Schwein in einem Schlachtbetrieb | Bild: picture alliance / Reuters / Jason Lee

Fleisch als Maß aller Dinge?

Schnitzel, Frikadellen, Schweinerippchen: Fleischgerichte sind Teil einer lange gepflegten Tradition. Eine pflanzenbasierte Ernährung hingegen gilt vielen als grüne Modeerscheinung, als unsinniger, wenn nicht gesundheitlich bedenklicher Verzicht auf energiereiches, wohlschmeckendes Essen. Ein Blick auf die Fakten.

PAUL SCHREYER UND SUSANNE WOLF, 18. Mai 2026, 14 Kommentare, PDF

T. Colin Campbell, Jahrgang 1934, ist heute 92 Jahre alt. Er wuchs auf einem Milchviehbauernhof in den USA auf, melkte selbst die Kühe und war der erste in seiner Familie, der eine Hochschule besuchte. Dort studierte er Veterinärmedizin und erforschte Methoden zum schnelleren Wachstum von Kühen und Schafen. So wollte er mithelfen, die Produktion von tierischem Eiweiß zu verbessern, für ihn ein Grundpfeiler gesunder Ernährung und ein Schritt zur Bekämpfung des Hungers auf der Welt. „Ich wollte Gesundheit fördern, indem ich für den Verzehr von mehr Fleisch, Milch und Eiern eintrat“, so Campbell in seinem 2005 erschienenen Buch „The China Study“, in dem er auch seinen eigenen Lebensweg nachzeichnet.

Das Buch ist eine populärwissenschaftliche Darstellung der gleichnamigen Studie, die 1990 veröffentlicht wurde, und als weltweit umfassendste epidemiologische Untersuchung zum Zusammenhang von Ernährung und Krankheit gilt. Ihr vorausgegangen waren Studien Campbells seit den 1970er Jahren, die – zunächst ihn selbst überraschend und für die Fachwelt überaus provokant – nachwiesen, dass tierisches Eiweiß das Tumorwachstum steigert, pflanzliches Eiweiß hingegen nicht. (1) Pflanzliche Nahrungsmittel senkten die Tumorentwicklung vielmehr und trugen zu einer Heilung bei. „Durch Ernährung kann Krebs ‚ein-‘ und ‚ausgeschaltet‘ werden“, so der Forscher. (2)

Campbell ist kein wirrer Einzelgänger, sondern veröffentlicht in den angesehensten Journalen, seine Beiträge sind durch wissenschaftliche Gutachter überprüft („peer-review“). An der Cornell University war er bis zu seiner Pensionierung Professor für Ernährungsbiochemie. Seine bekannteste Arbeit ist die erwähnte „China Study“ – auch bekannt als China-Cornell-Oxford-Project –, eine groß angelegte Beobachtungsstudie unter Campbells Leitung, gemeinsam geplant und durchgeführt von der Cornell University, der Oxford University und der chinesischen Regierung. Die Studie untersuchte in den 1980er Jahren, welchen Einfluss eine tierische gegenüber einer pflanzlichen Ernährung auf die Gesundheit hat. Bei Erscheinen 1990 bezeichnete die New York Times die Studie als den „Grand Prix der Epidemiologie“. Zu den Hintergründen berichtet Campbell:

„In den 70er Jahren starb der Premierminister von China, Zhou Enlai, an Krebs. Selbst von dieser tödlichen Erkrankung betroffen, rief Premierminister Zhou eine landesweite Erhebung ins Leben, um Informationen über diese Krankheit, über die man nicht viel wusste, zu sammeln. Daraus entstand eine gewaltige Datenerhebung über Sterblichkeitsraten von zwölf verschiedenen Krebsarten (…). Das Endergebnis der Datenerhebung war ein großformatiger, farbkodierter Atlas, der zeigte, wo bestimmte Krebstypen häufig vorkamen und wo sie beinahe nie auftraten. Dieser Atlas machte deutlich, dass in China Krebs örtlich eingegrenzt war. (…) Könnte es womöglich sein, dass Krebs größtenteils auf Umwelt- und Lebensstilfaktoren und nicht auf genetische Faktoren zurückzuführen ist? (...)

Wir stellten ein Forschungsteam von Weltklasse zusammen. (…) Es sollte das erste größere Forschungsprojekt zwischen China und den Vereinigten Staaten werden. (…) Wir beschlossen, die Studie so ausgedehnt und umfangreich wie nur möglich zu gestalten. Mit Hilfe des Krebs-Atlas hatten wir Zugang zu den Sterblichkeitsraten von mehr als vier Dutzend unterschiedlichen Krankheiten, darunter verschiedenen Krebstypen, Herzerkrankungen und Infektionskrankheiten. Wir erfassten 367 Variablen und verglichen jede einzelne mit allen anderen Variablen. Wir reisten in 65 Landkreise in ganz China und führten Befragungen und Bluttests bei 6.500 Erwachsenen durch. Wir nahmen Harnproben ab und erfassten vor Ort sämtliche Nahrungsmittel, die die Familien während eines Dreitageszeitraumes gegessen hatten. Zudem analysierten wir Nahrungsmittelstichproben von Märkten im ganzen Land.“ (3)

Der Fakt, dass die Menschen in China ihr Protein fast ausschließlich aus Pflanzen bezogen, schuf eine Vergleichsgruppe zu den USA, wo das Protein zum übergroßen Teil aus tierischen Nahrungsbestandteilen kommt. „Der Unterschied zwischen der Ernährungspraxis im ländlichen China und der westlichen Ernährungspraxis und den sich daraus ergebenden Krankheitsmustern ist enorm“, so Campbell. „Durch diesen charakteristischen Unterschied wurde diese Studie so bedeutend.“

Sich krank essen

Sein Team fand heraus, dass einer der größten Frühindikatoren für westliche „Wohlstandskrankheiten“ (Krebs, Diabetes, Herzerkrankungen) das Blutcholesterin ist. „Mit dem Anstieg der Blutcholesterinwerte in bestimmten Landkreisen im ländlichen Raum Chinas stieg auch die Neuerkrankungsrate der ‚westlichen‘ Erkrankungen.“ Mit der Senkung der Cholesterinwerte „nahmen auch Leberkrebs, Rektumkrebs, Dickdarmkrebs, Lungenkrebs, Brustkrebs, Leukämie, Hirntumore, Magenkrebs, Speiseröhren- und Kehlkopfkrebs ab“. (4) Dass Cholesterin für das Herz eine Belastung darstellt, ist lange bekannt, doch die vielgestaltige Verbindung zu Krebs war eine bedrückende Neuigkeit. Campbell weiter:

„Wie wird das Blutcholesterin durch Essen beeinflusst? Kurz umrissen ist es so, dass der Verzehr von Nahrungsmitteln tierischen Ursprungs mit steigenden Blutcholesterinwerten korreliert. Beinahe ausnahmslos war die Aufnahme von Nährstoffen aus pflanzlichen Nahrungsmitteln mit abnehmendem Blutcholesterinspiegel assoziiert.“ (5)

Es erstaunte Campbells Team, dass westliche Erkrankungen in China überhaupt auftraten, weil dort sowohl das Blutcholesterin als auch der tierische Proteinkonsum im Vergleich zu den USA so außerordentlich niedrig waren. Letzterer betrug lediglich ein Zehntel pro Person im Vergleich zu den USA. Die Forscher erwarteten, dass es bei derart niedrigen Werten keinerlei Verbindungen zu westlichen Erkrankungen geben würde. „Aber wir lagen falsch. Sogar diese kleinen Mengen von Tierprodukten im ländlichen China erhöhten das Risiko für westliche Erkrankungen. Das zeigte sich an der hochsignifikanten Verbindung zwischen Blutcholesterin und westlichen Erkrankungen (insgesamt) und der Verbindung zwischen Blutcholesterin und tierischem Protein.“ (6)

„Einer der Faktoren, die wir untersuchten, war die Häufigkeit von Krebserkrankungen innerhalb jeder Familie. Der Konsum tierischen Proteins war in der China Study auf überzeugende Weise mit der Krebshäufigkeit in Familien in Verbindung gebracht worden. Diese Verbindung ist eine eindrucksvolle und signifikante Beobachtung, bedenkt man den außergewöhnlich niedrigen Konsum von tierischem Protein bei einem Großteil der Bevölkerung.“ (7)

Viele Menschen sind instinktiv der Auffassung, es mache sie größer und stärker, tierisches Protein aufzunehmen, etwa indem sie Fleisch essen. Dahinter steckt der Gedanke, dass Protein für körperliche Kraft erforderlich ist. Und da Nahrungsmittel tierischer Herkunft mehr Protein enthalten, seien diese auch besser. Die Studie zeigte jedoch, dass das Körperwachstum nicht an tierischem Protein hängt. „Ein höherer Konsum von pflanzlichem Protein stand in engem Zusammenhang mit einer höheren Körpergröße und einem höheren Körpergewicht. Das Körperwachstum steht generell mit Protein im Zusammenhang. Sowohl tierisches als auch pflanzliches Protein ist effizient!“ (8) Nur, dass die pflanzliche Ernährung eben nicht krank macht.

