden hat, wenn sie doch bestimmt sehr gut bezahlte Jobs gehabt hat. Hat sie das mal jemand gefragt?

Die Gründung der AfD, der Henkel dann 2014 beitrat und 2015 austrat, geschah unter ganz anderen Vorzeichen und mit anderem Schwerpunkt. Henkel war Euro-Gegner wie auch die Gründer der AfD. Man kann, denke ich, die AfD 2013/2014 nicht mehr mit der AfD nach 2015 gleichsetzen. Warum ziehen Sie Argumente zur Begründung Ihrer Einschätzungen zur AfD heran, die sich auf eine AfD bezieht, die nicht mehr existiert?

Um dann noch Argumente zu finden, die AfD abzulehnen, würde auch die AfD auf der antiliberalen Welle reiten? Also Vertuschungsvorsatz? Täuschung der Wähler? Die AfD lehnt Freihandelsabkommen wie TTIP etc., sowie die Euro-Rettungspolitik, Privatisierung gegen den Willen der Bevölkerung ab, steht für soziale Marktwirtschaft und Deutschland als Sozialstaat. Im Grundsatzprogramm oder auch in den Wahlprogrammen lässt sich jedenfalls die von Ihnen nicht direkt, aber implizit behauptete neo-liberale und nicht-soziale Ausrichtung der AfD m.E. nicht finden. Eine Alternative wäre vielleicht, die AfD zur „Humanen Marktwirtschaft“ (nach P. Haisenko) zu bewegen.

Inwieweit die AfD zu ihrem Programm in möglicher Regierungsverantwortung dann stünde bzw. diese auch umzusetzen in der Lage sein würde, ja, das kann nur der Versuch bezeugen.

Insgesamt wünschte ich mir persönlich eine Abkehr von der repräsentativen Demokratie, denn mit der Parteiendemokratie ist man auf dem Weg in die Oligarchen-/Parteienherrschaft. „Die Parteien haben sich den Staat zur Beute gemacht“, so schon Karl Jaspers in den 50ger-60ger oder Herbert von Arnim in den 90ger Jahren des letzten Jahrhunderts.

PAUL SCHREYER, 16. September 2026, 23:05 UHR

Ich muss sagen, ich finde die Aussagen, die AfD sei „eine Opposition von oben“, gelenkt von Managern und Millionen“, begründet durch die eine Million (Darlehen(!)) von Hans-Olaf Henkel und Alice Weidels Anstellungen zu Beginn ihres Berufslebens bei Goldman Sachs (ein Jahr) und bei Allianz Global Investors (zwei Jahre), etwas dünn. (...) Die Gründung der AfD, der Henkel dann 2014 beitrat und 2015 austrat, geschah unter ganz anderen Vorzeichen und mit anderem Schwerpunkt. Henkel war Euro-Gegner wie auch die Gründer der AfD. Man kann, denke ich, die AfD 2013/2014 nicht mehr mit der AfD nach 2015 gleichsetzen. Warum ziehen Sie Argumente zur Begründung Ihrer Einschätzungen zur AfD heran, die sich auf eine AfD bezieht, die nicht mehr existiert?

Der Einwand schiene mir stichhaltig, wenn sich das Parteiprogramm mit Blick auf Wirtschafts-, Finanz-, und Steuerpolitik – also das, was die Millionäre vor allem betrifft –, seit Gründung wesentlich geändert hätte. Das scheint mir allerdings nicht so zu sein. Die AfD ist in diesen Politikfeldern weiter eher eine Mischung aus FDP und CDU ("Vermögen- und Erbschaftsteuer abschaffen", "Obergrenze für Steuern und Abgaben", staatliche Eingriffe in die Wirtschaft "auf das notwendige Minimum begrenzen", "für in- und ausländische Investoren kalkulierbar", "Schutz des Privateigentums unentbehrlich"). Von daher halte ich es weiter für relevant, den Blick auf die Gründung und die Intentionen der damaligen Akteure zu legen.

