Das Atomkraftwerk Fukushima Daiichi vor dem Unglück (1999) | Bild: picture alliance / dpa / Greenpeace / Andrew Maccoll

15 Jahre Fukushima

Die Abkehr von der Atomkraft sei ein „strategischer Fehler“, so erklärte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen jüngst, fast auf den Tag genau 15 Jahre nach dem Reaktorunfall in Fukushima. Doch wie sieht es dort heute aus? Welche Schäden und gesundheitlichen Folgen gab und gibt es? Ein Überblick zum Jahrestag.

SUSANNE WOLF, 11. März 2026, 20 Kommentare, PDF

Am 11. März 2011 wurde die japanische Hauptinsel Honshu von einem Erdbeben der Stärke 9.0 erschüttert. Der dadurch ausgelöste Tsunami brach mit bis zu 15 Meter hohen Wellen über das an der Küste gelegene Atomkraftwerk Fukushima Daiichi herein. Kernschmelzen in drei Reaktorblöcken und Wasserstoffexplosionen waren die Folge; große Teile des Landes rund um Fukushima Daiichi wurden radioaktiv verseucht. Rund 18.500 Menschen verloren durch Erdbeben und Tsunami ihr Leben, 160.000 Anwohner mussten wegen der radioaktiven Strahlung fliehen. Knapp drei Wochen später wurde „an allen auf der Nordhalbkugel der Erde gelegenen Messstationen Radioaktivität aus Fukushima nachgewiesen“, so das Bundesamt für Strahlenschutz.

15 Jahre später ist die Lage rund um das Atomkraftwerk nach wie vor angespannt, eine gründliche Aufarbeitung der Katastrophe steht aus. „Die Lage vor Ort ist surreal“, sagt Alex Rosen, ehemaliger Vorsitzender und Fukushima-Experte des Vereins IPPNW, einer ärztlichen Friedensorganisation. Er hat vor wenigen Monaten Fukushima besucht, um sich ein Bild von der Situation 15 Jahre nach dem Unglück zu machen. „Die Evakuierung in den Orten an der Küste wurde aufgehoben, doch die Menschen kehren nicht zurück“, sagt Rosen. Die Orte rund um das Atomkraftwerk wirkten verlassen, beinahe ausschließlich Arbeiter lebten heute dort. Im weiter weg gelegenen Fukushima City dagegen sei Normalität eingekehrt, so Rosen. Rund 300 Quadratkilometer in der Region Fukushima sind Sperrgebiet und dürfen nur eingeschränkt betreten werden.

Atomausstieg – ja oder nein?

Als Folge der Fukushima-Katastrophe beschloss Japan, aus der Atomkraft auszusteigen; 2012 wurde der letzte Atomreaktor abgeschaltet. Bis zu dem Unglück bezog Japan etwa ein Drittel seines Stroms aus Atomkraft. Obwohl laut Greenpeace noch 2014 ein japanisches Gericht das geplante Wiederanfahren zweier abgeschalteter Reaktoren für unzulässig erklärte, wurde bereits 2015 das Atomkraftwerk Sendai wieder in Betrieb genommen. 2016 folgte der Reaktor Takahama 3. „Fünf Jahre nach dem Gau in Fukushima fährt das Land einen Reaktor nach dem anderen wieder hoch – gegen den Widerstand der Bürger“, so Greenpeace damals. 2026 wurde schließlich das weltgrößte Atomkraftwerk Kashiwazaki-Kariwa wieder in Betrieb genommen.

Luftaufnahme der Tsunamiwelle, die das AKW Fukushima Daiichi am 11. März 2011 traf | Bild: Jiji Press/Panasia

Die deutsche Regierung unter Bundeskanzlerin Angela Merkel traf nach Fukushima die Entscheidung, aus der Atomkraft auszusteigen; im April 2023 wurden hierzulande die letzten AKWs abgeschaltet. Dennoch sind in Deutschland laut BUND weiterhin Uranfabriken in Betrieb: Im nordrhein-westfälischen Gronau wird Uran angereichert und im niedersächsischen Lingen Brennelemente gefertigt. Auch hier kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Störfällen, so der BUND. Darüber hinaus betreibt die Technische Universität München in Garching seit 2004 einen Forschungsreaktor, der laut BUND mit „hochangereichertem, waffenfähigen Uran“ betrieben wird.

Das Problem mit dem Kühlwasser

Kurz nach der Katastrophe in Fukushima 2011 begannen die Aufräumarbeiten, über deren Stand das verantwortliche Unternehmen TEPCO (Tokyo Electric Power Company Holdings) in einer Übersicht informiert. „Die Situation ist nach wie vor extrem komplex und gefährlich“, sagt Heinz Smital, Atomexperte bei Greenpeace Deutschland. „Von geschätzten 880 Tonnen hochradioaktivem Kernbrennstoff, der sich teilweise mit Strukturmaterial des Kraftwerkes verschmolzen hat, konnten in ersten Versuchen vom Reaktor 2 bisher nur etwa ein Gramm geborgen werden.“

Über die Jahre haben sich im AKW Fukushima rund 1,2 Millionen Kubikmeter verseuchten Wassers angesammelt. Die japanische Regierung kündigte im April 2021 an, das Wasser über einen Zeitraum von 30 Jahren in den Pazifik zu leiten. Zwar sollte das kontaminierte Wasser zuvor gereinigt werden, doch gibt es keine Möglichkeit, das radioaktive Isotop Tritium herauszufiltern. 2023 wurde das Vorhaben von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO) gebilligt, im selben Jahr begann die Betreiberfirma TEPCO mit dem Ableiten von aufbereitetem Kühlwasser in den Pazifik.

Proteste dagegen – von Bürgern Fukushimas, Fischereiverbänden oder Gemeinderäten in der Präfektur Fukushima – wurden ignoriert. Auch aus Nachbarländern wie Südkorea oder China gibt es Kritik an dem Vorgehen. Bereits 2020 stellte Greenpeace dazu fest: „Die japanische Regierung und TEPCO haben eine Reihe von Mythen konstruiert, um ihren Plan zu untermauern: Bis 2022 gäbe es keinen weiteren Platz mehr für die Speicherung des Wassers; das Wasser sei nicht kontaminiert – radioaktives Tritium sei das einzige Radionuklid im Wasser und harmlos; und es gäbe keine Alternativen zur Einleitung des Wassers ins Meer.“

Tanks mit dem von radioaktiven Partikeln gereinigten Wasser (2021) | Bild: picture alliance / dpa / TASS / Igor Belyayev

Laut Greenpeace sind bis Ende 2025 rund 130.000 Tonnen eingeleitet worden: „Die Reinigungsanlage ALPS (Advanced Liquid Processing System) hat nie richtig funktioniert, daher müssen große Mengen mehrfach einen Reinigungsprozess durchlaufen“, kritisiert Smital. „Es lagern circa 1,3 Millonen Tonnen, täglich kommen aber rund 100.000 Liter neu kontaminiertes Wasser hinzu.“ Entscheidend sei, dass das radioaktive Prozesswasser vor der Einleitung massiv mit Meerwasser verdünnt wird, so Smital. „Eine Praxis, die im Strahlenschutz eigentlich verboten ist, weil sich dadurch immer Grenzwerte unterschreiten lassen.“ Als Alternative schlägt Smital eine Lagerung des Kühlwassers vor Ort durch Bereitstellung von weiteren Flächen in der Nähe des Kraftwerkes vor. „Die derzeitige Anlage ALPS müsste verbessert werden – es gab entsprechende Angebote, die aus Kostengründen abgelehnt wurden.“

Alex Rosen ergänzt, dass überall, wo Atomkraft betrieben wird, Tritium-haltiges Kühlwasser in die Flüsse und ins Meer geleitet werde. „Auch in Deutschland haben wir jahrzehntelang Wasser aus Atomkraftwerken in die Elbe geschüttet.“ Rosen vergleicht das verdünnte Tritium mit Feinstaub und nennt es „auf einem niedrigen Niveau gesundheitsschädigend“, in großen Mengen sei es krebserregend. „Weil Tritium nur sehr aufwendig zu messen ist, gibt es wenige Studien zu den gesundheitlichen Auswirkungen und den Folgewirkungen in Ökosystemen“, ergänzt Smital. Eine Übersicht über existierende Studien belege jedoch, dass Tritium als Strahlenquelle oft unterschätzt werde. „Einmal im Körper aufgenommen, kann die Beta-Strahlung des Tritiums direkt im Zellkern wirken. Studien belegen signifikante genetische Schäden, erhöhte Mutationsraten und DNA-Brüche.“ Die Exposition könne zu Beeinträchtigungen in der Physiologie, verringerter Fruchtbarkeit und einer verkürzten Lebensspanne führen, so Smital.