Dass Menschen in nichtindustrialisierten Ländern, die kaum Nahrungsmittel tierischer Herkunft zu sich nehmen, oft kleiner und zarter sind als Menschen im Westen, hängt laut Campbell damit zusammen, „dass die pflanzenbasierte Ernährung in armen Ländern im Allgemeinen eine unzureichende Vielfalt und mangelhafte Quantität und Qualität“ aufweise. „Dazu kommen noch schlechte Rahmenbedingungen, was das öffentliche Gesundheitswesen betrifft, und demzufolge eine große Verbreitung von Kinderkrankheiten. Unter diesen Umständen ist das Wachstum unterentwickelt und die Menschen erreichen nicht ihr genetisches Potenzial für die Körpergröße im Erwachsenenalter.“ Die volle Körperstatur könne mit einer pflanzenbasierten Ernährungsweise dennoch erreicht werden, wenn diese hindernden Umstände korrigiert sind. (9)

Infolge seiner Erkenntnisse hörte Campbell selbst damit auf, Fleisch zu essen und verzichtete größtenteils auch auf Milchprodukte. Er erläutert: „Die Ernährungsumstellung erfolgte ursprünglich aus gesundheitlichen Gründen, aufgrund meiner Forschungsergebnisse, ging aber mit einem steigenden Bewusstsein für die ethischen und ökologischen Begründungen für eine pflanzenbasierte Kost einher. Von einer Kindheit, in der ich täglich mindestens zwei Liter Milch getrunken habe, bis hin zu einer frühen Berufslaufbahn, als ich Vegetarier verspottete, machte ich nun eine außergewöhnliche Wende in meinem Leben – und meine Familie folgte mir darin.“

T. Colin Campbell im Alter von 89 Jahren | Bild: picture alliance / Everett Collection

Campbell steht nicht allein: Dass der Verzehr von Fleisch sich nachteilig auf die Gesundheit auswirken kann, wurde in zahlreichen Studien bestätigt. Dr. Caldwell Esselstyn, Leiter des Herzkreislaufprogramms am Cleveland Clinic Wellness Institute, führte eine Langzeitstudie mit Patienten durch, die an einer schweren Koronaren Herzkrankheit (KHK) litten; Basis der Studie war eine pflanzenbasierte Ernährung. Über einen Zeitraum von 10 Jahren nahmen mehr als 1.000 Patienten daran teil. Die Ergebnisse: Fünf der 24 Patienten in Dr. Esselstyns erster Studie erhielten von Kardiologen die Prognose, weniger als ein Jahr zu leben. Zwölf Jahre später, nach der Anwendung des Esselstyn-Programms, waren sie beschwerdefrei. Die Symptome ließen innerhalb von acht bis zwölf Wochen nach Programmbeginn nach und verschwanden oft vollständig. Innerhalb weniger Monate sank der Cholesterinspiegel der Patienten.

Fleisch als Massenprodukt

Auch wenn der Pro-Kopf-Fleischkonsum in Deutschland in den vergangenen Jahren leicht gestiegen ist, zeichnet sich auf lange Sicht dennoch ein Abwärtstrend ab. Im Jahr 2025 wurden rund 55 Kilogramm Fleisch pro Kopf verzehrt, 2011 waren es noch 63,8 Kilogramm. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt nicht mehr als 300 Gramm Fleisch und Wurst pro Woche – das sind 18 kg pro Jahr. Zum Vergleich: In den USA, Argentinien, Australien oder Spanien ist der jährliche Fleischkonsum mit 100 bis 120 Kilogramm pro Kopf besonders hoch; in Indien werden Schätzungen zufolge durchschnittlich acht Kilogramm Fleisch pro Kopf und Jahr gegessen.

Fleisch als Nahrungsmittel der Massen ist ein relativ neues Konzept. Lange Zeit war Fleisch eine rare Delikatesse, die nur ein bis zweimal pro Woche auf den Tisch kam. In Deutschland markierte die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg – das sogenannte „Wirtschaftswunder“ – einen Wendepunkt: der Sonntagsbraten wurde zum täglichen Fleischgericht. Seit den 1960er Jahren hat sich die weltweite Fleischproduktion mehr als vervierfacht. Dieser Anstieg ist eng mit dem globalen Bevölkerungswachstum und dem steigenden Wohlstand in Schwellenländern verknüpft – dort gilt Fleisch als sichtbares Zeichen, die Armut überwunden zu haben.

In aufstrebenden Ländern wie Brasilien oder Vietnam ist der Fleischkonsum in den vergangenen Jahren rasant angestiegen. Besonders deutlich wird dieser Trend in China, wo heute etwa ein Drittel des weltweit produzierten Schweinefleisches konsumiert wird. Dementsprechend ist auch die Produktion gestiegen: Ungefähr die Hälfte der 115 Millionen Tonnen Schweinefleisch, die weltweit hergestellt werden, kommt aus China. Welche Auswüchse der Fleischhunger dort hat, zeigen Hochhäuser, in denen Schweine gemästet werden – um Platz und Ressourcen zu sparen. 2022 berichtete der Guardian von einem 26-stöckigen Hochhaus in der Hubei-Provinz, in dem 1,2 Millionen Tiere pro Jahr geschlachtet werden können; inzwischen gibt es mehrere solcher Anlagen im Land.

Auch in Deutschland ist der Hunger nach Schweinefleisch groß, über die Hälfte des Fleischkonsums entfällt laut Statistik auf diese Fleischsorte. Der Tierschutzorganisation PETA zufolge wurden in Deutschland im Jahr 2023 rund 44 Millionen Schweine wegen ihres Fleisches getötet. Über 99 Prozent von ihnen lebten in der konventionellen Tierhaltung zusammen mit durchschnittlich 1.000 bis 2.000 Artgenossen auf engem Raum, beschreibt PETA. 2023 wertete die deutsche Verbraucherschutzorganisation foodwatch für den Report „Tierleid im Einkaufskorb“ mehrere tiermedizinische Studien aus. Das Ergebnis: In allen Haltungsstufen – konventionell und Bio – leiden Tiere unter schweren, produktionsbedingten Krankheiten. Ein Beispiel: Knapp 40 Prozent aller Schweine in konventioneller Haltung haben krankhafte Befunde wie Lungenentzündungen, offene Wunden oder Abszesse – in der Bio-Haltung sind es mit 35 Prozent kaum weniger.

Schweine in einem niedersächsischen Betrieb mit Vollspaltenböden | Bild: picture alliance/dpa / Lars Klemmer

„Eine Tiergesundheitsstrategie, wie wir sie fordern, hat die Bundesregierung bisher nicht umgesetzt“, sagt dazu eine foodwatch-Sprecherin. „Im Koalitionsvertrag haben die regierungstragenden Parteien festgelegt, den Tierschutz zu stärken“, heißt es dazu aus dem Landwirtschaftsministerium. Laut einem Sprecher sind für diese Legislatur zahlreiche Gesetzesvorhaben in diesem Bereich geplant: „Wir haben einen Entwurf zur Novellierung des Tierschutzgesetzes erarbeitet, mit dem eine verpflichtende Videoüberwachung in Schlachthöfen eingeführt werden soll.“ Mit dem im Koalitionsvertrag genannten Ziel, die Tiergesundheitsstrategie unter Vernetzung der vorhandenen Datenbanken weiter zu entwickeln, solle zudem die Gesundheit von Tieren insbesondere in der Landwirtschaft geschützt und verbessert werden.