SIGRID PETERSEN, 17. September 2026, 13:50 UHR

Vielen Dank für Ihre Antwort!

Okay, eine Mischung aus FDP und CDU in den genannte Bereichen. Aber ist es nicht sinnvoll, hier etwas ins Detail zu gehen? Es ist ja wohl nicht zu erwarten, dass die AfD in puncto Wirtschaftspolitik und Regulierung der Linken nahe kommen würde, die eine starke Regulierung fordert, was in Planwirtschaft enden könnte. Oder soll? Oder betrachtet man heute die staatlich angeordnete und staatlich geförderte Energiepolitik, wird doch offensichtlich, wohin staatliches Eingreifen in Wirtschaft führt/führen kann.

Nun sollte man aber die Details betrachten. Die Vermögens- und Erbschaftsteuer abschaffen zu wollen, liefert die AfD keine unplausible Begründung (Verlagerung der Vermögen(-swerte) ins Ausland). Auch für die Obergrenze für Steuern und Abgaben. Ich hatte den Vorschlag der AfD (die 22%+3%-Regelung – „Ertragssteuer“) einmal durchgerechnet und bin zu dem erstaunlichen Ergebnis gekommen, dass tatsächlich die unteren Einkommensgruppen und Familien mit Kindern am meisten profitieren würden und die höchsten Einkommen letztlich gar nicht, weil diese über „Spielräume“ sowieso bei den 25% liegen. (nachzulesen hier: https://www.anderweltonline.com/klartext/klartext-20251/afd-eine-partei-neoliberal-bis-ins-mark/ )

Die staatlichen Spielräume auf das Minimum zu begrenzen bedeutet doch im Umkehrschluss nicht, dass alles erlaubt ist, was Profite bringt. Staatliche Eingriffe würde die AfD z.B. dort ansetzen, wo Monopolbildung verhindert werden muss. Das halte ich für einen guten Ansatz, denn hier liegt die Gefahr der Geld- und damit Machtmittelkonzentration. Hier wird „freie Marktwirtschaft“ ausgehebelt. Und natürlich ist der Schutz des Privateigentums unentbehrlich. Dieser Schutz betrifft erst einmal uns alle. Ich sehe auch zwingend die Unterscheidung bei Vermögen großer Unternehmen beim Vermögen in Betriebs- und Privatvermögen genau hinzuschauen, denn bei vielen Unternehmen, gerade bei „Familienunternehmen“ stehen sie mit ihrem Privatvermögen für den Betrieb ein.

Es kommt doch darauf an, wie ein Staat die Rahmenbedingungen steckt, dass sowohl der Arbeitnehmer als auch der Arbeitgeber vom Profit der hergestellten Produkte, also von der Mehrwertschaffung, angemessen profitiert - angemessene Beteiligung an der Produktivitätsrate, die in Deutschland anscheinend ganz „vergessen“ wurde. Hier gilt es, entsprechende Regelungen zu finden. Ob die AfD-Vorschläge das gelbe vom Ei sind, sei dahingestellt, die AfD selbst sagt ja, dass der Erfolg einem Monitoring unterliegen muss, um den Erfolg oder auch Nicht-Erfolg bestätigen zu können.

In der Realwirtschaft ohne Monopole finden sich kaum (oder überhaupt nicht?) Vermögensanhäufungen, die jeder Ethik widersprechen. Solchen schon „schmutzigen“ Vermögenskonzentrationen müsste der Riegel vorgeschoben werden. Hier bewegen wir uns dann allerdings weitgehend außerhalb des deutschen Einflussbereiches. Und auch den vielen leistungslosen und gleichzeitig risikolosen Einkommensmöglichkeiten muss der Riegel vorgeschoben werden.