Gesundheitliche Schäden

Die Ärzteorganisation IPPNW kritisiert darüber hinaus eine mangelhafte Untersuchung der gesundheitlichen Folgen des Reaktorunglücks. „Bisher wurde in Fukushima nur eine einzige Krankheit bei Menschen systematisch untersucht: Schilddrüsenkrebs“, erklärt Alex Rosen. In den Jahren nach dem Reaktorunglück waren 20 Mal mehr Krebsfälle gefunden worden, als man aufgrund der Basisinzidenz hätte erwarten können. Andere Erkrankungen, wie beispielsweise Leukämien oder Fehlbildungen, die mit einer erhöhten Strahlenbelastung in Verbindung gebracht werden, seien dagegen nicht untersucht worden, kritisiert Rosen. „Man machte eine einzige Studie bei Kindern zu Schilddrüsenkrebs, die das Ziel hatte, die Bevölkerung zu beruhigen“, so Rosen. „Als sich dann abzeichnete, dass die Zahl der Erkrankten deutlich gestiegen war, wurde das Ergebnis verwässert, in den Schulen wurde den Kindern gesagt, dass sie nicht mehr an der Studie teilnehmen müssten.“ Zudem seien nur die Kinder, die vor Ort geblieben waren, Teil der Studie gewesen, nicht aber die Familien, die die Präfektur Fukushima verlassen hatten.

Untersucht wurde jedoch die perinatale Mortalität, zu der Totgeburten, angeborene Fehlbildungen und mangelndes Geburtsgewicht zählen. „Tatsächlich stieg nach Fukushima die Perinatal-Sterblichkeit in hochbelasteten Präfekturen ab Januar 2012 sprunghaft und langfristig um circa 15 Prozent an“, heißt es in einem IPPNW-Bericht. Auch psychische Erkrankungen traten als Folge der Atomkatastrophe auf: „In den verstrahlten Gebieten ist die Rate an Depressionen, Suizidalität und Posttraumatischen Belastungsstörungen weiterhin erhöht“, sagt die Psychiaterin und Psychotherapeutin Angelika Claussen, Europavorsitzende der IPPNW.

In einem Fachbericht des Bundesamts für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) heißt es: „Nach dem Reaktorunglück in Fukushima Daiichi kamen Untersuchungen der IAEA sowie die Analyse einer vom japanischen Parlament eingesetzten Untersuchungskommission zu dem Schluss, dass menschliche und organisatorische Aspekte einen wesentlichen Einfluss auf den Unfallverlauf hatten.“ Im Kreis der Betreiberorganisationen sei die grundlegende Annahme akzeptiert gewesen, dass japanische Atomkraftwerke so sicher seien, dass ein derartig katastrophaler Unfall undenkbar wäre, was auch von der zuständigen Aufsichtsbehörde oder durch die Regierung nicht in Frage gestellt wurde.

Zähes Ringen um Entschädigung

Im März 2022 entschied der Oberste Gerichtshof Japans, dass die Betreiberfirma TEPCO Schadenersatz in Höhe von 1,4 Milliarden Yen (76 Millionen Euro) an etwa 3.700 Betroffene zahlen muss. Unabhängig von der Entscheidung werde man „die von der Katastrophe betroffenen Menschen unterstützen“, so der japanische Regierungssprecher Hirokazu Matsuno damals. Im selben Jahr entschied der Oberste Gerichtshof Japans jedoch, dass der Staat selbst nicht für die Atomkatastrophe von Fukushima haftbar sei. Japans Regierung müsse keine Zahlungen an Menschen leisten, deren Lebensgrundlage zerstört wurde, urteilten die Richter in einem Präzedenzfall. Sie wiesen damit eine Forderung Tausender Bürger zurück, die ihre verstrahlte Heimat rund um den Reaktor verlassen mussten. Opfer-Anwalt Izutaro Managi bezeichnete diese Entscheidung als „absolut inakzeptabel“ und kritisierte, dass das Gericht sich den Fragen der Kläger nicht gestellt habe. Mit diesem Urteil in letzter Instanz war mehr als zehn Jahre nach dem Reaktor-Unglück der Rechtsweg ausgeschöpft.

Anti-Atomkraft-Demonstration in Tokio im April 2011 | Bild: picture alliance / dpa / Kaya Tomoyuki

Bereits im September 2019 hatte das Bezirksgericht Tokio den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden von Tepco, Tsunehisa Katsumata, und die Ex-Vizechefs Sakae Muto und Ichiro Takekuro freigesprochen. Sie waren der fahrlässigen Tötung angeklagt gewesen. Laut den Klägern, die gegen das Urteil Berufung einlegten, hätten die Angeklagten den Betrieb des Kraftwerks Fukushima Daiichi lange vor der Katastrophe von 2011 einstellen müssen, nachdem sie Informationen erhalten hatten, dass ein möglicher Tsunami die Belastbarkeit des Kraftwerks übersteigen würde. In einem getrennten Zivilverfahren waren vier frühere Tepco-Manager zu Schadenersatz in Höhe von umgerechnet 103 Milliarden Euro verurteilt worden – doch 2025 wurde dieses Urteil vom Höchstgericht in Tokio wieder gekippt.

Mangelnde Aufarbeitung

Bis heute bleiben viele Fragen rund um das Reaktorunglück offen. Eine 2019 veröffentlichte Studie etwa versuchte zu ergründen, was genau mit den Brennstäben in Reaktor 1 geschah. Es wird vermutet, dass diese geschmolzen sind – ein endgültiger Befund steht allerdings noch aus. Aus der Studie wird nicht ersichtlich, was es für die Menschen und die Umwelt bedeuten würde, wenn die Brennstäbe geschmolzen und die Flüssigkeit auf den Boden des Gebäudes gelangt wäre.

Vieles wird totgeschwiegen: „Der damals amtierende Staatschef Naoto Kan, selbst Physiker und im Zentrum des nationalen Krisenstabes, hat klar beschrieben, es sei im wesentlichen reines Glück, dass Japan noch so existiert wie wir es heute kennen“, sagt Smital. Bei einem etwas anderen Unfallverlauf hätte auch der Großraum Tokio evakuiert werden müssen. Dies bestätigt der Physiker und Bürgerrechtler Sebastian Pflugbeil im Interview mit Multipolar: „Die Behörden waren zunächst auch geschockt, haben dann aber eine Kommission eingesetzt und sich sofort um Tokio gekümmert. In der Anfangszeit ging der Wind nämlich in die Richtung Tokio. Das ist gescheitert, weil es praktisch nicht lösbar war – in der Region Tokio leben über 30 Millionen Menschen – und dann drehte glücklicherweise der Wind in Richtung Pazifik. Der größte Teil des Drecks, der dort heraus gespuckt wurde, ist auf den Pazifik gegangen.“

Grafik aus der Presseberichterstattung vom März 2011 mit der damaligen Prognose für Windrichtungen der folgenden Tage | Bild: picture alliance / APA-Grafik

Wie prekär die Lage vor Ort ist, zeigte ein weiteres Erdbeben der Stärke 7,3 im Jahr 2021 in der Region Fukushima. In der Atomruine, so der Betreiber, soll es dabei keine weiteren Unregelmäßigkeiten gegeben haben. Im Januar 2022 wurde jedoch bekannt, dass aus zwei Lagertanks in Fukushima vier Tonnen Kühlmittel entwichen seien – nach Angaben von TEPCO gab es „keine schwerwiegenden Konsequenzen“.