„Die relevanten Unterschiede bestehen nicht zwischen den Produktionsweisen, sondern zwischen den einzelnen Betrieben“, sagt Albert Sundrum, ehemaliger Leiter des Fachgebietes Tierernährung und Tiergesundheit an der Universität Kassel. „Es kommt auf den Einzelbetrieb und das Betriebsmanagement an und nicht, welcher Produktionsweise er sich verpflichtet hat.“

Antibiotika als Standard

Für Österreich sieht Hubert Stark, Bio-Landwirt und Geschäftsführer der Bioschwein Austria VertriebsgesmbH, die Lage differenzierter: „Man kann die Situation in Deutschland und Österreich nicht vergleichen, vor allem bei der Bio-Landwirtschaft: Diese ist hierzulande kleinstrukturiert und wird streng kontrolliert.“ Bei der Tierhaltung müsse zudem unterschieden werden zwischen Rindern, Schweinen oder Hühnern. „Bei Rindern gibt es keinen nennenswerten Unterschied zwischen herkömmlicher und Bio-Haltung“, so Stark. „Bei Bio-Hühnern und -Schweinen ist die Qualität weitaus besser als bei konventionellem Fleisch, was auch an den großen Preisunterschieden sichtbar wird.“ Stark, der selbst Bio-Schweine hält, nennt ein Beispiel: „In der herkömmlichen Landwirtschaft haben Schweine 1 m² Fläche zur Verfügung und stehen auf Vollspaltenböden, bei Bio sind es 2,7 m² mit Stroh als Untergrund.“

Unterschiede gebe es auch beim Einsatz von Antibiotika: In der konventionellen Landwirtschaft werden diese vorbeugend eingesetzt, auch um das Wachstum der Tiere anzukurbeln. „In der Bio-Landwirtschaft werden Antibiotika nur vereinzelt bei kranken Tieren eingesetzt“, so Stark. Österreich ist mit 27,3 Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche EU-weit Vorreiter beim Bio-Anbau.

Kühe in einem bayerischen Milchviehbetrieb | Bild: picture alliance / SZ Photo / Matthias Ferdinand Döring

Die standardisierte Verabreichung von Antibiotika in der konventionellen Tierhaltung wird von vielen Seiten kritisch gesehen. „Aufgrund des großen öffentlichen Drucks wurden in den letzten 10 Jahren vom zuständigen Gesundheitsministerium tatsächlich verschiedene Maßnahmen eingeführt, um den Antibiotika-Einsatz in der Tierhaltung zu reduzieren“, sagt Sebastian Theissing-Matei, Agrarexperte bei Greenpeace Österreich. „Damit sollte auch das Risiko für die Entwicklung von neuen, gegen Medikamente resistenten Bakterien reduziert werden, weil diese schlussendlich auch uns Menschen gefährlich werden können.“ In Tests würden auf rohem Fleisch regelmäßig antibiotikaresistente Keime gefunden. „Diese sind potenziell auch für Menschen gefährlich, etwa wenn sie bei einem Menschen mit geschwächtem Immunsystem in eine Wunde gelangen - beispielsweise wenn man sich beim Schneiden von Fleisch mit dem Messer verletzt“, so der Greenpeace-Experte.

An den strukturellen Ursachen des hohen Antibiotika-Einsatzes, vor allem bei Schweinen, sei allerdings nicht gerüttelt worden. „Diese liegen in den viel zu schlechten Haltungsbedingungen, welche die Tiere extrem anfällig für verschiedene Erkrankungen machen“, so Theissing-Matei. Laut PETA bringt eine 2023 veröffentlichte Studie den Einsatz von Antibiotika bei Nutztieren mit 1,6 Millionen menschlichen Todesfällen durch behandlungsresistente Infektionen im Jahr 2019 in Verbindung. „Einzelne Tiere sollen selbstverständlich weiterhin jede tierärztliche Behandlung erhalten, die sie brauchen“, heißt es bei PETA. „Jedoch werden in der industriellen Tierhaltung Antibiotika und andere Medikamente oftmals an ganze Tiergruppen oder Tierbestände verabreicht – auch wenn nur wenige Tiere erkrankt sind.“ In den engen und schmutzigen Ställen breiten sich Krankheiten enorm schnell aus. Zudem werden die meisten Antibiotika von den Tieren zu 90 bis 95 Prozent wieder ausgeschieden – die Wirkstoffe landen über Gülle und Dünger wieder auf dem Feld.

An der Grenze der Legalität

Dass gerade in der konventionellen Tierhaltung vieles im Argen liegt, bestätigt eine Sprecherin des österreichischen Vereins für Tierfabriken (VGT): „Die meisten Tiere werden an der unteren Grenze der Legalität gehalten, sprich schlechter dürfen sie legal nicht gehalten werden.“ Das liege unter anderem am wirtschaftlichen Selbstverständnis der Landwirtschaft: „Schließlich geht es auch hier meist um die Profitmaximierung.“

2023 machte der VGT auf „absurd schnell wachsende“ Masthühner aufmerksam, die unter massiven gesundheitlichen Problemen leiden: In nur 4 bis 6 Wochen erreichen die Tiere das Schlachtgewicht. „Solche Zuchten sind eigentlich per Tierschutzgesetz verboten, durchgesetzt wird das jedoch nicht“, kritisiert die VGT-Sprecherin. Auch heute noch sei der Großteil der Masthühner schnell wachsende Mast-Hybride, die aus Sicht des VGT als Qualzuchten zu beurteilen seien. „Nach unserer Aufdeckung haben aber einige Tierwohlsiegel auf Hühner-Hybride umgestellt, die ein moderateres Wachstum aufweisen“, so die Sprecherin.

Putenstall | Bild: picture alliance/dpa / Sven Hoppe

Eine weitere VGT-Studie ergab bei 92 Prozent der auf Vollspaltenboden gehaltenen Schweine Gelenkserkrankungen. Der VGT fordert mehr Kontrollen bei Tierhaltern von staatlicher Seite. „Mit der Einigung auf neue Übergangsfristen in der Schweinehaltung hat die Bundesregierung einen wichtigen Schritt gesetzt“, heißt es dazu aus dem Landwirtschaftsministerium in Wien. Bestehende Ställe müssen bis Ende 2039 umgebaut sein. „Die Frist ist daher so lange, weil Genehmigungen von Stallbauten viel Zeit in Anspruch nehmen“, so ein Sprecher.

Im Bio-Bereich seien die wichtigen Reformschritte bereits teilweise oder vollständig umgesetzt, in anderen Bereichen sei jedoch auch hier noch Luft nach oben, ergänzt die VGT-Sprecherin: „Das betrifft Anbindehaltung von Milchkühen, Haltungen ohne Auslauf, Kälberexport und Langstreckentransporte, Tierleid und Tierqual bei der Schlachtung.“ Bio an sich sei nicht die Lösung jeglicher Tierschutz-Fragen.

Nutztier und Haustier

Dass im Umgang mit Tieren mit zweierlei Maß gemessen wird, machen die Begriffe Nutztier und Haustier deutlich. Ersteres wird nicht als fühlendes Lebewesen betrachtet, wie unter anderem Bezeichnungen wie „Tierproduktion“ oder „Schweinefabrik“ zeigen. Im österreichischen Tierschutzgesetz heißt es: „Es ist verboten, einem Tier ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zuzufügen oder es in schwere Angst zu versetzen.“ (Paragraf 5) Und weiter: „Es ist verboten, Hunde oder Katzen zur Gewinnung von Nahrung oder anderen Produkten zu töten.“ (Paragraf 6) Hier wird die Zweischneidigkeit des Themas deutlich: Tierschützer weisen darauf hin, dass Schweine intelligenter als Hunde sind, sie seien verspielte, soziale und empfindsame Wesen. Dennoch muss ein Großteil der Schweine in der konventionellen Landwirtschaft ihr Leben in engen Ställen und über ihren eigenen Exkrementen fristen – siehe Vollspaltenböden.

Auch in anderen Bereichen zeigt sich die kognitive Dissonanz, etwa rund ums Osterfest: Osterhase, Lämmchen und flauschige gelbe Küken zeichnen ein idyllisches Bild. Im wirklichen Leben haben männliche Küken kein Recht auf Leben, da sie für die Industrie nutzlos sind – sie können weder Eier legen noch liefern sie genügend Fleisch. Bis vor wenigen Jahren war es üblich, männliche Küken zu schreddern oder zu vergasen.