PAUL SCHREYER, 18. September 2026, 09:55 UHR

Es ist ja wohl nicht zu erwarten, dass die AfD in puncto Wirtschaftspolitik und Regulierung der Linken nahe kommen würde, die eine starke Regulierung fordert, was in Planwirtschaft enden könnte. Oder soll? Oder betrachtet man heute die staatlich angeordnete und staatlich geförderte Energiepolitik, wird doch offensichtlich, wohin staatliches Eingreifen in Wirtschaft führt/führen kann.

Das meinte ich ja: Die AfD ist konzipiert als Interessenvertretung der Stärksten (Konzerne / Multimillionäre) und soll – so wie die im Artikel erwähnte DNVP in den 1920er Jahren – verhindern, dass in der Krise die Unzufriedenen vor allem bei sozialdemokratischen Parteien ihr Kreuz machen. Zu diesem Zweck wird eine zentrale staatliche Planung als generell verderblich für eine Volkswirtschaft dargestellt. Das ist immer die Agenda der FDP gewesen, in Teilen der CDU. Da diese beiden Parteien an Attraktivität für viele Wähler verloren haben, steht nun die AfD bereit – und ist, so mein Eindruck, auch genau dafür konzipiert. Daher meine Formulierung "Opposition von oben".

SIGRID PETERSEN, 18. September 2026, 15:15 UHR

Ich danke nochmals für die Antwort.

Schauen Sie sich doch bitte einmal die Spendenverteilung der Parteien an. Nehmen Sie die letzten drei, vier Jahre. Diese sind sowohl bei „donation.watch“ als auch vom Deutschen Bundestag veröffentlicht. Und dann schauen Sie sich die vier Großspender der AfD an und fragen Sie sich nach deren Motivlage, genauso wie man die Motivlage des Großspenders für das BSW betrachten kann. Hier hat ein(!) Spender 2024 bis 2026 über 8 Millionen Euro gespendet, seine Motivlage hat er erklärt. Das BSW als Anti-Kriegspartei. Ist die AfD auch, aber früher hätten sie (das Ehepaar) immer grün gewählt. Bis auf Die Linke, werden die größeren Parteien alle reichlich von Konzernen/Millionären unterstützt.

Ich für meinen Teil kann das „ist konzipiert als Interessenvertretung der Stärksten (Konzerne / Multimillionäre)“ nicht erkennen. Vor allem setzt „konzipiert für“ eine Grundmotivation für überhaupt die Gründung voraus. Das müsste schon stark belegt sein. Dieses trifft entsprechend auf die „Verbindung“ zur DNVP zu. Ja, die DNPV wird beschrieben als Interessensvertretung der politischen und wirtschaftlichen Interessen der Eliten des Kaiserreiches. Eine Partei, die sich das Kaiserreich zurückwünschte und das demokratische System bekämpfte. Ob auch nur irgendeine Partei der heutigen Zeit mit einer Partei von vor hundert Jahren auch nur ansatzweise vergleichbar ist, stelle ich stark infrage. Nicht einmal die Linke oder die SPD sind mit ihren Vorgängern aus dieser Zeit vergleichbar. Und ich halte es auch für müßig, sich darüber Gedanken zu machen. Es zählt, was eine Partei heute vertritt und was sie tatsächlich davon umsetzt, wenn sie in Regierungsposition kommt.

Dass Grundsatz- und Wahlprogramme oftmals nur bedrucktes Papier sind, das durften wir in den letzten Jahrzehnten häufig und deutlich genug erfahren. Ob es mit der AfD nicht anders läuft, müssten wir erst noch erfahren. Alle(!) anderen Parteien (und ich kann das BSW hier wg. Thüringen nicht ausnehmen), die jemals bis zum Bundestag aufgestiegen sind, haben uns den Beweis schon geliefert, auch wenn sie bisher nur in Opposition waren. Hier möchte ich für die meisten Parteien nur einmal die Corona-Zeit erwähnt haben, wie natürlich auch den Friedenswillen betreffend.