Stilllegung in weiter Ferne

Die japanische Regierung hat angekündigt, Fukushima bis 2051 stillzulegen. Experten halten diesen Zeitplan jedoch für unrealistisch. „Dass nach 15 Jahren erst circa 1 Gramm von 880 Tonnen geborgen werden konnten, zeigt, wie groß die Schwierigkeiten sind“, sagt Smital. Es existiere derzeit nicht die erforderliche Robotertechnik, um Zeiten seriös abschätzen zu können. Der Atomexperte zieht einen Vergleich zum Reaktorunglück im AKW Tschernobyl im Jahr 1986: „Der Sarkophag für den Reaktorblock 4 in Tschernobyl wurde für 100 Jahre für den Rückbau konzipiert. Die Situation in Fukushima mit 3 Reaktoren mit Kernschmelze und 4 explodierten Reaktorblöcken und den großen Grundwasserströmen ist deutlich komplexer.“ Alleine die großen Mengen an ungesichertem und hochradioaktiven Kernbrennstoff bilden ein hohes Gefahrenpotential, so Smital. „Die Belastungen für die betroffene Bevölkerung wird sich auch noch weit in die Zukunft erstrecken.“

Fukushima Daiichi, zerstörter Reaktorblock Nr. 3, September 2011 | Bild: picture alliance / dpa / Tepco

Januar 2026: Weiterhin laufende Stilllegungsarbeiten an den Reaktorblöcken 2 und 3, eine Messstation zeigt die aktuelle Strahlung an | Bild: picture alliance / REUTERS / Issei Kato

Dazu komme, dass alle Atomreaktoren am Standort Fukushima Daichii, die im Leistungsbetrieb waren, bei Ausfall der kompletten Kühlung – einem sogenannten „Station-Black-Out“ – unweigerlich in die Kernschmelze und in die Explosion gekommen seien. „Der komplette Stromausfall – der auch provoziert werden könnte – führt also direkt in die Atomkatastrophe.“ Allein dies zeige die Gefahr der Atomenergie sehr deutlich, werde aber in aktuellen Diskussion „weitgehend ausgeblendet“.

Während Länder wie Italien einen vollständigen Atomausstieg durchgeführt haben und Spanien diesen für 2027 ankündigte, halten andere europäische Länder am Ausbau der Kernenergie fest. Im Juli 2022 beschloss das EU-Parlament, „gewisse Atomenergie- und Erdgasaktivitäten unter bestimmten Voraussetzungen in die Liste der ökologisch nachhaltigen Wirtschaftstätigkeiten nach der sogenannten EU-Taxonomie aufzunehmen.“ Die EU-Taxonomie ist ein zentrales Instrument des Green Deals und soll Kapital in nachhaltige Wirtschaftsbereiche lenken.

2021 bewertete Greenpeace die Sicherheit von elf europäischen Atomkraftwerken in Deutschland, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, Belgien, Frankreich, der Schweiz, Schweden und Spanien; bei keinem liege ein ausreichendes Konzept zum Schutz vor Naturkatastrophen vor, so das Ergebnis. Der Name des Berichts: „Lessons not learned”.

Dessen ungeachtet verkündete EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am 10. März 2026, fast auf den Tag genau 15 Jahre nach dem Unglück in Fukushima, sie plane eine Risikoabsicherung der EU in Höhe von 200 Millionen Euro für private Geldgeber, die in neue Atomtechnologien investierten. Die Abkehr von der Atomkraft sei ein „strategischer Fehler“.

Über die Autorin: Susanne Wolf, Jahrgang 1968, arbeitet seit 2011 als freie Journalistin. 2013 erhielt sie den zweiten Platz des Österreichischen Zeitschriftenpreises. Sie ist Autorin der Bücher „Nachhaltig Leben“ (2013) und „Zukunft wird mit Mut gemacht“ (2019). 2022 war sie Mitinitiatorin der Petition „Für eine Erneuerung des Journalismus in Österreich“.

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Diskussion

20 Kommentare
MICHAEL KARI, 11. März 2026, 16:30 UHR

Selbst die Einlassung auf das schulisch gelernte Funktionsschema von Kernkraftwerken erlaubte es nicht, in D die Kernkraftwerke abzuschalten bzw. zu zerstören. Wenn man weiß, wie sie wirklich funktionieren, ist deren Zerstörung noch schlimmer und bewusste Vernichtung von Volksvermögen. Die Kampagne gegen Atomkraft begann schon um 1960 und steigerte sich bis Mitte der achtziger Jahre zur Hysterie. Galen Winsor hat dazu Erstaunliches zu berichten.

Davon mal abgesehen: Was juckt es ein KKW in D, wenn ein Tausende km weit entfernter Tsunami die schlecht projektierte Notstromversorgung eines AKW in Fokushima zerstört? Die damals zu beobachtende Explosion war eine durch Knallgas ausgelöste. Auch hier ist die "sichere" Bauweise der Grund dafür. Und nicht zu vergessen die Entsorgungs-Lüge: Die Brennstäbe werden nur zu 5% ausgenutzt und dann wieder aufbereitet. Wo ist da der Abfall?

Es sind einfach viel zu viele Widersprüche, die eine genaue Analyse nicht zulassen. Kernkraft ist ein strahlendes Finanz-Dunkelfeld der besonderen Art.

JÖRG G, 12. März 2026, 10:10 UHR

Ich bin regelmäßig in Japan, spreche die Sprache und war auch in Fukushima im Gespräch mit Einheimischen. Einen offensichtlichen Anstieg bestimmter Krankheiten nach dem Reaktorunglück gibt es dort einfach nicht – so etwas würde die Bevölkerung auch ohne Studien bemerken. Studien, die z. B. eine Erhöhung um 15 % feststellen wollen, bewegen sich oft im Bereich statistischer Unsicherheiten, und Ergebnisse hängen leider nicht selten von der Motivation der Autoren ab. Mein Vertrauen ist da begrenzt.

Eine günstige und zugleich komplett umweltverträgliche Energiequelle wäre natürlich ideal – realistisch ist das aber derzeit nicht. Wenn man die Vor- und Nachteile aller Kraftwerkstypen nüchtern betrachtet, bleibt Kernkraft für mich weiterhin der überzeugendste Kompromiss.

SIGRID PETERSEN, 13. März 2026, 13:50 UHR

Es besteht keine Frage, der Kernkraftunfall von Fukushima in der Form wäre vermeidbar gewesen, wenn die Anlage nach den erforderlichen Sicherheitskriterien (aus-)gebaut worden wäre. Die Knallgasexplosionen hätten vermieden werden können, die Kühlung hätte bei mehrfach redundanter Stromversorgungssicherheit eine Kernschmelze verhindern können.

Strahlentote hat es bisher nicht gegeben (bis auf einen Arbeiter, dessen Krebstot als Strahlenfolge anerkannt worden ist).

Nur ist eines klar: wenn man Greenpaece befragt, bekommt man die Antworten, die man (anscheinend) haben will. Das kontamninierte Wasser, das in den Ozean eingeleitet werden soll, wird bis auf Tritium dekontaminiert sein. Aus wikipedia: „Im Vergleich zu anderen Betastrahlern ist die Strahlung sehr weich. In Wasser wird sie nach wenigen Mikrometern gestoppt; sie kann auch die oberen Hautschichten nicht durchdringen. Die Radioaktivität von Tritium ist daher vor allem beim Verschlucken oder beim Einatmen gefährlich.“ Tritium hat eine Halbwertzeit von 12,32 Jahren, d.h. über 50% sind schon nicht mehr strahlungsfähig. Und Tritium ist ein natürliches Element … Die Behauptung, es sei harmlos, ist also nicht ganz aus der Luft gegriffen.