Auch wenn seit 2022 in Deutschland kein Küken mehr wegen seines Geschlechts getötet werden darf, gibt es weiterhin Missstände. PETA kritisiert, dass männliche Küken nun noch im Ei getötet werden, jedoch bereits nach sieben Tagen im Ei Schmerz empfinden sollen. „Sie leiden bei der Tötung also weiterhin und werden als nicht profitable Ware angesehen und einfach vernichtet.“

Küken in einem schleswig-holsteinischen Putenbetrieb | Bild: picture alliance / Caro / Ruff

In Österreich ist das Töten von Küken verboten, sofern diese nicht der Futtergewinnung dienen. „Das bedeutet, dass die Küken zwar nicht mehr getötet und in Tierkörperverwertungsanlagen entsorgt werden dürfen, sie aber weiterhin getötet werden dürfen, sofern sie als Futtertiere verwendet werden“, erklärt Elisabeth Penz vom Verein Vier Pfoten. Das treffe auf den Großteil der männlichen Küken in Österreich zu: laut dem Futterkükenreport aus dem Jahr 2024 wurden mehr als 11 Millionen männliche Küken aussortiert, davon wurden 9,85 Millionen mittels Gas getötet und als Futterküken verwendet und nur 1,57 Millionen wurden als sogenannte „Bruderhähne“ aufgezogen. „Im Bio-Sektor müssen alle männlichen Küken verpflichtend aufgezogen werden“, ergänzt Penz.

Folgen für die Umwelt

Nicht zuletzt hat der wachsende Fleischkonsum enorme Auswirkungen auf die Umwelt weltweit. Laut der Naturschutzorganisation WWF werden weltweit 70 Prozent der gesamten landwirtschaftlichen Fläche für Tierhaltung beansprucht – Tendenz steigend. Für Tierfutter werden Wälder gerodet: Soja, das zunehmend als Futtermittel zum Einsatz kommt, wird aus Ländern wie Brasilien, Argentinien und Paraguay importiert. „Dort gehen durch die rücksichtslose Ausweitung landwirtschaftlicher Flächen jährlich riesige Gebiete an wertvollen Regenwäldern oder waldreichen Savannen für immer verloren“, heißt es beim WWF.

In der heimischen Landwirtschaft trägt die Intensivtierhaltung zunehmend zu Umweltschäden bei und verursacht der öffentlichen Hand dadurch externe Kosten, wie Multipolar berichtete. „Die höchsten externen Folgekosten und damit größten Fehlbepreisungen gehen mit der Produktion konventionell produzierter Fleisch- und Wurstwaren einher“, sagt Dr. Tobias Gaugler, verantwortlich für die 2018 erschienene Studie „How much is the dish – was kosten uns Lebensmittel wirklich?“. Bei tierischen Produkten sei die Höhe der externen Kosten vor allem durch die energieintensive Aufzucht der Nutztiere bedingt: Futtermittelanbau, Beheizung und Belüftung der Ställe sowie der Stoffwechsel der Tiere führten zu Austragungen von reaktivem Stickstoff und von Treibhausgasen sowie zu einem Energiebedarf, der beutend höher sei als bei pflanzlichen Produkten.

Greenpeace Deutschland macht wiederum darauf aufmerksam, dass Deutschlands Massentierhaltung zu viel Gülle produziere. Der flüssige Dünger liefert notwendige Nährstoffe für das Wachstum der Pflanzen und kann die Erträge der Bauern steigern – an sich ein fruchtbarer Kreislauf, der jedoch oft nicht mehr funktioniert. „Es fängt schon damit an, dass in den immer größer werdenden Ställen die Tiere eher auf Spaltenböden als auf Stroh gehalten werden“, heißt es bei Greenpeace. „Für die Bauern bedeutet es weniger Arbeit, wenn Kot und Harn über Spalten in darunterliegenden Auffangbecken landen.“ Stallmist aus eingestreuten Ställen sei jedoch für die Böden deutlich hochwertiger als Gülle, da er die Bodenstruktur verbessere und Humus anreichere.

„Insbesondere in Nordwestdeutschland kommt viel Futter nicht nur von den eigenen Flächen der Betriebe, sondern wird importiert“, schreibt Greenpeace weiter. Im Extremfall seien so gewerbliche Betriebe entstanden, die gar keine eigenen Flächen haben. „Die Tiere in den Intensivregionen produzieren viel mehr Gülle als die Pflanzen benötigen und somit sinnvoll auf die landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht werden sollte. Statt gesunder Kreisläufe mit wertvollen Nährstoffen sind so Regionen entstanden, die riesige Nährstoffüberschüsse haben.“

Rinder im Melkkarussell in einem bayerischen Milchviehbetrieb | Bild: picture alliance / M.i.S. / Bernd Feil

Da Pflanzen nur begrenzt Stickstoff aufnehmen können, gelangt der Rest in die Luft oder als Nitrat ins Grundwasser. Zu hohe Konzentrationen von Nitrat im Trinkwasser haben jedoch Auswirkungen auf die Gesundheit: Aus Nitrat gebildete Nitrosamine stehen im Verdacht, Krebs zu erzeugen; bei Säuglingen kann die unverhältnismäßige Aufnahme zu Sauerstoffmangel und Blausucht führen. Sowohl in der deutschen als auch der österreichischen Trinkwasserverordnung ist für Nitrat ein Grenzwert von 50 mg pro Liter festgelegt.

Im Oktober 2025 urteilte das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig, dass das Bundeslandwirtschaftsministerium ein Aktionsprogramm zum Schutz der Gewässer vor Nitrat aufsetzen muss. Bereits seit dem Jahr 2017 hinke Deutschland den Anforderungen des Düngegesetzes hinterher und lasse solch ein Aktionsprogramm missen. Geklagt hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH).

Landwirtschaft neu denken

In der kleinteiligen, flächengebundenen Landwirtschaft ist die Anzahl der gehaltenen Tiere mit der Fläche eines Betriebs verknüpft. Das bedeutet: Die Ausscheidungen der Tiere versorgen die Ackerflächen mit Nährstoffen, wodurch eine bedarfsdeckende Düngung der eigenen Flächen gewährleistet wird. Das ist Kreislaufwirtschaft im besten Sinne: Das Futter wird selbst angebaut und die entstehende Gülle im Betrieb gedüngt – wodurch neue Pflanzen entstehen.

Die Bio-Landwirtschaft ist hier Vorreiter, im Ökolandbau ist die Flächenbindung gesetzlich verankert. Permakultur-Landwirte gehen noch einen Schritt weiter: „Im Wortsinn bedeutet Landwirtschaft, eine begrenzte Fläche zu bewirtschaften. Die Agrarindustrie bewirtschaftet das Land nicht, sie verbraucht es“, erklärt der Permakultur-Landwirt Josef Holzer. Als Beispiel nennt er ein Stück Land, das Futter für 20 Kühe hergibt. „Damit sollte ich nicht 40 Kühe versorgen müssen. Besser ist es in diesem Fall, nur zwanzig Kühe zu haben, aber dazu noch Bienen, vielleicht einen Fischteich, Obst und eine Pilzzucht.“ All das setzt Josef Holzer auf seinem Krameterhof in Salzburg um, ein Vorzeigebetrieb der Permakultur. Auch Schafe, Hühner sowie einige Pferde leben dort; Aquakultur, Agroforstwirtschaft sowie Gewürz- und Arzneipflanzenkultur ergänzen die enorme Vielfalt auf dem Krameterhof.

Mehrere Studien deuten darauf hin, dass eine nachhaltige Landwirtschaft die Weltbevölkerung ernähren könnte, wenn der weltweite Fleischkonsum sowie Lebensmittelverschwendung reduziert würden. Der Naturschutzbund Deutschland e.V. (NABU) macht in einer 2023 veröffentlichten Studie konkrete Vorschläge dazu, die Kernforderung ist: den Fleischkonsum um die Hälfte reduzieren. Wenn die Landwirtschaft umweltschonender werden soll, ohne die Ernährungssicherheit aufs Spiel zu setzen, komme man an einer Veränderung der Ernährungsgewohnheiten nicht vorbei, argumentiert der NABU. Eine Studie des Forschungsinstituts für biologischen Landbau FiBL zeigt, dass auch ein Verzicht auf Kraftfutter, in Kombination mit einer Reduktion des Konsums tierischer Produkte und der Reduktion von Lebensmittelabfällen für ein nachhaltiges Ernährungssystem unerlässlich wäre.

Über allem aber steht die eingangs erläuterte Frage: Warum überhaupt Nahrungsmittel zu sich nehmen, die einen selbst krank machen? Warum Tiere quälen, industriell töten und dazu noch die Umwelt massiv schädigen, nur um etwas essen zu können, was den eigenen Körper aus dem Gleichgewicht bringt, tendenziell das Herz schädigt und eine Krebserkrankung wahrscheinlicher macht? So absurd diese Frage klingt, so dringlich harrt sie weiterhin einer Antwort.