„verhindern, dass in der Krise die Unzufriedenen vor allem bei sozialdemokratischen Parteien ihr Kreuz machen“

Das kann doch nicht Ihr Ernst sein! Die christlichen und sozialdemokratischen Parteien haben doch in die Krise geführt! INKLUSIVE die Corona-Jahre! Dass in MV die SPD bei ca. 35% steht, ist doch nicht mehr nachvollziehbar.

„wird eine zentrale staatliche Planung als generell verderblich für eine Volkswirtschaft dargestellt.“

Das mag daran liegen, dass uns das Gegenteil bisher nicht vorliegt, außer jetzt China. Mir ist bewusst, dass bisher sämtliche Länder, die dieses „Experiment“ versucht haben, jeweils auch aufgrund starker Sanktionen (oder die Sowjetunion mittels Verwicklung in Kriege und Aufrüstungswettbewerb) am Beweis des Gegenteils gescheitert sind. Ob ein solches Modell prinzipiell auf einen Industriestaat passt? Zweifel sind da m.E. nicht unangebracht.

PAUL SCHREYER, 21. September 2026, 10:20 UHR

Zu den Spendern der AfD:

2016 und 2017, kurz vor dem Einzug der AfD in den Bundestag, erhielt die Partei millionenschwere Wahlkampfhilfe mittels mehrerer großer Zeitungs- und Plakatwerbekampagnen, lanciert über einen dubiosen "Verein zur Erhaltung der Rechtsstaatlichkeit und der bürgerlichen Freiheiten", dessen Finanziers aber im Dunkeln blieben. Der Verein Lobbycontrol schrieb in einer Analyse, es handle sich hierbei "um die wahrscheinlich größten intransparenten Geldflüsse der letzten Jahre zugunsten einer einzelnen Partei":
https://www.lobbycontrol.de/wp-content/uploads/Hintergrundpapier_Verdeckte_Wahlhilfe_AfD.pdf

Milliardär und Privatbankier August von Fink soll ebenfalls in die verdeckte Finanzierung der AfD verwickelt gewesen sein:
https://lobbypedia.de/wiki/August_von_Finck
https://www.spiegel.de/politik/deutschland/afd-unterstuetzung-die-spur-zu-milliardaer-august-von-finck-a-1240069.html

Einige der Spender sollen zudem Strohleute sein, die Herkunft der Gelder wäre demnach in einigen Fällen verschleiert:
https://www.zeit.de/politik/deutschland/2019-03/afd-spendenaffaere-parteispenden-alice-weidel-spenderliste

Dann das Spitzenpersonal in der Anfangszeit:

Beatrix von Storch zum Beispiel agierte vor ihrer Zeit bei der AfD viele Jahre im Zentrum eines weitverzweigten Netzwerks konservativer Unternehmer. Sie arbeitete zunächst im Vorstand des sogenannten "Bürgerkonvents", eines Vereins, der vom schon erwähnten rechtskonservativen Bankier und Milliardär August von Finck unterstützt wurde, und wo man sich für den Abbau von Sozialleistungen zugunsten privater Vorsorge einsetzte sowie überhaupt für einen geringeren Einfluss des Staates. Der Kündigungsschutz sollte abgebaut werden, die Privatisierung der Altersvorsorge und des Gesundheitswesens vorangetrieben.

Am "Bürgerkonvent", der von 2003 bis 2015 existierte, beteiligten sich so illustre Prominente wie der Unternehmensberater Roland Berger oder der Manager Hans-Olaf Henkel. Diese Bürgerinitiative der Millionäre war eine Art Vorläufer der AfD. Henkel, langjähriger Cheflobbyist der deutschen Industrie sowie bis 2013 Berater der Bank of America und deren Repräsentant in Berlin, wurde denn auch zum ersten Sprecher der AfD. Er gewährte der Partei 2014, wie schon angeführt, aus Privatmitteln einen Kredit in Höhe von einer Million Euro.