Zu den hier im Text angegebenen gesundheitlichen Folgen, insbesondere Schilddrüsenkrebs und die perinatale Mortalität, möchte ich auf den Bericht: UNSCEAR 2020/2021 Report Volume II hinweisen.

„Analysen der Schilddrüsenkrebsinzidenz unter Berücksichtigung des im Rahmen der FHMS durchgeführten Schilddrüsen-Screenings bei Kindern ergaben keinen Hinweis darauf, dass ein erhöhtes Schilddrüsenkrebsrisiko bis zum Alter von 30 oder 40 Jahren nachweisbar wäre.“

„Bei exponierten Kindern wurde eine beträchtliche Anzahl von Schilddrüsenkrebsfällen festgestellt. Der Anstieg scheint jedoch nicht mit der Strahlenexposition zusammenzuhängen, sondern ist vielmehr eine Folge der Anwendung hochempfindlicher Ultraschall-Screeningverfahren.“

“Es gibt keine glaubwürdigen Belege für ein vermehrtes Auftreten von angeborenen Fehlbildungen, Totgeburten, Frühgeburten oder niedrigem Geburtsgewicht im Zusammenhang mit Strahlenbelastung. Bei den nach dem Unfall Evakuierten wurde zwar ein Anstieg der Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen beobachtet, dieser ist jedoch wahrscheinlich auf damit einhergehende soziale und Lebensstiländerungen zurückzuführen und nicht auf Strahlenbelastung. Auch nach dem kombinierten Erdbeben, Tsunami und dem Unfall im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi (FDNPS) kam es zu übermäßiger psychischer Belastung.“

Ich wiederhole mich (mit Verweis auf meine Kommentare in den beiden genannten Artikeln unter „Weitere Artikel zu diesem Thema“), wenn ich sage, dass es KEINE Energiequellen gibt, die ungefährlich sind. Maßgeblich sind angewandte Sicherheitsvorkehrungen. Wenn man bedenkt, wie viele Todesfälle/TWh der Kohleverfeuerung (32/TWh Braukohle, 24/TWh Steinkohle, 0,01/TWh Kernkraft-inkl. bisherige Unfälle) zugeschrieben werden und Deutschland die Stromproduktion über Kohle hochgefahren hat, um die Kernkraftkapazitäten zu ersetzen, dann müsste man in Deutschland seit 2011 von ca. 20.000 zusätzlichen Todesfällen ausgehen.

Ein schöner weiterer Beitrag zum Angst schüren vor der Kernkraft.

RALLE, 13. März 2026, 14:15 UHR

Ich kann meinen Augen kaum trauen, solch einen Unsinn, wie in diesem Beitrag hab ich selten gelesen. Dieser Artikel könnte beim ÖRR erscheinen, aber bei multipolar? Da werden als "Experten" am laufenden Band Greenpeace Deutschland oder der BUND und als Krönung Alex Rosen, ehemaliger Vorsitzender und "Fukushima-Experte" des Vereins IPPNW aufgeführt.

BUND und Greenpeace sind bekannt, wer ist der IPPNW? Ein Blick auf deren Homepage (https://www.ippnw.de/) bringt Folgendes zu Tage: "Internationale Ärzt*innen für Verhütung" .... (ich lese immer nur bis zum ersten Genderzeichen) und im Kopf der Seite: "Wir setzen uns für eine friedliche atomtechnologiefreie und menschenwürdige Welt ein". Da wird gleich klar, wie objektiv dieser Verein urteilt, wenn es um Kernkraft geht.

Abgesehen davon, dass bei ca. 8 Mrd. Menschen auf der Erde Atomtechnologie derzeit zwingend erforderlich ist, wenn man allen Menschen ein menschenwürdiges Dasein ermöglichen möchte. Die dafür benötigte Energie kann man mit erneuerbaren Ressourcen einfach nicht erzeugen. Das die Kerntechnologie heute viel weiter ist, als damals (z.B. DualFluid Reaktor) verschweigt der Artikel vollkommen. Das liest sich wie eine Auftragsarbeit der Grünen.

MATTHIAS BARON, 14. März 2026, 11:35 UHR

Wenn heute einer Renaissance der Atomkraft das Wort geredet wird, ist die Planlosigkeit der Akteure nicht zu übersehen. Kein Uran, keine Ahnung, kein Konzept. Bis auf die Achillesferse Notstromversorgung hat sich der westliche Leichtwasserreaktor als sicherheitstechnisch akzeptabel erwiesen. Tschernobyl, Leukämiecluster Elbmarsch, absaufende Asse. Dreck kommt dabei rum.

Aber nicht so viel wie bei Braunkohleverstromung. Für ein Gigawatt Leistung sind knapp 1000 Tonnen zu veranschlagen, pro Stunde. Bei dem Stand von Photovoltaik und Windenergie erscheint das obsolet. Es gilt, größere Energiemengen für den Winter speichern zu können, um eine komplette Umstellung auf Erneuerbare zu realisieren. Eine technisch orientierte Diskussion um dieses Problem findet nicht statt.

Vuillemieur Wärmepumpe? Dampfreformation? Salzwasserbatterie? Lieber weiterhin den Ausbau der Stromnetze fordern. Da macht man nichts falsch.

MICHAEL KARI, 15. März 2026, 10:40 UHR

Eine interessante Sicht der Dinge. Offensichtlich haben sie ein gefestigtes Weltbild, welches sich durch Nicht-erkennen-Wollen oder -Können der Wirklichkeit widersetzt. Das entbindet aber nicht davor, sich bei einem Diskussionsbeitrag etwas besser vorzubereiten und genauer auszudrücken.

"Kein Uran, keine Ahnung, kein Konzept."

ist maximal eine Unterstellung!

"Bis auf die Achillesferse Notstromversorgung hat sich der westliche Leichtwasserreaktor als sicherheitstechnisch akzeptabel erwiesen."

ist genau so nichtssagend und gehört in das Reich der Relotius-Prosa.

Dass Photovoltaik sowie Windenergie keinen Müll erzeugen, ist eine längst widerlegte Schutzbehauptung und von Braunkohleverstromung war keine Rede.

"Es gilt, größere Energiemengen für den Winter speichern zu können, um eine komplette Umstellung auf Erneuerbare zu realisieren. Eine technisch orientierte Diskussion um dieses Problem findet nicht statt."

Natürlich lässt sich technisch so gut wie alles realisieren, aber nur unter Missachtung der dabei entstehenden Kosten. Da reden wir von z.B. Umweltverschmutzung und von Unbezahlbarkeit. Die Arbeitsbedingungen beim Abbau der dazu benötigten Seltenen Erden sollten auch nicht aus dem Blick geraten.

"Vuillemieur Wärmepumpe? Dampfreformation? Salzwasserbatterie? Lieber weiterhin den Ausbau der Stromnetze fordern. Da macht man nichts falsch."

Ein Blick ins I-Net bringt diesbezüglich reichlich Erkenntnisse, was deren Technologien betrifft, und siehe da: Es sind immer zusätzlich Wärmequellen erforderlich. Sei es aus Gas, welches wir nicht mehr haben dürfen, sei es aus Strom, der auch nur noch wetterabhängig zur Verfügung stehen soll. Das trifft natürlich nicht auf die Salzwasserbatterie zu. Der Ausbau der Stromnetze wird von der Politik gefordert, um diese Wetterabhängigkeit zu minimieren. Was aus Aufwands- und technischer Sicht absoluter Wahnsinn ist und womit keine Industrie betrieben werden kann (ein Schelm, wer Böses dabei denkt). Aber immer fein der Deindustriealisierung das Wort reden, denn da macht man nichts falsch in der grünen Blase.

TU, 16. März 2026, 14:50 UHR

... Lieber weiterhin den Ausbau der Stromnetze fordern. Da macht man nichts falsch.