Über die Autoren: Susanne Wolf, Jahrgang 1968, arbeitet seit 2011 als freie Journalistin. 2013 erhielt sie den zweiten Platz des Österreichischen Zeitschriftenpreises. 2022 war sie Mitinitiatorin der Petition „Für eine Erneuerung des Journalismus in Österreich“. Zuletzt erschien ihr Buch „Die Freiheit in mir“. Paul Schreyer, Jahrgang 1977, ist Mitherausgeber von Multipolar.

Anmerkungen:

(1) T. Colin & Thomas M. Campbell, „China Study. Pflanzenbasierte Ernährung und ihre wissenschaftliche Begründung“, Verlag Systemische Medizin, 4. überarbeitete und erweiterte Auflage, 2018, S. 59 ff. In der englischsprachigenen Originalversion ist das Buch kostenlos zugänglich. In den Fußnoten des Buches werden die zahlreichen, aufeinander aufbauenden wissenschaftlichen Publikationen, die diese Zusammenhänge belegen, transparent angegeben; ihre vollständige Wiedergabe würde hier den Rahmen sprengen. Beispielhaft: David A. Schulsinger, Martin M. Root, T. Colin Campbell: „Effect of dietary protein quality on development of aflatoxin B1-induced hepatic preneoplastic lesions“, J Natl Cancer Inst. 1989 Aug 16;81(16):1241-5.; Linda D. Youngman, T. Colin Campbell: „Inhibition of aflatoxin B1-induced gamma-glutamyltranspeptidase positive (GGT+) hepatic preneoplastic foci and tumors by low protein diets: evidence that altered GGT+ foci indicate neoplastic potential“, Carcinogenesis, Volume 13, Issue 9, September 1992, Pages 1607–1613
(2) Campbell, „China Study“, S. 66
(3) Ebd., S. 76-79
(4) Ebd., S. 85
(5) Ebd., S. 86
(6) Ebd., S. 87
(7) Ebd., S. 95
(8) Ebd., S. 112
(9) Ebd., S. 112

Diskussion

14 Kommentare
PAUL SCHREYER, 18. Mai 2026, 11:10 UHR

Vielleicht noch eine persönliche Anmerkung: Ich ernähre mich selbst seit fast zehn Jahren pflanzlich. Nur selten esse ich noch etwas mit tierischen Bestandteilen, Fleisch gar nicht mehr. Der gesundheitliche Aspekt stand bei dieser Entscheidung im Vordergrund, doch je länger ich diesen Weg gehe, desto mehr wächst nach und nach auch das ethische Bewusstsein und der Horror der industriellen Tiertötung bekommt immer größeres Gewicht. Die Entscheidung für eine pflanzliche Ernährung sensibilisiert einen mit der Zeit zunehmend dafür. Erwähnen möchte ich auch die Auswirkungen auf das körperliche Wohlbefinden: Subjektiv bin ich fitter und ausdauernder geworden, insgesamt leistungsfähiger und weniger müde, was ich klar auf die pflanzliche Ernährung zurückführe.

EDGAR, 18. Mai 2026, 23:00 UHR

Ich habe viel zu lange tierische Produkte gegessen. Seit über fünfzehn Jahren lebe ich vegan (seit etlichen Jahren weitestgehend biovegan) – meiner Gesundheit, den Menschen, den Tieren und der Umwelt zuliebe. Seitdem müssen Tiere für mich weder eingesperrt noch gequält noch getötet werden.

Den Anstoß gab für mich das Video »Rinderschlachtung - "Das Brüllen der Rinder beim geschlachtet werden“«: https://www.youtube.com/watch?v=hIHyZRW9gvo

Ich bin auf einem kleinen Bauernhof groß geworden. Bei der Schlachtung von Hühnern und Schweinen war ich dabei. Dass es so in Schlachthöfen zugeht, wusste ich damals nicht.

FreeWiki | Eine andere Perspektive:
(-) Seite »Veganismus«: https://www.freewiki.eu/de/index.php?title=Veganismus
(-) Seite »Regenerative Landwirtschaft«: https://www.freewiki.eu/de/index.php?title=Regenerative_Landwirtschaft

KLAUDIA, 26. Mai 2026, 12:00 UHR

Ich möchte keine langen Ausführungen machen, sondern auf einen Beitrag von Udo Pollmer von vor 12 Jahren hinweisen: https://www.youtube.com/watch?v=LTpPoTA_DdQ

Das könnte der Diskussion vielleicht eine weitere Facette geben, denn die von Herrn Schreyer zitierte China Study ist nicht das Original. Ansonsten bin ich der Überzeugung, dass es gerade bei Ernährungsfragen teilweise quasi-religiös zugeht.

CAROLA, 26. Mai 2026, 17:20 UHR

Hallo Klaudia,
darauf wollte ich auch schon hinweisen. Laut Udo Pollmer passen die Studiendaten in der "späteren" China Study nicht zu den ursprünglich erhobenen Daten und Aussagen. Offenbar war auch bei der ersten China Study ein chinesischer Wissenschaftler der Hauptautor und nicht Prof. Campbell.

Und das mit der "Quasi-Religiosität" sehe ich genauso. Jeder möge essen, was ihm schmeckt und gut bekommt, ob nun mit Fleisch oder ohne. Beim ersten Lesen des Artikels fand ich es ziemlich erstaunlich, dass die Ergebnisse von Prof. Campbell so eindeutig zu Ungunsten von tierischen Nahrungsmitteln ausgefallen waren, obwohl die Menschheit seit langem Fleisch ißt und Menschen Allesfresser sind, mit dem entsprechenden Verdauungstrakt etc. Und was ist eigentlich mit den Massai oder den Eskimos?

FAUNA FLOKATI, 26. Mai 2026, 23:35 UHR

Lieber Herr Schreyer,

ich freue mich, dass Sie diesem Thema so einen interessanten Artikel gewidmet haben. Was Gesundheit und Ernährung angeht, finde ich es so schwierig, irgendetwas zu glauben. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse ändern sich gefühlt ständig und im Internet gibt es unzählige Menschen, die davon überzeugt sind, das Geheimrezept für die persönliche Gesundheit/ Langlebigkeit/ Fruchtbarkeit/ was auch immer zu haben. Bei den einen ist es pflanzlich, bei den anderen ausschließlich tierisch...

Aber aus moralischer und ethischer Sicht gibt es meiner Meinung nach keine Rechtfertigung (mehr), Tiere zu essen - ganz besonders so, wie es heute in den entwickelten Ländern praktiziert wird. Diese grausame Tierquälerei, wie sie in den Schlachthöfen und Ställen geschieht, passt nicht zu einer Spezies, die sich selbst für empathisch, klug und feinfühlig hält. Es ist immer schwierig, bei diesem Thema zu sagen, jeder soll es so machen, wie er will. Weil Fleischkonsum in unserer Gesellschaft einfach mit irrem Leid verbunden ist. Es tut weh, da achselzuckend wegzuschauen. Vielleicht wäre das noch anders, wenn jeder sich seinen Feiertagsbraten selbst jagen/ schlachten würde. Aber das, was wir aktuell "Fleischproduktion" nennen, ist nur noch grausam.

CARSTEN FORBERGER, 28. Mai 2026, 15:30 UHR

Die statistischen Daten zum Zusammenhang zwischen der Gesundheit und der Ernährungsweise mögen dünn sein. Jedenfalls scheint vegane Ernährung, sofern sie sich nicht überwiegend aus industriell verarbeiteten Lebensmitteln zusammensetzt, nicht zu schaden. Entscheidend ist für mich daher nicht der gesundheitliche Aspekt, sondern rein der ethische: Ich esse keine Produkte, die aus industrieller Massentierhaltung stammen. So gut wie alle tierischen Produkte, die es in unserer Konsumgesellschaft für Geld zu kaufen gibt, stammen aus dieser Produktions- und Verwertungsweise.