Auch andere führende Parteipolitiker haben einen guten Draht nach ganz oben. Zum stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden wurde 2017 Roland Hartwig gewählt, der zuvor knapp zwanzig Jahre lang als Chefjurist für den Chemiekonzern Bayer tätig war. Hartwig leitete auch den Rechtsausschuss des Verbandes der chemischen Industrie, eines der mächtigsten Lobbyverbände Deutschlands.

Stellvertretender Bundesvorsitzender der AfD wiederum war 2017 bis 2019 Georg Pazderski. Er diente zuvor als Oberst der Bundeswehr und war von 2005 bis 2010 auf einem Militärstützpunkt in Florida stationiert, wo er als Leiter einer internationalen Planungsgruppe US-Generäle beim "Krieg gegen den Terror" beriet. Von Florida aus wurden (und werden) die Kriege in Afghanistan und im Irak befehligt. Pazderski arbeitete damals direkt für General David Petraeus, der wenig später CIA-Chef wurde und dann bei einem der weltgrößten Finanzinvestoren (KKR) angestellt war. Oberst Pazderski ging kurz darauf in Rente und übernahm 2013 die Geschäftsführung der neugegründeten AfD, die er dann zwei Jahre lang generalstabsmäßig leitete. In einem Interview bekannte er offen, noch immer das gleiche politische Weltbild zu haben wie im Kalten Krieg. Befragt zur Sozialpolitik gab er an, beispielsweise die Hartz-IV-Sanktionen für richtig zu halten, angesichts von Menschen, "die es sich in der sozialen Hängematte bequem gemacht haben."

Das ist das größere Bild, wie es sich mir darstellt.

SIGRID PETERSEN, 21. September 2026, 17:30 UHR

Lieber Herr Schreyer,

der Vorwurf, den Sie der AfD machen, lautet Interessensvertreter der Stärksten, nämlich der Multi-Millionäre und Konzerne, zu sein. Und Sie begründen dies damit, dass die AfD von Seiten dieser mit Millionen unterstützt wird. Und in Ihren Augen damit diskreditiert ist, Vertreter der Interessen unterer und mittlerer Einkommen sein zu können.

Ich gebe Ihnen grundsätzlich Recht, hier ein kritisches Auge auf die AfD zu werfen, wenn es sich um intransparente und damit um illegale Spenden handelt. Alle Parteien „verdienen“ es, von uns kontrolliert zu werden! Illegale Spenden sind allerdings ein anderes, eher ein juristisches Thema und dieses sollte auch immer geklärt werden. Für die Wahlkampfspenden soll dieses laut Bundesverwaltung im Falle der AfD für 2016/2017 bis zur 19. Wahlperiode (2021) jedenfalls, nicht nachweisbar gewesen sein. Aber egal … An dieser Stelle sollte man, glaube ich, nicht ganz aus den Augen verlieren, dass Spender, die der AfD spenden, in den Fokus der Gegenöffentlichkeit geraten und diffamiert werden. Die Angst, sich öffentlich zur AfD zu bekennen, existiert eben in Unserer Demokratie und deswegen Spenden über „Schein-Vereine“ oder Strohmänner???

Auch nicht aus dem Blick nehmen darf man, wie von mir dargelegt, dass ALLE Parteien, außer DieLinke, von Großkonzernen und (Multi-)Millionären unterstützt werden. Dazu kommt, dass die Altparteien über die Mainstreammedien wie ÖRR und Zeitungen und Zeitschriften massiv „gefördert“ werden, darüber hinaus besitzen insbesondere die CDU und die SPD Beteiligungen an Medienunternehmen. 2001 Titelte der Deutschlandfunk: „Das Unternehmensimperium der SPD“ im Zusammenhang mit der SPD-Eigentümerschaft an der Deutschen Druck und Verlagsgesellschaft (DDVG).

August Fink spendet viel, auch der CDU und der FDP. Und Indizien für irgendetwas in 2013 oder sonstiges, für das der „Spiegel“ Indizien hat, zumal wenn es um die AfD geht, interessieren mich nicht.