Grundsätzlich mal volle Zustimmung. Es gibt so einige Alternativen zum milliardenschweren Netzausbau, die schon ich als Laie in den einschlägigen Diskussionen immer wieder höre. Wenn "man" (Politik) das wollte, dann wäre so viel möglich und vor allem so viel günstig möglich. Leider sind wir hier halt im Energie-Lobby-Land. Mit Millionen-Budgets werden kontinuierlich Kampagnen gefahren, die sehr erfolgreich sind, die Bürger zu beeinflussen.

Alleine bei den Großspeichern stehen sehr viele Investoren Schlange. Das wäre ein absoluter Win-Win! Da braucht es keine Subventionen, nur Regelungen, damit die mitmachen dürfen.

Auch könnte man einfach Anreize für die Bürger (z. B. durch reduzierte Netzentgelte zu Überlastzeiten) setzen, damit man die PV-Peaks weg bekommt. So etwas will natürlich gut vorbereitet und durchdacht sein. Aber ich sehe hier keine Bewegung - auch wenn EnWG §14a natürlich ein Anfang ist.

Letztlich würde ich aber auch mal ein bisschen Ruhe reinbringen wollen. Nicht jeden Tag etwas anderes machen. D. h., ich würde bei dem beschlossenen Netzausbau im Wesentlichen bleiben wollen. Und man muss ja nicht alles schlechtreden. Das Netz brauchen wir ja auch für mehr als nur für PV und Wind. Insfoern ist das eine wichtige Investition.

TU, 16. März 2026, 17:05 UHR

Vuillemieur Wärmepumpe?

Interessant. Danke. Muss ich mir mal durchlesen.

Dampfreformation?

Da komme ich jetzt nicht ganz mit. Wieso sollte man eine auf Erdgas basierende Erzeugungsmethode für Wasserstoff erforschen, wenn das Ziel Dekarbonisierung ist?

Salzwasserbatterie?

Habe ich mir mal durchgelesen. Scheint durchaus eine interessante Technologie zu sein, allerdings derzeit noch nicht mit anderen Speichern konkurrenzfähig. Kann man also weiter forschen bzw. mit geringer Priorität fördern und schauen, ob es da noch Anwendungszwecke gibt.

TU, 16. März 2026, 14:15 UHR

Kernkraft ist tot. Schon lange. China ist das einzige Land, dass Kernkraft in seinem Energiemix tatsächlich noch minimal erweitert. Beim Rest herrscht Stagnation oder Rückgang. Die lange Latte an Gründen spare ich mir, einzeln auszuführen.

Wenn man sich dagegen die Wachstumsraten weltweit anschaut, dann sind die von Clean-Tech (PV, Windkraft, Batteriespeichern und Elektromobilität) in exponnentiellem Anstieg. Also weltweit - nicht Deutschland. Da ändert irgendeine Pro- oder Contra-Meinung gar nichts dran.

Auch in Sachen Innovationstempo ist ein deutlicher Unterschied zu sehen: Bei der Kernkraft werden jetzt wieder die ollen Vorschläge aus der Mottenkiste geholt, mit denen die Forschung schon früher gescheitert ist oder die man aufgrund von Vorüberlegungen direkt verworfen hatte (Kleine Kraftwerke (SMR), Thorium-Reaktoren). Im Vergleich dazu ist die Technikentwicklung im Clean-Tech-Bereich enorm: Skaleneffekte verbilligen die Produktion enorm. Die Effizienz steigert sich kontinuierlich. (PV-Wirkungsgrad ca. 0,6% pro Jahr. Das ist außergewöhnlich.)

Das bedeutet, dass wir es hier mit einer Technologieablösung zu tun haben. Der Grund liegt darin, dass Prozesse, die auf Verbrennung bzw. Dampferzeugung basieren, physikalisch ineffizient sind, weil hier ganz viel Energie als Abwärme verloren geht. Wer Technologiesprünge ablehnt, fällt zurück im globalen Wettbewerb.

Kernkraft ist nur eine Ablenkung der fossilen Lobby, um den Ausbau der erneuerbaren Energieen zu verzögern, um die Milliarden für Kohle, Öl und Gas noch so lange wie möglich zu kassieren. Bis wir dann in 20-30 Jahren laufende Kernkraftwerke hätten, müssen wir halt weiter fossile Energien nutzen. Und wenn wir dann merken, dass das mit der Kernkraft gar nicht hinkommt, ja, dann müssen wir halt doch nochmal die fossilen weiternutzen. Ziel der fossilen Lobby erreicht!

Natürlich ist die Energiewende nicht einfach. Auch technisch sind das große Herausforderungen. Und perfekt ist das alles auch nicht. Es ist nur um einiges besser. Etwas Neues zu machen, verursacht immer auch Ängste.

Dabei braucht es aufgrund der vielen erfolgreichen Beispiele gar keine Phantasie mehr. Mann muss einfach nur hinschauen:

(*) Kalifornen hat das Szenario "Batteriegrossspeicher" in Kombination mit PV bereits umgesetzt. Keine Netzüberlastung durch PV zur Mittagszeit. Die Batterien werden mittags geladen und Abends/Nachts wieder entladen. Da braucht man doch nicht studiert zu haben, um das zu verstehen.

(*) Das Ölland Texas überholt Kalifornien sogar noch in Sachen Ausbau der Erneuerbaren. Die haben jetzt doch auch mal gemerkt, dass das wirtschaftlich extrem lohnend ist.

(*) Dänemark und Uruguay haben es beide nahezu vollständig geschafft.

MICHAEL KARI, 16. März 2026, 17:50 UHR

KI-Unfug! Die Kernkraft ist eine uns von Mutter Erde geschenkte saubere Energieform und sie wurde uns weggenommen - aber ich will die wiederhaben! Ich verlange sie zurück! Es geht nicht an, dass hier irgendwelche Möchtegern-Mächtigen uns in die energetische Geiselhaft nehmen und ständig unsere Energie abzapfen, nur dafür wir z.B. nicht frieren und hungern, während diese es sich mit dieser Energieart gemütlich machen. Warum gibt es Atomreaktoren in Schiffen, in U-Booten, im Weltraum? Weil sie funktionieren und sicher sind! Da muss ich wirklich an mir halten bei so viel Unvermögen!

PAUL SCHREYER, 17. März 2026, 12:05 UHR

Warum gibt es Atomreaktoren in Schiffen, in U-Booten, im Weltraum? Weil sie funktionieren und sicher sind!

Naja. Zu den Atomreaktoren in Schiffen: In Deutschland gab es in den 1960ern mal ein atomar betriebenes Versuchsschiff, den Frachter „Otto Hahn“. Das Experiment wurde nach ein paar Jahren abgebrochen, auch, weil international viele Häfen sich aus Sicherheitsgründen weigerten, den Frachter einlaufen zu lassen. Und: „Für die in den 1970er Jahren entstandenen Schiffsentwürfe Nukleares Container-Schiff 80 (NCS-80) sowie (NCS 240) der GKSS, Interatom und des Bremer Vulkan fand sich trotz staatlicher Förderzusagen keine Reederei, die bereit war, ein solches Schiff in Auftrag zu geben.“

https://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Hahn_(Schiff)

MICHAEL KARI, 17. März 2026, 17:25 UHR

"Naja" reicht nicht, Herr Schreyer. Aber danke, für ihre Antwort. Atomeisbrecher, Flugzeugträger, Atom-U-Boote sollten bekannt sein. Die elitäre Energieversorgung für deren Projekte gibt es schon mindestens seit den 70ern. Wie ich schon schrieb. Die atomare Sicherheitshysterie begann in den 60ern, um die Kosten künstlich in die Höhe zu treiben. Und da unsere Herrschaften so etwas zu 100% betreiben, zieht sich die Hysterie bis in die kleinste Ritze. Ich würde sagen: Ziel erreicht!