Zumindest aber verschleiert in einer kapitalistischen Ordnung der Fetischcharakter der Ware, woher die Tiere stammen und unter welchen Bedingungen sie lebten. Es gehört also sehr viel Aufwand dazu, ethisch wirklich unbedenkliches Fleisch zu kaufen. Wir als Familie haben das eine Weile versucht, es dann aber sein lassen, weil es zu anstrengend und zeitaufwändig war. Und da ich zudem weder die Zeit noch die rechtliche Erlaubnis habe, in den Wald zu gehen und "glückliche" Tiere zu jagen und zu töten (wozu ich im Notfall grundsätzlich bereit und fähig wäre), lasse ich es ganz einfach sein und ernähre mich vegan. Vegane Ernährung ist für mich also keine bewusste Entscheidung für pflanzliche Ernährung, sondern gegen Tier-KZ´s.

Oft denke ich darüber nach, worüber zukünftige Generationen den Kopf schütteln werden, wenn sie über unsere heutige Zeit berichten. Ich bin mir sicher, dass es u.a. das System der industriellen Tierhaltung und -schlachtung sein wird. Genauso, wie wir uns heute von der Sklaverei distanzieren, werden unsere Nachkommen nicht begreifen können, wie ignorant wir Lebewesen, die uns selbst so nahe standen, als reine Verwertungsobjekte betrachteten. Und unsere Nachkommen werden feststellen, dass die heutzutage zur Rechtfertigung vorgebrachte Aussage: "Aber ich esse doch nicht mehr so viel Fleisch!" genauso heuchlerisch war wie die Aussage eines Sklavenhalters, der 1850 meinte, er habe jetzt nicht mehr hundert, sondern nur noch fünf Sklaven.

Unsere Nachkommen werden sich über die unglaubliche kognitive Dissonanz wundern, wenn sie Aufnahmen von uns betrachten, die uns dabei zeigen, wie wir besorgt unseren Hund streichelten und dabei gleichzeitig ins Wiener Würstchen bissen. Und so, wie sich heute niemand ernsthaft vorstellen kann, dass menschliche Weibchen in Ställen eingesperrt und immer wieder zwangsweise befruchtet werden, um für Wesen, die sich als höherwertig als den Menschen betrachten, Muttermilch zu geben, aus der sie dann Menschenkäse, Butter und Schlagsahne produzieren, werden sich unsere Nachkommen wundern, wie wir mit der selben absonderlichen Logik Kühe industriell ausbeuteten.

JÖRG G, 19. Mai 2026, 09:05 UHR

Ich teile die Kritik an Massentierhaltung, Umweltfolgen und übermäßigem Fleischkonsum. Problematisch finde ich aber die gesundheitliche Pauschalisierung. Die Studienlage sagt nicht einfach: pflanzlich = gesund, tierisch = krank. Gerade Ernährungsstudien sind schwierig. Viele Daten stammen aus Beobachtungsstudien. Sie zeigen Zusammenhänge, aber keine einfachen Kausalbeweise. Wer sich pflanzlich ernährt, unterscheidet sich oft auch bei Bewegung, Rauchen, Körpergewicht, Gesundheitsbewusstsein und sozialem Umfeld.

Außerdem ist „tierisch“ keine einheitliche Kategorie. Verarbeitetes Fleisch ist klar kritischer zu sehen [1]. Das bedeutet aber nicht, dass jedes tierische Eiweiß grundsätzlich schädlich ist. In der großen PURE-Beobachtungsstudie waren unverarbeitetes rotes Fleisch und Geflügel nicht signifikant mit Gesamtsterblichkeit oder schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen verbunden, verarbeitetes Fleisch dagegen schon [2].

Auch bei Krebs ist das Bild differenzierter. Milchprodukte bzw. Calcium werden beim Darmkrebs teilweise mit niedrigerem Risiko in Verbindung gebracht [3]. Eine große Krebsanalyse von 2026 fand bei vegetarischen Ernährungsformen zwar niedrigere Risiken für einige Krebsarten, aber kein einfaches Muster „je pflanzlicher, desto besser“. Bei Veganern gab es ein Signal für ein höheres Darmkrebsrisiko, was aber wegen kleiner Fallzahlen und möglicher Störfaktoren vorsichtig interpretiert werden muss [4].

Eine rein pflanzliche Ernährung kann gesund sein, aber sie ist nicht automatisch gesund. Die DGE nennt bei veganer Ernährung kritische Nährstoffe wie Vitamin B12, Jod, Calcium, Eisen, Zink, EPA/DHA und Proteinversorgung [5]. EPIC-Oxford fand bei Veganern außerdem ein erhöhtes Hüftfrakturrisiko, möglicherweise im Zusammenhang mit BMI, Calcium- und Proteinaufnahme [6].

Meine eigene Erfahrung passt ebenfalls nicht zur einfachen Erzählung „rein pflanzlich ist automatisch gesünder“. Ich habe lange versucht, mich rein pflanzlich zu ernähren. Eine Weile ging es mir gut, langfristig bekam ich aber Müdigkeit und Verdauungsprobleme. Erst seit ich wieder tierische Eiweißquellen einbeziehe, bin ich wieder belastbar fit und ist meine Verdauung gut. Das ist kein Gegenbeweis gegen Studien. Aber es zeigt, dass individuelle Verträglichkeit in solchen Pauschalaussagen oft zu kurz kommen.

Auch historisch waren tierische Lebensmittel kein rein modernes Phänomen. Seit langem gehören Milchprodukte, Eier, Fleisch, Speck, Wurst sowie haltbar gemachtes Fleisch zur menschlichen Ernährung. Manche traditionellen Ernährungsweisen hatten sogar einen sehr hohen Anteil tierischer Lebensmittel. Das rechtfertigt keinen heutigen Fleischüberfluss und keine industrielle Tierhaltung, relativiert aber die Behauptung, tierische Lebensmittel seien an sich unnatürlich oder grundsätzlich krankmachend.

Quellen:
[1] WHO/IARC zu rotem und verarbeitetem Fleisch.
[2] Iqbal et al., PURE-Studie, American Journal of Clinical Nutrition, 2021.
[3] World Cancer Research Fund zu Milchprodukten/Calcium und Darmkrebs.
[4] Dunneram et al., British Journal of Cancer, 2026: vegetarische Ernährungsformen und Krebsrisiko.
[5] DGE-Position zu veganer Ernährung, 2024.
[6] Tong et al., EPIC-Oxford, BMC Medicine, 2020: vegetarische/vegane Ernährung und Frakturrisiko.

PAUL SCHREYER, 19. Mai 2026, 12:50 UHR

Vielen Dank für diesen differenzierten Blick.

Das bedeutet aber nicht, dass jedes tierische Eiweiß grundsätzlich schädlich ist. In der großen PURE-Beobachtungsstudie waren unverarbeitetes rotes Fleisch und Geflügel nicht signifikant mit Gesamtsterblichkeit oder schweren Herz-Kreislauf-Ereignissen verbunden, verarbeitetes Fleisch dagegen schon [2].

In der PURE-Studie selbst wird eingeräumt, dass die Studienlage in diesem Punkt widersprüchlich ist:

„Es herrscht jedoch Ungewissheit hinsichtlich des Zusammenhangs zwischen unverarbeitetem rotem Fleisch und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Kohortenstudie ‚European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition‘ (EPIC) – die 448.568 Teilnehmer aus 10 europäischen Ländern umfasste und mehr als 26.000 Todesfälle verzeichnete – fand keinen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Konsum von unverarbeitetem rotem Fleisch und der Gesamtsterblichkeit oder der ursachenspezifischen Sterblichkeit (7). Im Gegensatz dazu ergab eine gepoolte Analyse von 29.682 Personen aus sechs prospektiven US-Kohortenstudien, dass jede zusätzliche Portion unverarbeitetes rotes Fleisch bzw. Geflügel pro Woche mit einem um 3 % bzw. 4 % erhöhten Sterblichkeitsrisiko assoziiert war (8).“

https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0002916522004282?via%3Dihub

Der PURE-Studie werden darüber hinaus von verschiedener Seite erhebliche methodische Schwächen und eine daraus resultierende Irreführung vorgeworfen:

https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/pdf/10.1055/a-0603-2782.pdf

https://nutritionstudies.org/pure-studys-conclusions-fats-carbs-misleading/

Auch bei Krebs ist das Bild differenzierter. Milchprodukte bzw. Calcium werden beim Darmkrebs teilweise mit niedrigerem Risiko in Verbindung gebracht [3].