Warum sollte man sich an Vorläufern der AfD oder auch an Personalien, die einmal Funktionen in der AfD ausgeführt haben, festbeißen. (Schauen Sie sich doch die Gründungsmitglieder von DieLinke an, was würde man da vielleicht alles in deren Vergangenheit finden, die CDU-Zusammensetzung in der Anfangszeit der BRD (lauter Ex-NSDAPler) oder auch die Gründungsmitglieder der Grünen (auch einige mit „rechter“ Vergangenheit) – wen interessiert das alles noch? Aber gewichtig für heute: BlackRock-Merz im Hier und Jetzt, der gerade demonstriert, in wessen Interesse er arbeitet. Es zählt, was eine Partei jetzt vertritt und es zählt, was eine Partei davon umzusetzen bereit ist.

Die AfD hat in ihrem Grundsatzprogramm den Punkt „1.5.1 Parteienfinanzierung dem Verfassungsrecht anpassen“. Hat sie hier vielleicht aus den „Verwicklungen“ der Vorjahre gelernt? Verbot der Annahme von Firmen-Spenden.

Meine Meinung? Parteienfinanzierung über Mitgliedsbeiträge! Und Parteispenden max. 10.000 €/Einzelspender im Jahr. Da müssten alle Parteien gut in die Puschen kommen und in Persona Wahlwerbung auf der Bühne machen. Das könnte der erste Schritt zur Abschaffung der Parteien sein, denn man lernt seine Abgeordneten kennen – Direktwahl – und dann wird nur noch direkt gewählt, keine postensichernden Parteilisten mehr.

Ich habe auch Vorwürfe gegenüber der AfD. Die liegen allerdings auf ganz anderer Ebene.

Welchen Handlungsspielraum wir in D generell haben, unsere Zukunft selbst zu gestalten, steht auf einem ganz anderen Blatt.

Die Leser dieser „kontroversen Diskussion“ werden sich nach Prüfung der Argumente ihre eigene Meinung bilden.

GUTEN MUTES, 16. September 2026, 22:00 UHR

Vielen Dank für diesen so klarsichtigen und spannenden Beitrag. Interessant finde ich unter anderem den Vergleich mit der DNVP und hilfreich Ihre Kommentare zum üblichen Framing der Partei. Am Ende habe ich eine ähnliche Einschätzung. Ich glaube auch, dass zumindest laut Programm von der AfD eher mehr als weniger Demokratie zu erhoffen ist. Dazu trägt auch bei, dass sie diese etwas unheimliche Tabuisierung von Kritik an der Regierung beendet hat.

Gleichzeitig vermute ich auch, dass das Spektaktel zum Thema Migration (was mir ungute Gefühle macht) möglicherweise andere Interessen verbergen könnte. Während es bei CDU, SPD & Co Verbindungen zu BlackRock, Gates oder der WHO ... gibt, so schimmert hier gelegentlich eine größere Nähe zu China, Trump oder Musk... durch. Im Moment bin ich froh, dass sich einmal ein Unmut in der Bevölkerung Ausdruck verschaffen konnte und der eigentliche Souverän wieder mehr in den Blick rückt. Schauen wir mal, was da kommen mag.

ADI GOLBACH, 18. September 2026, 11:35 UHR

Nicht nur der Artikel von Paul Schreyer ist empfehlenswert, sondern auch die daran anschließende, teils kontroverse Diskussion mit Lesern, mit hochwertigen Kommentaren. Eine Diskussion, wie sie sein sollte.

Mein einziger Kritikpunkt an Paul Schreyers Text: mir kommt das Thema Frieden zu kurz, auch wenn es laut Überschrift nicht im Mittelpunkt steht. Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts (Willy Brandt). Und Frieden mit den Nachbarn und allen Ländern sollte immer die höchste Priorität in einer Demokratie haben. Selbst wirtschafts- und sozialpolitische Fragen müssen dagegen zurückstehen.

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