SIGRID PETERSEN, 18. März 2026, 19:50 UHR

„Man muss einfach nur hinschauen“

Nur, wenn man richtig hinschaut, dann sieht es nicht so wirklich rosig aus. Die (bisher) installierten Batteriespeicher in Kalifornien, würden man gerade eine halbe Stunde Strom liefern, wenn nicht noch die ganzen anderen fossilen(!) sowie Kernenergie und Wasserkraft des nachts aktiv wären. Dänemark ist ein Flächenland, halb so dicht besiedelt wie Deutschland und hat kaum energiezehrende Industie.

Und wenn man dann noch genauer schaut, muss man feststellen, dass es mit EE in Deutschland nicht funktionieren wird, jedenfalls nicht als Industrieland.

Und wenn man ganz genau schaut und einmal anfängt nachzurechnen, wird man feststellen, dass immense Summen Geld (vor allem Steuerzahlergeld und natürlich viel Geld für den Strom, der eben NICHT günstig ist/sein kann!) ausgegeben sein wird und man wenig erreicht hat. Und genau dorthin lohnt sich der Blick. Sonne und Wind stellen zwar keine Rechnung, aber wenn die installierte Leistung drei- bis viermal so groß sein muss + Backups (ob nun Gas, Batterie oder/und H2) installiert sein müssen FÜR diese installierte Leistung, um das Gleiche zu erreichen, was vorher andere Kraftwerke mit halber Leistung gebracht haben (die erforderlichen stärkeren Netze nicht zu vergessen), dann weiß man doch eigentlich, wo der Hase im Pfeffer liegt.

Selbst mit 100 / 200 oder 400 GWh Batteriespeicherkapazität + (10 GW Elektrolyseur) Wasserstoffspeicher hätte Deutschland nur wenige Prozent der Stromlast (z.B. 2024) mit den eingescheicherten Strommengen abfedern können (bei 200 GWh: keine 2% im Januar ´24 und etwas mehr als 7,6% im September ´24, wenn sämtlicher Strom über EE generiert worden wäre. Und wer jertzt denkt, mit doppelter Batteriekapazität ist auch doppelte Stromspeicheung drin, der irrt. Für den September wären es statt 7,6% dann 10% der Netzlast gewesen.)

(Und das kann man dann gerne bei höherer installierter Leistung und größerer Stromnachfrage auf 2045 hochskalieren. Sieht dann nicht anders aus.)

Die Kosten sind hoch. Wie weit reicht denn so eine 200 GWh Batterie? 40.000-50.000 MWh Netzlast/h. Und der Rest der Nacht?

TU, 19. März 2026, 02:45 UHR

Sehr geehrte Frau Petersen,

ich gehe nur mal auf die konkreten Dinge ein. Grundsätzlich würde ich auch mal Folgendes vorwegschicken:

Die Dekarbonisierung und die Energiewende ist ein Großprojekt. Es ist schwierig, komplex und aufwändig und niemand auf der Welt ist damit bereits fertig.

Die (bisher) installierten Batteriespeicher in Kalifornien, würden man gerade eine halbe Stunde Strom liefern, wenn nicht noch die ganzen anderen fossilen(!) sowie Kernenergie und Wasserkraft des nachts aktiv wären.

Mein Argument war nicht, dass die Batteriespeicher derzeit in Kalifornien den ganzen Bundesstaat mit Strom versorgen können. Mein Argument war, dass Kalifornien seine PV Peaks damit glätten kann. Das ist ein Problem, was wir hier in Deutschland auch zunehmend haben und was künstlich groß geredet wird. Das ist ein Grund, den man her nimmt, um den Ausbau unnötigerweise auszubremsen. Im Gegensatz dazu sagen die Experten: An den Möglichkeiten, die wir bzgl. Überschussverwendung im Moment haben, sind Batteriespeicherung und mittelfristig Elektrolyse die besten Optionen. Kalifornien zeigt, dass Batteriespeicherung das Peak-Problem sehr gut löst und vermutlich auch die Finanzsituation für alle Beteiligten deutlich verbessert.

Gegen Wasserkraft in Kalifornien ist ja nichts zu sagen. Ansonsten sieht die Stromerzeugung aktuell - für Mitte März - in Kalifornien schon recht gut aus, finde ich (ca. 50% Erneuerbare):

https://www.gridstatus.io/live/caiso?date=2026-03-17

Dänemark ist ein Flächenland, halb so dicht besiedelt wie Deutschland und hat kaum energiezehrende Industie.

Natürlich gibt es da Unterschiede. Dennoch hat Dänemark viele Probleme (Dunkelflaute,...) wie auch wir haben werden; auch wenn die dort vielleicht nicht die energiezehrende Industrie haben.

Aber wenn die installierte Leistung drei- bis viermal so groß sein muss + Backups (ob nun Gas, Batterie oder/und H2) installiert sein müssen FÜR diese installierte Leistung, um das Gleiche zu erreichen, was vorher andere Kraftwerke mit halber Leistung gebracht haben (die erforderlichen stärkeren Netze nicht zu vergessen),

Die Kosten für den Bau der Anlagen werden von den Anlagenbetreibern getragen, nicht vom Staat. Die garantierte Einspeisevergütung ist dabei aber natürlich definitiv ein Kostenfaktor. Umso öfter in einer Abrechnungsperiode (=15 Minuten-Zeitabschnitt) erreicht ist, an dem die Erneuerbaren (+ Speicher!) von der Menge die teureren Energieformen komplett aus der Merit-Order verdrängen, desto stärker sinken die Strompreise drastisch. (Merit-Order: Das teuerste Kraftwerk bestimmt den Preis für alle.). D. h. die Erneuerbaren führen langfristig zu niedrigen Strompreisen.

Ansonsten geht der Trend auch ganz klar dahin, dass zunehmend Anlagen ohne Einspeisevergütung gebaut werden - besonders bei Offshore-Wind. Vattenfall baut beispielsweise gerade den Offshore-Windpark Nordlicht II mit insgesamt 1,6 GW Nennleistung (Nordlicht I+II), der keine Einspeisevergütung bekommt. D. h. mit zunehmendem Ausbau sinken die Fördernotwendigkeiten.

Backup-Kraftwerke (Kohle, Gas) haben wir derzeit in ungefähr ausreichender Menge (für Dunkelflaute etc.). Die werden wir auch noch behalten, bis die Alternativen (z. B. H2-Gaskraftwerke) da sind. Die Reservekraftwerke sind wichtig, auch wenn wir sie derzeit eigentlich eher nicht verwenden, weil Stromimport günstiger ist, als die Reservekraftwerke anzuwerfen. Import+Export in Europa ist dabei für alle Länder eine Win-Win-Situation. Frankreich ist heilfroh, dass die ihren Überschussstrom exportiert bekommen. Wenn nicht, dann müssten die Ihre AKWs viel stärker runterregeln, was bei AKWs grundsätzlich stärkeren Verschleiß zur Folge hat.

... die erforderlichen stärkeren Netze nicht zu vergessen ...

Ja. Der Netzausbau ist notwendig. Aber auch hier sind die Möglichkeiten, dass man die Preise durch vergleichsweise günstige Massnahmen senkt und den Netzausbau erst später benötigt:

(-) Batteriespeicher an den Transitleitungsendpunkten entlasten die Transitleitungen und reduzieren Notwendigkeit und Häufigkeit von Redispatch-Massnahmen
(-) Mehr Windkraftausbau und mehr Speicher im Süden verringert die erforderliche Transportkapazität aus dem Norden
(-) Anreize für Netzdienliches Verhalten von Biogasanlagen (die laufen gerade alle einfach nur stumpf durch) stellt den Strom dann zur Verfügung wenn er gebraucht wird (Wenn alle Bauern den Anreiz bekommen, dass sie Ihre Generatorleistung deutlich vergrößern, dann spart man große Summen für den Netzausbau)
(-) Wir haben in Deutschland ca. 20 GWh Batteriespeicher von Privatpersonen. Wenn man finanzielle Anreize zur Einspeisung zur richtigen Zeit gibt, dann machen die das auch.

Das sind nur einige wenige Maßnahmen, die viel helfen. Da gibt's noch viele mehr. Da sehe ich aber bedauerlicherweise keine/wenig Umsetzung.