Beim Thema Krebs gibt es unterschiedliche Studien:

„Hinweise darauf, dass Frauen, die Kuhmilch konsumieren, ein höheres Risiko haben, an Brustkrebs zu erkranken, gibt eine Beobachtungsstudie. Die Studie ist Teil einer epidemiologischen Langzeitstudie (Adventist Health Study-2). Für diese Auswertung wurden rund 53.000 weibliche Mitglieder der Siebenten-Tags-Adventisten (einer protestantischen Freikirche) in den USA und Kanada zu Ernährung und Lebensstil befragt, um Risikofaktoren für Brustkrebs zu identifizieren. Das Besondere an dieser Gruppe ist die vergleichsweise gesunde Ernährungs- und Lebensweise. Es gab einen hohen Anteil an Vegetarierinnen und Vegetariern (38 Prozent) und Veganerinnen und Veganern (8 Prozent), die viele Sojaprodukte zu sich nahmen. Nur ein sehr kleiner Anteil der Befragten rauchte oder trank Alkohol. Etwa die Hälfte der Teilnehmerinnen verzehrte allgemein übliche Mengen an Kuhmilch (USA: ca. 180 ml/Tag) und Milchprodukten. Die Ergebnisse: Innerhalb von 8 Jahren nach Beginn der Studie wurde bei rund 2 Prozent der Teilnehmerinnen Brustkrebs diagnostiziert. Die Auswertung zeigte, dass Frauen, die regelmäßig viel Kuhmilch konsumierten, ein höheres Risiko hatten, an Brustkrebs zu erkranken. Frauen, die täglich ca. einen Viertelliter Milch tranken, hatten demnach ein etwa 50 Prozent höheres relatives Risiko zu erkranken – im Vergleich zu Frauen, die nur wenige Milliliter Milch pro Tag zu sich nahmen.“

https://www.krebsinformationsdienst.de/fachkreise/nachrichten/detail/brustkrebs-welchen-einfluss-hat-milch-auf-das-risiko

Eine rein pflanzliche Ernährung kann gesund sein, aber sie ist nicht automatisch gesund.

Volle Zustimmung. Man kann 100 % vegan und zugleich extrem mangelernährt sein. Man muss sich eben schlau machen, was man braucht und vor allem die Vielfalt und Qualität des Essens im Auge behalten – im Grunde genau wie beim Medienkonsum. Ein einfaches „ich lasse alles Tierische weg und dann wird alles gut“ reicht ganz sicher nicht aus für eine gesunde Ernährung.

Bei den widersprüchlichen Studien sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass es für einen Forscher kaum finanzielle Anreize gibt, Nachteile einer tierischen Ernährung zu untersuchen. So wie der Uni-Betrieb in außenpolitischen Fragen NATO-nah und in medizinischen Fragen Pharma-nah ist, so agiert er in Ernährungsfragen eng angelehnt an das Agrar-und Tierhaltungs-Business. Das Buch „China Study“ von T. Colin Campbell ist auch deshalb so lesenswert, weil er detailliert die Widerstände aus dem administrativen Bereich der Unis heraus beschreibt, die alles tun, um nichts am Status Quo zu ändern. Unter diesen Umständen ist es außerordentlich schwierig – und auch unwahrscheinlich – Studien wie die seinen durchzusetzen, zu finanzieren und schließlich zu veröffentlichen.

WERNER, 26. Mai 2026, 23:20 UHR

@Jörg G.

Stimme voll zu. Campbells apodiktische Aussagen aus den 90ern (als der Cholesterin-Wahn begann) ist gegenüberzustellen:

(1) vegane Ernährung und z.T. auch rein vegetarische Ernährung muß mit Vitamin B12 und Eisengabe ergänzt werden. Sowas kommt in der Natur nicht vor, somit kann dies keine "natürliche" Ernährung sein.

(2) Beispiel Uruguay (nb: auch in China wird viel, vor allem fettes (Schweine)Fleisch gegessen), wo sehr viel Rindfleisch und dazu noch viel Frittiertes (mit ungesunden "seed oils") gegessen wird.

"Situation in Uruguay: Trotz des hohen Fleischkonsums hat Uruguay im regionalen Vergleich: eine relativ hohe Lebenserwartung, gute medizinische Versorgung, aber auch steigende Raten von Übergewicht und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Das zeigt: Nicht nur Fleisch allein entscheidet über die Gesundheit, sondern auch: Portionsgrößen,
Bewegung, Alkohol- und Tabakkonsum, Gemüse- und Ballaststoffanteil, allgemeiner Lebensstil.

Wissenschaftlicher Konsens: Die meisten Ernährungsorganisationen empfehlen heute: weniger verarbeitetes Fleisch, moderate Mengen roten Fleisches, mehr pflanzliche Lebensmittel wie Gemüse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Gesundheitlich problematisch wird Fleischkonsum vor allem dann, wenn er sehr einseitig ist und andere Nahrungsgruppen verdrängt."

Soweit ChatGPT und dem kann ich nur zustimmen.

HELENE BELLIS, 21. Mai 2026, 19:25 UHR

@Jörg G

Vielen Dank für Ihren Kommentar! Ich sehe das ähnlich und kann mich jetzt in meiner eigenen Antwort auf ein paar Details beschränken.

@Paul Schreyer

Leider habe ich keinen detaillierten Einblick in all diese Studien, frage mich jedoch, inwieweit die tatsächliche Verarbeitung jeweils eine Rolle spielte. Bei Milch(produkten) müßte man unbedingt mit Rohmilch(produkten) arbeiten bzw. (auch) deren Verzehr beobachten, da sowohl Pasteurisierung als auch Homogenisierung oder gar Schlimmeres (wie Ultrahocherhitzung) durchaus einen Unterschied für den menschlichen Körper machen. Lediglich »Milch vs. keine Milch« kann sich da schnell verzerrend auswirken.

Was im Text unter »unverarbeitetem Fleisch« zu verstehen ist, wird ebenfalls nicht klar. Ist das lediglich Fleisch, das nicht zu bspw. Wurst verarbeitet wurde? Dann kann es immer noch mit Zusatzstoffen versetzt sein, die in den USA massenweise eingesetzt werden, und zwar auch solche, die man in Europa nie erlauben würde. Von der Tierhaltung samt ggf. fragwürdiger Fütterung und Medikamentengabe mal ganz abgesehen. BSE ist ja auch nicht zufällig aufgetreten, sondern durch die perverse und artwidrige Fütterung von Tierprodukten an Wiederkäuer. Und insofern könnten all' diese Krankheiten auch durch Zusatzstoffe bzw. thermische oder andere Verarbeitung oder auch nur durch nicht artgerechte Tierhaltung und deren Effekte auf die verzehrten Tierprodukte ausgelöst werden – und gar nicht durch das tierische Eiweiß als solches.

Ganz allgemein sind in den USA 10x mehr Zusatzstoffe in Lebensmitteln erlaubt als in der EU, wir sprechen hier von ~3'000 zu ~300. Eine »westliche« Ernährungsweise würde auf beiden Seiten des Atlantiks aber auch aus anderen Gründen schon dermaßen unterschiedlich ausfallen, daß man diese sicherlich nicht für alle westlichen Länder verallgemeinern sollte.

Auch der pure Vergleich von Chinesen mit US-Amerikanern in Campbells Studie erstaunt mich. Da gibt es dermaßen viele körperliche, kulturelle und sonstige Unterschiede zwischen diesen beiden Ländern, die man beim Einfluß auf den Körper durch Essen (inklusive Eßkultur) einbeziehen muß, daß es wahrscheinlich schon beim Verzehr der gleichen Dinge große Unterschiede gäbe.

Insofern würde ich keiner Studie, die nicht wenigstens auch komplett unbehandelte Tierprodukte einbezieht, zutrauen, zu diesem Thema die Wahrheit herausgefunden zu haben. Davon abgesehen, bleiben immer noch die sonstigen Einflüsse, die meines Erachtens nicht einfach abgetan werden sollten. Der menschliche Körper ist ein sehr komplexes Ding, bei dem Wille und Vorstellungskraft wahlweise krank oder gesund machen können. Da wäre ich mit Studien, die diesen und andere Aspekte (Eßkultur / ißt man gerne oder widerwillig / hat man ein stressiges oder ein ruhiges Leben / mißt man seiner Nahrung irgendeine weitergehende Bedeutung bei / etc.pp.) komplett außen vor lassen, vorsichtig. Falls all dies jedoch stattgefunden haben sollte, lasse ich mich gerne eines besseren belehren.

PAUL SCHREYER, 22. Mai 2026, 13:00 UHR

Bei Milch(produkten) müßte man unbedingt mit Rohmilch(produkten) arbeiten bzw. (auch) deren Verzehr beobachten, da sowohl Pasteurisierung als auch Homogenisierung oder gar Schlimmeres (wie Ultrahocherhitzung) durchaus einen Unterschied für den menschlichen Körper machen. Lediglich »Milch vs. keine Milch« kann sich da schnell verzerrend auswirken.

Tatsächlich wurde in Campbells Studien mit Ratten das Casein (5% Casein vs. 20% Casein in der Nahrung) getestet, das ja in allen Milchprodukten, egal wie bearbeitet, der hauptsächliche Proteinbestandteil ist.

[Fleisch] kann immer noch mit Zusatzstoffen versetzt sein, die in den USA massenweise eingesetzt werden (...) Und insofern könnten all' diese Krankheiten auch durch Zusatzstoffe bzw. thermische oder andere Verarbeitung oder auch nur durch nicht artgerechte Tierhaltung und deren Effekte auf die verzehrten Tierprodukte ausgelöst werden – und gar nicht durch das tierische Eiweiß als solches.

Die Effekte des tierischen Eiweißes waren allerdings auch in den 80er Jahren im ländlichen China messbar, wo solche Dinge sicher nicht die Regel gewesen sind.

Auch der pure Vergleich von Chinesen mit US-Amerikanern in Campbells Studie erstaunt mich. Da gibt es dermaßen viele körperliche, kulturelle und sonstige Unterschiede zwischen diesen beiden Ländern, die man beim Einfluß auf den Körper durch Essen (inklusive Eßkultur) einbeziehen muß, daß es wahrscheinlich schon beim Verzehr der gleichen Dinge große Unterschiede gäbe.

Darauf wurde beim Studiendesign ausdrücklich geachtet. Man wusste etwa, dass Chinesen sich mehr bewegen als Amerikaner (körperliche Arbeit auf dem Feld), daher verglich man ausdrücklich die Gruppe der trägsten Chinesen (Bürojobs) mit den Amerikanern.

HELENE BELLIS, 22. Mai 2026, 18:00 UHR

Lieber Herr Schreyer,

da haben Sie mich ein bißchen mißverstanden.

Bei der Milch geht es darum, daß sie prinzipiell u. a. Bakterien, Aminosäuren sowie weitere Nährstoffe enthält, die durch Verarbeitung vermindert oder entfernt werden. Dadurch werden die Anfälligkeiten für Allergien und Atemwegserkrankungen erhöht, und auch das Immunsystem wird weniger unterstützt. Und das sind nur die Dinge, die offiziell und von der Schulmedizin anerkannt sind. (1)

Das ländliche China der 80er Jahre kann ich überhaupt nicht beurteilen, aber meine Argumentation mit den unterschiedlichen Zusatzstoffen in den USA und der EU würde genau das unterstützen, was Sie Jörg G als die PURE-Studie widerlegend vorwerfen: daß es nämlich für die Europäer

»keinen signifikanten Zusammenhang zwischen dem Konsum von unverarbeitetem rotem Fleisch und der Gesamtsterblichkeit oder der ursachenspezifischen Sterblichkeit [gab]. Im Gegensatz dazu [jedoch] eine gepoolte Analyse von 29.682 Personen aus sechs prospektiven US-Kohortenstudien [ergab], dass jede zusätzliche Portion unverarbeitetes rotes Fleisch bzw. Geflügel pro Woche mit einem um 3 % bzw. 4 % erhöhten Sterblichkeitsrisiko assoziiert war.«

Genau das könnte auf die gegenüber der EU minderwertigere Fleischqualität in den USA hinweisen. Ob's so ist, weiß ich nicht, halte es aber durchaus für möglich.

Was die Unterschiede zwischen US-Amerikanern und Chinesen angeht, hätte ich mich evtl. anders ausdrücken müssen und statt »körperlich« vielleicht »biologisch« schreiben sollen. Damit meine ich z. B. die unterschiedliche Darmflora, die Asiaten gegenüber Menschen aus westlichen Industrienationen haben. Da funktioniert dann gleich die ganze Verstoffwechselung total anders.

Ein Artikel im Ärzteblatt erstaunt hierzu mit der Information, daß die Zunahme entzündlicher Darmerkrankungen in Schwellenländern mit dem Fehlen infektiöser Darmerkrankungen zusammenhängen könnte.(2) Dann wiederum gibt es Menschen in Asien, die zwar keine Laktase produzieren, dafür aber in ihrem Darm bestimmte Bakteriengruppen kultivieren, die die nötige Fermentationsarbeit für sie erledigen.(3) Das nur als zwei Beispiele zu diesem Thema.

Und schlußendlich ist Essen in China viel ganzheitlicher gedacht als in den USA. So ernähren sich die Chinesen nicht selten nach ayurvedischen Prinzipien, und die ayurvedische Küche beeinflußt nun einmal, wie Lebensmittel im Körper verarbeitet werden. Auch gibt es Lebensmittelkombinationen, die gut oder schlecht für den Körper sind. Die kennt man durchaus auch in Europa; in Amerika, dem ich mal eine eher untermittelprächtige Eßkultur unterstellen möchte, ist sowas sicherlich nur in kleinen Kreisen bekannt bzw. wird auch dort praktiziert.

Solche Unterschiede meine ich. Die kann man m. E. nicht einfach unter den Tisch kehren, wenn es um die körperliche Reaktion auf bestimmte Lebensmittel geht.

(1) https://www.agrarforschungschweiz.ch/2020/06/rohmilch-und-rohmilchprodukte-beeinflussen-unsere-gesundheit/
https://www.aha.ch/aktuelles/archiv?id=949

(2) https://www.aerzteblatt.de/news/entzuendliche-darmerkrankungen-in-schwellenlaendern-immer-haeufiger-aa906478-262b-4b20-b4d4-31d0d91b00f2

(3) https://www.milkandhealth.com/de/2024/04/24/laktoseintoleranz-und-darmflora/

MATTHIAS BARON, 20. Mai 2026, 13:30 UHR

Massentierhaltung ist widerlich, Aas essen auch. Wenn ein kleines Kind energisch nach Wiener Wurst verlangt, möchte ich nicht der Veganer sein, der sie ihm verweigert. 'Für komplexe Probleme gibt es einfache und leichtverständliche Lösungen, die leider falsch sind.' Der allgemeine Gesundheitszustand, Geburten- und Sterberate bilden ein komplexes Problem, Änderung der Ernährung die leichtverständliche Lösung.

Mein Punkt: sich schlecht fühlen befördert Krankheiten. Das wird bei der Diskussion um Gesundheit ausgeblendet. Will doch niemand zugeben, sich nicht so gut zu fühlen. Literarisch wird das Problem, in der heutigen Zeit sein Glück zu finden, schon seit 30 Jahren thematisiert. 'Toll' und 'super' sind inflationäre Begriffe der Propaganda, die dazu ja irgendwie Stellung beziehen muss.

Illustriert wird die problematische Situation durch die Kulturleistungen unserer Zeit. Heutige Kunst, Filme und Musik empfinde ich als schwach und beliebig. Geschmackssache. So klang es vor 25 Jahren. Passend zum Artikel :
https://youtu.be/_x20HNLvPgg?is=aWvY3qJ3i-gDzB7S

EDGAR, 21. Mai 2026, 02:10 UHR

Ich möchte noch einiges, m. E., Wichtiges ins Feld führen:

(-) Albert Schweitzer Stiftung für unsere Mitwelt | »18 Milliarden Tiere für die Tonne«: https://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/lebensmittelverschwendung

(-) PETA: »TIERE IN DER ERNÄHRUNGSINDUSTRIE | Wie Menschen sich für ihren Fleischkonsum rechtfertigen – und was Veganer daraus lernen können«
https://www.peta.de/themen/fleischessen-rechtfertigung

(-) Wikipedia-Artikel »Kognitive Dissonanz« | Unterabschnitt »Fleisch-Paradoxon«: https://de.wikipedia.org/wiki/Kognitive_Dissonanz#Fleisch-Paradoxon

(-) Animal Rights Watch e.V. (ARIWA) | »Tierrechte und Speziesismus«: https://www.ariwa.org/tierrechte

(-) Wikipedia-Artikel »Tierrechte«: https://de.wikipedia.org/wiki/Tierrechte

(-) Zur Wikipedia | FreeWiki | Eine andere Perspektive – Seite »Wikipedia«: https://www.freewiki.eu/de/index.php?title=Wikipedia

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