Selbst mit 100 / 200 oder 400 GWh Batteriespeicherkapazität + (10 GW Elektrolyseur) Wasserstoffspeicher hätte Deutschland nur wenige Prozent der Stromlast (z.B. 2024) mit den eingescheicherten Strommengen abfedern können. ... Die Kosten sind hoch. Wie weit reicht denn so eine 200 GWh Batterie? 40.000-50.000 MWh Netzlast/h. Und der Rest der Nacht?

Ja. Die Information 50 GW als Nachtlast habe ich auch ermittelt. D. h. von 18:30 Abends bis 8:30 Uhr Morgens sind das 14 Stunden => 700 GWh benötigt. 200 GWh Batteriespeicher ist eine Größe, die ungefähr dem entspricht, was jetzt im Moment an Anschlußbegehren für Großspeicher von Investoren beantragt ist (Eigentlich sind es 500 GWh. Experten meinen aber, dass da auch doppelte Anträge auf Vorrat drin sein könnten. Deswegen ist 200-300 GWh wahrscheinlich eine passende Zahl.)

Für mich klingt das jetzt nicht so weit weg, wenn wir in 5 Jahren 200 GWh haben und in 20 Jahren dann vielleicht 1 TWh, dass wir da über die Nacht kommen. Und wenn nicht in 20 Jahren, dann halt in 25 Jahren. Ansonsten passiert technisch im Batteriesektor gerade sehr viel; auch haben wir in Deutschland auch noch Laufwasserkraftwerke, Pumpspeicher und noch ein bisschen anderen Kleinkram:

https://www.energy-charts.info/charts/power/chart.htm?c=DE&legendItems=3x0g7fg

Viele Grüße,
T. U.

SIGRID PETERSEN, 19. März 2026, 12:15 UHR

Antwort an TU auf den Kommentar vom 19. März 2:45Uhr

Sehr geehrter TU,

ich sehe, Sie haben die Argumente der EE-Befürworter voll verinnerlicht und haben selbst niemals nachgerechnet(?) und betrachten auch nicht das Gesamtsystem. Denn bei dieser Betrachtung kann man nichts anderes als zu dem Ergebnis kommen, dass es sich nicht nur um eine komplexe, schwierige Aufgabe handelt, sondern um ein Ding der Unmöglichkeit, es in (volks-) und wirtschaftlicher Sinnhaftigkeit umsetzen zu können. Und wie sollen Batterie- und Wasserstoffkapazitäten die teuren Energieformen aus der Merit-Order verdrängen, wenn der Import nur marginal sinkt? Das ist eine EU-Order!

Selbst mit 1 TWh Batteriespeicherkapazität würde die Importmenge Strom 2045 nur um 7% sinken. 1 TWh Batteriekapazität könnten ca. 6% der Netzlast (2045) bedienen, 30 GW Elektrolyseurkapazität dann ca. 8% abdecken. Der Export würde natürlich auch reduziert. Von 10% auf 3,5%. Und selbst mit 1 TWh Batteriekapazität käme man 2045 nicht über eine Nacht!

Batterien und Wasserstoff würden selbst bei diesem geringen Beitrag zur Stromlieferung, denn mehr als Glättung ist letztendlich nicht drin, die Kosten für die kWh um 75% erhöhen, geht man von 5 cent/kWh Stromgestehungskosten aus. (170,-€/MWh Batteriestrom und 450,-€/MWh Wasserstoffstrom angesetzt)

Und natürlich zahlt der Steuerzahler einen Großteil der Last und der Verbraucher später die hohe Stromrechnung! (Selbst WENN der Staat nicht subventionieren würde.) Der einfache Grund ist, dass sich das Gesamtsystem nämlich NICHT rechnet und die Anlagenbetreiber darin nur investieren, wenn die Gewinne garantiert sind. Genau so, wie es jetzt bei Windkraft, Batteriespeichern und Wasserstoffkonzepten durchgeführt wird. Umverteilung von unten nach oben! Und weil das Vergütungssystem bei Wind-offshore geändert werden soll, springen Bewerber ab.

Die grüne Wasserstoffwirtschaft ist ein grüner Traum und wird aus verschiedenen Gründen nie umgesetzt werden können, schon gar kein Wasserstoffimport in den anvisierten Mengen.

Fügen Sie sich einmal diese Arbeit zu: https://www.vgbe.energy/wp-content/uploads/2024/11/vgbe-ej-2024-09-060-067-LOEFFLER-RGB-Specimen-Copy.pdf

oder auch https://www.youtube.com/watch?v=KJo3gvgUqF4 – Michael Liebreich, früher starker Verfechter der Wassersttoffstrategien, heute nur noch mehr als eingeschänkt.

Eine kleine Anmerkung: Dieses ist der erste Satz auf https://gesi-deutschland.de/kalifornien-erfolgreiche-energiewende-dank-batteriespeichern/ - einer Internetseite, die Fakten(?) zu EE-Technologien geben will – hier die Kalifornischen Speicher.

„Die viertgrößte Volkswirtschaft der Welt verfügt inzwischen über eine Großbatterie-Speicherkapazität von fast 16 Gigawatt.“

Aha! Es wird Speicherkapazität in Gigawatt (das wäre die Leistung!) angegeben statt in Gigawattstunden!

Mit freundlichen Grüßen

TU, 19. März 2026, 14:10 UHR

Hallo Frau Petersen,

Selbst mit 1 TWh Batteriespeicherkapazität würde die Importmenge Strom 2045 nur um 7% sinken. 1 TWh Batteriekapazität könnten ca. 6% der Netzlast (2045) bedienen, 30 GW Elektrolyseurkapazität dann ca. 8% abdecken. Der Export würde natürlich auch reduziert. Von 10% auf 3,5%. Und selbst mit 1 TWh Batteriekapazität käme man 2045 nicht über eine Nacht!

Tut mir leid. Ich kann Ihnen da überhaupt nicht folgen. Für mich ist das grundsätzlich eine sehr einfache Rechnung, wenn ich jetzt nur mal einen einzigen Tag (z. B. im Sommer) betrachte:

(-) Deutschland hat eine Nachtlast von ca. 50 GW

(-) Ich nehme einen zukünftigen Batterieausbau in der Kapazität von 1 TWh an und eine Leistung der Batterieeinspeisung von insgesamt 50 GW

(-) Die Batterien werden unmittelbar am Tag vorher durch z. B. PV des eigenen Landes voll geladen

(-) Gemäß der Kapazitätsberechnung werden ungefähr 700 GWh Energie benötigt, um über die Nacht (14 Stunden) zu kommen

Dabei ist der Import genau 0%, da die Batterien aus dem eigenen PV-Strom geladen werden. Und der Export interessiert mich bei der Detailbetrachtung erst einmal nicht. Was ist Ihrer Meinung nach an dieser Betrachtung/Berechnung von mir falsch?

Viele Grüße,
T. U.

SIGRID PETERSEN, 19. März 2026, 17:55 UHR

Hallo TU

Ich war mit meinen Angaben bei 2045. 2045 beträgt die Netzlast dann 100-150 GW. Am 4.1. 2024 beispielsweise wären zwischen 18:00 Uhr abends und 7:00 Uhr morgens 1,7 Millionen MWh abgerufen worden. Die 1 TWH Batteriekapazität also längst erschöpft gewesen.

Aber selbst für 2024 z.B. im Januar hätte es so ausgesehen, dass die Batterie, einmal voll, am 6.1. wieder leer gewesen wäre und erst am 13. überhaupt wieder Überschussstrom zur Einspeisung in die Batterie vorhanden gewesen wäre. Die Batterie war (wäre gewesen) am 6.1. mittags leer und der Wasserstoffvorrat, der bis dahin angehäuft war, dann um 23:00 Uhr erschöpft. Dann kommt bis zum 19.1. eine große Lücke ohne Überschussstrom.

Zur Erläuterung: Ich habe mir die stündlichen Netzdaten von 2024 (smard) geholt und die installierte Leistung der EE hochgerechnet, um ausschließlich auf EE zu gehen. Diese Datern dann mit Batteriekapazität und 10 GW Elektrolyseur modelliert. Mit den viertelstündlichen Daten kann ich das leider nur monatsweise machen, wie hier für Januar dargestellt, da mein Programm diese Datenmengen nicht so leicht verdaut.

TU, 20. März 2026, 21:10 UHR

Hallo Frau Petersen,

bei einer geschätzten Netzlast von 100-150 GW für 2045 liegen sie sehr hoch. Studien zum Thema Umstellung auf 100% erneuerbare Energien haben da deutlich niedrigere Werte: Zwischen 80 - 120 GW - je nach Studie.

Ansonsten haben Sie sich bestimmt einige Mühe mit Ihrem Programm gegeben. Das geht aber bestimmt über das hinaus, was ich aus dem hohlen Bauch heraus beurteilen könnte. Im Zuge weiterer Beschäftigung habe ich mich mal (recht kurz) mit den großen Studien zum Thema beschäftigt, die alle zu dem Ergebnis kommen, dass der Umstieg machbar wäre. Die Studien setzen da tatsächlich weniger, als ich in meinem Gedankenexperiment zu 100% auf Batterien als Energiespeicher. Da kommen noch andere Speicher zum Einsatz: Stichwort Sektorkopplung:

(-) Transport (Vehicle2Grid, Bidirektionales Laden = Batteriespeicher)
(-) Stationäre Batteriespeicher
(-) Power2Heat (Hochheizen von Wäremspeichern, wenn die Energie da ist)

Ich habe mich ja bewusst auf die Nachtüberbrückung beschränkt, um einen einfachen Fall anzuschauen.

Ihre ursprüngliche Aussage war: "Das hat niemand richtig durchgerechnet! Das reicht alles hinten und vorne nicht."

Die Existenz der vielen Studien zu der Fragestellung sagt für mich aus, dass das nicht stimmt. Es gibt - in Form von Studien - tatsächlich viele Berechnungen dazu. Insofern sehe ich da für mich keinen Grund, die Ergebnisse dieser Studien und dem Vorhaben "Umstieg auf 100% Erneuerbare" anzuzweifeln, zumal es v. a. in Sachen Skaleneffekte (Preisreduktion) und technischem Fortschritt, gerade in den letzten 1-2 Jahren unerwartet stark positive Entwicklungen gibt.

Viele Grüße,
T. U.

SIGRID PETERSEN, 23. März 2026, 17:00 UHR

Hallo TU!

Hier z.B. Aussagen des Fraunhofer zu verschiedenen Szenarien:

„Durch die Elektrifizierung der Verbrauchssektoren ist bis zum Jahr 2045 in allen Bundesländern mindestens mit einer Verdoppelung der Stromnachfrage zu rechnen. Zusätzlich dazu entsteht in den nördlichen, windreichen Bundesländern Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern mit der heimischen Wasserstoff-Elektrolyse ein großer neuer Stromverbraucher. Je nach Szenario ist im Jahr 2045 mit einer Stromnutzung zwischen 1.100 bis 1.550 TWh zu rechnen.“

https://www.ise.fraunhofer.de/de/veroeffentlichungen/studien/wege-zu-einem-klimaneutralen-energiesystem.html

Studie: Wege zu einem klimaneutralen Energiesystem – Bundesländer im Transformationsprozess [ PDF  8,71 MB ]

Und nun dividieren Sie bitte 1.100 Twh*1000 > = GWh / 8760 Jahresstunden. Dann erhalten Sie 125,57 GWh Netzlast im Mittel / Stunde. (Im Winter höher als im Sommer!) In meinem Beispiel habe ich 1.100 TWh angesetzt gehabt, nicht nur den 1 TWh Batteriespeicher, sondern zusätzlich Elektrolysekapazität von 30 GW eingesetzt. (Das Fraunhofer geht von 300-400 GWh Batteriespeicher aus, d.h. In meinem Modell wäre dann schon früher Ende Gelände gewesen, allerdings hätte der Wasserstoffspeicher dann weiter gereicht, es hätte aber nicht die entsprechenden Speicherkapazitäten gegeben.) Und komme in dem dargelegten Zeitraum auf 1.700 GWh.

Und trotz Wasserstoffvorrat wäre keine heimische Stromversorgung nach 23:00 Uhr für die nächsten 6 Tage mehr möglich gewesen. „(...), wenn Energie da ist.“ Wie mein Beispiel zeigt, ist Energie eben oft NICHT da. Wo soll Power to heat herkommen, wenn kein Strom da ist? Power-to-heat fällt unter die Rubrik Stromverwendung und nicht unter Strombereitstellung. Und Batterien bidirektional zu verwenden, wenn tagelang kein Überschussstrom da ist? Über so manche Nacht mag es ja funktionieren, will ich gar nicht bestreiten. Aber darum kann es doch nicht gehen! Es geht um konstante(!) Versorgungssicherheit.

Skaleneffekte: Jede kWh, die irgendwo gespeichert werden muss, um dann wieder in Strom zurückverwandelt zu werden, verteuert den Strom immens, weil die Verluste z.T. gigantisch (Wasserstoff) hoch sind. Selbst im Batteriespeicher. Denn hier kommen gehörige Aufwendungen zur Kühlung der Anlagen hinzu.

Ich möchte jetzt nicht weiter ins Detail gehen, aber auch Fragen nach Speicherkapazitäten für Wasserstoff sind nicht geklärt, die vorhandenen werden bei Weitem nicht ausreichen, Wasserstoffimporte, wie derzeit angedacht, wird es nicht geben, dafür gibt es viele Gründe, die von Vertretern den Energiewende nie benannt werden, Batterien sind teuer und die notwendigen Rohstoffe werden täglich rarer etc.pp.

Eine Energiewende, die funktioniert, gut und schön, aber ich reiße mir doch nicht das Haus unterm Hintern weg, wenn ich keinen neuen Wohnraum bezugsfertig habe. Oder nicht einmal in realistischer Sichtweite. Und sich nur oberflächlich mit dieser Thematik zu beschäftigen, kann nicht Sinn einer solchen Auseinandersetzung sein. Denn Sie werden auf KEINER Seite ALLER Vertreter der Energiewende etwas anderes finden als "das ist alles durchgerechnet und wird funktionieren", denn das ist dieser Leute Geschäft. Auch das Fraunhofer nehme ich da nicht aus.

AXEL R. KLEIN, 22. März 2026, 10:55 UHR

Moin!
Es ist natürlich schade, dass die genannten Quellen in dem Artikel nicht hinterfragt wurden. Es handelt sich um Organisationen, die von deutschem Staatsgeld abhängen und die somit in Coronazeiten die fehlende eigene wissenschaftliche Expertise belegten.

Die wiederkehrende Aufregung wurde in den beiden genannten Artikeln zum Interview von Herrn Pflugbeil ausreichend behandelt. Das regelmäßige Diskussionsende mit Atomenergiefreunden bleibt: Wenn die Betreiber eine Haftpflichtversicherung für diese Anlagen finden, die nicht nach oben begrenzt ist und darüber hinaus staatlich garantiert werden muss: Bitte! Bisher war dann immer Ende der Diskussion, weil es die Versicherung nicht gibt oder die Prämien das Märchen vom preisgünstigen Atomstrom beerdigen. Das kann man natürlich trotzdem machen, hat aber mit Preisbildung durch Märkte nichts zu tun. Zudem wissen alle Comirnaty-Geschädigten, was Staatshaftung heißt...

Was die Atommafia von der Pharmamafia unterscheidet, konnte mir auch noch keiner erklären. Dass die Atomindustrie nun wieder Oberwasser hat, liegt natürlich daran, dass sie ihre Rückstellungen an die Bundesrepublik übergeben haben und damit alle Risiken des Mülls. Verständlich, dass die wieder von vorne anfangen.

Schöne Grüße
Axel Klein

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